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Veröffentlicht am 14.11.2020

Eine romantische Reise nach England

Entführung ins Glück
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Entführung ins Glück ein Roman von Kristi Ann Hunter (GerthMedien)

Das Cover des Romans finde ich einfach wundervoll und ich wollte genau wissen, was hinter den beiden Buchdeckeln steckt. Ich wurde nicht ...

Entführung ins Glück ein Roman von Kristi Ann Hunter (GerthMedien)

Das Cover des Romans finde ich einfach wundervoll und ich wollte genau wissen, was hinter den beiden Buchdeckeln steckt. Ich wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte um Lady Miranda, die 1812 in England spielt, liest sich spannend und amüsant zugleich. Die Autorin versteht sich auf eine feinsinnige, zeitgemäße Situationskomik. Diese passt sich in die historische Rahmenhandlung ein und unterstreicht die Sympathie und den Charme der Figuren. Die Charaktere handeln authentisch und zeitgemäß, allen voran Mirandas Mutter, die ihre Tochter in den besseren Kreisen und vor allem verheiratet wissen möchte. Ihr Engagement begleiten von je her zahlreiche Ermahnungen. Miranda geht in die vierte Saison und und möchte nicht als Jungfer enden. Sie schreibt ihre Sorgen und Sehnsüchte in Briefen nieder, die sie an einen verschollenen Freund ihres Bruders adressiert. Doch erhalten und lesen soll er sie niemals. Die Tragweite offenbart sich, als der neue Kammerdiener, Marlow, einen dieser Briefe verschickt und der Verschollenen darauf antwortet. …

Dieser charmante Roman hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen und der flüssige Schreibstil der Autorin hat mich bis zum Ende begeistern können. Kristi Ann Hunter vermag durch ihre zeitgemäße Erzählweise eine besondere Atmosphäre zu schaffen und die Spannung durchweg hochzuhalten.
Miranda ist eine Hauptfigur, die man gleich in ihr Herz schließen möchte. Andere Charaktere kommen nicht zu kurz und vermitteln Lebendigkeit und Authentizität.

Fazit: Die Entführung ins Glück hat mir zauberhafte Lesemomente bereitet. Dieser historische Roman ist abwechslungsreich und gleichermaßen romantisch grazil, wie abenteuerlich, und verwegen. Ein netter Zeitvertreib mit uneingeschränkter Leseempfehlung! Ich hoffe auf weitere Bücher der Autorin.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.11.2020

Familie, Liebe und Lakritz

Das schwarze Gold des Südens
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Das Schwarze Gold des Südens ein Roman von Tara Haigh (Tinte & Feder)

„Wir werden die nächsten Jahre schon überstehen. Die Kunden sind uns treu“, setzte Amalie aufmunternd nach. Es wirkte, denn Vater ...

Das Schwarze Gold des Südens ein Roman von Tara Haigh (Tinte & Feder)

„Wir werden die nächsten Jahre schon überstehen. Die Kunden sind uns treu“, setzte Amalie aufmunternd nach. Es wirkte, denn Vater nickte erneut. Er blieb unvermittelt stehen und blickte sich um, In seinen Augen war wieder etwas Leben. „Bamberger Süßholz wird niemals aussterben“, schwor er. Sein Wort in Gottes Ohr. S.19

Tara Haighs Reise um die Familie Imhoff mit ihrem Süßholzimperium beginnt in historischen Bamberg 1887. Die beiden Töchter haben unterschiedliche Ansichten und Pläne zur Weiterführung des traditionell geführten Familienunternehmens. Darüber hinaus entzweien sich die beiden jungen Frauen und gehen getrennte Wege. Während Amalie den Zielen und Werten ihres Vaters folgt, versucht Elise in Frankreich ihr Glück.

Die Autorin erschafft, dank ihrer fleißigen Recherche, ein fabelhaftes Zusammenspiel von Unterhaltung, Historie und Information. Diese Empfindung verstärkt sich durch die charakterstarken Figuren und stilistisch einwandfrei beschriebenen Handlungsorte. Geschichtliche Details fließen in die Geschichte ein und lassen diese authentisch und lebhaft erscheinen. Die interessanten Hintergründe zum Thema Süßholz sind erstaunlich gut ausgearbeitet und machen Lust ein Stück Lakritz während des Lesens zu naschen. Das schwarze Gold findet vielerlei Berührungspunkte. Spannend, dramatisch, romantisch und unglaublich informativ erstreckt sich die Handlung von Bamberg über Venedig, Paris und Kalabrien.

Fazit: Ich schätze den Schreibstil der Autorin sehr. Egal unter welchem Namen sie ihre Romane veröffentlicht, findet sich immer etwas Wissenswertes zu entsprechend spannenden Themen mit einem hohen Unterhaltungswert. Wenn man unter dem Synonym von Tara Haigh einen Roman liest, muss man sich bewusst sein, dass es sich um Literatur mit historisch aufgearbeiteten Schwerpunkten handelt und nicht um heitere Geschichten einer Tessa Henning!
Mir hat diese Geschichte jedenfalls unheimlich viel Freude bereitet. Ab der ersten Zeile hat mich die Erzählung der Familie Imhoff in seinen Bann gezogen. Ich hoffe auf weitere historisch angehauchte und ebenso lustige Inspirationen der Autorin! Volle Punktzahl und eine klare Empfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2020

Toll geschrieben! Grandiose Unterhaltungslektüre!

Willst du Blumen, kauf dir welche
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Willst du Blumen, kauf dir welche ein Roman von Ellen Berg (Aufbau Verlag)

„In meiner Jugend sagte man das anders“, lächelte Tante Hilde. „Alle Männer sind gleich langweilig - bis auf den, den man gerade ...

Willst du Blumen, kauf dir welche ein Roman von Ellen Berg (Aufbau Verlag)

„In meiner Jugend sagte man das anders“, lächelte Tante Hilde. „Alle Männer sind gleich langweilig - bis auf den, den man gerade kennengelernt hat.“ S.31

Lena, Buchhändlerin und verklärte Romantikerin, liebt Bücher, klassische Musik, ihren Kater Dewey und starken Espresso. Nach einigen kurzweiligen, enttäuschenden Beziehungsabenteuern taucht sie lieber in Liebesromanen ab, als sich mit der realen Männerwelt auseinanderzusetzen. Bis zu dem Tag, als die Liebesformel in Form einer Buchlesung des Erfolgsautors Benjamin Flores in Lenas gemütlichen Leseparadies Einzug hält. Lebensverändernd und halsbrecherisch stürzt sich Lena in eine Wette mit Benjamin. Denn der junge Mann ist überzeugt mit seiner Liebesformel den ultimative Algorithmus im Online-Dating-Dschungel gefunden zu haben. Seine Liebesformel spuckt mehr oder weniger geeignete Kandidaten für das Dating-Experiment aus. Für klaren Durchblick in Lenas abendlichen Rendezvous-Runde sorgen, neben dem smarten Buchautor, Tante Hilde und Freundin Michelle. Es fehlt genauso wenig an tatkräftiger Unterstützung, Aufmunterungsversuchen und verbalen Attacken und klugen Lebensweisheiten, wie passend rezitierten Textstellen und Dialogen romantischer Liebesschmunzetten. Bis sich Lena für einen Mann entscheidet, ist ihr Weg im Dating-Chaos mit einigen Stolpersteinen gepflastert. …
Ich mag die Romane der Autorin mit den einzigartigen Coverbildern unheimlich gern. Auch mit Willst du Blumen, kauf dir welche erzählt sie eine inspirierende Geschichte voller Schwung.

Ellen Berg versteht es einfach den Leser zu unterhalten. Ihre Figuren sind aus den Leben gegriffen und könnten jederzeit als gute Bekannte durchgehen. Man fühlt sich sofort zu Hause in ihrem Buch und möchte Lena selbst unter die Arme greifen oder Michelles Fremdwortgedächtnis auf die Sprünge helfen. Es macht einfach Spaß, die Protagonisten ein Stück auf ihrem Weg begleiten zu können.

Ellen Berg greift hier ein brisantes Thema auf, welches viele Gemüter ansprechen dürfte. Tiefgründige Gefühle sind hier in einer heiteren Geschichte verpackt. Die ein oder andere Stelle ist überspitzt dargestellt und driftet schwungvoll von einer Pointe in die nächste ab. Der Roman lebt von dieser grandiosen Situationskomik, den flotten Dialogen und einem bestechendem, literarischen Hintergrundwissen.
Für mich, Unterhaltungsliteratur auf tollem Niveau! Danke, liebe Ellen Berg und gern mehr davon!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2020

Naja, der Schreibstil konnte mich nicht begeistern!

Die Erben von Seydell - Das Gestüt
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Die Erben von Seydell Das Gestüt 1. Teil ein Roma von Sophie Martaler (Goldmann Verlag)

„Du siehst in allen Menschen nur das Gute, Alexander.“ „Und?“ Alexander klopfte seiner Stute auf den Hals. „Ist ...

Die Erben von Seydell Das Gestüt 1. Teil ein Roma von Sophie Martaler (Goldmann Verlag)

„Du siehst in allen Menschen nur das Gute, Alexander.“ „Und?“ Alexander klopfte seiner Stute auf den Hals. „Ist das denn falsch?“ Sein Vater schüttelte den Kopf. „Nein, mein Sohn. Aber du solltest nicht blind sein gegenüber den Schwächen deiner Mitmenschen. Sonst wirst du zu oft enttäuscht.“ S.45

Diese Familiensaga beginnt in England 1947, als Elisabeth ein Gestüt in Deutschland von ihrem Onkel erbt. Doch es gibt noch einen zweiten Erben in Spanien, dem an einem Kontakt mit Elisabeth nichts gelegen ist. Die Reise führt in einem zweiten Erzählstrang zurück nach Deutschland auf das Gestüt Seydell. Dort nimmt die Geschichte um die beiden Brüder Ludwig und Alexander zusammen mit einer Frau, die beide Männer begehren, ihren Anfang.

Das Autorenduo, das sich hinter dem Namen Sophie Martaler verbirgt hat hier einen vielversprechenden Plott gewählt. Durch die Dreieckskonstellation wird emotionales Konfliktpotential vorgelegt. Dieses unterstreichen die Figuren durch ihre Charaktereigenschaften noch. Andeutungen und Ungereimtheiten lassen den Leser Vermutungen anstellen und neugierig mit rätseln. Die Spannung bleibt durchweg erhalten. Es gibt zahlreiche Schauplätze, was die Erzählung belebt und die Spannung bleibt durchweg erhalten.

Trotzdem schwanke ich angesichts der teils dramatischen und lapidaren Erzählweise zwischen spannend und künstlich, spannend inszeniert. Mir fehlt an manchen Stellen der Bezug bzw. eine dezente Überleitung, um die Personen so handeln zu lassen, wie sie dies tun. Diese Stellen gibt es leider genug, was mich irritiert und den Lesefluss einfach stört. Beziehungen und Gefühle sind für mich nicht tief genug dargestellt und historische Details ungenügend ausgearbeitet. Sicher handelt es sich um Unterhaltungsliteratur, doch meine Erwartungen an den Roman wurden hier nicht erfüllt. Daher bin ich zwiegespalten. Ich möchte gern wissen, wie sich alle Fragen in den zukünftigen zwei Bänden aufklären, doch der einfache, sich an dramatischen Ereignissen und zufälligen Wendungen bedienender Schreibstil schreckt mich einfach ab. Die losen Stränge und deren offenes Ende lassen mich unbefriedigt zurück. Ich kann daher die positiven Meinungen nicht teilen. 3 Von 5 Sternen vor allem für die tolle Aufmachung und das schöne Cover des Romans.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.10.2020

Die Sattlerin und der Dichter

Die Gabe der Sattlerin
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Die Gabe der Sattlerin ein historischer Roman von Ralf H. Dorweiler (Bastei Lübbe Verlag)

„Ist das Zaumzeug fertig?“, fragte er, als sein Blick auf das Werkstück fiel, an dem nur noch das Stirnband befestigt ...

Die Gabe der Sattlerin ein historischer Roman von Ralf H. Dorweiler (Bastei Lübbe Verlag)

„Ist das Zaumzeug fertig?“, fragte er, als sein Blick auf das Werkstück fiel, an dem nur noch das Stirnband befestigt werden musste. „Fast. Es kam ständig etwas dazwischen."
... Er fuhr mit dem Zeigefinger über die Naht und nickte anerkennend. „Ich kenne keine andere Frau, die es mit dir als Sattlerin aufnehmen könnte. Und kaum einen Mann.“ Charlotte lächelte. S.30/31

Charlotte fühlt sich zu Hause in der Sattlerei des Vaters und zusammen mit ihrem Hengst Wälderwind sehr wohl. Sie findet Ruhe und Konzentration in ihrer Arbeit.
Nachdem sie den Antrag des angesehenen Amtmanns Julius Magnus Lenscheider angenommen hat, hegt sie berechtigte Zweifel an dieser Vernunftehe. In einem Anflug von Panik flieht die Sattlertochter in einer Nacht-und Nebelaktion auf dem Rücken ihres geliebten Pferdes. Charlotte entscheidet sich für die Freiheit.

Auf ihrem Weg wird sie mit zahlreiche Abenteuern und Verwicklungen konfrontiert. Sie macht Bekanntschaft mit lustigen, rauen und liebestollen Gesellen. Historisch belegte wie zahlreiche fiktive Charaktere sind vertreten und buhlen um den Platz auf der Bühne dieses Wohlfühlromans. Der Regimentsarzt und Dichter Friedrich Schiller, der Herzog von Württemberg Carl Eugen und der Räuberhauptmann Hannikel beleben die Erzählung. Charlotte selbst, eine mutige und lebensfrohe, taffe Frauenfigur trifft auf die berühmte Räuberbande, die einst Schiller zu seinen „Räubern“ inspirierte. Diese freie Verflechtung des Autors fand ich äußerst interessant und gelungen umgesetzt.

Dank des lebendigen und fesselnden Schreibstil fühlt man sich in die Zeit nach 1781 zurück versetzt. Das Ausmaß des aristokratischen Prunk und Pomps wird in zeitgerechten, munteren Dialogen aufgezeigt.

Begeistern konnten mich die liebevoll herausgesuchten Zitate berühmter Literaten, Schriftsteller und Künstler. Diese finden sich passend neben der Orts-und Zeitangabe an jedem Kapitelanfang wieder. Das Personenregister mit historischen und fiktiven Figuren erleichtern die Zuordnung ins Geschehen. Ein Dankeschön an den Autor für das erklärende Nachwort, in dem nachfolgend Zusammenhänge zur Entstehung und historische Details zum Roman erörtert werden.

Fazit: Von allem ein bisschen, Abenteuerlust, Gefühl, Gesellschaft, Drama, Historie, Handwerk, Literatur und Pferde...
Der Autor bleibt somit seinem Stil treu. Historische Details sind ebenso anschaulich im Text verpackt, wie das Wissen über die Aufgaben eines Sattlers. Mir hat dieser lebendige Unterhaltungsroman mit ansprechendem Charme und passendem Witz sehr gut gefallen. Ich freue mich auf zukünftige Einblicke in die Welt historischer Handwerke.

  • Cover
  • Handlung
  • Charaktere
  • Erzählstil
  • Thema