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Veröffentlicht am 20.04.2026

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Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Um den anekdotischen Kapiteln der Känguru-Rebellion folgen zu können, muss man die vorherigen Bände der Känguru-Werke nicht kennen. Es hilft, um die Figuren besser einordnen zu können, aber es ist nicht ...

Um den anekdotischen Kapiteln der Känguru-Rebellion folgen zu können, muss man die vorherigen Bände der Känguru-Werke nicht kennen. Es hilft, um die Figuren besser einordnen zu können, aber es ist nicht unbedingt nötig.

Die Känguru-Rebellion habe ich, wie auch schon die Känguru-Chroniken, als Hörbuch gehört, anstatt das Buch selbst zu lesen. Marc-Uwe Kling liest die Stimmen einfach so großartig, dass mein Kopfkino – oder in diesem Fall: meine innere Vorlese-Stimme – schlicht nicht mithalten kann. Auch diese Live-Lesung war wieder super unterhaltsam zu hören. Das lachende und applaudierende Publikum im Hintergrund spielt dabei bestimmt auch eine Rolle, für mich liegt es aber hauptsächlich an dem Autor. Dass das Känguru nicht tatsächlich auch auf der Bühne sitzt und liest, entfällt mir dabei ab und zu sogar, so gut wird die Atmosphäre vermittelt.

Vor einigen Jahren konnte ich eine Live-Lesung der Känguru-Comics in Mainz besuchen – aufgrund der Pandemie war es eine Open-Air-Veranstaltung bei bestem Wetter. Deshalb kann ich sagen, dass die Lesung vor Ort genauso unterhaltsam ist, wie es im Hörbuch den Anschein macht.

Inhaltlich ist Die Känguru-Rebellion wieder sehr anekdotisch aufgebaut. Das hat mir einerseits sehr gut gefallen, weil ich gut zwischen den einzelnen kurzen Kapiteln pausieren und dann wieder weiterhören konnte, ohne überlegen zu müssen, wo ich aufgehört hatte. Dazwischen gab es einen roten Faden dadurch, dass das Känguru und der Kleinkünstler durch das ganze Hörbuch hindurch gegeneinander wetten, wer mehr Leute für ihre Rebellion gewinnen kann. Darauf wird immer wieder Bezug genommen. Auch ein paar andere kleine Details werden häufiger aufgegriffen und dadurch zu einem dezenten Running-Gag.

Die politischen und gesellschaftlichen Themen, die hier behandelt werden, sind wieder einmal top aktuell und der Autor legt an einigen Stellen so richtig schön den Finger in die sprichwörtliche Wunde. Der Sarkasmus und Humor, der neben allen ernsten Themen in diese Geschichte eingewoben wird, die doch mehr eine Sammlung von Momenten als eine fortlaufende Story ist, ist für mich erneut das i-Tüpfelchen. Ich schließe mich dem Känguru an, wenn es fragt, ob Marc-Uwe schon einmal daran gedacht hat, Satiriker zu werden. Seine Wortspielereien machen die Welt des Kängurus so besonders.

Die Känguru-Rebellion hat mich wieder einmal köstlich unterhalten, beim Abwaschen, beim Aufräumen, auf der Fahrt zur Arbeit, und ich freue mich sehr, dass die Welt des Kängurus erweitert wird. Seit ich mich zuletzt mit dem Känguru beschäftigt hatte, hat der Autor unter anderem einige Kinderbücher veröffentlicht, beispielsweise das sehr erfolgreiche NEINhorn oder zuletzt Klugscheißerchen und Vehlerteufelchen. Deshalb besteht er in Die Känguru-Rebellion nun darauf, nicht mehr „nur“ Kleinkünstler genannt zu werden, sondern auch Kinderbuchautor. Dass das Känguru einen Weg findet, sich auch darüber lustig zu machen, ist ja wohl klar.

Es gefällt mir, wie wichtig das Thema KI-Kritik in diesen Anekdoten, in diesem kurzen Kapiteln, ist. Und auch die Klimakrise, der politische Rechtsruck, und weitere wichtige Themen werden leicht verständlich und mit dem gewohnten Sarkasmus und Humor des Autors – und des Kängurus – vermittelt. Herta und Krapotke sorgen natürlich wieder für unterhaltsame Augenblicke.

