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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.05.2026

Gute Unterhaltung für zwischendurch, hat mich aber nicht ganz abgeholt

Fever Dream
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Auf Elsie Silvers "Fever Dream" war ich sehr gespannt, weil eine Kollegin mir schon länger von dieser Autorin und ihren Büchern vorschwärmt. Daher war meine Freude groß, als ich in der Lesejury-Leserunde ...

Auf Elsie Silvers "Fever Dream" war ich sehr gespannt, weil eine Kollegin mir schon länger von dieser Autorin und ihren Büchern vorschwärmt. Daher war meine Freude groß, als ich in der Lesejury-Leserunde mitmachen durfte. Eine der letzten Leserunden auf der Plattform, wie sich herausstellt: Die Lesejury wird leider eingestellt, aber das ist ein anderes Thema.

Die Prämisse von Fever Dream wurde in der Leseprobe schon deutlich und erinnerte mich durch die Stimmung und das Setting ein bisschen an Lauren Brookes "Heartland", wodurch ich extra neugierig wurde. Mit "Heartland" verbinde ich viele schöne Erinnerungen: Die Bücher haben mich durch die Schulzeit begleitet, bevor ich die Serienverfilmung als Studentin entdeckte. Beide Autorinnen haben außerdem eine Reihe mit dem Namen Rose Hill und eine, die sich mit Cowboys beschäftigt, geschrieben - ein Zufall?

Ich habe mich auf eine emotionale Achterbahnfahrt gefreut, auf das trope Frenemies to Lovers und auf eine charmante Großfamilie mit jeder Menge schrulligen Charakteren. Nur bei einem dieser drei Aspekte habe ich das Gefühl, dass das Versprechen aus Klappentext und Leseprobe gehalten wurde.

Positives

Einerseits war es schön, mal wieder eine Cowboy-Ranch-Lovestory zu lesen, über Menschen mit Geldsorgen, die nicht durch einen Milliardär ganz einfach gelöst werden. Es hat mir gefallen, dass der männliche Part mit Emmett durch und durch gut war und er keine traumatic backstory brauchte, um irgendein Arschlochverhalten zu relativieren. (Ja, es gab tote Eltern und einen miesen Vater, aber das hat Emmetts Charakter scheinbar nicht geschadet.) Consent wurde durchweg groß geschrieben und sobald eine Grenze ignoriert und/oder überschritten wurde, wurde es entsprechend beschrieben und kritisiert.

Besonders die Familiendynamik der Brandts gefiel mir richtig gut. Tatsächlich war ich das ganze Buch hindurch fast mehr an den Beziehungen zwischen den Geschwistern und Großeltern interessiert als an der Liebesbeziehung zwischen Julia und Emmett, die ja eigentlich im Vordergrund stehen sollte.

Ich mag, dass sich die Charaktere mit einigen wenigen Ausnahmen zum Positiven entwickeln, und dass man die negativen Ausnahmen schon meilenweit im Voraus kommen sieht. Gleichzeitig nimmt das viel Potenzial für überraschende Wendungen - und das ist eines meiner größten Probleme mit "Fever Dream".

Negatives

Denn "Fever Dream" bleibt in meinen Augen viel zu oberflächlich und einfach.

Trotz der für mich positiven Grundstimmung und der interessanten Ausgangssituation fehlte mir das gewisse Etwas, das "Fever Dream" besonders gemacht hätte. Die Story plätscherte für mich zu seicht dahin, ohne mich emotional wirklich abholen zu können.

Im zweiten der drei Lese-Abschnitte der Leserunde habe ich geschrieben, dass meine Taschentücher bereit liegen, weil ich mit einer emotionalen Achterbahnfahrt zum Abschluss gerechnet habe. Aber die kam nicht. Beide Hauptfiguren blieben bis zum Schluss für mich unnahbar und distanziert, als ob ich von außen Leute beobachten würde und nicht in ihre Köpfe schauen könnte. Genau das sollten Bücher wie dieses mit wechselnden Perspektiven pro Kapitel aber ermöglichen.

