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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.05.2019

Hartmann im Alleingang

Blondes Gift
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Christian Hartmann ist Privatdetektiv in Düsseldorf. Sein neuester Auftrag ist eher einer der pikanten Sorte, denn er soll für einen alten Freund bei einem erotischen Blind-Date antreten, weil die Ehefrau ...

Christian Hartmann ist Privatdetektiv in Düsseldorf. Sein neuester Auftrag ist eher einer der pikanten Sorte, denn er soll für einen alten Freund bei einem erotischen Blind-Date antreten, weil die Ehefrau mißtrauisch geworden ist. Das Treffen entwickelt sich zur allgemeinen Zufriedenheit, nur hinterher wird es für Hartmann gefährlich, weil er nur knapp einem Mordanschlag auf der Autobahn entgeht. Hartmanns neue Eroberung muss auch schon bald um ihr Leben fürchten. Sie flüchtet zu ihm und die ganze Geschichte läuft immer mehr aus dem Ruder, weil Hartmann alles alleine regeln will, obwohl er einen vertrauenswürdigen Kontakt bei der Polizei hat.

Christian Hartmann hat das Zeug dazu, ein Kult-Kommissar in der Regio-Krimi-Szene zu werden. Zwar ist die Handlung alles andere als einfach gestrickt und sie wird auch facettenreich erzählt, aber Hartmanns Freundeskreis ist mehr als skurril. Klaus Stickelbroeck hat einfach ein Talent für Situationskomik, dabei bleibt er immer gerade noch so in den Grenzen des Erträglichen.

Mir hat das Buch Spass gemacht, aber es ist schon sehr speziell. Auf gar keinen Fall ist "Blondes Gift" als Lesefutter für den normalen Krimikonsumenten zu gebrauchen. Nur Menschen mit Lachfalten sollten hier zugreifen.

Veröffentlicht am 16.05.2019

Very rich and very crazy

Crazy Rich Asians
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Rachel und Nick, beides amerikanische Hochschulprofessoren mit chinesischen Wurzeln, leben in einer gut funktionierenden Partnerschaft. Sie fliegen nach Singapur zur Hochzeit von Nicks bestem Freund, und ...

Rachel und Nick, beides amerikanische Hochschulprofessoren mit chinesischen Wurzeln, leben in einer gut funktionierenden Partnerschaft. Sie fliegen nach Singapur zur Hochzeit von Nicks bestem Freund, und dabei soll Rachel gleichzeitig mit der Familie ihres Liebsten bekannt gemacht werden.

Nick ist allerdings ein Meister des Tiefstapelns. Kapitelweise wird beschrieben, wie Rachel Schritt für Schritt begreift, dass sie die Freundin von Asiens reichstem und begehrtesten Junggesellen ist. Darauf hat sie der bescheidene Nick in keinster Weise vorbereitet.

Seine Familie ist in weiten Teilen not amused. Ehen werden in dieser Gesellschaftsklasse traditionell arrangiert, Geld und Einfluss sind dabei ausschlaggebend. Doch gezielte Störfeuer werden nicht nur durch die Verwandtschaft in spe gezündet, nein auch Töchter aus gutem Haus, die Nick als geeignete Beute ansehen, laufen zur Höchstform in puncto Bösartigkeit auf. In sofern ist es die klassische Liebesgeschichte, in der zwei Menschen jede Menge Hindernisse bis zu ihrem persönlichen Glück überwinden müssen.

Demnach ist "Crazy Rich Asians" eigentlich kein besonderer Roman, auch wenn die Protagonisten sehr sympathisch sind. Besonders wird er erst durch das Milieu der Singapurer Oberschicht: dekadent in ihrem unbeschreiblichen Reichtum, meist mit einem furchtbaren Geschmack gesegnet und von der eigenen Bedeutung bis ins Unermessliche überzeugt. Natürlich muss man die zum Teil epischen Schilderungen von Kleidung und Einrichtung mögen, aber sie stecken voll feinem Humor, und zusammen mit der immer wieder auftretenden Situationskomik, lässt sich das Buch mit einem ständigen Lächeln auf den Lippen gut lesen. Ich konnte es nicht aus der Hand legen. Hoffentlich werden die beiden anderen Bände der Trilogie auch bald übersetzt.

Veröffentlicht am 13.05.2019

Sylter Sax

Finsteres Kliff
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Ohne Vorkenntnisse bin ich in den 3. Fall von Liv Lammers eingestiegen. Sie ist eine sehr selbstbewußte Frau (zumindest nach außen hin), familienorientiert, beruflich ehrgeizig, erfolgreich und leider ...

Ohne Vorkenntnisse bin ich in den 3. Fall von Liv Lammers eingestiegen. Sie ist eine sehr selbstbewußte Frau (zumindest nach außen hin), familienorientiert, beruflich ehrgeizig, erfolgreich und leider zu Alleingängen neigend. Sylt hat keine eigene Mordkommission, deswegen wird sie mit ihren Kollegen aus Flensburg dorthin beordert, als eine Leiche in den Sylter Hügelgräbern gefunden wird. Zeitgleich verschwindet die Freundin des Toten und ein kostbares Wikinger-Artefakt. Die beiden Opfer gehören zu einer Clique, die sich mit Leib und Seele der Wikingertradition verpflichtet fühlt. Sie lassen alte Bräuche aufleben, glauben an die alten Götter und versuchen in Rollenspielen,das alte Leben nachzuempfinden.
So gelingt es der Autorin geschickt, dem Leser ein tiefer gehendes Bild über Sylt zu vermitteln. Die Insel hat eben mehr zu bieten als Schickimicki und Sandstrand, nämlich auch Geschichte und Artefakte.
Die Autorin Sabine Weiss schlägt von der ersten Seite an ein hohes, dichtes Erzähltempo an. Viele Personen, viele realistische Verdächtige, viele Motive! Der Spannungsfaktor ist absolut hoch, vielleicht für mich sogar etwas zu hoch, weil manche Stellen unerwartet brutal sind. Ich persönlich zumindest erwarte und bevorzuge im Bereich Regionalkrimis eine sanftere Vorgehensweise, aber das mag jeder für sich selbst entscheiden.
Weil Liv Lammers doch eine sehr prägende und einschneidende Vorgeschichte hat, wäre mir eine kurze Zusammenfassung im Klappentext hilfreich gewesen, aber insgesamt hat "Finsteres Kliff" meine Erwartungen übertroffen.

