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Veröffentlicht am 04.03.2025

Der Dichter und seine Muse

Bis unsre Seelen Sterne sind. Rilke und Lou Andreas-Salomé
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In ‚Bis unsere Seelen Sterne sind‘ hat die Autorin Maxine Wildner die Verbindung des 22-jährigen Rainer Maria Rilke mit der der fast fünfzehn Jahre älteren Psychoanalytikerin und ebenfalls erfolgreichen ...



In ‚Bis unsere Seelen Sterne sind‘ hat die Autorin Maxine Wildner die Verbindung des 22-jährigen Rainer Maria Rilke mit der der fast fünfzehn Jahre älteren Psychoanalytikerin und ebenfalls erfolgreichen Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé verarbeitet.

Lou von Salomé führt in Berlin mit den Orientalisten Friedrich Carl Andreas eine Scheinehe. Rilke ist von Lou fasziniert, sie unterstützt ihn in seiner Karriere, ist seine Kritikerin und seine Geliebte. Eine Amour fou jenseits aller Konventionen. Aber Rilke engt die freiheitsliebende Lou mehr und mehr ein.

Die Sprache ist zum Teil ungewohnt, ist aber der Gesellschaftsschicht und der Zeit angemessen. Besonders Lou Andreas-Salomé hat mich als Protagonistin beeindruckt. Rilke wurde in seiner Zerrissenheit und in seiner Egozentrik sehr gut gezeichnet. Mit Lous Mann habe ich gelitten. Dennoch bin ich mit den Protagonisten nicht warm geworden. Sie haben mich nicht wirklich erreicht. Ich empfand das Buch stellenweise als langatmig und zäh. Dennoch habe ich viel mitgenommen, über die Menschen dieser Zeit, die Begegnungen mit Tolstoj, Friedrich Nietzsche und Paul Rée, mit Malwida von Meysenbug und den Verbindungen nach Bayreuth und der Wagner-Familie.

Fazit: Ein Buch mit vielen interessanten Menschen.



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Veröffentlicht am 04.03.2025

Die weiße Hirschkuh

Hier draußen
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Als Handarbeitsfan kannte ich die Autorin Martina Behm bereits als Strickdesignerin und von ihren Strickbüchern. Nun legt die Journalistin ihren Debütroman vor. Was für eine Überraschung: Vom Strickdesign ...

Als Handarbeitsfan kannte ich die Autorin Martina Behm bereits als Strickdesignerin und von ihren Strickbüchern. Nun legt die Journalistin ihren Debütroman vor. Was für eine Überraschung: Vom Strickdesign zum Romandebüt.

Ingo und Lara sind mit ihren Kindern von Hamburg aufs Land gezogen. Sie haben sich einen alten Bauernhof gekauft. Doch die romantische Vorstellung vom Landleben hat sich in der Realität leider nicht halten können. Ingo, der ein Start-Up Unternehmen in Hamburg hat, muss täglich pendeln und ist davon ziemlich angenervt. Als er eines Abends auf der Landstraße eine weiße Hirschkuh anfährt, gerät endgültig alles ins Wanken. Denn wer so eine tötet, hat nur noch ein Jahr zu leben, sagt Dorfjäger Uwe.

Martina Behm schreibt gut lesbar. Sie beschreibt das Leben auf dem Land sehr detailliert und bildhaft. Wir lernen die Dorfbewohner kennen, erfahren zum Teil auch in Rückblicken von ihrem Leben. Behms Beobachtungsgabe und ihr trockener Humor machen das Buch zu einem Dorfroman, der ohne Kitsch und Sentimentalität auskommt. Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und die Handlung ist spannend und fesselnd, nur manchmal zu detailverliebt. Da wäre definitiv weniger mehr gewesen.

Fazit: Man braucht Geduld und Ausdauer. Trotzdem ein tolles Buch, dass realistisch das Landleben aufzeigt.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Die Inselwelt im Pazifik

Poesie des Pazifiks
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Die Autorin Ricarda Wilhelm nimmt uns mit auf ihre abenteuerliche Segeltour von Panama nach Polynesien. Eine Reise in eine paradiesische Inselwelt mit einer für uns völlig unbekannten Kultur.

Das Buch ...



Die Autorin Ricarda Wilhelm nimmt uns mit auf ihre abenteuerliche Segeltour von Panama nach Polynesien. Eine Reise in eine paradiesische Inselwelt mit einer für uns völlig unbekannten Kultur.

Das Buch ‚Poesie des Pazifiks‘ fängt bereits hoch spannend an, nämlich mit der Passage durch den beeindruckenden Panamakanal. Über Schleusen, die 26 Meter über den Meeresspiegel liegen, werden Schiffe bis zu 367 Metern Länge und 51 Metern Breite vom Atlantik in den Pazifik manövriert.

Ricarda Wilhelm und ihr Mann Stefan erleben während ihrer Reise unvergessliche Naturschauspiele. In den unendlichen Weiten des Pazifiks begegnen ihnen Delphine, Pilotwale, Grindwale, Fischschwärme, Gelbflossen-Thunfische, Meeresschildkröten und Pelikane und viele mehr.

Übrigens darf der Magen auf See nie leer sein. Alle zwei Stunden muss was zu sich genommen werden, um eine Seekrankheit zu vermeiden. Ricarda Wilhelm leidet gelegentlich unter diesem Übel und muss Tabletten nehmen. Hier helfen auch Ingwer und Vitamin C und eine histaminarme Ernährung.

Wir lesen von verschiedenen Windstärken. Eine anhaltende Flaute lässt das Segelboot, die LADY, vor sich hindümpeln. Das Ehepaar Wilhelm benötigt jede Menge Geduld, bis endlich wieder ein Lüftchen aufkommt und die Reise weitergehen kann.

Doch die Ankunft in der Inselwelt von Polynesien entschädigt für alle Mühen und Strapazen. Wir erfahren von der polynesischen Handwerkskunst, von den polynesischen Tätowierungen, die auch Zeichen von Schönheit sind und jedes Design eine besondere Bedeutung für den Träger hat. Interessant ist auch die Figur des Tiki. In der polynesischen Kultur stellt der Tiki die Verbindung zwischen Menschen und Natur, zwischen Himmel und Erde dar und symbolisiert die Schöpfung und das Leben selbst. Die Polynesier glaubten, dass der Tiki ein Schutzpatron und Glücksbringer sei und verehrten ihn als eine Art Götzenbild.

Fazit: Ein spannendes und informatives Buch über eine völlig andere Kultur. Eine Reise voller Farben und Eindrücke.


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Veröffentlicht am 28.02.2025

Probleme reicher Menschen

Die Fletchers von Long Island
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Ich mag Bücher mit einem guten ersten Satz. In Taffy Brodesser-Akner ‚Die Fletchers von Long Island‘ lautet der erste Satz: Willst du eine Geschichte hören, die schrecklich endet?

1980: Die jüdische ...



Ich mag Bücher mit einem guten ersten Satz. In Taffy Brodesser-Akner ‚Die Fletchers von Long Island‘ lautet der erste Satz: Willst du eine Geschichte hören, die schrecklich endet?

1980: Die jüdische Familie Fletcher lebt auf Long Island. Sie sind unvorstellbar reich, um nicht zu sagen absurd reich. Carl Fletcher, der ein großes Unternehmen leitet, wird eines Tages vor seinem Haus gekidnappt und wird erst nach einigen Tagen, nachdem eine große Summe Lösegeld gezahlt wurde, freigelassen.

2020: Vierzig Jahre später sind die Auswirkungen des Kidnappings bei den Familienmitgliedern immer noch zu spüren. Die Entführung ging an keinem spurlos vorbei. Vor allem die drei Kinder: Nathan, Bernard ("Beamer") genannt und Jenny, die Jüngste, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf der Welt war, tragen die Folgen der psychologischen Last dieses schrecklichen Familienereignisses. Und auch das Thema Holocaust belastet die Familie Fletcher. Denn der Firmengründer Zelig Fletcher ist mit nichts als einer Formel zur Herstellung von Styropor in den 1940er Jahren mit dem Schiff nach Amerika geflüchtet.

Es geht in diesem Roman auch um den Irrsinn des Reichtums. Schon in den 80-iger Jahren geht man ganz selbstverständlich zum Schönheitschirurgen, man hat keine Wünsche, die nicht erfüllt werden könnten. Okay, Reichtum öffnet Türen, die uns Normalos verschlossen bleiben. Aber macht es tatsächlich glücklich. Die Kinder der Fletchers jedenfalls nicht.

Ich muss leider gestehen, mich mutete die Geschichte in weiten Teilen sehr langatmig an. Die Autorin ging zu sehr ins Detail, das hat den Lesefluss stark gehemmt und dadurch wurde ich oft ungeduldig. So toll Taffy Brodesser-Akners Schreibstil auch ist, konnte mir diese Weitschweifigkeit doch den Lesegenuss vermiesen. Und lustig fand ich es ehrlich gesagt auch nicht.

Fazit: Man braucht Geduld.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Glückssuche im Schweige-Retreat

In der Ruhe liegt der Wahnsinn
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Adam und Evelyn stecken in einer Sackgasse, ihre Beziehung droht ihnen zu entgleiten. Hinter seinem Rücken meldet sie ihn für ein Vipassana-Retreat an: Zehn Tage Schweigen, zehn Tage Meditieren, zwölf ...




Adam und Evelyn stecken in einer Sackgasse, ihre Beziehung droht ihnen zu entgleiten. Hinter seinem Rücken meldet sie ihn für ein Vipassana-Retreat an: Zehn Tage Schweigen, zehn Tage Meditieren, zwölf Stunden am Tag! Ohne Bücher, ohne Handy, ohne Internet!

‚In der Ruhe liegt der Wahnsinn‘ von Adam Fletcher bietet eine fesselnde und tiefgehende Erkundung der menschlichen Psyche. Nicht ohne Humor, schildert er den Retreat und seine Mitsuchenden. Besonders über seinen Zimmerkollegen musste ich Schmunzeln. Zehn Tage gilt es mit Achtsamkeit runterkommen, sich selbst finden, seine Probleme zu lösen und insgesamt ein besserer Mensch zu werden. Na ob das wohl klappten wird? Adam ist schon bald genervt. Er ist praktisch den ganzen Tag am Meditieren, unterbrochen von kleinen Pausen.

Fletchers Schreibstil ist leicht und unterhaltsam. Er beobachtet und reflektiert sein Umfeld. Der beste Satz, in dem viel Wahres steckt, kam von seinem Kursleiterin. Es ging dabei um Adams Dämonen. Sein Kursleiter erklärte: Es geht ums Akzeptieren, nicht ums Besiegen.

Fazit: Spirituelle Praxis humorvoll betrachtet.

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