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Veröffentlicht am 04.01.2026

Ein Gesellschaftsporträt der italienischen Gesellschaft von 1934 und der Wünsche, Zwänge und Träume von jungen Frauen darin

Was vor uns liegt
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Rom 1934, acht verschiedene Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen, Vergangenheit, Geheimnissen und Träumen. Vinca, Augusta, Silvia, Valentina, Anna, Milly, Xenia und Emanuela: Sie alle leben unter ...

Rom 1934, acht verschiedene Frauen mit unterschiedlichen Hintergründen, Vergangenheit, Geheimnissen und Träumen. Vinca, Augusta, Silvia, Valentina, Anna, Milly, Xenia und Emanuela: Sie alle leben unter Nonnen im Grimaldi-Konvikt, um in Rom, fernab ihrer Heimat und Familien zu studieren, doch so viel sie auf den ersten Blick in ihrer aktuellen Lebenssituation eint, so viel trennt sie auch, wenn man tiefer in die Leben der verschiedenen jungen Frauen blickt.

Mit Was vor uns liegt, beweist Alba de Céspedes einen feinen Blick für Klassenunterschiede, das Verhältnis von Stadt und Land und die Komplexität von Paarbeziehungen sowie den Wunsch nach weiblicher Selbstbestimmung in der italienischen Gesellschaft von 1934. Über die Spanierin Vinca findet außerdem der spanische Bürgerkrieg immer wieder Einzug in die Erzählung.

Besonders gefallen haben mir die Einblicke in die verschiedenen Herkunftsmilieus der jungen Frauen aus den unterschiedlichen italienischen Landesteilen, von Sardinien bis Florenz, und die Darstellung der Differenzen zwischen den sozialen Klassen und ihrer jeweiligen Zwänge insbesondere für Frauen darin. So wird deutlich wie jede Frau von den gesellschaftlichen Normen der gegebenen Zeit eingespannt wird und auf ihre Art versucht ein selbstbestimmtes Leben zu führen, oft gegen die Erwartungen der Eltern und des Herkunftsmilieus.

Insgesamt fand ich den Roman sehr gelungen. Aufgrund der zahlreichen Frauenfiguren, die jede mit ihrer eigenen Geschichte Eingang findet, wird die Erzählung jedoch zunehmend komplex ohne einen Spannungsbogen zu entwickeln. Der Roman wird aus meiner Sicht daher vor allem historisch interessierten Menschen, die sich für authentische Frauenporträts begeistern, Freude bereiten.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Informativ und verständlich geschrieben - ein Ratgeber für ein gesünderes Leben im Cortisol-Gleichgewicht

Der Cortisol-Code
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Dieses informative Buch ist eigentlich für jede Person interessant, denn Cortisol spielt in so vielen Prozessen im Körper eine Rolle, dass vermutlich die meisten Menschen von dem gut aufbereiteten Inhalt ...

Dieses informative Buch ist eigentlich für jede Person interessant, denn Cortisol spielt in so vielen Prozessen im Körper eine Rolle, dass vermutlich die meisten Menschen von dem gut aufbereiteten Inhalt profitieren können.

Nach einer kurzen Einführung zur Bedeutung von Cortisol im Alltag inklusive Selbsttest widmet sich das Autorenteam in Teil 2 unter der Kapitelüberschrift: Cortisol verstehen - Grundlagen und Mechanismen den medizinisch-biologischen Hintergründen Cortisols und geht dabei auch explizit auf verschiedene Krankheitsbilder ein. Besonders für Typ2 Diabetiker finden sich bereits an dieser Stelle viele nützliche Hinweise. Ebenso werden Kinder, Frauen und Männer gesondert je nach Lebensphase und der Relevanz für Cortisol betrachtet. Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Thema Stress, wie dieser krank macht, und wie sich dies ganz konkret biologisch über Cortisol auswirkt. Teil 3 stellt Werkzeuge zur Regulation der Cortisolausschüttung vor, hier u.a. Ernährung, Schlaf, Bewegung und Entspannung. Im vierten Teil wird schließlich das gesammelte Wissen im Cortisol Code zusammengeführt, sinnvoll abgestimmt und in einem übersichtlichen 30 Tage Programm mit speziell kombinierten und aufeinander abgestimmten Wochenplänen in die Praxis umgesetzt. Toll sind zum Thema Ernährung die leicht zuzubereitenden und leckeren Rezepte am Ende im Kapitel.

In allen Kapiteln werden immer wieder aktuelle Studien eingebunden und so die Inhalte auch nachvollziehbar wissenschaftlich fundiert. Was mir auch sehr gut gefällt, ist die liebevolle, durchdachte Gestaltung der Publikation. Bereits im Einband ist ein erster Selbsttest mit den wichtigsten Fakten versteckt, sowie die Top Ten Tipps für eine Cortisol Balance im Alltag. Die Kapitel sind übersichtlich gestaltet, Textteil und Grafiken ergänzen sich perfekt. Sprachlich ist die Publikation sehr gelungen, komplexe Inhalte werden hier so einfach wie eben möglich erklärt. Für Nicht-Laien führt dies zuweilen zu einer gewissen Redundanz, die jedoch nicht zu ausgeprägt und gerade für Laien eben zur Sicherung des Lernerfolgs hilfreich ist.

Etwas kritisch sehe ich, dass einige Empfehlungen isoliert stehen und nicht gesellschaftspolitisch eingebettet sind. Im Falle des Stressniveaus von Kleinkindern wird explizit empfohlen Fremdbetreuung bis zu einem gewissen Alter möglichst gering zu halten bzw. ganz zu vermeiden, und dies mit entsprechendem Studien zur Stressbelastung untermauert. In einer Gesellschaft, in der noch immer Frauen die Hauptlast der Carearbeit übernehmen und dafür beruflich zurückstecken, mit entsprechenden Konsequenzen und Armutsrisiko bei Scheidung und/oder im Alter, halte ich solche Ratschläge, die nicht die tatsächliche Lebensrealität der Betreuungspersonen gleichermaßen betrachten für nicht besonders hilfreich. Das Fehlen einer solchen Perspektive in der Publikation ist umso bedauerlicher, als am Ende in der Reflexion und dem Ausblick dezidiert eine umfassende Perspektive eingenommen wird, die gesellschaftspolitische Aspekte mitdenkt. Der Aspekt von ungleicher Verteilung von Carearbeit der Geschlechter und ihrer Belastung im aktuellen System bleibt dabei jedoch vollkommen außen vor.

Abgesehen von diesem kleinen Kritikpunkt ist die Publikation jedoch ein sehr hilfreicher, informativer und sowohl sprachlich als auch gestalterisch sehr gelungen umgesetzter Ratgeber, den ich uneingeschränkt und unbedingt empfehlen kann - auch und gerade Menschen, die Cortisol bisher nicht im Blick hatten.

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Veröffentlicht am 06.12.2025

Einfühlsam geschrieben, liebevoll und hochwertig gestaltet

Rauhnächte – Reguliere dein Nervensystem und schaffe die Basis für persönliches Wachstum
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Dieses hochwertig gestaltete Büchlein beschäftigt sich nicht nur mit den Rauhnächten, wie der Titel suggeriert, sondern lädt in einem tiefergehenden, integrativen wie transformativen Prozess ein den Jahreswechsel ...

Dieses hochwertig gestaltete Büchlein beschäftigt sich nicht nur mit den Rauhnächten, wie der Titel suggeriert, sondern lädt in einem tiefergehenden, integrativen wie transformativen Prozess ein den Jahreswechsel über Sperrnächte und Rauhnächte bewusst zu gestalten.

Im ersten Teil führt Tanja Suppinger ganz feinfühlig, mitnehmend und informativ in die besondere Zeit des Jahreswechsel und seine ursprüngliche Bedeutung in Verbindung mit den Sperr- und Rauhnächten ein. Der zweite Teil setzt als Grundlage des Prozesses das Nervensystem in den Fokus. Verständlich und nachvollziehbar erläutert die Autorin hier wichtige biologische Zusammenhänge und bringt sie im dritten Teil in Verbindung zu innerer Transformation und den Rauhnächten. Nach diesen Grundlagen kann die Umsetzung beginnen, die den Hauptteil des Buchs bildet. Jedem Tag der Sperrnächte und der Rauhnächte ist ein eigenes kurzes Kapitel gewidmet, in dem die Autorin mit Erläuterungen, Anleitungen und kleinen Impulsen und Übungen durch den Tag führt.

Man merkt sofort, dass die Autorin weiß, wovon sie spricht bzw. schreibt. Bereits die Einführung ist so einfühlsam und mitnehmend geschrieben, dass man sich gut aufgehoben fühlt und einfach fallen lassen und mit der Autorin auf die innere Reise durch die Sperr- und Rauhnächte machen kann: hin zu sich selbst!

Dazu trägt auch das hochwertige Layout mit wunderschönen Bildern bei: die Ruhe für das Innere wird so durch eine aufgeräumte und angenehme Gestaltung der Publikation zusätzlich unterstützt!

Gelegentlich waren einige Ausführungen für mich zu redundant, auch wenn eine gewisse Wiederholung natürlich die Verinnerlichung des Wiederholten unterstützt.

Für mich bleibt es trotzdem eine rundum gelungene Publikation, die unbedingt Lust auf die Rauhnächte und die Reise zu sich selbst, angeleitet durch die Autorin, macht.

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Veröffentlicht am 06.12.2025

Ruperts erstes Weihnachtsfest

Mister O'Lui feiert Weihnachten
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Das zuckersüße Streifenschweinchen und gleichzeitig Mister O‘Luis bester Freund erlebt sein erstes Weihnachtsfest. Dieser Band begleitet die beiden Freunde dabei und vermittelt so eine wunderschöne Weihnachtsstimmung ...

Das zuckersüße Streifenschweinchen und gleichzeitig Mister O‘Luis bester Freund erlebt sein erstes Weihnachtsfest. Dieser Band begleitet die beiden Freunde dabei und vermittelt so eine wunderschöne Weihnachtsstimmung und -Botschaft.

Rupert kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: sein liebster Biberbär wirkt ganz geschäftig, dekoriert, schreibt Wunschzettel. Was hat es damit nur auf sich? Mister O‘Lui fällt mit Schrecken auf, dass Rupert ja Weihnachten noch gar nicht kennt und erklärt ihm ganz behutsam das Fest und die Bräuche. Rupert ist ganz begeistert, und weiß gar nicht, was er sich wünschen soll, da kommen ihm als Inspiration die Wünsche der Freunde auf einem Spaziergang gerade recht. Doch geht es wirklich um die Geschenke an Weihnachten?

Der Band ist wirklich wunderschön gezeichnet und erzählt. Alle Bilder sind so liebevoll bis ins Detail umgesetzt, dass es einfach nur eine Freude ist. Richtig toll sind auch die Steckbriefe der beiden Freunde und das weihnachtliche Rezept im Einband. Das Buch vermittelt so nicht nur in seiner Botschaft einen berührenden Mehrwert, sondern lädt direkt ein selbst in Weihnachtsstimmung zu kommen und zu backen.

Aufgrund der liebevollen Umsetzung ist das Buch aus meiner Sicht mit unterschiedlichen Schwerpunkten für eine breite Alterspanne geeignet und macht Kindern von ca. 2 bis 7 Jahren sicher große Freude!

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Veröffentlicht am 29.11.2025

Die Rekonstruktion eines Frauenlebens

Fräulein Hedwig
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In Fräulein Hedwig erzählt der Autor Christoph Poschenrieder die Geschichte seiner Familie, mit dem Fokus auf dem Schicksal seiner Großtante Hedwig, die in der NS Diktatur in einer Nervenheilanstalt der ...

In Fräulein Hedwig erzählt der Autor Christoph Poschenrieder die Geschichte seiner Familie, mit dem Fokus auf dem Schicksal seiner Großtante Hedwig, die in der NS Diktatur in einer Nervenheilanstalt der Euthanasie zum Opfer fiel.

Mehr als eine Biografie ist der Roman der Versuch einer Rekonstruktion. Ausgehend von wenigen alten Dokumenten und Fotos, sowie Aufzeichnungen seiner anderen Großtante und Hedwigs Schwester Marie, die sich als Chronistin der Familie begriffen hat, versucht der Autor die Familiengeschichte und insbesondere Hedwigs Weg und Lebenswelt nachzuvollziehen.

Die Geschichte war für mich inhaltlich interessant, vermittelt sie doch die Lebenswelt insbesondere der starken Frauen der Familie über zwei Generationen bis zum Zweiten Weltkrieg und zeigt dabei am Beispiel Hedwigs den Umgang mit psychischen Erkrankungen nachvollziehbar auf.

Grundsätzlich ist die Erzählung flüssig geschrieben. Inhaltlich, stilistisch und sprachlich, störten mich jedoch die persönlichen und zuweilen wenig qualifiziert wirkenden Anmerkungen des Autors, wonach beispielsweise der März ein überflüssiger Monat sei, den niemand vermissen würde oder welche Vorstellungen dieser so „lustig“ findet. Auch seine Einschätzung eines jungen Paares mit 29 bzw. 28 Jahren wäre streitbar für die Epoche, angesichts einer durchschnittlichen Lebenserwartung um die 50 Jahre. Gerade in diesen Passagen wird der Ausdruck auch eher flapsig, was stilistisch einen für mich nicht willkommenen Bruch darstellte. Insgesamt ist das Erzählen eher weitschweifig und hatte für mich einige Längen. Dies liegt auch daran, dass trotz des Fokus auf Hedwig und zahlreicher Deutungen angesichts der Lücken im Material, für mich eine große Distanz zu den Figuren blieb, da auch die Ausdeutungen zu oft an echter Nähe mangeln. Mit einem ähnlichen Projekt beschäftigt sich auch Henning Sussebach in Anna oder was von einem Leben bleibt. Stilistisch fand ich diesen Roman bei ähnlichem Inhalt und vergleichbaren Herausforderungen angesichts großer Lücken im Material wesentlich gelungener und emphatischer.

Ich würde den Roman daher primär Fans des Autors empfehlen, die mit seinem Schreiben vertraut sind und dies schätzen. Von mit gibt es 3 Punkte für das anspruchsvolle, umfangreiche Projekt und den Versuch ein vergessenes Frauenleben zu würdigen.

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