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Veröffentlicht am 08.07.2025

Was für ein Sex erfülltes Leben in queerem Milieu!

Schwindel
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Zwischen Schwindelgefühlen auf dem Dach eines Hochhauses und Schwindeleien im Leben von vier Menschen bewegt sich dieser queere Roman. Diese Figuren Ava, Robin, Delia und Silvia, die sich aus Versehen ...

Zwischen Schwindelgefühlen auf dem Dach eines Hochhauses und Schwindeleien im Leben von vier Menschen bewegt sich dieser queere Roman. Diese Figuren Ava, Robin, Delia und Silvia, die sich aus Versehen hier oben ausgesperrt haben, werden in Rückblenden näher vorgestellt, was teilweise sehr vom Haupterzählstrang ablenkt. Miteinander verbunden sind sie hauptsächlich durch ihr älteres bzw. aktuelles sexuelles Verhältnis zu Ava. Das Milieu von polygamen Verhältnissen wird verdeutlicht, auch mit den negativen gesellschaftlichen wie gesundheitlichen Konsequenzen. Delia als Trans-Person wird in ihrer Erzählposition mit "demm" und "dey" statt "er" und "sie" dargestellt, was Erklärungsbedarf auslösen könnte. Die Lesbe Silvia ist in diesem Quartett bedeutend älter als die drei sexuell erfahrenen Akteure um die 30. Thematisiert werden Drogen, Sehnsucht nach Nähe und Zugehörigkeit. Die Wortwahl entspringt oft einem nicht alltäglichen Slang aus queeren Kreisen.
Alles sehr gewöhnungsbedürftig für Otto Normalverbraucher. Mutig!

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Ein zu utopisches Weltbild im Ausnahmezustand.

Hyphen
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Ausgangssituation ist wochenlanger Stromausfall weltweit. Dann folgt eigentlich in Deutschland eine effektive Nothilfe vor Ort nach vorhandenen, ausgearbeiteten Notfallplänen bestehender Organisationen ...

Ausgangssituation ist wochenlanger Stromausfall weltweit. Dann folgt eigentlich in Deutschland eine effektive Nothilfe vor Ort nach vorhandenen, ausgearbeiteten Notfallplänen bestehender Organisationen wie in Deutschland z.B. die Malteser, das Rote Kreuz etc. Zu freiwilliger Mitarbeit der Menschen vor Ort wird aufgerufen. Besonderes Augenmerk der Schutzmaßnahmen wird dabei auf besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen gelegt. Dass sich spontan eine Selbstorganisation vor Ort etabliert, scheint eher utopisch zu sein. Nicht jeder schwört auf eine Notgemeinschaft mit Subbotniks, mit freiwilligen, unbezahlten Arbeitseinsätzen wie in der Sowjetunion. Sie bringt nicht unbedingt mehr Freiheit, mehr Schutz und Entlastung, weniger Verantwortung. Kommunismus ohne Strom oder Sowjetmacht minus Elektrifizierung wäre kein überzeugendes Konzept zum schnellen Aufbau des neuen Zusammenlebens und Überlebens unter solchen veränderten Bedingungen. Inwieweit Solarpanels und Windräder im Notfall tatsächlich den Strombedarf aus landeseigenen Ressourcen decken könnten, wurde noch nicht radikal ganzjährig durchgespielt.
Die Kurzgeschichten sind nur lose ohne roten Faden aufgeführt. Das Gendern stört den Lesefluss und auch die eingeflochtenen englischen Texte sollten ersetzt werden durch die deutsche Übersetzung im Anhang.
Wollen wir einen solchen Notstand nicht heraufbeschwören.

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Veröffentlicht am 07.07.2025

Historisches fantasievoll aufbereitet.

Die Insel des kleinen Gottes
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Dieser dreiteilige historische Roman um das verunglückte Auswandererschiff Princess Augusta findet urkundliche Erwähnung in der Inselchronik von Block Island, Rhode Island. Außerdem belebt die Legende ...

Dieser dreiteilige historische Roman um das verunglückte Auswandererschiff Princess Augusta findet urkundliche Erwähnung in der Inselchronik von Block Island, Rhode Island. Außerdem belebt die Legende um das Geisterschiff The Palatine Light des 18. Jahrhunderts die mysteriösen Umstände ihres nächtlichen Aufleuchtens. Es geht im ersten Teil um die 400 Passagiere, Pfälzer vor allem, um ihre Motivation zur Auswanderung von Rotterdam aus zur Insel des Kleinen Gottes, später Rhode Island genannt. Die Hauptperson, der Kartograf David van Roon, wird 1738 Zeuge des brennenden Schiffsunglücks während seiner Kartenerstellung der Insel zwischen gläubigen Quäkern. Alpträume, Erinnerungslücken und Schuldgefühle plagen ihn nach seiner Mithilfe bei der Rettung der Schiffsbrüchigen, die ihm einen Black-Out beschert. Zwei Überlebende befragt er deshalb im zweiten Teil. Entlang der mystischen Deutung von zehn Tarot-Karten schildert die gerettete Wahrsagerin Long Kate schonungslos die üblen Überfahrtverhältnisse inclusive finaler Schluss-Ereignisse. Im dritten Teil kämpft David daraufhin mühsam mit Phantombildern, Erinnerungsfetzen und verstörenden, teils unklaren Bildern um einen sinnvollen Zusammenhang.
Die bildliche Wortwahl macht Davids Suche nach seelischer Schmerzlinderung ebenso lebendig wie die dramatische Überfahrt der Havarierten. Der Schreibstil ist leicht an das 18.Jahrhundert angepasst. Durch das langsame Zusammensetzen der dramatischen Fakten und des halbdunklen Geisterhaften entsteht eine geschickt arrangierte Spannung.

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Veröffentlicht am 06.07.2025

Lesenswert!

Aus unsicherer Entfernung
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Das Cover zeigt einen Strand mit vereinzelten Personen auf Distanz zum Auge des Fotografen, passend zum Buchtitel und auch zu einigen Erzählungen. Die Palette in diesen 26 Kurzgeschichten handelt teils ...

Das Cover zeigt einen Strand mit vereinzelten Personen auf Distanz zum Auge des Fotografen, passend zum Buchtitel und auch zu einigen Erzählungen. Die Palette in diesen 26 Kurzgeschichten handelt teils von gesellschaftlichen inländischen und ausländischen Problemfeldern, teils von generationsübergreifender Distanz innerhalb einer Ehe, Familie, innerhalb von Freunden, Kulturen. In manchem Selbstgespräch oder Dialog wird ehrlich über Erlebtes oder Gefühltes reflektiert, z.B. über Corona, Krebs, über Religion und die Seele. Nüchterne, kritische Beobachtungen können sarkastische und zynische Kommentare enthalten, manchmal mit offenem oder bissigem Ende. Immer geht es um den Menschen zwischen Maschinen, dem Internet oder um einfühlsam festgehaltene Emotionen einsam am Klavier. Neben Urlaubsbeobachtungen in der Bretagne, in Leiden und in der Algarve fällt die kritisch beschriebene Marrakesch-Reise aus unsicherer Entfernung heraus, über ein Land, in dem die Moderne auf das Mittelalter trifft.
Menschlich berührende Emotionen,, immer in der Hoffnung auf bessere Zeiten!

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Die bewegende Geschichte einer auf Zwang und Gewalt gegründeten Familie

Geliebte Mutter – Canım Annem
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Der Roman über die Gastfamilie Güney enthält autobiographische Elemente, beginnt mit der Zwangsverheiratung der 19-jährigen Aynur Güvenilir in Istanbul, endet mit einem gehassten, glückspielsüchtigen ...

Der Roman über die Gastfamilie Güney enthält autobiographische Elemente, beginnt mit der Zwangsverheiratung der 19-jährigen Aynur Güvenilir in Istanbul, endet mit einem gehassten, glückspielsüchtigen Ehemann und zwei traumatisierten, erwachsenen, beruflich erfolgreichen Kindern in Herne. Die Tochter und Ich-Erzählerin Meryem ist mit dem Tot ihres Vaters im Jahr 2017 endlich angekommen als Aus- und Aufsteigerin, als Migrantin in der BRD. Ihr gewalttätiger Vater hat besonders die Mutter so schändlich behandelt, dass die Geschwister Ada und Meryem traumatisiert aus dieser Kindheit in Herne entfliehen, studieren wie von der hart arbeitenden Mutter erhofft entfernt von den problematischen Eltern. Die unruhigen politischen Verhältnisse in der Türkei werden zwischendurch kurz skizziert, im Zentrum jedoch stehen die Konflikte dieser Familie im Mittelpunkt mit Schulden durch die Glückspielsucht des arbeitslosen Vaters, mit Traumatabewältigung bis zu Suizidversuchen, auch bis zu religiösen Missklängen. Die Charaktere wirken realistisch, in ihrer Klarheit teils erschütternd. Das ambivalente emotionale Verhältnis der Tochter zur Mutter schwankt zwischen Liebe und Wut, Schuld und Dankbarkeit. Der Schreibstil, besonders in den Dialogen, ist oft schonungslos anklagend.
Ein sehr emotionaler Roman

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