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Veröffentlicht am 08.08.2020

Franken-Charme und Friedhofs-Idyll

Totengräbertal: Mischwald
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Totengräbertal: Mischwald Eddi & Mesut ermitteln, ein Mainfranken-Krimi von Marcus Emmes

Für den eher menschenscheuen Eddi jedenfalls war diese Freundschaft etwas Besonderes. Auf Mesut konnte man sich ...

Totengräbertal: Mischwald Eddi & Mesut ermitteln, ein Mainfranken-Krimi von Marcus Emmes

Für den eher menschenscheuen Eddi jedenfalls war diese Freundschaft etwas Besonderes. Auf Mesut konnte man sich verlassen. Und Verlässlichkeit war ein doch eher seltenes Gut in dieser Welt, wie Eddi befand, dem auch deswegen die Menschen an sich tendenziell ein Gräuel waren. Eddi bevorzugte die Einsamkeit. Er schätzte die Gesellschaft der stummen Geschichten und Gräber um sich herum...(S.8)

Eddi ist ein sympathischer und bodenständiger Charakter, der das Herzen am rechten Fleck hat. Bei seiner Arbeit als Totengräber auf em Ochsenfurter Friedhof macht Eddi eine Entdeckung, die den stillen Ort der Ruhe für kurze Zeit in ein betriebsames Fleckchen Erde verwandelt. Eddis Neugierde und so manche schicksalhafte Begegnung verschafft ihm den Antrieb in der Vergangenheit des mainfränkischen Idylls zu graben. Mit Mesuts Unterstützung, Pfarrer Seligs weisen Worten und Giselas liebevollen Rückhalt gelingt ein dramatischer Coup, der mit jedem weiteren Puzzleteil ein düsteres Gesamtbild offenbart.
Marcus Emmes schreibt einen Regionalkrimi in einer sympathischen und heimatverbundenen Art. Liebevoll, naturnah erzählt er von der Region rund um Ochsenfurt und Frickenhausen. Genauso angenehm lesen sich seine Figuren, nahbar, warmherzig, interessant und mit einer Prise Humor.
Der spannungsaufbauende Effekt der verschiedenen Zeitebenen lässt nach und nach die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen. So hält man einen soliden, behaglichen und schlüssigen Krimi in den Händen, der sich mit seiner speziellen Art schnell weglesen lässt. Eine intelligent konstruierte Geschichte mit Charme und Tiefgang.

Fazit: Ich habe die ersten erfolgreichen Ermittlungsversuche des Ochsenfurter Duos sehr gern gelesen. Die Kombination von Geheimnissen aus Gegenwart und Vergangenheit ergeben immer wieder einen packenden Plot und konnten mich hier begeistern. Totengräbertal: Englischer Tanz, der zweite Teil des Autors wartet schon aufs Weiterlesen. Bestes Schmöker-Futter für Krimi-Fans!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.08.2020

Magisch verpackte Emotionen und Klänge sichtbar machen

Der Händler der Töne
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Der Händler der Töne ein fantasievoller Kinder- und Jugendroman von Verena Petrasch (Beltz & Gelberg)

... Noes Hände schwitzten vor Aufregung, als er die Tongabel in seinem Klangkompass steckte und auf ...

Der Händler der Töne ein fantasievoller Kinder- und Jugendroman von Verena Petrasch (Beltz & Gelberg)

... Noes Hände schwitzten vor Aufregung, als er die Tongabel in seinem Klangkompass steckte und auf dem schwarzen Bildschirm bunte Farbfelder im schnellen Wechsel zu flackern begannen. Nun war es also soweit: Zum ersten Mal verwendete Noe den Klangkompass! Wie gespannt starrte er auf den Bildschirm und wartete. ...(S.129)

Als der Händler der Töne Noe mit auf die Reise nimmt, verändert sich sein Leben schlagartig. Noe ist grundsympathisch, neugierig und einem Rätsel auf der Spur. Für den Jungen, den das Leben bisher nicht verwöhnt hat, ist dies eine einmalige Chance. Einzig Freundin Minu mit der er sich durch die Töne und Klänge verbunden fühlt, vermisst Noah als Lehrling in der Fremde sehr.

Verena Petrsch erschafft ein Feuerwerk der Fantasie, einen Orkan an magischen Wesen und zauberhaften Worte auf hohem Niveau. Gar nicht alltägliche Abenteuer reihen sich zwischen den teils emotionalen und tiefgründigen Text. Die Zeilen sind farbenfroh und wahrlich klangvoll, nachdenklich und erfrischend skurril. Die Autorin gibt ihren Charakteren gefühlsmäßig einiges mit auf den Weg. Die speziellen Dinge und Kleinigkeiten machen sie aus und dadurch für den Leser so interessant. Die einzelnen Szenen, Landschaften und magischen Welten erwachen in bildhafter Sprache vor den Augen der jungen Leser. Diese unbändige Fantasie macht das zweite Buch von Verena Petrasch zu einem aufregenden Leseerlebnis.

Fazit: Worte, Floskeln und Überschriften wie Sabellapalpata-Flügelschlag, Die Wüste der Tausend Gesichter oder Elnurbajram zeigen den unglaublichen Einfallsreichtum der Autorin. Mystisch und ohne Langeweile liest sich das Buch flott weg. Eine Klangmelodie, die spannend und düster fesselnd erzählt, worauf es im Leben ankommt. Bemerkenswert und erfrischend anders vermag diese Lektüre junge Leser in ihren Bann zu ziehen. Nachdem mich das Debüt der Autorin "Sophie im Narrenreich" mehr als überzeugen konnte, ist ihr mit "Der Händler der Töne" wieder ein magisches und lesenswertes Werk gelungen!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.07.2020

Schrei nach Frieden und Freiheit

Eine Liebe zwischen den Fronten
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Eine Liebe zwischen den Fronten ein historischer Roman von Maria W. Peter (Lübbe Verlag)

"...Welch grausame Ironie des Schicksals!... So nah bei Madeleine und zugleich unendlich weit von ihr entfernt. ...

Eine Liebe zwischen den Fronten ein historischer Roman von Maria W. Peter (Lübbe Verlag)

"...Welch grausame Ironie des Schicksals!... So nah bei Madeleine und zugleich unendlich weit von ihr entfernt. Getrennt von einem über Jahrzehnte angestauten Hass zwischen ihren Ländern, der sich jetzt in aller nur erdenkbaren Grausamkeit entlud." Paul S.151

Juli 1870:
Eine ungünstige Zeit haben sich Paul, ein preußischer Arzt und die Französin Madeleine für ihre Verlobungsfeierlichkeiten ausgesucht. Napoleon III hat Preußen den Krieg erklärt. Bismarck hat es erwirkt und Paul wird als Stabsarzt des preußischen Heeres im Kampf gegen Frankreich einberufen. Die Wege der Liebenden trennen sich und Madeleine kehrt zurück in ihre Heimat, Metz. ...

Vor diesem Hintergrund zeichnet die Autorin ein Abbild des Deutsch-Französischen Krieges. Anhand von Einzelschicksalen und detaillierten Einblicken in die zeitgemäßen Geschehnisse von 1870 bis 1872 bekommt diese Geschichte eine wahrhaftige Tiefe mit äußerst aufwühlenden Passagen. Das ein oder andere Mal stimmen die Geschehnisse traurig. Doch dank des einfühlsamen Schreibstils der Autorin fügen sich warme Momente, ermutigende Begegnungen, hoffnungsvolle und lehrreiche Erkenntnissen in die komplexe Handlung ein. Der Drang nach Freiheit, der Wille zu Überleben und die Macht der Liebe sind in diesem atmosphärisch dichten Roman zu spüren. Neben historischen Persönlichkeiten agieren ganz unterschiedliche, fiktive, charakterstarke Figuren. Gerade Paul hat mich mit seiner besonnen Art begeistern können. Und auch Clement, Madeleines Bruder, eine ganz toll geschriebene Figur im Buch! Die unterschiedlichen Handlungsorte wie Coblenz, Saarbrücken, Metz oder Paris bestechen durch authentische Beschreibungen und lebhafte Bilder. Die Lokalitäten, Hintergründe und historischen Details sind sehr gut herausgearbeitet und bieten neben dem uneingeschränkten Lesegenuss einen großen Informationsgewinn.
Dank der den Kapiteln vorangestellten Orts-und Zeitangaben findet man sich sehr gut in der Geschichte zurecht. Im Nachwort beleuchtet der Autorin historische und persönliche Hintergründe. Eine Karte von 1870, ein Glossar, französische Übersetzungen und ein Personenverzeichnis runden den Roman ab.

Fazit: Die Autorin verpackt die Geschichte zweier Nationen in einen bewegendes Historiendrama. Dieser ergreifende Roman ist ein Zeitabriss deutsch-französischer Rivalitäten, eine Liebesgeschichte und zugleich ein Lehrbuch der Geschichte unter dem wachsamen Blick der eigenen Familiengeschichte der Autorin Maria W. Peters. Die umkämpfte Grenzregion Elsass und Lothringens wurden im Laufe der Zeit immer wieder zwischen den Mächten hin-und hergerissen. Die Verpackung für diese Auseinandersetzungen, Spannungen und zukünftige Hoffnungen ist der Autorin richtig gut gelungen. Hochinteressant und unterhaltsam auf hohem schriftstellerischen Niveau konnte sie mich wieder einmal restlos begeistern!

  • Cover
  • Geschichte
  • Thema
  • Erzählstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 15.07.2020

Sympathische Piepmätze

Die siehst du!
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Die siehst du! Die Vögel um dich herum – der Kosmos Naturführer von Michael Schmolz

"Auch ein singendes Rotkehlchen an einem Wintermorgen, wenn es sonst im Wald ganz still ist, kann Glücksmomente auslösen. ...

Die siehst du! Die Vögel um dich herum – der Kosmos Naturführer von Michael Schmolz

"Auch ein singendes Rotkehlchen an einem Wintermorgen, wenn es sonst im Wald ganz still ist, kann Glücksmomente auslösen. Man muss nur offen dem Schönen gegenüber sein und vor allem aufmerksam. ..."

Dieser Vogelführer spürt der Faszination der heimischen Vogelarten nach. Diese Tiere sind inspirierende Lebewesen, die unsere Augen und besonders unsere Ohren erfreuen. Mit der übersichtlichen Sortierung der 139 Vogelarten nach Besiedlungsgebieten und Lebensräumen, wie Innenstadt, Wohngebiet und Dorf, Park und Stadtwald sowie Teich, Fluss und See erschließt sich ein kompaktes, handliches Werk. Der Autor beschreibt jede Vogelart mit dem deutschen und lateinischen Namen, Größe, Gewicht, Stimme sowie einem beschreibenden Text mit Besonderheiten, Merkmalen und ähnlichen Arten. Die zahlreichen, anschaulichen Fotos ergänzen die Erläuterungen perfekt. Abgerundet wird dieses Nachschlagewerk von ausgebüxten Neuzugängen und einem informativen Serviceteil. Herausgekommen ist ein Band, der uns facettenreich und ansprechend vor Augen führt, wie diese kleinen gefiederten Nachbarn ticken.

Fazit: Mir haben die Zeilen viel Spaß gemacht. Ich gehe jetzt mit offen Augen zum täglichen Spaziergang über die Wiesen und durch den Wald, beobachte die Vögel in unserem Garten oder lausche ihrem Gesang. Michael Schmolz schreibt praktisch, informativ, modern, klug mit einer grandiosen Liebe zum Detail beim Text sowie den Fotografien. Die siehst du ist mir bis dahin ein treuer Begleiter geworden. Ein besonderer Bonus beinhaltet dieses Buch. Mit dem Herunterladen der Kosmos-Plus-App bekommt man die Möglichkeit, sich die 119 Vogelstimmen der vorgestellten Arten anzuhören. Es lohnt sich die fliegenden Mitbewohnern näher kennen zu lernen, mit dem Kosmos-Naturführer macht das doppelt Spaß!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.07.2020

Eine mutige Frau in einer spannenden Zeit

Das Juliusspital. Ärztin aus Leidenschaft
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Das Juliusspital – Ärztin aus Leidenschaft ein Roman von
Claudia & Nadja Beinert (Knaur Verlag)

"Wir sind auf dem besten Weg, die Juristische Fakultät ein für alle Mal an Ruhm und Ehre zu übertrumpfen. ...

Das Juliusspital – Ärztin aus Leidenschaft ein Roman von
Claudia & Nadja Beinert (Knaur Verlag)

"Wir sind auf dem besten Weg, die Juristische Fakultät ein für alle Mal an Ruhm und Ehre zu übertrumpfen. Dreihundert Studenten sind allein für die Medizin immatrikuliert, und das hat bei einer Gesamtstudentenzahl von siebenhundert viel zu bedeuten"

Das Juliusspital in Würzburg um 1850 wird der Wartesaal des Todes genannt. Einfache Leute und Menschen am Rande der Bevölkerung suchen Hilfe im Spital. Dort entscheiden sich Schicksale, Chancen für die Forschung und hier wird die Neugier und der Forschungstrieb der Professoren und der Bildungshunger der hiesigen Studenten gestillt. Dies ist ein Ort, der so viel Leid und Tod wie auch Hoffnung, Glanz und dunkle Seiten in sich birgt.

Viviana entwickelt den Wunsch Ärztin zu werden auf einem unerwartetem Umweg in ihrem Leben. Mit ihrer großen Auffassungsgabe und unbändigem Wissensdurst, möchte so gern dazugehören. Sie träumt davon, Medizin zu studieren, zu helfen und Ärztin zu werden. Dieser Drang verstärkt sich, als sie die Möglichkeit nutzt, Vorlesungen und dem Unterricht der Studenten ab und an heimlich in der Alma Julia zu belauschen. Doch Mitte des 19. Jahrhunderts bleibt ihr als Frau ein Medizinstudium untersagt. Viviana entscheidet sich gegen den bequemen Weg auf der Suche nach ihrer Erfüllung im Leben. Dabei trifft sie auf Charaktere mit Ecken und Kanten, historische Persönlichkeiten und fiktive Figuren.

In jeder Zeile und in kleinsten Details spiegeln sich die großartige Recherchearbeit und das Mitgefühl zu ihren Protagonisten der beiden Autorinnen wieder. Der Leser begleitet die facettenreichen Figuren entlang der Straßen und Viertel des vergangenen Würzburgs. Vor diesem historischen Hintergrund fächern sich zeitgetreue Informationen, medizinische Fortschritte, pharmazeutische Einblicke, Hintergrundwissen zum Aktien- und Bankgeschäft, die Stellung der Frau innerhalb der Familie und in der Gesellschaft sowie Einblicke in das Alltagsleben der einfachen und gehobenen Bevölkerung breit durch die Geschichte.
Der fesselnde, detailreiche Schreibstil trägt den Leser in die Geschichte hinein und lässt ihn nicht mehr los.

Auch ich habe die willensstarke Viviana gern auf ihrem Lebensweg begleitet. Daher freue ich mich auf den bald folgenden 2. Band: Das Juliusspital – Ärztin in stürmischen Zeiten.

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