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Veröffentlicht am 04.09.2025

Traumatische Verarbeitung vom Verlust eines (scheinbar) geliebten Menschen

Eskalationsstufen
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Nach dem 8-Stufen-Modell von Dr. Jane Monckton Smith dreht sich dieser Roman um eine Gewalthandlung mit Kalkül, die zunächst im 1. Kapitel als überzeugende Liebesgeschichte daherkommt. Jedoch in Kapiteln ...

Nach dem 8-Stufen-Modell von Dr. Jane Monckton Smith dreht sich dieser Roman um eine Gewalthandlung mit Kalkül, die zunächst im 1. Kapitel als überzeugende Liebesgeschichte daherkommt. Jedoch in Kapiteln 8 und Null tritt die Realität von Gewalt gegen Frauen hervor, die lt. o.g. Autorin vorhersehbar ist. Im künstlerischen Ambiente von Wien angesiedelt geht es um die talentierte Julia Moser, Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache, und den bereits profilierten Maler JoeN., der im ländlichen Raum um Linz eine Jagdhütte geerbt hat. Unglückliche Restriktionen aufgrund der Pandemie, verursacht durch Covid 19, sind kreativ ab 5. Kapitel mit dem überstürzten Ortswechsel dorthin eingebaut als gravierender Kontrollmechanismus des Täters. Nach den zwei letzten, relativ kurzen Kapiteln bewegt sich der Fokus gedanklich erneut auf das anfängliche Kapitel NULL, denn dortige drastische Informationen verwirren zu Anfang des Leseprozesses. In Ich-Perspektive erzählt Julia in zunehmend verwirrendem Gedanken- und Handlungsfluss ihre steigende Bedrängnis. Zum Ende hin ist der Satzbau, zunehmend gestückelt, teils abgebrochene Satzteile wiederholend, hemmt er zwar den Lesefluss, sorgt aber für reichliche Dynamik.
Ein sehr ernstes Thema thematisch gut umgesetzt.

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Veröffentlicht am 03.09.2025

Unsortierte Reflektionen anlässlich des Todes der Mutter und ihr Verhältnis zueinander

Die Wunde
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Das Buch wirkt wie ein autobiographisches Werk mit langatmigen, bruchstückhaft wiederholten Reflektionen der Ich-Erzählerin über die Liebe zu ihrer Mutter, deren Tod, über den Schmerz dieses Verlustes. ...

Das Buch wirkt wie ein autobiographisches Werk mit langatmigen, bruchstückhaft wiederholten Reflektionen der Ich-Erzählerin über die Liebe zu ihrer Mutter, deren Tod, über den Schmerz dieses Verlustes. Neben Beobachtungen über Frauen allgemein im einst sowjetischen und postsowjetischen Russland geht es auch um ihre homosexuelle Neigung im bescheidenen russischen Alltag. Die mäandernde Handlung während der Reise mit Mutters Urne lässt nur schwach die Wunde rund um die unersetzbare Mutterfigur neben Depression und psychischen Problemen der Erzählerin erkennen. Die innere Reise zu sich selbst beschreibt sie in klarer Offenheit. Teilweise erschüttert die postsowjetische Perspektivlosigkeit nicht nur in Sibirien.

Insgesamt zu langatmig und zu unsortiert kommen diese Assoziationen in fünf Kapiteln daher.

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Veröffentlicht am 02.09.2025

Solch beschriebene Zukunftswelten gab und gibt es bereits.

Hund 51
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Die dystopische Szenerie spielt in einem untergehenden Griechenland, in einem demonstrierenden Athen, übernommen von einem Großkonzern, der den Überwachungsstaat Magnapolis mit einem streng regulierten ...

Die dystopische Szenerie spielt in einem untergehenden Griechenland, in einem demonstrierenden Athen, übernommen von einem Großkonzern, der den Überwachungsstaat Magnapolis mit einem streng regulierten Drei-Klassensystem errichtet. Wie in Science-Fiction, in Cyberpunk üblich, geht es auch hier um Implantate in Menschen, um arme Außenseiter aus Zone 3 in zerstörter, unwirtlicher Umwelt. Kriminalistisch geht es nicht nur um die Aufklärung zweier Morde, um die BreakWalls-Affäre und der Fahndung nach Jon Mafram, sondern auch um einen sehr schmutzigen Wahlkampf. Der Hilfspolizist Sparak Zem, Codename „Hund 51“ als Hauptfigur, verkörpert die Rolle des einsamen, mitmenschlichen Kämpfers für Gerechtigkeit und Wahrheit wunderbar. Das beschriebene Überwachungssystem mit lange zurück reichenden brisanten Akten könnte an die Machenschaften der Stasi erinnern, also an eine deutsche dystopische Vergangenheitswelt. Unterhaltsam!

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Ein unterhaltsamer Roman über soziale Störfaktoren.

Der gute König
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Die Szenerien spielen im Gewerbegebiet am Rande Frankfurts und im dortigen Villenviertel. Der Ich-Erzähler Fransi, mit Abitur als Letzter angestellt bei dem Klempnermeister und Alkoholiker Hieronymus Bosch, ...

Die Szenerien spielen im Gewerbegebiet am Rande Frankfurts und im dortigen Villenviertel. Der Ich-Erzähler Fransi, mit Abitur als Letzter angestellt bei dem Klempnermeister und Alkoholiker Hieronymus Bosch, mitmenschlich und loyal in seiner Männerfreundschaft auch zu seinem Schulfreund Bashkim in all seiner Ödnis um ihn herum, Im Zentrum der hier angerissenen Gesellschaftskritik steht das eher pietätlose Bataclan-Denkmal von Jeff Koons in Paris, einer Hand mit zehn Meter hohen Tulpen, eher Kitsch als Kunst, gefertigt in einer deutschen Kunstschmiede, von Bashkim in mühsamer Arbeit zusammengeschweißt, lackiert, poliert und vor Ort mit Fransi aufgebaut. In der recht oberflächlichen Auseinandersetzung geht es um fragwürdige Kunstobjekte an sich, um Ausbeutung bei vollem körperlichen, gesundheitsschädigenden Einsatz von Handwerkern, um unbeachtete Zuarbeiter von berühmten Künstlern. Auch wird die unethische Zahlungsmoral und Auftragsvergabe Neureicher thematisiert. Der Sprachstil besonders in den kernigen Dialogen ist oft treffend umgangssprachlich. In ihren Betrachtungen über soziale Unterschiede geht es auch um ihr unerfülltes Leben und ersehnte Liebe.

Die Kunstwelt zwischen Kitsch und Kunst in historischem Rahmen und ein junger Mann im Zwiespalt.

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Veröffentlicht am 30.08.2025

Anspruchsvoll und zum Nachdenken!

Bin das noch ich
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In vier Teilen geht es über mehr als 45 Tage um den ca. 50-jährigen Violin-Virtuosen Simon Abrameit, Musiker ohne Festanstellung, der derzeit seine Sachen in einer Halle in einem Gewerbegebiet in Kisten ...

In vier Teilen geht es über mehr als 45 Tage um den ca. 50-jährigen Violin-Virtuosen Simon Abrameit, Musiker ohne Festanstellung, der derzeit seine Sachen in einer Halle in einem Gewerbegebiet in Kisten untergebracht hat. Die anfängliche Szenerie spielt in einer Kapelle außerhalb von Helsinki mit einem teils missglückten Auftritt Abrameits. Er verspielt sich bei einer Bartók-Sonate aufgrund zweier sperriger Finger seiner linken Hand. Verdacht auf fokale Dystonie. Seine Identitätskrise ohne Aufklärung folgt. Eigentlich findet er keine Antworten auf Fragen wie:
• Was bringt mein Gehirn dazu, dasjenige abzustoßen, das der gesamte Inhalt meines Lebens ist?
• Was bleibt, wenn ich nicht mehr aktiv musizieren kann“
• Was werde ich noch alles verlieren?
• Wie soll ich es anstellen, mein Leben komplett neu einzurichten.
In einer einsamen Hütte auf einer Schäreninsel nahe der Insel Gogland, einer russischen Insel in der Ostsee, frönt er der Vogelbeobachtung, verliert sich in philosophisch angehauchte Gedankengänge über weltberühmte Komponisten und Musiker mit ähnlichem Problem, resümiert teilweise langatmig über musikalische Konstellationen in Werken besonders von Bartók. Um über sich selbst Klarheit zu obigen Fragen zu gewinnen, schreibt er Briefe an Darja, einer berühmten Violinistin aus der Ukraine. Historische Ereignisse wie der Ukraine-Krieg und die Pandemie werden angerissen.
Der poetische Schreibstil gefällt. Ein Roman besonders geeignet für Musikliebhaber klassischer Musik und Hobbyornithologen.

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