Veröffentlicht am 13.05.2019

Killer Ping Pong

Mord am Mandela Square
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Der Anfang des Buches hat mich viele Seiten lang nicht fesseln können. Inhaltlich kamen mir zu viele unterschiedliche Handlungsstränge unter, es waren zu viele verschiedene Personen und Schauplätze. Erst ...

Der Anfang des Buches hat mich viele Seiten lang nicht fesseln können. Inhaltlich kamen mir zu viele unterschiedliche Handlungsstränge unter, es waren zu viele verschiedene Personen und Schauplätze. Erst als der renommierte Naturwissenschaftler Frank Sattler in Johannesburg eintrifft, um nach der Tochter eines Freundes zu sehen, geht es in eine einzige Richtung und die eigentliche Handlung beginnt.

Diese Pia engagiert sich mit drei anderen Personen für Obdachlose, die ein verfallenes Hotel besetzt haben. Damit kommen sie einer skrupellosen Großinvestor-Familie in die Quere, die ein hochgefährliches Killerduo engagiert, um ihre Interessen durchzusetzen. Erst nachdem zwei ihrer Mitstreiter perfide um die Ecke gebracht wurden, ist Pia bereit, den Ernst der Lage anzuerkennen. Doch das ist fast schon zu spät, denn es beginnt eine Jagd auf Leben und Tod.

Hier endlich kommt der Autor richtig in Fahrt. Die Spannung steigt und das Buch entwickelt sich zu einem Pageturner mit einem überraschenden Ende nach einem atemlosen Showdown.

Der Author, Matthias Boll, hat selbst lange Jahre in Südafrika gelebt und gearbeitet. Ich als Nicht-Afrika-Kenner erfahre so auch etwas von der Atmosphäre in Johannesburg, von der Landschaft und auch von der dortigen Mentalität. Die Sichtweise von Boll unterscheidet sich deutlich von der eines Deon Meyers, der gegen Ende des Buches eine kurze Erwähnung alias Benny Griessel findet.

Nun, an Deon Meyers Krimis kann "Mord am Mandela Square" bei weitem nicht heranreichen. Dafür ist der Start einfach viel zu schwerfällig. Für mich ist Frank Sattler als Person auch nicht authentisch. Einerseits ist er in Deutschland ein anerkannter Experte für Wasseranalysen, sachlich und strukturiert, aber kaum in Afrika angekommen, erweckt die knackige zwanzigjährige Pia seine Triebe und der Mittvierziger hat schon nach kurzer Zeit mit ihr sehr erfüllenden Sex. Das ist doch ziemlich unglaubwürdig und entspricht eher Wunschdenken von Männern in den Wechseljahren. Außerdem wird Frank zu einer Art Superheld, der die kleine vom Killer bedrängte Truppe immer wieder aus gefährlichen Situationen hinausmanövrieren kann.

Für mich war der Roman trotz verschiedener Kritikpunkte eine spannende und informative Lektüre.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Capriliebe

Sommertage auf Capri (Capri 1)
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"Sommertage auf Capri" ist ein relativ kurzer Roman. Er eignet sich perfekt als Lektüre im Sommer, selbst für Daheimgebliebene wird er den Charme Capris in die eigenen vier Wände zaubern können.
Velia ...

"Sommertage auf Capri" ist ein relativ kurzer Roman. Er eignet sich perfekt als Lektüre im Sommer, selbst für Daheimgebliebene wird er den Charme Capris in die eigenen vier Wände zaubern können.
Velia ist eine sympathische Neopolitanerin, die eigentlich schon viel zu lange in einer stagnierenden Beziehung mit einem deutschen Jungbauern festhängt. Sie kann in keinem Beruf Fuss fassen, weil sie wegen ihrer vielen Deutschlandtrips viel zu unzuverlässig ist. Als leichte Wolken am Liebeshimmel aufziehen, nimmt sie eine Saisonarbeit auf Capri an. Ihren Chef samt Anhang kann sie mit ihrer patenten, herzlichen Art schnell für sich gewinnen, und die knisternde Sympathie beruht absolut auf Gegenseitigkeit. Natürlich gibt es die obligatorischen Verwicklungen und Missverständnisse, aber die Autorin hat in dieser Hinsicht das richtige Mass gefunden, so dass man trotz aller Vorhersehbarkeit nicht die Lust am Lesen verliert. Überhaupt wird die Handlung sehr munter und mitreissend durch die Autorin Roberta Gregori erzählt. Auch weil ich die ganze Zeit das Bild der sonnendurchfluteten Insel vor Augen hatte, kann ich das Buch als Sommerlektüre gern weiter empfehlen.