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dear_fearn

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.05.2020

Erlösung oder Wiedergeburt

Der Kaufmann und der Rinpoche
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Das schlanke Büchlein kommt hochwertig gebunden, mit einer tibetischen Stadt und dem Mount Everest auf dem Cover daher. Am rechten unteren Rand sind zwei Personen abgebildet, um die es gehen wird.

Dorjee ...

Das schlanke Büchlein kommt hochwertig gebunden, mit einer tibetischen Stadt und dem Mount Everest auf dem Cover daher. Am rechten unteren Rand sind zwei Personen abgebildet, um die es gehen wird.

Dorjee Wangchuk und Sonam Tsering lernen sich als Kinder kennen. Sie sind beide Hirtenjungen, die kurz darauf zwei völlig verschiedene Wege einschlagen. Dorjee hat schon als Kind viel Ungerechtigkeit miterleben müssen und beschließt Soldat und später Kaufmann zu werden. Sonam dagegen schlägt den Glaubensweg ein, wird Mönch im Kloster und später Rinpoche.

Das Buch ist in zwei Erzählstränge geteilt. Der eine spielt in der Vergangenheit und schildert Dorjees Lebensgeschichte. Der zweite spielt in der Gegenwart. Zwar geht es auch darin um Dorjee, jedoch rückt sein Freund Sonam eher in den Fokus, der ihn als Rinpoche auf seinem Weg nach dem Tod begleitet.

Auf den 240 Seiten erfährt man als Leser viel über die Geschichte Tibets, machthabende und teilweise machtmissbrauchende Adlige, den schwächer werdenden Glauben an den Buddhismus bzw. alte Riten und über den Krieg mit China. Dorjee durchlebt diese Geschichte als Soldat und steigert sich zum reichen Kaufmann. Die von ihm miterlebten Ungerechtigkeiten verhärten jedoch seinen Geist, was ihm sein Freund Sonam immer wieder aufzeigt. Die beiden treffen sich im Laufe ihrer Leben immer wieder. Als Dorjee stirbt, liest Sonam ihm das Bardo Thödol, um ihm zur Erlösung oder zumindest zu einer vorteilhaften Wiedergeburt zu verhelfen. Während Dorjees Geist durch das Traumbardo wandert, steht ihm Sonam stets zur Seite.

Mir fiel es anfangs schwer, mich auf die Geschichte einzulassen. Sie fließt gemächlich dahin, die Wortwahl ist sehr besonnen, die Begriffe anfangs noch fremd. Aber das gibt sich schnell. Und obwohl das Buch nicht mit großen Spannungsbögen dienen kann, hat es mich als Leserin doch kontinuierlich neugierig gehalten und nie gelangweilt. Es hat mich sogar tief beeindruckt und mir viel Anreiz zum Nachdenken gegeben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2020

Sommerkrimi am Meer

Mitten im August
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Auf Capri ist eigentlich nicht viel los. Inselpolizist Enrico Rizzi und sein Team haben eher mit Falschparkern und Diebstählen zu tun. Deshalb ist auch der Aufruhr groß, als an Capris Küste ein Mann, Jack, ...

Auf Capri ist eigentlich nicht viel los. Inselpolizist Enrico Rizzi und sein Team haben eher mit Falschparkern und Diebstählen zu tun. Deshalb ist auch der Aufruhr groß, als an Capris Küste ein Mann, Jack, in einem Ruderboot tot aufgefunden wird. Die Ermittlungen beginnen und immer wieder entstehen Rangeleien mit der Mordkomission in Neapel. Auch Rizzis Team ist kein eingelaufenes Getriebe und steht sich oft selbst im Weg.

Das Buch als solches ist schön anzusehen. Die, wie ich gelernt habe, Faraglioni-Felsen auf dem Cover kommen durch die Lackierung besonders gut zur Geltung. In den Umschlagsklappen sind hübsch gezeichnete Karten abgebildet, damit der Leser sich auf der Insel und dem Umland besser zurecht finden kann.

Die Themen des Buchs sind vielfältig. Neben der Polizeiarbeit hilft Rizzi seinem Vater auf dem Hof und setzt sich für biologische Ungezieferbeseitigung ein. Auch das Mordopfer Jack und seine verschwundene Freundin Sofia beschäftigen sich mit Umweltthemen. Beide sind Studenten der Ozeanologie und haben das Ziel, den Klimawandel aufzuhalten, indem sie mit ihrer Forschungsarbeit der Versauerung der Meere entgegenwirken.

Luca Ventura hält den Hauptfokus auf Rizzi gerichtet, schwenkt aber auch immer mal auf seine Kollegin Cirillo und in die Vergangenheit zur Freundin des Mordopfers, Sofia, und ihren gemeinsamen Erlebnissen.

