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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2026

besessen

Das Signal
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Der Thriller hat mir aufgrund der aktuellen Thematiken angesprochen und sehr gut gefallen. Es werden verschiedenste Inputs eingebracht, von Kryptowährung und die Verwaltung dieser, über Ortungssysteme ...

Der Thriller hat mir aufgrund der aktuellen Thematiken angesprochen und sehr gut gefallen. Es werden verschiedenste Inputs eingebracht, von Kryptowährung und die Verwaltung dieser, über Ortungssysteme mittels Tracker und gleichzeitig auch traumatisierende Erlebnisse, wie etwa dass Viola bei einem Unfall ihr Bein verliert und damit klarkommen muss, psychisch und physisch. Dadurch dass die Anzahl der Charaktere stark eingeschränkt ist und auch die Örtlichkeiten nicht häufig wechseln, hat man als Leser*in die Möglichkeit Viola besser kennenzulernen, ihr Charakter erhält durch die vielen Situationen, in denen sie beobachtet und begleitet wird, durch ihre Interaktionen, vor allem aber dadurch, dass sie uns an ihren Gedankengängen und Ideen teilhaben lässt, an Tiefe. Sie geht mit dem Verlust ihres Beines erstaunlich positiv um und ist schon bald in Kampfmodus, lässt sich nichts gefallen und versucht ihr Umfeld zu kontrollieren. Violas Gedächtnisbrücken finde ich gelungen, ebenfalls die Art und Weise, wie sie ihre Tracker symbolisch und akustisch den einzelnen Personen zuordnet. Sie misstraut mit der Zeit allen Personen in ihrem Umfeld, ihrem Mann Adam, ihrer Pflegerin Otilia und sogar bei ihren beiden besten Freundinnen wird sie skeptisch und vorsichtig. Verwundert hat mich, dass sie ihre Schwester, zu der sie einen guten Bezug hat und der sie vertraut, nicht schon vorher Bescheid gegeben hat, und sie zu sich eingeladen hat. Die Verdächtigungen kreisen in Violas Alltag und verstärken sich von Tag zu Tag, sodass sie schon nahezu besessen davon ist, was sich allerdings positiv auf ihre Motivation auswirkt, schnell wieder mobil zu werden. Am Ende werden alle Verdachtsmomente aufgelöst, alle unangenehmen Situationen gelöst, auch wenn dies für meinen Geschmack etwas zu schnell und zu glatt erfolgt.

Veröffentlicht am 12.02.2026

tiefgreifender Cold Case

Enna Andersen und die dunklen Tage
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Der aktuelle Teil ist bereits der siebente Band der Cold Case Krimi-Serie mit Enna Andersen und ihrem Team. Nachdem ich auch die vorigen Teile gelesen habe, sind mir die Ermittler*innen bereits bekannt, ...

Der aktuelle Teil ist bereits der siebente Band der Cold Case Krimi-Serie mit Enna Andersen und ihrem Team. Nachdem ich auch die vorigen Teile gelesen habe, sind mir die Ermittler*innen bereits bekannt, außer natürlich Zinar, der Neuzugang im Team, daher konnte ich mich sogleich auf den neu aufgerollten Cold Case Fall konzentrieren. Dieser beschäftigt sich einer jungen Frau, die vor fünf Jahren unter mysteriösen Umständen verschwunden und danach tot aufgefunden wurde, getötet durch Schlangengift. Dem gewachsenen Team gelingt es recht schnell erste Spuren zu entdecken und zu verfolgen und auch noch nach fünf Jahren Hinweise zu finden, denen damals nicht nachgegangen wurde und finden bald ähnliche Fälle, sodass die Vermutung naheliegt, dass es sich um einen Serientäter handeln könnte. Zentrale Themen wie Depressionen und psychische Beeinflussbarkeit sowie Diskussionsforen für Betroffene im Internet werden praxisnah ausprobiert, auch mit mehreren Lockvögeln. Sehr gut gefällt mir auch die unterschiedliche Teamkonstellation, sodass verschiedene Persönlichkeiten mit all ihren Stärken und Schwächen vorhanden sind und somit ihr Potenzial ausschöpfen können. Manche Spuren wurden mir zu schnell gefunden, vieles ging zu glatt, aber ansonsten hat mir auch dieser Teil wieder sehr gut gefallen. Enna wirkt in diesem Teil nachdenklich und ist dabei ihren Lebens- und Arbeitsrhythmus zu reflektieren, solche persönlichen Entwicklungen finde ich immer interessant nachzuverfolgen, wenn man die Charaktere über mehrere Teile hinweg begleitet.

Veröffentlicht am 09.02.2026

ein NEIN mit Konsequenzen

Hazel sagt Nein
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Der Roman behandelt ein brisantes, aktuelles und enorm wichtiges Thema, rund um den Machtmissbrauch eines Schuldirektors gegenüber einer Schülerin, eingebettet in eine MeToo-Diskussion aus der Sicht eines ...

Der Roman behandelt ein brisantes, aktuelles und enorm wichtiges Thema, rund um den Machtmissbrauch eines Schuldirektors gegenüber einer Schülerin, eingebettet in eine MeToo-Diskussion aus der Sicht eines Familien- und Gesellschaftsromans. Zu Beginn bekommen wir als Leser*innen einen Einblick in das Familienleben von Gus, Claire, Hazel und Wolf, die von der Stadt in eine Kleinstadt in Maine ziehen. Im Sommer überwiegen noch die Vorteile, die günstigen Wohnkosten, aber schon am ersten Schultag wird Hazel in das Büro des Direktors gerufen, der ihr ein unangebrachtes, sexuelles Angebot macht. Hazel reagiert überrascht, aber dennoch entschieden und deutlich mit einem Nein. Von da an wird eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, die die gesamte Familie betrifft.
Gut gelungen finde ich, dass die einzelnen Familienmitglieder auch zu Wort kommen und ihre Perspektive geschildert wird. Vor allem Hazels Bruder Wolf ist selbst stark von den Veränderungen betroffen, indem er nicht mehr im Theaterstück mitspielen darf, indem sich das gesamte Familienleben um Hazel dreht und er weniger Aufmerksamkeit bekommt, keine Freunde findet und auf andere Weise versuchen muss, sich zu behaupten. Gerade nachdem er es aufgrund seiner Erkrankung gewohnt war, vermehrte Aufmerksamkeit und Fürsorge von den Eltern zu erhalten, ist das eine enorme Umstellung.
Der Umgang von Hazels Eltern von der Anzeige des Schulleiters und daraufhin mit den Bedrohungen und dem Gang an die Öffentlichkeit von Hazel, finde ich kontrovers. Auf der einen Seite möchten sie Hazel unterstützen, auf der anderen Seite wissen sie nicht genau wie und dann wiederum sind sie mit sich selbst beschäftigt. Es gibt keine gerade Linie oder kein Konzept dahinter. Natürlich ist Hazel 18 Jahre alt und kann viele Entscheidungen selbst treffen, aber gerade im Umgang mit den Medien oder dem Buchverlag hätten sie mehr unterstützen können.
Die Dynamik, die sich aufgrund des Zeitungsartikels und in Folge mit dem Medienrummel entwickelt, finde ich übertrieben und nicht realistisch dargestellt, vor allem in dieser kurzen Zeitfolge. Gut finde ich, dass sich auch weitere Betroffene zu Wort gemeldet haben und dass Hazel den Anstoß dazu gegeben hat, indem sie ihre Situation öffentlich bloßgelegt hat.
Insgesamt hätte ich mir allerdings mehr Tiefe beim eigentlichen Themenschwerpunkt gewünscht, dies wurde durch die Nebenhandlungen manchmal erschwert oder sogar vom eigentlichen Anliegen abgelenkt. Im Endeffekt muss nun jede/r einen eigenen Weg des Umganges finden und versuchen in weiterer Folge mit den Konsequenzen klarzukommen. Hazel hat in der Situation richtig gehandelt und Mut bewiesen, ihr Schicksal mit andern zu teilen und Bewusstsein zu schaffen.

Veröffentlicht am 06.02.2026

unter Druck

Skala des Bösen
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Rechtsanwältin Lena hat ihren schwierigsten Fall zu lösen, bei dem ihre Familie plötzlich verschwunden ist und sie herausfinden sollte, wer dahinterstecken könnte. Zudem wird sie selbst als Verdächtige ...

Rechtsanwältin Lena hat ihren schwierigsten Fall zu lösen, bei dem ihre Familie plötzlich verschwunden ist und sie herausfinden sollte, wer dahinterstecken könnte. Zudem wird sie selbst als Verdächtige gehandelt, indem jemand gegen sie agiert, ihr Leben manipuliert und die Polizei und ihr Umfeld sich auf sie eingeschworen hat.
Der Roman startet mit der Beschreibung einer scheinbar heilen Welt der Familie, die dann plötzlich komplett aus den Fugen gerät. Es geht um Verdachtsmomente, Intrigen und Beschuldigungen und zudem kämpft Lena gegen einen unbekannten Täter, der sie allerdings gut zu kennen scheint, auch ihre Ängste und ihre Schwächen und diese ausnutzt. Die Kapitel sind kurz und mit vielen Wendungen und Verdachtsmomenten, was zum zügigen Weiterlesen verleitet. Lena selbst wirkt zuerst ausgeglichen und gefestigt, wird aber mit der Zeit immer mehr gebrochen, labil und verzweifelt, man kann dies als Leser*in mitfühlen. Man spürt beim Lesen auch das juristische Backgroundwissen des Autors, das stark einfließt. Das Ende finde ich überraschend und für mich etwas unerwartet.

Veröffentlicht am 06.02.2026

gesellschaftskritischer Roman

Niemand hat es kommen sehen
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Der Kriminalroman knüpft inhaltlich an den vorigen Teil „Zwischen euch verschwinden“ an, sodass man beim Lesen das Gefühl hat, irgendetwas fehlt oder ist nicht ganz stimmig, wenn man den ersten Teil nicht ...

Der Kriminalroman knüpft inhaltlich an den vorigen Teil „Zwischen euch verschwinden“ an, sodass man beim Lesen das Gefühl hat, irgendetwas fehlt oder ist nicht ganz stimmig, wenn man den ersten Teil nicht kennt. Ich würde empfehlen, den vorigen Teil vorab zu lesen, denn ich hatte dies auch übersehen und dadurch ein paar inhaltliche Verständnisschwierigkeiten, da nicht alles wiederholt oder aufgefrischt wird. Zuerst hat man das Gefühl, es geht um eine verschwundene Frau, indem Maria ohne Erinnerung, was passiert ist, in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Sie wird verdächtigt, beschuldigt, das gesamte Dorf spekuliert und es entstehen Gerüchte und daraus Beschuldigungen. Marias Schweigen wird zugleich als Schuldeingeständnis interpretiert und sie rutscht von der Opferrolle in die Täterinnenrolle. Ich finde es spannend zu sehen, welche gesellschaftliche Dynamik sich entwickelt und auch die unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Personen sind interessant zu lesen. Der Kriminalroman ist vielschichtig aufgebaut und kommt ohne große oder brutale Szenen aus, er ist vielmehr ein gesellschaftskritischer Roman.