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Veröffentlicht am 22.07.2021

Auf die Probe gestellt

Erben wollen sie alle
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Erben wollen sie alle ein Unterhaltungsroman von Tessa Hennig (Ullstein Verlag)

Ich liebe die Geschichten von Tessa Hennig. Das Buch mit dem passendem Cover reiht sich perfekt in ihre Unterhaltungslektüre ...

Erben wollen sie alle ein Unterhaltungsroman von Tessa Hennig (Ullstein Verlag)

Ich liebe die Geschichten von Tessa Hennig. Das Buch mit dem passendem Cover reiht sich perfekt in ihre Unterhaltungslektüre ein. Er ist für mich zwar nicht der allerbeste Roman der Autorin, doch ein lesenswerte, themenreiche Geschichte mit möglichen Alltagssorgen einer Familie allemal. Verwöhnt von „Alles außer Austern“ und „Nie wieder Amore“ habe ich mich in Biancas Welt gestürzt. Die Lokation ist, wie gewöhnt, wunderbar beschrieben und lässt Urlaubssehnsüchte aufkommen. Das Wissen und der unverfängliche Ton über Land und Leute liest sich wunderbar. Ganz nebenbei erfährt man geschichtliche, kulturelle und kulinarische Details über die Insel. Das zeugt von einer sehr guten Recherche rund um Mallorca.

Die Gedanken und Gefühle der Protagonisten sind ausgezeichnet in die Geschichte eingebaut. So kann man Stück für Stück deren Reaktionen und Beweggründe nachvollziehen. Bianca mit ihren Ecken und Kanten sowie ihre vorlaute aber liebenswerte Enkelin erwärmten mein Herz an der ein oder anderen Stelle. Die Probleme und Themen im Buch sind geradezu aus dem Leben gegriffen und werden teils überspitzt in Szene gesetzt. So sind die habgierigen Erben und anspruchsvollen Kinder Biancas sofort zur Stelle, als sich die Möglichkeit ergibt, etwas abzustauben. Doch sie haben die Rechnung ohne die Wirtin gemacht, die noch recht lebendig ist und weit andere Interessen verfolgt, als ihre bucklige Verwandtschaft mit ihrem Geld sowie ihrem Hab und Gut zu versorgen. Sohn Steffen und Tochter Anja sehen ihr Erbe in Gefahr und müssen handeln. Aber Bianca hat da ganz andere Pläne.

Fazit: Mir gefällt der leichte Schreibstil der Autorin immer wieder. In der humorvollen oft emotionalen Handlung steckt eine Portion Ernst ohne zu tiefgründig daher zu kommen. Die Problematik der Pflege, Demenz und Sorgen rund um das Älterwerden finden Raum zwischen den lustigen Stellen. Auch hier bestückt die Autorin ihre Ü60-Ü70 Figuren mit einer gehörigen Portion Esprit und Optimismus, sodass es nie schwermütig, sonders leichtfüßig zur Sache geht.
Eine perfekte, leichte Unterhaltungs- und Urlaubslektüre! Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Gerade in der Reisezeit ein angesagtes Buch!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.06.2021

Die Welt der Addie Laurie

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue
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Das unsichtbare Leben der Addie LaRue ein Roman von V.E. Schwab aus dem Amerikanischen übersetzt von Petra Huber und Sara Riffel, erschienen bei FISCHER Tor

Jetzt steht sie auf keiner steilen Anhöhe, ...

Das unsichtbare Leben der Addie LaRue ein Roman von V.E. Schwab aus dem Amerikanischen übersetzt von Petra Huber und Sara Riffel, erschienen bei FISCHER Tor

Jetzt steht sie auf keiner steilen Anhöhe, keinem Abhang, und trotzdem spürt sie, wie sie das Gleichgewicht verliert. Und dann erklingt Esteles Stimme in der Dunkelheit. Wie läuft man zum Ende der Welt?, fragte sie einmal. Und als Addie es nicht wusste, lächelte die alte Frau ihr runzliges Lächeln und antwortete. Einen Schritt nach dem anderen. S.107/108

Die Geschichte gestaltet sich in Zeitsprüngen, wobei mir die Episoden aus der Vergangenheit besonders gut gefallen haben. Der Plot an sich ist unheimlich spannend und steigert die Vorfreude auf die kommende Geschichte.
Die Hauptprotagonistin Addie ist eine besondere Figur in verschieden Zeiten und an verschiedenen Orten. Ihre Entwicklung finde ich gut umgesetzt. Der Wandel ihrer Gefühle und der Umgang mit der ganzen Situation sind durchaus nachvollziehbar.
Den dunklen Part im Buch verkörpert Luc. Er faszinierte mich erschreckenderweise von Anfang an. Ich war neugierig auf seine wahren Beweggründe und wie letztendlich alle Fäden zusammenlaufen werden.
Eine weitere Figur, Henry blieb für mich unscheinbar und wenig greifbar. Richtig erwärmen konnte ich mit nicht für ihn. Er ist in der Geschichte sehr mit sich selbst beschäftigt. Außerdem umgibt ihn ein Geheimnis was es aufzudecken gilt.
Die Autorin hat sich bemüht, die Charaktere ihrer Protagonisten und ihr Gefühlsleben hinreichend zu beleuchtet. Trotzdem blieb gerade Henry blass und oberflächlich. Er selbst ist nicht die große Figur im Roman und ist mir etwas unsympathisch geblieben.
Die Einflechtung realer Persönlichkeiten finde ich besonders gelungen und gibt dem Roman noch einmal einen besonderen Touch.
Mir gefällt der Schreibstil von V.E. Schwab im allgemeinen recht gut. Die Gefühle und Emotionen werden zum Leser transportiert. An manchen Stellen packte mich die Atmosphäre besonders, so z.B. als Addie den Pakt mit den dunklen Mächten eingeht oder Luc immer wieder gekonnt die Stirn bietet. Oder, als sie ihre Situation zu begreifen beginnt, von ihren Bekannten und Lieben nicht mehr erkannt zu werden, fühlte ich mit ihr.
Die Sache mit der GBTQ-Community muss für mich in einem Buch nicht unbedingt zur Sprache kommen. Ehrlich gesagt meide ich solche Lektüre. Ich habe keine Vorurteile, vielleicht bin ich dafür schon zu alt. Das Thema ist halt auch im wahren Leben da und alles muss immer irgendwie ausdiskutiert, beleuchtet und rechtfertigt werden. Vielleicht nervt mich das einfach. In meinem Lesestoff darf so etwas gern fehlen! Aber die jüngere Generation sieht das vielleicht anders?!
Die Kunst bekommt einen besonderen Stellenwert im Buch. Wie die einzelnen Kunsträume beschrieben sind fand ich wunderbar. Addie schafft es endlich, mit Henrys Hilfe, Spuren zu hinterlassen und das auf eine ganz besondere Art und Weise, eine tolle Idee!
Das Ende war unheimlich berührend, auch wenn man geahnt hat dass zwischen Addie und Luc eine intensivere Verbindung besteht, wird man sich der Tragweite am Ende erst richtig bewusst.
Es gab so viele berührende Szenen und es ist durchaus ein spannendes Buch. Trotz der leisen Töne kommen emotionalen Episoden wuchtartig und bereiten Herzklopfen beim Lesen. Trotzdem empfand ich gewisse Längen und hatte an manchen Stellen Schwierigkeiten an der Geschichte dranzubleiben.

Fazit: Das war mein erster Roman, den ich von dieser Autorin gelesen habe. Ich bin hin- und hergerissen. Die Erwartungen waren, nach vorangegangenem Lob, sehr hoch. Ganz erfüllen konnte die Lektüre meine Vorfreude und Erwartungen nicht. Luc ist für mich der eigentliche Held und stärkste Charakter des Romans. Von ihm hätte ich gern noch mehr gelesen. Drei gute Sterne, da ich lesetechnisches Durchhaltevermögen brauchte und ab und an die Spannung auf der Stecke blieb. Und einfach zu wenig Luc! Trotzdem regt der Roman zum Nachdenken an und ist ein gelungener Ausflug in eine Fantasie-Welt mit Love-Faktor.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.06.2021

Ein tolles Buch über eine mutige, lebensbejahende Frau

Ein Meer aus Licht und Farben
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Ein Meer aus Licht und Farben: Mein Neubeginn in Südschweden (Sehnsuchtsorte, Band 14) Sylvia B. Lindström Eden Books

Ich mag die Bücher dieser Reihe rund um die Sehnsuchtsorte aus dem Eden Books Verlag ...

