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Veröffentlicht am 15.08.2025

Das Spiel geht weiter

Erebos 2
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10 Jahre nach dem Ende von Erebos leuchtet auf Nicks Handy wieder das markante rote „E“ auf – Erebos ist zurück, jemand hat das Spiel reaktiviert und Nick, mittlerweile 26 und Fotografiestudent, wieder ...

10 Jahre nach dem Ende von Erebos leuchtet auf Nicks Handy wieder das markante rote „E“ auf – Erebos ist zurück, jemand hat das Spiel reaktiviert und Nick, mittlerweile 26 und Fotografiestudent, wieder in seine Fänge gebracht.

Wie bereits im ersten Band greift das inzwischen verbesserte Programm direkt in das echte Leben der Spieler ein und lässt Spiel mit Realität verschmelzen. Nick und der 16jährige Schüler Derek stehen diesmal im Mittelpunkt und müssen verschiedenste Aufgaben meistern, ansonsten setzt es – mitunter gravierende – Strafen. Interessant, wie jeder Einzelne mit der Zwangsbeglückung umgeht, denn Erebos rekrutiert seine Teilnehmer selbst und verlangt absolute Verschwiegenheit, spannend, was sich die KI alles ausdenkt, um das Ziel zu erreichen. Dieses bleibt lange im Dunklen, sodass nach turbulenten Szenen auch die Auflösung noch eine gelungene Überraschung bereithält. Der flotte Schreibstil versteht sich bei Ursula Poznanski ja fast von selbst.

Lesenswerte Unterhaltung mit klug gewählten Themenschwerpunkten.


Veröffentlicht am 15.08.2025

Eine Stimme für die Erde

In uns der Ozean
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Rachel Carson wird von Mary Scott, ihrer Professorin am Pennsylvania College, für die Naturwissenschaften begeistert und möchte in der Forschung Fuß fassen, besonders der Lebensraum Meer hat ihr Interesse ...

Rachel Carson wird von Mary Scott, ihrer Professorin am Pennsylvania College, für die Naturwissenschaften begeistert und möchte in der Forschung Fuß fassen, besonders der Lebensraum Meer hat ihr Interesse geweckt. Als im Jahre 1929 Rachels Vater verstirbt, bricht ihr Lebenstraum aber jäh in sich zusammen, denn sie muss die Promotionsstelle in Woods Hole aufgeben noch bevor sie sie angetreten hat, um die Familie fortan finanziell zu unterstützen. Dennoch findet sie Wege, sich mit der Natur und dem Planeten Erde auseinanderzusetzen: sie schreibt Artikel für Journale und Zeitungen, veröffentlicht drei Bücher über das Meer, um Wissenschaft spannend und gut verständlich für jedermann zugänglich zu gestalten. Aber dann wird das Insektengift DDT entdeckt und als Wundermittel vermarktet – Rachel beschleichen Zweifel.

Auf großartige Weise verknüpft Theresia Graw eine überaus interessante Biographie und eine sehr spannende fiktive Handlung zu einem meisterhaften Roman, erhebt im Namen der engagierten Biologin eine Stimme für die Erde. Anfangs eher ruhig, wird die Handlung im Laufe der Kapitel immer aufregender, der Kampf gegen den vorbehaltlosen Einsatz von Umweltgiften hitziger. Kaum jemand unterstützt die mutige Wissenschaftlerin, denn sie ist nicht promoviert, nicht verheiratet, gilt zur damaligen Zeit mehr als verschrobene alte Jungfer denn als ernstzunehmende Forscherin. So spiegelt die Autorin dieses fesselnden Buches die gesellschaftliche Stellung der Frau bestens wider und zeigt gleichzeitig auf, welcher Pioniergeist in Rachel Carson gesteckt hat.

Voller Lebendigkeit erzählt Rachel in der Ich-Form über ihr bewegtes Leben, ihre Träume und Hoffnungen, Ziele, die sie sich gesteckt hat und deren Erreichbarkeit mitunter in weite Ferne rückt. Bildhaft und lebendig geht es über Plankton und Krebstierchen hin zu Wildgänsen und Seeadlern, beeindruckende Naturschauplätze tun sich vor unserm geistigen Auge auf, lauscht unser Ohr den Vogelstimmen, welche den Frühling ankündigen. Als dieses Konzert eines Tages ausbleibt, erhebt sich Rachels innere Stimme, ermutigt sie, ihrer Intuition zu folgen, sie beginnt einen scheinbar ausweglosen Kampf gegen die Windmühlen der chemischen Industrie und der Behörden, welche veranlassen, dass das Insektengift DDT in unkontrollierten Mengen über Natur und Menschen ausgesprüht wird. Zu aller Wohle, wie man nicht müde wird, zu betonen. Der Bogen spannt sich über die Tatsache, dass alles Leben auf der Erde zusammenhängt und kein Eingriff durch den Menschen ohne Folgen bleibt.

Theresia Graw weckt nach ihren bisherigen Romanen hohe Erwartungen und wird diesen auch mit dem vorliegenden Buch in jeder Weise vollkommen gerecht. Ein zeitloses Thema, welches ganz konkret Rachel Carson als mutige Umweltschützerin in den Mittelpunkt rückt und ganz allgemein dazu anregt, sich zu engagieren, auch wenn es heißt, gegen den Strom zu schwimmen. Hervorragend werden sachliche Inhalte in eine unterhaltsam zu lesende Form gebracht. Dafür gibt es eine uneingeschränkte Leseempfehlung!



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Veröffentlicht am 14.08.2025

Miss ... ohne Vornamen

Miss Vergnügen
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Miss Brooks ist soeben von ihrem Ehemann verlassen worden und häkelt neben einer sprachgestörten Katze bei klassischem Earl Grey Tee bunte Sorgenpüppchen. Schräg? Nein, very british, denn Miss … ohne Vornamen ...

Miss Brooks ist soeben von ihrem Ehemann verlassen worden und häkelt neben einer sprachgestörten Katze bei klassischem Earl Grey Tee bunte Sorgenpüppchen. Schräg? Nein, very british, denn Miss … ohne Vornamen kommt aus England und muss in Wien ganz von vorne anfangen. Talentiert mit Make-up und Farbe steigt sie beim Luxuskonzern Très Loué als Visagistin ein – und stolpert prompt in einen Mordfall. Mörderisch spannend, mörderisch lustig!

Neunundzwanzig Kapitel mit großartigen Titeln und ein Epilog bieten alles, was ein ausgezeichneter Kriminalroman erwarten lässt: tolle - wenn auch mit sonderbaren Eigenheiten ausgestattete - Figuren, einen grandiosen Schauplatz, nämlich Wien und eine gut gestrickte (oder doch eher gehäkelte?) Kriminalhandlung. Als Draufgabe gibt es bei Martina Parker auch noch besten Wortwitz und schwarz gefärbten Humor.

So fällt es einem leicht, sich an einem gemütlichen Platzerl taub zu stellen für die Umwelt und ganz einzutauchen ins Geschehen. Zwischen Döbling und dem Mühlwasser, in Villen und Gartenhäuschen fühle ich mich auch als Leser pudelwohl (darf man das so schreiben, wenn eine Katze die tierische Hauptrolle einnimmt?), bestelle einen G’spritzen im Beisl namens Café Pinguin und radle sogar durch die Lobau. Die überaus unterhaltsame Geschichte fesselt mich ob ihrer abwechslungsreichen Szenen - wir besuchen auch die Augarten Porzellanmanufaktur - und dem typischen Wiener Schmäh, der pausenlos rennt.

Das Buch ist einfach herrlich, mein Nachbar wird mich schon für verrückt halten, weil ich mich immer wieder zerkugle vor lauter Lachen. Zum Glück habe ich mich nur halb tot gelacht, denn ganz tot würde ich ja glatt die Fortsetzung verpassen, und das geht einfach gar nicht! Miss Verständnis steht natürlich schon auf meiner Wunschliste für 2026. Nicht nur Liebhaber der Gartenkrimireihe von Martina werden hier auf ihre Kosten kommen, jeder, der Krimi und Humor schätzt, sollte Miss Brooks kennenlernen! Absolute Leseempfehlung!



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Veröffentlicht am 14.08.2025

Veränderungen

Föhrer Sehnsucht
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Ein Jahr nach ihrem Kennenlernen zieht Leoni nun zu Udo, das Haus wird allerdings mit seiner Mutter geteilt, denn Wohnraum ist knapp auf der Insel Föhr. Und dann schleicht sich da noch ein Fremder ständig ...

Ein Jahr nach ihrem Kennenlernen zieht Leoni nun zu Udo, das Haus wird allerdings mit seiner Mutter geteilt, denn Wohnraum ist knapp auf der Insel Föhr. Und dann schleicht sich da noch ein Fremder ständig in Leonis Nähe um – es handelt sich angeblich um Udos Halbbruder, von dessen Existenz bislang niemand gewusst hat.

Turbulent, aber im Grunde meist herzlich geht es zu auf der schönen Nordfrieseninsel, etliche Personen kennen wir schon, das Eiland ist klein genug. Aber die Idylle kann mitunter ganz schön trügerisch sein, auch wenige Menschen können Unfrieden und Misstrauen stiften. Wer verbirgt sich wohl hinter dem fremden Sechzehnjährigen und warum will Udos Mutter stets das letzte Wort haben? Ein anderer Punkt bereitet Leoni außerdem Kopfzerbrechen: ihre Arbeit im Café bringt zwar Geld und macht mit den netten Besitzern durchaus Spaß, aber richtig erfüllend für die nächsten Jahrzehnte findet sie das trotzdem nicht. Über Veränderungen wird nachgedacht. Genug Stoff also, um den zweiten und abschließenden Band der Reihe „Flucht nach Föhr“ zu füllen und den Leser dabei bestens zu unterhalten.

Liebevoll beschreibt Hanna Paulsen ihre Figuren, sieht auch im Unglück eine Chance und kehrt das Beste nach oben. So kann man sich hervorragend wegträumen und ein Stück Friesentorte genießen oder eine gemütliche Runde mit dem Rad über die Insel drehen. Die auftretenden Probleme scheinen groß, aber im richtigen Licht gesehen und mit den passenden Menschen ringsum kann fast immer eine Lösung gefunden werden.

Wie gewohnt stimmungsvoll und optimistisch präsentiert Hanna Paulsen diesen schönen Roman vor der Kulisse Föhrs und bringt ein Stück Sonne in den Alltag des Lesers. Empfehlenswert, vor allem in Kombination mit dem Vorgängerband und den anderen Föhr-Büchern von Hanna Paulsen.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Ein Tagebuch auf Rosewood Manor

Unsere Tage am Fluss
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Investigativjournalistin Elisa aus Hamburg erlebt einen herben Rückschlag im Beruf und erfährt gleichzeitig aus dem Nachlass ihrer Großmutter, dass auf dem Anwesen Rosewood Manor im englischen Windsor ...

Investigativjournalistin Elisa aus Hamburg erlebt einen herben Rückschlag im Beruf und erfährt gleichzeitig aus dem Nachlass ihrer Großmutter, dass auf dem Anwesen Rosewood Manor im englischen Windsor ein Tagebuch verborgen sein soll mit wichtigen Aufzeichnungen. Was soll Elisa mit dieser Information anfangen? Wie es der Zufall will, sucht man für das Anwesen auf Rosewood Manor eine Haushaltshilfe, worauf sich die junge Frau kurzerhand bewirbt.

In zwei Zeitebenen geht es abwechselnd im Jetzt und im Jahre 1908 unterhaltsam voran, zwei entschlossene Frauen stehen da wie dort im Mittelpunkt und haben ein deutliches Ziel vor Augen. Elisa will das Rätsel um das Tagebuch lösen und die darin enthaltenen Geheimnisse ergründen, während der Leser direkt in die Geschichte von Harriett im beginnenden 20. Jahrhundert eintauchen darf und hautnah miterlebt, wie diese nach dem Tod ihres Vaters mit einem deutlich älteren Earl verheiratet wird und keineswegs glücklich ist in dieser arrangierten Ehe. Behutsam entwickelt Karin Lindberg die beiden Handlungsstränge, setzt auf liebevolle Details und stellt dadurch rasch eine persönliche Nähe her zu den einzelnen Figuren. Insbesondere die Lebensumstände 1908 werden anschaulich herausgestrichen, die Abhängigkeit der Frau mehr als deutlich in Szene gesetzt. Der moderne Arzt Arthur Schelling gleicht einem Hoffnungsschimmer, der allerdings rasch wieder verglimmt, die Spannung spitzt sich nochmals deutlich zu.

Ein wunderbarer Roman aus der bewährten Feder Karin Lindbergs, der alte Geheimnisse und zarte Liebe auf gekonnte Weise miteinander verknüpft und den Wert der Familie in den Mittelpunkt rückt. Mit Elisa auf den Spuren ihrer Ururgroßmutter zu wandeln hat mir großen Spaß bereitet, auch wenn so manche unschöne Szene dabei war. Aber Harriett und Elisa zeigen, wie man auch daraus Kraft schöpfen kann. Lesenswert!