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Veröffentlicht am 06.03.2025

Thriller in ungewöhnlichem Setting

Die Kammer
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Das Cover mit geisterhaft aufgedrückter, schwarzer Hand in undurchsichtigem Nebel hinter einem Bullauge setzt bereits nicht alltägliche Akzente, denn dahinter verbringen sechs Sättigungstaucher unter Druckausgleich ...

Das Cover mit geisterhaft aufgedrückter, schwarzer Hand in undurchsichtigem Nebel hinter einem Bullauge setzt bereits nicht alltägliche Akzente, denn dahinter verbringen sechs Sättigungstaucher unter Druckausgleich mehrere Tage während ihres Einsatzes an einer Ölpipeline, hier in der Nordsee. Zu Beginn des Buches befindet sich die Darstellung des Taucherbasisschiffs DSV Deep Topaz, mit Kammer, Nasszelle und Taucherglocke, am Ende ein Glossar. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive von Ellen Brooke, der einzigen Frau im Team, belastet mit Schuldgefühlen nach dem jähen Verlust ihrer Familie. Die wiederholten Schilderungen von überlebenswichtigen Regeln bezüglich ihres Unterwasseralltags, jedoch nur eines Tiefseeeinsatzes, sind so detailreich und lebendig, dass man die klaustrophobische Atmosphäre voller akuten Gefahren, Misstrauen und Ängste in und außerhalb der eisernen Druckkammer gut nachempfindet. Begriffe wie z.B. Medlock oder TUP-Kapsel etc. werden nicht nur im Text direkt erklärt, sondern fügen sich organisch auch in die Handlung ein, die mit dem ersten Toten auf engstem Raum für arge Beklemmung beim Lesen sorgt. Die völlig fremde Arbeitsumgebung der Sättigungstaucher entpuppt sich dabei als lehrreich, zunehmend spannender mit steigender Anzahl der Todesfälle. Thematisiert werden auch Überlebenswillen, Gruppendynamik, Isolation, Vertrauen, die physischen und psychischen Belastungen. Auch die aufs wesentliche reduzierte Kommunikation und die eigene Art von Humor beleuchtet der Autor treffend. Jedoch das Ende scheint ohne Motiv für die Morde zu sein mit André, vielleicht mit »Bubble-Hirn«, in einer geschlossenen Station eines Krankenhauses. Die Schuldfrage für vier Morde wird nicht eindeutig geklärt, was enttäuscht.

Veröffentlicht am 05.03.2025

So viel Liebe zu Mensch, Tier, Natur und Büchern

Die Bücherfrauen von Listland. Der Gesang der Seeschwalben
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Das Cover versprüht eine wild romantische Atmosphäre im vernebelten Sonnenaufgang am Meer, mystisch auch die zart übergleitende Farbgebung – sehr ansprechend und passend zum Roman. Der Star der Potcast-Reihe ...

Das Cover versprüht eine wild romantische Atmosphäre im vernebelten Sonnenaufgang am Meer, mystisch auch die zart übergleitende Farbgebung – sehr ansprechend und passend zum Roman. Der Star der Potcast-Reihe Bemerkenswerte Bücherfrauen mit der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit steht im Mittelpunkt. Von Fenja Lorenzen und ihrem Mutter-Tochter-Drama wird erzählt. In zwei Erzählsträngen ab 1937 und der Gegenwart geht es auch um die Liebe zu einem Mann jüdischer Herkunft mit etlichen negativen Konsequenzen für die Familie. Die Szenerien in zwei Teilen spielen größenteils in Niebüll, Friedrichstadt und Listland, eingebettet in viel Lokalkolorit, Symbolik und historische Daten. Die Journalistin Anna März begleitet die Familie taktvoll auf ihrem Weg der gegenseitigen Annäherung. Die Einstellung gegen Krieg, Hass, ethnische Vorurteile und die Auswirkung früher Traumata wird thematisiert. Diese Schilderungen der Vergangenheitsbewältigung und des Alltagslebens besonders auf Listland wirken realistisch und authentisch, überzeugen auch in ihren größenteils sympathischen Charakteren in angenehmem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Das Tinder-Zeitalter mit seinen Herausforderungen

No Hard Feelings
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Penelope Moore, Penny, ist 26 Jahre alt, Account Managerin bei Scout Digital Meistens in Cremorne, einem Stadtteil von Melbourne, Victoria, Australien. Mit ihren Freundinnen Annie, Anwältin und Bec Cooper, ...

Penelope Moore, Penny, ist 26 Jahre alt, Account Managerin bei Scout Digital Meistens in Cremorne, einem Stadtteil von Melbourne, Victoria, Australien. Mit ihren Freundinnen Annie, Anwältin und Bec Cooper, verlobt hat sie regen Gedankenaustausch über ihre Versagensängste und Selbstzweifel, über Sinnsuche in ihrem Beruf und Akzeptanz in männlichen Bekanntschaften wie Max Fitzgerald. Gerne hätte Penny, die Erzählerin, weniger Lebensbaustellen und langweilt mit Selbstmitleidsmonologen, wenn auch in flottem, teils humorvollem Schreibstil. In dieser Welt der Mitt- bzw. Endzwanziger schimmert ein wenig australisches Lokalkolorit durch. Thematisiert werden neben ausgiebigem Alkoholgenuss, Pennys psychische Gesundheit, Depressionen und Ängste neben der sich verändernden Freundinnenschaft während ihrer schwierigen Zeit der Selbstfindung.
Insgesamt ein kurzweiliges Leseerlebnis, gerne mit mehr Tiefe.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Familiengeheimnisse, seit Generationen verschwiegen.- einfühlsam aufbereitet

Vor hundert Sommern
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Das Cover mit lesender, junger Frau im Baum erinnert passend an eine Hauptfigur im Generationenroman, der sich hauptsächlich mit dem bewegenden Schicksal dreier Frauen einer Familie befasst. Auf zwei Erzählebenen ...

Das Cover mit lesender, junger Frau im Baum erinnert passend an eine Hauptfigur im Generationenroman, der sich hauptsächlich mit dem bewegenden Schicksal dreier Frauen einer Familie befasst. Auf zwei Erzählebenen – 1924 und 2024 – geht es jeweils im Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit um politische und historische Entwicklungen sowohl im heutigen universitären Rahmen in Richtung Antisemitismus, Unterdrückung der Meinungsfreiheit nicht nur auf sozialen Medien, Hasspropaganda als auch nach 1924 um das Nazi-Regime. In Berlin, Hamburg und Bremen erstehen realistisch und einfühlsam beschriebene Szenen besonders um Clara in Berlin-Charlottenburg, die nach 1924 unter dem Erstarken der NSDAP sehr bedrückend wirken. Die Darstellung des gefährlichen Alltagslebens von Juden, Halbjuden, Kommunisten, Gewerkschaftlern und in Mischehen regt sehr zum Nachdenken an, erfährt doch die damalige Hass- und Gewaltwelle mancherorts nach 100 Jahren ein erneutes Erstarken. Durch das Auffinden rätselhafter Gegenstände wie z.B. Fotos, Briefen oder einer Pistole beim Entrümpeln von Claras Wohnung wird geschickt ein Spannungsbogen entlang den stückweisen Enthüllungen der Seniorin Elisabeth gespannt. Die Figuren sind alle menschlich, sympathisch und realistisch gezeichnet. Der feinfühlige Schreibstil lässt die oft beklemmende Atmosphäre von Schuld, Hass und Gefahr nachempfinden.
Empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Liebevolle, aber auch still hinterfragte Erinnerungen einer emanzipierten Frau

Schwimmen im Glas
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Das Selbstporträt, das Hannelore Moser, kurz Lore, als Schulkind malt, beschreibt sehr gut ihre bisherige, als einengend und ungerecht empfundene Lebenssituation als stummen Fisch mit Schuppen und goldenen, ...

Das Selbstporträt, das Hannelore Moser, kurz Lore, als Schulkind malt, beschreibt sehr gut ihre bisherige, als einengend und ungerecht empfundene Lebenssituation als stummen Fisch mit Schuppen und goldenen, silbernen, bunten Flossen, gefangen in einem Gurkenglas mit Deckel, der über einen aggressiven Stachel einen gelben, eitrigen, krankhaften Schleier abgibt. Und das Gurkenwasser im sie eingrenzenden Glas ist ihr beschränktes Universum. In ruhigem Schreibstil hinterfragt Lore von Kindesbeinen an ihre wohl behütete, patriarchalisch geprägte Welt. Frauen sollen z.B. dankbar sein für unzählige Zugeständnisse der Männer, für deren Entgegenkommen. Und wofür sollen Männer dankbar sein? Besonders der Großvater wirkt prägend auf Lore in seiner Welt voller festgefahrenen, überkommenen Geschlechterrollen. In ihren mit Bedacht geführten Gesprächen – auch über Kriegserlebnisse - fallen viele tiefgehende Gedankenstriche und der Einsatz der Wörter aber, eigentlich, wirklich auf. Tante Ursula bildet als künstlerisch veranlagter, außerhalb allgemein gültiger Normen lebender Stadtmensch den hitzigen, feministisch argumentierenden Kontrapunkt in der Familie. Das Leben der erwachsenen, emanzipierten Lore wird nur in Bruchstücken beleuchtet.
Ein einfühlsamer Erinnerungsroman!

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