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Veröffentlicht am 05.10.2019

Wer gewinnt das Spiel um Macht, Ehre und Liebe?

Spiel der Liebe (Die Schatten von Valoria 3)
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Spiel der Liebe ist er Finalband der Trilogie Die Schatten von Valoria. Den Auftaktband habe ich mir tatsächlich nur zugelegt, weil das Cover so unglaublich toll ist und der Klappentext vielversprechend ...

Spiel der Liebe ist er Finalband der Trilogie Die Schatten von Valoria. Den Auftaktband habe ich mir tatsächlich nur zugelegt, weil das Cover so unglaublich toll ist und der Klappentext vielversprechend klang. Dass mich die Reihe so fesseln würde, hatte ich nie erwartet. Sie ist nicht perfekt, man hätte vieles anderes machen können, bspw. die Sklaverei anprangern, die eine große Rolle in der Serie spielt. Doch die Autorin hat sich für einen anderen Weg entschieden und schafft eine Reihe voller Intrigen, Machtspielen und Verrat.
In allen drei Büchern sind wenige romantische Szenen vorhanden, und doch schafft Marie Rutkoski es mit ihrem Schreibstil, tiefe Gefühle in mir hervorzurufen. Auch in diesem dritten Band sind wieder viele kurze Abschnitte in passenden Szenen, die Ruhelosigkeit vermitteln. Oftmals sind auch die Sätze in entscheidenden oder spannenden Situationen angepasst, sie sind dann sehr kurz und ohne Subjekt geschrieben, wirken dadurch abgehackt. Dies führt während des Lesens fast schon zu Atemlosigkeit, zu einem hohen Lesetempo. Und das, obwohl der Schreibstil an sich unglaublich ruhig ist. Die ganze Geschichte ist bedachtsam erzählt und schafft eine ganz besondere Atmosphäre. In anderen Abschnitten wird sich viel Zeit gelassen, es werden schöne Wörter gewählt und blumig-detaillierte Beschreibungen verwendet. Egal welches Erzähltempo vorherrscht, ich fühle das, was die Protagonisten fühlen. Die Autorin schafft es, Emotionen so zu beschreiben, dass sie mein Innerstes berühren. Ich sitze vor dem Buch, bin angespannt und nervös. Ich leide mit Kestrel und Arin. Und ich liebe mit ihnen. Und hoffe auf einen glücklichen Ausgang. Mit ganzem Herzen.

Die Ereignisse setzen da ein, wo sie in Band 2 aufgehört haben. Kestrel ist auf dem Weg in den Norden, da sie ihr Land verraten und für die Herrani spioniert hat. Und weil sie Arin liebt.
Kestrels Leiden im Arbeitslager werden so herzzerreißend geschildert. Man kann ihre Resignation und Hoffnungslosigkeit, die nur einmal kurz unterbrochen wird, regelrecht mit Händen greifen. Ihre Angst davor, zu vergessen, ihre Angst davor, vergessen zu werden. Diese Leere, diese Sinnlosigkeit.
Der Schauplatz ‚Arbeitslager‘ ist ja nicht neu im Genre. Oftmals sind aufmüpfige und mutige Kriegerinnen dort gefangen, ertragen alle Bestrafungen mit fast stoischer Ruhe, möchten die anderen Gefangenen zur Revolution animieren, versuchen auszubrechen. Was auch oftmals gelingt. Nicht so Kestrel. Ich persönlich finde es sehr abwechslungsreich, dass sie ein normales Mädchen ist, keine, die besonders tapfer ist oder besonders kämpferisch. Zumindest nicht in der Hinsicht, auszubrechen, sich den Weg freizukämpfen. Denn ich wäre auch so. Nicht besonders tapfer und nicht besonders kämpferisch. Und doch ist sie stark, sie ist nicht mehr das Mädchen aus Band 1. Sie ist gereift, willensstark, mutig, stolz und unnachgiebig. Ich mag diese junge Frau, die alles riskiert hat, die ihr Land und ihr Volk verraten hat. Aus Liebe.
Das Lager verändert sie dann schließlich noch mehr. Sie ist jetzt tatsächlich eine Kämpferin, das, was ihr Vater immer aus ihr machen wollte. Aber sie hat bisher immer der Musik den Vorzug gegeben. Nun zwingen sie die Umstände dazu, zu kämpfen. Sie hatte ja schon immer ein Gespür für Kriegstaktik, konnte die Züge ihrer Gegner vorhersagen. Nur hatte sie nicht damit gerechnet, dass ihr Vater ebenfalls ein Gegner ist. Das kam ihr teuer zu stehen, das hat sie fast zerbrochen. Man merkt ihr den inneren Kampf an. Einerseits hat ihr Vater sich nicht für sie sondern für den Imperator entschieden, andererseits liebt sie ihn.

Arin eilt zu Beginn des Finalbandes nach Herran, um die Herrani vor dem vergifteten Wasser zu retten. Nachdem Kestrel ihn gegen Ende des zweiten Teils fast schon der Lächerlichkeit preisgegeben hat, hat er die Gefühle für sie irgendwo tief in sich vergraben. Der Gedanke an sie schmerzt nicht mehr. Ich glaube ihm nicht. Ich kenne diese Verleugnung, damit es nicht mehr weh tut.
Er ist ebenfalls ein Charakter, den ich sehr ins Herz geschlossen habe. Hin- und Hergerissen zwischen den Verpflichtung gegenüber seinem Volk und der Liebe zu Kestrel. Er, der sich Vorwürfe macht, nichts begriffen zu haben, Kestrel nicht abgehalten zu haben, ihr nicht geholfen zu haben. Er, der sich die Schuld gibt, dass sie ins Gefängnis musste. Und doch zeigt sich seine Liebe in jeder Geste, in jeder Handlung, in jedem Satz. Von seiner Liebe zu lesen ist so.. hach. So berührend, verzehrend und vollkommen.
Arin zieht zusammen mit den Dacrern in den Krieg. Ich mag den dacrischen Prinzen, Roshar, sehr gerne. Auch wenn ich ihn nicht wirklich einschätzen kann, da er oft sehr unberechenbar agiert. Er sorgt mit seiner Selbstironie aber auf alle Fälle für Lockerheit und ist nie um einen Spruch verlegen. Die Dynamik zwischen ihm und Arin ist super, sie stacheln sich gegenseitig hoch und spornen sich an, ihr jeweils Bestes zu geben.

Ja, ich fühle mich wohl zwischen diesen Protagonisten. Und ich werde sie sehr vermissen. Genauso wie Marie Rutkoskis Schreibstil. Doch ich habe gesehen, dass 2020 der Auftakt zu einer neuen Dilogie erscheint. Vielleicht ja auch bei uns.
Und dann ist es soweit. Der finale Kampf um Valoria beginnt. Wer wird das Spiel um Macht, Ehre und die Liebe gewinnen? Findet es selbst heraus und liebt diese Reihe genauso wie ich.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Ich habe mein Herz verloren. An Lazlo und diese Geschichte.

Strange the Dreamer - Der Junge, der träumte
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Es ist sehr schwierig für mich, dieses Buch in Worte zu fassen. Denn dieses Buch ist anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Die Geschichte spielt in einer Welt, in die ich so noch nie abtauchen ...

Es ist sehr schwierig für mich, dieses Buch in Worte zu fassen. Denn dieses Buch ist anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Die Geschichte spielt in einer Welt, in die ich so noch nie abtauchen durfte. Die Figuren unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von den Charakteren in anderen Jugendfantasybüchern. Der Schreibstil ist.. ja, wie von einer anderen Welt. Man merkt, ‚Strange the dreamer – Der Junge, der träumte, hat mich komplett umgehauen. Laini Taylors Welt, ihre Figuren, ihre Geschichte.

Die Autorin schafft es schon im Prolog, dass mir der Mund offen stehen bleibt. Detailreich, bildgewaltig und fast schon poetisch merkt man gleich zu Beginn, dass dies ein Buch ist, dass man voller Konzentration lesen sollte, aus Angst, eine schöne Formulierung, eine detaillierte Beschreibung zu verpassen. Der Schreibstil mag zunächst etwas anstrengend wirken, aber nach ein paar Seiten habe ich mich an die träumerischen und märchenhaften Ausdrücke und Beschreibungen so gewöhnt, dass ich nur so durch die Seiten gefolgen bin.

Lazlo Strange ist kein typischer Held. Er ist ein Waisenjunge, der Geschichten liebt. Er ist schmächtig und breit, gar grobschlächtig. Er ist ein Träumer, der die Rolle eines Kriegers einnimmt und gegen erdachte Feinde kämpft. Ruhig und in sich gekehrt macht er im Laufe der Geschichte eine sehr sichtbare Entwicklung durch und man freut sich für ihn, denn er hatte es nicht leicht in seinem noch jungen Leben. Aufgewachsen im Kloster, mit strengen Regeln und vielen Pflichten, mitten unter Mönchen, die auch nicht vor Schlägen zurückschreckten, blieb ihm nur die Flucht in seine Geschichten und seine Träume. Ja, Lazlo ist etwas Besonderes und ich finde, jeder sollte ihn kennenlernen.

Zu einem besonderen Jungen gehört eine besondere Geschichte. Anfangs wusste ich noch nicht so recht, wo Laini Taylor den Leser hin entführt. Doch als sich langsam ein Ziel am Horizont formte, freute ich mich unglaublich darauf, in diese Welt voller Magie einzutauchen. Die weitere Geschichte ist dann gespickt von Mysterien und Mythen, von Helden und Göttern, von Träumen und der bitteren Realität – soweit man in diesem Buch überhaupt von Wirklichkeit sprechen kann. Und sie bietet die Chance, ein großes Abenteuer zu erleben. Man muss diese Chance nur ergreifen!
So schwebt man von Kapitel zu Kapitel, liest von gestohlenen Wörtern und verschwindenden Namen und muss dann leider feststellen, dass gegen Ende des ersten Teils noch so viele Fragen offen bleiben, so vieles noch keinen Sinn ergibt. Dann heißt es zurück ins wirkliche Leben und man fühlt sich leer, so, als ob man etwas verloren hat. Und es stimmt. Ich habe mein Herz verloren. An Lazlo und diese unglaubliche Geschichte.

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Veröffentlicht am 30.09.2019

Unglaublich gute Fortsetzung! Magisch und unvorhersehbar.

Die Krone der Dunkelheit
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Die Krone der Dunkelheit – Magieflimmern ist der zweite Band der High Fantasy-Reihe von Laura Kneidl, die insgesamt vier Bücher umfassen wird. Band 1 habe ich kurz vorher gelesen und hatte somit die Möglichkeit, ...

Die Krone der Dunkelheit – Magieflimmern ist der zweite Band der High Fantasy-Reihe von Laura Kneidl, die insgesamt vier Bücher umfassen wird. Band 1 habe ich kurz vorher gelesen und hatte somit die Möglichkeit, völlig in die Welt Lavarus einzutauchen. Was für mich jetzt also nicht nötig war, aber was ich mir grundsätzlich in mehrbändigen Reihen, deren Fortsetzungen erst nach einem Jahr oder gar später erscheinen, öfters wünschen würde, wäre ein ‚Was bisher geschah‘. Auf der Homepage der Autorin gibt es eine kleine Zusammenfassung der bisherigen Ereignisse, doch diese habe ich nur durch Zufall entdeckt.

Laura Kneidls Schreibstil ist auch in diesem Buch wieder leicht und eingängig, er kommt ohne viel Schnickschnack aus und ist super zu lesen. Die Beschreibungen der Orte sind mit genug Details versehen, dass ich mir die Schauplätze sehr gut vorstellen kann. Das Buch ist aus der Perspektive vieler Charaktere geschrieben, das schafft Übersicht über alle Geschehnisse, aber auch Komplexität. Gott sei Dank ist über jedem Kapitel vermerkt, um wen es sich jetzt drehen wird und wo sich diese Person befindet. Leider sind fast alle Orte, die erwähnt werden, nicht auf der Karte verzeichnet. Das finde ich sehr schade, denn die Karte ist ja da, warum nicht noch ein paar Orte einzeichnen und die Handlung dadurch unterstützen? Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn mir hat dieser zweite Teil unglaublich gut gefallen.

War Band 1 für mich noch etwas austauschbar und ohne besondere Merkmale, hat mir bei Teil 2 vor allem die Entwicklung der Charaktere gefallen und dass man mehr von Lavarus und seinen Bewohnern lesen durfte. Fand ich den Handlungsstrang um Freya in Band 1 noch am langweiligsten und vorhersehbarsten, so hat sie sich in Band 2 zu einer Frau entwickelt, die weiß was sie will und die alles daran setzt, diese Ziele auch zu erreichen. Im Zusammenspiel mit einem Charakter, den man noch aus Band 1 kennt, kommt eine tolle Dynamik in ihre Kapitel und sie ist mir mittlerweile die liebste Person, mit viel Herz, Verstand und noch mehr Entwicklungspotential. Zu anderen Charakteren möchte ich gar nichts sagen, denn ich befürchte, dass ich sonst spoilern würde. Es sei nur gesagt, dass ich eigentlich alle sehr gerne habe, sogar die ein oder andere Person, die in Band 1 noch als die Böse positioniert wurde. Die Autorin hat es hier wunderbar hinbekommen, ihre innere Zerissenheit darzustellen und schafft es so, dass man als Leser Sympathie für diese Figur empfindet.
Jeder Charakter bekommt genug Raum, um sich zu entfalten und den Leser von seinem Handeln zu überzeugen. Das finde ich sehr wichtig und schafft die nötige Tiefe, die ich an solchen Fantasyepen liebe.

Die Story an sich hat Laura Kneidl toll weitergeführt, nachdem diese für mich im ersten Teil eigentlich keine wirklichen Überraschungen bereit hielt. Es werden natürlich nicht alle Rätsel aufgelöst, die in Teil 1 aufgetreten sind, es kommen sogar noch neue hinzu. Aber das macht nichts, ist es doch ein Hinweis darauf, wie umfassend die Autorin ihre Welt erdacht hat. Durch die Charakterentwicklung könnte manch ein Leser die Handlung als weniger spannend empfinden, wenn man viel Action und ein schnelles Voranschreiten erwartet. Ich jedoch finde es gut, dass sich bei einer vierteiligen Reihe Zeit für den Charakterschliff genommen wird und dadurch vielleicht etwas weniger Spannung in der Geschichte ist.
Man lernt als Leser ebenfalls die Magie besser kennen, die Möglichkeiten und Chancen, die damit einhergehen. Aber auch die Bedrohungen und Gefahren werden immer größer und die Feinde positionieren sich, um zuzuschlagen. Es finden sich neue Verbündete, neue Freunde und neue Liebschaften (endlich!) und der böse, böse Cliffhanger macht es fast unmöglich, so lange auf den dritten Teil Schicksalsklinge zu warten. Aber hilft ja nichts, ich werde geduldig sein, denn ich bin sehr gespannt, wo die Laura Kneidl ihre Charaktere und uns Leser hinführen wird. Ich glaube, da kommt noch Großes auf uns zu. 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.08.2019

Unterhaltsamer Krimi mit liebenswertem Ermittler und dem ersten Polizeischwein Portugals

Mord auf Portugiesisch
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‚Mord auf Portugiesisch‘ verspricht ja schon mal den tollen Schauplatz Portugal, den ich als Krimileserin in den letzten Jahren sehr lieb gewonnen habe. Doch gekriegt hat mich die Autorin Heidi van Elderen ...

‚Mord auf Portugiesisch‘ verspricht ja schon mal den tollen Schauplatz Portugal, den ich als Krimileserin in den letzten Jahren sehr lieb gewonnen habe. Doch gekriegt hat mich die Autorin Heidi van Elderen mit dem Untertitel ‚Inspektor Valente und Polizeischwein Raquel ermitteln.‘ Ich habe schon viel gelesen, von Katzen auf Spurensuche, Hunden im Einsatz, Pferden als Hilfe bei der Verbrecherjagd. Aber ein Schwein ist mit gänzlich neu. Umso mehr wollte ich wissen, wie gerade ein Schwein bei den Ermittlungen helfen kann. Ja, ich versprach mir großen Spaß beim Lesen, viel Spannung und Glück. Denn welcher Inspektor kann schon dauernd sagen: Schwein gehabt? Und ich wurde nicht enttäuscht.

Heidi van Elderen schrieb diesen Krimi locker-leicht und mit so witzigen Szenen, die mir genau das liefern was ich erwartet hatte. Dabei wird Polizeischwein Raquel so nett in die Geschichte eingebaut, ohne dass es albern oder übertrieben wirkt. So, als ob es die natürlichste Sache der Welt wäre, mit Hilfe einer Sau zu ermitteln. Die Handlung ist gut durchdacht und bietet einige Überraschungen. Wer aber atemlose Spannung sucht, wird hier nicht fündig werden. Die Geschichte schafft eine Wohlfühlatmosphäre, ohne dabei langweilig zu sein. Man taucht voll ein ins Alentejo, einer dünn besiedelte Region im Süden Portugals, die vor allem von den Korkeichen dominiert wird. Das interessante Milieu der Korkproduktion spielt eine große Rolle, ohne dass technisch ins Detail gegangen wird. Das gefiel mir sehr gut, war es doch ein Bereich, mit dem ich noch nie in Berührung gekommen bin. Außer beim Öffnen einer Weinflasche.

Protagonist und Schweineretter Fernando Valente, 38 Jahre alt, Inspektor bei der hiesigen Polícia Judiciária ist ein unglaublich liebenswerter Charakter. Er findet sich selbst nicht sonderlich clever, denkt, er hat nichts aus sich gemacht und nichts erreicht. Selbstironisch und mit viel Witz geht er aber doch seinen Weg und zieht sein Ding durch, ohne sich von Widrigkeiten von oben aufhalten zu lassen. Und in Raquel hat er dann auch die Partnerin gefunden, die zu ihm passt.

Ja, Raquel. Sie ist das gerettete Schwein und hat Gott sei Dank keine menschlichen Eigenschaften erhalten. Sie ist schwer erziehbar, denkbar ungeeignet für eine Polizeilaufbahn und macht eigentlich was sie will. Und das ist hauptsächlich Essen und sich kraulen lassen. Ein schönes Leben, oder?

Neben den beiden Protagonisten ist vor allem noch Fernandos Großmutter Malfada der Liebling der Leserunde auf lovelybooks gewesen. In ihrem Lehnsessel thronend wie eine Königin und durch’s offene Fenster nach Regen schnuppernd hat sie für nicht wenige tolle und witzige Szenen gesorgt, obwohl sie das Haus wegen ihrer schweren Arthrose gar nicht verlassen kann. Und wer würde schon denken, dass ihm eine 90jährige Omi ins Gesicht lügt? Eben. Keiner.
4 Sterne für diesen launigen Auftakt einer Krimireihe, die hoffentlich noch viele Fälle umfassen wird.

Veröffentlicht am 19.07.2019

Düster, unterhaltsam, toller Weltenaufbau und vielschichtige Charaktere!

Das Schwert der Totengöttin
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Ich glaube, dass ich noch nie eine Rezension damit begonnen habe, über die Widmung zu schreiben. Viele Widmungen sind sehr persönlich und der Autor dankt mit diesen Worten nahestehenden Personen, gedenkt ...

Ich glaube, dass ich noch nie eine Rezension damit begonnen habe, über die Widmung zu schreiben. Viele Widmungen sind sehr persönlich und der Autor dankt mit diesen Worten nahestehenden Personen, gedenkt Verstorbener oder ehrt Vorbilder. Katharina V. Haderer dankt uns. Uns Frauen und Mädchen, uns Gamerinnen und Game-of-Thrones-Fans der ersten Stunde, uns Whiskey-Trinkerinnen und Abenteuerinnen, Bogenschützinnen. Wie cool ist DAS bitte? Positiver bin ich selten in ein Buch gestartet.
Das Schwert der Totengöttin, der Auftakt der Black Alchemy-Trilogie, die 2020 fortgesetzt wird, konnte mir dann auch noch sämtliche Gefühle entlocken, die man diesem Genre zuschreiben mag: ich habe mich gegruselt, geekelt, geschüttelt vor makaberen Beschreibungen. Dann war aber auch dieser humorvolle Schreibstil, bei dem die (wirklich zahlreichen) Charaktere kein Blatt vor den Mund nehmen und gern auch mal vulgär werden. Französische Ausdrücke, die immer wieder im Buch auftauchen, haben bei mir dann auch noch irgendwie Gedanken an New Orleans geweckt. Wer kein Französisch spricht, dem empfehle ich, einfach drüber zu lesen. Die Ausdrücke sind nicht sonderlich relevant für die Handlung, haben aber einen gewissen Charme.

Der mittelalterliche Weltenaufbau ist grandios gelungen: komplex durch die verschiedenen Ränge, Einheiten und Ehrennamen, den vielen Orten die erwähnt werden, den Herrschern und Göttern.. Ein kleines Glossar am Ende schafft Abhilfe, doch zu Beginn forderte die Geschichte meine volle Leseaufmerksamkeit. Ich hätte mir teilweise eine Karte gewünscht bzw. nähere Erklärungen zu den Orten, aber im Grunde ist es wohl nicht nötig für das Verständnis.

Die Story an sich gefiel mir auch unglaublich gut. Ich wusste kein bißchen, was mich in diesem Genre erwartet, war es doch mein erster Ausflug ins Dark Fantasy. Lebende Tote, hängende Hautfetzen, Augen auspickende Krähen und spritzende Eiterbeulen sind vermutlich nicht jedermanns Sache. Aber als ich mich darauf eingelassen hatte, hatte ich richtig Spaß und der schon erwähnte humorvolle Schreibstil tat sein Übriges. Viele verschiedene Schauplätze schafften Abwechslung, ein spannender Handlungsverlauf und einige Geheimnisse, die aufgedeckt wurden, tragen den Leser nur so durch’s Buch.

Zwischen Ekel und Lachen platziert die Autorin dann auch noch Protagonisten, die so unglaublich interessant und vielschichtig sind. Nicht nur die Hauptcharaktere sind vielfältig ausgearbeitet, auch die Nebenrollen haben ihren Reiz und schaffen Spannungen und Dynamiken, die die Geschichte noch lesenswerter machen. Mirage DeBois, die Waldhexe, aus deren Sicht die Geschichte neben Erik Zejns erzählt wird, ist ziemlich undurchsichtig und man lernt sie als Leser nur bruchstückhaft und häppchenweise kennen. Ja, sie birgt noch viele Geheimnisse, die ich in den Folgenbänden unbedingt aufdecken möchte.
Der schon erwähnte Erik Zejn, den ich anfangs kein bißchen mochte, da er ein Paragraphenreiter mit Stock im Arsch ist, konnte im Laufe der Geschichte jedoch meine volle Sympathie gewinnen. Denn es gehört meiner Meinung nach viel dazu, einen Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen.
Barthell, ein Gardist, der eher belächelt wird, hat durchaus seine lichten Momente und beeindruckt dann mit Durchblick, amüsiert aber meist mit Naivität und großer Klappe.
Baalthazar DeElephantine, ein Alchemist, hat seinen Auftritt zur rechten Zeit und wird in den Folgebänden auch noch eine große Rolle spielen. Dann noch so ungemein interessante Charakter wie Sol Uriarte, die Mutter Oberin oder Svetlana Kuzorra.. Ach, ich könnte noch so viel über die einzelnen Personen erzählen, aber wisst ihr was? Lest das Buch doch selbst, es lohnt sich definitv! 5 Sterne.