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Veröffentlicht am 20.02.2026

Lo Blackwood is back!

The Woman in Suite 11
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Lo Blackwood is back! Die Heldin von The Woman in cabin 10 ist mittlerweile erfolgreiche Buchautorin und hat einen Bestseller über ihre traumatischen Erlebnisse damals geschrieben. Dann kam die Pandemie ...

Lo Blackwood is back! Die Heldin von The Woman in cabin 10 ist mittlerweile erfolgreiche Buchautorin und hat einen Bestseller über ihre traumatischen Erlebnisse damals geschrieben. Dann kam die Pandemie und die 2 Söhne und jetzt will sie endlich wieder durchstarten als Journalistin. Doch nach so einer langen Pause ist es schwierig. Die Einladung zur Eröffnung des neuen exklusiven Grand Hotel du Lac am Genfer See der Leidman Group scheint da ihre Chance zu sein! Wenn sie auch noch ein Interview mit dem über 70 jährigen Patriachen Marcus Leidmann ergattern könnte, wäre der Erfolg garantiert. Also besteigt sie den Flieger, sich wundernd, wer für sie ein Upgrade auf die 1. Klasse gebucht hat. Vor Ort ist ihr Staunen nicht geringer, da außer ihr noch weitere Mitreisende der damaligen Horror-Kreuzfahrt auf der Aurora anwesend sind. Die größte Überraschung ist jedoch die nächtliche Einladung auf Marcus Leidmans Zimmer. Dort erwartet sie eine alte Bekannte, der gegenüber sie mehr als zwiespältige Gefühle hegt. Erst brachte Carrie sie in Lebensgefahr, dann rettete sie ihr das Leben. Nun bittet sie Lo um Hilfe: Marcus Leidman hält sie wie in einem goldenen Käfig gefangen, da sie weltweit als Mörderin gesucht wird. Doch er tut ihr unglaubliches an und Lo ist ihre einzige Chance zur Flucht!

Julia Nachtmann verkörpert wunderbar glaubhaft die ebenso beharrliche, wie intelligente aber auch psychisch angegriffene Journalistin, die nur der Wahrheit und ihrem Gewissen verpflichtet scheint. Ihre warme Stimme schafft sofort Sympathien für die Mutter, die endlich wieder professionell wahrgenommen werden will. Geschickt wandelt sie situationsbedingt ihre Stimme und baut dadurch zusätzliche Spannung auf und unterstützt den flüssigen und packenden Schreibstil von Ruth Ware. Diese spielt gekonnt mit unseren Erwartungen und Sympathien und man weiß nicht wem man trauen kann, außer Lo. Der an „The Woman in Cabin 10“ erinnernde Titel lässt ein ähnliches Verbrechen vermuten, doch dies ist kein einfacher Abklatsch des früheren Erfolgs. Es ist eher eine Spiegelung der Geschichte. Nicht die Leiche einer unbemerkten Passagierin verschwindet und man glaubt ihr nicht, Lo lässt dieses mal eine Frau verschwinden, in der Hoffnung, dass ihnen niemand auf die Spur kommt, obwohl einer der reichsten und mächtigsten Männer eben diese Frau vermissen und suchen wird. Sobald Julia Nachtmann in den lebendigen Dialogen in die Rolle der Carrie schlüpft klingt sie gleich sprunghafter und impulsiver, nicht so ruhig und bedacht wie als Lo. Sie klingt dynamisch und attraktiv aber auch unüberlegt und hitzig. Eine explosive Mischung, die Lo einiges an Nerven kosten wird.

Man kann diesen Thriller gut ohne Vorkenntnisse hören. Die Figuren werden nach und nach eingeführt, so dass man selbst beim Zuhören nicht durcheinander kommt. Ich kannte den Vorgänger auch nicht und hatte keinerlei Probleme in die Geschichte hineinzufinden. Wobei es sicherlich noch interessanter ist, zu erfahren, was auch der Hälfte der Mitreisenden der Aurora wurde, wenn man dieses Abenteuer auch kennt. Zwischen den zwei Frauen entspannt sich eine merkwürdige Sympiose, eine Abhängigkeit, die Lo immer wieder zweifeln lässt, ob sie das Richtige tut und warum.

Trotz einiger Ungereimtheiten und Zufälle definit hörenswert und spannend.

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Veröffentlicht am 12.02.2026

Eine faszinierende Frau, nicht nur für Kinder!

Abenteuer & Wissen: Kleopatra
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Wer kennt sie nicht, Kleopatra, die Herrscherin über das antike Äqytpen, ihr letzter Pharao (denn ich habe hier gelernt, dass es keine weibliche Form für das Wort gibt). Nicht nur Asterix und Obelix und ...

Wer kennt sie nicht, Kleopatra, die Herrscherin über das antike Äqytpen, ihr letzter Pharao (denn ich habe hier gelernt, dass es keine weibliche Form für das Wort gibt). Nicht nur Asterix und Obelix und Elisabeth Taylor haben sie unvergesslich gemacht, immerhin war sie schon über 2.000 Jahre tot, ehe diese ihr weiteren Ruhm einbrachten. Dieses Hörspielfeature lässt uns u.a. kurz an ihrer Kindheit teilnehme, nimmt uns mit an den ägyptischen Hof, wo Kinder jeden Alters gemeinsam unterrichtet wurden, wenn sie aus der herrschenden Klasse kamen... Wir lernen dass eine Frau nie alleine über das Land herrschen durfte, sondern immer einen Mann an ihrer Seite haben musste und sie im Zweifel zu diesem Zwecke ihren jüngeren Bruder heiraten musste... Heirat als Frage der Staatsräson und nicht der Liebe. Vielleicht mit ein Grund, warum die ebenso schöne, wie intelligente und machthungrige Kleopatra so unvergessen ist. Sie ist noch heute legendär für ihre Liebesbeziehungen zu Julius Cäsar und nach seinem Tod mit Marc Antonius bis zum gemeinsamen Tod, der das Ende der Eigenständigkeit Ägyptens markierte.

In szenischen Hörspielfrequenzen mit diversen Sprechern können wir die wichtigsten Stationen in Kleopatras Leben verfolgen. Ihre historische Bedeutung wird dann in kurzen Zwischensequenzen von Lars Böhmer, vom historischen Museum der Pfalz in Speyer kommentiert und eingeordnet. Gerade für Kinder, die noch nicht so ein reiches Geschichtswissen und Erfahrungsschatz haben, ist diese Einordnung für das Verständnis ganz wichtig, aber auch für Erwachsene ist es noch interessant und lehrreich (o.k. Meine Töchter wussten alles schon, was ich ihnen spannendes erzählen wollte, aber ich habe ja gefühlt in der Schulzeit nur die frz. Revolution, den 1. und den 2. Weltkrieg durchgenommen....). Lars Böhmer ist ganz klar kein Sprecher, sondern Experte, dabei klingt er nicht unsympathisch, sondern einfach wie ein normaler Erwachsener, der über wichtige Themen spricht. Dadurch lassen sich die deutlich lebendiger Hörspielfrequenzen klar akustisch von den bekannten Fakten und ihre Bedeutung trennen. Natürlich vermitteln auch die Klänge und Töne der Hörspielfrequenzen einen tollen unmittelbaren Eindruck von der damaligen Zeit.

Wie Lars Böhmer immer wieder betont, viel von dem was damals passierte ist eine historische Annahme. Das meiste kennen wir aus Überlieferung römischer Schriften und diese wurden zumeist von ihren Gegnern verfasst. Diese Berichte sind also durchaus mit angemessener Vorsicht zu genießen, so dass unser heutigen Annahmen und Erkenntnisse zu Kleopatras Leben, Lieben und Wirken auf einer Vielzahl antiker Quellen beruht.

Für ein besseres Gefühl für die damalige Zeit gibt es in der farbigen Hülle auch ein separates Booklet mit Bildern und Ausführungen zu den Themen: Ägypten die erste Hochkultur, Der Nil, Die Bibliothek von Alexandria, Die Kleidung von Kleopatra VII, Katzen im Alten Ägypten... und jeweils kurze Portraits der Autoren Berit Hempel und Simon Kamphans. Das Booklet schließt mit einem Zitat, das Kleopatra zugeschrieben wird: „Meine Ehre wurde nicht aufgegeben, sondern nur erobert.“

Eine kurzweilige und informative Art, sich der legendären Herrscherin vom Nil (deren mitregierenden kleinen Brüder aus heutiger Sicht unbedeutend waren) zu nähern und Interesse an der Antike und an Geschichte im Allgemeinen zu wecken. Geeignet ab 8 Jahren und solange man hören kann...

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Ich liebe es!

The Jewel Secrets (1). Um dieses Spiel zu gewinnen, musst du dich in deinen größten Feind verlieben
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Darcy Green (18) wuchs bei ihrer herrisch-grausamen Stiefmutter und deren Sohn Mason auf, ohne ihre leiblichen Eltern zu kennen. Nichts außer einem Schmuckstück ist ihr von ihnen geblieben. Sobald sie ...

Darcy Green (18) wuchs bei ihrer herrisch-grausamen Stiefmutter und deren Sohn Mason auf, ohne ihre leiblichen Eltern zu kennen. Nichts außer einem Schmuckstück ist ihr von ihnen geblieben. Sobald sie 18 wurde, floh sie mit Mason nach Edinburgh. Dort kann sie sich zwar nicht den Traum von einem Kunstgeschichtsstudium erfüllen, fühlt sich aber halbwegs sicher vor ihrer Stiefmutter Christine, bis Mason mehr als Brüderlichkeit einfordert, um die Miete zu zahlen. Angeekelt flieht sie erneut und erst im Hafen fällt ihr wieder der Brief ein, den ihr ein Notar kurz zuvor übermittelte: Sie soll eine Verwandte der legendären, verstorbenen Künsterlin Cordelia Seymore sein. Diese lässt nun alle Nachfahren im Alter von 18 – 21 Jahren der Seymores und der mit ihnen verfeindeten Corydalis auf ihre Insel „Das Juwel“ einladen. Dort sollen Sie um ihr Erbe spielen. Nur werden die Aufgaben löst, die sie über den Notar und sein Team ihnen stellt, und sich in einen Nachfahren der geweils verfeindeten Familie verliebt, kann ihr künstlerisches Meisterwerk vor der Zerstörung retten, die Identität ihrer großen Liebe enthüllen und nach einem gemeinsamen Jahr mit dem neuen Partner aus der verfeindeten Familie, das Meisterwerk im Wert von 150 Mio. Pfund und die Insel „Das Juwel“ um die die Seymores und Corydalis seit 300 Jahren streiten. Immerhin bietet ihr diese Challenge vorläufige Sicherheit und in Lyri findet sie sofort eine Freundin. Nur der umwerfende Dorian Chamberlain, macht sie mehr als nur wahnsinnig! Hätte sie mit ihm tatsächlich eine Chance zu gewinnen?

Die Cinderella Vibes zu Beginn, haben mir gleich gefallen, doch Darcy ist keine verkannte Schöne, die gerettet werden muss. Sie ist jung, schön, clever und begabt, allerdings auch bisweilen das Opfer ihrer eigenen Gefühle und der Traumata ihrer Vergangenheit. Immer wieder wird sie von Panikattacken, oder lähmenden Erinnerungen an die Zeit im Hause ihrer Stiefmutter heimgesucht. Doch um sie herum herrscht auf dieser privaten Nordseeinsel vor Schottland Reichtum, Glanz, fantastische Kunstwerke und Gleichaltrige, für die dies ziemlich normal zu sein scheint. Unter all den Designer Yuppies fühlt sie sich den Bediensteten näher, als ihren Mitanwärtern auf das Erbe. Das muss doch ein Versehen sein, dass sie eine Einladung erhielt und so rechnet sie jederzeit mit ihrer Entlarvung. Andererseits packt sie auch der Ehrgeiz, denn die Aufgaben scheinen tatsächlich mit Cordelias Kunst in Verbindung zu stehen und da muss es ihr doch möglich sein, zumindest ein Rätsel zu lösen.... In ihrer Verletzlichkeit und Normalität ist Darcy sofort sympathisch, während man bei ihren Mitbewerbern immer wieder Zweifel bekommt, auf wessen Seite sie stehen, denn die Situation spitzt sich schon schnell zu. Eine geheimnisvoller Bund scheint es ebenfalls auf das Erbe abgesehen zu haben und nicht immer mit sauberen Mitteln zu kämpfen.

Pia-Rhona Saxe bringt diesen ständig wechselnden Gefühlsmix und die geheimnisvolle Spannung, sowie das gewisse Knistern ganz herrlich ins Gehör. Sie klingt und sympathisch, aber auch sehr verletzlich und verwirrt. Sie lässt uns ganz wunderbar an Darcys Seelenleben in Aufruhr teilhaben und schafft es eine angenehm prickelnde Spannung zu erzeugen, dann Jana Hochs flüssigem Schreibstil, der mich wirklich mitgenommen hat. Auch wenn ich normalerweise nicht so pompös residiere und mein Leben selten in Gefahr ist, konnte ich mich dank ihrer glaubhaften Schilderungen super in sie hinein versetzen und hatte Das Juwel bildhaft vor Augen.

Gegen Ende steigert sich die Anziehung und es wird etwas spicy, aber in Grenzen... und dann kommt der Cliffhanger... Was für ein Finale, ich hoffe, es geht bald weiter, ich muss es einfach wissen....

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Bewegende Frauenschicksale

Montmartre - Traum und Schicksal
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Paris, Oktober 1889: Valéries Vater hat sich bei seinen Anlagen in den Panama Kanal und der Wahl der in seiner Galerie angebotenen Kunstwerke kräftig verspekuliert. Da auch seine Kurtisane sehr fordernd ...

Paris, Oktober 1889: Valéries Vater hat sich bei seinen Anlagen in den Panama Kanal und der Wahl der in seiner Galerie angebotenen Kunstwerke kräftig verspekuliert. Da auch seine Kurtisane sehr fordernd ist und seine Frau Amélie kräftig von seinem nicht mehr vorhandenen Vermögen für den Bau der neuen Basilika Sacré Coeur spendet, steht die Familie vor dem Ruin. Damit dies nicht publik wird und ihre Mutter nichts davon erfährt, soll Valérie den deutlich älteren Kunstmaler und Bankierssohn Baptiste heiraten, auch wenn er sie abstößt. Pascal hat inzwischen Frankreich verlassen, um dem Wehrdienst zu entkommen und sie und Henri Toulouse-Lautrec sind noch immer zerstritten. Leider ist Henri sehr nachtragend, trotz aller Versöhnungsversuche seitens Valéries.

Nach dem Verlust ihres Kindes während der Eröffnungsshow des Moulin Rouge, wird Elise klar, dass sie unbedingt Tänzerin bleiben will. Zu hart hat sie gearbeitet, um den Lebensunterhalt für sich und ihre Lieben zu verdienen, als dass sie einfach nur Hausfrau und Mutter sein will. André wünscht sich jedoch nichts sehnlicher als ein Kind und ihre Beziehung zerbricht. Elise zieht wieder bei ihrer Mutter und Marianne ein und versucht stetig ihre Stellung als eine der Solotänzerinnen des Can Can zu sichern. Doch der Missgunst unter dem Ensemble ist bisweilen erschreckend und sie bemerkt, dass man nur mit Privatvorstellungen für sehr reiche Herren das große Geld machen kann. Bisher schreckt der Gedanke sie ab.

Zwei Frauenschicksale aus sehr unterschiedlichen Familien und doch kreuzen sich ihre Wege immer wieder. Es verbindet sie mehr als nur Sympathie für einander, es ist auch ihr Wunsch nach Freiheit, Unabhängigkeit und einem selbst bestimmten Leben ohne Armut. Ein Leben in Wohlstand war im damaligen Frankreich jedoch eigentlich nur verheirateten Frauen oder Kurtisanen vergönnt. Während die ersten völlig abhängig von ihren Ehemännern waren, da der Code Civile mit der Heirat den Frauen alle persönlichen Rechte nimmt, waren die Kurtisanen frei, aber auch frei von Ehre... Ich hatte mich immer gefragt, warum einige der Künsterlinnen in den Künstlerkolonien nicht heirateten, hier fand ich die Antwort (das französische Eherecht war auch in den 90ern noch deutlich rigider als das deutsche).

