Profilbild von dogjack2016

dogjack2016

Lesejury Profi
offline

dogjack2016 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit dogjack2016 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.03.2019

Für mich zu wenig Farbe

Die Spiegelreisende
1 0

Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters der Auftakt einer Serie, ein Fantasyroman von Christelle Dabos aus dem Französischen übersetzt von Amelie Thoma, erschienen im Insel Verlag
Die Erde zerschlagen ...

Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters der Auftakt einer Serie, ein Fantasyroman von Christelle Dabos aus dem Französischen übersetzt von Amelie Thoma, erschienen im Insel Verlag
Die Erde zerschlagen in 21 Archen, wie Inseln schweben sie im Himmel, eine fantastische Welt. Eine dieser Archen ist Anima. Dort lebt Ophelia, die scheue, unscheinbare, farblose Hauptprotagonistin mit den abgetragenen Klamotten, einer Brille, hinter der sie sich gern versteckt und ihrem dreifarbigen, schlafenden Schal. Ophelia kann durch Spiegel "reisen" und die Geschichte von Gegenständen mit ihren Händen "lesen". Sie lebt zusammen mit ihrer Familie auf dieser friedlichen Arche, wo Gebäude und Möbel ein Eigenleben führen und ihre Launen lautstark kundtun. Mit der bevorstehenden Verlobung eines ihr fremden, adeligen Mannes, Monsieur Thorn, vom eisigen Pol, endet ihre geliebte Aufgabe im hiesigen Museum und ihr Leben auf Anima. ...
Ich habe die rund 50ig seitige Leseprobe verschlungen und war fasziniert von dem unglaublichen Ideenreichtum der Autorin. Der flüssige, spannende Schreibstil erweckte eine fantastische Welt zum Leben, die ich mir ein ums andere Mal noch bildhafter gewünscht hätte. Im Mittelpunkt steht eine durchweg sympatische Protagonistin, an eine graue Maus errinnernd und doch interessant mit reichlich Potential zur Entfaltung ihrer Fähigkeiten. Doch mit der Ankunft und Auftauchen des Luftschiffs der Arche Pol und des eisigen Thorns, zieht eine gewisse Düsternis in die Geschichte ein. Thorn als unnahbarer, herrischer und unangenehmer Charakter steht im größtmöglichen Gegensatz zu Ophelia. Im Laufe der Geschichte ist keine Entwicklung der Beziehung der beiden Verlobten zu verzeichnen und plätschert so vor sich hin. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht. Auch wird die Auserwählte, Ophelia hinsichtlich ihres neuen Leben und ihrer Aufgabe im Regen stehen gelassen. Ihr wird Angst gemacht und das Leben wird ihr durch feindselige Intrigen und Lügen ihrer zukünftigen Familie schwer gemacht. So weiß sie nach kurzer Zeit nicht mehr, wem sie noch trauen kann. Die Nebenfiguren sind fantasievoll erdacht und doch recht einfach gehalten. Im Ganzen wirken die Konflikte der Protagonisten teils unrealistisch und konstruiert. Manche Passagen sind einfach zu kurz und es fehlt der nötige Esprit, andere, wenige Situationen wirken künstlich in die Länge gezogen.
Fazit: Das Buch kommt mit einem wunderschönen, passenden Cover daher. Die Kapitel haben eine angenehme Länge und die Zeilen von Christelle Dabos lesen sich angenehm und schnell. Meine Erwartungshaltung nach der Leseprobe war sehr hoch und konnte leider nicht durchweg gehalten werden. Die Autorin hat mit diesem Auftakt eine magisch düstere Welt erschaffen. Leider bin ich mit den Protagonisten, vor allem Thorn nicht warm geworden. In der Geschichte zeichnet sich keine positive Entwicklung ab, einzig Ophelia, nachdem sie immer wieder einsteckt, findet ihren Weg in der intriganten Welt. Spannung baut sich durchaus auf, doch fehlt es mir an Tiefe und einleuchtenden Erklärungen für Verhalten und bestimmte Sitiationen. Vielleicht erschließt sich das in den Nachfolgebänden (siehe Covervorschau im Anhang)? Den Bezug laut Werbung zu Harry Potter finde ich mehr als fehl am Platz. Die Erwartungshaltung kann hier nicht erfüllt werden. Die Autorin hat etwas ganz Neues, Anderes erschaffen und dies sollte auch gewürdigt werden. Ich vergebe 3 sehr gute Punkte und wünsche mir im 2. Band mehr Helligkeit.

Veröffentlicht am 03.07.2018

Zerbrechliche Machtbalance

Das Mätressenspiel
1 0

"Das Mätressenspiel", welch passender Titel für den neuen historischen Roman von Martha Sophie Marcus (Bastei Lübbe Taschenbuch).
Hannover, 1682: Die Frauen von Minnigerode stehen hier im Mittelpunkt. ...

"Das Mätressenspiel", welch passender Titel für den neuen historischen Roman von Martha Sophie Marcus (Bastei Lübbe Taschenbuch).
Hannover, 1682: Die Frauen von Minnigerode stehen hier im Mittelpunkt. Allen voran die junge Helena. Mit dem Tod ihres Bruders verlieren sie und ihre Mutter ihre gesamte Existenzgrundlage. Das Gut der Familie und sämtliche Privilegien gehen an ihren Onkel Roderick über. Dem Unglück folgend, löst ihr Verlobter die zugesagte Verbindung. Helena steht vor dem Nichts. Entgegen ihrem Naturell bittet sie Herzogin Sophie um die Aufnahme als Hofdame an den Hof
Braunschweig/Lüneburg mit zukünftigem Erfolg auf eine gute Partie und angemessener Absicherung. Die Steine, die ihr dabei in den Weg gelegt werden, lassen sie stolpern und bringen sie fast zu Fall. Ausgerechnet Clara von Platen, die mächtige Mätresse des Herzogs und die Herzogin persönlich verstricken Helena in ein skrupelloses Intrigenspiel. Beide bedienen sich ihrer Not. In diesem vergifteten Idyll gibt es hinter den Kulissen fleißige Hände, die die herzögliche Perfektion am Leben erhalten. Allen voran Floriano Piras, ein Gärtner, der den architektonisch-botanischen Traum von Herzogin Sophie in die Realität umzusetzten versucht. Dank des bildhaften Schreibstils von Martha Sophie Marcus nimmt die grüne Oase Gestalt an und diese bezaubernden Gärten erwachen zum Leben. Dieser einzigartigen Federführung ist es zu verdanken, dass der Glanz und Pomp, die schillernden Charaktere und deren Umfeld in farbenfrohen Bildern durch den Kopf des Lesers ziehen. Gefangen in dem Rausch der Ereignisse, fühlt man sich den Figuren so nahe, als wäre man ein Teil dieser blumigen Gesellschaft. Diese historische Euphorie liest sich anspruchsvol lund leicht dahin. Die Einblicke in die Gegebenheiten des Hoflebens haben mich fasziniert und waren hoch interessant. Spannende Wendungen im flotten Tempo runden das Leserlebnis ab. Am Ende des Buches findet sich ein Nachwort zu Wahrheit und Fiktion, ein hilfreiches Personenregister sowie ein Glossar mit französischen Gepflogenheiten.

Fazit: Die Autorin hat mit Helena und ihrer Geschichte eine mutige, selbstbewusste Protagonistin geschaffen. Ausgeliefert, kämpft sie gegen die Enklaven der Männlichkeit, entgegen der Obrigen mit ihren strikten Gesetzen mit der ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, wird zum Spielball der Macht und schöpft Kraft aus der Chance auf einen Neuanfang. Zwischen Liebe und Pflicht hat Helena von Minnigerode mein Herz erobert. Mit Sicherheit nicht die letzte Lektüre von Martha Sophie Marcus. Charmante Unterhaltung auf hohem Niveau, eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 24.03.2019

Grenzenlose Sehnsucht - Heimat

Was uns erinnern lässt
0 0

Was uns erinnern lässt ein Roman von Kati Naumann erschienen im HarperCollins Verlag
2017: Milla, 33 Jahre alt, genießt abends in ihrer Wohnung in Coburg zusammen mit ihrem 14-jährigen Sohn Neo ein Marmeladenbrot. ...

Was uns erinnern lässt ein Roman von Kati Naumann erschienen im HarperCollins Verlag
2017: Milla, 33 Jahre alt, genießt abends in ihrer Wohnung in Coburg zusammen mit ihrem 14-jährigen Sohn Neo ein Marmeladenbrot. Doch es ist nicht irgendeine Marmelade! Nein, eine Brombeermarmelade, die Mila auf ihren Streifzügen zu einem sogenannten Lost Place in einem Keller mitten im Thüringer Wald gefunden hat. Fast 40 Jahre sind seit dem Sommer der Verabeitung der süßen Brombeeren vergangen und mit ihr die Erinnerungen an das Hotel Waldeshöh und dessen Geschichte, die nun verblasst. Mila ist fasziniert von diesem verborgenen Ort und recherchiert auf eigene Faust. Dabei geht sie der Geschichte des ehemaligen Hotels und deren Besitzern auf den Grund. Es blühen tiefgreifenden Rückblicke auf, die auch ihr eigenes Ich tief berühren.
1945: Eine junge Lehrerin lebt mit ihrer Schulklasse aus Frankfurt am Main und andere Kinder zusammen mit Johanna Dressel, ihrem Sohn Werner und ihrer Schwiegermutter in den Tiefen des Thüringer Waldes, nahe des Rennsteigs, im Dressels Forst im angesehen Hotel Waldeshöh. Das Gebiet ist schon seit Generationen im Familienbesitz. Johannah kümmert sich so gut es geht um die Belange des Hotels und angrenzenden Forsts, während ihr Mann Arno im Krieg kämpft. Dann die Nachricht, die Panzer der Amerikaner sollen schon in Coburg, Neustadt und Eisfeld angekommen sein. Johannas Furcht vor den Russen geht in ihrer Vermutung unter: "...was haben wir für ein Glück, dass es die Amerikaner sind. Jetzt wird alles gut." Inwieweit sich Johannahs Aussage bewahrheitet und was mit dem einst angesagen Anwesen geschieht, berichtet die Autorin indem der Leser die Familie Dressel durch viele Jahrzehnte begleitet - bis ins Jahr 1977. Dabei durchlebt man Höhen und Tiefen der verschiedenen Hauptprotagonisten und Nebencharaktere, die einen alle ans Herz wachsen. Die Autorin erzählt ihre Geschichte mit ungeahnter Kraft und es entsteht ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Durch gekonnt platzierte Cliffhanger wechselt Kati Neuman in die zweite Erzählenbene und verfolgt, dank Mias Bemühungen um Recht und Ordnung, allerlei emotionalen Entschlüsselungen. Es kommt zu einer Begegnung mit Christine. Beide Frauen arbeiten zusammen die jeweils eigene Geschichte auf, bringen Licht ins Dunkel und finden Antworten auf viel zu lange ungestellte Fragen. Der Aufbau dieser beiden Zeitschienen und wechselnden Perspektiven funktioniert brillant und steigert den spannenden Lesefluss ungemein. Die bildgewaltigen Beschreibungen vertiefen den Eindruck einer realen Erzählung, wobei Fiktion und Wirklichkeit gekonnt verschwimmen. Die Liebe zur Natur und zum Thüringer Wald ist in den jeweiligen fast poetischen Schilderungen spürbar. Gerade weil ich heute meine Füße wieder dort hinein setzten werde und in der ehemaligen DDR aufgewachsen bin, berühren mich die einfühlsamen, atmophärischen Erzählfragmente sehr. Mich hat "Was uns erinnern lässt" mit dem passenden Cover positiv überrascht, aufgewühlt und nachdenklich zurückgelassen. Kati Naumann hat ein wundervolles Herzensbuch geschrieben, eine spannendes Familienschicksal, welches mir so manchen Gänsehautmoment beschert hat. Eine klare Leseempfehlung mit zahlreichen Gedanken zum Thema Heimat.

Veröffentlicht am 17.03.2019

Wo gehöre ich hin?

Nordlicht, Band 03
0 0

Nordlicht Band 3 Die Magie der wilden Pferde von Karin Müller 2019 Schneiderbuch EGMONT
Elin leidet noch immer unter rasenden Kopfschmerzen. Das bedeutet fluguntauglich und mindestens drei weiter Wochen ...

Nordlicht Band 3 Die Magie der wilden Pferde von Karin Müller 2019 Schneiderbuch EGMONT
Elin leidet noch immer unter rasenden Kopfschmerzen. Das bedeutet fluguntauglich und mindestens drei weiter Wochen Island, Ljosadis, Kari und Co.! Fantastisch, oder? Leider darf Elin weder reiten noch andere spannende Sachen unternehmen. Doch dank ihrer Träume sowie der magischen Verbindung zu dem unsichtbaren Volk Islands und vor allem zu Kari, lässt das Abenteuer nicht lange auf sich warten . Denn es geht weiter und hat bereits begonnen! Die Prophezeihung... Ein düsteres Geheimnis, etwas Bedrohliches liegt, wie ein Schatten, für Menschen Augen unsichtbar über der Insel. Die Zukunft liegt jetzt in Elins und Karis Händen.
Im abschließenden 3. Band der Island-Fantasie-Reihe startet die Autorin im gewohnt flüssigen, zeitnahen Schreibstil ins packende Finale. Dank der jugendlichen Sprache taucht man gespielt einfach in Elins Gedankenspirale ein. Das Leben kann kompliziert sein, die Liebe noch komlizierter. Das spürt Elin am eigenen Leib, hat sie sich doch in ein scheinbar unsichtbares Fabelwesen-Kari, welches ihre Sehnsucht ins Unfassbare steigert, verliebt. Und welche Gefühle ruft der attraktive, äußerst reale Raik in ihr hervor? Virtueller Austausch contra lebensnaher Wirklichkeit... Im Nordlicht findet sich mehr als diese zarte Liebesgeschichte. Träume, Aufbruch, Wandlung und Beständigkeit- Karin Müller schickt die Leser in eine frische, aufwühlende und fesselnde Geschichte vor der rauen und wunderschönen Kulisse Islands.
Die beiden Paralellwelten von Huldu und Menschen verschwimmen im perfekten Einklang. Dank der Abgrenzung durch verschiedene Schriftstile weiß man sofort, in welcher Welt man sich befindet. Scheinbar zufällig, wie in einem Traum, fügen sich die Szenen zusammen, bis sich das unerwartete Bild am Ende offenbart. Das Ende und die in Wahrheit ernsthafte Botschaft ist passend für diese magische Roman-Triologie mit den fühlbaren Protagonisten.
Fazit: Durch die Vorkenntnisse zu den Inhalten der beiden Vorgängerbände haben mich die Zeilen im 3. Nordlicht gefangen genommen und sehr gut unterhalten. Der Jugendroman überrascht mit einer durchweg fantastisch, turbulent erzählten Geschichte auf der Suche nach Liebe und Glück sowie den Werten der aktuellen Zeit.

Veröffentlicht am 13.03.2019

Spionage und Geheimnisse

Schatten der Toten
0 0

Schatten der Toten von Elisabeth Herrmann, ein atmosphärischer Thriller, erschienen im Goldmann Verlag
Im dritte Band begibt sich die Tatortreinigerin Judith Keppler auf Spurensuche nach dem Mann, der ...

Schatten der Toten von Elisabeth Herrmann, ein atmosphärischer Thriller, erschienen im Goldmann Verlag
Im dritte Band begibt sich die Tatortreinigerin Judith Keppler auf Spurensuche nach dem Mann, der ihr Leben von Grund auf veränderte und ihre Chance auf eine sorglose Zukunft zerstörte, ihren Vater. Nach gefühlsgewaltigen Entwicklungen und einem überraschenden Todesfall entscheidet sich Judith, für eine Reise zum Grund dieser bedeutungsvollen Tatsache und eine tragische Auseinandersetzung mit ihrem eigenen Ich. ...
Elisabeth Herrmann ist ein großartiger Thriller gelungen. Mit einer intelligent ausgeklügelten Geschichte und einem logischen Aufbau, auf 669 flüssig lesbaren Seiten, entwirrt die Autorin Verstrickungen von geheimen Machenschaften, illegalen Handlungen von machthabern gedeckt und schicksalhaften Begebenheiten. Mit einer anspruchsvoll konstruierten Story und treffenden, fesselnden Worten muss der Leser aufpassen und mitdenken, um die verschiedenen Verwicklungen und Bündnisse zu verstehen. Bei den Aktionen und Handlungen von Judiths Vater sowie den geschichtlichen Folgen benötigt man alle Sinne, um nicht aus den Takt zu kommen. Definitiv ist das keine Lektüre nach einem arbeitsreichen Tag, wenn man müde ist. Agenten, BND, Stasi und andere tretten auf die Bühne und agieren in dunklen Zeiten. Undurchschaubare Aktionen und unerwartenden Wendungen fördern den Spannungsaufbau bis zum schlüssigen Ende.
Fazit: Ein gelungener Spionagefall mit Judith Keppler, der mich fesseln konnte und den ich gern weiterempfehle. Leider geriet die Hauptprotagonistin neben der Haupthandlung fast ein wenig in den Hintergrund und ihre Gedankengänge landeten im Verborgenen. In den Vorgängerbänden war Judith greifbarer und näher am Leser. Ich vergebe 4 sehr gute Punkte für diese scharfsinnige Reise in die Vergangenheit zu den Schatten der Toten.