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Veröffentlicht am 06.05.2022

Aufgeben ist keine Option

Perfect World. Nichts scheint, wie es ist
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Evas Ehemann Daniel verschwindet überraschend, sie verliert am gleichen Tag ihren Job und als wäre das noch nicht genug, kann sie gerade noch die Entführung ihres Sohns verhindern, von ihrer Tochter gibt ...

Evas Ehemann Daniel verschwindet überraschend, sie verliert am gleichen Tag ihren Job und als wäre das noch nicht genug, kann sie gerade noch die Entführung ihres Sohns verhindern, von ihrer Tochter gibt es keine Spur.

Evas bis dahin heile Welt steht plötzlich Kopf, wem kann sie vertrauen, wie findet sie heraus, was eigentlich los ist? Es gibt viele Wendungen, die Protagonistin wird zur Löwenmutter, stellt sich der Mafia entgegen und kämpft um ihr Leben und das ihrer Kinder. Unterstützt wird Eva lediglich von zwei rätselhaften Personen, denen sie nicht vertrauen kann, es aber muss.
Spannend und voller Action entwickelt sich ein wahrer Thriller, der weder Eva noch dem Leser die kleinste Ruhepause lässt.

Selbst am Ende der Geschichte gibt es noch einmal eine überraschende Wendung, die Eva und den Leser sprachlos zurück lässt. Nichts ist, wie es scheint.

Das Cover ist einfallsreich gestaltet und sehr gelungen, der Schreibstil ist abwechslungsreich, lebendig und bildhaft, auch humorvoll, die Geschichte ist schnell und angenehm zu lesen. Die Ich-Erzählperspektive der Protagonistin verleiht der Figur Tiefe und ich bin als Leser mitten drin im Geschehen und folge Evas Gedankengängen. In kursiv gesetzten, rückblickenden Überlegungen räumt sie ein, dass sie vielleicht hier und da anders hätte handeln können und gegen Ende bescherten mir diese Einschübe einen aha-Effekt, der mich schmunzeln ließ. Eine sehr schöne Idee lieber Autor!

Dieser durchgehend spannende, actionreiche Thriller mit einer toughen Protagonistin, für die Aufgeben keine Option ist, hat mich bestens unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.04.2022

Hoffnung auf ein gutes Ende

Automaton
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Die alleinerziehende junge Mutter Tiff arbeitet von zu Hause aus im Akkord: online erledigt sie schlecht bezahlte monotone Klick- und auch Video- Überwachungsjobs für die Plattform Automa. Tiff leidet ...

Die alleinerziehende junge Mutter Tiff arbeitet von zu Hause aus im Akkord: online erledigt sie schlecht bezahlte monotone Klick- und auch Video- Überwachungsjobs für die Plattform Automa. Tiff leidet an einer Angststörung, sie kann nur unter Schwierigkeiten das Haus verlassen, macht sich Vorwürfe wegen ihres Sohns, dem sie kaum etwas bieten kann und der natürlich ebenfalls unter ihren psychischen Problemen leidet, und sie ist einsam.

Unterstützung und Beistand erfährt sie von zwei Wohnungsnachbarn und da gibt es noch die beiden Chatpartner, Kollegen, mit denen sie sich im Geheimen austauscht. Sie musste einen Verschwiegenheitsklausel unterschreiben, denn ihre Arbeit wird den Kunden als Überwachungsleistung einer KI verkauft.

Es gibt einen zweiten Handlungsstrang um die verwitwete Stella und einen Freund, den sie jahrzehntelang nicht gesehen hat, beide haben ebenfalls Erfahrung mit prekären Arbeitsverhältnissen.

Das Verschwinden eines Obdachlosen, der oft auf einem der Überwachungsvideos zu sehen war, bedeutet eine Unterbrechung der monotonen Bildschirmarbeit und wird für Tiff zum Anlass, sich aktiv um die Aufklärung dieses Verschwindens zu bemühen. Ihr unbedingter Wunsch, dass „diese Geschichte gut ausgeht“, erscheint wie ein Gegengewicht zu den furchtbaren Bildern, die sie in ihrem vorigen Onlinejob moderiert hat und die ihre Angststörung verursacht haben. Das Internet wird für Tiff auch zur Möglichkeit, etwas in Gang zu setzen und die Geschichte des Obdachlosen mit Hilfe ihrer befreundeten Nachbarn und Kollegen aufzuklären.

