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Veröffentlicht am 18.03.2022

Geschichte vom Verlorensein

Das Fundbüro der verlorenen Träume
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In ihrer Arbeit im Fundbüro der Londoner U-Bahn geht Dot Watson vollständig auf. Akribisch katalogisiert sie die Gegenstände, wobei die Dinge fast schon menschlich auf sie wirken. Seitdem Dots Mutter im ...

In ihrer Arbeit im Fundbüro der Londoner U-Bahn geht Dot Watson vollständig auf. Akribisch katalogisiert sie die Gegenstände, wobei die Dinge fast schon menschlich auf sie wirken. Seitdem Dots Mutter im Pflegeheim liegt, verbringt sie auch den Feierabend allein und liest in ihren geliebten Reiseführern. Diese stammen allesamt aus dem Fundbüro. Dot träumt sich rund um die ganze Welt, so wie ursprünglich einmal ihre Pläne waren, bis der Tod des Vaters alles veränderte.
Zuerst fand ich Dots verrückte Gedankengänge ziemlich überzogen und ermüdend. Doch nach und nach öffnet sich die Sicht auf ihr Leben. Man versteht, was in ihr vorgeht und beobachtet gespannt, wie sich die junge Frau weiter entwickelt, sich von alten Zwängen befreien kann, weil sie einen klareren Blick auf die Vergangenheit bekommt.
Es ist ein schöner Roman, der den Leser entschleunigt und nebenbei ganz still und leise darauf hinweist, dass Dinge ihren eigenen Wert haben, den man erkennen sollte, anstatt der ständigen Gier nach Konsum zu erliegen.
Die Sprecherin Julia Meier hat sich Dots Charakter wunderbar einverleibt und es ist ein Genuss, ihr zuzuhören.

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Veröffentlicht am 15.03.2022

Krimikomödie

Munteres Morden (Elli Gint und Oma Frieda ermitteln 2)
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Elli Gint ist eine gut situierte Malerin. Ihr größtes Hobby ist allerdings Detektivarbeit inklusive Selbstjustiz. Ihre Oma, aber auch ihre Mutter, eine Lady der Hamburger High Society, mischen dabei munter ...

Elli Gint ist eine gut situierte Malerin. Ihr größtes Hobby ist allerdings Detektivarbeit inklusive Selbstjustiz. Ihre Oma, aber auch ihre Mutter, eine Lady der Hamburger High Society, mischen dabei munter mit. In diesem Buch ist Elli gebeten worden, ein junges Mädchen vor seinem gewalttätigen Vater zu schützen, der gerade aus dem Gefängnis entlassen worden ist. Ellis Freund, Kommissar Hiob Watkowski, ermittelt in einem anderen Fall. Seit Jahren erleichtert ein gerissener Dieb die Hamburger Oberschicht um Schmuck und Kunst. Zwei unterschiedliche Ermittlungen, die sich irgendwann kreuzen. 
Der Start in diese Episode verläuft schon sehr turbulent. Ich musste den Anfang zweimal lesen, um einen Überblick zu erhalten, denn es gibt rasante Action mit relativ vielen Personen. Übrigens sollte man auch den Schluss sehr konzentriert lesen, denn der ist noch komplizierter, auch wenn sich alles logisch (aber leider auch sehr realitätsfern) aufdröselt.
Der Schreibstil der Autorin ist humorvoll, doch leider überzieht sie oft die Grenze hin zum Klamauk. Die Handlung verzettelt sich mitunter in Nebenschauplätzen, die wohl witzig sein sollen, mich aber vom Hauptgeschehen nur abgelenkt haben. Die Charaktere selbst sind oft zu skurril. Ich habe leider nicht so recht Zugang zu diesem Krimi gefunden, dabei war ich sofort von diesem schönen Cover angetan.

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Veröffentlicht am 14.03.2022

Abhängigkeiten

Unser wirkliches Leben
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Anna ist eine junge Stipendiatin auf einer renommierten Opernschule in London. Sie hat grosses Potenzial, aber leider auch chronischen Geldmangel. Abends verdient sie sich ihren Unterhalt als Jazzsängerin. ...

Anna ist eine junge Stipendiatin auf einer renommierten Opernschule in London. Sie hat grosses Potenzial, aber leider auch chronischen Geldmangel. Abends verdient sie sich ihren Unterhalt als Jazzsängerin. Bei einem ihrer Auftritte dort lernt sie den älteren Banker Max kennen. Es beginnt eine toxische Liebesbeziehung, in der sich Anna immer mehr selbst verliert und ihre Ziele und Träume aus den Augen verliert. Es ist schwer, Anna auf ihrem Weg zu begleiten. Eine sympathische junge Frau, die eigentlich nur geliebt und anerkannt werden möchte. Doch ihr ganzes Umfeld besteht aus Unsympathen, angefangen von den missgünstigen Mitstudenten, dann ihrer manipulativen Mitbewohnerin Laurie und nicht zuletzt der dominante, gefühlskalte Max. Auch Annas Eltern sind wenig hilfreich, weil sie mehr auf sich selbst als auf Anna fokussiert sind. Es hängt eine sehr düstere Stimmung über der Handlung, die das Lesen zu einer sehr zähen Angelegenheit für mich gemacht hat. Die eigenwillige Interpunktion der wörtlichen Rede hat das Ganze nicht einfacher gemacht, auch wenn der Schreibstil der Autorin ansonsten sehr flüssig ist. Gut gefallen hat mir, wie die Gegebenheiten des Studiums und der Gesangsauftritte geschildert werden. Das zeugt vom Insiderwissen der Schriftstellerin. Dennoch konnte ich mich mit diesem Roman so gar nicht anfreunden.

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Veröffentlicht am 13.03.2022

spannende Jugendfantasy

Prison Healer 1: Prison Healer. Die Schattenheilerin
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Als Kind landet Kiva zusammen mit ihrem Vater im schlimmsten Gefängnis des Landes: Zalindov. Mit den Jahren wächst sie in die Aufgaben einer Heilerin im Krankenhaustrakt hinein. Nach dem Tod des Vaters ...

Als Kind landet Kiva zusammen mit ihrem Vater im schlimmsten Gefängnis des Landes: Zalindov. Mit den Jahren wächst sie in die Aufgaben einer Heilerin im Krankenhaustrakt hinein. Nach dem Tod des Vaters geben ihr nur geheime, eingeschmuggelte Botschaften ihrer Familie weiterhin Hoffnung auf ein Leben in Freiheit. Sie hofft, dass diese kommt und sie befreien wird. Doch die Zeit verstreicht, die Hoffnung sinkt. Außerhalb der Gefängnismauern tobt ein immer verbitterter werdender Bürgerkrieg. Ausgerechnet die Anführerin der Rebellen, Tilda, wird verhaftet und kommt auf ihre Krankenstation. Man zwingt Kiva, Tildas Leben um jeden Preis zu retten. Deswegen nimmt Kiva auch Tildas lebensgefährliche Prüfungen auf sich, die ihnen beiden unter Umständen die Freiheit schenken könnten.
Der Leser lernt eine düstere und gefährliche Gefängniswelt kennen, in der das Recht des Stärkeren gilt, vor allem aber das Recht der Aufseher. Mit Kiva und ihren Freunden wird dagegen das Gute personifiziert, denn die Heilerin behandelt ihre Kranken alle mit der gleichen Sorgfalt. Wenn die Protagonisten so sympathisch sind wie in diesem Fall, dann steht man dem ganzen Buch direkt schon sehr positiv gegenüber. Auch wenn die Handlung über weite Strecken sehr ruhig voranschreitet, bleibt man mit Interesse bei der Sache, weil man persönlich Anteil nimmt. Ab dem Eintreffen von Tilda zieht das Spannungslevel deutlich an. Es gibt Action, und ganz besonders die Prüfungen bringen einen zum Mitfiebern. Wenn auch vieles im Geschehen vorhersehbar gewesen ist, aber der Schluss ist unglaublich gut gelungen. Zum Glück wird es eine Fortsetzung geben.
Das Hörbuch wird richtig gut von Nina Reithmeier vorgelesen. Ihre Stimmlage passt perfekt zum Charakter von Kiva.

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Veröffentlicht am 10.03.2022

Lebenskrise

Erschütterung
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Zach Wells ist Professor für Paläontologie. Im Prinzip hat er ein Luxusproblem: Das alltägliche Leben bietet keine Herausforderung mehr für ihn. Seine Ehefrau wird von ihm geschätzt, aber nicht geliebt. ...

Zach Wells ist Professor für Paläontologie. Im Prinzip hat er ein Luxusproblem: Das alltägliche Leben bietet keine Herausforderung mehr für ihn. Seine Ehefrau wird von ihm geschätzt, aber nicht geliebt. Seine Vorlesungen schüttelt er aus dem Handgelenk und seine Studenten interessieren ihn nicht sonderlich.
Von einem Tag zum anderen wird sein Leben von Grund auf umgekrempelt, nämlich als seine Tochter Sarah (im Prinzip Zachs einziger sinnvoller Lebensinhalt), eine tödliche Diagnose erhält. Fast gleichzeitig ergeben sich Probleme mit einer Kollegin und mit einer seiner Studentinnen. Der Hauptteil des Romans beschäftigt sich damit, wie der Professor mit dieser Lebenskrise umgeht. 
Beinahe hätte ich dieses Buch schon relativ früh abgebrochen. Gerade der Anfang ist ziemlich hochgestochen und verworren. Ich konnte keine klare Linie erkennen. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, wenn ich die Printversion vorliegen gehabt hätte, aber als Hörbuch sind die Texteinschübe nicht unmittelbar als solche erkennbar. Zum Glück habe ich durchgehalten und wurde mit einem packenden Lebensabschnitt eines nicht sehr sympathischen und nicht sehr empathischen Menschen (abgesehen mit seiner Tochter) belohnt. Es reiht sich Krise an Krise, es entsteht ein sehr lebendiger Plot, der Schicht um Schicht von Zachs Charakter freilegt. Ich war ganz und gar von der Geschichte gefangen, auch wenn mich die merkwürdigen Texteinschübe bis zum Schluss hin einfach nur genervt und verwirrt haben.

Der Sprecher Christian Brückner hat den Charakter von Zach Wells umfänglich verinnerlicht. Es ist, als spräche der Professor selbst den Text und nicht ein Vorleser. Einfach grandios. Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits: Von der Stimmer her ist der Sprecher zu alt für die Rolle eines circa 40-jährigen Mannes.
Trotzdem ist "Erschütterung" ein wirklich großartiges Buch, das noch lange nachhallt, wenn man sich darauf einlässt.


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