Profilbild von carola1475

carola1475

Lesejury Star
offline

carola1475 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit carola1475 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.07.2025

Dieses Buch macht Mut

Frank & Red
0

Der einsame, griesgrämige Frank ist entsetzt, als eine junge Mutter mit kleinem Sohn in das seit Monaten leer stehende Nebenhaus einzieht. Und sie stellen ein quietschendes Trampolin im Garten auf!
Frank ...

Der einsame, griesgrämige Frank ist entsetzt, als eine junge Mutter mit kleinem Sohn in das seit Monaten leer stehende Nebenhaus einzieht. Und sie stellen ein quietschendes Trampolin im Garten auf!
Frank redet nur noch mit dem Geist seiner vor zwei Jahren verstorbenen Frau, um die er immer noch sehr trauert und er verlässt sein Haus nicht mehr. Red, der Junge von nebenan, vermisst sein früheres, größeres Haus, seinen Freund, die vertraute Schule. Er versucht sofort Kontakt zu Frank aufzunehmen, als er ihn im Nachbargarten sieht, denn Red ist freundlich und unterhält sich gern, er ist neugierig, hartnäckig und wissbegierig. Frank ist zunächst nur genervt.

Aus den abwechselnden Perspektiven von Frank und Red lerne ich die beiden so verschiedenen Protagonisten kennen, die mich auch an ihren Gedanken teilhaben lassen. Red erzählt von seinem Alltag und Frank erinnert sich an seine Vergangenheit, sein Leben mit Marcie, seiner großen Liebe. Matt Coyne schreibt einfühlsam und findet eine gutes Gleichgewicht von Traurigkeit und Heiterkeit. Der Autor bloggt seit Jahren über sein Vater-sein und schreibt authentisch und augenzwinkernd, wenn Red gedanklich hin und her springt und sein Gespräche vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen. Sein Wortwitz und daraus entstehende Situationskomik haben mich oft unvermittelt lachen lassen. Lachen und Weinen liegen in dieser Geschichte nah beieinander, sowohl Frank als auch Red haben es auch mit ernsten, schwierigen Themen zu tun.
Die Figurenzeichnung ist auch bei Nebencharakteren glaubhaft und ich habe mich darüber gefreut, wie die Freundschaft zu Red Frank verändert.

Matt Coynes Romandebüt ist überaus gelungen, 'Frank & Red' ist humorvoll und emotional, herzerwärmend, optimistisch und tiefgründig. Mir hat dieses unbedingt lesenswerte Buch sehr gut gefallen und mich bestens unterhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.07.2025

Düster und tragisch

Das Paradies verrät man nicht
0

Zu Beginn des Buches gibt es kurze Rückblicke auf Ingrids Vorgeschichte. Trotzdem empfehle ich, den ersten Serienband zu kennen. Die frühere Polizistin lebt nach drei Jahren im Gefängnis versteckt in einem ...

Zu Beginn des Buches gibt es kurze Rückblicke auf Ingrids Vorgeschichte. Trotzdem empfehle ich, den ersten Serienband zu kennen. Die frühere Polizistin lebt nach drei Jahren im Gefängnis versteckt in einem kleinen Ort in Dalarna, immer in Angst vor ihrem rachsüchtigen Ex-Mann Kjell. Sie hat ihr 'Büro für Privatermittlungen' aufgegeben und arbeitet als Zimmermädchen im Hotel. Die Sehnsucht nach ihrer Tochter ist zum Lebenssinn geworden, sie hofft, irgendwann das Sorgerecht wieder zu bekommen.

Auf einem Hof in der Nähe wird eine junge Frau tot aufgefunden. Die Eltern sind überzeugt, dass Lena sich nicht umgebracht hat und bitten Ingrid, Nachforschungen anzustellen. Zögernd nimmt Ingrid den Auftrag an, aus ihrer Erfahrung als Polizistin weiß sie, dass es bei Selbstmorden für Hinterbliebene keine Hilfe und Antworten gibt, ihnen bleibt nur Trauer.

Auf einer zweiten Zeitebene, die acht Monate zuvor beginnt, lerne ich Lena kennen, die zurückhaltende junge Witwe ist einsam und wünscht sich, wieder glücklich zu sein. Je weiter ihre Geschichte voran schreitet, desto mehr fürchte ich die nahende Katastrophe. Besonders diese Erzählebene funktioniert, weil sie in der analogen Zeit der 1980er Jahre spielt, es gab keine Handys und kein Internet. Filme, Bücher und Musik der damaligen Zeit werden erwähnt und tragen zur Glaubwürdigkeit bei, ebenso wie die Beschreibung von Natur und Orten in Dalarna.

