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Veröffentlicht am 18.04.2026

Tiglio: ein Frauenleben für die Kunst zwischen Südtirol, Mailand, Herkunft, Tradition, Zukunft und Emanzipation

Das Blau ferner Räume
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Herlinde ist noch jugendlich als sie dank einer engagierten Lehrerin, die ihr Talent erkannte, aus einem Südtiroler Dorf nach Mailand zieht, um das Kunstgymnasium zu besuchen, das sie auf ein späteres ...

Herlinde ist noch jugendlich als sie dank einer engagierten Lehrerin, die ihr Talent erkannte, aus einem Südtiroler Dorf nach Mailand zieht, um das Kunstgymnasium zu besuchen, das sie auf ein späteres Kunststudium vorbereiten soll. In Mailand lebt sie bei Signorina Dina, einer guten Freundin ihrer Lehrerin, die ihr für Unterstützung im Haushalt Kost und Logis gewährt und bald selbst zu einer ihrer wichtigsten Förderinnen wird. Der Kontrast zwischen dem einfach dörflichen Leben mit ihrem geliebten Vater, aber auch der Enge der Dorfgemeinschaft und den Möglichkeiten in Mailand und Herlindes Eintauchen in die Welt aus Kunst und Intellektuellen könnte kaum größer sein und verunsichert die ohnehin immer zweifelnde Herlinde anfangs sehr. Doch trotz aller Selbstzweifel und Hindernisse, die für Aufsteigerinnenbiografien so typisch sind, erkämpft sich Herlinde in den nächsten Jahren Stück für Stück ihren Traum, ein Leben so aufzubauen, wie sie es möchte und es ihren Talenten entspricht. Dabei verhandelt die Autorin in Herlinde zentrale Konflikte und Widersprüche, die diese in sich trägt und immer wieder und in jeder Lebensphase ausbalanciert, zwischen Bauerntochter und freiheitsliebender Künstlerin, zwischen traditionellen Geschlechterrollen und Selbstständigkeit, zwischen Verantwortung/Schuld und Unabhängigkeit.

Der Roman ist in drei Teile gegliedert, die jeweils unterschiedliche Zeitebenen abbilden. Teil eins stellt Herlindes Ankommen in Mailand und die Jahre auf dem Kunstgymnasium in den Mittelpunkt. Fremdheit und Scham angesichts der bürgerlichen, künstlerisch geprägten Kreise in denen sich die Bauerntochter nun bewegt, werden von der Autorin zurückhaltend jedoch nicht weniger pointiert herausgearbeitet. Wundervoll dargestellt ist in diesem Teil auch die beginnende und sich vertiefende Freundschaft zwischen Herlinde und ihren Klassenkameraden, eine Freundschaft auf Augenhöhe in der Herlinde auch zunehmend Selbstvertrauen mit Blick auf ihre Kunst entwickelt und die Leichtigkeit, wie Abwechslung in ihren fordernden strukturierten Alltag bei ihrer Hausmutter in Mailand bringt.

Im zweiten Teil dominiert der Ausbruch und Verlauf des zweiten Weltkriegs in Verbindung mit Herlindes Studienjahren an der Akademie. Liebe, Verlust, Trauer und Angst, aber auch (weibliche) Solidarität und tiefe Verbundenheit und Freundschaft werden hier thematisiert.

Eine Synthese aus Erinnerungen an die Nachkriegszeit, ihren Lebensweg und Herlindes Alltag in der Gegenwart nach einem ganzen Berufsleben als Lehrerin und Künstlerin in Bozen stellt der dritte Teil schließlich in den Vordergrund. Gerade in den Ruhestand eingetreten blickt Herlinde auf ihr Leben zurück.

Besonders macht den Roman der ruhige Erzählstil, der viel Wert auf das innere Erleben der Protagonistinnen legt. Sensibel werden Herlindes Scham, Ängste, Trauer und Konflikte ausgeleuchtet, aber auch ebenso die Herausforderungen und Gefühlswelten ihrer Freunde und Familie.

Neben den historischen Aspekten überzeugt mich der Roman außerdem mit den Einblicken in die Kunstwelt in den jeweiligen Dekaden, sowie der authentisch dargestellten Lebenswelt der Protagonistinnen darin.

Das Blau ferner Räume ist ein unaufgeregter, sensibler Roman. Eine Geschichte einer Emanzipation mit Hindernissen und Zweifeln, von einem Bauernmädchen, das Künstlerin wurde und doch nie ganz in der neuen Welt, in die sie sich hochgearbeitet hat, um ihre Träume zu erfüllen und Talente auszuleben, angekommen ist und doch oder gerade deswegen eine beeindruckende Frau ist, die versucht Prägung und Zukunft in ein erfülltes Bild zu zeichnen.

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Veröffentlicht am 02.04.2026

Klug komponierter, sprachlich überzeugend und humorvoll

Einatmen. Ausatmen.
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Endlich Vorständin werden. Marlenes Traum ist zum Greifen nah, wenn, ja, wenn da nicht die Beschwerden über ihre soziale Kompetenz wären. Ihre Chance auf den langersehnten Posten ist daher an eine Bedingung ...

Endlich Vorständin werden. Marlenes Traum ist zum Greifen nah, wenn, ja, wenn da nicht die Beschwerden über ihre soziale Kompetenz wären. Ihre Chance auf den langersehnten Posten ist daher an eine Bedingung geknüpft: ein Coaching-Seminar im ländlichen Brandenburg.

Coach Alex Grow, der die Akademie leitet verfolgt dabei ganz eigene Interessen und ist nicht weniger mit eigenen Sorgen und Problemen konfrontiert. Seine Akademie läuft schlecht und steht kurz vor dem Aus. Ein erfolgreiches Coaching Marlenes könnte ihm daher nicht nur Folgeaufträge in ihrer Firma sichern, sondern ist buchstäblich seine letzte Rettung.

Man merkt wie in jedem Maxim Leo Roman, dass der Autor seine Figuren wirklich mag und versteht. Aus den Zeilen spricht selbst in den Passagen größter Ironie, und von denen gibt es glücklicherweise so einige, immer eine gewisse Zugewandtheit den Figuren, ihren Problemen, aber auch viel allgemeiner, unserem Menschsein gegenüber. Dabei kommt eine klug formulierte Gesellschaftskritik gleichzeitig nicht zu kurz. Es liest sich köstlich, wie Leo die florierende Coachingbranche aufs Korn nimmt und deren Widersprüche und Charakteristika gekonnt offenlegt und ad absurdum führt.

Einatmen, Ausatmen ist ein klug komponierter, sprachlich überzeugender und humorvoller Gegenwartsroman, den ich unbedingt empfehle!

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Jahrhundertsommer 2003: Erwachsenwerden, Liebe und körperlicher Schmerz zwischen Hitze, Leichtigkeit, Meer und Patriarchat

Paradise Beach
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Paradise Beach ist ein Coming of Age Roman, der die Hitze und Leichtigkeit des Jahrhundertsommers 2003 mit dem Erwachsenwerden der jungen Ada, der ersten Liebe aber auch den ersten körperlichen Schmerzen ...

Paradise Beach ist ein Coming of Age Roman, der die Hitze und Leichtigkeit des Jahrhundertsommers 2003 mit dem Erwachsenwerden der jungen Ada, der ersten Liebe aber auch den ersten körperlichen Schmerzen und Beginn einer chronischen Erkrankung verknüpft. Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Da ist einerseits Ada mit 28 Jahren in der Gegenwart, unmittelbar nach ihrer Endometriose-OP in einer lethargischen Zwischenwelt aus Schmerz, Zweifeln, Erinnerung und Selbstfindung. Den weit größeren Raum nimmt jedoch die Erzählebene im Sommer 2003 ein, als Ada gerade 13 ist, und ihre erste Liebe aber auch ihren ersten körperlichen Schmerz mit Beginn ihrer chronischen Endometrioseerkrankung erlebt.

Die Lebenswelt als erwachsene Frau mit Endometriose und der aktuellen medizinischen Behandlung dieser verbindet die Autorin nachvollziehbar mit dem Auftreten der ersten Periode Adas im Jahrhundertsommer 2003 und zeichnet so eine Kontinuität und Kontextualisierung vom Beginn der Erkrankung bis in die Gegenwart. Die Leichtigkeit eines Sommers an der Ostsee mit regelmäßiger Verpflegung im Kiosk Paradise Beach kontrastiert hier mit der Verlorenheit in der Pubertät und dem ersten Auftreten des unglaublichen Schmerzes, für den Ada keine Worte findet und dem auch die Familie, Freunde und Gesellschaft um sie herum keinen Raum geben, keinen Namen. Für Ada kommt dabei viel zusammen, typische Teenagerherausfoderungen, wie Peer Groups, Anerkennung, Selbstfindung, erste Liebe, Abgrenzung und Zugehörigkeit und sich Auszuprobieren. Daneben erfährt sie mit der ersten Periode nicht nur den Schmerz, der sie zusätzlich verunsichert, verängstigt und für sie ein Leben mit einer chronischen Erkrankung bedeuten wird. Die Periode und das Erwachsenwerden, in der Zwischenwelt zwischen Mädchen und Frau versetzt Ada fast plötzlich auch in eine neue Position, in der sie erfahren muss, wie sehr Mädchen- und Frauenkörper in einer patriarchal geprägten Gesellschaft zum Objekt gemacht werden, als ob die Verfügungsgewalt über ihren Körper nun nicht mehr ihr selbst gehört. Diese beiden Aspekte, die nachvollziehbare Darstellung einer Lebenswelt mit Endometriose und das in einer Gesellschaft, in der Sexismus und körperliche Übergriffigkeit gegenüber Mädchen und Frauen zum guten patriarchalen Ton gehören, sind für mich die stärksten im Roman. Gerade in der Gegenwartsebene war die Story für mich jedoch letztlich nicht ganz stimmig, wirkte stellenweise überkonstruiert. Gleichzeitig fehlte mir auch mit Blick auf die Erkrankung in der Gegenwartsebene Entwicklung und Erklärung. Von der ersten Periode zur OP ist es ein weiter Weg mit der Erkrankung und doch beleuchtet der Roman nur diese beiden Endpunkte. Ich persönlich hätte gerne mehr darüber erfahren, wie Ada endlich eine Sprache für ihren Schmerz und ihre Erkrankung findet, welche Hürden sie dabei im Gesundheitssystem erlebt und wie sie letztlich zu der Erwachsenen Ada wird, einer jungen Frau mit einer chronischen Erkrankung, die noch immer viel zu wenig Anerkennung erfährt, gesellschaftlich und medizinisch.

Sprachlich ist der Roman für mich nicht ganz rund. Irritierend fand ich die häufigen Erwähnungen von Markennamen von Kleidung. Manche Formulierungen wirken gestelzt, wie der Ball beim Volleyball, der „in Empfang genommen“ statt angenommen wird, andere sind sprachlich nicht korrekt, wie wenn etwa von Lavasand die Rede ist, womit im Roman schlicht heißer Sand gemeint sein soll, der jedoch eben nicht aus vulkanischem Gestein besteht, wie es eben für Lavasand semantisch charakteristisch wäre. Derartige Ungereimtheiten haben mich regelmäßig irritiert und mein Leseerlebnis etwas getrübt.

Insgesamt ist Paradise Beach aufgrund des Themas und einiger starker Momente trotzdem ein wichtiges Buch für mich, jedoch mit leichten Schwächen in der Umsetzung.

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Ein neues Abenteuer für die Heldenhäsin

Hilda Hasenherz. Das Abenteuer am Drachenfels
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Ein neues Abenteuer für unsere beliebte und innig geliebte Heldenhäsin Hilda Hasenherz steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Diesmal ist das Ziel der Drachenfels. Dort vermutet Hilda den bösen Baron ...

Ein neues Abenteuer für unsere beliebte und innig geliebte Heldenhäsin Hilda Hasenherz steht im Mittelpunkt dieser Geschichte. Diesmal ist das Ziel der Drachenfels. Dort vermutet Hilda den bösen Baron von Ratzezahn, der als einziger etwas über den Verbleib ihrer geliebten Eltern weiß.

Auch bei diesem Abenteuer ist Hilda natürlich nicht auf sich allein gestellt. Mit dabei sind Eicho, das freche Eichhörnchen, Robinius, das ritterliche Rotkehlchen und Igromir, der weise Igel. Sowohl die Hauptfiguren, als auch die Nebenfiguren, wie Prinz Lämpchen oder Dschango Biber sind wunderbar liebevoll und kindgerecht in ihren Besonderheiten, Talenten und Charaktereigenschaften gezeichnet. Jeder und jede bringt sich mit dem ein, was er oder sie am besten kann und versucht so bei der Suche nach Hildas Eltern zu helfen.

Besonders gefällt mir wie auch dieser Band ganz spielerisch wichtige Werte und Eigenschaften vermittelt, neben Mut natürlich ganz besonders die Werte von Freundschaft, Zusammenhalt und Vielfalt, die mit der bunten Freundebande um Hilda in der Geschichte immer wieder zum Ausdruck kommen.

Wunderschön sind auch die liebevollen Zeichnungen, die lose in die Seiten eingefügt sind und zusammen mit der harmonischen Farbgebung das Abenteuer perfekt illustrieren und so das Leseerlebnis komplettieren.

Wieder mal ein rundum gelungener Band um die beeindruckende kleine Heldenhäsin!

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Veröffentlicht am 10.03.2026

Charlotte im Wunderland destruktiver, ausbeuterischer Strukturen in der Verlagswelt

Die Assistentin
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Charlotte Schaf ist Mitte 20, eine Einzelgängerin, die ein Leben lang Zuflucht in Musik und Büchern gesucht und gefunden hat. Und nun, neue Stadt, neuer Job, neues Glück? In ihrer neuen Stelle in München ...

Charlotte Schaf ist Mitte 20, eine Einzelgängerin, die ein Leben lang Zuflucht in Musik und Büchern gesucht und gefunden hat. Und nun, neue Stadt, neuer Job, neues Glück? In ihrer neuen Stelle in München arbeitet Charlotte als Assistentin in einem renommierten Verlag, unmittelbar dem exzentrischen Eigentümer untergeordnet. Was die junge Frau dabei erlebt, davon erzählt Caroline Wahl in Die Assistentin.

Gelungen ist insbesondere, wie der Roman internalisierte Erwartungen Charlottes nachvollziehbar darstellt. Alle Schikanen des Verlegers, deutet sie zunächst nicht als solche sondern sieht sie als Ansporn eben viel besser als die übrigen Assistentinnen zu sein und so mit der erhofften Anerkennung des Verlegers ihren Selbstwert zu steigern. In dieser patriarchal geprägten Leistungslogik, sind es eben die anderen Frauen, die letztlich selbst daran Schuld sind den hohen, vermeintlich legitimen Anforderungen des Verlegers nicht zu genügen. Charlottes Selbstaufgabe wird so zum vermeintlichen Beweis ihrer Auserwähltheit und Legitimität der an die Assistentin gerichteten Erwartungen.

Stilistisch ist der Roman ein Experiment. Caroline Wahl konfrontiert ihre Leserinnen mit einer allwissenden Erzählerin, die immer wieder in die Handlung eingreift, Rückblicke und Vorausblicke präsentiert und über die Konstruktion einer guten Geschichte im Allgemeinen und die Intention der Geschichte im Besonderen reflektiert. Irritierend sind dabei zuweilen Reflexionen, in denen sie den Roman bereits als Bestseller benennt.

Für mich war dieses Experiment insofern ungewohnt, als dass ich mit völlig anderen Erwartungen an den Roman herangegangen bin und die bisherigen Romane der Autorin aus anderen Gründen geschätzt habe. Für mich hat 22 Bahnen und Windstärke 17 ganz besonders die feine Beobachtungsgabe der Autorin und große Empathie für die Figuren ausgemacht. Die Assistentin möchte reifer, künstlerischer sein, eine Botschaft senden, dabei kommen für mich die Figuren zu kurz, die inklusive der Protagonistin Charlotte blass wie Statisten verbleiben, untergeordnet dem Projekt des Romans und seiner Botschaft destruktiver, ausbeuterischer Strukturen in der Verlagswelt.

Für mich reicht der Roman nicht an die Vorwerke heran, wenngleich es auf keinen Fall ein schlechtes Buch ist. Caroline Wahl kann schreiben, experimentiert hier und wie gelungen dieses Experiment eingeschätzt wird, hängt von der jeweiligen Leserin und ihren Erwartungen ab.

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