In drei Teilen geht es realitätsnah und gesellschaftskritisch um die Suche nach einem Weg, eigene Träume und Ziele aus Einsamkeit und Armut zu erreichen. Menschen wie die allein erziehende, mutige Mascha ...
In drei Teilen geht es realitätsnah und gesellschaftskritisch um die Suche nach einem Weg, eigene Träume und Ziele aus Einsamkeit und Armut zu erreichen. Menschen wie die allein erziehende, mutige Mascha Heerdmann mit 9-jähriger Tochter Tinka kämpfen mit Tunnelblick um Geborgenheit, um 2. Chancen, auch um Abenteuer. Die Tragik hinter ihren unzumutbaren Lebensbedingungen ist sprachlich klar formuliert. Auch das deutsche Sozialsystem mit regelmäßigen Pflichtbesuchen beim Arbeitsamt wird als demütigend, abschreckend beschrieben, ebenso Maschas bedrückende, Kräfte zehrende Arbeit im Seniorenheim. Mit den dortigen Bewohnern und dem Tröster Enders sehnen sich alle nach mitmenschlicher Wärme in einer hilfsbereiten Gemeinschaft. Erzählt wird aus der Perspektive von vier Figuren. Auch mit Tomsonov, einem älteren Heimbewohner, werden Gefühle wie Verlorenheit und Vernachlässigung, Traurigkeit und Überforderung skizziert und so eine eindringliche, düstere Atmosphäre mittels intensiver Sprache erschaffen.
Menschen wie Mascha und Tomsonov wollen ihrem unerfüllten Leben über einen dunklen, tunnelartigen, gefährlichen Ausweg entfliehen und benötigen dafür unsere Mithilfe!
In Zeiten des Corona-Lockdowns in Kanada verbringen zwei Familien in zwei Häusern am Fullerton-See nahe Montreal mehrere Monate, vor strengen staatlichen Maßnahmen fliehend. – mit fünf Kindern zwischen ...
In Zeiten des Corona-Lockdowns in Kanada verbringen zwei Familien in zwei Häusern am Fullerton-See nahe Montreal mehrere Monate, vor strengen staatlichen Maßnahmen fliehend. – mit fünf Kindern zwischen 3 und 9 Jahren, in engen Räumen, in fast unberührter Natur, mit Unterrichtung in Eigenregie. Wie lockere Tagebucheinträge der Ich-Erzählerin Anaïs reihen sich Erinnerungen aus ihrer Kindheit an Episoden der Gegenwart lose und wirr aneinander. Informativ sind dabei auch Beiträge zu internationalen Berühmtheiten, aber mehr noch zu Historie, Fauna, Flora dieser Gegend. Ohne Internet, dafür mit interessanten Anwohnern im Tal beschenkt lebt das Buch von persönlichen Schilderungen in liebevollem, poetischem Schreibstil. Die Erzählerin erlebt man als Mutter, Liebende und Künstlerin, angefüllt von Erschöpfung, Überforderung in Enge, Chaos und existenzieller Verunsicherung in diesem Zufluchtsort. Neben der Hingabe zu ihren Kindern und ihrem Ehemann verspürt man auch ihren Wunsch nach Ungebundenheit, denke man nur an den japanischen Maler oder den rätselhaften Waldmenschen. Mit dem zufällig gefundenen Grabstein von Jeanne d’Arc Morency (J.A.M.) und der vorbei schwebenden weißen Frau treten traumhafte Elemente ins Blickfeld. Auch wenn die Struktur weniger der eines Romans entspricht, die Kapitel thematisch bunt angesiedelt sind, versprüht das Buch eine reizvolle, ansprechende Atmosphäre beim Lesen. 3,5*
Es ist der 3. Band der Reihe mit Lokalkolorit der Eiderstädter Gegend einschließlich mundartlicher Einschübe. Die Anwältin Fentje Jacobsen beginnt Nachforschungen nach einem mitternächtlichen, konfusen ...
Es ist der 3. Band der Reihe mit Lokalkolorit der Eiderstädter Gegend einschließlich mundartlicher Einschübe. Die Anwältin Fentje Jacobsen beginnt Nachforschungen nach einem mitternächtlichen, konfusen Anruf ohne gültiges Mandat. Allein schon dieser Fakt wirkt äußerst unrealistisch. Nur über veraltete Beziehungen und Gerüchte zu einem mutmaßlichen, toten Mandanten sinnvolle Ermittlungsarbeit bewerkstelligen zu können, ist fraglich. Dass der Journalist Niklas John Nachforschungen bzw. teils etwas fragwürdige Hilfestellung der Polizei in Absprache mit dem befreundeten Golffreund leistet, kommt etwas weniger konstruiert rüber. Sein Part mit besseren Bedingungen zu notwendigen Recherchen ist glaubwürdiger. Durch die Menge an Charakteren im verschwiegenen, feindseligen Dorf verliert sich der Spannungsbogen allzu schnell. Auch Informationen zu einem mehrere Jahre zurückliegenden Vermisstenfall und einem angeblichen Selbstmord helfen nicht, den Verlauf der Handlung aufzufrischen. Angerissen werden noch Mobbing und häusliche Gewalt im dörflichen Rahmen zwischen Alteingesessenen und Neuzugezogenen. Informativ sind die Beschreibungen zur Eiderstedter Festtagstracht und die Bootfahrten mit Norder- und Süderbootfahrt. Der Schreibstil ist angenehm, nur leider fehlt ein konstanter Spannungsbogen. 2/5*
Das bunte Cover erinnert an vielfarbiges Konfetti, vielleicht die Meinungsvielfalt zu den hier angerissenen Themen repräsentierend. Der Erzählstil entpuppt sich in Form von Monologen aus Sicht fiktiver ...
Das bunte Cover erinnert an vielfarbiges Konfetti, vielleicht die Meinungsvielfalt zu den hier angerissenen Themen repräsentierend. Der Erzählstil entpuppt sich in Form von Monologen aus Sicht fiktiver Beobachter und aus Sicht der Betroffenen. Die Hauptfigur Nora Rischer, 44, Sprachwissenschaftlerin, eine lesbische Cis-Frau, entwickelt auf dem gynäkologischen Stuhl nach Erhalt einer E-Mail ein Gedankenkarussell, das sich als Minenfeld mit rhetorischen Geschützen über Diskriminierung outet. Hat sie Studierende aus China für deren schlechte Deutschkenntnisse nach deren Referat etwa zu scharf kritisiert?
Wie kompliziert ein konstruktiver gesellschaftlicher Austausch über Rassismus sein könnte, wird rhetorisch präzise unter die Lupe genommen. Indem die Autorin einem anderen Autoren die Urheberschaft zuspielt, betont sie nicht nur, was gesagt wird, sondern auch wichtig ist, wer etwas im Machtgefälle äußert. Kann es mit einer solchen verkrampften Debattenkultur insgesamt überhaupt um eine allgemeingültige, objektive Wahrheit gehen? Wo beginnt Diskriminierung? Und wer entscheidet, was dieser Begriff alles umfasst? Wie orientiert man sich, nach welchen Regeln, die fließend sein können im Spiegel politischer Korrektheit? Eingebaut werden auch Aussagen z.B. von Studierenden, ihrer Kollegen oder auch ihrer Lebensgefährtin, die weitere Themen wie Alltagsdiskriminierung oder Frauenfeindlichkeit anreißen. Das universitäre Milieu, eigentlich als weltoffen und tolerant eingestuft, entpuppt sich hier mit seiner Gesellschaftskritik jedoch eher als engstirnig und überreguliert, rücksichtslos und in der Wirkung von bitterböser Bedrängnis. Die Ironie und tiefgründige Farce wird sprachlich klar herausgestellt.
Jede Menge Denkanstöße nicht nur für Linguisten!
Die Handlung: Vier Tage bis Mariä Himmelfahrt bzw. Ferragosto (15. August) in Albisano am Gardasee mit der Hauptfigur Louis Arthur Schongauer, 75, der als unbedeutender, vergessener Filmschauspieler in ...
Die Handlung: Vier Tage bis Mariä Himmelfahrt bzw. Ferragosto (15. August) in Albisano am Gardasee mit der Hauptfigur Louis Arthur Schongauer, 75, der als unbedeutender, vergessener Filmschauspieler in Nebenrollen als Nazi-Bösewicht in Hollywood gearbeitet hat, und seiner jungen Hündin Ascha. Wie der Buchtitel schon suggeriert, geht es um die Trauer um seine verunglückte Frau Magda in seiner bewusst gewählten Einsamkeit und sein Leben mit diesem Tier in gewisser Altersdepression. Seine düstere Vergangenheit, Berufliches wie Privates, scheint besonders interessant zu sein für die unbekümmerte, sehr sympathisch wirkende Reisebloggerin Frida Pohl, 24, die mit ihrem defekten Wohnmobil in seiner Einfahrt zufällig gestrandet ist. Auch die Autorin Almut Stein, 49, will ihn mit einem Lebensbericht aus der Vergessenheit holen. Während sich die Hauptfigur nur unwillig den sehr privaten, bohrenden Fragen der emotional angeschlagenen Autorin Almut öffnet, entwickelt sich zwischen der Bloggerin Frida und der Hündin Ascha ein vertrauensvolles Miteinander. Gemeinsam mit Almut blickt Schongauer schmerzhaft zurück in seine Lebensabgründe mit seinen tragisch verstorbenen Frauen, lädt Almut auf sein Boot mit Schwimmeinlage ein und alle zusammen überstehen einen gewaltigen, zerstörerischen Gewittersturm.. Einige Gegenstände im Roman scheinen größere Gewichtung zu haben: z.B. Das Foto mit dem toten Pferd und der Brandung im Hintergrund, dieses letzte Bild seiner Frau, hängt über Schongauers Sofa wie zur Selbstbestrafung. Oder auch der Druck Die Versuchung des Heiligen Antonius nach dem Stich des Malers Martin Schongauer, 1448 bis1491, über der Toilette zeigt den Eremiten, wie er sich weiblicher Schauderwesen erwehrt. Auch das Buch von Flaubert Die Versuchung des heiligen Antonius wird in Dialogen mit Frida mehrfach erwähnt. Schwirren hier etwa der Hauptfigur Schongauer mit bloßem Oberkörper und einer Pistole in der Hand nachts auch bedrohliche Frauenzimmer vor dem Haus herum mit rotem Licht im Wohnmobil? Auch bei Almuts Irrfahrt tauchen Marterl des heiligen Sebastian und Antonius auf, beide Sinnbild des leidenden Mannes. Ihn peinigen neben Altersbeschwerden Erinnerungen an Frauen genau wie den heiligen Antonius. Im eigenen Haus wird er schließlich, Fridas Mutter Lilly Roth mit einbezogen, von drei Frauen mit seiner traumatischen Vergangenheit konfrontiert. Ist der Umgang mit ihnen anfangs angespannt, entwickelt er sich völlig unkompliziert mit Frida, weniger idyllisch mit den älteren, problematischeren Frauen. Neben seinen Todesgedanken durchziehen auch regionale Weinsorten wie der Custoza oder Lugana das Geschehen, aber auch berühmte Namen wie Hedy Lamarr, DeMille und weiterer verstorbener Hollywoodstars finden Erwähnung.
In sanftem, ruhigem Schreibstil werden Beobachtungen in der Natur, aber auch Stimmungen und Gefühlen präzise beschrieben. Das Charakterbild der leidenden Hauptfigur ist subtil und einfühlsam gezeichnet.