Ein Meer aus Licht und Farben: Mein Neubeginn in Südschweden (Sehnsuchtsorte, Band 14) Sylvia B. Lindström Eden Books

Ich mag die Bücher dieser Reihe rund um die Sehnsuchtsorte aus dem Eden Books Verlag sehr gern. Es ist immer spannend den Blickwinkel auf ein unkonventionelles Leben und offene, andere Ansichten zu lenken. Auch die Geschichte von Sylvia B. Lindström inspiriert zu mehr Farbe im Leben.
Der Leser darf eine mutige Frau ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten. Sylvia startet 1992 einen Neubeginn in Schweden, einem fremden Land, welches sie aus den Kinderbüchern von Astrid Lindgren kennt. Inspiriert von ihrem Kindheitstraum lässt sie, nach einer gescheiterten Beziehung, Deutschland hinter sich. Mit ihrem 3 jährigen Sohn Hauke im Gepäck wandert sie aus.

„Wir bleiben in Schweden, solange es uns dort gefällt“, sagte ich, und in diesem Sinne machten wir uns voller Unternehmungslust und Neugier auf den Weg. (S.28)

Die anfänglichen Euphorie muss den alltäglichen kleinen und großen Unwegsamkeiten und der blanken Realität Platz machen. Trotz dieser lokalen und behördlichen Hindernisse schafft es Sylvia ihre positive Lebenseinstellung und ihre optimistische Sichtweise beizubehalten. Mehr noch, nach dieser Ernüchterung, findet sie einen Ort, an dem sie glücklich sein kann und an dem ihr Sohn naturnah aufwachsen kann. Voller Tatendrang und Kreativität stürzt sie sich in ihr schwedisches Leben.
Neben der Lebensgeschichte erfährt man viel über Schweden und, die für Silvia liebgewordene Region Öland sowie die schwedische Mentalität, die Gewohnheiten und die Leute selbst. Die einzelnen Episoden haben mir sehr gut gefallen. Auch der Bezug und die Liebe zur Natur und den Pferden kommt nicht zu kurz.

Das Buch mit dem wunderbaren Titel und passenden Cover liest sich flott weg und hat mir richtig gut gefallen. Die lebensbejahende Grundstimmung und mutzusprechende Einstellung nehme ich für mich mit: Lebe deinen Traum, auch wenn dir so manches Hindernisse vor die Füße geworfen wird! Lächle und betrachte das Leben von seiner positiven Seite! Zufriedenheit und Kreativität helfen jeden Tag von seiner sonnigen Seite zu sehen. Das Leben ist bunt und noch etwas bunter in Schweden, dank der kleinen schwedischen Holzpferde. Danke liebe Sylvia für diesen Ausflug in ein Land unsere Kindheitsträume!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2021

Eine Liebe zwischen 1947 und 2019

Fritz und Emma
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Fritz und Emma ein Roman von Barbara Leciejewski (Ullstein Verlag)

Emmas Vater, der sich die ganze Zeit über zusammengerissen hatte, schluchzte zum ersten Mal auf. Fritz wandte sich ihm zu und ergriff ...

Fritz und Emma ein Roman von Barbara Leciejewski (Ullstein Verlag)

Emmas Vater, der sich die ganze Zeit über zusammengerissen hatte, schluchzte zum ersten Mal auf. Fritz wandte sich ihm zu und ergriff stumm seine beiden Hände, und ebenso stumm und dankbar schüttelte Emmas Vater seine.
Und schließlich, als ihr Vater ihn losließ, blickte Fritz zum ersten Mal seit damals Emma in die Augen. S.176

Einer tragischen Liebe versucht die Frau des neuen Pfarrers, Marie in dem kleinen Ort Oberkirchbach auf den Grund zu gehen. Was 1947 als große Liebesgeschichte begann, entpuppt sich in der Gegenwart 2019 als frostiges Nebeneinanderher-Leben zweier altgewordener Protagonisten mit desolatem Gefühlsleben. Siebzig Jahre liegen zwischen dem letzten Wort, was Emma und Fritz zuletzt miteinander gewechselt haben. Noch erstaunlicher ist, dass sie in ein und demselben Dorf jeweils am anderen Ende ihr Zuhause haben.

Was geschehen ist wird in einer warmherzigen und aufwühlenden Geschichte erzählt.
Die Autorin verbindet die beiden Erzählebenen gekonnt miteinander und findet in dem flüssigen Schreibstil passende Worte, die das Lesen vergnüglich gestalten. Über die ein oder andere Länge wird hinweggelesen, wobei der Charme des Dorflebens zu keinem Zeitpunkt auf der Strecke bleibt. Die vielen kleinen Geschichten im großen Kontext dominieren den Erzählfluss und schaffen zusammen mit den angenehmen Figuren eine wundervolle Geschichte. Leise Töne bestimmen den Text und wechseln sich zwischen euphorisch verliebt über mitreißend und tieftraurig, tragisch ab. Barbara Leciejewski steht für eine Bandbreite an Gefühlen und erzählt die Geschichte von Fritz und Emma in gewöhnt leiser und emotionaler Vielfalt.

