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Veröffentlicht am 31.05.2025

Ein erschreckendes Ende.

Es gibt kein Zurück
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Das Cover zeigt ein Nostalgie-Radio in Holzverkleidung, mit zwei Knöpfen für den gewünschten Senderkanal und Lautstärke. Angespielt wird damit auf die Glanzzeit des Radios als wichtiges Medium vergangener ...

Das Cover zeigt ein Nostalgie-Radio in Holzverkleidung, mit zwei Knöpfen für den gewünschten Senderkanal und Lautstärke. Angespielt wird damit auf die Glanzzeit des Radios als wichtiges Medium vergangener Zeiten. Die Hauptfigur Aldus Wieland Mumme, ein bekannter Mann des Radios mit seinen Jahrzehnte langen Beiträgen und abgehobenen Theorien in Richtung Soziologie und Philosophie beim verklausulierten Deutschlandfunk, er beschließt mit dem Erhalt seines Rentenbescheid über magere 1183 € Rente, eine Autobiographie zu schreiben. Ist der Schreibstil anfangs sehr gedankenschwer und gestelzt, folgt man daraufhin einem nostalgischen Roadtrip über Leipzig, Paris bis in die Gegend um Toulon mit Albus auf einem Motorrad antiquierter Bauart. In seinen eingebetteten Rückbesinnungen zu seinem Freund Maik, seinen Eltern und seiner Kindheit finden sich kreative Dialoge mit Sine, Praktikantin in seiner Literatur-Agentur. Seine Lebenskrise basiert wohl auf dem intellektuell fundierten Verlust des Radios an sich und seiner bisher hoch geschätzten Beiträge "Gedanken zur Zeit" in der Medienkultur. Es bekümmert ihn sehr, dass sein Anagramm AWM auch für „Alter weißer Mann“ stehen könnte. Das Ende der Hauptfigur kommt erschreckend überraschend.

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Interessanter Historienroman.

Die Schwarze Gräfin. Geheimnisse an der Eisenstraße
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Das Cover passt sehr gut zur Geschichte einer facettenreichen Frau in einem Dorf an der Eisenstraße im Grenzgebiet Niederösterreich – Oberösterreich – Steiermark. Die 29jährige Ich-Erzählerin Magdalena ...

Das Cover passt sehr gut zur Geschichte einer facettenreichen Frau in einem Dorf an der Eisenstraße im Grenzgebiet Niederösterreich – Oberösterreich – Steiermark. Die 29jährige Ich-Erzählerin Magdalena steht als sehr berechnende Frau im Mittelpunkt, die es ab 1949 auch unter Einsatz ihrer weiblichen Reize geschickt kalkulierend zu Luxus und Einfluss im Hammerherrenhaus der Schneebergs bringt. Zur Geschichte von Hammerherren vor allem in Windischgarsten wird mit seiner jahrhundertelangen Tradition der Sensenherstellung und anderem Werkzeug aus den Eisenwurzen eingegangen. Zunächst wird nicht nur der elende Ehealltag von Magdalena beschrieben, auch die Einflussnahme der eingeheirateten Familie und die Gerüchteküche der Dorfgemeinschaft kommen gut zur Geltung. Mit weiteren männlichen Figuren wie die Pfarrer, den Jäger, den Maler oder Oscar Schneeberg entwickelt sich auch die geschäftige, zuverlässige Haushälterin Magdalena mehr und mehr zu einer berechnenden Frau, die sich erfolgreich trotz Regelwerk und starren Konventionen innerhalb der Dorfgemeinschaft zu behaupten weiß. Christliche Werte und dörfliche Gepflogenheiten sind realistisch eingestreut mit all ihrem Klatsch, Neid, Beichten und Bespitzeln und machen das dynamische Dorfgeschehen voller Traditionen spannend und lebendig. Neben dem Schreibstil gefällt besonders die Einbindung o.g. interessanter historischer Fakten über Hammerherrendynastien.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit viel innerer Einkehr

Unsere Suche nach Zärtlichkeit
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In fünf Teile untergliedert spielt die Szenerie in Brüssel, Antibes und Umgebung. Die Hauptfigur Dumont, fast 50, Uhrmacher mit abgebrochenem Jura-Studium, ehrenamtlicher Telefonseelsorger, geschieden ...

In fünf Teile untergliedert spielt die Szenerie in Brüssel, Antibes und Umgebung. Die Hauptfigur Dumont, fast 50, Uhrmacher mit abgebrochenem Jura-Studium, ehrenamtlicher Telefonseelsorger, geschieden und einsam, macht sich aufgrund des nächtlichen Anrufs einer schluchzenden Frau auf deren Suche anhand weniger Angaben. Selbst für seinen Freund, den griechischen Hausarzt Zambarloukos, ergibt das keinen realistischen Sinn. Neben Einzelheiten zu seinem bisherigen glücklosen Leben konzentriert sich der Roman auf die Beschreibung allmählicher Annäherung von zwei sympathischen Figuren, Dumont und Florence, in Antibes mit bildhaften Landschaftsbeschreibungen von Südfrankreich und gefühlvollen zwischenmenschlichen Gefühlen. Neben der Suche nach echter Zärtlichkeit und Menschlichkeit, neben Vertrauen, Ehrlichkeit, Moral und Ethik in einer Beziehung geht es auch um die Situation von pflegenden Angehörigen und der damit einhergehenden körperlichen wie seelischen Belastung, um deren langsame, soziale Vereinsamung. Inhaltlich irritiert Dumont’s langer Aufenthalt in Antibes über fünf Wochen, wo ihm doch seit der Scheidung das Geld fehlt, um in den Erhalt der geerbten Uhrmacherwerkstatt zu investieren. Und das schlecht laufende Geschäft kann man über einen so langen Zeitraum schließen? Das Ende lässt wohl bewusst wichtige Beziehungsfragen offen. Die liebevolle Charakterzeichnung beider Figuren gefällt durch den einfühlsamen Schreibstil.

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Ein Roman mit Nachwirkung!

Der Honigmann
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Das Cover mit einer Wespe unter einem übergestülpten Weinglas ist schwer zu entschlüsseln.
Die Szenerie spielt in einem idyllischen Vorstadtort mit einem Freundschaftskreis von drei Familien mit Kindern. ...

Das Cover mit einer Wespe unter einem übergestülpten Weinglas ist schwer zu entschlüsseln.
Die Szenerie spielt in einem idyllischen Vorstadtort mit einem Freundschaftskreis von drei Familien mit Kindern. In Gärten ist Platz zum Grillen, Kinder spielen am bzw. im Bach und naher Forst vermittelt Ruhe, gesunde Natur und Sicherheit. Während das Hauptaugenmerk auf der langsamen, sich verselbständigenden Entwicklung von Fine und ihren nachbarlichen Freunden liegt, kommt die Perspektive des Honigmanns nur an Anfang und Ende des Romans zum Tragen. Anfangs durch das Auftauchen eines Briefes mit einem Geheimnis hinsichtlich Pädophilie aus der Vergangenheit des Honigmanns gerät eine WhatsApp-Gruppe außer Kontrolle. Familien und Freundschaften werden zerstört durch Mistrauen, Neid und kriminelle Handlungen. Involviert sind auch Lehrkörper, Polizei und ein Gastronom, deren koordiniertes Agieren reflektiert wird. Was ein Gerücht mit schnellen Vorverurteilungen auf sozialen Medien anrichten kann, steht hier zur tiefer gehenden Diskussion.
Brisante, aktuelle Themen: Aufdeckung von Pädophilie und unreflektierte Gerüchtepolitik über Medien.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Beklemmende, trostlose, deprimierende Atmosphäre im ehemaligen Osten Deutschlands

Verlassene Nester
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Das Cover zeigt einen Ausschnitt von sechs Balkonen eines trostlosen Plattenbaus im DDR-Stil, passend zu diesem Roman in 1992, drei Jahre nach der Wiedervereinigung. Der mehrdeutige Buchtitel um verlassene ...

Das Cover zeigt einen Ausschnitt von sechs Balkonen eines trostlosen Plattenbaus im DDR-Stil, passend zu diesem Roman in 1992, drei Jahre nach der Wiedervereinigung. Der mehrdeutige Buchtitel um verlassene Nester, ob nun durch Menschen oder auch durch Vögel, ist ebenso einstimmend gewählt. In drei Teilen geht es um die kindliche Perspektive der 13 – jährigen Pilly, die ihre Schulsommerferien in dem fiktiven, überschaubaren Ort an der Elbe mit stillgelegtem Betonwerk, alten Gleisen, einer Brücke, einer Kleingartensiedlung, Kasernen etc. verbringt. Ihre Situation in einer zerrissenen Familie mit betrunkenem Vater und verschwundener Mutter wird durch problematische Freundschaften nicht glücklicher. Die um sie agierenden Charaktere wie Frau Klinge, ihr Vater Martin, die zwei Tanten oder die zwei älteren Freundinnen vermitteln kranke Auswirkungen durch die Wende, ob nun Arbeitslosigkeit, Rassismus gegenüber den verbliebenen Vertragsarbeitern aus Vietnam oder Erinnerungen an die Stasi-Vergangenheit. Fluchthilfe. Leider helfen auch die Rückbesinnungen nicht, das Verschwinden und das plötzliche Auftauchen von Pilly’s Mutter besser zu verstehen. Einige DDR-typische Begriffe wie z. B. Trapo oder Sero-Annahmestelle mögen Erklärungsbedarf wecken. Das Klima der Ernüchterung nach der anfänglichen Hoffnung auf ein besseres Leben und die Abwehr von Veränderungen ist gut eingefangen. Leider sind zu viele Fragen rund um Pilly’s Mutter offen geblieben.

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