Rhabarberkuchen und Mord - Regionalkrimi am Jadebusen, sprachlich eher schwach und nicht immer logisch
Mord im WattenmeerFemke ist eher widerwillige Pädagogikstudentin und dafür umso passioniertere Hobbyermittlerin mit dem Traum einer eigenen Detektei. Als sie in ihrem Nebenjob als Reinigungskraft von Ferienhäusern in Dangast ...
Femke ist eher widerwillige Pädagogikstudentin und dafür umso passioniertere Hobbyermittlerin mit dem Traum einer eigenen Detektei. Als sie in ihrem Nebenjob als Reinigungskraft von Ferienhäusern in Dangast am Jadebusen auf eine Leiche stößt, ist der Schock groß und gleichzeitig ihre Spürnase für Kriminalfälle geschärft. Mit Unterstützung von Freunden und Bekannten und nicht immer zum Wohlgefallen der örtlichen Polizei nimmt sie sich vor den Todesfall aufzuklären.
Die Story des Kriminalfalls ist interessant und relativ spannend konstruiert, verschiedene Verdächtige tauchen auf, es gibt einige Wendungen. Die Einbettung in die Landschaft um den Jadebusen ist grundsätzlich eine gute Idee, in der Umsetzung wird jedoch zu oft ein Namedropping bekannter Sehenswürdigkeiten daraus, statt atmosphärische Bilder, in die man eintauchen könnte.
Die Figuren im Roman sind überwiegend sympathisch gezeichnet, wenn auch nicht durchgängig wohl ausformuliert. Femke als Hauptfigur wirkt in ihren Lebensumständen sehr konstruiert und wenig authentisch. Warum sie beispielsweise als Pädagogikstudentin nicht in einer WG in Oldenburg wohnt oder in ihrem Heimatdorf bei Oldenburg und stattdessen als Studierende alleine eine 52qm große Zweizimmerwohnung am Jadebusen bewohnt und einen Mini fährt (und sich leisten kann) bleibt vollkommen ohne Erklärung, obwohl es, zumindest jenseits eines privilegierten Milieus, durchaus unüblich ist. Gleichzeitig muss sie vermeintlich als Reinigungskraft arbeiten, um ihr Studium zu finanzieren. Eine konsequentere, nachvollziehbarere Ausformulierung des Charakters hätte die Erzählung sicher bereichert. So verbleibt sie eine Kunstfigur, über die man besser nicht zu viel nachdenken sollte, angesichts der Inkonsistenzen und Lücken in der Darstellung ihres Charakters und Hintergrunds. Die Nachbarin Grete (die eigentlich die Vermieterin ist), wird als Miss Marple bezeichnet, ähnelt jedoch in ihrem Hadern und ihrer Ängstlichkeit nicht im geringsten der berühmten Ermittlerin. Auch die übrigen Charaktere verbleiben oberflächlich sowie teilweise überzeichnet und wirken in Verbindung mit den gestelzten Dialogen oft fast schon ungewollt komisch. Auch wenn es sich um fiktionale Figuren handelt, lebt ein literarisches Werk für mich davon, dass die Figuren nachvollziehbar und im gezeichneten Charakter konsistent bleiben. Dies ist für mich hier leider nicht gelungen.
Die Dialoge sind fast durchgängig flach, hölzern und gestelzt, dadurch verliert die Erzählung leider zusätzlich an Authentizität. Sprachlich wirkt der Krimi oft laienhaft in Satzstruktur und Ausdruck, Füllwörter und -Sätze werden nicht immer logisch sinnvoll verwendet und/oder sind redundant. Auch in der Handlung gibt es zahlreiche offensichtliche Inkonsistenzen und Logikfehler, die das Leseerlebnis leider merklich trüben. Hier würde ich mir nicht nur von der Autorin mehr Empathie für ihre Figuren und Sorgfalt in der Recherche sondern auch vom Lektorat mehr Umsicht und Gründlichkeit wünschen. Bei allem Respekt vor der kreativen Leistung der Autorin, sollte dies umgekehrt auch gegenüber den Leserinnen gelten, denen man Zeit und Geld mit einer solchen Publikation entzieht, was wiederum ein Mindestmaß an Sorgfalt in Recherche, Logik und sprachlicher Qualität implizieren sollte.
Die Grundidee des Falls hat durchaus Potenzial, die Umsetzung konnte mich jedoch nicht überzeugen. Die Ansiedlung des Krimis in Dangast war für mich mit netten Erinnerungen verbunden, da ich selbst lange in der Region gelebt und gearbeitet habe, und ihr noch immer durch Freunde und Familie verbunden bin. Vor dem Hintergrund dieser Erfahrung wirkten die Figuren auf mich nicht unbedingt authentisch. Auch sprachlich konnte der Krimi mich nicht überzeugen. Defizite in Ausdruck, Logik und Semantik haben das Buch für mich stark geschwächt, sodass ich es leider, wenn überhaupt, nur für begeisterte Urlauberinnen der Region empfehlen würde, die sehr leichte Unterhaltung wünschen und über Logikfehler und flache Dialoge hinwegschauen können. Freunden und Bekannten aus der Region konnte ich das Buch leider nicht guten Gewissens weiterempfehlen. Anderen Regionalkrimis und - Autorinnen gelingt aus meiner Sicht der Spagat zwischen malerischen Landschaftsansichten, authentischen Figuren und einem spannenden Fall in Verbindung mit lockerer Unterhaltung deutlich besser. Ich hatte mich sehr auf den Fall am Wattenmeer gefreut und bleibe nach der Lektüre ziemlich enttäuscht und verärgert über die Lesezeit, die ich darin investiert habe, zurück. Allen Interessierten sei ein Besuch in (Ost)Friesland, nicht nur dem schönen Dangast, und der leckere Rhabarberkuchen jedoch uneingeschränkt und unbedingt ans Herz gelegt. Hier verspricht der Krimi, trotz seiner Schwächen, nicht zu viel! Bereits mit sehr viel Wohlwollen, und im fairen Vergleich zu anderen Publikationen, kann ich leider nicht mehr als 1,5 Punkte für diesen Krimi geben.