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Veröffentlicht am 16.02.2026

Samantha und Elsie

Das Versprechen von Cornwall
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Aufgrund beruflicher Unannehmlichkeiten in London, versucht Samantha bei ihrer Tante in Cornwall den Kopf freizubekommen. Aber anstatt dort die ruhige Küstenlandschaft zu genießen, forscht sie nach, woher ...

Aufgrund beruflicher Unannehmlichkeiten in London, versucht Samantha bei ihrer Tante in Cornwall den Kopf freizubekommen. Aber anstatt dort die ruhige Küstenlandschaft zu genießen, forscht sie nach, woher der unbekannte Verlobungsring am Dachboden des alten Hauses stammen könnte und lernt obendrein noch zwei interessante junge Männer kennen.

Spannende Szenen rund um Digitalforensikerin Samantha Fisher ziehen des Lesers Aufmerksamkeit sofort auf sich. Bestens ins Geschehen verwoben wird alsbald Elsie Hatchetts Geschichte aus den Jahren 1937/38, wodurch die Spannung gleich noch weiter angefacht wird. Auf berührende Art und Weise fängt Karin Lindberg das mutige Leben der kleinen Sekretärin bei der Londoner Times ein und zeigt – im Kontext von Politik und gesellschaftlichen Konventionen – wie rasch kleine Entscheidungen große Veränderungen nach sich ziehen können. Sowohl der Handlungsstrang in der Gegenwart als auch jener in der Vergangenheit präsentieren sorgfältig und realistisch gezeichnete Charaktere, die Atmosphäre im alten London ist ebenso gut eingefangen wie im malerischen Cornwall, wo es aber auch nicht ganz ohne Ränke und Intrigen zugeht. Nicht nur Sam und Elsie wachsen einem schnell ans Herz, auch die anderen Figuren (bis auf einige wenige Widerlinge, die halt nicht wegzudenken sind) wachsen über ihre (Neben)Rollen hinaus und bereichern das Geschehen auf angenehme Weise und schließlich sorgt auch noch der braun-weiße Springer Spaniel Drift für unterhaltsame Momente.

Auf den konkreten Inhalt kann ich gar nicht genauer eingehen ohne interessante Details zu verraten, es geht aber um nicht standesgemäße Verbindungen, um Ungleichheiten und Gegensätze, die einander anziehen, so viel sei gesagt. Lindbergs Schreibstil ist gewohnt bildreich und flüssig, sodass man von der ersten bis zur letzten Seite völlig abtauchen kann in eine wunderbare Geschichte, die mich auch diesmal wieder sehr berührt hat.

Eine wunderbare Reise zwischen zwei Zeitebenen, welche bestens recherchierte historische Fakten mit fiktiven Romanelementen verknüpft. Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 16.02.2026

Luisas Erinnerung

Ungelöst – Die erste Zeugin
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Durch Luisas fotografisches Gedächtnis erinnert sich die Medizinstudentin sofort an das Gesicht auf dem Plakat vor der Uni – die abgebildete vermisste Frau war siebzehn Jahre zuvor in ihren eigenen Entführungsfall ...

Durch Luisas fotografisches Gedächtnis erinnert sich die Medizinstudentin sofort an das Gesicht auf dem Plakat vor der Uni – die abgebildete vermisste Frau war siebzehn Jahre zuvor in ihren eigenen Entführungsfall verwickelt und scheint nun selbst zum Opfer geworden zu sein. Während die Verbrechenstat für die fünfjährige Luisa damals glimpflich ausgegangen ist, steht die Polizei nun vor einem schier unlösbaren Rätsel.

Einen großartigen Reihenauftakt präsentiert Arno Strobel mit diesem ersten Fall, neben markanten neuen Ermittlern treten am Rande auch altbekannte Figuren auf und wecken Erinnerungen an bisherige Mordaufklärungen. Mit der aktuellen kniffligen Entführungstat schafft der Autor den perfekten Übergang zur neuen Cold-Case-Einheit, welche sich gerade eben im KK11 im Aufbau befindet. Besonders ist hier, dass mit der Medizinstudentin Luisa eine Privatperson Informationen liefert und dadurch die Polizeiarbeit für die Gruppe rund um Ramin Brunner wesentlich unterstützt. Spannend reiht sich ein kurzes Kapitel ans nächste, der Sog der Handlung packt einen schnell, denn es gilt grausamerweise nicht nur eine erwachsene Frau als vermisst, nein, es verschwinden auch kleine Mädchen plötzlich von der Bildfläche. Durch akribische Fahndungsarbeit und kluge Kombination führt die Spur über Luisas detailgenaue Erinnerungen, in ihrem Gedächtnis abgespeicherte Bilder und Gerüche schlussendlich zum Erfolg und bereitet den Weg für weitere fesselnde Altfälle in München.

Ein flott verfasster, bestens dargestellter Band 1 einer neuen Reihe rund um Luisa und Brunner – Leseempfehlung!


Veröffentlicht am 13.02.2026

50 Mal Goethe

Ein Sommer mit Goethe
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In 50 kurzen Episoden stellt der Historiker und Literaturkritiker Gustav Seibt den bekannten Weimarer Dichter Johann Wolfgang von Goethe und sein Werk vor. In abwechslungsreichen Essays zu höchst unterschiedlichen ...

In 50 kurzen Episoden stellt der Historiker und Literaturkritiker Gustav Seibt den bekannten Weimarer Dichter Johann Wolfgang von Goethe und sein Werk vor. In abwechslungsreichen Essays zu höchst unterschiedlichen Themen kommen sowohl Goethe selbst als auch seine Wegbegleiter zu Wort, Gustav Seibt erläutert die Originaltexte auf anschauliche Weise.

Vielfältige Themenbereiche stehen in diesem übersichtlich gegliederten Büchlein zur Wahl, die für Goethe selbst charakteristische Kürze und gleichzeitig hohe Aussagekraft spiegelt sich in den einzelnen Kapiteln perfekt wider. Durch die variablen Textformen – Erzählungen, Biografisches, Balladen, Dramen – streifen wir das gesamte Werk des Dichters auf spielerische Weise und bekommen einen interessanten Ein- und Überblick über Goethes beeindruckendes Schaffen. Der Künstler, welcher selbst überaus diszipliniert gearbeitet und gelebt hat, begibt sich im Alter von sechzehn Jahren zum Studieren nach Leipzig, beschäftigt sich mit der Götterwelt ebenso wie mit der aktuellen Herrenmode. Auf seine beeindruckende Italienreise begleiten wir ihn bevor wir über Napoleon und Despotismus nachsinnen, Natur und menschliches Glück sind weitere Teile der spannenden Betrachtungen in diesem lehrreichen Sommer. Ausgewählte Bilder - von der Titelseite weg – illustrieren das Gesagte auf harmonische Weise und ergeben einen vorzüglichen Gesamteindruck. „Gedichte sind gemalte Fensterscheiben.“ [kindle, Pos. 2987] Ähnlich verhält es sich mit Gustav Seibts Text und Bildkomposition, gemeinsam erstrahlen sie in hellem Glanz.

Egal, ob man Goethe schon gelesen hat oder als vollkommener Neuling auf diese eloquent verfasste Reise mit dem Weimarer Dichter stößt, die Lektüre ist höchst vergnüglich und eignet sich besonders, jeden Tag ein Stückchen davon zu genießen – 50 Tage – 50 Mal Goethe – einem spannenden Sommer steht nichts im Wege!

Veröffentlicht am 10.02.2026

Perfektionisten

Das Signal
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Adam ist ein Perfektionist, ein Ästhet, er würde nicht einmal Äpfel ohne Stängel in die Obstschale legen. Wie wird er dann damit umgehen, dass seine bislang umwerfend aussehende Frau nach einem Unfall ...

Adam ist ein Perfektionist, ein Ästhet, er würde nicht einmal Äpfel ohne Stängel in die Obstschale legen. Wie wird er dann damit umgehen, dass seine bislang umwerfend aussehende Frau nach einem Unfall nur mehr ein Bein hat? Viola merkt bald, dass die Liebe schnell abkühlt, aber auch sie ist eine Perfektionistin. Bald erkennt sie, dass im eigenen Haus nicht mehr alles stimmt.

Auf spannende Weise lässt Ursula Poznanski ihre Hauptfigur Viola in der Ich-Form erzählen, wodurch ihre Gedanken und Gefühle zu ihrer neuen Situation bestens erlebbar werden, dass die anderen Figuren nur aus ihrem Blickwinkel betrachtet werden, stört keineswegs. Im Gegenteil, so steigert sich die Phantasie Violas zu allerlei möglichen und unmöglichen Überlegungen und führt auch den Leser auf so manchen Irrweg. Gut recherchierte Details zu Amputationen, Prothesen und Phantomschmerzen fließen geschickt ins Geschehen ein ohne jedoch aufdringlich oder gar abstoßend zu wirken, die technischen Raffinessen diverser Kleingeräte und Violas trickreiche Vorgehensweise sorgen für weitgehende Kurzweil. Lediglich das immer wieder angedeutete Geheimnis und die daraus resultierenden Folgen finde ich nicht richtig überzeugend. Dennoch punktet die Autorin auch diesmal wieder mit ihrem flotten Schreibstil, inhaltlich fügen sich die psychologischen Betrachtungen der einzelnen Themenbereiche gut in die vorherrschende Atmosphäre im abgelegenen Haus ein.

Kurzum, wer weniger Blut und Nervenkitzel sucht als vielmehr Stimmung und Überlegungen einer einzelnen Figur, der wird hier erfüllende Lesestunden finden.

Veröffentlicht am 08.02.2026

12. Dezember

Die Zahl
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Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember, gerät das kleine Dörfchen Landau aus ihren Fugen: hinter der Kirche hängt eine arg zugerichtete Leiche kopfüber am Baugerüst, von deren Stirn prangt die eingeritzte ...

Kurz vor Weihnachten, am 12. Dezember, gerät das kleine Dörfchen Landau aus ihren Fugen: hinter der Kirche hängt eine arg zugerichtete Leiche kopfüber am Baugerüst, von deren Stirn prangt die eingeritzte Zahl Zwölf als mahnendes Mal. Otto Morell, der nach einigen aufreibenden Jahren als Kriminalkommissar in Wien wieder in seine Tiroler Heimatgemeinde zurückgekehrt ist, hat sich nichts als Verkehrsdelikte und Nachbarschaftsstreitigkeiten gewünscht, nun ist er gefordert, noch vor dem Christfest einen brutalen Mord aufzuklären.

Ein kleiner Ort, die Gastwirtschaften von Touristen ausgebucht, eine glitzernde Schneedecke über den Bergen, was könnte das Herz höher schlagen lassen? Bis gestern waren noch beschmierte Weihnachtsfiguren vor dem Rathaus das größte Problem für Chefinspektor Morell, nun sieht er sich überfordert von der Last, rasch und zielgerichtet einen aggressiven Täter zu ergreifen, denn der Bürgermeister ist um die Reputation seines Rufs besorgt. Unerwarteterweise bekommt Morell Hilfe von der Gerichtsmedizinerin Nina Capelli und dem Archäologen Leander Lorentz, wodurch die Ermittlungen zwar nicht an Effizienz, zumindest aber an Komik gesteigert werden. Höchst eigenwillige Personen beherrschen die Bühne, durch die gelungene Charakterisierung Daniela Larchers hat man das Trio rasch bildhaft vor Augen. Die Polizeiarbeit wird immer wieder an den Rand gedrängt durch Privates, Morell selbst erweckt eher den Eindruck eines feigen Stümpers als eines klugen Fahnders. Erst findet man gar keine, dann fast zu viele Spuren, denn in dem kleinen eingeschneiten Ort hat bald jeder ein Motiv, auch wenn es noch so windschief ist, aber die Ergebnisse sind immer wieder unbefriedigend. Trotz einiger unglaubwürdiger Szenen ist die grundsätzliche Handlung gut durchdacht und interessant, die Art der Polizeiarbeit jedoch eher unglücklich in ihrer Herangehensweise. Dennoch werden die Ermittlungen irgendwann zu einem logischen Abschluss geführt und man überlegt, wie es mit Morell weitergehen könnte.

Das Erstlingswerk von Daniela Larcher, das noch ausbaufähig ist, zumindest aber sehr guten Unterhaltungswert bietet. 4 Sterne.