Fazit: Mir hat der neue Roman der Autorin gefallen. Eine Erzählung von Schicksal, Liebe und Freundschaft, empfehlenswert und lesenswert!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.03.2021

Nichts ist mehr so, wie es einmal war

Abels Auferstehung
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Abels Auferstehung ein Kriminalroman von Thomas Ziebula (Wunderlich Verlag)

„Und was willst du hier?“ „Dich abholen, Paul, was sonst?“ Junghans lächelte müde. „Ob du es glaubst oder nicht: Es gibt Arbeit.“

Anspruchsvolle ...

Abels Auferstehung ein Kriminalroman von Thomas Ziebula (Wunderlich Verlag)

„Und was willst du hier?“ „Dich abholen, Paul, was sonst?“ Junghans lächelte müde. „Ob du es glaubst oder nicht: Es gibt Arbeit.“

Anspruchsvolle Aufgaben und Ermittlungen warten auf den Kriegsrückkehrer und Kriminalinspektor der Leipziger Wächterburg Paul Steiner in seinem neuen, alten Leben. Ein Maler aus Heidelberg wurde im Hotel Fürst Bismarck ermordet aufgefunden. Dabei hat Steiner eigentlich schon genug Tote für ein ganzes Leben gesehen. Doch trotz der Leichen, die sein Beruf nun mal mit sich bringt, braucht er die Arbeit in der Kriminalabteilung wie die Luft zum Atmen. Und es bleibt nicht bei diesem einen Verbrechen. In Anbetracht der verborgenen Zusammenhänge ist jetzt die Suche nach dem Motiv und dem Mörder entscheidend.

Kriminalistische Unterstützung bekommt Paul von seinen Kollegen, Junghans, Kupfer und Co. Doch nicht nur Freundlichkeit und Teamgeist bestimmen seinen Alltag. Gegenwind weht ihm in Form seines mürrischen und spitzfindigen Vorgesetzten Kasimir und dessen Handlanger Heinze entgegen. Dabei scheint ihm auch seine Vergangenheit wieder in die Quere zu kommen. Denn desaströse Erfahrungen und unvorhergesehene Schicksalsschläge haben tiefe Spuren auf Steiners Seele hinterlassen. Er kämpft mit seinen vergangenen Dämonen und versucht dabei irgendwie die Kurve zu kriegen.

Thomas Ziebula erzählt in Abels Auferstehung eine komplexe, anspruchsvolle Kriminalgeschichte. Zur Freude der Leser, denn schwerlich erkennt man die Zusammenhänge der verschiedenen Mordfälle und Geschichten hinter den Taten.
Die atmosphärisch und stilistisch hervorragend vorgetragene Handlung füllt die Buchseiten mit Leben. Mit gezielten Handlungsunterbrechungen an spannendster Stelle am Ende fast jeglicher Kapitel gelingt es ihm ein „unbedingt-weiterlesen-Gefühl“ zu erzeugen. Die große Kunst den Bücherwurm bei Laune zu halten ist Thomas Ziebula mit diesem Roman mehr als gelungen.
Neben der eigentlichen Krimihandlung spielt der historische Aspekt eine markante Rolle. Man bekommt ein stimmiges Bild vom vergangenen Leipzig dank der interessanten und lebendigen Erzählweise. Der Autor glänzt mit einer hervorragenden Recherche und fundierten Basis über die Ereignisse jener Zeit.
Die Randgeschichten der Leipziger fließen gekonnt in die Erzählung ein. Er überzeugt mit seinen individuellen, facettenreichen Figuren, die einem ans Herz wachsen oder die man einfach nur zum Teufel scheren möchte.

Fazit: Ein spannender Krimi Anfang der 20iger Jahre in toller Aufmachung! Der 2. Teil kann unabhängig vom ersten Kriminalfall „Der rote Judas“ gelesen werden. Trotzdem sollte man sich den ersten Steiner nicht entgehen lassen, denn auch dieser Fall ist spannend bis zur letzten Seite und verspricht glänzende Krimiunterhaltung. Ich rate dringend zu einer unbedingten Leseempfehlung! Ich freue mich auf den hoffentlich baldigen 3. Paul Steiner!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere