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Veröffentlicht am 23.07.2021

Salzige Tränen, bitteres Unrecht und auch etwas Liebe

Darmstädter Nachtgesänge
1

„Darmstädter Nachtgesänge“ von Ella Theiss ist ein historischer Roman, der 2021 bei Edition Oberkassel erschienen ist.
In der Gegend um Darmstadt wird der gräfliche Förster tot im Wald aufgefunden. Unter ...

„Darmstädter Nachtgesänge“ von Ella Theiss ist ein historischer Roman, der 2021 bei Edition Oberkassel erschienen ist.
In der Gegend um Darmstadt wird der gräfliche Förster tot im Wald aufgefunden. Unter dringenden Tatverdacht gerät der Wilderer und Holzräuber Jakob Trumpfheller. Anna, die als Hausmädchen bei den Büchners in Darmstadt arbeitet, kennt Jakob und will das nicht glauben. Sie bittet Oscar um Hilfe, denn dieser ist Journalist. Dass er Georg Büchner, den ältesten Sohn ihres Arbeitgebers bespitzeln soll, kann sie nicht ahnen. Ebenso wenig ist ihr bewusst, dass Georg eine revolutionäre Flugschrift verfasst hat, deren Bekanntmachung verhindert werden muss. Aber das soll nicht das einzige Problem bleiben.
Die Autorin verbindet in wunderbarer Weise eine erdachte Liebesgeschichte mit einem authentischen Kriminalfall und lässt den Leser eintauchen in die Welt des Biedermeier. Wenn ich auch anfangs mit der etwas altmodischen Sprachweise, die zu diesem Buch aber hervorragend passt, einige Schwierigkeiten hatte, überwog doch der Spaß an der Geschichte. Mir gefällt besonders die Lebendigkeit der einzelnen Figuren, selbst der Erdachten. Ich hatte das Gefühl, bei Büchners mit am Tisch zu sitzen und manchmal den Wunsch, Jakob zu schütteln, ob seiner Naivität, die wohl auch seinem Mangel an Bildung geschuldet ist. Die fiktiven Teile sind so gut eingefügt in die tatsächlichen Gegebenheiten, dass es sich alles tatsächlich so zugetragen haben könnte, wirklich erstklassig recherchiert. Entsetzt war ich, wie niedrig die Stellung einer Frau wirklich war, dass einfach über sie bestimmt werden konnte. Von der Gerichtsbarkeit wollen wir gar nicht reden.
Allerdings hatte die Geschichte für mich auch einen Nachteil, ich sehe die Biedermeierzeit jetzt mit anderen Augen. Es gab viel zu kritisieren und Georg Büchner hat das klar erkannt, genauso wie auch seine Schwester Luise und sein Bruder Wilhelm. Sie waren ihrer Zeit ein wenig voraus.
Wer historische Romane mag, für den ist dieses Buch ein Muss. Aber auch Krimifans kommen hier auf Ihre Kosten.

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Veröffentlicht am 09.07.2021

Schuld - aber wer hat sie?

SCHULD! SEID! IHR!
4

„Schuld! Seid! Ihr!“ von Michael Thode ist ein Thriller, der es in sich hat und 2021 bei Bastei-Lübbe erschienen.
In der idyllischen Lüneburger Heide nehmen sich zwei Männer das Leben – ein Obdachloser ...

„Schuld! Seid! Ihr!“ von Michael Thode ist ein Thriller, der es in sich hat und 2021 bei Bastei-Lübbe erschienen.
In der idyllischen Lüneburger Heide nehmen sich zwei Männer das Leben – ein Obdachloser und ein pensionierter Polizist. Bei beiden wird eine Tarotkarte gefunden und beide starben unter großen Qualen, aber ist das die einzige Verbindung zwischen den beiden Toten? Kommissar Degenhart glaubt nicht und beginnt zu ermitteln.
Schon das Cover und die Inhaltsangabe verheißen dem Leser Spannung und wahrlich, das Versprechen wird gehalten. Der Schreibstil von Michael Thode und die Einteilung des Buches in Kapitel von angenehmer Länge machen das Lesen zu einem Vergnügen. Dazu kommt die spannende Story, die einen in menschliche Abgründe blicken lässt. Gänsehaut ist garantiert, aber auch ein wenig Verstehen. Ich habe das Buch nur so durchgesuchtet. Mir gefällt besonders, dass bei allem was geschieht, immer das Gefühl bleibt, es ist die Geschichte eines Menschen, der zwar abscheuliches tut, aber dennoch ein Mensch ist und keine Bestie. Schon nach der Leseprobe war ich überzeugt, den Täter erkannt zu haben und habe mit Spannung weitergelesen, um am Ende festzustellen, dass ich falsch lag, aber dennoch mit einigem Recht hatte.
Bedauert habe ich, dass nicht allles aufgeklärt wird, dass Fragen bleiben, die hier noch hätten beantwortet werden müssen, um die Geschichte absolut rund zu machen. Das ist allerdings mein persönliches Empfinden, denn in sich abgeschlossen ist die Geschichte schon. Vorstellbar wäre, dass die näheren Erklärungen im dritten Fall von Kommissar Rolf Degenhardt noch folgen.
Auf jeden Fall kann ich das Buch jedem Thrillerfan empfehlen. Es hat alles was einen Thriller ausmacht, Gänsehaut inklusive. Ich bin jetzt schon gespannt auf Bd. 3.

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Veröffentlicht am 17.06.2021

Arne Stiller, rätselhafte Zahlenkombinationen und mörderische Musik

Der Kryptologe
1

„Der Kryptologe“ von Elias Haller ist ein Thriller der etwas ruhigeren Art und 2021 bei Edition M erschienen.
In der Kanalisation unter der Semperoper wird die Leiche der Ehefrau eines Sensationsreporters ...

„Der Kryptologe“ von Elias Haller ist ein Thriller der etwas ruhigeren Art und 2021 bei Edition M erschienen.
In der Kanalisation unter der Semperoper wird die Leiche der Ehefrau eines Sensationsreporters gefunden. In ihre Hände und Füße wurden Zahlen geschnitten und um die Verwirrung komplett zu machen, trägt sie ein Galakleid, dass ihr nicht gehört. Von ihrer kleinen Tochter Liliana fehlt jede Spur. Deutet dieser Auffindeort auf einen Zusammenhang mit der Oper hin oder war hier ein Psychpath am Werk? Arne Stiller, der streitbare Kryptologe der Dresdner Mordkommission, wird hinzugezogen, denn es zählt jede Sekunde. Für Stiller ist es der erste Fall nach einjähriger Suspendierung und er setzt alles daran, die Nachricht des Mörders zu entschlüsseln, um Liliana noch lebend zu finden.
Mit diesem Buch ist dem Autor ein Thriller gelungen, der mich von Beginn an gefesselt hat. Das liegt zum einen daran, dass die Figuren so sorgfältig und detailreich beschrieben werden, dass man sie sich lebhaft oder eher leibhaftig vorstellen kann und so umso eifriger das Geschehen verfolgt und zum anderen an der wirklich guten Geschichte. Die Oper „Der feurige Engel“ war mir zwar nicht bekannt, aber man muss sich nicht mit Opern auskennen, um der Geschichte folgen zu können. Dazu die wundervolle Umgebung, denn Dresden ist schön und die Semperoper ein traumhafter Ort, an dem man nun nicht unbedingt an Sterben denkt. Die Personen in der Geschichte wirken absolut glaubwürdig. Arne Stiller hat Ecken und Kanten, doch er weiß was er tut. Dass man ihm die richtige Assistentin zugeordnet hat, ist schnell klar. Und sein Chef, nun, ich denke, er hat es auch nicht leicht, und am Ende wirkt es fast als könnte es doch irgendwann noch eine gute Zusammenarbeit geben,
Besonders gefallen hat mir, dass nicht nur die Hauptfiguren super ausgearbeitet waren, sondern auch der Täter und die Opfer. Es war faszinierend, welche Lösung es für die Zahlen gibt. Und als Opernfan kann ich nachvollziehen, dass die Inszenierung einer Oper einen Skandal auslösen kann. „Der feurige Engel“ hat ein Thema, das hierfür geradezu prädestiniert ist. Der Sensationsreporter wirkt in seinem Beruf unsympathisch, aber als Ehemann und Vater kommt der Mensch zum Vorschein. Schön fand ich, dass Liliana sich nicht einfach in ihr Schicksal ergeben hat, sie ist eine Kämpferin,
Gefallen hat mir auch, dass der Spannungsbogen gehalten wird und es dennoch ruhige Momente gibt, die einem kurz Luft holen lassen. Das Ende ist plausibel und ich freue mich auf weitere Fälle mit Arne Stiller.
Wer schon Bücher von Elias Haller kennt, wird den unnachahmlichen Schreibstil sofort wiedererkennen. Ich kann dieses Buch allen Krimi- und Thrillerfans nur ans Herz legen. Wer noch kein Elias-Haller- Fan ist, der wird es durch dieses Buch vermutlich werden.

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Veröffentlicht am 21.05.2021

Tödliches Begehren in idyllischer Umgebung

Rattenbrüder für Greetsiel
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„Rattenbrüder für Greetsiel “ von Dirk Trost ist ein Krimi, den ich schon fast als Thriller mit friesischen Charme bezeichnen möchte und im März 2021 bei Edition M erschienen.
Auf der Einweihungsfeier ...

„Rattenbrüder für Greetsiel “ von Dirk Trost ist ein Krimi, den ich schon fast als Thriller mit friesischen Charme bezeichnen möchte und im März 2021 bei Edition M erschienen.
Auf der Einweihungsfeier seiner eigenen Anwaltskanzlei wird Jan de Fries von seinem Freund Onno um Hilfe für seine Freundin Nele gebeten, die auf dem Greetsieler Hafenfest einem Mann das Nasenbein gebrochen hat. Grund für diese rabiate Attacke war, dass der Mann für eine Immobilienfirma arbeitet und ihre Großeltern bei einem Grundstücksverkauf über den Tisch gezogen hat. Das will Nele einfach nicht so hinnehmen. Jan de Vries´ ausgeprägter Sinn für Gerechtigkeit ist sofort geweckt und er beginnt nachzuforschen, nicht ahnend, in was für Schwierigkeiten ihn das bringen wird, denn die Immobilienhaie beißen nicht nur, sie gehen buchstäblich über Leichen.
„Rattenbrüder für Greetsiel“ ist bereits der 8. Fall für Jan de Vries, aber mein erster, doch er hat mein Herz im Sturm erobert, wenn man das so sagen kann. Schon das düstere Cover verheißt einen spannenden Urlaubskrimi und erfüllt dieses Versprechen in vollem Umfang. Er hat alles was ich von einem guten Urlaubskrimi erwarte – einen sympathischen einmaligen Ermittler, kauzige Freunde, eine hervorragende Kommissarin und eine Umgebung, die zu Urlaubsträumen animiert, sieht man mal von den Verbrechen ab. Nichts kommt zu kurz, Spannung, Gefühl, Heimat, Freundschaft, miese Verbrechen, Tierliebe, Heldenmut und Humor, ich bin absolut begeistert. Die Protagonisten sind so lebensnah dargestellt, dass man sich vorstellen kann, sie würden einem tatsächlich über den Weg laufen, wenn man in Greetsiel Urlaub macht. Man spürt die Liebe des Autors zu dieser Umgebung, das macht es so wunderbar authentisch.
Besonders gefallen haben das Krabbenbrötchenessen auf der Fischgräte von Jan de Vries und Dora Oldenburg und ihre gute Zusammenarbeit, das Verstehen fast ohne Worte. Und meine Hochachtung vor der Tierliebe, die mir die Protagonisten gleich noch sympathischer machte. Hier gibt es nur einen kleinen winzigen Minuspunkt: warum muss der Rüde von Jan ausgerechnet Motte heißen, nicht, dass der Name schlecht ist, aber ich denke dabei immer an eine Hündin.
Wer einen Urlaubskrimi sucht, der von der Spannung schon fast an einen Thriller heranreicht, für den ist dieses Buch absolut richtig. Wer dann auch noch ein Fan von Friesland und seinen Bewohnern ist, der wird das Buch durchsuchten. Ich bin jedenfalls gespannt auf weitere Fälle von Jan de Vries und werde – bis es einen neuen gibt – erst einmal mit den anderen sieben vorliebnehmen.

