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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2026

Vom Sprachstil her vielleicht eher jüngere Leser:innen ansprechend.

Im Prinzip ist alles okay
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Mit zu viel an Depression, Streit, Überforderung, mit Baby im Mutterschaftsurlaub, so stellt sich diese Ich-Erzählerin, die 30- jährige Hauptperson Miryam Topal, vor, in einem eher teenagerhaften Schreibstil ...

Mit zu viel an Depression, Streit, Überforderung, mit Baby im Mutterschaftsurlaub, so stellt sich diese Ich-Erzählerin, die 30- jährige Hauptperson Miryam Topal, vor, in einem eher teenagerhaften Schreibstil mit eingestreuten Anglizismen in ziemlich oberflächlich gehaltenen Dialogen. Weitere Themen sind Mutterschaft, häusliche Gewalt, Angstbewältigung nicht nur in der Kindheit, Selbstzweifel durch gezogene Vergleiche in sozialen Medien. Letzteres wird durch kritische Überlegungen hinterfragt. Die Beschreibung ihres eigenen langen Weges raus aus der Krise ist im Prinzip okay – in Anlehnung an den Buchtitel.

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Veröffentlicht am 20.08.2026

Eine schmerzhafte Familiengeschichte über Identitätsfindung und Aleviten in der Türkei

Wie meine Familie das Sprechen lernte
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Neben der Verfolgungsgeschichte der Aleviten in der Türkei wie z.B. in Sivas und ihrem Schweigegelübde als Überlebensmodus geht es bei der Hauptperson Alev, 29, freie Journalistin, Deutsch-Türkin aus Köln, ...

Neben der Verfolgungsgeschichte der Aleviten in der Türkei wie z.B. in Sivas und ihrem Schweigegelübde als Überlebensmodus geht es bei der Hauptperson Alev, 29, freie Journalistin, Deutsch-Türkin aus Köln, um ihre persönliche Auseinandersetzung mit ihrer doppelten Nationalität. Sie möchte dieses Schweigen in ihrer großen, alevitischen Familie brechen und sammelt vor allem Onkel Cems Beiträge. Gleichzeitig wird das unruhige, gefährliche politische Klima in der Türkei ab 2016 mit Putschversuch, 2017 mit Verfassungsreferendum beleuchtet. Mit Alevs Ängsten und sprachlichen Unsicherheiten in ihrer Jugend verknüpft finden sich diverse Zeitebenen aus den 1970-er und 1980-er Jahren, beginnend mit der Immigration ihres Vaters nach Köln. Wie im Zeitraffer erblüht die türkische Wirtschaft, mit ihr das Imperium von Onkel Cem, mit ihm als wichtigstem Familienanker in Istanbul. Auch über seine Erzählungen nach dem Erwachen aus seinem Koma erfasst Alev die langjährigen Erfahrungen von Gewalt und Ausgrenzung dieser Religionsgemeinschaft zwischen Istanbul, Ankara, dem Dorf Hacıbektaş und Köln, auch sehr hilfreich zur eigenen Identitätsfindung.
Ein informativer Familienroman über historische, politische und ihre religiösen Repressalien in der Türkei. 3,5*

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Veröffentlicht am 18.08.2026

Was kommt nach zerstörter Kindheit?

Vor der Nacht
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Ab Sommer 1986 in einem Kinderheim in der Nähe von Baden-Baden beginnt die Erzählung über das Schicksal von sechs Kindern und spielt bis zum Jahr 2000 an wechselnden Schauplätzen im In- und Ausland. Der ...

Ab Sommer 1986 in einem Kinderheim in der Nähe von Baden-Baden beginnt die Erzählung über das Schicksal von sechs Kindern und spielt bis zum Jahr 2000 an wechselnden Schauplätzen im In- und Ausland. Der zunächst 14-jährige Ich-Erzähler Jonas alias Jimmy findet sich orientierungslos und unsicher bis zu seinem 18. Lebensjahr dort in einer idyllischen Gemeinschaft wieder, die sich gegenseitig Schutz, Vertrauen, Wärme und Freundschaft gewähren, verbunden mit berührenden abendlichen Ritualen voller Nähe und Geborgenheit. Im nächsten Lebensabschnitt als Erwachsener findet Jimmy im Schreiben weiterhin seine Überlebensstrategie. Diese Lebensphase ist jedoch bei den damaligen Freunden geprägt von Drogen, Prostitution, Selbstmord, Raub, Gewalt und Mord. Die atmosphärische Beschreibung von deren teils unwirtlichen, problematischen Lebensbedingungen wird begleitet vom Gedankenaustausch z.B. über Scham, Schuld, Sühne und Liebe. Neben Trauer und Verlust, Hoffnung und Verzweiflung zeigt sich besonders bei Jimmy `s Zimmergenossen Frei das gewaltbereite, dunkle Wölfische neben dem Guten in jedem Menschen – eine sehr gelungene Figurenzeichnung. Viele tiefgründige, menschliche Abgründe werden aufgefangen in einem melancholischen Schreibstil, teils sogar poetisch. Das kriminelle Verhalten und auch der Drogenkonsum werden insgesamt etwas zu verharmlost dargestellt.
Insgesamt ein aufrüttelnder Gedankenaustausch! 4*

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Veröffentlicht am 17.08.2026

Eine schmerzliche deutsche Vergangenheit

Bernie und Luise
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Über 65 Jahre in 63 Kapiteln entwickelt sich die dramatische jüdische Familiengeschichte in Berlin ab 1924, deren Fakten über mehrere Jahre auch aus Archiven zusammengetragen wurde. Viele neue negative ...

Über 65 Jahre in 63 Kapiteln entwickelt sich die dramatische jüdische Familiengeschichte in Berlin ab 1924, deren Fakten über mehrere Jahre auch aus Archiven zusammengetragen wurde. Viele neue negative politische Strömungen, auch schlechte wirtschaftliche Nachwirkungen des 1. Weltkriegs werden mit einbezogen. Rund um die zwei jungen Hauptfiguren Bernie und Luise und ihren vier Kindern spannt sich mit den meist sympathischen Nebenfiguren Jüdischer Abstammung ein aufregendes, sehr realistisch wirkendes Ambiente voller religiöser Traditionen und Wärme in einer wirren Zeit. Besonders aufrüttelnd sind Szenen rund um den Hausmeister und Blockwart Kurt, um die Agitationen der NSDAP in Fabriken, Öffentlichkeit und im Gewerkschaftshaus der KPD. Der Epilog schließt 1989 überraschend mit Luise Cäcilia Smedresman, 86, in einem christlichen Berliner Altenheim nach Auswanderung auf dem Auswandererschiff Galilea nach Palästina nach 1935. Nur Ruth wird als einzig überlebendes Familienmitglied erwähnt, das sie besuchen will. War die Immigration in Israel erfolgreich? Warum kehrte Luise nach Berlin zurück? Dieses Ende lässt weitere Fragen offen.
Schwierige Themen deutscher Geschichte in wortgewandtem Schreibstil dargeboten! 4*

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Veröffentlicht am 14.08.2026

Unbefriedigende Suche nach Antworten zur Rolle von Frauen in biblischen Texten

Bible Bad Ass
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In eher jungem, frechem, coolem Sprachstil beschäftigt sich die Autorin über die Hauptfigur Klara in einem Gruppenchat mit Feminismus innerhalb der Kirche. Dieser Chat, Bible Bad Ass, lässt eine Reihe ...

In eher jungem, frechem, coolem Sprachstil beschäftigt sich die Autorin über die Hauptfigur Klara in einem Gruppenchat mit Feminismus innerhalb der Kirche. Dieser Chat, Bible Bad Ass, lässt eine Reihe biblischer Frauengestalten wie Maria Magdalena, Lilith, Ruth und andere über deren vergessene bzw. sehr versteckte, kleingeredete Rolle rund um Jesus berichten. Neben diesen interessanten Fakten geht es in informellem Stil auch z.B. um Klaras Wut, ihre Menstruation, um ältere und queere Mitmenschen, um Gleichberechtigung. Klaras Leben und ihr allmähliches Abschweifen ins Esoterische vermag nicht wirklich zu fesseln, eher zu verwirren. Weiterführende Quellenangaben zur Geschichte biblischer Frauen hätten diesen Roman sicher ideal bereichert. 2*

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