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Veröffentlicht am 08.03.2026

Wundervoll vielfältig, toll umgesetzt, zur Planung und Vorfreude

Hidden Japan
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Endlich mal ein zeitgemäßer Reiseführer, und dies sowohl in Haptik, Gestaltung und Inhalt! Zunächst fällt der super hochwertige festere Einband auf, der direkt Lust auf die Lektüre und das Entdecken des ...

Endlich mal ein zeitgemäßer Reiseführer, und dies sowohl in Haptik, Gestaltung und Inhalt! Zunächst fällt der super hochwertige festere Einband auf, der direkt Lust auf die Lektüre und das Entdecken des Inhalts macht. Einen kleinen Nachteil hat dies allerdings, für mich ist der Reiseführer dadurch eher nicht zum Mitnehmen, sondern wirklich primär die Vorbereitung und auch das unverbindliche Schmökern und Eintauchen in Japans Schätze geeignet. Das tolle Design im Einband, setzt sich im Inneren fort, übersichtliche, ansprechende Texte, statt Fotos, super schöne Zeichnungen, so macht die Reisevorbereitung Spaß.

Doch nun endlich zum Inhalt: Natürlich finden sich auch ganz klassische und wichtige Infos in dem Band, wie geschichtliches, Hoteltipps, Routen zum Entdecken etc. Besonders macht den Reiseführer jedoch die Auswahl darüber hinaus. So gibt es extra Kapitel mit Tokio für Foodies, Kunst und Mode oder skurrile Entdeckungen. Tokio stellt deutlich den Schwerpunkt der Publikation dar mit etwa der Hälfte der Seiten. Neben Tipps und Routen für die Stadt, gibt es auch Ausflugsinspirationen für die unmittelbare Umgebung der Metropole.

Der zweite Teile nimmt den Rest des Landes in den Fokus. Hier werden Kansai, Kyoto, Osaka, Nara und für ganz Entdeckungslustige in einem extra Kapitel Touren jenseits touristischer Pfade vorgestellt.

Mir gefällt besonders die sehr persönliche Ansprache in Hidden Japan, die Autorin berichtet immer wieder von ihren eigenen Erfahrungen und leitet daraus Empfehlungen für ihre Leserinnen ab.

Bereits beim Stöbern wird die Vielfalt des Landes überdeutlich, egal ob Kultur, High Tech Stadtleben, Geschichte oder wunderschöne Naturerlebnisse. Japan hat diese ganze Vielfalt zu bieten und Chiara Terzuolo gibt fundierte und sympathische Ratschläge wie sich diese am besten entdecken lässt, ganz nach den eigenen jeweiligen Vorlieben.

Hidden Japan überzeugt mit echten Insidertipps, praktischen Hinweisen und auch popkulturellen Einsichten, wie sich dieses wundervolle Land entdecken lässt und nicht zuletzt einer in Haptik und Gestaltung wunderschönen Umsetzung. So steigt direkt die Vorfreude und der Reisführer ist auch im Nachgang wie ein kleines Japan Handbuch zu verwenden.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Lieben und geliebt werden - Mut, Kraft und Liebe schenken

Love and be loved
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Was für ein zauberhaftes Werk ist Love und Beloved von Cleo Wade! Das Buch ist eigentlich ein Gedicht, das die Autorin für ihre Töchter verfasst hat und nun illustriert publiziert wurde. Es enthält nicht ...

Was für ein zauberhaftes Werk ist Love und Beloved von Cleo Wade! Das Buch ist eigentlich ein Gedicht, das die Autorin für ihre Töchter verfasst hat und nun illustriert publiziert wurde. Es enthält nicht nur rührende Zeilen, die Mut machen und Vertrauen in sich selbst und die eigene Umwelt schenken sollen, sondern auch wunderschöne Zeichnungen, die dem Gedicht einen ästhetischen Rahmen geben.

Aus meiner Sicht eignet sich der Band für Erwachsene und Kinder gleichermaßen, wobei jede Person einen anderen Schwerpunkt legen wird und für sich Aspekte aus der Lektüre mitnehmen kann. Ganz besonders gefällt mir die Form von Grundvertrauen, die den Zeilen innewohnt und bei der einem Wunsch für die Lesende selbst auch immer der Wunsch an die Seite gestellt wird, dies nicht nur zu empfangen sondern auch geben zu können, wie etwa Geborgenheit zu empfinden und sie gleichzeitig anderen schenken zu können. Ich denke dies ist die größte Form von Glück, die hier auf so spielerische Art vermittelt wird.

Auch gerade die zuweilen auf den ersten Blick unkonventionellen Wünsche haben mich sehr begeistert. Beim Wunsch immer ein wenig, oder auch mehr, merkwürdig zu sein, musste ich schmunzeln, denn genau das ist es, was natürlich jeder Mensch, aber besonders die Generation, die in einem gefilterten Social Media Umfeld aufwächst, braucht: Mut man selbst zu sein, die eigene Merkwürdigkeit und Besonderheit wertzuschätzen und zu pflegen und als eigene Superkraft zu erkennen.

Mich hat dieser Band sehr gerührt und begeistert, ein wundervolles Buch als Geschenk an eine liebe Person oder sich selbst!

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Ein Sommer, 4 Freunde und wie eine Insel ihre Bewohner prägt

Sommer auf Perigo Island
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Ein kleine einsame Insel im Nordatlantik: nur 16 Meilen lang und eine halbe Meile breit. Es ist das Jahr 1991, auf Perigo Island, Neufundland. Pierce ist 12 Jahre alt und hat wenige Jahre zuvor seinen ...

Ein kleine einsame Insel im Nordatlantik: nur 16 Meilen lang und eine halbe Meile breit. Es ist das Jahr 1991, auf Perigo Island, Neufundland. Pierce ist 12 Jahre alt und hat wenige Jahre zuvor seinen Vater verloren. Trost spenden ihm seine besten Freunde Bennie und Thomas, die für jeden Spaß zu haben sind und mit denen er wann immer möglich die begehrten Kabeljauzungen am Anleger schneidet, um sie zu verkaufen. In diesem Sommer ist jedoch alles anders. Eines Tages macht die Nachricht die Runde, dass die junge Anna Tessier verschwunden ist. Wenig älter als Pierce, hatte dieser sich bei einer zufälligen Begegnung kurz nach dem Tod seines Vaters mit ihr lose angefreundet. Annas Verschwinden lässt Pierce Sorge um seine Freundin wachsen, gleichzeitig ereilt ihn jedoch ungeahnte Ablenkung und Unterstützung in Bennies Cousine Emily, die den Sommer zu Besuch auf der Insel verbringt. Was dieses liebenswerte, eloquente Quartett im Sommer 1991 unter dem Eindruck von Annas Verschwinden erlebt, erzählt Perry Chafe in Sommer auf Perigo Island in zurückhaltender aber nicht weniger einnehmender Weise.

Den Roman auf ein Genre festzulegen fällt schwer und würde ihm nicht gerecht werden. Freundschaft, erste Liebe, die Herausforderungen des Erwachsenwerdens, Verlust und Trauer, das Leben in abgeschiedenen Gemeinschaften, auch in Verbindung mit Vorurteilen gegen über Fremden, aber auch die dramatischen Konsequenzen der industriellen Überfischung sind nur einige Themen, die dieser Roman fast schon spielerisch im Plot verhandelt. Über allem natürlich das Verschwinden Annas und die Ungewissheit über ihren Verbleib als Spannungsbogen.

Auch wenn die Geschichte authentisch aus Perspektive von Pierce geschrieben ist, strahlt sie gleichzeitig eine unbestimmte Reife aus. Mit feiner Beobachtungsgabe für die gesellschaftlichen Dynamiken auf der kleinen Insel und die Wunder wie Gefahren der Natur nimmt der Autor uns mit bei den Streifzügen des Freundequartetts über ihre geliebte Insel.

Ich habe schon mehrere Romane gelesen, die wie Perigo Island, auf entlegenen Inseln angesiedelt sind, in ganz unterschiedlichen Regionen, jedoch immer im (Nord)Atlantik oder der Nordsee. Was ich sehr faszinierend finde ist, dass alle diese Geschichten etwas eint, nämlich die Art und Weise wie die Insellage, ein Leben in gewisser Distanz zum Leben auf dem Festland in Verbindung mit einer relativen Abgeschiedenheit und die Nähe zur Natur, insbesondere dem Meer, Gemeinschaften und Individuen offensichtlich auf sehr ähnliche Weise prägen, relativ unabhängig vom geographischen Standort. Es ist ein Leben mit und vom Meer und gerade deshalb mit dem größten Respekt vor der Natur und ihrer Unberechenbarkeit, ein Leben jenseits ständiger Verfügbarkeit von Individuen und Gütern, insbesondere auch Lebensmitteln, und damit verbunden eine bestimmte Ernährungsweise aber auch Planungs- und Vorhaltenotwendigkeit, und es ist ein Leben in einer Gemeinschaft in der jede jeden kennt, wo Familien seit Generationen zusammen leben, was für die einen Vertrauen und Sicherheit schafft, andere aber auch einengt und einen Freiheitsdrang weckt, den das enge Inselleben zuweilen nicht stillen kann. All diese Motive werden auf unterschiedliche Art und Weise auch in Perigo Island aufgegriffen und in sanfter Art in die Erzählung eingebunden. Der Roman wird so gleichzeitig und ganz nebenbei zu einer kleinen Sozialstudie über autochthone Gemeinschaften in relativer Abgeschiedenheit.

Mich hat der Roman sehr berührt, zum Nachdenken angeregt und mir wunderschöne Lesestunden geschenkt. Ganz klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Richtig gutes Leben

Richtig gutes Essen
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Eine Bürogemeinschaft mitten aus dem Leben: Fuji ist Assistent der Leitung und Mitte 50, dazu ein Chef, der gerne mit allen Essen geht, die junge Ashikawa, die öfter krank ist, aber als Wiedergutmachung ...

Eine Bürogemeinschaft mitten aus dem Leben: Fuji ist Assistent der Leitung und Mitte 50, dazu ein Chef, der gerne mit allen Essen geht, die junge Ashikawa, die öfter krank ist, aber als Wiedergutmachung Kuchen für das Team bäckt, die kluge Harada, Mutter, und Teilzeitkraft, Oshio, wie Ashikawa in ihren Zwanzigern, aber tough, karriereorientiert, und hasst, dass sie Ashikawas Arbeit so oft mitmachen muss. Und in diesem Reigen aus lebensnahen, sympathischen Charakteren mit all ihren Eigenheiten: Nitani, Ende 20, liebt Instantnudeln und sieht Essen als Zeitverschwendung in einem auf Optimierung des Alltags und Erwerbsarbeit ausgerichteten Dasein. Sowohl die befindliche Ashikawa als auch die abgeklärte Oisho verbringen ihre Zeit gern mit dem eigenwilligen Nitani. Doch während Ashikawa mit ihrer Passion für das Backen und Kochen nicht ferner von Nitanis Vorlieben sein könnte, weckt Oshio mit ihrer nüchternen Freude an gutem Essen und dem Sinn für kluge Konversation auch eine andere Seite in Nitani.

Für mich steht im Roman weniger eine Entwicklung, als vielmehr die Beschreibung des aus Überstunden bis in die Nacht und Wochenenden bestimmten Alltags und was dies mit sozialen Beziehungen im Allgemeinen und der Bürogemeinschaft im Speziellen macht, im Fokus der Erzählung. Über die Figuren beschreibt die Autorin die oft informellen Aushandlungsprozesse und Strategien innerhalb des Büros als soziales Gebilde.

Der abgeklärte Stil mit einem manchmal fast bitter-bösen Humor hat mich wunderbar unterhalten und bildet einen Gegenpol zu dem vom Funktionieren und Arbeit bestimmten Alltag der Kolleginnen. In der Perspektive wechselt der Roman zwischen einer Erzählerin mit dem Fokus auf Nitani und Oshios Erleben in der Ich-Form erzählt. Für mich war in den Abschnitten Nitanis die Perspektive nicht immer konsistent, da überwiegend von einer Erzählstimme in der dritten Person geschrieben, situativ jedoch Nitani in der ersten Person eine Stimme gegeben wird. Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass dies auch in der Übersetzung begründet liegt.

Junko Takase hat mich in Richtig gutes Essen mit liebevoll gezeichneten, etwas skurrilen Charakteren mit all ihren Eigenheiten und einem feinen, manchmal ironischen Blick auf die japanische Gesellschaft und zuweilen bitter-bösem Humor überzeugt. Der Roman vermittelt authentische Einblicke in den japanischen (Arbeits-)Alltag und seine Esskultur, mit den Sorgen, Ängsten, Herausforderungen und Freuden der Protagonistinnen darin.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Zarte, poetische Einblicke in die Siebenbürgische Seele

Halber Stein
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Halber Stein begleitet die junge Friedesine, genannt Sine als Erzählerin auf der Reise in ihre alte Heimat in Siebenbürgen, aus der die Familie vor 20 Jahren nach Deutschland ausgewandert ist. Nach dem ...

Halber Stein begleitet die junge Friedesine, genannt Sine als Erzählerin auf der Reise in ihre alte Heimat in Siebenbürgen, aus der die Familie vor 20 Jahren nach Deutschland ausgewandert ist. Nach dem Tod ihrer geliebten Großmutter Agneta stellt sich Sine mit dem Haus der Großmutter der letzten Anlaufstelle ihrer Herkunftsregion und damit auch ihrer Vergangenheit und Identität.

Was bedeutet der Verlust der Großmutter und mit ihr das Verschwinden eines Zufluchtsortes, eines Horts der Geborgenheit, physisch, emotional und inkorporiert in ihrem Haus mit den Orten der Kindheit? Über diese Frage, und der Suche nach Antworten beginnt Sine und mit ihr der Roman die wechselhafte, oft tragische Geschichte Agnetas, ihrer Familie und der Siebenbürgener Sachsen aufzuarbeiten und greift dabei sowohl die Lebenswelt der Auswandererfamilien als auch der Zurückgebliebenen auf, Schmerz und Identitätskonflikte in den jeweiligen Biografien.

Es schwingt eine Form von Trauer in den Zeilen, über den Verlust der alten Heimat in Siebenbürgen und mit ihr der Vertrautheit der Kindertage und eines Ortes, an dem Familien über Generationen leben und jede jeden kennt.

Der Stil ist sehr poetisch mit einem deutlichen Schwerpunkt im Beschreiben der Umgebung. Auch wenn ich es phasenweise genossen habe, mir die Landschaft in Siebenbürgen vorzustellen, zog sich für mich dadurch die Handlung stellenweise. Getragen wird der Roman für mich nicht primär von der poetischen Sprache, sondern vielmehr der feinen Beobachtung und Beschreibung Sines Erlebens und Entdeckens ihrer Innen- und Außenwelt, eingebettet in eine fast schon zarte, melancholische Geschichte der Siebenbürgener Sachsen über die Jahrhunderte. Genau diese Stellen in denen Sine über ihr Aufwachsen bei ihrer Großmutter und die Schwierigkeiten und Gefühle bei Auswanderung und Neuanfang in Deutschland sinniert und dies konstrastiert mit der Vergangenheit der Siebenbürgener Sachsen und den Erfahrungen der Zurückgebliebenen in der Heimat, waren für mich die zentralen und stärksten Passagen des Romans und für sich sehr lohnenswert den Roman zu lesen. Sines Erkennen von sich selbst in der Heimat und ihrer Prägung sind wundervoll zu lesen und haben mich sehr berührt.

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