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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2023

Charakterstudien

Die spürst du nicht
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Das Bild eines herrlich blauen Swimmingpools ziert das Cover. Gerade so ein Pool ist der Auslöser einer großen Tragödie. Zwei befreundete Familien wollen ihren Urlaub gemeinsam in der Toskana verbringen. ...

Das Bild eines herrlich blauen Swimmingpools ziert das Cover. Gerade so ein Pool ist der Auslöser einer großen Tragödie. Zwei befreundete Familien wollen ihren Urlaub gemeinsam in der Toskana verbringen. Auf Drängen der verwöhnten Tochter wird noch eine Klassenkameradin mit genommen. Es handelt sich um ein traumatisiertes Flüchtlingsmädchen aus Somalia, das direkt am ersten Abend im Pool ertrinkt.
Daniel Glattauer beschreibt mit spitzer Feder den Charakter der wohlhabenden Gutmenschen, vor allem, wie sie dieses Unglück in egoistischster Weise verarbeiten. Sie fallen von einem Albtraum in den nächsten, als ein vertrottelt wirkender Rechtsanwalt ein Gerichtsverfahren mit einer utopischen Schadenersatzklage im Namen der somalischen Familie anstrebt. Zwischendurch gibt es eingeschobene Passagen mit Auszügen von Internetkommentaren mit den üblichen Statements, Vorurteilen und Beleidigungen, größtenteils auf Boulevard-Zeitungsniveau.
Das Ende wird dann tatsächlich auch noch einmal richtig spannend und hat zudem einen unerwarteten Knalleffekt.
Humor hat der Autor, das muss man ihm lassen, aber jede einzelne Seite bringt den Leser zum Nachdenken: Einerseits stecken die Protagonisten voller Klischees, aber Tatsache ist doch, die Menschen sind wirklich so.
Mir hat das Buch sehr gefallen. Es fällt aus dem Rahmen, behandelt ein hochbrisantes Thema, ist menschlich anrührend und regt zum Nachdenken an, obwohl es einen hohen Unterhaltungswert hat.
Die Hörbuchversion mit zwei hervorragenden Sprechern gibt den Inhalt noch einmal besonders intensiv wieder.

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Veröffentlicht am 28.03.2023

Grüsse aus der Vergangenheit

Die Drohung
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"Irrsinnig spannend", so bezeichnet Lee Child diesen Thriller, aber ich kann dieses Urteil nicht teilen. Auf leisen heimtückischen Sohlen schleicht sich das Grauen in Astrids Leben, als wäre es nicht so ...

"Irrsinnig spannend", so bezeichnet Lee Child diesen Thriller, aber ich kann dieses Urteil nicht teilen. Auf leisen heimtückischen Sohlen schleicht sich das Grauen in Astrids Leben, als wäre es nicht so schon schwer genug, vom Alkohol loszukommen. Ihre Vergangenheit ist sehr belastend. Anscheinend gibt es jemand in ihrem engsten Umfeld, der ihre Geheimnisse kennt. Nur so kann sich Astrid die verstörenden, anonymen Nachrichten erklären.
Die Autorin hat ein langsames Erzähltempo, das zudem durch Schilderungen von Astrids Verlangen nach Alkohol sehr bedrückend wirkt. Erst das Finale bringt Lebendigkeit und natürlich die Aufklärung. Mit der Bewertung tue ich mich etwas schwer, weil es mir ein Zuviel an Suchtbeschreibung gibt und mir Astrid über weite Strecken unsympathisch bleibt. Aber ich denke, dass viele Leser Gänsehaut bekommen können bei dem ganzen Psychoterror. 



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Veröffentlicht am 27.03.2023

Toskanische Sünden

Toskanische Sünden
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Allein vom Cover mit dem typisch toskanischen Motiv her kann man erkennen, dass genau nach einem Jahr ein neuer Commissario Luca erschienen ist. Luca ist ein Sahneschnittchen von einem Mann. Er ist der ...

Allein vom Cover mit dem typisch toskanischen Motiv her kann man erkennen, dass genau nach einem Jahr ein neuer Commissario Luca erschienen ist. Luca ist ein Sahneschnittchen von einem Mann. Er ist der einzige Polizist in dem malerischen Montegiardino. Eigentlich lebt er ein beschauliches Leben als alleinerziehender Vater einer reizenden Tochter auf einem kleinen Hof mit drei Eselchen, die jeweils einen sehr eigenwilligen Charakter haben. Mit der schönen Dottoressa bahnt sich eine Liebelei an, die eventuell durch die temperamentvolle Vice-Questora gestört wird. Diese tritt nämlich nach einem Mord und einem Mordversuch auf den Plan. Außerdem ist die ganze Dorfgemeinschaft außer Rand und Band, wie immer alle paar Jahre, wenn der Vollmond als Supermond über Montegiardino aufgeht.
Land und Leute werden toskanatypisch beschrieben, das südländische Flair verleitet den Leser zu Urlaubsträumereien. Ganz klar eignet sich dieser Krimi hervorragend als Sommer(-ferien)lektüre. Spannend ist er außerdem auch noch. Leider dauert es wieder 12 Monate zu Band 3.

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Veröffentlicht am 27.03.2023

Tiefe Freundschaft

Lichte Tage
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Ein Cover, das perfekt zum Roman passt: Ein Ausschnitt von Van Goghs Sonnenblumen, einem Bild, das in dem Buch die unerfüllten Träume versinnbildlicht und die Protagonisten in die Provence reisen lässt.
Ellis ...

Ein Cover, das perfekt zum Roman passt: Ein Ausschnitt von Van Goghs Sonnenblumen, einem Bild, das in dem Buch die unerfüllten Träume versinnbildlicht und die Protagonisten in die Provence reisen lässt.
Ellis und Michael kommen beide aus schwierigen Elternhäusern. Als sie einander kennenlernen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen. Aus Freundschaft wird in der Pubertät eine zarte körperliche Liebe. Als Annie in Ellis Leben tritt, zieht sich Michael zurück und führt in der Ferne ein eigenes Leben mit wechselnden Männern. Auch hier gibt es große Gefühle, aber keine Beziehung reicht an die Liebe zu Ellis heran.
An Aids erkrankt kehrt Michael heim und sie verleben noch eine wunderbare Zeit zu dritt, bis Michael und Annie bei einem Unfall getötet werden. 
Die Erzählperspektiven wechseln zwischendurch. Leider fügt sich der Erzählstrang vom verwitweten, vereinsamten Ellis, der kurz vor der Rente steht, nur sperrig in das Gesamtbild ein. 
Dieses Buch ist eine Geschichte über zarte Gefühle. Gefühle, die körperlich werden, aber auch Gefühle, die über dem Körperlichen stehen. Die Geschichte ist berührend, über allem liegt ein Hauch Melancholie, ist aber nie wirklich traurig, denn was die Drei miteinander verbindet, das dürfen nur wenige Menschen erleben.
Mir ist die Erzählweise ein wenig zu sprunghaft, um in sich wirklich rund zu sein, dennoch ist es ein ruhiges Buch für schöne Lesestunden.

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Veröffentlicht am 26.03.2023

Grandios vorgetragen

Vinz Solo
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Dieser Roman handelt von Vinzenz Bachmaier, einem bayrischen Abiturienten aus der Provinz auf dem Sprung zum Mann. Alles in ihm lehnt sich gegen die bigotte Atmosphäre seines Elternhauses auf. Er fühlt ...

Dieser Roman handelt von Vinzenz Bachmaier, einem bayrischen Abiturienten aus der Provinz auf dem Sprung zum Mann. Alles in ihm lehnt sich gegen die bigotte Atmosphäre seines Elternhauses auf. Er fühlt sich erdrückt von Kirche und konservativer Politik. Als Leser begleitet man ihn auf seinen schwierigen Pfaden zum Erwachsenwerden, dazu gehören Rockmusik, Drogen und unerfüllte Liebe. Man versteht seine Beweggründe, aber generell ist er kein sympathischer Protagonist, sondern eher ein unbequemer, den man nicht in eine genormte Schublade stecken kann.
Inhaltlich ist der Roman gutes Mittelmaß, aber der Sprecher Michael A. Grimm macht das Hörbuch für mich zum absoluten Highlight: Stimme und Betonung sind mehr als perfekt. Man spürt, dass Grimm sich in seine Rolle richtig hineinversetzt hat.

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