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Veröffentlicht am 21.11.2016

Ein Koffer voller...

Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand
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Allan Karlsson klettert an seinem hundertsten Geburtstag durch sein Fenster im Altenheim. Er ist genervt von Schwester Alice dort, generell vom Heim. Schon bald sucht man im Ort nach ihm, Pressevertreter ...

Allan Karlsson klettert an seinem hundertsten Geburtstag durch sein Fenster im Altenheim. Er ist genervt von Schwester Alice dort, generell vom Heim. Schon bald sucht man im Ort nach ihm, Pressevertreter und Stadträte suchen überall im Ort nach ihm. Doch Allan hat früher schon ganz andere Dinge durchlebt, insofern ist seine "Flucht", die mit ein bißchen Vorsprung und viel Glück gelingt, ein Klacks...

Ja, schon lange wollte ich dieses Buch lesen, nun habe ich es mir endlich vorgeknüpft... Anfangs hat mich die Geschichte wirklich noch begeistert und in ihren Bann gezogen, die Geschichte ist zwar generell etwas verrückt (welche/r Hundertjährige ist heute schon auf der Flucht aus dem Heim?), aber doch auch wieder normal, so dass manche Szenen eben auch einfach wirklich so passieren könnten.

Der Zufall im Buch ist schon lustig, wie Allan auf seinem Weg so die verschiedensten Leute trifft... zu anfangs erfährt man im Buch fast nur etwas über das aktuelle Geschehen, dann gibt es immer mal wieder Rückblicke auf sein Leben. (am Anfang wird dann mal einen Abschnitt lang von seiner Kindheit etc. erzählt, zum Schluss hin kommt es mir einfach so vor, dass man ständig von seiner früheren Zeit erzählt - evtl. war dies wohl auch einfach nur so mein Empfinden). Bei den Rückblicken auf sein Leben und die verschiedensten Zeitabschnitte erhält man auch geschichtliche Einblicke, die Namen der damaligen Herrscher (z.B. Stalin) passen mit dem realen Leben überein, hier wurde also nichts erfunden. Manchmal sind diese Geschichten schon sehr abstrus, wie ich finde...

Mich hat es ab der Hälfte einfach irgendwie gelangweilt bzw. ich war genervt, weil man eben irgendwie nicht so vorwärts kam beim Lesen, wie ich das gerne gehabt hätte. Zwischenzeitlich habe ich sogar ein ganz anderes Buch gelesen...

Der Schreibstil an sich ist eigentlich recht locker-leicht, unterhaltsam, dennoch ist das Buch gut unterhaltend und auch anspruchsvoll. Mich konnte es einfach nicht so begeistern, wie dies bei anderen Lesern der Fall war.

Von mir gibt es hier 3 von 5 Sternen und ich bleibe unentschlossen, denn so richtig gepackt hat es mich ca. ab der Hälfte leider nicht mehr.

Veröffentlicht am 21.11.2016

Seid nett zueinander und geht nicht zu spät ins Bett.

Der Boss
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Daniel, erzogen von Alt-68ern, hat sich im Türkei-Urlaub in Aylin verliebt. Beide sind nun schon ein paar Wochen bzw. ggf. sogar Monate zusammen, als er beschließt sie zu heiraten. Doch eine türkische ...

Daniel, erzogen von Alt-68ern, hat sich im Türkei-Urlaub in Aylin verliebt. Beide sind nun schon ein paar Wochen bzw. ggf. sogar Monate zusammen, als er beschließt sie zu heiraten. Doch eine türkische Hochzeit ist um einiges turbulenter, als man es sich nur vorstellen kann. So fährt er mehrmals am Tag mit seinem mit Tüll beladenen Ford Ka nach Leverkusen, damit die Industriehalle romantisch für die Hochzeit geschmückt werden kann. Onkel Abdullah, der spontan bei Daniel einquartiert wird, muss Daniel vorgaukeln, Moslem zu sein. Alles andere würde der Onkel nicht tolerieren...

Gerade erst hatte ich "Macho Man" gelesen und war regelrecht begeistert. Schreibstil, die Idee der Geschichte, alles hatte mich fasziniert. Netenjakob war wohl vom Lob für sein erstes Buch so angespornt, dass er dann "Der Boss" geschrieben hat.

Doch hier ist einiges in die Hose gegangen. Vom Schreibstil ist das Buch nicht mehr so lustig wie "Macho Man", hier sind manche Witze einfach nicht so gelungen, finde ich. Die Geschichte mit der türkischen Hochzeit mag es in dieser Art und Weise tatsächlich so geben (Netenjakob ist wohl mit einer gebürtigen Türkin verheiratet), dennoch finde ich sie sehr überdreht. Das war auch ein großes Lesekiller, das ständige Getue um die Familie, was sie jetzt wieder anders ansehen könnte bzw. denken könnte etc., das war einfach zuviel für mich. (Obwohl ich ein absoluter Familienmensch bin.)

Die Geschichte zieht sich so einfach absolut in die Länge, kommt mir eher wie ein typischer ARD-Freitagsfilm vor, es gibt wiedermal Komplikationen, entsprechend läuft liebestechnisch nicht alles rund. gähn Aber genau darum lese ich keine Bücher, ich mag es absolut nicht, wenn etwas so künstlich in die Länge gezogen wird und sich eine über die andere Katastrophe reiht.

Ich bin von diesem Buch ziemlich enttäuscht, ich habe mir ein ebenso lustiges Buch wie das Vorgänger-Buch erhofft, leider ist dies hier nicht so. Klischees über türkische Familien (möglicherweise treffen diese Klischees zu) werden hier noch und nöcher aufgefahren. Ich wurde nicht so gut unterhalten, wie ich es mir gewünscht hätte.

Ich vergebe hier 3 von 5 Sternen und bleibe unentschlossen.

Veröffentlicht am 17.11.2016

In Würzburg trägt die alte Dame pink. *

Der Besuch der alten Dame
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In Güllen, einer einstigen Kulturstadt, geht man in die Suppenküche, denn das vermeintliche Wirtschaftswunder ist ausgeblieben. Als die Multimillionärin Clair Zachanassian, eine ehemalige Bürgerin der ...

In Güllen, einer einstigen Kulturstadt, geht man in die Suppenküche, denn das vermeintliche Wirtschaftswunder ist ausgeblieben. Als die Multimillionärin Clair Zachanassian, eine ehemalige Bürgerin der Stadt, dem Ort dann einen Besuch abstattet, bietet sie der Stadt Güllen ihre Unterstützung in Form von einer Milliarde an. Geknüpft an die Voraussetzung, dass Alfred Ill umgebracht wird, denn er hatte einst eine Beziehung mit ihr, aus der ein Kind hervorging, zu dem er jedoch nicht stand bzw. das er verleugnen lies. Mit seinem Tod möchte sie sich ein Stück weit rächen...

Die Geschichte klang sehr spannend - und da wir diese als Ballettstück ansehen wollten, wollte ich vorab wissen, worum es da genau geht, etc., denn Ballett ist manchmal ja schon sehr Interpretationssache, wie ich finde...

Dass die Geschichte in Dialog-Form geschrieben ist (wie bei einem Schauspiel eben bzw. wie für Schauspieler), macht einem das Lesen nicht gerade leichter, aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Man merkt natürlich auch, dass das Buch nicht in der heutigen Zeit spielt, wobei das der guten Unterhaltung beim Lesen keinen Abbruch tut.

Generell ist es einfach schwerer zu lesen, die Sprache früher war einfach eine andere als sie es heute ist, außerdem muss man sich mit der Dialog-Form eben vertraut machen.

Die Geschichte ist generell sehr interessant, es ist teilweise ein wenig verworren, weil doch recht viele Personen im Buch vorkommen, aber man kann den Überblick behalten. Für mich war es vorm Ballettbesuch wirklich sehr gut, dass ich das Buch gelesen habe, so hatte ich einen Einblick, was mich im Ballettstück erwartet, denn dort hätte ich sonst recht viel Phantasie haben müssen, so war dies kein Problem und ich wusste bei den entsprechenden Szenen, was damit gemeint ist.

Wer mal etwas Klassisches lesen möchte, für den ist "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt sicher was, für mich war es wieder mal ein interessanter literarischer Ausflug, den ich gut und unbeschadet überstanden habe. Ich vergebe hier 4 von 5 Sternen und spreche eine Empfehlung aus.
* Zumindest im Ballett am Mainfranken Theater.

Veröffentlicht am 17.11.2016

Ein echter Fitzek eben.

Der Augenjäger
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Zarin Suker zählt zu den besten Augenchirurgen der Welt. Tagsüber ist er der Meister im Operationssaal. Aber nachts widmet er sich besonderen Patientinnen: er verschleppt sie in seinen Klinikkeller und ...

Zarin Suker zählt zu den besten Augenchirurgen der Welt. Tagsüber ist er der Meister im Operationssaal. Aber nachts widmet er sich besonderen Patientinnen: er verschleppt sie in seinen Klinikkeller und öffnet ihnen die Augen... Doch wie sind Alina Gregoriev und Alexander Zorbach in diesen Fall verstrickt? Und wo ist Zorbach's Sohn Julian?

Seit ich vor einiger Zeit schon mal ein Buch von Sebastian Fitzek (damals zusammen mit Michael Tsokos) gelesen habe, wollte ich unbedingt noch ein weiteres Buch von ihm lesen. Als mir dann "Der Augenjäger" in der Bücherei über den Weg lief, habe ich nicht lange gezögert und es direkt mal ausgeliehen. Nun habe ich es recht schnell innerhalb von ein paar Tagen gelesen, teilweise hat es mich echt regelrecht gefesselt, anfangs hatte ich das Buch übrigens aus dem Schlafzimmer verbannt, da ich solche heftigen Geschichten abends eigentlich nicht mehr unbedingt lesen möchte... aber langsam.

Die Geschichte ist wirklich sehr spannend geschrieben, ab und an ist es mal ein wenig verworren, was aber an den Verwicklungen der einzelnen Charaktere (die ich sicher nicht im einzelnen aufführen werde) liegt. Denn im Buch sind mehrere Personen auf gewisse Weise miteinander verknüpft, was einen manchmal, zumindest erging es mir so, etwas grübeln lässt bzw. einen etwas verwirrt. Aber gut, Gehirnjogging ist nie verkehrt. ;) Von der Sprache her ist die Geschichte auch gut verständlich, dennoch finde ich die Wortwahl eher anspruchsvoll, was aber nicht heißt, dass viele Fremdwörter/Fachbegriffe vorkommen. Im Vergleich zu anderer Literatur ist dieses Buch eben einfach anspruchsvoll, aber eben auch verdammt unterhaltsam und spannend.

Ich habe allein an einem Abend (im Wohnzimmer. :D ) gefühlt 100 Seiten gelesen, hätte ich nicht zwischendurch auf die Uhr geschaut, wäre ich wohl nicht ins Bett gegangen, sondern hätte das Buch durchaus noch ausgelesen... nun ja. Man muss ja fit für die Arbeit sein... ;)

Ich kann dieses Buch wirklich nur empfehlen, ich wurde hier gut unterhalten, klar, die Geschichte ist auch ein wenig brutal, aber so ist das nun einmal, wer das nicht verträgt, sollte sie wohl nicht lesen. (Ich hatte es mir aber fast noch schlimmer vorgestellt. Ja, manches ist schon schlimm, aber die Schilderung war ok.) Von mir gibts hier 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 17.11.2016

"Das Schönste an dir - bist du!"

Dement, aber nicht bescheuert
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Im Buch schildert Michael Schmieder, der das Heim Sonnweid bei Zürich leitet, eine der besten Pflegeeinrichtungen für Demenzkranke, wie mit Demenzkranken umgegangen werden sollte. Er setzt sich für einen ...

Im Buch schildert Michael Schmieder, der das Heim Sonnweid bei Zürich leitet, eine der besten Pflegeeinrichtungen für Demenzkranke, wie mit Demenzkranken umgegangen werden sollte. Er setzt sich für einen würdevollen Umgang mit Demenzkranken Menschen ein, klärt über ihre Bedürfnisse und Ängste auf.

Leseprobe

Seite 55

Wie damals, als sich Peter Dolder am Nachmittag zu ihr auf die Bettkante setzte, um sie aus dem Mittagsschlaf zu wecken. Er tat es behutsam, denn er hatte schon öfter erlebt, dass sie dazu neigte, aus der Haut zu fahren und fürchterlich zu fluchen, wenn man sich ihr nicht in ehrerbietiger Haltung näherte. Schließlich entstammte sie einer steinreichen Schweizer Familie und hatte in einer palastartigen Villa am Zürichsee eine kleine Heerschwar Bediensteter auf Trab gehalten, bevor sie in ein Zimmer unserer Wohngruppen zog. Doch nachdem der Pfleger sanft ihre Hand berührt hatte, setzte sie sich langsam auf und zeigte ihre weiche Seite.
"Es war sehr schön mit dir", hauchte sie. "Aber ich bin schon dem Henri versprochen. Und jetzt muss ich dich verlassen."
"Aber vorher sollten wir noch einen Kaffee trinken", antwortete Dolder. Sie nichte und ließ sich an seinem Arm in die WG-Küche führen, lächelnd und in dem schönen Gefühl, eben noch etwas sehr Inniges aus ihrer Frühlingszeit erlebt zu haben.



meine Meinung

Das Thema Demenz beschäftigt mich schon eine ganze Weile, als ich dann von diesem Buch gehört habe, war ich absolut daran interessiert es zu lesen, denn ich möchte auch nun, wo mich das Thema persönlich nicht mehr so betrifft wie bisher etwas mehr darüber erfahren. Viel zu wenig ist davon bekannt bzw. werden Betroffene oft mit Aussagen wie "nicht mehr ganz richtig im Kopf" oder "blöd, dumm, gaga" bezeichnet, was ich eine absolut unmögliche Sache finde. (Leute, setzt euch doch bitte mal damit auseinander!!!)

Entsprechend möchte ich für mich hier noch weiter Informationen im Umgang mit Demenzkranken haben, ich habe in den letzten Jahren immer wieder dazu gelernt, habe wundervolle Momente erleben dürfen, kuriose Aussagen, emotionale, manchmal gar traurige Situationen. Doch für all das bin ich ziemlich dankbar...

Im Buch geht es generell um das Thema Demenz und den Umgang mit dementen Menschen, der nämlich würdig sein soll. So wird durchaus erstmal der Begriff der Demenz grundsätzlich erklärt, ein gewisses Vorwissen wäre aber hier sicher von Vorteil denke ich. (Ich erlaube mir für mich mal zu sagen, dass ich das inzwischen habe.)

Das Buch ist soweit recht verständlich geschrieben, durch die Thematik sind immer mal wieder gewisse Fachbegriffe vorhanden bzw. werden benutzt, so dass man vielleicht schon Kenntnis davon haben sollte. Ansonsten fand ich, dass der Satzbau nie großartig schwierig zu verstehen war bzw. der Inhalt, wobei es eben generell einfach kein leichtes Thema war.

Inhaltlich wird im Buch der Weg vom Heim Sonnweid in der Schweiz geschildert - der Weg vom Beginn der Heimleitung von Michael Schmieder bis hin zur heutigen Entwicklung dort. All die Schilderungen klingen wirklich gut und interessant, oftmals werden auch persönliche Beispiele von Bewohnern kurz erläutert bzw. deren Geschichten erzählt, was mich sehr berührt hat. Generell fand ich diese persönlichen Einblicke sehr emotional, vielleicht auch, weil ich eben bei manchen Dingen an gewisse Ereignisse erinnert wurde. Entsprechend ist das Buch für persönlich Betroffene sicher auch überhaupt noch einmal emotionaler als für Menschen, die mit der Thematik bislang noch nichts anfangen konnten ("mussten"). Und sicher hat das Pflegepersonal auch einen anderen Umgang damit, einen professionelleren, was aber nicht heißt, dass hier keine Emotionen im Spiel sind.

Das Buch enthält wirklich tolle und interessante Ansätze, bei nicht allen geschilderten Umgangsmethoden bin ich so fest davon überzeugt, dass dies der beste Weg für den Umgang mit Demenzkranken ist, jedoch ist das einfach noch meine persönliche Meinung.

Die Ansichten von Herrn Schmieder fand ich durchaus interessant, auch den Einblick in seine ethischen Vorstellungen bzw. Vorhaben im Pflegeheim fand ich durchaus gut.

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es natürlich eher fachlicher Natur als unterhaltsamer Natur war. Manchmal ist es aber gar nicht so falsch wenn man einen tieferen Einblick in die Materie bekommt, neue Impulse aufspüren darf. Wer sich mit diesem Thema auseinandersetzen möchte, dem kann ich das Buch nur empfehlen und vergebe 5 von 5 Sternen.