Profilbild von easymarkt3

easymarkt3

Lesejury Star
offline

easymarkt3 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit easymarkt3 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.06.2026

Eine Geschichte in fantasievollem Schreibstil zum Nachdenken!

Hinter den Mauern der Ozean
0

Das Cover zeigt das Fluchtmobil in feiner Linienführung, passend zum Romaninhalt.
Das Setting hier in einem dystopischen Berlin weckt Erinnerungen an Care-Pakete aus der Luft, an damaligen einschränkenden ...

Das Cover zeigt das Fluchtmobil in feiner Linienführung, passend zum Romaninhalt.
Das Setting hier in einem dystopischen Berlin weckt Erinnerungen an Care-Pakete aus der Luft, an damaligen einschränkenden Freiheitsentzug durch eine ehemalige Mauer. Prägnante Örtlichkeiten wie z.B. die Museumsinsel, den Flughafen Tempelhof oder auch das Charlottenburger Schloss einzubeziehen, ist gelungen. Die mutige und neugierige Ich-Erzählerin Lola wandert nicht nur im unsicheren Teil Berlins herum, an das zerstörte Nachkriegs-Berlin erinnernd, sondern sie möchte auch über die hohe, graue Mauer blicken, um den sie umgebenden salzigen Ozean und noch viel mehr zu überblicken.
Auch wenn die Welt der per Schiff anreisenden Fremden, der Übersetzer und der Dienstfertigen nebelhaft und geheimnisumwittert bleibt, so treten die fünf Hauptakteure doch sehr klar umrissen auf, in einem leicht poetischen Schreibstil, die eigene Fantasie reizend. Besonders während der Sommermonate bei Fremdenführungen treten Fragen zu Kontrolle, zu Waffenbesitz, Übersetzungsfragen und zu Ängsten gegenüber den Übersetzern hinter ihrem Visier auf. Auch Friedrichs Kommentar zur Szene mit der Nackten lässt Gedanken an Stasi-Methoden aufkommen. Die unterschwellige Angst vor Flutung oder auch das Entschwinden des jeweils ältesten der fünf Ewigen verschärfen die bedrückende, unsichere Atmosphäre ohne viele Freiheiten. Der offene, mutige Blick über die Mauer um Berlin gelingt. Die Flucht in die ersehnten Alpen ebenso? 4/5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.06.2026

Ein interessantes Psychogramm einer amerikanischen Upperclass-Familie

Bevor es geschah
0

Thematisch ist das Feiern eines Familienfestes nichts Neues und auch nichts Interessantes. Und mit vier Geschwistern im mittleren Alter nebst ihren jeweiligen Partnern, Kindern und ihrer verwitweten Mutter ...

Thematisch ist das Feiern eines Familienfestes nichts Neues und auch nichts Interessantes. Und mit vier Geschwistern im mittleren Alter nebst ihren jeweiligen Partnern, Kindern und ihrer verwitweten Mutter Elisabeth sind anfangs verwirrend viele vielfältige Figuren zu verarbeiten beim Lesen – eine Durststrecke. Im Verlauf dieser alljährlichen Pflichtveranstaltung im Garten mit BBQ und offenem Pool im Jahr 2021 entwickelt sich allmählich eine zum Greifen nahe angespannte Atmosphäre durch allmähliche Aufdeckung von teils doch dramatischen Geheimnissen aus der Vergangenheit. Aus der Perspektive einzelner gut charakterisierter Familienmitglieder offenbart sich Problematisches aus den Jahren 1970, 1987 und 1989, die zu wichtigen Entscheidungen und teils fatalen Aktionen in der Gegenwart führen. Der Schreibstil, diese sonderbare, lebensnahe Dynamik der Familie beschreibend, ist angenehm, emotional feinfühlig und detailliert beobachtend. Nach außen hin auf den Eindruck einer perfekten, erfolgreichen, reichen Familie bedacht, grassieren untereinander unausgesprochene, brodelnde Empfindlichkeiten, die scheinbar jedes erfreuliche Miteinander torpedieren. Die Abgründe der Mitglieder gipfeln in einem vagen Ende des atmosphärischen Romans.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.06.2026

Verliebtheit entwickelt sich zur Obsession

Nach einem Traum
0

Aus der Sicht der jungen Hauptfigur Marie, Musikstudentin, entwickelt sich in Berlin eine seltsame Affäre zwischen dem älteren, verheirateten Arzt Simon und ihr, deren Wunsch nach Nähe körperlicher oder ...