Ich bin gespannt, was von Känguru noch kommen wird. Mich hat dieses Hörbuch über die Känguru-Rebellion wie erwartet sehr gut unterhalten, aber irgendwie fehlte mir doch noch ein gewisses Etwas. Es ist für mich die richtige Art von Humor, es sind die richtigen Witze, es sind die richtigen politischen Anspielungen und es werden die richtigen Spitzen verteilt, aber irgendetwas fehlte noch, um mich so vom Hocker zu hauen wie es beim ersten Band der Fall war.

Vielleicht liegt es schlicht daran, dass der Stil nicht mehr so sehr überrascht wie beim ersten Mal; dass ich weiß, welche großartige Unterhaltung mit einem Känguru-Buch auf mich zukommt.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Es macht keinen Spaß, dieses Buch zu lesen. Aber trotzdem ist es gut.

GUY'S GIRL
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Hui, der Standalone-Roman Guy’s Girl ist definitiv keine leichte Kost (pun not intended …)! Die vorangestellte Triggerwarnung zur Thematik Essstörungen ist definitiv berechtigt.

Anhand dieses Klappentextes ...

Hui, der Standalone-Roman Guy’s Girl ist definitiv keine leichte Kost (pun not intended …)! Die vorangestellte Triggerwarnung zur Thematik Essstörungen ist definitiv berechtigt.

Anhand dieses Klappentextes hatte ich nicht erwartet, dass Ginnys Anorexie und Bulimie dermaßen im Vordergrund stehen würden. Rückblickend finde ich diesen Aspekt aber extrem gut gemacht, da Betroffene eben auch jederzeit und überall von diesen Krankheiten verfolgt werden, egal, was gerade in ihrem Leben und Alltag passiert. Dass die Autorin aus eigener Erfahrung schreibt, habe ich an vielen Stellen gemerkt.

Es werden Details beschrieben und Worte gewählt, die sich aus außenstehender Perspektive wahrscheinlich kaum darstellen lassen würden. Ob auch die Übersetzung von Guy’s Girl mit einer own-voice-Perspektive angefertigt wurde, kann ich im Moment nicht beurteilen, es erscheint mir jedoch alles sehr authentisch – und damit auch bedrückend und stellenweise fast grenzwertig real. Manche ganz trocken beschriebenen Details (wie an einer Stelle die Farbe und Konsistenz von Erbrochenem) hätte ich nicht unbedingt gebraucht, sie tragen aber zu diesem besonderen Level an Realismus bei. Lesende sollen sich mit den beschriebenen Szenen in dem Moment auch nicht wohl fühlen, glaube ich.

Adrian ist mir bis zum Ende irgendwie fremd geblieben, obwohl Guy’s Girl intensive Einblicke in seine Beweggründe und Gedankengänge gewährt. Das ist Teil des Traumas, das er mit sich herumträgt, und damit ebenso real geschrieben und gut umgesetzt wie Ginnys Krankheiten. Trotzdem hätte ich mir mehr Facetten zu seinem Charakter gewünscht als nur den Wunsch, auf der Karriereleiter aufzusteigen (aber nicht in dem Job, in dem er zu lange fest hing) und die Sehnsucht nach Ginny und seiner Heimat Budapest. Viel mehr habe ich nicht über ihn erfahren.

Ich finde es spannend, dass der Titel Guy’s Girl lautet und keine Bezüge zur Trauma-Thematik herstellt. Dass der Freundeskreis aus Ginny und den vier Jungs (in dessen Zusammenhang übrigens viele spannende Fragen aufgeworfen werden wie „Können Männer und Frauen Freunde sein, ohne dass sich eine/r oder zwei verlieben?“ oder „Wo verlaufen die Grenzen zwischen Freundschaft und „Mehr“?“) mit dem Titel in den Vordergrund rückt und die Intensität, mit der die Krankheiten und langjährige Traumata beschrieben werden, beim Lesen geradezu aus dem Hinterhalt über mich herfiel, finde ich rückblickend ziemlich überraschend – aber, noch einmal, sehr realistisch.