Wir haben für meinen Geschmack zu wenig über Julia und Emmett gelernt. Über Julia weiß ich quasi nur, wie sie aussieht, dass ihr Vater tot ist, was sie arbeitet, dass sie Pflanzen mag und dass sie eine traumatische Erfahrung machen musste. Aber wer ist sie, wenn sie nicht arbeitet? Welche Musik hört sie, hat sie überhaupt Freunde außerhalb ihrer Arbeit, was macht sie zum Abschalten oder welche ist ihre Lieblingspflanze? Weil sich die gesamte Geschichte rund um ihre Arbeit abspielt, habe ich nicht das Gefühl, Julia wirklich kennengelernt zu haben - und kann mir deshalb auch kaum vorstellen, dass Emmett sie wirklich kennt, was für mich die gesamte Liebesgeschichte oberflächlich wirken lässt.

Emmett sagt mehrfach, dass er nur bei Julia er selbst sein kann, verletzlich und ein guter Mensch, im Gegensatz zu seinem publicity-Ego als Cowboy, das er dem Rest der Welt zeigt. Aber auch über Emmett erfahren wir kaum Dinge, die über seine Familiengeschichte oder seinen Charakter hinaus gehen. Warum ist sein Haus so spartanisch eingerichtet? Welche Musik hört er im Auto, wenn er einkaufen fährt? Welches ist sein Lieblingsbuch? Wo hält er sich am liebsten in der Stadt auf, wenn er nicht in der Natur unterwegs ist?

Wir wissen einfach nichts, was diese beiden menschlich macht oder Gemeinsamkeiten erlaubt. Julia wird als Arbeitstier beschrieben und Emmett als Rampensau, die eigentlich ganz anders ist. Mir drängt sich der Eindruck auf, dass diese Geschichte von Anfang an als Reihe mit mehreren Bänden angelegt wurde und dass man die Charaktere über alle Bände hinweg besser kennenlernen soll. Es soll wahrscheinlich eine slow burn-Geschichte sein, nicht nur in Bezug auf die Liebesbeziehung dieses Paares, sondern auch, wenn man das Buch bzw. die Reihe als Ganzes betrachtet.

Das kann man natürlich durchaus machen, besonders in Fantasy- oder Science-Fiction-Reihen ist das meiner Erfahrung nach nichts Außergewöhnliches. Doch in einem Romance-Buch wie diesem erwarte ich schon, dass im ersten Band zumindest die Hauptcharaktere genau genug vorgestellt werden, um uns Lesende mitfühlen zu lassen. Julia und Emmett bleiben für mich Fremde, über die ich etwas erzählt bekam. Klar, ab und zu war das unterhaltsam, aber insgesamt hat mich diese Story ziemlich kaltgelassen.

Genauso die Spice-Szenen. Sollen Emmett und Julia doch übereinander herfallen, wo immer sich die Gelegenheit bietet - es hat mich schlicht nicht berührt, und es passte auch nicht immer zum jeweiligen Moment. Ein Kuss hier und eine Berührung da, geschenkt. Aber in der Sattelkammer übereinander herzufallen, während draußen ein ganzes Drehteam auf einen wartet und man mit einer fadenscheinigen Ausrede vielleicht 4 Minuten herausgeschlagen hat - und der Erfolg der Show nicht nur über meine eigene finanzielle Zukunft bestimmt, sondern über die meiner gesamten Familie -, ist doch einfach dämlich bei dem großen Risiko, einfach alles zu verlieren. So beherrscht, wie Emmett beschrieben wird, passt diese Szene - und noch ein paar andere - weder zu seinem Charakter, noch zum Moment. Warum also existiert diese Szene? Hoffentlich nicht nur, um eine Portion spice mehr im Buch zu haben und damit dem TikTok-Trend hinterher zu laufen, zum Nachteil der Geschichte ...

Die Dating-Show

Apropos Drehteam und Dating-Show. Anfangs war ich ein bisschen skeptisch, ob ein Buch mit einer Dating-Show im Zentrum für mich interessant sein könnte. Ich mag solche Formate nicht - zumindest ist mir noch nicht eines untergekommen, das gut genug klang, um es wirklich anzuschauen - und die Sorge war groß, dass sich alles nur um das Drama fürs Fernsehen drehen würde.

Es überraschte mich daher sehr positiv, dass die Show zwar den gesamten Rhythmus der Story beherrschte und viele Faktoren bestimmte, die wiederum Einfluss auf die frische Beziehung zwischen Julia und Emmett nahmen; dass aber sehr wenige Szenen der Dreharbeiten ausführlich beschrieben wurden. Stattdessen wurden ganze Drehtage in knappen Memos an den Produzenten effizient zusammengefasst.

