Traumatische Verarbeitung vom Verlust eines (scheinbar) geliebten Menschen
EskalationsstufenNach dem 8-Stufen-Modell von Dr. Jane Monckton Smith dreht sich dieser Roman um eine Gewalthandlung mit Kalkül, die zunächst im 1. Kapitel als überzeugende Liebesgeschichte daherkommt. Jedoch in Kapiteln ...
Nach dem 8-Stufen-Modell von Dr. Jane Monckton Smith dreht sich dieser Roman um eine Gewalthandlung mit Kalkül, die zunächst im 1. Kapitel als überzeugende Liebesgeschichte daherkommt. Jedoch in Kapiteln 8 und Null tritt die Realität von Gewalt gegen Frauen hervor, die lt. o.g. Autorin vorhersehbar ist. Im künstlerischen Ambiente von Wien angesiedelt geht es um die talentierte Julia Moser, Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache, und den bereits profilierten Maler JoeN., der im ländlichen Raum um Linz eine Jagdhütte geerbt hat. Unglückliche Restriktionen aufgrund der Pandemie, verursacht durch Covid 19, sind kreativ ab 5. Kapitel mit dem überstürzten Ortswechsel dorthin eingebaut als gravierender Kontrollmechanismus des Täters. Nach den zwei letzten, relativ kurzen Kapiteln bewegt sich der Fokus gedanklich erneut auf das anfängliche Kapitel NULL, denn dortige drastische Informationen verwirren zu Anfang des Leseprozesses. In Ich-Perspektive erzählt Julia in zunehmend verwirrendem Gedanken- und Handlungsfluss ihre steigende Bedrängnis. Zum Ende hin ist der Satzbau, zunehmend gestückelt, teils abgebrochene Satzteile wiederholend, hemmt er zwar den Lesefluss, sorgt aber für reichliche Dynamik.
Ein sehr ernstes Thema thematisch gut umgesetzt.