Einige Absätze hatten einen zu deutlichen Bildungscharakter. Aus Ginnys Perspektive werden einzelne Elemente ihrer beiden Krankheiten beschrieben und erklärt. Symptome, psychische Begleiterscheinungen, fast schon wissenschaftliche Erläuterungen und Formulierungen. Manchmal kam es mir so vor, als hätte die Autorin beim Schreiben von Guy’s Girl ein Lehrbuch neben sich liegen gehabt, um auf Nummer Sicher zu gehen, dass sie bloß oft genug betont, dass Lesende Ginny bitte nicht nacheifern sollen, und dass es eben eine Krankheit ist und keine Modeerscheinung. Aus diesem Grund ist Guy’s Girl für mich auch absolut nicht für Jugendliche geeignet – der Nachahmungscharakter ist trotz aller Warnungen und beschriebener Konsequenzen einfach zu groß.

Diese zugegebenermaßen kurzen Abschnitte haben mich immer wieder etwas aus der Geschichte gerissen – es wirkte wie die kleinen Info-Kästen, die man am Seitenrand in Broschüren finden kann, und nicht wie die eigenen Worte der Figur, deren Art zu denken und zu sprechen ich ja über die vorherigen 200 Seiten schon gut kennen gelernt hatte.

Fazit
Es ist jetzt nicht ganz einen Tag her, dass ich Guy’s Girl beendet habe, und ich kann noch nicht richtig sagen, ob ich das Buch mag oder eher nicht mag. Ich hatte beim Lesen selten Spaß. Fest steht aber, dass es mich phasenweise richtig umgehauen hat, dass ich es handwerklich enorm gut umgesetzt finde und dass es mich bestimmt noch eine Weile begleiten wird.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Toller Anfang, bin gespannt auf die Fortsetzungen!

Court of Shadows
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Ich muss gestehen, dass ich zuerst etwas zögerlich und skeptisch war: es gab in den letzten Jahren so viele Bücher über Fae, dass ich es einfach etwas über hatte. Trotzdem machte mich die Beschreibung ...

Ich muss gestehen, dass ich zuerst etwas zögerlich und skeptisch war: es gab in den letzten Jahren so viele Bücher über Fae, dass ich es einfach etwas über hatte. Trotzdem machte mich die Beschreibung von Court of Shadows neugierig genug, um „zumindest mal kurz reinzulesen“. Nun, nach einem Tag war ich am Ende des Buches angekommen und freue mich auf Band 2!

In Court of Shadows wird das Rad nicht neu erfunden, sondern auf die bekannte Art der Urban Fantasy Fantastisches mit Realem verknüpft. Dabei beweist das Autor*innenduo allerdings viel Kreativität, sodass es sich neu und frisch anfühlte, nicht wie die x-te Kopie vorangegangener Romane. Ich mag die kleinen Details wie große, raschelnde Bibliotheksmotten, die die Bücher abstauben, oder die Tatsache, dass die überwiegend schlagfertigen Frauen – bisher – zusammenhalten, um gegen die Übermacht der Männer zu bestehen.

In der Kurzbeschreibung werden drei Tropes versprochen: Enemies to Lovers (in Kombination mit „Who did this to you“), Found Family und Forced Proximity. Feinde, die zu Freunden oder mehr werden und erzwungene Nähe sind nicht zu übersehen. Die Found Family kann man meiner Meinung nach in Court of Shadows bisher nur erahnen – es gibt Andeutungen in der Richtung, aber ich habe noch nicht das Gefühl bekommen, dass die Figuren zu einer richtigen familiären Gruppe zusammengewachsen sind. Wenn die Entwicklung allerdings so weiter gehen, wie es bisher den Anschein macht, dann wird dieses Trope mit Sicherheit in der Fortsetzung erfüllt.

Mich hat beim Lesen etwas gestört, dass es viele Wiederholungen gab. Ich brauche nicht fünf Mal in relativ kurzen Abständen einen ganzen Abschnitt darüber lesen, wie Arianna als Gladiatorin mal eine Woche lang nur Wasser bekommen hat, ich habe es beim ersten Mal und spätestens bei der nächsten Erinnerung verstanden… Glücklicherweise ist das der einzige für mich wirklich negative Aspekt von Court of Shadows.

