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Veröffentlicht am 17.02.2019

Ein berührendes und gleichzeitig fesselndes Buch

Wenn du mich siehst
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Ich war mir als großer Nicholas-Sparks-Fan nicht sicher, ob "Wenn du mich siehst" etwas für mich sein würde, als ich das Wort "Thriller" auf seinem Rücken fand. "Eine berührende Liebesgeschichte mit rasanten ...

Ich war mir als großer Nicholas-Sparks-Fan nicht sicher, ob "Wenn du mich siehst" etwas für mich sein würde, als ich das Wort "Thriller" auf seinem Rücken fand. "Eine berührende Liebesgeschichte mit rasanten Thrillerelementen", so beschrieb eine Pressestimme das Buch. Für Ersteres liebe ich Sparks, da mir noch kein anderer Autor und keine andere Autorin über den Weg gelaufen ist, die oder der authentischer, leichtfüßiger und trotzdem bedeutungsschwer und tiefgründig über die Geschichte zweier Menschen schreiben könnte. Ich war mir jedoch bei weitem nicht sicher, ob sich die Dynamik von Thrillern mit seiner Art des Erzählens vereinen lassen würde, obwohl Bedrohungen in seinen Büchern schon oft eine Rolle gespielt haben. 569 Seiten später konnte ich nicht mehr richtig dran glauben, dass ich diesen Zweifel jemals hatte.

Behutsam und gleichzeitig mit allen Informationen, die man über die Protagonisten benötigt, führt Sparks gewohnt präzise und atmosphärisch dicht hin auf die sich entfaltende Geschichte. Ich habe auch nach den vielen Büchern, die ich von ihm gelesen habe, immer noch nicht ganz entschlüsselt, wie er dabei vorgeht. Nichtsdestotrotz verliere ich mich jedes Mal schon auf den ersten Zeiten in dem, was er beschreibt. Mit Maria und Colin werden zwei junge Menschen vorgestellt, die unterschiedlicher nicht sein könnten; deren Geschichten nicht unterschiedlicher sein könnten. Er, der eher einzelgängerisch durchs Leben geht und wohl härter als viele andere für seine Zukunft kämpfen müsste; sie, die in einem behüteten Elternhaus aufgewachsen ist und der das Leben gut mitgespielt hat. Langsam aber sicher bewegen sich ihre Handlungen aufeinander zu. Handlungen, die beide zusammenschweißen und gleichzeitig bedrohen - an dieser Stelle sei nicht mehr verraten. :)

Das "Thrillerhafte" entfaltet sich langsam – was, ohne ein großer Thrillerleser zu sein – für mich eindeutig mit der Definition dieses Genres übereinstimmt. Lange Zeit liest man über Unstimmigkeiten oder merkwürdige Begebenheiten hinweg, weil einem gar nicht in den Sinn kommt, dass sie merkwürdig sein könnten: erst ist da nichts, irgendwann ergeben beschriebene Situationen und Begebenheiten allerdings einen Sinn, dann stellt sich eine gewisse Dynamik ein. Gleichzeitig sind da sehr ruhige Momente, in denen es Sparks schafft, das Pendel wieder in Richtung einer Liebesgeschichte ausschlagen zu lassen – und genau dieses Hin und Her und manchmal parallel Passierende ist es, das „Wenn du mich siehst für mich ausmacht“; auch wenn es sich gar nicht so richtig von seinen zuvor verfassten Büchern unterscheidet. Da ist dieselbe Wärme in seinem Schreibstil, dasselbe behutsame Entfalten einer Liebesgeschichte, die auf ihre Weise besonders ist.

Auch in diesem Buch finden sich immer wieder kleine "Erzähllücken", die der Leser selbst schließen muss; Aspekte, die nicht beschrieben werden, die aber für den Verlauf der Geschichte wichtig sind und sich mit ein wenig Nachdenken erschließen - gerade dieses Nicholas Sparks so eigene Mittel empfinde ich in Bezug auf die Dynamik von "Wenn du mich siehst" als besonders passend. Als Leser wird man hierbei förmlich ans Buch gefesselt - ich habe mich mehrmals dabei erwischt, viel länger als geplant gelesen zu haben. Ein eindeutig gutes Zeichen für ein Buch, um zu einem Lieblingsbuch zu werden!

Was mir in vielen anderen Büchern oftmals verloren geht, ist die "Einflechtung" des Ortes, an dem die Handlung eines Buches angesiedelt ist. Es mögen viele Klischees darüber bestehen, wie es in einem Land zugeht; Klischees, die für viele Leser dann ein "Geschmäckle" haben. Nicholas Sparks hingegen schafft es, Dinerbesuche zu etwas werden zu lassen, das völlig zum einzelgängerischen Colin passt, Maria betreibt Stehpaddeln, um einen Ausgleich zu ihrem stressigen Berufsleben zu haben. Boxen, Tanzhallen, Touristenbars am Pier - das alles ist in "Wenn du mich siehst" nicht nur um des Habens willen in die Handlung eingeflochten: es gehört dazu, es muss so sein – und es ist genau richtig so, wie es beschrieben ist. Der Spielort ist keine Kulisse. Überhaupt „fließt“ die Geschichte auf die Art und Weise, die einen als Leser zu einem Teil des Ganzen werden lässt.

Ein weiteres schlagendes Argument für das Buch sind darüber hinaus definitiv unerwartete Wendungen; tragische, aber auch schöne. Nicholas Sparks machte sich solche schon in früheren seiner Bücher zu eigen, nichtsdestotrotz werden sie mir aufgrund der Verblüffung und des gebannten Weiterlesens, das sie bei mir ausgelöst haben, gerade bei diesem Buch noch lange in Erinnerung bleiben. Sie verdeutlichten eine Erkenntnis, die einer der Protagonisten als eine Art lebenslanges Mantra für sich beschreiben würde - und dieses werde auch ich ab sofort in meinem Herzen tragen: man hat immer eine Wahl; man kann sein Leben immer verändern. Immer.

Thriller und Nicholas Sparks, diese Paarung ist seit "Wenn du mich siehst" für mich absolut stimmig. Ein großartiges Buch – einmal mehr. Nicholas Sparks ist und bleibt der Meister der Liebesgeschichten! So sehr ich es auch versucht habe, etwas zu finden: die Contra-Seite auf meiner Liste bleibt leer. Ein fesselndes und gleichzeitig berührendes Buch, das ich jedem empfehlen kann, der Nicholas Sparks (noch nicht) kennt - das bleibt.

Veröffentlicht am 21.01.2019

Toll erzählt - aber nichts, das länger im Gedächtnis bleibt

Ich, Eleanor Oliphant
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Mit „Ich, Eleanor Oliphant“ hat man ein Buch vor sich, das eines dieser Sorte ist, in das man schnell hineinfindet. Es wird von der im Titel Genannten erzählt, eine junge Frau, in Glasgow lebend. Sie geht, ...

Mit „Ich, Eleanor Oliphant“ hat man ein Buch vor sich, das eines dieser Sorte ist, in das man schnell hineinfindet. Es wird von der im Titel Genannten erzählt, eine junge Frau, in Glasgow lebend. Sie geht, wie die meisten Menschen ihres Alters, einer geregelten Arbeit nach, wohnt in einer kleinen Wohnung und ihr Leben findet – dieser Gedanke kommt wohl so manchem hier und da – einzig zwischen Einkaufen, Bus, Arbeit und ihrem Zuhause statt. Ziemlich normal, möchte man glauben, aber tatsächlich lassen einen schon auf den ersten Seiten Kleinigkeiten erahnen, dass es ganz und gar nicht so ist. Dass nicht dieses „Normal“, über das man gar nicht mehr so richtig nachdenkt, ihr „Normal“ ist.

Gail Honeyman hat einen sehr erfrischenden, mit unterschwelligem Humor versehenen Schreibstil, und auch wenn das wohl mehr eine Floskel als eine wirkliche Feststellung ist, schreibt sie tatsächlich eigen. Was mir hauptsächlich einfallen würde, müsste ich ihren Schreibstil charakterisieren, sind scharfe, kleine Beobachtungen, die sie einbindet, auch solche, die man gar nicht mehr zu machen gedenkt, weil man – ohne dieser Tatsache etwas Negatives anhaften zu lassen – sich nur auf die wichtigen Dinge konzentriert. Von einem „abgefrorenen Hintern“ ist da die Rede, während sich die Protagonistin fragt, warum man denn nicht klipp und klar sagt, dass man kalte Hände hat; dass das Tanzen zu Musik heute kaum mehr als „unchoreografiertes Herumhüpfen“ ist. Da sind aber auch Bemerkungen, die eindeutig drauf schließen lassen, mit diesem negativen Aspekt, den ich zuvor nicht beimessen wollte, dass etwas nicht so richtig zu „stimmen“ scheint mit Eleanor. An vielen Stellen des Buches führt dieser Umstand meiner Meinung nach darauf zurück, dass die Autorin hier versucht, ungute Emotionen in das Gegenteil zu verwandeln, und ich glaube nicht, dass es Mitleid mit der Protagonistin sein soll. Vielmehr möchte sie durch die Einsicht, etwas ziemlich Unfaires zu denken, ein Be- und Umdenken anregen, das über das Buch gesehen definitiv passieren kann, wenn man nur offen dafür ist.

„Ich, Eleanor Oliphant“ ist ein lebensnahes Buch, flüssig geschrieben und angenehm zu lesen, nichtsdestotrotz schien es mir gleichzeitig das genaue Gegenteil zu sein. Obwohl die angewandte Erzählperspektive aus Sicht Eleanors absolut schlüssig ist und für mich eine kleine Meisterleistung darstellt, hat es die Autorin doch geschafft, sich für mein Gefühl perfekt in jemanden wie ihre Protagonistin hineinzuversetzen. Das Thema, das Gail Honeyman behandelt, ist einem irgendwo fremd, weil man es nicht sieht, weil Menschen die Eigenschaft, die mit dem Hauptthema des Buches verbunden ist, nicht öffentlich zeigen, sondern im Verborgenen damit leben. Gleichzeitig, obwohl ich während des Lesens keine Abscheu gegen es empfunden habe, wurde ich das Gefühl nicht los, etwas zur Belustigung zu lesen, belustigt sein zu sollen über das Leid einer liebenswerten jungen Frau. Diese Tatsache kann – wahrscheinlich ist es so – genau so von der Autorin gewollt gewesen sein, so offensichtlich gemacht, dass man sich über die darin liegende Absurdität klar wird und, wie schon zuvor erwähnt, ein Denkprozess angestoßen wird. Allerdings fand ich das, was Eleanor umtreibt, hier und da zu sehr romantisiert, zu sehr als etwas dargestellt, das Außenstehende mit selbstgefälliger Ader gut und gerne ein Grinsen ins Gesicht bringen kann.