Erzählt wird neben Ingrids und Lenas Perspektive auch aus Sicht des manipulativen Kjell, der kein anderes Ziel mehr hat als sich an Ingrid zu rächen, und da ist noch Benny, Ingrids früherer Kollege und Freund, der sie unterstützt, so weit ihm das möglich ist.

Ninni Schulmans ruhiger und bildhafter Schreibstil ist angenehm zu lesen und durch wechselnde Perspektiven und falsche Fährten bleibt die düstere Geschichte spannend. Die Figurenzeichnung ist psychologisch glaubhaft und Ingrid und Benny gewinnen an Tiefe. Sie werden mit ihren Ecken, Kanten, Unsicherheiten und Zwickmühlen, in denen sie stecken, für mich authentisch und nahbar.

'Das Paradies verrät man nicht' hat mich gut unterhalten - trotz des heftigen Cliffhangers am Ende des Buchs - und ich freue mich auf den dritten Band der Reihe.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.07.2025

Überraschend und berührend

Wer kennt diese Frau?
0

Im Apartment der Edelprostituierten Eva wird ein Toter gefunden, Eva ist verschwunden. Ihre Putzfrau und Freundin Gudrun hilft ihr, Belastendes verschwinden zu lassen. Noch nicht mal Evas DNA ist im Apartment ...

Im Apartment der Edelprostituierten Eva wird ein Toter gefunden, Eva ist verschwunden. Ihre Putzfrau und Freundin Gudrun hilft ihr, Belastendes verschwinden zu lassen. Noch nicht mal Evas DNA ist im Apartment nachzuweisen.
Erzählt wird aus den abwechselnden Perspektiven Evas, Gudruns und der Ermittler Meister und Brodbecker. Nicole Eicks Schreibstil ist einfach und geradlinig, in den Kapiteln aus Ermittlersicht auch humorvoll, ein willkommenes Gegengewicht zu der bedrückenden Atmosphäre in Evas und Gudruns Kapiteln. Beide Frauen sind einsam und besonders Gudrun hat in der Vergangenheit traumatisches erlebt, was wiederholt angedeutet, aber erst später klar benannt wird.
Die realistisch beschriebenen Ermittlungen gestalten sich zunehmend schwierig und sind komplex, da weder Eva noch Gudrun zu finden sind, die Spurenlage dünn ist und Evas zahlreiche berufliche Kontakte eher ungern kooperieren.
Was genau passiert ist und zum Tod des Opfers führte, bleibt wegen einer Erinnerungslücke Evas lange ungewiss. Zur Spannung trägt ebenfalls die unklare Beziehung zwischen Eva und Gudrun bei und auch Gudruns Vergangenheit. Ich bin sehr vom Können der Autorin beeindruckt, wie realitätsnah, sensibel und eindringlich sie von Gudruns Erfahrungen und deren Auswirkungen auf ihr Leben schreibt.

Die Figurenzeichnung finde ich ausgesprochen gelungen. Die Ermittler sind interessante Charaktere, die auch durch ihr Privatleben und ihre Dialoge lebendig und nahbar werden. Evas und Gudruns erinnerte Erfahrungen, ihre Gefühle und Überlegungen zur aktuellen Situation haben mich sehr berührt und beschäftigen mich auch noch, nachdem ich das Buch gelesen habe.
'Wer kennt diese Frau' mit dem passenden Cover erzählt eindrucksvoll eine spannende und bewegende Geschichte mit überraschenden Wendungen und ungewöhnlichem Hintergrund und hat mir sehr gut gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.06.2025

Spannend und überraschend

John
0

Die Mörderin Yoko lebt seit 5 Jahren als John in einem kleinen Dorf auf einer griechischen Insel, wo sie versucht, den Tod hinter sich zu lassen und zu heilen. Doch die deutschen Ermittler haben ihren ...