Aus der Sicht der jungen Hauptfigur Marie, Musikstudentin, entwickelt sich in Berlin eine seltsame Affäre zwischen dem älteren, verheirateten Arzt Simon und ihr, deren Wunsch nach Nähe körperlicher oder auch digitaler Natur nicht erfüllt wird. Die Beschreibung ihrer einseitigen toxischen Verliebtheit in den von ihr idealisierten Simon ist wenig nachvollziehbar aufgrund zu geringer Entwicklungsstufen bei der gegenseitigen Anziehung, ob nun in den Chatnachrichten oder im Text. Besonders diese Kurz-Botschaften wirken wenig authentisch, lassen diese Figuren oberflächlich, ohne Tiefgang handeln. Die sozialen Medien, Messenger und Chatrooms sowie digitale Apps sorgen hier für Obsession, die an Stalking grenzt und weniger an eine vertrauenswürdige Liebesbeziehung denken lässt. Mit dem Ausschlagen einen verlockenden Jobangebots verhält Marie sich ebenso äußerst unvernünftig wie Simon, der doch nach eigener Angabe glücklich - verheiratet ist und zweifacher Vater. In seinem Spiel mit dem Feuer bleibt er blass als Charakter. Auch Marie mit ihrer oberflächlichen Fixierung auf Simon nach so wenigen Kontakten, bei zu geringem Selbstwertgefühl und gesellschaftlichem Umgang, wirkt eher naiv, wenig überzeugend. Die Szenen mit der Nebenfigur Philipp aus Hamburg wirken deplatziert. Das abrupte Ende lässt so manche Frage offen nicht nur hinsichtlich des Sinns und Zwecks solcher digitalen Apps.
Insgesamt mehr Charaktertiefe erwünscht. 2,5 / 5*

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.06.2026

Gewinnen ist das Ziel.

Die Partie seines Lebens
0

Das Billardspielen dient der jungen Hauptfigur Fast Eddie Felson als Broterwerb, gepaart mit in bar vorab abgeschlossenen, stattlichen Preisgeldern für den Gewinner. Atmosphärisch wird die Abzockerei in ...

Das Billardspielen dient der jungen Hauptfigur Fast Eddie Felson als Broterwerb, gepaart mit in bar vorab abgeschlossenen, stattlichen Preisgeldern für den Gewinner. Atmosphärisch wird die Abzockerei in Billardsalons der 50-er Jahre in Amerika beschrieben, zwischen viel Whisky und Raucherei, bei konzentrierter Beleuchtung über dem Billardtisch. Neben Talent zeigt der charmante Fast Eddi sehr viel Ehrgeiz, in Chicago die Billardlegende Minnesota Fats zu übertrumpfen. Sein harter, zäher Weg dorthin mit Höhen und Tiefen wird begleitet von Charly, seinem zuverlässigen, ehrlichen Tingel-Freund und von dem Geschäftsfreund Bert mit seinem Netzwerk an Kontakten. Neben Männerfreundschaft und harter, krimineller Rivalität wird mit der Nebenfigur Sarah auch die Problematik mit Alkohol, Einsamkeit und dem Verliererstatus angesprochen. Der Schreibstil wirkt überzeugend in der Beschreibung der jeweiligen Spielsituation mit Spiel-Varianten in den Billard-Spielsalons, auch anschaulich nachvollziehbar für Laien. Letztendlich geht es hier am Billardtisch nicht nur um Geld, sondern auch um Stolz, Taktik, Durchhaltevermögen, Feingefühl, um Enthusiasmus für dieses Spiel, ohne irgendwelche Entschuldigungen oder Selbsttäuschung.
Man kann nicht immer gewinnen, klar!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.06.2026

Viel Brutalität in gesellschaftskritischer Dystopie

Chain-Gang All-Stars
0

Die Szenerien, an römische Gladiatorenkämpfe erinnernd, handeln von lebenslänglich inhaftierten Kämpferinnen als Stars der Chain-Gang All-Stars in öffentlichen Medien und vor Live-Publikum, wie bei den ...

Die Szenerien, an römische Gladiatorenkämpfe erinnernd, handeln von lebenslänglich inhaftierten Kämpferinnen als Stars der Chain-Gang All-Stars in öffentlichen Medien und vor Live-Publikum, wie bei den heutigen Wrestling-Stars des World Wrestling Entertainment in einem skrupellosen, kapitalistischen Amerika. Die Gesellschaftskritik wendet sich gegen das Fehlen jeglicher Moral, Ethik und Empathie, wenn diese inhaftierten Schwerverbrecherinnen vor laufender Kamera morden, um ihre Freiheit zu erlangen. Leider bleiben die Charaktere ziemlich farblos und die etwas verwirrende Story verliert sich ab und an in Belanglosigkeiten. Kritisiert werden neben den Haftbedingungen in amerikanischen Gefängnissen auch die Todesstrafe an sich, die Verrohung und den immerwährenden Rassismus der Gesellschaft. Die Würde des Individuums scheint hier bedeutungslos zu sein. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig. Insgesamt interessante Themen zum Nachdenken, doch der rote Faden geht in der Gesamtheit zu leicht verloren.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere