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Veröffentlicht am 03.02.2022

Spannendes Wiedersehen mit liebgewonnenen, ganz besonderen Herrschaften

Der Mann, der zweimal starb (Die Mordclub-Serie 2)
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Der Donnerstagsmordclub von der Seniorenresidenz Coopers Chase und seine Freunde müssen wieder ermitteln. Es geht um mehr als ein Verbrechen und diesmal ist das charmante Quartett auch persönlich betroffen. ...

Der Donnerstagsmordclub von der Seniorenresidenz Coopers Chase und seine Freunde müssen wieder ermitteln. Es geht um mehr als ein Verbrechen und diesmal ist das charmante Quartett auch persönlich betroffen. Ibrahim, ehemaliger Psychiater, wird im Ort Fairhaven überfallen und schwer verletzt und Elizabeth wird von einem früheren Kollegen vom Geheimdienst und Ex-Ehemann um Hilfe gebeten. Auch Ron, ehemaliger Gewerkschafter und Joyce, die frühere Krankenschwester, sind wieder voll gefordert bei der Aufklärung der Verbrechen. Mit Scharfsinn, Einfallsreichtum, Witz und Mut geht das Seniorenquartett ans Werk.

Lebendig, humorvoll und augenzwinkernd erzählt Richard Osman die Geschichte fast im Plauderton, es gibt auch wieder Kapitel mit witzigen Tagebucheinträgen von Joyce in ihrer unnachahmlichen Art. Einfach köstlich sind die Dialoge zwischen Elizabeth und Joyce und die skurrilen Diskussionen der vier Senioren.
Der Autor spricht auch Themen an wie Liebe und Freundschaft, Einsamkeit, Demenz, Tod und Trauer, immer einfühlsam, mitfühlend und tiefgründig. Ganz großartig und berührend finde ich hier das letzte Kapitel des Buchs.

In diesem zweiten Band gibt Richard Osman den Charakteren seiner Protagonisten noch mehr Tiefe, auch die befreundeten Polizisten und Bogdan bekommen weiter Profil. Die Krimihandlung ist durchaus komplex, spannend und voller Wendungen, wenn auch teilweise unrealistisch.

Das mutig farbenfrohe Cover passt zum ersten Band und macht durchaus einen britischen Eindruck, wobei die Cover der englischen Ausgaben ganz anders gestaltet sind.

„Der Mann, der zweimal starb“ hat mich bestens unterhalten und ist mindestens so gelungen wie der Vorgänger. Ich kann das Buch uneingeschränkt empfehlen und freue mich auf den 3. Band, der im Original im September erscheinen soll und hoffentlich dann auch bald in deutscher Übersetzung.

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Veröffentlicht am 22.01.2022

Noch besser als Band 1 – spannend, komplex, aktuell

Todland
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Während Martin Junckersen im provinziellen Sandsted den Mord am einem Anwalt untersucht, bekommt seine Noch-Ehefrau Charlotte, eine Investigativjournalistin, einen anonymen Hinweis zum Terroranschlag in ...

Während Martin Junckersen im provinziellen Sandsted den Mord am einem Anwalt untersucht, bekommt seine Noch-Ehefrau Charlotte, eine Investigativjournalistin, einen anonymen Hinweis zum Terroranschlag in Kopenhagen vor einem halben Jahr. Da der Inlandsgeheimdienst den Polizeibeamten einen Maulkorb verpasst hat, erfährt Charlotte nichts von Juncker, als sie ihn mit den Informationen konfrontiert. Auch Signe Kristiansen blockt zunächst ab, aber als der Informant brutal ermordet wird, erkennt Signe als Ermittlungsleiterin, dass sie mit Charlotte zusammenarbeiten muss, um auch sich selbst zu schützen.

Rückblenden zu den Ereignissen vor 6 Monaten helfen dem „Neueinsteiger“ in die Reihe, einen Überblick zu bekommen, aber zum besseren Verständnis ist es doch empfehlenswert, den ersten Band auch zu kennen. So kann der Leser auch die Entwicklung der Protagonisten nachvollziehen, die als Charaktere noch besser ausgearbeitet sind als in „Winterland“. Mir hat hier besonders gefallen, dass sowohl Juncker als auch Signe nicht mehr so sehr mit sich selbst beschäftigt sind, sie sind in diesem zweiten Band vielseitiger und nahbarer, sie scheuen als Ermittler kein Risiko und sind Menschen mit Stärken und Schwächen. Die Begegnung mit Junckers Tochter Karoline macht den Ermittler als Person für mich authentischer und auch die Zusammenarbeit mit der enthusiastischen Kollegin Nabiha macht ihn greifbarer. Charlotte als weitere Protagonistin bereichert den Krimi, ihre journalistische Recherchearbeit und die polizeilichen Ermittlungen ergänzen sich gut.

Der lebendige Schreibstil der erfahrenen Autoren, die in Dänemark ein aus Fernsehen und Tageszeitung bekanntes Journalistenpaar sind, ist angenehm zu lesen und es geht neben den kriminalistischen Aspekten auch um andere Themen aus Politik und Gesellschaft. Der Spannungsbogen bleibt bis zum Schluss erhalten und die letzten losen Fäden werden wohl erst im dritten und letzten Band der Reihe miteinander verknüpft, der schon im Mai erscheinen soll.

Irritierend finde ich den Klappentext, der ist entweder falsch oder nimmt einen Aspekt des 3. Bandes vorweg, beides ist bedauerlich.

Veröffentlicht am 16.01.2022

Nichts ist, wie es scheint

Seelen unter dem Eis
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Tom Döbbe ist ein erfolgreicher verheirateter Unternehmer, dessen Leben durch die toxische Affäre mit der Studentin Amal völlig aus dem Takt gerät und in eine Katastrophe mündet.

Zurückgeworfen auf sich ...

Tom Döbbe ist ein erfolgreicher verheirateter Unternehmer, dessen Leben durch die toxische Affäre mit der Studentin Amal völlig aus dem Takt gerät und in eine Katastrophe mündet.

Zurückgeworfen auf sich selbst, in der Isolation und Trostlosigkeit des Todestrakts eines Gefängnisses, in Erwartung seines Hinrichtungstermins, gelingt es Tom, seine Vergangenheit zu reflektieren und sich selbst gegenüber endlich ehrlich zu sein.
In Rückblenden erzählt er Episoden aus Kindheit und Jugend, seiner beruflichen Laufbahn, seiner Ehe und beschreibt die unheilvollen Begegnungen mit Amal. In der Gegenwart schildert er den brutalen und erniedrigenden Gefängnisalltag hautnah. Diese Beschreibungen lesen sich äußerst authentisch und beruhen auf Recherchen der Autorin und ihren Besuchen in einem US-Staatsgefängnis.

Spannend, mit nicht vorhersehbaren Wendungen überrascht dieser leise Thriller mit seinem lebendigen, fesselnden Schreibstil, guter Charakterausarbeitung nicht nur des Protagonisten, gibt tiefe Einblicke in die Psyche eines Menschen. Er setzt sich auch mit der Todesstrafe auseinander, die den Menschenrechten widerspricht und eher Rache als Strafe ist. Auch im Nachwort beschäftigt sich Astrid Korten weiterführend mit der Todesstrafe. Die Autorin beweist wieder einmal ihre Vielseitigkeit und Ihre Fähigkeit, vielschichtige Roman zu schreiben.
Dieses Buch hat mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern beschäftigt mich gedanklich auch noch nach dem Lesen.

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Veröffentlicht am 11.01.2022

Ungewöhnlicher, spannender und überraschender Gerichtsthriller

Thirteen
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Eddie Flynn, ehemaliger Trickbetrüger, jetzt einfallsreicher und begabter Strafverteidiger, wird als Nebenanwalt engagiert, um den Hollywood-Schauspieler Bobby Solomon zu verteidigen, der seine Frau und ...

Eddie Flynn, ehemaliger Trickbetrüger, jetzt einfallsreicher und begabter Strafverteidiger, wird als Nebenanwalt engagiert, um den Hollywood-Schauspieler Bobby Solomon zu verteidigen, der seine Frau und deren Liebhaber umgebracht haben soll. Eddie Flynn fallen Ungereimtheiten auf und zusammen mit seiner Ermittlerin, einer ehemaligen FBI-Agentin, stellt er weiterführende Untersuchungen an. Er findet heraus, dass der wahre Killer ein Serienmörder ist und im Umfeld des Gerichts zu finden sein muss.

Kapitelweise wechselt die Erzählperspektive zwischen dem Mörder Joshua Kane und Eddie Flynn. Steve Cavanagh hat einen flüssigen, lebendigen, angenehm zu lesenden Schreibstil, Eddie ist authentisch und sympathisch, während Kanes Gedanken und Taten den Leser hautnah dabei sein lassen und Grauen und Abscheu hervorrufen.
Der Mörder ist hochintelligent, sehr gut organisiert und zielorientiert. Wer ihm im Weg steht, wird skrupellos ausgeschaltet. Durch Erinnerungen des Killers an seine Jugend werden allmählich seine perfiden Beweggründe klar.

Von Anfang an hat mich das Buch gefesselt. Ich finde die genaue Beschreibung der Vorgehensweise des Killers nach wochenlangen Vorbereitungen ebenso faszinierend wie das Beispiel der raffinierten Verteidigungsstrategie des Anwalts bei einem unbedeutenderen Betäubungsmittel-Prozess.

Der Autor ist selbst Jurist und hat als Anwalt gearbeitet und „Thirteen“ ist bereits der vierte Band um Eddie Flynn. Ich hatte beim Lesen nicht das Gefühl, dass mir Hintergrundwissen fehlt. Eddies Alkoholkrankheit und die Trennung von seiner Familie kommen zur Sprache.
Das Buch gibt Einblick in das us-amerikanische Gerichtssystem mit der Geschworenenjury, deren Auswahlverfahren und dem Prozessablauf und thematisiert auch die fehlende Zusammenarbeit der verschiedenen Strafverfolgungsbehörden, die nicht von ihren einmal gefassten Meinungen abweichen.
Es werden auch Klischees bedient, indem Eddie es mit korrupten Polizisten und geltungssüchtigen Anwälten zu tun hat, doch ist der Gerichtsthriller durchgehend spannend mit überraschenden Wendungen und mehr als einem Showdown.

Ich vergebe 4,5 Sterne.

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Veröffentlicht am 04.01.2022

Fesselnd beschriebene und beängstigende Vision

Prototyp
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Der Elitesoldat Stefan Roth verliert bei einem Motorradunfall Arme und Beine. Aus monatelangem Koma erwacht, ist er nur allzu bereit, an einem geheimen militärischen und noch experimentellen Projekt teilzunehmen. ...

Der Elitesoldat Stefan Roth verliert bei einem Motorradunfall Arme und Beine. Aus monatelangem Koma erwacht, ist er nur allzu bereit, an einem geheimen militärischen und noch experimentellen Projekt teilzunehmen. Er bekommt als Erster neuartige Hightech-Neuroprothesen, die menschlichen Gliedmaßen in vielem weit überlegen sind.
Fasziniert habe ich mich mit dem sympathischen Protagonisten an seinen raschen Fortschritten gefreut und später beim Auftreten der ersten Schwierigkeiten mitgelitten und trotz beklemmender Ahnungen gehofft, dass für Stefan doch am Ende alles gut wird.

Das Coverdesign ist sehr gelungen, der fotorealistische mechanische Arm, der in einen künstlichen Unterarm übergeht und dann in eine echt wirkende menschliche Hand, ist Schauer erregend.
Matthias Clostermann weiß, wovon er schreibt, er arbeitet u.a. im Robotik-Bereich. Er kann technisches Wissen sehr gut verständlich vermitteln, wobei der Übergang von durchaus Möglichem zu Science Fiction für mich nicht festzumachen ist. Wer weiß, was bereits alles im Geheimen geschieht...

Der Schreibstil ist lebendig und bildhaft, sehr angenehm zu lesen, und alle Charaktere und auch Schauplätze sind authentisch und glaubhaft beschrieben.
Von Anfang an und wirklich durchgehend spannend ist der Thriller komplex und konsequent zu Ende gedacht. Trotzdem schockieren die letzten Seiten des Buchs.

„Prototyp“ hat mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern lässt mich auch nachdenklich und betroffen zurück. So ist der Mensch - was möglich ist, wird auch gemacht. Ohne Skrupel setzt sich hier die Forschung über ethische Grundsätze hinweg, solange man im Geheimen forscht und eine wie auch immer begründete Rechtfertigung hat.

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