Handlungstechnisch bin ich leider der Meinung, dass der Spannungsbogen etwas fehlt, ich habe rückblickend das Gefühl, nur von Eleanors tragischer Geschichte gelesen zu haben, nicht von ihrer Zukunft. Immer dieselben Szenen, Begegnungen mit einem Arbeitskollegen, dessen Mutter und anderen schmiegen sich unbedeutend und nicht wirklich mit einer Veränderung, die die Geschichte maßgeblich weiterbringt, aneinander. Auch wenn eine Handlung besteht, wurde der Roman für mich dadurch zu etwas Langatmigem. Es fehlt der Aha- oder Wow-Effekt, der es besonders macht, ihm etwas Eigenes verleiht, das man, zumindest glaubt, noch nie gesehen zu haben. Der Schreibstil, gespickt mit Wörtern, die trotz aller Rechtfertigung und Schönheit der Sprache niemand heute so nutzen würde, aber wahrhaftig zu Eleanors Sichtweise passen, kann diesen Umstand leider nicht wettmachen. Darüber hinaus empfinde ich die Charaktere als nicht stark – klischeehafte, übliche Charaktere sind es; der gutmütige Greis, der etwas schmuddelige, ungepflegte IT-Spezialist, das Modepüppchen, das sich offenbar Männer am laufenden Band anlacht und in einem Friseursalon arbeitet. Sobald die Charaktere im Buch eingeführt wurden, hatte ich von Anfang an ein zu klares Bild von ihnen im Kopf, in Bezug auf das ich leider im weiteren Verlauf nicht mehr zum Umdenken gezwungen wurde. Schade finde ich auch, dass man als Dritter, als Leser, irgendwie dazu verleitet wird, seine eigenen Diagnosen abzugeben und sich über eine negative Abgrenzung von Eleanor zu distanzieren; dieser Punkt lässt den Roman manchmal zu einer Art Krankheitsfalldiagnose verkommen.

Wie sich das Buch über die 525 Seiten aufbaut, muss ich resümierend leider sagen, dass ich nicht finde, dass Anfang und Ende zusammenpassen, beziehungsweise mich zufrieden zurücklassen. Was zu einem sehr großen Teil, wenn nicht sogar vollkommen, dafür verantwortlich ist, dass Eleanors Leben sich so gestaltet, wie es sich gestaltet, wird für mich nicht befriedigend aufgelöst, erklärt, mit einem Ende beendet, das Hoffnung birgt, was im Kontext der Story aber sehr wichtig wäre. Bis zum Ende des Buches ist für mich keine ersichtliche Wendung passiert, die aus der Protagonistin selbst kommt, wo sie doch eine unverwechselbare sein soll, wie Jojo Moyes über das Buch gesagt haben soll. Viele Fragen bleiben unbeantwortet und während die Autorin mit ihrem Ende wohl das vielzitierte offene haben wollte, ist es für mich eines mit zu vielen offenen Fragen, die ein regelrecht überhastetes Finale ergeben, das dem Buch nicht gerecht wird und es mir nicht möglich macht, es uneingeschränkt weiterzuempfehlen.

Ich kann leider nicht mit Überzeugung behaupten, dass mir „Ich, Eleanor Oliphant“ länger im Gedächtnis bleiben wird, dafür fehlen mir Stellen, an die ich mich bewusst erinnern würde, wenn ich mir den Titel oder das Cover vor Augen halte.

Veröffentlicht am 01.12.2018

Von Schuld und zweiten Chancen

Das Glück an Regentagen
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Eigentlich sind Buchtitel nur und manchmal auch nie ein Bruchteil dessen, was man in einem Buch dann finden wird. Mit dem Titel dieses Buches verhielt es sich für mich aber anders. „Das Glück an Regentagen“ ...

Eigentlich sind Buchtitel nur und manchmal auch nie ein Bruchteil dessen, was man in einem Buch dann finden wird. Mit dem Titel dieses Buches verhielt es sich für mich aber anders. „Das Glück an Regentagen“ drückt etwas Melancholisches aus, dem gleichzeitig aber eine gewisse Sanftheit und Kostbarkeit beiwohnen. Ich hatte auf gewisse Weise eine Geschichte erwartet, wie ich sie zwischen dem Umschlag dann gefunden habe, auf eine andere Art fand ich aber auch nicht das, was ich gedacht hatte zu finden. Und dieser Umstand passt für mich perfekt in jenes von Marissa Stapley geschriebenes Buch. Da ist etwas, aber da ist eben auch nichts.

Mae steht vor einer dieser Wendungen, die einen manchmal für lange Zeit davon abhalten, das Leben als schön zu empfinden und es zu leben, weil man am Ende des Tages nun mal nur eines davon hat. Eine Trennung, die sie in ihren Grundfesten erschüttert hat, zwingt sie dazu, an den St.-Lorenz-Strom zurückzukehren, wo sie aufgewachsen ist und eine solche nicht nur ein-, sondern bereits zwei Mal hat erleben müssen. Bei ihren Großeltern aufgewachsen, regnete es schon früh in ihrem Leben und das Grau dieses Regens verschwand nie so ganz von ihrem Horizont. Wenn man die große Liebe verliert und dazu noch einen weiteren Schicksalsschlag erfahren hat, ist das womöglich nur logisch.

Die Geschichte, die sich schon auf den ersten Seiten des Buches mit voller Wucht entfaltet, ist genauso schwer, wie die Vorstellung an triste, graue, leise Regentage, an denen die Welt irgendwie stillzustehen scheint, weil sie unter denjenigen Dingen, auf die die Tropfen bei ihrem Auftreffen deuten, ächzt. Ächzt und schmerzt. Marissa Stapley schafft es mit einem sehr pointierten und vor allem eindrücklich-authentischen Schreibstil, den Leser sofort in die Geschehnisse eintauchen zu lassen. Nicht nur, weil die Autorin aus allen erdenklichen Tempi den Präsens ausgewählt hat, wirkt alles, als geschähe es direkt vor dem Auge des Lesenden, sondern auch, weil der Erzählstil in kurzen Sätzen gehalten ist, die nicht zu verschachtelt sind, nicht zu viele Informationen enthalten, die das Ganze zu sehr ins Erzählende abdriften lassen. Sie sind präzise. Eindrücklich. Einnehmend. Eine Gabe, die die Autorin hat, ist es, für diejenigen Personen, aus deren Sicht die Kapitel unregelmäßig wechselnde erzählt sind, einige Besonderheiten im Erzählstil zu verbauen. Lilly schwelgt in Melancholie und gleichzeitig dem Stolz auf ihr erlebtes Leben, Mae ist zweifelnd und Gabe schuldbeladen – ich bin mir sicher, dass man diese Eigenschaften der Charaktere auch erfassen könnte, würde man das Buch erst zur Mitte beginnen.

Die Handlung schiebt sich in einem gemächlich-schweren und gleichzeitig überrumpelnden Rhythmus weiter, in sich logisch und geschlossen, aber leider für mich unrund beendet. Das Buch endet, wie ich finde, typisch – mit einem Ende, das gut ist und einem Epilog, der vom noch Besseren erzählt – aber eigentlich, gerade aufgrund der Geschichte, die die Protagonisten verbindet, hätte ich mir gewünscht, den Prozess des Glücklichseins an Regentagen genauer beschrieben zu bekommen, ihn nachvollziehen und erleben zu können. Dieser ist mit dem Abschluss der Geschichte leider noch nicht abgeschlossen. Das Glück an Regentagen ist nun mal keine alltägliche Sache – man muss es erst finden.

Ein schönes Buch, das überrascht und nachdenklich stimmt – allemal fehlt mir allerdings jenes besondere Quäntchen, das es von anderen Büchern seiner Art unterscheidet. Das Buch enthält alles, was es braucht, um daraus eine besondere Geschichte zu spinnen – und gleichzeitig nichts, weil es manchmal in seiner Schwere zu versinken scheint. Vier Sterne und der Wunsch nach mehr!

Veröffentlicht am 01.05.2017

Spannung bis zum Schluss

Das Geheimnis von Chaleran Castle
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Wichtig bei Romanen ist für mich, dass sie von Anfang an fesselnd sind. Am besten gelingt das, wenn etwas Mysteriöses geschieht, bei dem man noch nicht ahnen kann, was das mit der Geschichte zu tun hat. ...

Wichtig bei Romanen ist für mich, dass sie von Anfang an fesselnd sind. Am besten gelingt das, wenn etwas Mysteriöses geschieht, bei dem man noch nicht ahnen kann, was das mit der Geschichte zu tun hat. Genau so einen Handlungsbeginn hat "Das Geheimnis von Cheleran Castle". Ich wurde von diesem Roman vom Prolog an gefesselt. Ich wollte unbedingt wissen, was es mit dem entführten Mädchen auf sich hat. Natürlich hatte ich irgendwann mitten im Buch eine Vermutung, die ich aber immer wieder aufgab, da es für mich nicht plausibel klang, dass Finlay und Felicia Geschwister sein sollten. Ich war von der ersten Begegnung davon überzeugt, dass Finlay und Felicia ein Paar werden würden und dass der Gärtner Scott nur eine Nebenrolle sein würde. "Das Geheimnis von Cheleran Castle" hat mich aber des Öfteren überrascht und so kamen Felicia und Scott zusammen. Auch war ich anfangs davon überzeugt, dass Logan und Sophia ein Paar werden würden und Logan sie nach Cheleran Castle mitnehmen würde. Da aber Amelia sagte, als sie die Box mit den Briefen und Aufschrieben von ihren Vorfahren Felicia übergab, dass die Geschichte der beiden furchtbar traurig war, war mein Vermutung vom Ausgang der Geschichte nicht mehr sinnvoll. Mit solchen Wendungen überraschte mich dieser Roman oft und hat mich deshalb auch immer am Lesen gehalten. Oft habe ich nicht gemerkt, wann der Abschnitt, der in einer Woche zu lesen war, zu Ende war, den ich lesen sollte und so habe ich unbeabsichtigt weitergelesen. Ich wollte stets wissen, wie es weitergeht...
Sehr gut hat mir auch gefallen, dass durch die Geschichte von Logan und Sophia das südländische Aussehen von Felicia Sinn machte. Allgemein äußerliche Beschreibungen zu den Charakteren und zur Landschaft in Schottland sind sehr gelungen. Vor allem die Landschaftsbeschreibung macht Laune auf eine Reise nach Schottland.
Der einzige kritische Punkt den ich aufführen kann, ist die Gefühle, die Finlay für Poppy hegte, erkannte man nicht und so kam es für mich eher so herüber, als ob Finlay sich mit Poppy über Felicia hinwegtröstet. Das ist jedoch auch nur ein kleiner Kritikpunkt, die eventuell nur meiner Auffassung entspricht.
Zusammenfassend kann ich sagen, dass "Das Geheimnis von Cheleran Castle" ein Roman ist, den man jeder romantikbesetzten, geheimnisliebenden und überraschungsfreudigen Leserin beziehungsweise Leser weiterempfehlen kann und werde. Dieser Roman wurde zu einem meiner Lieblingsromanen, während ich ihn las.

  • Cover
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Lesespaß
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 23.03.2017

it's the start of something new

Ein ganz neues Leben
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Ich glaube, ich habe die beiden Phasen eines 'Ein ganzes halbes Jahr'-Lesers durchgemacht - und ich glaube auch, es gibt sie in den unterschiedlichsten Konstellationen und Reihenfolgen. Man hat irgendwann ...

Ich glaube, ich habe die beiden Phasen eines 'Ein ganzes halbes Jahr'-Lesers durchgemacht - und ich glaube auch, es gibt sie in den unterschiedlichsten Konstellationen und Reihenfolgen. Man hat irgendwann Tage, an denen man Will und Lou genau so in Erinnerung behalten möchte, wie man sie in 'Ein ganzes halbes Jahr' kennen und lieben gelernt hat. Und dann gibt es Phasen, während derer man sich fragt, wie es Lou wohl ergangen ist. In einer solchen habe ich mich befunden, als ich mein Weihnachtsgeschenk 2015 aus dem Regal geholt und es aufgeschlagen habe.
Die bewusste Entscheidung, mit keinen Erwartungen ins Buch zu starten, war die richtige: 'Ein ganz neues Leben' ist anders. Natürlich. Es hat eine Vorgeschichte, und ohne zu viel verraten zu wollen für die, die 'Ein ganzes halbes Jahr' (noch) nicht gelesen haben - sie ist traurig. Mit diesem simplen Argument kann meiner Meinung nach erklärt werden, dass man nicht den Fehler machen sollte, es mit seinem Vorgänger vergleichen zu wollen. Es kann nicht dasselbe, gleich gut, genauso sein.

Jojo Moyes' Schreibstil ist einmal mehr nicht einer unter vielen. Sie schreibt behutsam, warmherzig - und vor allem mit einer gehörigen Prise british humour. Nicht die derben Witze, die man im Fernsehen gern einmal dafür verkauft bekommt, sondern sich perfekt in die jeweiligen Situationen schmiegenden Andeutungen, Anekdoten, Vergleiche. Für mich machen sie einen großen Teil der Besonderheit, die das Buch mit 'Ein ganzes halbes Jahr' gemein hat, aus. Es ist die Autorin, die es schafft, ein authentisches, wenig den üblichen, vorhersehbaren Charakteren entsprechend, Bild einer Lou zeichnet, die selbst gezeichnet ist. Man hat absolut nicht das Gefühl, zu wissen, in welche Richtung das Buch verlaufen wird und das ist es, was mich immer weiter lesen lassen hat.

Inhaltlich beantwortet die Autorin nahezu alle Fragen, die man als Leser des ersten Buches im Kopf haben kann: wie geht es Lou? Wie geht es Wills Eltern, was macht Nathan? Putzt Josie immer noch ohne Pause? Kann Treena Thomas noch bändigen? Man trifft einen großen Teil der bekannten Charaktere wieder, und es tritt nicht ein, was man vermuten könnte: Unwohlsein, ein gezwungenes Ich-muss-erzählen-wie-es-ihnen-geht. Wie schon im ersten Buch verkommen die Nebencharaktere nicht zu eben diesen, hat man nicht den Eindruck, dass sie nur der Vollständigkeit halber bestehen und über sie geschrieben wird.
Die aufgeschlagene Geschichte passt zu der Geschäftigkeit Londons, in die es Lou verschlagen hat. Acht Monate sind zu Beginn des Buches vergangen - acht Monate, in denen Lou das 'just live', das Will ihr aufgetragen hat, nur teilweise erfüllen konnte. Sie fällt, und das mitten hinein in ihr neues Leben. Was passiert, möchte ich nicht erwähnen, nur so viel: Will ist nicht vollständig aus Lous Leben verschwunden. Und diese Nachricht lässt für Lou einen Wirbelsturm heraufziehen.

Kritisch anzumerken habe ich absolut nichts, weil Jojo Moyes auf eine wunderbar sensible, und gleichzeitig ehrende Art und Weise die Geschichte von Lou und WIll so belässt, wie sie in 'Ein ganzes halbes Jahr' passiert ist - aber nicht ohne ihr ein neues Kapitel zu verleihen, das berührt, das lächeln lässt und Hoffnung vermittelt. Ich empfinde es als einen schönen Umstand, dass man beide Bücher getrennt voneinander lesen könnte - für die, auf 'Ein ganz neues Leben' aufmerksam werden und für diejenigen, die finden, dass das Ende einer wunderschönen Liebesgeschichte aus 'Ein ganzes halbes Jahr' für sie passend ist .
'Ein ganz neues Leben' ist ein ganz neues Buch, das man, wie bereits zu Anfang meiner Rezension erwähnt, nicht mit seinem Vorgänger vergleichen sollte. Es kann nicht verglichen werden, weil es anders ist - aber nicht weniger wundervoll. Es berührt, lässt einen weinen und lachen. Und es kommt einmal mehr zum Schluss, dass das Leben gelebt werden muss und die Chancen, die sich bieten, genutzt werden sollten. No matter what.