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Veröffentlicht am 05.08.2025

Spannender Krimi um ein brisantes und aktuelles Thema

Eisfeld – Dunkle Enthüllungen
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Der bekannte und angesehene Investigativ-Journalist Peter Hester wird mitten in der Stadt Opfer eines tödlichen Anschlags und Kriminalhauptkommissarin Mara Eisfeld vom LKA Berlin übernimmt die Ermittlungen. ...

Der bekannte und angesehene Investigativ-Journalist Peter Hester wird mitten in der Stadt Opfer eines tödlichen Anschlags und Kriminalhauptkommissarin Mara Eisfeld vom LKA Berlin übernimmt die Ermittlungen. Die Boulevardpresse hat sich schnell auf die Tiznit-Drogenbande als Drahtzieher eingeschossen, deren Kopf aufgrund von Hesters Recherchen im Gefängnis sitzt, doch Eisfeld und ihr Team lassen sich nicht unter Druck setzen und verfolgen ermittelte Spuren und Hinweise unvoreingenommen. Erschwerend kommt hinzu, dass niemand weiß, woran Hester aktuell gearbeitet hat.

Ich hatte keine Verständnisschwierigkeiten, mit diesem zweiten Band in die Reihe einzusteigen, kurze Rückblicke zu früheren Ereignissen haben mir geholfen, die kollegialen Strukturen des Ermittlerteams besser zu erkennen. Die Figurenzeichnung ist glaubwürdig, besonders Mara ist sehr nahbar mit ihrer privaten Situation. Beruflich ist sie kompetent, teamfähig und unerschrocken, im Privatleben etwas chaotisch und mit der Trennung von ihrem Mann und der Organisation des Alltags des 4jährigen Sohnes manchmal überfordert. Der Autor findet eine gute Balance zwischen Berufsleben und privaten Konflikten, auf beiden Ebenen blieb ich immer gespannt, wie es weiter geht.
Steffen Weinert schreibt lebendig, flüssig und angenehm zu lesen, auch humorvoll, wenn es um Mara geht.
Die Ermittlungen werden realitätsnah geschildert, der Krimifall dreht sich um ein brisantes und aktuelles Thema, ist vielschichtig, überraschend und bis zum Ende spannend, nicht zuletzt durch eine weitere Erzählperspektive, die mich lange mit rätseln ließ, wer hier seine Überlegungen anstellt.
Ich hätte mir etwas mehr Berliner Lokalkolorit gewünscht, dennoch hat mir 'Dunkle Enthüllungen' gut gefallen und ich werde die Reihe gern weiter verfolgen.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Undurchsichtiger Fall einer verschwundenen Wissenschaftlerin

Die Lotsin
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Während einer gemeinsamen Übung des niederländischen, deutschen und dänischen Grenzschutzes vor Helgoland geht der Notruf eines Forschungsschiffes mit dem bemerkenswerten Namen Anthropocene ein, eine Wissenschaftlerin ...

Während einer gemeinsamen Übung des niederländischen, deutschen und dänischen Grenzschutzes vor Helgoland geht der Notruf eines Forschungsschiffes mit dem bemerkenswerten Namen Anthropocene ein, eine Wissenschaftlerin wird vermisst. Xander Rimbach von der Bundespolizei See übernimmt die Befragungen an Bord, nachdem die Suche nach der vermissten Iona Grimstedt erfolglos bleibt. Xander, der aus einem Weinbaugebiet am Neckar stammt, ist noch unsicher auf See und auch bei den Ermittlungen ist er unentschieden, wie er am besten vorgehen soll, ihm fehlt sein Kollege und Mentor Liewe Cupido, der zunächst anderweitig beschäftigt ist. Es bleibt das Gefühl, dass auf der Anthropocene irgendetwas nicht stimmt. Aber es kommt auf Fakten an, wie Liewe immer sagt.

