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Veröffentlicht am 05.11.2025

Nicht leicht, zu sich selbst zu finden bei schwerwiegenden Lebensveränderungen

Einfach super
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Das Thema Scheidung, das Ende einer Ehe steht im Mittelpunkt und damit einhergehende Depressionen, Selbstzweifel und Lebensveränderungen im Leben der 28-jährigen Meggie in Toronto. In der Ich-Form versinkt ...

Das Thema Scheidung, das Ende einer Ehe steht im Mittelpunkt und damit einhergehende Depressionen, Selbstzweifel und Lebensveränderungen im Leben der 28-jährigen Meggie in Toronto. In der Ich-Form versinkt sie in Trauer und Selbstmitleid, gefolgt von einer Dating-Periode voller leerem Sex bis zu lang anhaltenden Therapie-Einheiten. Über ihre sognannte Freundschaft mit ihrer Chat-Gruppe zu lesen ist unterhaltsam. Aber die Reflektionen über Meggies Probleme in ihrem Alter um 30 Jahre wirken in all den Irrungen und Wirrungen eher oberflächlich und unbedeutend, zu langatmig ausgebreitet. Die Handlungsweise des Ehemannes Jon ist schlecht nachvollziehbar, auch in Bezug auf die gemeinsame Katze. Der Buchtitel Einfach super ist sarkastisch gemeint, denn bei diesem Scheidungsvorgang verläuft viel Emotionales gar nicht super.
Der Schreibstil ist in flotter, salopper Wortwahl gehalten, stellenweise sogar vulgär. Der hier beschriebene Lebensstil von Millennials mag am ehesten die Altersgruppe von zwischen den Jahren 1980 und 1995 Geborenen ansprechen. Das ziemlich abrupte Ende überrascht.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Interessante Reiserouten und Infos für Bahn-Nerds.

Nachtzugtage
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Reisen mit Bahn, Bus, Fähre und Sammeltaxi quer durch Europa und darüber hinaus, an Kriegsgebieten entlang, scheinen für die Autorin die ideale Fortbewegung zu sein – raus aus dem Federbett der Zivilisation ...

Reisen mit Bahn, Bus, Fähre und Sammeltaxi quer durch Europa und darüber hinaus, an Kriegsgebieten entlang, scheinen für die Autorin die ideale Fortbewegung zu sein – raus aus dem Federbett der Zivilisation (1879 Robert Louis Stevenson). Jeder Reisebericht, von Berlin aus startend, mit der Reiseroute auf vorangestellter Karte pro Kapitel, kommentiert sowohl ihre jeweiligen Begegnungen, Eindrücke und Erlebnisse in und um die Zugreise herum, bereichert durch Literaturzitate. Aber auch Schwierigkeiten bei internationalen Anschlussverbindungen besonders auf Langstrecken finden Erwähnung. Allein der Buchungsstress und das häufige Umsteigen und unerwartete Umbuchen unterwegs könnten ähnlich interessierte Nachtzugfans abschrecken. Land und Leute mag solch ein Zug-Reisender näher kennenlernen, wenn man bereit und flexibel genug ist, fehlenden Schlafkomfort und Reiseprobleme unterwegs zu akzeptieren. Die Informationen zu veränderten Reisebedingungen und Buchungsmöglichkeiten im Laufe der Jahrzehnte sind sicher hilfreich. Diese teils abenteuerliche, teils romantische Art zu reisen wird in positivem Schreibstil beleuchtet, die jeweilig vorbeieilende Landschaft und zufällige Kontakte einbeziehend.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Spannende, realistische Aufklärungen

Wem du traust
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In eine idyllische Familiensituation platzt ein Konstrukt aus menschlichem Fehlverhalten und Lügen. All das führt letztendlich zur Aufklärung zweier polizeilich bearbeiteter Fälle: die Lösung des Vermisstenfalles ...

In eine idyllische Familiensituation platzt ein Konstrukt aus menschlichem Fehlverhalten und Lügen. All das führt letztendlich zur Aufklärung zweier polizeilich bearbeiteter Fälle: die Lösung des Vermisstenfalles Sofia Ziemiak, 15 Jahre alt und die Aufklärung des Discomordes an der 18-jährigen Schülerin Jennifer Mann vor 15 Jahren. Die systematische und akribische Arbeitsweise der einfühlsamen Kriminalhauptkommissarin Heidi Westphal, 55, gefällt besonders durch ihre nachvollziehbare und logische Ermittlungsarbeit. Neben ihr als sympathische Hauptfigur agieren Eva Kramer und ihre Freundin Suzanne Ziemiak vor allem als liebevolle Mütter. Aus der Sicht dieser drei Frauen entspinnt sich ein spannendes Gefüge voller Verdächtigen. Die Thematik rund um das Asperger-Syndrom wird eingeflochten neben häuslicher Gewalt. Anfangs nur in kursiv gestalteten Passagen ohne Zuordnungsmöglichkeit, jedoch große Angst und Schmerzen andeutend, klärt sich dieser Missbrauch schließlich gegen Ende der Ermittlung. Im tiefgründigen Finale geht es aber auch um den Verlust von Gefühlen wie grenzenlosem Vertrauen, Sicherheit und Geborgenheit in der Familie bzw. in der Ehe.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Nicht nur aus historischer Sicht äußerst interessant und spannend!

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Das Cover gibt den Blick durch ein Fenster mit Bücherregal frei, in eine gepflasterte Gasse mit einer sich entfernenden Frauengestalt am ummauerten, alten Friedhof im verschleierten Sonnenschein – leicht ...

Das Cover gibt den Blick durch ein Fenster mit Bücherregal frei, in eine gepflasterte Gasse mit einer sich entfernenden Frauengestalt am ummauerten, alten Friedhof im verschleierten Sonnenschein – leicht vergilbt, überaus passend zum Buchtitel und spannenden Inhalt. Die Szenerien spielen auf zwei Zeitschienen größenteils in Leipzig, im Graphischen Viertel mit seinen Verlagen, Druckereien und Antiquariaten. Vier junge, gelangweilte Männer aus diesen wohlbetuchten Familien, Freunde seit Kindheitstagen, mit einem starken Interesse für Literatur, gründen ihren Club und bestehen gefährliche Abenteuer beim Diebstahl kostbarer, seltener Bücher wie die Kreuzkorrespondenzen aus dem Genre der Esoterik, Magie und Parapsychologie. Noch brisanter wird deren lebensgefährliche Situation 1930 auch durch den Raub eines Reliquiars unter Mithilfe des neuen weiblichen Clubmitglieds Eva Wieland, überaus clever, mutig, realistisch und warmherzig. Aus diesem Druck vor Verfolgung durch finstere Mächte und einem Mittelsmann entflieht das Clubmitglied Felix Jordan, um 1945 nach Kriegsende jedoch als Bibliothekar der Amerikaner letztlich wieder im massiv zerstörten Leipzig Buchbestände als Kriegsbeute zu katalogisieren. Lebendig wird nicht nur das traumatische Überleben der Deutschen zwischen Trümmern beschrieben mit Felix und Eva zwischen vielen kriegerischen Fronten. Auch das weitere tragische Schicksal der übrigen Clubmitglieder wird einbezogen. Sehr interessant sind historische Informationen zu deutschen Lazarettzügen im 2. Weltkrieg, zu Aleister Crowley und zu den Kreuzkorrespondenzen hier in Verbindung mit dem fanatischen Mittelsmann. Das Motiv der Rache wird vielschichtig und wortgewaltig in Szene gesetzt.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Der frühere Umgang Schwedens mit Rentierfamilien – eine ernüchternde Erzählung!

Die Zeit im Sommerlicht
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Die Nomadenschule, ein Internat für Kinder samischer Abstammung ab 7 Jahren, steht mit der terrorisierenden Heimleiterin Rita Olsson und der warmherzigen Betreuerin Anne im Mittelpunkt der Geschichte. ...

Die Nomadenschule, ein Internat für Kinder samischer Abstammung ab 7 Jahren, steht mit der terrorisierenden Heimleiterin Rita Olsson und der warmherzigen Betreuerin Anne im Mittelpunkt der Geschichte. Schweden in den 1950-er Jahren verhängt gegenüber dieser Minderheit unrechtmäßig Verbote hinsichtlich ihrer Sprache, Kultur und Traditionen, die als Traumata bis in die Enkel-Generation fortbestehen. Zwischen 1950 und 1986 wird das Schicksal von 7 Schülern dieser Nomadenschule näher beleuchtet, angefüllt mit Mobbing, Schuldgefühlen, Ängsten, Trauer, körperlicher und seelischer Gewalt, Alkoholismus, Scham, bis zum Verlust ihrer samischen Identität. Diese fiktiven Charaktere wirken in ihrer Diversität sehr authentisch und berührend. Deren Schicksale erinnern sehr an das Unrecht gegenüber anderen Minderheiten wie Rothäuten, Inuits oder Aborigines. Die Rentierhaltung z.B. mit der Markierung der Kälber und deren Wanderung wird im Jahreszyklus entlang veränderter Wetterbedingungen lebendig beschrieben, ohne näher z.B. auf Folgen durch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl einzugehen.
Ein überzeugender Roman persönlicher Art.

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