Berit Glanz schildert die Lebenssituation der jungen Mutter glaubwürdig, berührend und authentisch und beleuchtet die monotone, anstrengende Tätigkeit der „clickworker“, die allein, auf sich gestellt und nicht abgesichert, schlecht bezahlte Arbeit leisten. Die Erzählung ist latent spannend, weiß Tiff (und damit auch der Leser) doch nie, was auf den Bildern oder in den Videos zu sehen sein wird. Der Handlungsstrang um Stella und ihren Freund nimmt für mich jedoch zu viel Platz ein, obwohl es Parallelen im Leben der beiden Frauen gibt und die beiden Erzählebenen schließlich zusammengeführt werden.
Der Schreibstil ist flüssig und lebendig, sehr angenehm zu lesen, die Kapitel sind kurz und werden durch Chatprotokolle ergänzt.
Der Klappentext ist irreführend, denn er deutet eine Entwicklung an, die nicht eintritt, weshalb ich einen halben Stern abziehe. Ich hatte auf Grund des Verlagstextes eine andere Geschichte erwartet. Am Schluss bleibt offen, wie es für Tiff weitergeht, aber das Buch endet in einer hoffnungsvollen Stimmung.

Veröffentlicht am 10.04.2022

Überzeugender Krimi mit Spannung, Witz und liebenswerten Charakteren

Einsame Entscheidung
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Der deutsche Kommissar Leander Lost lebt nun schon seit zwei Jahren in Fuseta und hat sich trotz seines Asperger-Autismus als Bereicherung für seine Kollegen von der portugiesischen Policia Judiciária ...

Der deutsche Kommissar Leander Lost lebt nun schon seit zwei Jahren in Fuseta und hat sich trotz seines Asperger-Autismus als Bereicherung für seine Kollegen von der portugiesischen Policia Judiciária erwiesen. Ihm fallen Details auf, die anderen entgehen und sein logisches Denken und sein fotografisches Gedächtnis haben schon oft zu Ermittlungserfolgen beigetragen.

Zu Beginn dieses 5. Bandes der Reihe werden bei einer turbulent verlaufenden Überwachungsaktion die Beamten des Kommissariats kurz vorgestellt, dennoch empfiehlt es sich, zumindest den ersten Band zu kennen, in dem vor allem die Besonderheiten Leander Losts ausführlich geschildert werden.
Die komplexen Ermittlungen beginnen mit dem Mord an einem britischen Touristen und erreichen allmählich ungeahnte Dimensionen, es geht um Wirtschaftskriminalität, in die auch die Politik verstrickt ist, sogar der Brexit spielt eine nicht unerhebliche Rolle.
Die Krimihandlung ist vielschichtig, realistisch und spannend, aber das Buch bietet so viel mehr. Gil Ribeiro, das ist der deutsche Krimi- und Drehbuchautor Holger Karsten Schmidt, kennt und schätzt die Algarve und beschreibt Landschaft, Menschen und nicht zuletzt kulinarische Spezialitäten atmosphärisch und liebevoll, so dass ich wieder mal versucht bin, meinen Koffer zu packen und mich nach Portugal aufzumachen.
Alle Charaktere, selbst die Nebendarsteller, werden lebensnah und authentisch geschildert, auch in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Figurenzeichnung erreicht eine bemerkenswerte Tiefe.
Und auch die Besonderheiten und Eigenarten Leander Losts und die daraus entstehenden Missverständnisse und skurrilen Situationen sind glaubwürdig und überzeugend ausgearbeitet. Es ist beeindruckend, wie der Autor diese sehr spezielle Figur weiterentwickelt und ihr selbst im fünften Band neue Facetten hinzufügen kann.

Der Schreibstil ist angenehm und flüssig zu lesen, er ist lebhaft und humorvoll. Das fünfte Buch um Leander Lost hat mich bestens unterhalten, ich kann es uneingeschränkt empfehlen und freue mich jetzt schon auf den nächsten Band.

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Veröffentlicht am 03.04.2022

Nicht nur lang vergangene Ereignisse kommen wieder zum Vorschein

Das versunkene Dorf
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Die bei einem Einsatz durch einen Schuss ins Gesicht halbseitig entstellte Hauptkommissarin Noémie Chastain wird von ihrem Vorgesetzten vorübergehend in ein Dorf in Südfrankreich abgeschoben, da er ihr ...