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Veröffentlicht am 20.05.2021

Was sie schon immer über Alice im Wunderland wissen wollten....

Die Erfindung von Alice im Wunderland
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„Die Erfindung von Alice im Wunderland – wie alles begann“ von Peter Hunt ist bei wbgTheiss erschienen.
Mit diesem Buch ist Peter Hunt ein Werk gelungen, dass einfühlsam und gut recherchiert berichtet ...

„Die Erfindung von Alice im Wunderland – wie alles begann“ von Peter Hunt ist bei wbgTheiss erschienen.
Mit diesem Buch ist Peter Hunt ein Werk gelungen, dass einfühlsam und gut recherchiert berichtet einerseits über den Autor Lewis Caroll, der eigentlich Charles Dogdson hieß,und andererseits über die Entstehung seiner fantasievollen Geschichten „Alice im Wunderland“. Hunt beschreibt in wunderbarer Weise die Zeit, in der die Geschichte entstand, man meint fast, dabei gewesen zu sein. Dodgson kümmerte sich um Alice und ihre Schwestern, sie waren schließlich die Kinder des Dekans seiner Universität. Dabei erfand er Geschichten für die Kinder und später wurde aus diesen Geschichten ein Buch. Dass es so erfolgreich werden würde, dass es auch hundert Jahre später noch Fans hat, damit hat er wohl nicht gerechnet. Carolls Liebe gehört der Fotografie, das merkt man den Bildern im Buch auch an. Einen großen Anteil am Erfolg des Buches hatte wohl auch der Illustrator John Tenniel, der die Bilder schuf, die auch heute noch – zumindest bei mir – die Herzen höher schlagen lassen. Mein besonderer Liebling war und ist die Raupe. Obwohl für Kinder geschrieben bzw. als Kinderbuch bekannt geworden, enthält es doch etliche Weisheiten, die gerne zitiert werden. Es war nun sehr interessant, etwas mehr über Lewis Caroll zu erfahren, auch wenn Hunt nicht alle Vorurteile komplett ausräumen konnte. Er setzt sich sachlich und kompetent mit der Geschichte von Charles Dodgson auseinander, absolut neutral, wie man es sich nur wünschen kann. Der Leser kann sich so sein eigenes Urteil bilden. Es wäre schön, wenn das jeder Autor eines Fachbuches täte, aber auch diese sind halt Menschen und es schadet nichts, wenn man das beim Lesen auch merkt. Ich wage zu behaupten, dass Peter Hunt dieses Buch als Homage geschrieben hat - gefesselt von der Geschichte selbst und doch zwiespältig was den Autor derselben angeht. Für Fans von „Alice im Wunderland“ ist dieses Buch ein Sahnestück für ihre Sammlung und ein absolutes Muss, enthält es doch neben den wunderschönen Bildern von Tenniel auch Fotografien von Lewis Caroll und seiner Inspiration Alice Liddell und ihrer Familie.
Ich kann dieses Buch nur weiterempfehlen und danke dem Verlag, dass ich es lesen durfte.

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