Die erotisch aufgeheizten Szenen zwischen Arianna und Ruadan verorten Court of Shadows für mich deutlich außerhalb der Jugendliteratur – vielleicht New Adult oder sogar erwachsene Fantasy? (Der Verlag macht da keine genauen Angaben, laut Genialokal wird Court of Shadows ab 16 Jahren empfohlen.) Es bleibt aber – und das empfinde ich als sehr angenehme Abwechslung beim Thema Fae – ein Fantasyroman mit gelegentlichen Szenen voller Begierde (aber tatsächlich nur wenig Sex!), anstatt zu einem Erotikroman mit gelegentlicher Fantasy zu mutieren.

Fazit
Es hat mir richtig Spaß gemacht, Court of Shadows zu lesen. Eine kurze Recherche zeigt, dass das englische Original diverse Bände hat, die hoffentlich auch übersetzt werden – ich bin sehr gespannt, was da noch kommt!

Eine Notiz am Rande: Übrigens ist der Verlag, in dem Court of Shadows auf Deutsch erschienen ist, unter der Leitung von der Autorin Jenny-Mai Nuyen (von ihr habe ich zum Beispiel Die Sturmjäger von Aradon und Nijura. Das Erbe der Elfenkrone gelesen) und noch ziemlich jung. Das Programm trifft genau das Genre Romantasy, das momentan im Trend liegt, und ich bin sehr gespannt, was sich dort noch alles finden lässt. Dieses Buch war für mich jedenfalls ein sehr guter erster Eindruck vom Von Morgen Verlag!

Veröffentlicht am 12.04.2026

Schwieriger Anfang, dann spannende Fantasy

Das Mädchen, das in den Wellen verschwand
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Nach einem minimal zähen Einstieg war Das Mädchen, das in den Wellen verschwand eine wirklich schöne Geschichte, die ich an einem Wochenende verschlungen habe.

Ganz ähnlich wie bei A Magic Steeped in ...

Nach einem minimal zähen Einstieg war Das Mädchen, das in den Wellen verschwand eine wirklich schöne Geschichte, die ich an einem Wochenende verschlungen habe.

Ganz ähnlich wie bei A Magic Steeped in Poison, was ich nur wenige Wochen vorher gelesen habe, brauchte ich eine kurze Weile, mich in der Welt von Das Mädchen, das in den Wellen verschwand zurechtzufinden. Das Buch ist inspiriert von koreanischen Legenden und Mythen, sodass mir als Europäerin Einiges etwas fremd vorkam. Es dauerte aber nicht lange, bis ich die Struktur aus Gottheiten und dem (Aber-) Glauben der Menschen und vor allem die Zeremonie um die Braut des Meeresgottes verstehen konnte.

Den Originaltitel The Girl Who Fell Beneath the Sea finde ich etwas passender als die deutsche Übersetzung mit Das Mädchen, das in den Wellen verschwand, denn die Protagonistin Mina verschwindet nicht einfach in den Wellen, sondern fällt quasi durch das Meer hindurch in das Reich des schlafenden Meeresgottes, wo Fische am Himmel schwimmen und der Fluss der Toten über die Ufer schwillt, weil im Reich der Menschen zu viel Krieg und Unwetter herrschen.

Die Personen, denen Mina dort begegnet, sind alle irgendwie mit ihr und ihrem Lebensweg verwoben. Die einen, weil sie Teil ihrer Vergangenheit waren, die anderen, weil sie fest zu ihrer Zukunft gehören. Das Rote Band des Schicksals, das in vielen asiatischen Ländern in Legenden und Glaubenssystemen vorkommt und Seelenverwandte aneinander bindet, spielt auch in dieser Geschichte eine wichtige Rolle und stellt eine Verbindung zwischen Mina und dem Meeresgott selbst her. Die Frage, ob sie deshalb wirklich seine wahre Braut ist und einen Fluch von ihm nehmen kann – und ob diese Verbindung wirklich etwas mit Liebe zu tun hat – begleitet schon sehr früh in der Geschichte alle Entwicklungen der Handlung.

Ich mochte besonders, wie subtil die Figuren in Das Mädchen, das in den Wellen verschwand Zuneigung zueinander entwickeln. Die Liebe kommt nicht wie ein Hammerschlag, plötzlich und unerwartet wie von einer höheren Macht bestimmt, und auch Freundschaften entstehen nur langsam über die Zeit, die Mina in der Unterwasserwelt verbringt.

Mir gefällt auch, welchen Stellenwert Frauen und Kinder in der Mythologie, die hier dargestellt wird, einnehmen. Dass eine Gottheit, die für diese allzu oft diskriminierten Gruppen zuständig ist, automatisch einen höheren Rang einnimmt und mehr Macht hat als andere, weil sie von so vielen Menschen angebetet und geliebt wird. Das ist ein relativ kleines (aber nicht unbedeutendes) Detail im Verhältnis zum Rest des Abenteuers, aber eine Botschaft, die ich sehr gern vermittelt sehe.

Insgesamt hat mich Das Mädchen, das in den Wellen verschwand nicht komplett vom Hocker gehauen und es wurde auch das Rad nicht neu erfunden. Trotzdem ist es eine wirklich schöne Geschichte mit mehreren willkommen

Veröffentlicht am 12.04.2026

Eine neue Lieblingsreihe!

Drei Magier und eine Margarita
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Drei Magier und eine Margarita war schon ein paar Monate unangetastet bei mir, bevor ich jetzt endlich in der richtigen Stimmung für dieses Buch war, und es an einem einzigen Tag durchgelesen habe. Dabei ...

Drei Magier und eine Margarita war schon ein paar Monate unangetastet bei mir, bevor ich jetzt endlich in der richtigen Stimmung für dieses Buch war, und es an einem einzigen Tag durchgelesen habe. Dabei weiß ich rückblickend gar nicht, was mich vom Lesen abgehalten hat!

Der knappe Klappentext, der mich damals sofort davon überzeugt hat, dass ich das Buch unbedingt lesen musste, trifft ziemlich genau ins Schwarze: Tori ist nicht auf den Mund gefallen und als sie sich – mal wieder – als Kellnerin nicht alles grundlos gefallen lässt, muss sie einen neuen Job suchen. Im Pub „Crow and Hammer“ ist ihre toughe Art aber genau das, was gesucht wird, und plötzlich steht sie mitten in einer Truppe aus Abenteurern, die ihr Verständnis von der Welt auf den Kopf stellen.

Dabei schafft die Autorin Annette Marie das, was ich bei so vielen anderen Autor*innen vermisse: sie verbindet ihren einfachen Schreibstil, der sich deshalb ganz locker lesen lässt, mit großartigem Humor und Sarkasmus. Das ist genau die Kombination, die ich an Patricia Briggs und ihrer Mercy-Thompson-Reihe so schätze, und die auch in den Dialogen in Helen Harpers Magic Sparks angedeutet wird: schlagfertige Charaktere, die sich nicht unterkriegen lassen und immer einen flotten Spruch auf den Lippen haben.

Insbesondere Frauenfiguren, die, ja, schöne Männer durchaus zu schätzen wissen, aber ihnen auch Kontra geben, wenn diese gewisse Grenzen überschreiten. So muss sich Tori schon während ihrer Probeschicht als Barkeeperin im neuen Pub gegen verschiedene Anmachen, aber auch gegen Beleidigungen und Respektlosigkeit von Männern und auch von Frauen behaupten, was sie unter anderem durch das Verweigern von Bestellungen, eine ins Gesicht geschüttete Margarita und eine Lektion im Bitte- und Danke-Sagen erreicht.

In der ihr fremden, neuen Welt voller Magie und Mystik steht Tori als einfacher Mensch erst einmal schwach und angreifbar da. Ein brüderliches Trio attraktiver Männer – die drei Magier, die im Titel genannt werden -, das einerseits dazu verdonnert wird, auf sie aufzupassen, es andererseits aber auch sehr genießt, in die Beschützer- (und Angeber-) Rolle zu schlüpfen, sorgt jedoch schnell dafür, dass sie nahezu unantastbar wird. Die Betonung liegt auf „nahezu“ … Als es dann kommt, wie es kommen muss, und Tori mit einem ihrer Aufpasser in einen Hinterhalt gerät, stellt sich heraus, dass sie nicht nur mit Worten zuschlagen kann, sondern auch sonst recht gut zu gebrauchen ist.

Dieser spielerische verbale Schlagabtausch, die gut verständliche Urban-Fantasy-Welt, die liebevoll gestalteten Charaktere – das alles, verpackt in diesen besonderen humorvollen Erzählstil, den ich so liebe, hat mir beim Lesen von Drei Magier und eine Margarita richtig Spaß gemacht. Eine kurze Recherche zeigt: Im englischen Original gibt es aktuell 8 Bände (und ein Spin-Off?), der letzte ist 2020 erschienen. Möglicherweise ist die Reihe also abgeschlossen. Auf Deutsch sind inzwischen 4 Bände erschienen und ich bin sehr neugierig, wie die Geschichte weiter geht.

Einen einzigen, klitzekleinen Minuspunkt habe ich für Drei Magier und eine Margarita: viele Gildenmitglieder, die eher Figuren am Rande sind und manchmal nicht einmal einen Namen erhalten, werden mehrfach anhand einzelner Merkmale beschrieben, die sich dann bei jedem Auftauchen in der Story wiederholen. Eine ältere Frau mit Strickmütze und türkisfarbenem Brillengestell zum Beispiel kam so oft vor – gib der armen Frau doch einfach einen Namen! Dann bräuchte ich nicht immer wieder diese längere Beschreibung, die schon allein durch die häufige Wiederholung etwas störend wirkt.

Zugutehalten muss ich der Autorin, dass sie mich auf die falsche Fährte gelockt hat, was Toris Love Interest betrifft. Rückblickend hatte ich am Anfang den richtigen Riecher, aber dann gab es ein paar Momente, in denen ich eine andere Person in die engere Wahl gezogen habe und für mich klar war, wohin die Reise gehen würde, nur damit es schließlich doch jemand anderes wird. Ich persönlich hätte eine andere Entscheidung getroffen, aber diese Andeutungen, ohne, dass etwas explizites passiert wäre, hat mich sehr an K-Dramen und das sogenannte „second lead syndrome“ erinnert. Das ist nur ein weiteres Detail, das mir gefällt.

Apropos „explizit“: Im krassen Gegensatz zu so vielen anderen aktuellen Fantasy-Romanen für Erwachsene kommt Drei Magier und eine Margarita komplett ohne Sexszenen aus. Es gibt eine Kussszene und ein paar Momente der unausgesprochenen Bewunderung und leichter Schwärmerei, aber weil so viel passiert und die Charaktere einfach mit anderen Dingen beschäftigt sind, ist dies keine in Fantasy verpackte Erotik.

Mir fällt erst jetzt beim Schreiben dieser Rezension so richtig auf, dass ich diesen Aspekt schon fast für selbstverständlich halte bei Fantasyromanen, die sich an Erwachsene richten, und dass ich es beim Lesen gar nicht bemerkt habe, dass das hier nicht der Fall war. Ein deutliches Zeichen dafür, dass ich wirklich in der Geschichte steckte und keine Gelegenheit hatte, meine Gedanken in andere Richtungen schweifen zu lassen!

Ich gehe davon aus, dass es in den Folgebänden gelegentlich einige Szenen geben wird, in denen Romantik, Sex und alles, was damit zu tun hat, expliziter beschrieben wird, dass dabei Einvernehmlichkeit aber einen hohen Stellenwert hat. So war es auch bei der oben erwähnten Mercy-Thompson-Reihe von Patricia Biggs, die ich so liebe, und der dieses Buch in der Ästhetik, der Stimmung und dem Schreibstil so ähnelt. Dass in diesem ersten Teil aber darauf verzichtet wurde und uns Lesenden stattdessen die Welt beschrieben und die Charaktere vorgestellt wurden, das rechne ich der Autorin hoch an.

Etwas schade finde ich – aber das hat mit Drei Magier und eine Margarita an sich nichts zu tun – , dass die Cover der deutschen Übersetzungen alle sehr ähnlich sind, es unterscheidet sich nur der Titel und kleine Details, die aber nicht sofort erkennbar sind. Dadurch sind sie auf den ersten Blick nicht voneinander zu unterscheiden. Eine andere Farbe pro Band bei gleichbleibendem Design hätte ich beispielsweise besser gefunden.