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Veröffentlicht am 14.11.2018

Eindringlicher Insider-Bericht eines ehemaligen Paketsklaven, der betroffen macht

Das Hermes Fiasko
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Der Autor Kevin Trautner liefert mit diesem Buch einen packenden Insider-Bericht aus der Welt der Paketdienste und enthüllt dabei die unmenschlichen Methoden hinter diesem Geschäftsmodell.

Im Alter von ...

Der Autor Kevin Trautner liefert mit diesem Buch einen packenden Insider-Bericht aus der Welt der Paketdienste und enthüllt dabei die unmenschlichen Methoden hinter diesem Geschäftsmodell.

Im Alter von 23 Jahren wird Kevin Trautner der bis dahin jüngste Generalunternehmer im Dienste von Hermes Logistik und leitet zunächst einen sogenannten Botenstützpunkt (BSP) und später dann ein Satelliten-Depot (SAT), in denen er jeweils zahlreiche Zusteller im Haupt- und Nebenerwerb beschäftigt.
Formal tritt er dabei zwar als selbstständiger Unternehmer auf, der alleinig für seine Beschäftigten verantwortich ist, in der Realität besteht aber vom ersten Tag an eine totale Abhängigkeit von der Konzernzentrale und ihren Vertretern, die ihn in ständige Gewissenskonflikte zwischen der Erfüllung der knallharten Zustellquoten und dem Wohl seiner Mitarbeiter zwingt. Dieser Spagat führt ihn schnell an die Grenzen seiner persönlichen Belastbarkeit und sogar noch ein ganzes Stück darüber hinaus.

Dem Autoren gelingt hier ein eindringlicher Blick auf die Vorgänge rund um Hermes und die Firmen, die im Auftrag des Konzernes tätig sind. Bei den Beschreibungen werden zwar die Namen der handelnden Personen geändert, ansonsten orientiert sich das Ganze aber eng an den tatsächlichen Abläufen. Dabei erhebt der Autor keineswegs den Anspruch einen Gesamtblick auf die Branche zu werfen, sondern beschränkt sich ausschließlich auf seine persönlichen Erfahrungen im Zeitraum von 2005 bis 2009.
Im Epilog folgen dann aber noch einige ergänzende Betrachtungen mit entsprecheneden Quellenabgaben, bei denen der Autor dann über den eigenen Tellerrand hinausblickt.
Einziger kleiner Kritikpunkt ist, das der Autor hier hinsichtlich seiner eigenen Rolle etwas zu wenig Selbstkritik an den Tag legt. Er beschränkt sich dabei auf die Einsicht, zu naiv an die ganze Sache herangegangen zu sein, ansonsten aber immer wieder zugunsten seiner Mitarbeiter auf Gewinne verzichtet zu haben und den Druck von oben nicht weitergegeben zu haben, sondern eher in sich hineingefressen zu haben. Damit macht er sich in Hinsicht auf seine Glaubwürdigkeit doch ein wenig zu angreifbar.

Dennoch bleibt das Buch unter dem Strich ein authentischer und offener Erfahrungsbericht, der betroffen macht und meinen Blick auf die Kurierdienste und ihre Mitarbeiter doch nachhaltig verändert hat.

Veröffentlicht am 14.11.2018

Packender Kriminalroman aus der Reihe um Regina Flint und Bruno Cavalli

Alte Feinde
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Mit diesem Kriminalroman legt die Autorin Petra Ivanov den bereits achten Band ihrer Reihe um die Züricher Staatsanwältin Regina Flint und Bruno Cavalli, einem Polizisten mit indianischen Wurzeln, vor, ...

Mit diesem Kriminalroman legt die Autorin Petra Ivanov den bereits achten Band ihrer Reihe um die Züricher Staatsanwältin Regina Flint und Bruno Cavalli, einem Polizisten mit indianischen Wurzeln, vor, den man aber auch ohne Vorkenntnisse aus den ersten Bänden problemlos lesen und verstehen kann.

Während es Regina Flint in Zürich mit einem mysteriösen Mord, der mit einer Waffe aus dem amerikanischen Bürgerkrieg begangen wurde, zu tun bekommt, jagt Bruno in einem Cherokee-Reservat einen mysteriösen Mörder, der seine Opfer mit vergifteten Pfeilen tötet. Als Bruno dabei selber ins Visier des unheimlichen Mörders gerät, muss er untertauchen, da er nicht mehr weiß, wem er noch trauen kann.
Auch in Reginas Fall führen die Spuren in die USA und so verbindet sie ihre Ermittlungen mit der Suche nach Bruno. Doch als die beiden wieder aufeinandertreffen, überschlagen sich die Ereignisse urplötzlich und die Schatten der Vergangenheit erheben sich und erwachen zu neuem Leben.

Die Autorin erzählt ihre gut aufgebaute Geschichte zunächst auf drei unterschiedlichen Zeitebenen, die erst nach und nach ineinandergreifen. Neben den aktuellen Ermittlungen in Zürich und dem ca. 3 Monate zurückliegenden Strang um Bruno Cavalli, wird in einem dritten Strang der Weg der Mordwaffe aus dem Bürgerkrieg bis in die Gegenwart erzählt. So muss man anfangs schon sehr aufmerksam lesen, um hier nicht den Überblick zu verlieren. Der packende Schreibstil, die gut gezeichneten und vielschichtig angelegten Chraktere und die bildhaften Beschreibungen machen einem dieses aber sehr leicht.
Zu Beginn braucht die Geschichte dabei zwar ein wenig, um richtig in die Gänge zu kommen, steigert sich dann aber in Sachen Spannung und Dramatik kontinuierlich und wartet am Ende mit einer überzeugenden Auflösung auf, die keine wesentlichen Fragen offen lässt.

Für mich war es das erste und mit Sicherheit nicht letzte Buch der Autorin, das mich unter dem Strich sehr gut unterhalten konnte.

Veröffentlicht am 09.11.2018

Die atmosphärisch dichte Saga um Robin Hood geht fulminant weiter

Das Blut des Löwen
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Nachdem mich schon die ersten beiden Bänden der Saga um Robin Hood überzeugen konnten, hat es der Autor Mac P. Lorne auch mit Band 3 wieder geschafft, mich bestens zu unterhalten.

In diesem Band stehen ...

Nachdem mich schon die ersten beiden Bänden der Saga um Robin Hood überzeugen konnten, hat es der Autor Mac P. Lorne auch mit Band 3 wieder geschafft, mich bestens zu unterhalten.

In diesem Band stehen nun die Ereignisse in den Jahren 1203 bis 1217 im Mittelpunkt, die uns von Frankreich über einen Abstecher nach Spanien schließlich zurück nach England führen.
Robin Hood und Marian haben sich nach dem Tod von König Richard Löwenherz in die Gascogne zurückgezogen, um dort Richards Sohn Fulke aufzuziehen und vor der Rache von Richards Bruder John, dem neuen König von England, zu schützen. Als sich die Ereignisse auf der Insel immer weiter zuspitzen und das ehemals so stolze Reich ins Chaos zu stürzen droht, zieht es Robin zum Mißfallen von Marian aber doch in die alte Heimat und zu den alten Gefährten zurück. Schlieößlich gibt es da auch noch eine alte Rechnung mit König John zu begleichen ...

Mac P. Lorne legt hier wieder eine atmosphärisch dichte und ausgesprochen gut recherchierte Geschichte vor, die er mit einem packenden Schreibstil und einem hohen Erzähltempo vorantreibt. Mit einer ausgefeilten Mischung aus fiktiven und historisch verbürgten Protagonisten, die durchgehend sehr vielschichtig angelegt sind, hält er sich dabei zwar eng an die tatsächlichen Begebenheiten der damaligen Zeit, nutzt die durchaus vorhandenen Lücken aber auch geschickt aus, füllt sie mit zahlreichen Spannungmomenten und lässt dabei seiner schriftstellerischen Freiheit ziemlich freien Lauf, ohne dabei das Gesamtbild zu verfälschen.
Ein Personenregister, einige Karten und eine Zeittafel am Ende des Buches runden das Ganze noch überzeugend ab und sind auch äußerst hilfreich, um sich im ab und an doch etwas unübersichtlichen Geschehen zurechtzufinden.

Auf die weiteren Bände der auf 5 Teile angelegten Saga bin ich schon mehr als gespannt.

Veröffentlicht am 07.11.2018

Flammende Liebeserklärung eines Fußballverrückten, die alles beinhaltet, was diesen Sport so ausmacht

Fußball
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Das neue Buch des Bochumer Autoren Ben Redelings ist nicht nur eine Zusammenstellung von Bildern, Zitaten und Anekdoten aus der großen, weiten Welt des Fußballs, sondern zugleich die flammende Liebeserklärung ...

Das neue Buch des Bochumer Autoren Ben Redelings ist nicht nur eine Zusammenstellung von Bildern, Zitaten und Anekdoten aus der großen, weiten Welt des Fußballs, sondern zugleich die flammende Liebeserklärung eines Fußballverrückten, die wirklich alles beinhaltet, was diesen Sport so ausmacht.

Und das ist eben deutlich mehr als der reine Kommerz, der derzeit das öffentliche Bild so sehr bestimmt und wahre Liebhaber des Sportes daher immer wieder so ein wenig in Zwiespalt und Erklärungsnöte stürzen lässt.
Das im Buch enthaltende Zitat des Fußball-Fans Christian Gummig bringt das eigentlich wunderbar auf den Punkt: "Immer, wenn ich mit diesem verdammten Sport abschließen will, kommt er um die Ecke mit Situationen, die mich zu Tränen treiben. Dafür hasse ich ihn. Voller Liebe."

Zahlreiche Gastbeiträge von namhaften Fußball-Fans wie z. B. Frank Goosen, Joachim Krol, Arnd Zeigler, Micky Beisenherz und Manni Breuckmann runden dieses Buch auf perfekte Weise ab.

Die liebevolle Aufmachung mit einem Bierdeckel auf dem Cover und einer Postkarte als Beilage macht zudem deutlich, wie viel Herzblut in diesem Buch steckt.
Und neben viel Humor und Nostalgie bietet dieses Buch auch noch einige anrührende Momente, die sich besonders im Brief des Autoren an seinen verstorbenen Vater wiederspiegeln, der mir beim Lesen doch einen ziemlich Kloß im Hals beschert hat.
Tolles Buch zum Verschenken und Selberlesen.
Wer nicht schon vorher ein glühender Fußballfan ist, wird es nach der Lektüre des Buches mit Sicherheit.

Veröffentlicht am 06.11.2018

Spannendes und überzeugendes Thrillerdebüt mit Schauplatz Nordkorea

Stern des Nordens
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Mit seinem Romandebüt legt der Autor D.B. John gleich einen packenden Thriller vor, der mich trotz leichter Schwächen auf ganzer Linie überzeugen konnte. Zudem bietet er mit Nordkorea einen noch recht ...

Mit seinem Romandebüt legt der Autor D.B. John gleich einen packenden Thriller vor, der mich trotz leichter Schwächen auf ganzer Linie überzeugen konnte. Zudem bietet er mit Nordkorea einen noch recht unverbrauchten Schauplatz auf, der hier für reichlich frischen Wind im Genre sorgt.

Die Geschichte wird im wesentlichen von drei Protagonisten getragen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten.
Da wäre die frischgebackende CIA-Agentin Jenna Williams, die im Rahmen ihrer ersten Mission auch das Schicksal ihrer vor Jahren verschwundenen Schwester klären will.
Im Rahmen dieser Mission trifft sie auf den linientreuen Parteifunktionär Cho, dessen Familiengeschichte im Rahmen einer Beförderung gerade gründlich durchleuchtet wird. Dabei treten Geheimnisse zu Tage, die Chos Leben vom einen auf den anderen Moment ins Chaos stürzen und alles in Frage stellen, auf das Cho bisher so sehr vertraut hat.
Und dann wäre da noch die Bäuerin Frau Moon, die eigentlich nur ein paar Dinge aus einem Zufallsfund auf dem Markt verkaufen will und dabei plötzlich zur Stimme des Widestands gegen Willkür und Unterdrückung wird.

Wie der Autor diese drei Erzählstränge im Laufe der atmosphärisch dichten Geschichte zusammenführt und zu einem absolut überzeugenden Geamtbild verknüpft, ist schon große Thrillerkunst. Zudem verfügt er durch seinen längeren Aufenthalt in Südkorea und einige persönliche Besuche in Nordkorea über umfangreiche Kenntnisse zu den dortigen Lebensumständen, die man seinem Buch auch jederzeit anmerkt.
Mit einem packenden Schreibstil und den bildhaften Beschreibungen, die das Kopfkino mächtig ankurbeln, treibt der Autor seine Geschichte voran, nimmt sich im ersten Drittel aber auch ausreichend Zeit, seine Haupt- und Nebenfiguren sorgfältig einzuführen und zu charakterisieren. Mir persönlich hätte dabei gerade Jenna durchaus die eine oder andere Ecke und Kante mehr vertragen, da sie mir insgesamt doch etwas zu perfekt rüberkommt, das ist aber wohl eher Geschmackssache.
Genretypisch mündet die Geschichte schließlich in einem großen Showdown, der meiner Meinung nach zwar ein wenig zu dick aufträgt, es in Sachen Spannung und Dramatik aber an nichts vermissen lässt und so insgesamt doch für ein absolut stimmiges und gelungenes Ende sorgt.

Wer auf spannende Triller an eher ungewöhnlichen Schauplätzen Gefallen findet, wird hier bestens bedient und unterhalten.