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Veröffentlicht am 07.12.2018

Leidenschaftliches Plädoyer für unser Rechtssystem, das zugleich mehr als nachdenklich macht

Justiz am Abgrund
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Berichte über die chronische Überlastung der Gerichte, verschleppte Prozesse, Justizirrtümer und die sogenannte Kuscheljustiz bestimmen seit Jahren das öffentliche Bild unseres Rechtssystems. Nun wird ...

Berichte über die chronische Überlastung der Gerichte, verschleppte Prozesse, Justizirrtümer und die sogenannte Kuscheljustiz bestimmen seit Jahren das öffentliche Bild unseres Rechtssystems. Nun wird es höchste Zeit für einen Insiderbericht, der klar Stellung bezieht und dabei kein Blatt vor den Mund nimmt.

Der Autor Dr. Patrick Burow arbeitet seit Jahren als Richter in Dessau und war zuvor auch schon als Staatsanwalt tätig. Mit seinen nunmehr 22 Jahren Berufserfahrung kann man ihn also durchaus als fundierten Kenner unseres Justizsystems bezeichnen.

Mit diesem Buch nimmt er nun eine erschreckende Bestandsaufnahme dieses Systemes vor, die zugleich zu einem leidenschaftlichen Plädoyer für unser Rechtssystem gerät.
Mit klarer und deutlicher Sprache, die so gar nichts vom üblichen Juristendeutsch hat, benennt er die Probleme, zeigt Ursachen auf und unterlegt sie mit anschaulichen und gut verständlichen Beispielen aus der Praxis.
Vom etwas zu reißerisch geratenen Titel des Buches, der in erster Linie auf Wunsch des Verlages entstanden ist, sollte sich dabei niemand abschrecken lassen, der Autor beleuchtet das Thema insgesamt doch sehr ausgewogen und spart auch Probleme innerhalb des Systemes, z. B. Rechtanwälte, die mit fadenscheinigen Anträgen Prozesse absichtlich in die Länge ziehen, nicht aus.
Dennoch wird mehr als deutlich, das die chronische Unterfinazierung und der daraus resultierende Personalmangel in allen Bereichen die Hauptursache aller Probleme darstellt und die dafür zuständige Politik seit Jahren ihre Augen davor verschließt und sich lieber auf populistische Kritik an ungeliebten Urteilen beschränkt.

Ein wichtiges Buch, dem zu wünschen ist, das es auch bei den entscheidenen Stellen auf viele offene Ohren stößt. Denn die kommende Pensionierungswelle bei den Richtern und die immer weiter zunehmende Anzahl an Verfahren (Stichwort: Dieselfahrverbote und Asylklagen) werden die eh schon vorhandenen Probleme an den Gerichten in den nächsten Jahren noch dramatisch verschärfen.

Veröffentlicht am 03.12.2018

Abwechslungsreiche und alles andere als besinnliche Weihnachts-Krimis aus dem Ruhrgebiet

Zechen, Zoff und Zuckerwerk
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Nach "Killer, Kerzen, Currywurst" im letzten Jahr legen der Prolibris-Verlag und Almuth Heuner als Herausgeberin nun zum zweiten Mal eine mehr als gelungene Sammlung von alles andere als besinnlichen Kurz-Krimis ...

Nach "Killer, Kerzen, Currywurst" im letzten Jahr legen der Prolibris-Verlag und Almuth Heuner als Herausgeberin nun zum zweiten Mal eine mehr als gelungene Sammlung von alles andere als besinnlichen Kurz-Krimis zum Thema Weihnachten im Ruhrgebiet vor.
In den 14 Geschichten des Buches sind einige illustere Autoren aus der Region vertreten und bieten eine abwechselungsreiche Mischung an Geschichten von erstaunlicher Bandbreite.
Neben dramatischen (z. B. von Irene Scharenberg und Ursula Sternberg), humorvollen (z. B. von Klaus Stickelbroeck und Herbert Knorr) und etwas abgedrehten (Klaus Märkert) Geschichten, bietet die Story von Christiane Bogenstahl sogar einen kleinen Abstecher in den Horrorbereich.
Wie bei Anthologien üblich, konnte mich zwar nicht jede der Geschichten gleichermaßen überzeugen, echte Ausreißer nach unten gab es hier aber auch nicht, da jede Story ihren ganz eigenen Reiz verströmt.

Hier sollte jeder Krimi-Liebhaber die eine oder andere Geschichte nach seinem Geschmack finden, mich konnte diese Sammlung auf jeden Fall sehr gut unterhalten.

Veröffentlicht am 30.11.2018

Kurz-Thriller mit interessanter Grundidee, der mich aber doch etwas zwiespältig zurückgelassen hat

Der verschenkte Albtraum
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Mit diesem Buch legt der Autor Jürgen Warmbold auf knapp 130 Seiten einen Kurz-Thriller mit interessanter Grundidee vor, der nach durchaus gelungenem Beginn dann aber nach etwas mehr als der Hälfte des ...

Mit diesem Buch legt der Autor Jürgen Warmbold auf knapp 130 Seiten einen Kurz-Thriller mit interessanter Grundidee vor, der nach durchaus gelungenem Beginn dann aber nach etwas mehr als der Hälfte des Buches einen Bruch erfährt, ab dem mich die Geschichte immer mehr verloren und am Ende so doch ein wenig zwiespältig zurückgelassen hat.

Im Mittelpunkt steht hier der Lehrer Matthias Böse, der seit Jahren an einer Angststörung leidet. Als ihm seine Frau Annika ein Buch mit dem Titel "Böses Ende" schenkt, in dem der Protagonist seinen Namen trägt und zudem seine Frau mit ihrem Mädchennamen als Autorin genannt wird, denkt er zunächst noch an einen missglückten Scherz. Doch dann entwickelt das Buch ein unheimliches Eigenleben und verändert seinen Inhalt auf geheimnisvolle Art und Weise.
Steckt dahinter ein perfider Plan oder verliert Matthias langsam, aber sicher seinen Verstand ?

Der Autor treibt seine Geschichte mit einem packenden Schreibstil und einigen überraschenden Wendungen voran und konnte mich bis zu dem bereits angebrochenen Bruch durchaus überzeugen. Danach entwickelt sich das Geschehen urplötzlich in eine Richtung, die meiner Meinung nach nicht wirklich nachvollziehbar und glaubwürdig hergeleitet wurde. Dieser Effekt wird durch die eine oder andere kleinere Ungereimtheit noch unterstützt.
Auch wenn der Autor die Spannung durchgehend hoch halten kann und auch der Showdown am Ende durchaus zu überzeugen weiß, konnte dies die zwischenzeitlichen Kritikpunkte nicht mehr ausgleichen.

Kurz-Thriller mit viel Potential, das meiner Meinung nach aber leider nicht vollständig genutzt werden kann.

Veröffentlicht am 30.11.2018

Gelungener Auftakt der Prequel-Reihe zur postapokalyptischen Erzählung "Z"

Z: Der Anfang vom Ende / Z: Bluttage
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Mit diesem Buch liefert der Autor Michael Haag den ersten Band seiner Prequel-Reihe zur postapkalyptischen Erzählung "Z", den man aber auch durchaus unabhängig zur Hauptserie lesen und verstehen kann. ...

Mit diesem Buch liefert der Autor Michael Haag den ersten Band seiner Prequel-Reihe zur postapkalyptischen Erzählung "Z", den man aber auch durchaus unabhängig zur Hauptserie lesen und verstehen kann. Wie schon die Hauptserie ist auch diese Reihe auf mehrere Bände angelegt.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein namenloser Ich-Erzähler, der uns vom Beginn der Zombie-Seuche, den sogenanten Bluttagen, berichtet. Zunächst beobachtet er die Geschehnisse nur von seiner Wohnung aus, bis er sich dann dazu entschließt, einen Weg aus der Stadt heraus zu finden. Schnell findet er ein paar Mitstreiter und beginnt mit den Vorbereitungen der Flucht.

Wer den ersten Band der Hauptserie bereits gelesen hat, kommt schnell zu dem Schluß, das es sich beim Erzähler um den Zombiejäger Zed handeln dürfte und seine Geschichte mit den Aufzeichnungen in dem geheimnisvollen Buch, das er Lydia zu lesen gibt, identisch ist.

Mit seinem packenden Schreibstil schafft es der Autor auch auf den hier nur 80 Seiten schnell Spannung zu erzeugen. Insgesamt ist die Geschichte gegenüber der Hauptserie doch ein wenig actionlastiger, lässt dabei aber auch den Protagonisten noch ausreichend Raum zur Entfaltung.

Gelungener Auftakt einer Reihe, die eine gute Erzänzung zur Hauptserie darstellt und für die Folgebände noch einiges erhoffen lässt.

Veröffentlicht am 29.11.2018

Gelungener Auftakt einer als Trilogie angelegten postapokalyptischen Erzählung

Z: Eine postapokalyptische Erzählung / Z: Menschen und andere Monster
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Mit diesem Buch legt der Autor Michael Haag den ersten Band seiner als Trilogie angelegten postapokalyptischen Erzählung Z vor. Die Geschichte kommt unter dem mehr als passenden Untertitel "Menschen und ...

Mit diesem Buch legt der Autor Michael Haag den ersten Band seiner als Trilogie angelegten postapokalyptischen Erzählung Z vor. Die Geschichte kommt unter dem mehr als passenden Untertitel "Menschen und andere Monster" daher und konnte mich nicht nur sehr gut unterhalten, sondern zugleich auch neugierig auf die weiteren Bände machen.

Nach den sogenannten "Bluttagen" ist für die Menschheit nichts mehr so, wie es einmal war. Horden von erstaunlich gut organisierten Zombies sorgen dafür, das für die letzten noch lebenen Menschen jeder Tag zu einem gnadenlosen Überlebenskampf wird.
In diesem Szenario stößt der einsame Zombiejäger Zed auf eine Frau namens Lydia, die von dem jungen Mädchen Marie begleitet wird, und rettet die beiden vor einer Gruppe Zombies. Lydia erzählt ihm vom einsamen Jagdsitz ihrer Eltern und bietet Zed an, Marie und sie dorthin zu begleiten.
Doch kann bzw. sollte man sich in diesen Tagen wirklich noch gegenseitig trauen ? Bald schon ziehen Zweifel und Mißtrauen in die Zweckgemeinschaft ein.

Obwohl die Ausgangssituation des Buches durchaus denen der typischen Zombie-Thriler entspricht, sollte man hier keine actionlastige und bluttriefende Gewaltorgie a la "The Walking Dead" erwarten. Nach Zeds Rettungsaktion zu Beginn des Buches beruhigt sich das Geschehen ziemlich schnell wieder und setzt im weiteren Verlauf der Geschichte eher auf die Psychologie seiner Protagonisten. Deren Vergangenheit bleibt zunächst im Dunkeln und wird erst nach und nach enthüllt, bleibt dabei aber weiterhin voller Geheimnisse und offener Fragen.
Auch die Geschehnisse rund um die "Bluttage" werden nur kurz angerissen, hierzu gibt es eine eigene mehrteilige Prequel-Serie, deren erster Teil ebenfalls schon erschienen ist.
Aber auch ohne Action und Gewalt schafft es der Autor hier mit seinem packenden Schreibstil und viel Einfallsreichtum, die Spannung hochzuhalten und seine Leser mit jeder Seite tiefer in den Bann der Geschichte hineinzuziehen.

Gelungener Auftakt der Trilogie, der für die weiteren Bände aber durchaus auch noch ein wenig Luft nach oben lässt.