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fredhel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2024

Teils Märchen, teils Sozialkritik

Das Vogelmädchen von London
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Shay wird in einer Gemeinschaft groß, die in der Deutung des Vogelflugs göttliche Zeichen zu erkennen glaubt. Um den Unterhalt für sich und ihren Vater zu verdienen, arbeitet sie als Falknerin, übernimmt ...

Shay wird in einer Gemeinschaft groß, die in der Deutung des Vogelflugs göttliche Zeichen zu erkennen glaubt. Um den Unterhalt für sich und ihren Vater zu verdienen, arbeitet sie als Falknerin, übernimmt aber auch zusätzlich noch Botengänge. Sie läuft trittsicher über Londons Dächer, fliegt fast wie ein Vogel in dieser Höhe. Weil das Geld vorne und hinten nicht reicht, nimmt sie zusätzlich noch einen kleinen Job als Souffleuse in einem Theater an. Die Schauspieler sind Jungen, die der Theaterbesitzer mit mehr oder minder unlauteren Mitteln von der Straße eingefangen hat. Nach der Vorstellung müssen einige Kinder noch zum Privatvergnügen der Reichen herhalten.
Shay freundet sich schnell mit dem Star des Ensembles an. Die beiden müssen fliehen, als sie einen Adligen böse austricksen, um Kampfhähne zu befreien. Doch das ganze Land gerät immer mehr wegen der großen Kluft zwischen Arm und Reich in Aufruhr. Shay gerät sogar zwischendurch in Gefangenschaft, weil sich mit ihrer Wahrsagekraft gut Geld verdienen lässt. Der Roman endet in einem düsteren Finale.
Generell muss man sagen, dass sich dieses Buch inhaltlich in vier sehr unterschiedliche, leider nicht ganz so harmonisch ineinandergreifende Teile gliedern lässt.

Shays Leben als Vogeldeuterin - Shay als Teil der Theaterkompanie - Shay gefangen im Käfig - Shay im finalen Kampf

Während der Anfang noch sehr mystisch ist, geht das Geschehen langsam über in eine Gesellschaftskritik und mündet in eine gewaltsame Revolution. Weil der Schreibstil nicht einheitlich ist, bedauerlicherweise auch einige Längen bietet, ist es schwer in den Lesefluss zu kommen. Man weiß nicht recht, worauf der Autor abzielt. Beeindruckend allerdings ist, wie genau die Charaktere der Hauptpersonen skizziert sind und welche Entwicklung die einzelnen durchlaufen. Einen Leseeindruck in Bewertungspunkte zu fassen, fällt schwer, weil sich gute und schlechte Passagen abwechseln.

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Veröffentlicht am 04.01.2024

Rätselhafte Requisiten

Taubenschlag
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Ja, es gibt wieder etwas zu ermitteln für das Dreamteam Lykke Teit, die unkonventionelle Kommissarin aus Dänemark, und Rudi Lehmann, dem versierten Kommissar aus Deutschland.
In einem Berliner Bunker werden ...

Ja, es gibt wieder etwas zu ermitteln für das Dreamteam Lykke Teit, die unkonventionelle Kommissarin aus Dänemark, und Rudi Lehmann, dem versierten Kommissar aus Deutschland.
In einem Berliner Bunker werden bei Kartografierungsarbeiten die Leichen einer vor dreißig Jahren ermordeten Familie gefunden.
Und es geschehen mehrere skurrile Morde an alleinstehenden Personen unter Beteiligung einer toten Taube und einer Schreibmaschine. Das Setting ist schon sehr spannend aufgebaut, aber trotzdem reicht dieser Krimi nicht an Band 1 heran. Hier läuft die Arbeit der Polizei einfach zu glatt.
Man erfährt auch einige private Details über Rudi, doch Lykke sucht immer noch nach dem Hundebesitzer, der den Tod ihrer Tochter verursacht hat. Vielleicht hat sie in Band 3 das Glück, mit ihrer traurigen Vergangenheit abzuschließen.
Wie immer ist der Schreibstil von Dennis Jürgensen gut lesbar, aber diesmal bleibt er leider doch sehr an der Oberfläche.

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Veröffentlicht am 04.01.2024

Die Vergangenheit lässt nicht los

Die Totenbraut
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Charlie kehrt unter einem Pseudonym an den Ferienort ihrer Kindheit zurück. Nach außen hin gibt sie vor, für ein Buch über Mythen aus der Umgebung zu recherchieren. Doch ganz allmählich wird klar, dass ...

Charlie kehrt unter einem Pseudonym an den Ferienort ihrer Kindheit zurück. Nach außen hin gibt sie vor, für ein Buch über Mythen aus der Umgebung zu recherchieren. Doch ganz allmählich wird klar, dass sie einen ganz anderen Zweck verfolgt. Damals war sie mit einem Mädchen befreundet. Emily und Charlie experimentierten mit Zaubersprüchen, doch bei Emily vermischten sich Spiel und Wahn bis hin zu einem fürchterlichen Unglück. Nun sucht Charlie nach Spuren der Vergangenheit, um Schaden für die Zukunft abzuwehren, und kommt dabei einem großen Verbrechen auf die Spur.
Es dauert sehr lange, bis aus dem Roman dieser wirklich spannende Thriller wird. Doch dann folgt ein Plottwist dem nächsten. Höchstes Spannungslevel, erst recht, als alles Mythische real wird. Die Handlung wird in verschiedenen Zeitebenen erzählt, doch vor allem die männliche Erzählperspektive bleibt etwas sperrig und verhindert in meiner Bewertung den fünften Lesestern. Absolut perfekt ist die Sprecherin Christiane Marx.

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Veröffentlicht am 28.12.2023

Tödliches Winteraustreiben

Commissario Tasso treibt den Winter aus
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Commissario Tasso stammt ursprünglich aus Rom. In Südtirol fühlt er sich überhaupt nicht wohl, weder an das Essen noch an den ruppigen Winter mag er sich gewöhnen. Doch als Ermittler ist er unersetzbar, ...

Commissario Tasso stammt ursprünglich aus Rom. In Südtirol fühlt er sich überhaupt nicht wohl, weder an das Essen noch an den ruppigen Winter mag er sich gewöhnen. Doch als Ermittler ist er unersetzbar, denn nicht nur sein scharfer Verstand zeichnen ihn aus, sondern auch seine nützliche Zweisprachigkeit in einer Gegend in der Italiener und Österreicher nicht gut miteinander harmonieren.
Per Zufall wird er in einen Mordfall während des legendären Egetman-Umzugs in Tramin verwickelt. Ein junger Mann wird erstochen, sein Freund nur leicht verletzt. Da beide zu den Jungwinzern gehören, konzentrieren sich die Ermittlungen in diesen Kreisen. Auch die nette Mara Obermöller darf wieder erfolgreich mitmischen, denn eine hübsche junge Frau hat bei den verschwiegenen Dorfbewohnern einen etwas leichteren Stand. Ein kleiner Flirt liegt auch in der Luft.
Gianna Milani hat eine tolle Idee umgesetzt: eine Krimireihe, die in den 60er Jahren spielt und zugleich auch die Spannungen in Südtirol aufgreift. Es ist schon der dritte Band mit Commissario Tasso, der durch das jeweils im Stil der damaligen Zeit gezeichnete Cover einen hohen Wiedererkennungswert hat und zugleich liebenswerten Charme ausstrahlt. Leider wird hier das hohe Spannungslevel der ersten Folge mit seinem raffinierten Plot nicht ganz erreicht, dennoch lässt sich der Krimi gut lesen.

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Veröffentlicht am 28.12.2023

weitschweifig

Mit den Augen eines Kindes
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Oliver ist ein aufgeweckter kleiner Kerl mit einer enormen Fantasie, die zu den tollsten Ausreden verhilft, wenn er mal was ausgefressen hat. Sein Idol ist sein Vater, der Kriminalhauptkommissar Konrad ...

Oliver ist ein aufgeweckter kleiner Kerl mit einer enormen Fantasie, die zu den tollsten Ausreden verhilft, wenn er mal was ausgefressen hat. Sein Idol ist sein Vater, der Kriminalhauptkommissar Konrad Metzner.
Konrad steckt immer noch in einer obsessiven On-off-Beziehung zu einer ehemaligen Klassenkameradin, woran schon seine erste Ehe zerbrach. Scheinbar hat er nichts dazugelernt, denn nach einem Klassentreffen verfällt er ihr erneut. Konrads Kopf ist vor allem deswegen nicht frei für Olivers Erzählungen über einen Überfall und eine Entführung. So trifft es ihn unvermittelt, dass die Verbrechen real sind, und ausgerechnet er zum Dreh- und Angelpunkt des Geschehens wird.
Über lange Strecken denkt man als Leser, dass man aus Versehen zu einem Roman gegriffen hat, denn es dauert ewig, bis tatsächlich etwas Spannendes geschieht. Der Fokus liegt zuerst auf dem triebhaften Verhalten des Kommissars, das auch immer wieder gerne aufgegriffen wird. Dieses dumme Verhalten führt nicht nur zu Fehleinschätzungen von Konrad, sondern nimmt der Handlung auch viel von der Glaubwürdigkeit. Was eigentlich ganz gemächlich beginnt, endet dann in über die Maßen brutal. Kein Stoff für zarte Seelen!
Dieses eher mittelmäßige Buch wird einfach hervorragend gesprochen von Frank Stieren. Er sorgt für den vierten Lesestern bei der Beurteilung.

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