Die Geschichte finde sich sehr gut recherchiert und die Einblicke in die Künstlerwelt sowohl der Malerei, als auch der großen Pariser Shows fand ich wirklich faszinieren. Warum ausgerechnet Monet und auch Berthe Morisot nicht vorkommen, erklärt sich im Epilog. Einige Künstler wie Toulouse-Lautrec, Edgar Degas und Auguste Renoir sind mir noch mehr ans Herz gewachsen, auch wenn viel Fiktion in ihrer Darstellung steckt. Aber auch Vincent van Gogh und sein Bruder Théo kommen gerade zu Beginn dieses Finalbandes immer wieder vor. Auch wenn Vincent van Gogh zu Lebzeiten alles andere als wirtschaftlich erfolgreich war, übte er großen künstlerischen Einfluss mit seinem Malstil auf Freunde, Komilitonen und auch ältere Künstler aus.

Neben der Kunst sowohl der Malerei, als auch dem Tanz und den persönlichen Schicksalen vor allem von Elise und Valérie, sind die Rechte, bzw. mangelnden Rechte von Frauen ein ganz großes Thema. Gerade die gnadenlosen Schicksale von Valérie, die um jeden Preis die Konventionen, die ihr verhasst sind, wahren soll und der tragischen Simone, der kleinen Schwester von Elise, machen dies deutlich. Mit Simone lernen wir leider die dreckigsten, brutalsten und unerbittlichsten Orte dieser Männer dominierten Stadt kennen. Hinzu kommen dezente Einblicke in die politischen Entwicklungen der jungen Republik. Trotz all dieser Themen, hatte ich nie das Gefühl, dass es ein Sachbuch sei, so emotional und anschaulich schreibt Marie Lacrosse, dass ich mit ihren jungen Heldinnen, die ihrer Zeit voraus waren, wirklich mitgelitten habe.

Katrin Fröhlich leiht all diesen Frauen und ihren Schicksalen wieder ihre warme, wandelbare Stimme, die zwischen den gesellschaftenlichen Schichten, Glück und Tragödie hin und her wechseln. Das macht dieses Hörbuch trotz seiner Dauer unglaublich kurzweilig und bewegend.

Das Ende war mir etwas zu offen, da hätte ich gerne etwas mehr von den sich andeutenden Schicksalen erfahren. Dennoch ist es absolut lohnend!

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Verständlich, aktuell und praxisorientiert

Kindesunterhalt für Dummies
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In Deutschland ist man gerne gründlich und gerecht und das soll sich dann bitte auch in den gesetzlichen Noremn widerspiegeln, die komplexe Zusammenhänge regeln. Das wird dann oft ziemlich kompliziert ...

In Deutschland ist man gerne gründlich und gerecht und das soll sich dann bitte auch in den gesetzlichen Noremn widerspiegeln, die komplexe Zusammenhänge regeln. Das wird dann oft ziemlich kompliziert und scheinbar undurchsichtig – einfach zum Haare raufen, besonders, wenn es um Themen geht, die viele betreffen und existentiell sind, wie Kindesunterhalt. Eigentlich wollte ich nie Familienrecht machen, sondern Arbeitsrecht, aber in Zeiten des Lockdowns, hat hier das Arbeitsgericht monatelang geschlossen, und es passierte nix, auch wenn die Leute keinen Lohn erhielten. In Familiensachen sah es anders aus, so bin ich ins Familienrecht reingerutscht und man sollte ja wissen, was man tut.

Einfach ist der Kindesunterhalt, wenn beide nix haben, dann regeln alles die Ämter. Theoretisch wird dann oft mit fiktivem Einkommen gearbeitet, mit Einkommen, dass das unterhaltspflicht
ige Elternteil zu erwirtschaften verpflichtet ist. Das wird aber leider nicht immer gemacht. Kompliziertes wird es, wenn beide was haben, aber nicht unbedingt genug, oder sehr unterschiedlich viel. Wie wird dann umverteilt. Worauf muss ich achten? Also erst einmal ist relevant, wo das unterhaltsberechtigte Kind lebt. Vorwiegend bei einem Elternteil oder bei beiden gleichermaßen? Wie berechne ich das Einkommen, das für den Kindesunterhalt heran zu ziehen ist? Das Einkommen wechselt ja bei vielen Menschen und ist nicht immer gleich hoch? Sind alle Einkünfte gleichermaßen heranzuziehen? Kann ich das Einkommen auch durch besondere Ausgaben senken? Muss mir ein besonderer Vorteil als Einkommen angerechnet werden? Ganz besonders schwierig wird es, wenn Selbstständige beteiligt sind.

Das alles zu verstehen ist nicht leicht und die Gesetze lesen sich leider recht sperrig. Daher gehen sich die beiden Autoren große Mühe diesen Themenkreis zu strukturieren, um den Überblick zu behalten und dann unter den jeweiligen Unterpunkten dies wirklich verständlich zu erklären Denn die große Kunst besteht ja immer darin, komplizierte Sachverhalte dennoch einfach und nachvollziehbar zu erklären. Beide kennen sich in dem Gebiet bestens aus, denn Michelle Kluge ist bei einem Jugendamt für die Berechnung des Kindesunterhaltes verantwortlich und macht den ganzen Tag nichts anderes als Kindesunterhalt zu berechnen bzw. die notwendigen Angaben aus den Eltern heraus zu kitzeln. Tobias Böing ist Fachanwalt für Familienrecht und auch wenn er Kindesunterhalt nicht titulieren kann, wie dies Jugendämter tun, kann er doch im Sinne der Mandanten, aufpassen, dass das jeweilige Jugendamt auch alle relevanten Daten hat. Viele Eltern wissen ja gar nicht, worauf es ankommt, und was hinzugerechnet und was abgezogen werden muss. Das Jugendamt kann ja nur mit den Zahlen arbeiten, die es geliefert bekommt, die Anwälte können dafür sorgen, dass die Sachbearbeiter die im Sinne der Mandanten für sie günstigen Angaben erhalten.

Man merkt, dass die beiden Autoren vom Fach sind und sie geübt darin sind, diese wirre Welt der Zahlen und Einkünfte die auf z.T. Völlig unrealistische elterliche Vorstellungen und Hoffnungen trifft zu entwirren und den jeweiligen Elternteilen es nachvollziehbar zu erklären. Sie haben offensichtlich einen Weg gefunden, das zu vermitteln, sondern die Elternteile bereit sind, es zu verstehen.

Die Struktur und das klare Inhaltsverzeichnis gefallen mir sehr gut. Das Schlagwortregister deutlich weniger, da dort z.B. Aufwandsentschädigungen fehlen. Gerade die Schlagworte die fehlen stellen oft die kompliziertesten Fälle dar, aber keine, die unbedingt selten sind. Aufwandsentschädigungen haben z.B. Ehrenamtliche Trainer oder auch Feuerwehrleute... Auch andere Schlagworte, die Laien vielleicht nicht sofort in den Sinn kommen, habe ich im Verzeichnis vermisst, die Erklärungen fand ich aber sehr anschaulich, gerade auch durch die Beispielsrechnungen. Die finde ich sehr hilfreich und verständlich, aber ich habe auch keine Dyskalkulie. Ein bisschen Bereitschaft sich in die Rechnungen reinzudenken sollte man haben.
Für Laien ist es auf jeden Fall sehr hilfreich, dass hier wirklich die gängigsten Fälle erklärt werden, aber auch dass ein Ausblick auf geplante Änderungen im Unterhaltsrecht gegeben wird, damit man weiß worauf man künftig achten muss, wie beim asymmetrischen Wechselmodell, das dem ehemaligen Justizminister Buschmann sehr am Herzen lag... Das ist deshalb wichtig, da es ja immer darauf ankommt, zu wissen, welche Daten und Zahlen ich dem Jugendamt oder den Anwälten gegeben muss. Kennen diese die richtigen Zahlen nicht, kann das Ergebnis niemals stimmen und entgegen landläufiger Meinung beschäftigen diese keine Detektive, um an die richtigen Fakten zu gelangen.

Dieses Buch ist daher hilfreich und verständlich.

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