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Veröffentlicht am 05.09.2025

Luise Straus-Ernst, die erste Frau von Max Ernst, im Pariser Exil

Zauberkreis Paris. Roman aus dem Exil
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Scheinbar autobiografisch unterlegt beschreibt die jüdische Autorin unter einem Pseudonym, als Fortsetzung in 38 Folgen in einer deutschsprachigen Pariser Tageszeitung, ihre Alltagserfahrungen in diesem ...

Scheinbar autobiografisch unterlegt beschreibt die jüdische Autorin unter einem Pseudonym, als Fortsetzung in 38 Folgen in einer deutschsprachigen Pariser Tageszeitung, ihre Alltagserfahrungen in diesem Exil ab 1934, umgeben von vielen Vertriebenen. Selber geplagt von Heimweh, Einsamkeit und Geldmangel agieren ihre Hauptfiguren Ulla Frankfurter aus Köln, Bibliothekarin, kämpferische Heldin, und Antiheld Peter Krimmer, Redakteur mit Verbindung zu Kommunisten. Das bescheidene Milieu in der großen Stadt der Liebe und das Zusammenleben mit Franzosen und den Exilanten werden einfühlsam dargestellt. Der harte Weg aus unschönen Erfahrungen mit perspektivlosen Hilfsangeboten, auch mit Selbstverachtung, bis zu positiver Aufbruchsstimmung in einer Landkommune, wird sehr lebendig eingeflochten. Entgegen der zerstörerischen NS-Ideologie versucht die Autorin den vielen Exilanten, Kraft aus der Mutlosigkeit und Verzweiflung zu geben, an der schließlich der Antiheld Peter scheitert. Dass es nicht nur um die Sicherung der materiellen Existenz geht, sondern auch um Anstand, Ehre, Selbstachtung, wird ebenso betont. Die Nachbearbeitung mit einem Nachwort und einer Zeittafel ist hilfreich.
Insgesamt ein berührendes Ambiente.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Traumatische Verarbeitung vom Verlust eines (scheinbar) geliebten Menschen

Eskalationsstufen
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Nach dem 8-Stufen-Modell von Dr. Jane Monckton Smith dreht sich dieser Roman um eine Gewalthandlung mit Kalkül, die zunächst im 1. Kapitel als überzeugende Liebesgeschichte daherkommt. Jedoch in Kapiteln ...

Nach dem 8-Stufen-Modell von Dr. Jane Monckton Smith dreht sich dieser Roman um eine Gewalthandlung mit Kalkül, die zunächst im 1. Kapitel als überzeugende Liebesgeschichte daherkommt. Jedoch in Kapiteln 8 und Null tritt die Realität von Gewalt gegen Frauen hervor, die lt. o.g. Autorin vorhersehbar ist. Im künstlerischen Ambiente von Wien angesiedelt geht es um die talentierte Julia Moser, Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache, und den bereits profilierten Maler JoeN., der im ländlichen Raum um Linz eine Jagdhütte geerbt hat. Unglückliche Restriktionen aufgrund der Pandemie, verursacht durch Covid 19, sind kreativ ab 5. Kapitel mit dem überstürzten Ortswechsel dorthin eingebaut als gravierender Kontrollmechanismus des Täters. Nach den zwei letzten, relativ kurzen Kapiteln bewegt sich der Fokus gedanklich erneut auf das anfängliche Kapitel NULL, denn dortige drastische Informationen verwirren zu Anfang des Leseprozesses. In Ich-Perspektive erzählt Julia in zunehmend verwirrendem Gedanken- und Handlungsfluss ihre steigende Bedrängnis. Zum Ende hin ist der Satzbau, zunehmend gestückelt, teils abgebrochene Satzteile wiederholend, hemmt er zwar den Lesefluss, sorgt aber für reichliche Dynamik.
Ein sehr ernstes Thema thematisch gut umgesetzt.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Unsortierte Reflektionen anlässlich des Todes der Mutter und ihr Verhältnis zueinander

Die Wunde
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Das Buch wirkt wie ein autobiographisches Werk mit langatmigen, bruchstückhaft wiederholten Reflektionen der Ich-Erzählerin über die Liebe zu ihrer Mutter, deren Tod, über den Schmerz dieses Verlustes. ...

Das Buch wirkt wie ein autobiographisches Werk mit langatmigen, bruchstückhaft wiederholten Reflektionen der Ich-Erzählerin über die Liebe zu ihrer Mutter, deren Tod, über den Schmerz dieses Verlustes. Neben Beobachtungen über Frauen allgemein im einst sowjetischen und postsowjetischen Russland geht es auch um ihre homosexuelle Neigung im bescheidenen russischen Alltag. Die mäandernde Handlung während der Reise mit Mutters Urne lässt nur schwach die Wunde rund um die unersetzbare Mutterfigur neben Depression und psychischen Problemen der Erzählerin erkennen. Die innere Reise zu sich selbst beschreibt sie in klarer Offenheit. Teilweise erschüttert die postsowjetische Perspektivlosigkeit nicht nur in Sibirien.

Insgesamt zu langatmig und zu unsortiert kommen diese Assoziationen in fünf Kapiteln daher.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Solch beschriebene Zukunftswelten gab und gibt es bereits.

Hund 51
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Die dystopische Szenerie spielt in einem untergehenden Griechenland, in einem demonstrierenden Athen, übernommen von einem Großkonzern, der den Überwachungsstaat Magnapolis mit einem streng regulierten ...

Die dystopische Szenerie spielt in einem untergehenden Griechenland, in einem demonstrierenden Athen, übernommen von einem Großkonzern, der den Überwachungsstaat Magnapolis mit einem streng regulierten Drei-Klassensystem errichtet. Wie in Science-Fiction, in Cyberpunk üblich, geht es auch hier um Implantate in Menschen, um arme Außenseiter aus Zone 3 in zerstörter, unwirtlicher Umwelt. Kriminalistisch geht es nicht nur um die Aufklärung zweier Morde, um die BreakWalls-Affäre und der Fahndung nach Jon Mafram, sondern auch um einen sehr schmutzigen Wahlkampf. Der Hilfspolizist Sparak Zem, Codename „Hund 51“ als Hauptfigur, verkörpert die Rolle des einsamen, mitmenschlichen Kämpfers für Gerechtigkeit und Wahrheit wunderbar. Das beschriebene Überwachungssystem mit lange zurück reichenden brisanten Akten könnte an die Machenschaften der Stasi erinnern, also an eine deutsche dystopische Vergangenheitswelt. Unterhaltsam!

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Ein unterhaltsamer Roman über soziale Störfaktoren.

Der gute König
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Die Szenerien spielen im Gewerbegebiet am Rande Frankfurts und im dortigen Villenviertel. Der Ich-Erzähler Fransi, mit Abitur als Letzter angestellt bei dem Klempnermeister und Alkoholiker Hieronymus Bosch, ...

Die Szenerien spielen im Gewerbegebiet am Rande Frankfurts und im dortigen Villenviertel. Der Ich-Erzähler Fransi, mit Abitur als Letzter angestellt bei dem Klempnermeister und Alkoholiker Hieronymus Bosch, mitmenschlich und loyal in seiner Männerfreundschaft auch zu seinem Schulfreund Bashkim in all seiner Ödnis um ihn herum, Im Zentrum der hier angerissenen Gesellschaftskritik steht das eher pietätlose Bataclan-Denkmal von Jeff Koons in Paris, einer Hand mit zehn Meter hohen Tulpen, eher Kitsch als Kunst, gefertigt in einer deutschen Kunstschmiede, von Bashkim in mühsamer Arbeit zusammengeschweißt, lackiert, poliert und vor Ort mit Fransi aufgebaut. In der recht oberflächlichen Auseinandersetzung geht es um fragwürdige Kunstobjekte an sich, um Ausbeutung bei vollem körperlichen, gesundheitsschädigenden Einsatz von Handwerkern, um unbeachtete Zuarbeiter von berühmten Künstlern. Auch wird die unethische Zahlungsmoral und Auftragsvergabe Neureicher thematisiert. Der Sprachstil besonders in den kernigen Dialogen ist oft treffend umgangssprachlich. In ihren Betrachtungen über soziale Unterschiede geht es auch um ihr unerfülltes Leben und ersehnte Liebe.

Die Kunstwelt zwischen Kitsch und Kunst in historischem Rahmen und ein junger Mann im Zwiespalt.

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