Die bei einem Einsatz durch einen Schuss ins Gesicht halbseitig entstellte Hauptkommissarin Noémie Chastain wird von ihrem Vorgesetzten vorübergehend in ein Dorf in Südfrankreich abgeschoben, da er ihr nach dem erlittenen Trauma weder Teamleitung noch Außeneinsatz zutraut. Noémie ist unsicher, verletzt, und abweisend. Psychologisch wird No, wie sie sich jetzt nennt, weiterhin von Melchior betreut, der offen und ehrlich ist, sie unterstützt, ermutigt und aufbaut.
Nach vier ruhigen, ereignislosen Wochen in Avalone taucht im Stausee eine Tonne mit den Überresten einer Kinderleiche auf und No muss am Tag ihrer geplanten Abreise widerwillig die Ermittlungen aufnehmen. Erst jetzt erfährt sie, dass das alte Avalone vor 25 Jahren im Stausee versank und um diese Zeit drei Kinder spurlos verschwanden.

So wie das versunkenen Dorf immer mehr aus dem abgelassenen Stausee auftaucht, kommt auch die alte Noémie wieder zurück, sie wird wieder die hartnäckige, gestandene Ermittlerin. Sehr geschickt und überzeugend entwickelt der Autor die Parallelen zwischen Avalone und Noémie.

Nicht nur die Protagonistin, sondern auch alle anderen Figuren werden von Olivier Norek glaubhaft beschrieben und die Ermittlungen authentisch geschildert. Die Atmosphäre im umgesiedelten Dorf wandelt sich von idyllisch zu geheimnisvoll und bedrohlich, die Figuren entwickeln sich und werden vielschichtiger.

Der Schreibstil ist klar, nüchtern und intensiv, kein Wort ist zu viel, und dennoch berührt die Geschichte. Das Buch liest sich flüssig und angenehm und ich konnte es kaum aus der Hand legen, da die Spannung immer größer wird, je weiter die Ermittlungen fortschreiten. Bis zum schlüssigen Ende gibt es überraschende Wendungen, die Auflösung des Falls ist nicht vorhersehbar.

Selbst die lange, persönlich gehaltene, liebevolle Danksagung des Autors habe ich gern gelesen, weil ich das Buch noch nicht zuklappen wollte.

Olivier Norek ist eine Neuentdeckung für mich, „Das versunkene Dorf“ hat mich beeindruckt und begeistert. Ich vergebe verdiente 5 Sterne.

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Veröffentlicht am 31.03.2022

Skurril-witziger Katzenkrimi

Miez Marple und die Kralle des Bösen
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Die ehemalige Katzendetektivin Miez Marple muss ihr bequemes Leben als dichtende Wohnungskatze aufgeben, um ihren Freund Kater Watson zu entlasten, der als Mordverdächtiger inhaftiert worden ist, nachdem ...

Die ehemalige Katzendetektivin Miez Marple muss ihr bequemes Leben als dichtende Wohnungskatze aufgeben, um ihren Freund Kater Watson zu entlasten, der als Mordverdächtiger inhaftiert worden ist, nachdem er Ermittlungen zu haarsträubenden Verbrechen angestellt hatte. Miez Marple macht sich an die Arbeit und trifft auf altbekannte Artgenossen und lernt neue Freunde kennen, die ihr zur Seite stehen oder auch nicht.

Schon der allererste Satz des Krimis lässt mich schmunzeln und voller Wortspiele und Anspielungen nimmt der Krimi aus Katzensicht und mit tierischen Protagonisten seinen skurrilen Verlauf. Der lockere, bildhafte Schreibstil trägt zum Lesevergnügen bei, ebenso wie einige witzige Gedichte und Songtexte. Gedanken und Verhalten der Katzen sind glaubwürdig beschrieben, „typisch Katze“ habe ich oft gedacht. Und spannend ist der Krimi auch noch, der aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird, wobei gegen Ende das Chaos etwas überwiegt. Fabian Navarro hat eine Idee einfallsreich und sehr unterhaltsam umgesetzt, sein Roman ist mal was anderes für Krimi- und Katzenfans und Freunde absurden Humors.

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