Es ließ sich aber nicht vermeiden, dass in der Show und bei allem, was damit zusammenhängt, Manipulation, Machtmissbrauch - und Missbrauch allgemein - groß geschrieben werden. Falsche Versprechen, um Menschen zu einem bestimmten Verhalten zu drängen; Druckerzeugung durch Geldsorgen; illegales Eindringen in persönliche Räume; sexuelle Nötigung - das sind nur einige der Elemente in diesem Buch.

Und am Ende weiß ich nicht, was die Autorin mir damit sagen möchte. Sind alle Dating-Shows falsch und die Menschen, die daran beteiligt sind, böse? Darf man nicht nach dem sprichwörtlichen Strohhalm greifen, wenn die Geldsorgen immer größer werden, weil man nie weiß, was hinter den Kulissen passiert? Oder soll es einfach nur eine Lektion für die beiden Hauptfiguren sein, nicht für uns Lesende? Dürfen wir einfach die Unterhaltung genießen, während für einige der Charaktere aus "Fever Dream" die Welt zusammenbricht? Es kommt mir so leer, so nichtssagend vor, während gleichzeitig so viel Unnötiges passiert. Eine perfekte Beschreibung von Dating-Shows im Allgemeinen also? Ach, ich weiß einfach nicht, was ich mit diesem Story-Element anfangen, wie ich es einordnen soll.

Immerhin sorgt Emmett am Ende dafür, dass die meisten Leute ein Happy End bekommen, die es verdient haben. (Obwohl diese Lösung für mich dann wieder zu simpel war. Ein weiterer Moment, in dem es für mich zu oberflächlich blieb, zu einfach war.)

Fazit

Ich schaue zwiegespalten auf "Fever Dream" zurück: Das Element der Dating Show holte mich überhaupt nicht ab, das war aber zu erwarten und spielt daher keine so große Rolle in meiner Wertung. Daher ist es gut, dass die Show im Buch keinen so großen Raum einnimmt. Hier habe ich bewusst über meinen Tellerrand geschaut und mir, wie befürchtet, ein bisschen die Finger verbrannt. Was mich stattdessen sehr viel mehr stört, ist die Oberflächlichkeit der ganzen Geschichte und dass die Hauptfiguren für mich Fremde bleiben. Es war für mich nicht möglich, mit ihnen mitzufühlen, weil durchweg eine unüberwindbare Distanz blieb.

Gleichzeitig habe ich das Setting der Ranch geradezu genossen und mich über die schrulligen Charaktere in Emmetts Familie amüsiert. Auch Emmett und Julia hatten ein paar unterhaltsame Momente, sodass ich das Buch insgesamt recht gern gelesen habe - besonders, weil der Schreibstil sehr angenehm zu lesen ist.

Trotzdem ist da eine gewisse Enttäuschung: Ich könnte so viele plot holes oder eine langweilige Handlung "verzeihen", wenn man so will, wenn zumindest die Chemie zwischen dem Paar stimmt und ich mit den Hauptfiguren mitfühlen kann. Das war in "Fever Dream" für mich einfach nicht der Fall.

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Veröffentlicht am 14.05.2026

Unterhaltung für zwischendurch mit zu vielen Anspielungen

Once Upon A Tender Kiss
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Once upon a Tender Kiss machte mich mit seinem Klappentext neugierig: Eine moderne Version von Dornröschen verspricht, dass ein Prinz daherkommt und seine zukünftige Partnerin aus ihrem scheinbar immerwährenden ...

Once upon a Tender Kiss machte mich mit seinem Klappentext neugierig: Eine moderne Version von Dornröschen verspricht, dass ein Prinz daherkommt und seine zukünftige Partnerin aus ihrem scheinbar immerwährenden Schlaf weckt. In diesem Fall wird dieser Schlaf durch die lebenslange Kontrolle ihrer Eltern ausgedrückt, die kaum Raum zum Atmen und Leben lässt. Dieser Aspekt interessierte mich besonders: Wie würde Mia es schaffen, ihrer Mutter die neuen Wünsche zu vermitteln?

Weil der Klappentext beschreibt, wie verklemmt Tate Mia findet, hatte ich mehr Diskussionen und Streit erwartet. Stattdessen ist er ihr schon fast von Anfang an komplett verfallen - nicht, dass das zu einer schnell beginnenden Beziehung geführt hätte ... Ja, er kommentiert durchaus öfter Mias kaum vorhandene Flexibilität, aber von "du bist total verklemmt, das stört mich" habe ich nichts bemerken können. Dadurch fehlte für mich die erwartete gegenseitige Reibungsfläche zwischen den beiden; eine Ausgangslage für Missverständnisse oder Meinungsverschiedenheiten und schließlich daran anschließende tiefe Gespräche, bei denen Gefühle entstehen könnten. Das ist natürlich im echten Leben sehr angenehm, wenn zwei Menschen beinahe nahtlos von Fremden zu Nachbarn zu Partnern übergehen, ohne sich der gegenseitigen Gefühle jemals wirklich unsicher sein zu müssen - zum Lesen fühlte es sich für mich etwas zu glatt an.

Mias Eltern sind mir ein Graus. Sie sind derart kontrollierend und davon überzeugt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben, dass sie nicht einmal versuchen, ihrer erwachsenen Tochter oder deren Ärztin zuzuhören, geschweige denn zu glauben. Besonders ihre Mutter ist extrem übergriffig und manipulierend. Dass Mia nicht schon früher explodiert ist und Grenzen gesetzt hat, wundert mich - besonders, da sie doch seit ihrer Kindheit keinerlei gesundheitliche Probleme mehr hatte, die als Basis für all das ausgenutzt werden.

Ihre anhaltende Passivität war für mich zunehmend schwerer nachzuvollziehen. Es ist als Kind sicherlich schwer, sich gegen Helikoptereltern zu wehren, aber Mia ist kein Kind mehr. Wenn ich weiß, dass es mir gut geht, dann gehe ich nicht in die Notaufnahme, nur, weil meine Eltern das am Telefon von mir verlangen. Und wenn ich merke, dass es mir gesundheitlich schlechter geht, wenn ich von meiner Mutter umgeben bin und diese Druck auf mich ausübt, dann nehme ich Abstand. Ja, Trauma existiert, ich weiß. Trotzdem war es für mich oft unverständlich, wie Mia auf die elterliche Manipulation reagiert - oder eben nicht reagiert - und vor allem, dass es über die Jahrzehnte scheinbar keinerlei Weiterentwicklung für sie gab. Bis der ach so passende Mann auftaucht und eingreift.

Sehr störend empfand ich die ständige Wiederholung und Benennung von Elementen, die als Anspielung an Dornröschen in die Geschichte eingebaut wurden. Dass beide Hauptfiguren vom selben Märchen besessen sind: schön und gut. Dass aber jede noch so kleine Bewegung, Aussage oder Beschreibung nicht einfach auf eine Weise formuliert werden konnte, die Lesende die Anspielung an das Märchen selbst erkennen lassen, sondern dass es immer eine explizite Nennung sein musste - das hat mich irgendwann regelrecht genervt.

Ein paar Beispiele:
"Da war das Single-Dasein um Welten besser, auch wenn das Dornröschen in ihr Träume hatte. Doch bevor diese am erstbesten Rosendorn zerplatzten, ließ sie es lieber ganz."
"Sie war zart wie Dornröschen, und genauso schön. Die unsichtbare Dornenhecke, die sich um sie wand, forderte ihn erst recht heraus."
"»Du scheinst mir wie Dornröschen: abgeschottet und überbehütet aufgewachsen.«"
"»Das hier ist nicht Dornröschen. Die Welt da draußen ist nicht voller Prinzen, die nach dir suchen, sondern voller Spindeln, an denen man sich stechen kann.«"
"Hast du mal die Kraft von Pflanzen erlebt? Dass Dornröschen in ihrem Schloss angeblich hundert Jahre schlafen konnte und sonst niemand verletzt wurde, geht echt nur im Märchen.«"
Und so weiter, und so weiter. Es ist einfach irgendwann genug und dann sehr schnell zu viel gewesen. Dass Tate dann auch noch mit Nachnamen Prince heißt, setzt dem Ganzen die Krone auf (pun intended).

Dass es bei diesem Buch Märchen-Anspielungen gibt, ist ja an sich nicht schlecht. Bei dem Titel war es zu erwarten und spätestens im Klappentext wird klar, um welches Märchen es konkret geht. Ich lese sogar ganz gern mal eine Märchen-Nacherzählung, zum Beispiel die Science-Fiction-Variationen von Marissa Meyer. Aber dass der gesamte Text nicht nur einzelne Anspielungen enthalten, sondern dermaßen von sich ständig wiederholenden Ausdrücken und Analogien durchzogen sein würde, konnte man vorab nicht erahnen.

Für mich macht das den Anschein, als würde man den Lesenden das Denken und Erkennen nicht zutrauen, sondern müsste ihnen alles ganz genau auseinanderpflücken: Hast du verstanden, dass dieses Softdrink-Werbeplakat eine Anspielung an Dornröschen ist? Nein? Dann erkläre ich es dir noch einmal in zwei Dialog-Zeilen und einem langen Absatz, in dem mindestens zweimal das Wort Dornröschen steht!

Dass mir der Schreibstil trotz dieses großen Ärgernisses trotzdem insgesamt sehr gefallen hat und sich so locker lesen ließ, dass ich das Buch an nur 2 Abenden durchgelesen hatte, ist für mich ein Merkmal für gutes Handwerk der Autorin. Sie hat es trotz der für mich zu locker-leichten, gefühlt etwas zu einfachen Liebesgeschichte und der sprachlichen Hürde der vielen Dornröschen-Wiederholungen geschafft, mich einigermaßen zu fesseln. Ja, ich habe zwischendurch mehrfach geschaut, wie viel ich denn noch lesen müsste. Aber andere Abschnitte waren dann wieder so gut geschrieben und auch in ihrer Handlung so fesselnd, dass plötzlich 100 Seiten gelesen waren, ohne dass ich es bemerkt hätte. Besonders gegen Ende wurde im Tempo ordentlich eine Schippe draufgelegt.

Meistens waren das die Kapitel mit oder über Riley. Hier habe ich spüren können, was im Nachwort bzw. in der kurzen Biografie der Autorin deutlich wurde: Sie arbeitet nicht nur therapeutisch, sondern hat auch Psychologie studiert. Bei allem, was Rileys Kindeswohl und die damit zusammenhängenden Prozesse betraf, war enormes Fingerspitzengefühl bemerkbar. Ich habe rückblickend den Eindruck, dass bei diesen Szenen auf Erfahrungen zurückgegriffen wurde, während der Rest des Buches etwas zu konstruiert und ausgedacht wirkt - eben märchenhaft.

Um das noch einmal ganz deutlich klarzustellen: Einfache, seichte oder auch von Märchen inspirierte Liebesgeschichten sind nicht falsch oder weniger wertvoll als andere Geschichten!

Aufgrund des Klappentextes, der darin thematisierten Schwierigkeiten im Leben der Hauptcharaktere und ja, schließlich auch aufgrund des Alters dieser Charaktere habe ich allerdings mehr Tiefgang in der Liebesbeziehung erwartet und weniger mit-der-Nase-auf-die-Märchen-Anspielungen-stoßen auf der sprachlichen Ebene.

Deshalb blicke ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf Once upon a tender Kiss zurück: Lachend, weil ich ja durchaus eine Weile ganz okay unterhalten wurde, aber weinend, weil diese Zeit der Unterhaltung immer wieder durchbrochen wurde von inhaltlichen und sprachlichen Faktoren, die einfach nicht hätten sein müssen.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Ein neuer Känguru-Band? Sign me up!

Die Känguru-Rebellion (Die Känguru-Werke 5)
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Um den anekdotischen Kapiteln der Känguru-Rebellion folgen zu können, muss man die vorherigen Bände der Känguru-Werke nicht kennen. Es hilft, um die Figuren besser einordnen zu können, aber es ist nicht ...

Um den anekdotischen Kapiteln der Känguru-Rebellion folgen zu können, muss man die vorherigen Bände der Känguru-Werke nicht kennen. Es hilft, um die Figuren besser einordnen zu können, aber es ist nicht unbedingt nötig.

Die Känguru-Rebellion habe ich, wie auch schon die Känguru-Chroniken, als Hörbuch gehört, anstatt das Buch selbst zu lesen. Marc-Uwe Kling liest die Stimmen einfach so großartig, dass mein Kopfkino – oder in diesem Fall: meine innere Vorlese-Stimme – schlicht nicht mithalten kann. Auch diese Live-Lesung war wieder super unterhaltsam zu hören. Das lachende und applaudierende Publikum im Hintergrund spielt dabei bestimmt auch eine Rolle, für mich liegt es aber hauptsächlich an dem Autor. Dass das Känguru nicht tatsächlich auch auf der Bühne sitzt und liest, entfällt mir dabei ab und zu sogar, so gut wird die Atmosphäre vermittelt.

Vor einigen Jahren konnte ich eine Live-Lesung der Känguru-Comics in Mainz besuchen – aufgrund der Pandemie war es eine Open-Air-Veranstaltung bei bestem Wetter. Deshalb kann ich sagen, dass die Lesung vor Ort genauso unterhaltsam ist, wie es im Hörbuch den Anschein macht.

Inhaltlich ist Die Känguru-Rebellion wieder sehr anekdotisch aufgebaut. Das hat mir einerseits sehr gut gefallen, weil ich gut zwischen den einzelnen kurzen Kapiteln pausieren und dann wieder weiterhören konnte, ohne überlegen zu müssen, wo ich aufgehört hatte. Dazwischen gab es einen roten Faden dadurch, dass das Känguru und der Kleinkünstler durch das ganze Hörbuch hindurch gegeneinander wetten, wer mehr Leute für ihre Rebellion gewinnen kann. Darauf wird immer wieder Bezug genommen. Auch ein paar andere kleine Details werden häufiger aufgegriffen und dadurch zu einem dezenten Running-Gag.

Die politischen und gesellschaftlichen Themen, die hier behandelt werden, sind wieder einmal top aktuell und der Autor legt an einigen Stellen so richtig schön den Finger in die sprichwörtliche Wunde. Der Sarkasmus und Humor, der neben allen ernsten Themen in diese Geschichte eingewoben wird, die doch mehr eine Sammlung von Momenten als eine fortlaufende Story ist, ist für mich erneut das i-Tüpfelchen. Ich schließe mich dem Känguru an, wenn es fragt, ob Marc-Uwe schon einmal daran gedacht hat, Satiriker zu werden. Seine Wortspielereien machen die Welt des Kängurus so besonders.

Die Känguru-Rebellion hat mich wieder einmal köstlich unterhalten, beim Abwaschen, beim Aufräumen, auf der Fahrt zur Arbeit, und ich freue mich sehr, dass die Welt des Kängurus erweitert wird. Seit ich mich zuletzt mit dem Känguru beschäftigt hatte, hat der Autor unter anderem einige Kinderbücher veröffentlicht, beispielsweise das sehr erfolgreiche NEINhorn oder zuletzt Klugscheißerchen und Vehlerteufelchen. Deshalb besteht er in Die Känguru-Rebellion nun darauf, nicht mehr „nur“ Kleinkünstler genannt zu werden, sondern auch Kinderbuchautor. Dass das Känguru einen Weg findet, sich auch darüber lustig zu machen, ist ja wohl klar.

Es gefällt mir, wie wichtig das Thema KI-Kritik in diesen Anekdoten, in diesem kurzen Kapiteln, ist. Und auch die Klimakrise, der politische Rechtsruck, und weitere wichtige Themen werden leicht verständlich und mit dem gewohnten Sarkasmus und Humor des Autors – und des Kängurus – vermittelt. Herta und Krapotke sorgen natürlich wieder für unterhaltsame Augenblicke.

Ich bin gespannt, was von Känguru noch kommen wird. Mich hat dieses Hörbuch über die Känguru-Rebellion wie erwartet sehr gut unterhalten, aber irgendwie fehlte mir doch noch ein gewisses Etwas. Es ist für mich die richtige Art von Humor, es sind die richtigen Witze, es sind die richtigen politischen Anspielungen und es werden die richtigen Spitzen verteilt, aber irgendetwas fehlte noch, um mich so vom Hocker zu hauen wie es beim ersten Band der Fall war.

Vielleicht liegt es schlicht daran, dass der Stil nicht mehr so sehr überrascht wie beim ersten Mal; dass ich weiß, welche großartige Unterhaltung mit einem Känguru-Buch auf mich zukommt.

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Veröffentlicht am 12.04.2026

Es macht keinen Spaß, dieses Buch zu lesen. Aber trotzdem ist es gut.

GUY'S GIRL
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Hui, der Standalone-Roman Guy’s Girl ist definitiv keine leichte Kost (pun not intended …)! Die vorangestellte Triggerwarnung zur Thematik Essstörungen ist definitiv berechtigt.

Anhand dieses Klappentextes ...

Hui, der Standalone-Roman Guy’s Girl ist definitiv keine leichte Kost (pun not intended …)! Die vorangestellte Triggerwarnung zur Thematik Essstörungen ist definitiv berechtigt.

Anhand dieses Klappentextes hatte ich nicht erwartet, dass Ginnys Anorexie und Bulimie dermaßen im Vordergrund stehen würden. Rückblickend finde ich diesen Aspekt aber extrem gut gemacht, da Betroffene eben auch jederzeit und überall von diesen Krankheiten verfolgt werden, egal, was gerade in ihrem Leben und Alltag passiert. Dass die Autorin aus eigener Erfahrung schreibt, habe ich an vielen Stellen gemerkt.

Es werden Details beschrieben und Worte gewählt, die sich aus außenstehender Perspektive wahrscheinlich kaum darstellen lassen würden. Ob auch die Übersetzung von Guy’s Girl mit einer own-voice-Perspektive angefertigt wurde, kann ich im Moment nicht beurteilen, es erscheint mir jedoch alles sehr authentisch – und damit auch bedrückend und stellenweise fast grenzwertig real. Manche ganz trocken beschriebenen Details (wie an einer Stelle die Farbe und Konsistenz von Erbrochenem) hätte ich nicht unbedingt gebraucht, sie tragen aber zu diesem besonderen Level an Realismus bei. Lesende sollen sich mit den beschriebenen Szenen in dem Moment auch nicht wohl fühlen, glaube ich.

Adrian ist mir bis zum Ende irgendwie fremd geblieben, obwohl Guy’s Girl intensive Einblicke in seine Beweggründe und Gedankengänge gewährt. Das ist Teil des Traumas, das er mit sich herumträgt, und damit ebenso real geschrieben und gut umgesetzt wie Ginnys Krankheiten. Trotzdem hätte ich mir mehr Facetten zu seinem Charakter gewünscht als nur den Wunsch, auf der Karriereleiter aufzusteigen (aber nicht in dem Job, in dem er zu lange fest hing) und die Sehnsucht nach Ginny und seiner Heimat Budapest. Viel mehr habe ich nicht über ihn erfahren.

Ich finde es spannend, dass der Titel Guy’s Girl lautet und keine Bezüge zur Trauma-Thematik herstellt. Dass der Freundeskreis aus Ginny und den vier Jungs (in dessen Zusammenhang übrigens viele spannende Fragen aufgeworfen werden wie „Können Männer und Frauen Freunde sein, ohne dass sich eine/r oder zwei verlieben?“ oder „Wo verlaufen die Grenzen zwischen Freundschaft und „Mehr“?“) mit dem Titel in den Vordergrund rückt und die Intensität, mit der die Krankheiten und langjährige Traumata beschrieben werden, beim Lesen geradezu aus dem Hinterhalt über mich herfiel, finde ich rückblickend ziemlich überraschend – aber, noch einmal, sehr realistisch.

Einige Absätze hatten einen zu deutlichen Bildungscharakter. Aus Ginnys Perspektive werden einzelne Elemente ihrer beiden Krankheiten beschrieben und erklärt. Symptome, psychische Begleiterscheinungen, fast schon wissenschaftliche Erläuterungen und Formulierungen. Manchmal kam es mir so vor, als hätte die Autorin beim Schreiben von Guy’s Girl ein Lehrbuch neben sich liegen gehabt, um auf Nummer Sicher zu gehen, dass sie bloß oft genug betont, dass Lesende Ginny bitte nicht nacheifern sollen, und dass es eben eine Krankheit ist und keine Modeerscheinung. Aus diesem Grund ist Guy’s Girl für mich auch absolut nicht für Jugendliche geeignet – der Nachahmungscharakter ist trotz aller Warnungen und beschriebener Konsequenzen einfach zu groß.

Diese zugegebenermaßen kurzen Abschnitte haben mich immer wieder etwas aus der Geschichte gerissen – es wirkte wie die kleinen Info-Kästen, die man am Seitenrand in Broschüren finden kann, und nicht wie die eigenen Worte der Figur, deren Art zu denken und zu sprechen ich ja über die vorherigen 200 Seiten schon gut kennen gelernt hatte.

Fazit
Es ist jetzt nicht ganz einen Tag her, dass ich Guy’s Girl beendet habe, und ich kann noch nicht richtig sagen, ob ich das Buch mag oder eher nicht mag. Ich hatte beim Lesen selten Spaß. Fest steht aber, dass es mich phasenweise richtig umgehauen hat, dass ich es handwerklich enorm gut umgesetzt finde und dass es mich bestimmt noch eine Weile begleiten wird.

Veröffentlicht am 12.04.2026

Toller Anfang, bin gespannt auf die Fortsetzungen!

Court of Shadows
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Ich muss gestehen, dass ich zuerst etwas zögerlich und skeptisch war: es gab in den letzten Jahren so viele Bücher über Fae, dass ich es einfach etwas über hatte. Trotzdem machte mich die Beschreibung ...

Ich muss gestehen, dass ich zuerst etwas zögerlich und skeptisch war: es gab in den letzten Jahren so viele Bücher über Fae, dass ich es einfach etwas über hatte. Trotzdem machte mich die Beschreibung von Court of Shadows neugierig genug, um „zumindest mal kurz reinzulesen“. Nun, nach einem Tag war ich am Ende des Buches angekommen und freue mich auf Band 2!

In Court of Shadows wird das Rad nicht neu erfunden, sondern auf die bekannte Art der Urban Fantasy Fantastisches mit Realem verknüpft. Dabei beweist das Autor*innenduo allerdings viel Kreativität, sodass es sich neu und frisch anfühlte, nicht wie die x-te Kopie vorangegangener Romane. Ich mag die kleinen Details wie große, raschelnde Bibliotheksmotten, die die Bücher abstauben, oder die Tatsache, dass die überwiegend schlagfertigen Frauen – bisher – zusammenhalten, um gegen die Übermacht der Männer zu bestehen.

In der Kurzbeschreibung werden drei Tropes versprochen: Enemies to Lovers (in Kombination mit „Who did this to you“), Found Family und Forced Proximity. Feinde, die zu Freunden oder mehr werden und erzwungene Nähe sind nicht zu übersehen. Die Found Family kann man meiner Meinung nach in Court of Shadows bisher nur erahnen – es gibt Andeutungen in der Richtung, aber ich habe noch nicht das Gefühl bekommen, dass die Figuren zu einer richtigen familiären Gruppe zusammengewachsen sind. Wenn die Entwicklung allerdings so weiter gehen, wie es bisher den Anschein macht, dann wird dieses Trope mit Sicherheit in der Fortsetzung erfüllt.

Mich hat beim Lesen etwas gestört, dass es viele Wiederholungen gab. Ich brauche nicht fünf Mal in relativ kurzen Abständen einen ganzen Abschnitt darüber lesen, wie Arianna als Gladiatorin mal eine Woche lang nur Wasser bekommen hat, ich habe es beim ersten Mal und spätestens bei der nächsten Erinnerung verstanden… Glücklicherweise ist das der einzige für mich wirklich negative Aspekt von Court of Shadows.

Die erotisch aufgeheizten Szenen zwischen Arianna und Ruadan verorten Court of Shadows für mich deutlich außerhalb der Jugendliteratur – vielleicht New Adult oder sogar erwachsene Fantasy? (Der Verlag macht da keine genauen Angaben, laut Genialokal wird Court of Shadows ab 16 Jahren empfohlen.) Es bleibt aber – und das empfinde ich als sehr angenehme Abwechslung beim Thema Fae – ein Fantasyroman mit gelegentlichen Szenen voller Begierde (aber tatsächlich nur wenig Sex!), anstatt zu einem Erotikroman mit gelegentlicher Fantasy zu mutieren.

Fazit
Es hat mir richtig Spaß gemacht, Court of Shadows zu lesen. Eine kurze Recherche zeigt, dass das englische Original diverse Bände hat, die hoffentlich auch übersetzt werden – ich bin sehr gespannt, was da noch kommt!

Eine Notiz am Rande: Übrigens ist der Verlag, in dem Court of Shadows auf Deutsch erschienen ist, unter der Leitung von der Autorin Jenny-Mai Nuyen (von ihr habe ich zum Beispiel Die Sturmjäger von Aradon und Nijura. Das Erbe der Elfenkrone gelesen) und noch ziemlich jung. Das Programm trifft genau das Genre Romantasy, das momentan im Trend liegt, und ich bin sehr gespannt, was sich dort noch alles finden lässt. Dieses Buch war für mich jedenfalls ein sehr guter erster Eindruck vom Von Morgen Verlag!