Wenn ich das Buch einzeln betrachte, muss ich sagen, dass mir bei den einzelnen Charakteren noch mehr Story und Tiefe gefehlt hat, vor allem bei den Polizisten. Es wurde viel angedeutet, aber wenig ausgeführt. Die Beziehungen rund um Jack und Sofia mit ihren Familien ist mir deutlich klarer vorgekommen. Als Auftakt einer Reihe betrachtet, finde ich es jedoch vollkommen in Ordnung und wünsche mir nun eine Fortsetzung, um noch mehr zu erfahren. Aus den Fehden der Polizeibüros Insel/Festland lässt sich sicher noch was machen, die Kollegen können bestimmt noch enger zusammenrücken und die jeweiligen Backstories lassen sich mit Sicherheit auch gut einarbeiten.

Die anstachelnden Rückblenden zwischendurch und ein paar aufregende Ermittlungsmomente haben dem ganzen durchaus Spannung verliehen, auch wenn das Buch ansonsten sehr ruhig und gemächlich geschrieben ist. Es muss ja nicht jeder Krimi ein "Ich-lese-die-ganze-Nacht-durch-weil-es-so-spannend-ist"-Krimi sein. So passt er deutlich besser in meinen Tagesablauf und der Kaffeekonsum bleibt in Grenzen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2020

Traurige Story fürs Herz

Pandatage
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Danny hat ein Jahr zuvor gleich zwei geliebte Menschen verloren: Seine Frau Liz, die bei einem Autounfall ums Leben kam, und seinen Sohn Will, der neben ihr saß und überlebte, aber seither kein Wort mehr ...

Danny hat ein Jahr zuvor gleich zwei geliebte Menschen verloren: Seine Frau Liz, die bei einem Autounfall ums Leben kam, und seinen Sohn Will, der neben ihr saß und überlebte, aber seither kein Wort mehr gesprochen hat. Er arbeitet hart, um seiner Trauer aus dem Weg zu gehen und nebenbei genug Geld für Miete und Essen aufzutreiben. Als er seinen Job verliert und der Vermieter ihm wegen ausstehender Zahlungen droht, beobachtet er neidisch die gut verdienenden Straßenkünstler im Park, die sorglos ihre Performances zeigen. Völlig verzweifelt kauft Danny in einem Kostümverleih das billigste Kostüm und ist seitdem als Panda unterwegs. Durch einen Zufall beobachtet er, wie zwei Jungs seinen Sohn Will im Park schikanieren, geht dazwischen und gewinnt damit die Sympathie seines Sohns und seine ersten Worte seit über einem Jahr. Allerdings als Panda, nicht als Dad. Neben ein paar Knöpfen und Jelly Beans hat er auch noch überhaupt kein Geld eingenommen. Doch er gibt nicht auf.

Dieses Buch hat fabelhaft plakative Charaktere. Es gibt den humorvollen Verlierertyp Danny, seinen eingeschüchterten Sohn Will, eine freche Stripperin, Dannys Freund Ivan, der wie ein fieser Typ wirkt, aber eigentlich ein echter Teddybär ist, einen sehr netten Lehrer und den bösen Vermieter samt Schlägerkumpel. Allein diese Personen schaffen ein richtig tolles Setting.

Die Grundstimmung des Buchs erscheint anfangs traurig und tatsächlich hatte ich bei vielen Passagen Tränen in den Augen. Trotzdem beweisen alle Charaktere Stärke, Mut und Lebensfreude. Witzige Wendungen und humorvolle Dialoge bringen Schwung ins Buch. Die jeweilige Entwicklung der Charaktere und deren Beziehung zueinander ist fabelhaft nachvollziehbar.
Das Hauptaugenmerk liegt zwar auf Danny und seiner verzwickten Situation, aus der er sich herauszuarbeiten versucht, aber auch Wills Leben seit dem Unfall wird wunderbar beschrieben, was mir teilweise wirklich sehr zu Herzen ging. Die Trauer des Jungen ist im Buch am realistischsten umgesetzt.

James Gould-Bourn hat eine schräge, emotionale Story geschaffen, die sich ratzfatz verschlingen lässt und ein wohlig-warmes Gefühl im Bauch hinterlässt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.04.2020

Pflanzen sind wirklich erstaunlich!

Die unglaubliche Reise der Pflanzen
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...das stelle ich jedes Mal wieder fest. Vor allem vor diesem Buch von Stefano Mancuso habe ich teilweise mit fasziniert aufgerissenen Augen gehockt und gebannt seine Zeilen gelesen.

Wenn wir die Worte ...

...das stelle ich jedes Mal wieder fest. Vor allem vor diesem Buch von Stefano Mancuso habe ich teilweise mit fasziniert aufgerissenen Augen gehockt und gebannt seine Zeilen gelesen.

Wenn wir die Worte "Erdentstehung" und "Evolution" hören, dann denken wir zuerst an Dinosaurier oder die Darwin-Finken. Pflanzen spielen dabei kaum eine Rolle, weil sie für uns ganz selbstverständlich sind. Dem stellt der Autor nun dieses Buch entgegen.

Die Aufmachung ist fabelhaft. Hochwertiges Papier, wunderschöne Aquarelle (auch auf den Zwischenseiten) und ein Lesebändchen ist dabei.

Den Inhalt des Buchs bilden Kurzvorstellungen besonderer Pflanzen und was genau sie so besonders macht, aber auch, warum sie so geworden sind. Es geht beispielsweise um riesige, po-förmige Samen, um welche, die schwimmen können, sich durch Explosionen verbreiten oder auch nach tausenden von Jahren immer noch keimfähig sind. Es geht um anpassungsfähige Bäume, die der Trockenheit der Wüste mit tiefen Pfahlwurzeln trotzen oder sogar nach radioaktiver Strahlung wie in Hiroshima immer noch das blühende Leben sind.

Wir haben hier in Dresden die sogenannte "Splittereiche", dessen eine Hälfte im 2. Weltkrieg völlig zerfetzt wurde, aber immer noch genug (Widerstands-) Kraft besitzt, um weiter zu wachsen.

An mancher Stelle hätte ich mir eine Abbildung der Pflanzen oder der Samen gewünscht, anstatt noch einmal nachrecherchieren zu müssen, aber so konnte erstmal die Fantasie ihren Teil dazutun.

Gut fand ich, dass auch der Einfluss des Menschen hervorgehoben wurde, bespielsweise durch Ausrottung des Dodos und der mit ihm verbundenen Verbreitungsstrategie des Calvariabaums auf der Insel Mauritius, was also gleich doppelte Folgen nach sich zog.

Das Buch kann ich jedem Pflanzeninteressierten nur ans Herz legen, es sind Anekdoten, die mich wirklich begeistert haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.04.2020

Anschaulicher Geschichtsunterricht

Einfach alles!
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Den Geschichtsunterricht habe ich früher gehasst. Oft mussten wir Jahreszahlen auswendig lernen und uns die dazugehörigen Ereignisse merken, wovon ich absolut kein Fan war. Unser Unterricht war "ein bisschen ...

Den Geschichtsunterricht habe ich früher gehasst. Oft mussten wir Jahreszahlen auswendig lernen und uns die dazugehörigen Ereignisse merken, wovon ich absolut kein Fan war. Unser Unterricht war "ein bisschen hiervon und ein bisschen davon", ohne richtige Zusammenhänge. Wer mit den Zahlen auf Kriegsfuß stand, hatte verloren.

Dahingehend finde ich das Buch super. Es verfolgt eine chronologische Reihenfolge und bedient sich einer "24-Stunden-Uhr", auf der die Menschheitsgeschichte nur einen klitzekleinen Teil ausmacht. Natürlich startet das Buch deshalb mit dem Urknall, gefolgt von erstem Leben, Dinosauriern und irgendwann schließlich der Menschheitsentstehung. So können Kinder die Erdgeschichte gut begreifen: Am Anfang passiert erstmal ewig lang nix weiter, und dann plötzlich alles auf einmal. Wir Menschen sind nur ein klitzekleiner Bestandteil vom großen Ganzen, haben aber inzwischen massiven Einfluss auf den Planeten.

Die Gestaltung des Buchs ist grandios. Sehr schöne grafische Elemente, am äußeren Rand eine Gliederung durch Farbstreifen, um sich besser in den Abschnitten orientieren zu können, tolle Grafiken und teilweise Fotos (die für mich etwas aus der Reihe tanzen). An mancher Stelle hätten ein paar mehr Landkarten zum besseren Nachvollziehen beitragen können, aber es ist alles in allem sehr übersichtlich und verständlich.

Die ersten Kapitel fand ich sehr gut, weil ich mich für die Erdentstehungsgeschichte interessiere. Alles verfolgt einen gemeinsamen Weg. Ab Auftauchen der Menschen wurde es mir dann zu unübersichtlich. Hier überschlagen sich die Ereignisse: viele Kontinente, viele Völker, viele Kriege und Einzelpersonen, die wichtige Rollen gespielt haben. Da aber alles so gut aufgearbeitet wurde, hatte ich doch den ein oder anderen "ach, guck an"-Moment.

Größter Makel des Buchs: Die vielen Rechtschreibfehler, die hoffentlich in der zweiten Auflage ausgemerzt werden. Bis fast zum Schluss konnte ich großzügig darüber hinweglesen, aber als Hitlers Partei durch einen Buchstabenverdreher als "NDSAP" bezeichnet wurde, musste ich doch kurz mal tiiief durchatmen.

Fazit: Begleitend zum Geschichtsunterricht finde ich das Buch durchaus für Kinder interessant und zur Auffrischung der Allgemeinbildung auch für Erwachsene geeignet.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere