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Veröffentlicht am 31.07.2025

Page-Turner ohne Nachhall

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Puh, ich tu mich wirklich schwer, meine Gedanken zu diesem Buch in Worte zu fassen. Denn einerseits: Ich hatte definitiv Spaß beim Lesen. Unsere Protagonistin Sloane war mir von Anfang an sympathisch und ...

Puh, ich tu mich wirklich schwer, meine Gedanken zu diesem Buch in Worte zu fassen. Denn einerseits: Ich hatte definitiv Spaß beim Lesen. Unsere Protagonistin Sloane war mir von Anfang an sympathisch und ist mir im Laufe der Geschichte auch irgendwie ans Herz gewachsen. Und auch das Setting, vor allem im späteren Verlauf, hat mir richtig gut gefallen.

Und doch… ja, doch bin ich irgendwie nicht ganz reingekommen. Nicht in die Geschichte, nicht zu den Figuren. Es fühlte sich an, als würde ich ein Bild betrachten, das hinter einer dicken Glasschicht, auf den ersten Blick sehr hübsch ist, aber irgendetwas daran löst bei mir im Hinterkopf die ganze Zeit: „Da stimmt was nicht. Zu glatt, zu konstruiert!“ Rufe aus. So ein bisschen Uncanny Valley Effekt.
Versteht mich nicht falsch: Das Buch hat mich unterhalten. Es war spannend, stellenweise sogar ein echter Page-Turner, einfach weil ich unbedingt wissen wollte, was dahintersteckt. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich es in ein paar Wochen schon wieder vergessen habe. Es fehlte mir einfach an Atmosphäre, an Tiefe, an echtem Gefühl.
Was mir hingegen gut gefallen hat, war die Ich-Perspektive. Dadurch konnte ich Sloane und ihre Beweggründe, besonders die zu Lügen, sehr gut nachvollziehen. An manchen Stellen tat sie mir richtig leid, gerade wegen ihres mangelnden Selbstvertrauens, das mit ihrer Geschichte gut erklärt wird. Am liebsten hätte ich sie geschüttelt und dann gleich mit ihr zusammen einen Therapieplatz gesucht.
Die anderen Figuren, allen voran Violet blieben für mich dagegen blasser und weniger greifbar. Ihre Beweggründe, wenn auch vorhanden, weniger nachvollziehbar.

Und dann das Ende… keine Sorge, ich spoiler nicht, aber ich saß da wirklich nur noch mit dem Gedanken: Das würde doch nie im Leben funktionieren?! Vielleicht irre ich mich auch. Aber auch hier: wieder dieses Gefühl von „zu sehr gewollt“.

Unterm Strich: Ein unterhaltsames Buch, das sich locker weg liest. Wie wirklich gutes Fast Food, nicht der labbrige Kram, sondern das, bei dem man sich denkt: Boah, lecker! Aber eben trotzdem kein vollwertiges Gericht. Vielleicht keine Vollkornpizza mit extra Käse, aber ein sehr guter (veganer) Cheeseburger mit Pommes.
Empfehlenswert für alle, die im Urlaub (oder auch sonst) etwas Spannendes und Leichtes lesen wollen, ohne großen Tiefgang, ohne Grübelei. Einfach abschalten und mitfiebern.

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Wenn Reden heilt: Henry&Kate im Darlington

The Darlington - Henry & Kate
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„Ein Buch, in dem Probleme nicht künstlich aufgebauscht werden, sondern gelöst werden, weil Menschen miteinander sprechen. Genau das hat mich beim Lesen so befreit und berührt.“


Willkommen im „Darlington“ ...

„Ein Buch, in dem Probleme nicht künstlich aufgebauscht werden, sondern gelöst werden, weil Menschen miteinander sprechen. Genau das hat mich beim Lesen so befreit und berührt.“


Willkommen im „Darlington“ – Londons exklusivstem Hotel, in dem alle deine Träume wahr werden … vorausgesetzt, du hast genug Geld, um dir eines der luxuriösen Zimmer leisten zu können.
Hast du dieses Geld nicht? Tja, dann rümpfen die feinen Damen und Herren der Upper Class eher die Nase über dich und zerreißen sich hinter vorgehaltener Hand das Maul.
Kate könnte dem Darlington kaum ferner sein, als sie Henry Darlingtons (gutaussehend und der reiche, reiche, reiche Geschäftsführer des Darlington) Handy stiehlt. Doch sie tut das nicht grundlos, sondern aus schierer Not. Denn Kate ist obdachlos. Als Henry sein Handy ortet und damit auch Kate, beginnt eine unglaublich liebenswerte Geschichte zweier verlorener Seelen, die sich finden und (meistens) gut tun.

Laura Kneidl hat ihre Figuren mit viel Feingefühl gezeichnet. Soweit ich das beurteilen kann, wurden ihre jeweiligen Lebensrealitäten sehr authentisch abgebildet. Durch den immer wiederkehrenden Perspektivwechsel zwischen Henry und Kate (ein Kapitel Henry, dann eins Kate, mal zwei Henry usw.) kann man sich hervorragend in beide hineinversetzen. Es hat große Freude gemacht, ihnen bei ihrer jeweiligen Entwicklung zuzusehen (und ganz besonders große Freude ihre Chats zu lesen... Hach! If you knew, you knew!)

Hoch anrechnen möchte ich der Autorin, dass sie die vielen, vielen Klischee-Fallen, die auf dem Weg der beiden lauern, einfach nicht bedient. Oft kommt es überraschend dazu, dass ein erwartetes Problem gar nicht erst entsteht, weil die beiden (Achtung! keine Übung!) tatsächlich miteinander reden! Ja, ihr habt richtig gelesen: Die Protagonisten kommunizieren vernünftig miteinander. Das tut so gut, weil in Romanen viel zu oft künstliche Probleme entstehen, die man einfach hätte umgehen können, wenn man nur einmal innegehalten und miteinander gesprochen hätte.

Natürlich ist auch im Darlington nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen... Sonst wäre es (seien wir ehrlich) schlicht langweilig. Über die aufkommenden Stolpersteine und Probleme möchte ich hier aber nicht zu viel verraten. Die müsst ihr schon selbst entdecken.

Was ebenfalls mein Herz jubilieren ließ: Henry ist zu 95 % eine absolute Green Flag. Wie erfrischend zwischen all den drölfzig Millionen Bad Boys da draußen! Er hat getrunken und muss danach irgendwohin? Natürlich fährt er nicht selbst! Er hat Mist gebaut und sieht das ein? Dann kommt eine Entschuldigung! Er fragt nach, nicht nur oberflächlich, sondern um seinen Horizont zu erweitern. Wundervoll! (Und sollte irgendwie doch normal sein)

Kritik (auf hohem Niveau) habe ich dann aber doch noch: Stellenweise war es mir zu viel Heititei und „alles ist toll“. Da kam nicht so recht Spannung auf. Wenn ich im Lesefluss war, war es wundervoll, aber sobald ich das Buch zur Seite gelegt hatte, fehlte mir dieser Drang, unbedingt sofort weiterzulesen. Denn es war ja alles gut für die beiden zwischen den Seiten.

Alles in allem ein wundervolles Buch zum Eintauchen, perfekt für alle, die nicht den xten Bad Boy brauchen, um Kribbeln zu spüren, sondern Figuren lieben, die einander so behandeln, wie wir es uns selbst auch wünschen (und hoffentlich erleben).

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Veröffentlicht am 25.07.2025

Tränen, Tüll und Tiefgang

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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In Wedding People begleiten wir Phoebe Stone, Literaturprofessorin, die mit nichts weiter als einem grünen Seidenkleid, goldenen High Heels und dem festen Entschluss, ihrem Leben ein Ende zu setzen, im ...

In Wedding People begleiten wir Phoebe Stone, Literaturprofessorin, die mit nichts weiter als einem grünen Seidenkleid, goldenen High Heels und dem festen Entschluss, ihrem Leben ein Ende zu setzen, im Cornwall Inn eincheckt. Was sie nicht erwartet hat: Lila und ihre Hochzeitsgesellschaft und all die ungeplanten, zutiefst menschlichen Begegnungen, die dort auf sie warten.
Trotz des düsteren Ausgangspunkts hatte ich mit einem lockeren, vielleicht sogar chick-lit-artigen Roman gerechnet. So eine Geschichte, die man weg liest, weg legt, vergisst. Aber Wedding People hat mich überrascht. Und zwar mit einer Vielzahl an liebevoll gezeichneten, schrägen, schrulligen, warmherzigen Figuren, die sich nicht in Klischees pressen lassen und gerade dadurch sehr schnell mein Herz erobert haben.
Es wäre ein Leichtes gewesen, etwa bei Lila, der reichen, oft auch zickigen Braut, in stereotype Rollenbilder abzurutschen. Aber Espach schenkt selbst diesen Momenten Tiefe. Lila ist nicht „zickig“, weil das zur Rolle gehört, sondern weil sie ein echter Mensch ist, mit echten Emotionen und echten Ängsten. Auch wenn ihre Sorgen aus der Distanz vielleicht banal wirken (nicht jede*r kann sich mal eben eine 1 Millionen-Dollar-Hochzeit leisten), bleiben sie aus ihrer Perspektive nachvollziehbar.
Die Figuren tragen diese Geschichte.Sie bringen einen immer wieder zum Schmunzeln, zum Lachen, zum Nachdenken. Die Dialoge sind pointiert, voller kluger Beobachtungen über das Leben, die Liebe und, ja, auch über Gaumenreiniger (fragt nicht, lest es!) und haben mich mehr als nur das ein oder andere Mal zum Lachen gebracht.
Es passiert nicht häufig in Büchern, dass ich vergesse, dass diese Menschen so nicht existieren, aber hier bin ich fast überzeugt, dass ich nur in den Flieger steigen müsste um sie alle im Cornwall Inn zu treffen.

Einzig die Rückblenden in Phoebes Vergangenheit wirkten für meinen Geschmack etwas zu lang, ich hätte der Gegenwart gern noch mehr Raum gegeben. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Und, oh man Leute, es gab wirklich so viele kluge Betrachtungen in dem Buch, dass ich für mich sehr viel daraus mitnehmen konnte. Aus einem Roman!

Wedding People ist kein wirklicher Liebesroman. Und trotzdem steckt darin eine zarte, berührende Liebesgeschichte, zu anderen, zu all den Menschen die man trifft und für einen kurzen Moment in sein Leben lässt und zu sich selbst. Vor allem aber eine über Selbstakzeptanz. Darüber, wie es ist, sich selbst nach einem Zusammenbruch langsam wieder (oder überhaupt zum ersten Mal) Lieben zu lernen.

Ein perfektes Sommerbuch für alle die gerne ein bisschen mehr möchte als seichte Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Vom Flüstern der Vergangenheit und der Kraft, sich selbst zu finden

Evil Eye
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Ein Echo, das nicht verhallt – über das Nachwirken einer leisen Stimme

Meine Meinung: 4,5


In „Evil Eye“ von Etaf Rum (Pola Verlag) begleiten wir Yara, die in New York als erstes Kind palästinensischer ...

Ein Echo, das nicht verhallt – über das Nachwirken einer leisen Stimme

Meine Meinung: 4,5


In „Evil Eye“ von Etaf Rum (Pola Verlag) begleiten wir Yara, die in New York als erstes Kind palästinensischer Einwanderer geboren wurde. Sie ist inzwischen verheiratet und hat selbst zwei Töchter.
Doch immer wieder spürt Yara ein Störgefühl, ein leises Unbehagen, das sie zunächst nicht genau benennen kann.
So beginnt eine Geschichte über die Suche nach Sinn, nach Liebe, Anerkennung und Yaras Platz im Leben.
Eine intensive Charakterstudie entfaltet sich, die uns immer tiefer in Yaras Welt hineinzieht und lange nachhallt.
Etaf Rum scheut kein Thema: familiäre Traumata, Glaubenssätze aus der Kindheit, Erwartungen von außen und auch jene, die wir selbst an unser Leben stellen. Auch die Erkenntnis, dass wir unseren eigenen Ansprüchen nicht immer gerecht werden, wird sensibel behandelt.
Durch Tagebucheinträge, die geschickt als Zwischenkapitel eingeflochten sind, entdecken wir nach und nach Yaras Vergangenheit und damit auch die Wurzeln ihres inneren Konflikts.

Es ist ein intensives Buch, das sich nicht davor scheut, unangenehme Fragen zu stellen.
Wer sind wir, wenn wir zwischen zwei Kulturen aufwachsen? Was bedeutet es für uns, wenn frühere Generationen ihre Traumata nicht verarbeitet haben? Und wie gelingt es uns, diesen Kreislauf zu durchbrechen für uns selbst und für unsere Kinder?
Und wie können wir für uns und für unsere Kinder genau diese Dinge aufarbeiten, den Kreislauf durchbrechen, das alte hinter uns lassen und daraus etwas Neues, etwas Gutes entstehen lassen?
All diese Fragen verhandelt Etaf Rum in Yaras Geschichte – leise, eindringlich und schonungslos ehrlich.
Ich selbst habe das Privileg, dass meine Eltern nicht fliehen mussten, kein neues Leben in der Fremde aufbauen mussten (und was für ein verdammtes Privileg das ist!), sodass ich mich nie zwischen zwei Kulturen zerrissen fühlte. Umso wichtiger finde ich, dass man sich mit der Lebensrealität andere Menschen auseinander setzt.
Und trotz unterschiedlicher Lebensbedingungen konnte ich mich in vielen Momenten tief mit Yara identifizieren, was das Lesen umso intensiver und heilsamer gemacht hat.
Vielleicht war es einfach das richtige Buch zur richtigen Zeit. Wer weiß, aber was auch immer es war: es war genau richtig.
Einen halben Stern ziehe ich ab, weil sich manche Aspekte wiederholten. Natürlich ist es realistisch, dass persönliche Entwicklung kein geradliniger Prozess ist. Trotzdem wirkte es stellenweise etwas redundant, das ist aber wirklich nur ein kleiner Kritikpunkt.

Etaf Rums Roman ist kein lautes, kein reißerisches Buch, sondern ein leises, aufwühlendes. Es schreit nicht, es flüstert. Und dieses Flüstern hallt nach, als feine Gänsehaut auf der Haut,als jedes Härchen, dass sich beim Lesen aufstellt, als Echo einer Realität, die uns für einen Moment ganz nah kommt. Und warum so intensiv? Weil wir den Hauch der Realität eines anderen Menschen spüren, fühlen, erleben, der mit jedem Wort in unser Ohr gesprochen wird.
Ein Buch, das Augen öffnet.

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Zwischen Baum und Meeresschaum

Amphibium
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Ein Roman über die Schrecken und Wunder des Frauwerdens.
Über das Erwachsenwerden in den 90ern, über Selbstentdeckung, Fremdbestimmung und die Rollen, die wir von der Gesellschaft aufgezwungen bekommen ...

Ein Roman über die Schrecken und Wunder des Frauwerdens.
Über das Erwachsenwerden in den 90ern, über Selbstentdeckung, Fremdbestimmung und die Rollen, die wir von der Gesellschaft aufgezwungen bekommen und glauben spielen zu müssen.
Wer bist du als Mädchen? Wer sollst du als Frau sein?
Bist du Daphne, die sich in einen Baum verwandelt, weil sie zu sehr „geliebt“ wurde? Oder eher die kleine Meerjungfrau, die zu Meeresschaum wird, weil sie zu wenig Liebe erfährt? Und vor allem: Wo dazwischen WILLST du stehen?

In Amphibium verwebt Tyler Wetherall all diese Fragen mit stiller Kraft, poetischer Genauigkeit und psychologischem Tiefgang. Sie erzählt mit einer zarten, fast schwebenden Sprache von Sissy, der Protagonistin, und Tegan, einem Mädchen, mit dem sie nach und nach Freundschaft schließt. Beide tragen ihre Lasten, beide hüten Geheimnisse.
Klug, mal leise, mal laut verwebt Wetherall die Schrecken des Erwachsenwerdens gekonnt mit den Träumereien der Kindheit.
Dabei behandelt sie diese Themen so sensibel und eindringlich, dass ich fast glaube, man könnte dieses Buch auch Onkel Otto beim nächsten Familientreffen in die Hand drücken und -so denn er es wirklich lesen würde-, würde er unter der Last der Erwartungen an junge, verletzliche Mädchen leise schluchzend auf dem Teppich zusammensinken. Das Taschentuch fest an die behaarte Männerbrust gepresst..

Die Figuren sind so lebendig, so fein gezeichnet, dass ich fast glaubte, irgendwo in Südwestengland, in einem Dorf in den 90ern, könnten sie wirklich gelebt haben nicht nur zwischen den Seiten dieses Romans und wer weiß vielleicht erklingt ihr fröhliches Mädchenlachen noch heute in den Wäldern, zwischen Moosen und wilden Bachläufen. Zu wünschen wäre es ihnen irgendwie schon.
Auch die Nebenfiguren bleiben nicht bloßes Beiwerk. Jede einzelne Figur hat Tiefe, Gewicht und Bedeutung.
Wetheralls Stil ist betörend: ein Pendel zwischen Melancholie, Aufbruch und jener besonderen Schwermut, wie sie nur ein Mädchen kennen kann, das gerade an der Schwelle zur Frau steht.

Vielleicht hat es mich deshalb so sehr getroffen: Die Figuren und ich teilen das Geburtsjahr. Die Zeit war dieselbe, der Zeitgeist sowieso: Star-Schnitte an den Wänden, MSN-Chats (bei mir deutlich harmloser), Fotoshootings mit der Einwegkamera in Kleidern aus dem Fundus der Mutter, dazu das übergroße Gefühl, erwachsen zu sein. Sexy zu sein. Und gleich danach: Scham! Schuld! Verlegenes Kichern! Und die Frage: sexy, aber für wen? Was bedeutet es überhaupt und will ich männliche Blicke auf mich ziehen? Aber alle sagen, wenn du Männern gefällst ist das gut und wenn alle das sagen...
Auch das ist eine der großen Stärken dieses Buches: Amphibium ist durch und durch feministisch. Die Kritik am Patriarchat ist spürbar, nicht plakativ, sondern tief in die Sprache und Struktur verwurzelt. Vieles schmerzt beim Lesen, gerade wenn man selbst so groß geworden ist. Aber alles daran ist notwendig.

Kein leichtes Buch, vieles ist nur schwer zu ertragen. Gerade aus erwachsener Perspektive. Das sollte man vor dem Lesen bedenken.
Ein Buch für alle, die wissen wollen, wie es sich anfühlt, vom Mädchen zur Frau zu werden. Und für alle, die sich wieder daran erinnern wollen.
Für die Mutigen und die Träumer.
Für alle, die sich gefragt haben: Was möchte ich sein? Baum oder Meeresschaum? Und warum scheint es für uns Mädchen dazwischen nichts zu geben?

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