Mathijs Deen beschreibt die Anthropocene detailliert und bildhaft, anschaulich und atmosphärisch, so dass ich mir die Abläufe auf dem Schiff vorstellen kann, wie auch das schwierige Leben und Arbeiten in der Forschungsstation auf Grönland zu Beginn der Geschichte, als die Glaziologin Iona, vielleicht desillusioniert, Eisbohrungen vornimmt und auswertet.
Die Ermittlungen verlaufen schleppend und schwierig, die Seeleute sind wortkarg und Iona hatte auf dem Schiff kaum Kontakte. Ihre Figurenzeichnung wird erst spät vervollständigt. Die auftretenden Charaktere finde ich interessant, sie werden alle glaubwürdig dargestellt.

Obwohl ich anfangs den schweigsamen, eigenwilligen Kommissar Cupido vermisst habe, gefällt mir, dass ich Xander diesmal besser kennenlerne. Trotz seiner Unsicherheit kann er seine Stärken zeigen, er entwickelt sich. Auch über Liewe Cupidos familiären Hintergrund erfahre ich mehr. Die Ermittler werden mir immer vertrauter, so dass ich mich jetzt schon auf den Folgeband freue.

Ruhig in die Handlung eingebettet und unaufdringlich greift Deen aktuelle Themen auf, den Klimawandel und wie Wissenschaftler viel zu oft nicht gehört werden, Angriffe und Hass in den Social Media, auch Kränkungen und verletzter Stolz spielen eine Rolle.

Den Titel finde ich nicht wirklich passend und auch das Cover ist weniger atmosphärisch als bei den Vorgängerbänden, aber das sind nur Äußerlichkeiten. Die Übersetzung durch Andreas Ecke ist versiert und wieder rundum gelungen. 'Die Lotsin' hat mir gefallen und mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Ein fesselnder Rachethriller, spannend bis zum Schluss

Asa
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Asa Kolberg hat die sechs Jahre im Gefängnis genutzt, um ihren Racheplan auszuarbeiten. Sie wird sich an denen rächen, die die grausame und gnadenlose Prüfung mit ihren archaisch anmutenden Regeln weiter ...

Asa Kolberg hat die sechs Jahre im Gefängnis genutzt, um ihren Racheplan auszuarbeiten. Sie wird sich an denen rächen, die die grausame und gnadenlose Prüfung mit ihren archaisch anmutenden Regeln weiter durchgeführt haben und denen ihre Gemeinschaft wichtiger ist als der einzelne Mensch. Diese Tradition der Prüfung muss ein Ende finden.

Asa ist eine komplexe Protagonistin, sie ist in der Vergangenheit verletzt worden, dennoch ist sie stark, eigenwillig, mutig, unbeirrt und ich verstehe bald, dass sie sowohl bewundert als auch gefürchtet wird.
Asas Geschichte wird auf verschiedenen Zeitebenen erzählt, ebenso wie die ihrer Herkunftsfamilie, und auch die Figurenzeichnung anderer Charaktere hat Tiefe, da ich von deren Hintergrund und ihren Beziehungen zueinander erfahre. Zoran Drvenkar schreibt im Präsens und überwiegend aus der Du-Perspektive, wodurch ich mich sehr angesprochen fühle, obwohl ich nicht gemeint bin. Wer da erzählt, wird erst später deutlich und hat mich überrascht. Der Schreibstil ist bildhaft, anschaulich und präzise, flüssig und angenehm zu lesen, auch wegen der häufig kurzen Sätze. Wörtliche Rede wird nur durch voran gestellte Gedankenstriche gekennzeichnet, woran ich mich schnell gewöhnt habe.

'Asa' ist packend und spannend, beeindruckt mit fesselnder Wucht und düsterer Atmosphäre. Asas Emotionen kann mir der Autor eindringlich vermitteln und mich mit unvorhergesehenen Wendungen überraschen.
Das Cover, das die wilde, jugendliche Asa zeigt, die mich aus dem Augenwinkel von oben herab skeptisch anschaut, passt gut zum Buch. Ich empfehle den Thriller Lesern, die eine beeindruckende Protagonistin und ihr Leben in einem ungewöhnlichen Umfeld kennenlernen wollen und nicht vor manchmal schockierenden Beschreibungen zurück schrecken.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Elefanten in Berlin

Das Geschenk
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Nachdem Deutschland die Einfuhr von Jagdtrophäen verbietet und der Bevölkerung in Botswana dadurch Einnahmequellen wegbrechen, schenkt das afrikanische Land Deutschland 20000 Elefanten, die plötzlich in ...

Nachdem Deutschland die Einfuhr von Jagdtrophäen verbietet und der Bevölkerung in Botswana dadurch Einnahmequellen wegbrechen, schenkt das afrikanische Land Deutschland 20000 Elefanten, die plötzlich in Berlin auftauchen.
Sind die Elefanten zuerst eine willkommene Ablenkung von den schlechten Umfragewerten der Regierungspartei, stellen sich Probleme wie die Menge des benötigten Futters, die Entsorgung des Dungs, die nicht artgerechte Umgebung für die Wildtiere, schnell als kaum lösbare Aufgaben heraus, die Regierung ist überfordert.

Gaea Schoeters beschreibt die Reaktionen der Regierung mit trockenem, treffsicherem Humor und Sachverstand, sowohl was politische Zwänge, Abwägungen und ergriffene Maßnahmen angeht, als auch in Bezug auf die Elefanten. Großartig die Szenen der in der Spree badenden Elefanten! Lisa Mensings gelungene Übersetzung aus dem Niederländischen trägt zweifellos zum kurzweiligen Lesevergnügen bei.

Die Autorin hält uns den Spiegel vor und das ausgesprochen kreativ und auf sehr unterhaltsame Weise, bei der das Lachen auch schon mal im Halse stecken bleibt, angesichts der zahlreichen aktuellen Themen, die der Roman aufgreift und nachdenkenswert in die Geschichte einbindet.
Die Figurenzeichnung ist überzeugend, die verschiedenen Politikertypen treffend erdacht und beschrieben, fast könnte ich einzelne Charaktere benennen...
Gegliedert in vier Teile, erstreckt sich das spannende Elefantendrama über etwa 14 Monate und hat mir sehr gut gefallen.

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Eine Auferstehung in zweifacher Hinsicht

Die Auferstehung
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Tracy Hitfield war sieben Jahre lang im Amazonas-Regenwald verschollen und taucht überraschend wieder auf. Die früheren drei ???-Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, inzwischen in ihren ...

Tracy Hitfield war sieben Jahre lang im Amazonas-Regenwald verschollen und taucht überraschend wieder auf. Die früheren drei ???-Detektive Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, inzwischen in ihren 50ern, bekommen auf verschiedenen Wegen mit der Rückkehr der jungen Frau zu tun, deren Familie sie kennen. Justus, Peter und Bob haben kaum noch Kontakt zueinander und so ermittelt zunächst jeder für sich und aus unterschiedlichen Gründen.

Andreas Eschbach schreibt wie gewohnt klar, einfach zu verstehen und angenehm zu lesen, mit lebendigen Dialogen. Die erwachsenen Protagonisten sind authentisch, hadern auch mal mit dem Alter, und es gelingt dem Autor, immer wieder einen nostalgischen und auch melancholischen Bezug zur Vergangenheit der Charaktere herzustellen, der berührt. Ich finde die verschiedenen Lebenssituationen der Erwachsenen, zu den die drei ??? geworden sind, von Eschbach einfallsreich, realitätsnah und glaubhaft dargestellt. Die detektivischen Fähigkeiten aus der Jugend werden reaktiviert und es macht Spaß, bei den Ermittlungen zur wieder aufgetauchten Tracy mit zu rätseln. Der Fall ist komplexer, als es zunächst scheint und nach kleinen Längen im Mittelteil steigt die Spannung, bis zur letztendlich logischen Auflösung, wie es sich für die drei ??? gehört.

Das Cover ist aufwendig und passend gestaltet, der schwarze Schnitt und das Lesebändchen tragen zum hochwertigen Erscheinungsbild des Hardcovers bei.

Andreas Eschbach ist es gelungen, die drei ??? in einer ganz anderen Lebensphase wieder auferstehen zu lassen und hat mir so ein besonderes Lesevergnügen bereitet. Ich kann das Buch sowohl langjährigen Fans der drei ??? als auch Krimilesern ohne 'Vorkenntnisse' empfehlen.

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