Die Mörderin Yoko lebt seit 5 Jahren als John in einem kleinen Dorf auf einer griechischen Insel, wo sie versucht, den Tod hinter sich zu lassen und zu heilen. Doch die deutschen Ermittler haben ihren Fall wieder aufgenommen und eines Tages steht Yoko Hauptkommissarin Liebermann gegenüber. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Frauen. Yoko weiß nicht, wie viel Liebermann weiß, und so erzählt sie der Kommissarin nicht alles, was ich als Leserin in Rückblenden auf einer zweiten Zeitebene erfahre.

Dabei wird schnell klar, dass Yoko keine bösen Absichten hat, aber sie ist clever und auf alles gefasst. Sie beschränkt sich darauf, auf die schrägen Figuren zu reagieren, die versuchen, sie zu manipulieren und für ihre Zwecke einzuspannen. Nachdem sie Fassungslosigkeit und Panik überwunden hat, versucht Yoko, sich aus der Opferrolle zu befreien und die Kontrolle über ihr Leben zurück zu gewinnen.

Neben der Perspektive eines neutralen Erzählers, bei dem immer Yoko im Mittelpunkt des Geschehens steht, vermittelt mir Yokos Ich-Perspektive ihre Gedanken und Überlegungen, so dass ich ihre Gefühle verstehe, obwohl ihr Handeln für mich nicht immer nachvollziehbar ist.

Bernhard Aichners Schreibstil ist rasant, dynamisch und schnörkellos, seine Sätze sind prägnant und oft kurz und können Szenen und Bilder in meinem Kopf entstehen lassen. Bei Aichners Dialogen, lediglich durch voran gesetzte Gedankenstriche gekennzeichnet, lenkt nichts ab, Konzentration allein auf den Wortwechsel erzeugt eine erstaunliche Intensität.

Dieser einfallsreich konzipierte zweite Band der Rache-Reihe ist spannend, packend und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Obwohl ich den ersten Teil nicht gelesen habe, hatte ich keine Verständnisschwierigkeiten. Johns verrückte Geschichte hat mich gut unterhalten.

Erwähnenswert finde ich das Cover im Zusammenspiel mit dem Vorgängerbuch. Es ist farblich wie ein Negativ des ersten Bandes gestaltet, auffallend ist, dass der Titel 'John' nicht fast unkenntlich gemacht ist wie bei 'Yoko', da sind nur noch ein paar Kleckse.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.06.2025

Erschreckend aktuell

Reset
0

Weltweit nehmen Fake News sowohl als Audionachrichten als auch Videos zu und bald weiß niemand mehr, was wahr ist und was nicht. Verunsicherung wird zu Angst, die Gesellschaft droht im Chaos zu versinken.

Der ...

Weltweit nehmen Fake News sowohl als Audionachrichten als auch Videos zu und bald weiß niemand mehr, was wahr ist und was nicht. Verunsicherung wird zu Angst, die Gesellschaft droht im Chaos zu versinken.

Der Thriller ist von Beginn an nervenaufreibend fesselnd und wird aus wechselnden Perspektiven und auf mehreren Handlungsebenen erzählt, was die Spannung erhöht, da ich immer wissen will, wie es für die verschiedenen Protagonisten weiter geht.
Die Charaktere werden in einer Alltagssituation eingeführt, im Austausch mit anderen werden sie schnell lebendig. Die Vielzahl der Figuren, vor allem die Experten verschiedener Cyberbereiche, verdeutlicht, wie vielschichtig die zu lösenden Probleme sind. Sehr gut gefallen hat mir, dass der Autor mehrere starke weibliche Charaktere geschaffen hat.

Peter Grandls Schreibstil ist technisch detailliert, trotzdem angenehm und flüssig zu lesen. Beeindruckend finde ich auch, wie gelungen der Autor sein durch umfassende Recherchen gewonnenes Wissen in die Handlung einbringt und einen realistisch anmutenden düsteren und atmosphärischen Thriller geschrieben hat, in dem nur 'überholte' Technik aus der Zeit vor der Digitalisierung im entstandenen Chaos hilfreich ist.

Das Finale war mir fast zu melodramatisch, statt des filmreifen Showdowns hätte ich mir mehr Informationen über die KI und deren Entwickler gewünscht. Insgesamt hat mich 'Reset' mit dem schlichten, aber auffallenden und sehr passenden Cover gut unterhalten und mir dabei eindrucksvoll, anschaulich und erschreckend die Gefahren unserer Abhängigkeit von digitaler Technologie in einer packenden Geschichte vor Augen geführt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere