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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.02.2018

Unterhaltsam bis zum Schluß

Totenweg
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Meine Meinung
Frida hatte eine schwere Kindheit. Ihre beste Freundin fiel einem Mord zum Opfer und zerstörte damit alles, was Frida kannte: Geborgenheit, Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Familie. Nach ...

Meine Meinung
Frida hatte eine schwere Kindheit. Ihre beste Freundin fiel einem Mord zum Opfer und zerstörte damit alles, was Frida kannte: Geborgenheit, Liebe, Freundschaft, Vertrauen und Familie. Nach einer harten Zeit im Internat geht Frida zur Polizei um Ermittlerin zu werden. Durch ihren Ehrgeiz hat sie es schon weit gebracht. Sie zögert nicht, als ihr Vater fast totgeschlagen und halb ertrunken aufgefunden wird. Frida übernimmt kurzerhand den Hof ihres Vaters und kümmert sich um die Ernte und um alles, was sonst noch so anfällt. Nach und nach wird ihr klar, das es hier um mehr geht, als nur den Hof über Wasser zu halten. Ein zugezogener Landwirt mit viel Geld versucht Stück für Stück das ganze wertvolle Land in der Marsch aufzukaufen. Und er macht offensichtlich vor nichts halt. Wird Frida es schaffen ihn aufzuhalten und den Hof ihres Vaters zu retten?

"Totenweg" hat mich gleich in seinen Bann gezogen. Die düstere Stimmung wird von Romy Fölck gekonnt in Szene gesetzt und vermittel dem Leser die ungemütliche und kühle Stimmung, die mittlerweile in der Marsch eingezogen ist. Vor allem aber symbolisiert das Wetter die Beziehung von Frida zu ihrem Elternhaus, die nach dem Mord an ihrer Freundin deutlich abgekühlt ist. Verregnet, düster und ohne Hoffnung. Frida muss nach der Rückkehr auf den Hof ihrer Eltern nicht nur mit deren Existenz, sondern auch mit ihren eigenen Dämonen kämpfen. Hier vor Ort wird sie wieder mit allem konfrontiert, was sie damals scheinbar hinter sich gelassen hat. Frida ist eine Kämpfernatur, die sich nichts gefallen lässt. Ich konnte mich gut mit ihre identifizieren und war schnell auf ihrer Seite um jeden ihrer Schritte mitzuerleben.

Die übrigen Figuren hat die Autorin ebenfalls gekonnt aufgebaut. So zum Beispiel den Kommissar Haverkorn, der anfänglich etwas unterkühlt und streng wirkt, doch nach und nach immer menschlicher wird. Ein Blick hinter die Fassade kann manchmal Wunder bewirken.

Der Plot ist durchgängig unterhaltsam und auch zum Ende hin plausibel geklärt. Es bleiben keine Fragen offen. Romy Fölck hat es sehr geschickt verstanden falsche Fährten zu legen, sodass ich erst kurz vor Ende gemerkt habe, wer wirklich für alle verantwortlich ist. Verantwortlich für den Tod mehrerer Menschen und den Brand, der mehr aufdeckt, als er vertuschen sollte. Das hat mir wirklich gut gefallen und bis zum Schluss hatte ich einen ganz anderen Charakter in Verdacht. Leider wurde die Spannung nicht durchweg hochgehalten, doch das gab den Raum, um Charaktere wie Haverkorn aufzubauen, sodass man sein Verhalten besser verstehen konnte.

Das Cover ist passend gewählt und auch der Titel macht unbedingt Sinn, denn der Totenweg ist nicht nur der Weg, der zum Fundort einer Leiche führte, es ist auch der Weg, den Frida bezwingen muss um wieder leben zu können.

Zitat
Frida blickte selbstbewusst in die Runde, obwohl sie innerlich vor Anspannung zitterte. Wenn die Männer sie im Stich ließen, war es vorbei. (Seite 61)

Fazit
"Totenweg" überzeugt auf ganzer Linie. Das Buch ist unterhaltsam bis zum Schluss und ein lesenswerter Krimi, der zur Abwechslung mal in Deutschland spielt. Noch nie habe ich einen so guten Krimi von einem deutschen Autor gelesen. Von mir eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 14.06.2018

Lesenswerter Klassiker mit wenig Atmosphäre

Herr der Fliegen
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Klappentext
Eine Gruppe englischer Schuljungen gerät infolge eines Flugzeugunfalls auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean. Kein Erwachsener überlebt. Zunächst erscheint der Verlust zivilisatorischer ...

Klappentext
Eine Gruppe englischer Schuljungen gerät infolge eines Flugzeugunfalls auf eine unbewohnte Insel im Pazifischen Ozean. Kein Erwachsener überlebt. Zunächst erscheint der Verlust zivilisatorischer Ordnungsprinzipien leicht zu bewältigen: auf der Insel gibt es Wasser, Früchte, sogar wilde Schweine, die erlegt werden können. Ralph lässt Hütten bauen, erkundet die Insel, richtet einen Wachdienst für das Signalfeuer ein. Der gute Anfang aber führt in eine Krise, die bald diabolische Formen annimmt. Aus der Jagd wird blutiges Schlachten - die Jäger und die Hüter des Feuers geraten in einen Kampf auf Leben und Tod. Die Gemeinschaft zerfällt, Terror und barbarische Primitivität gipfeln im Machtrausch, der auch Mord nicht ausschließt. Das Beängstigende an diesem Gleichnis menschlicher Gesellschaft ist die Tatsache, dass diese Jungen keineswegs Monstren oder Verbrecher sind. Jeder von ihnen ist in irgendeiner Jungenklasse der Welt zu finden.

Einstieg ins Buch
Der blondhaarige Junge glitt das letzte Stück Felsen hinab und begann, sich zur Lagune durchzuarbeiten. ...

Meine Meinung
Ein Flugzeug stürzt irgendwo im Nirgendwo auf einer Insel ab und nur eine Gruppe von britischen Jungs überlebt dieses Unglück. Kein Erwachsener überlebt das Drama und die Kinder im Alter zwischen 6 und 14 Jahre sind ganz auf sich allein gestellt. Sie müssen sich organisieren, um zu überleben, bis sie gerettet werden. Doch dieses Organisieren ist gar nicht so einfach. Immer fällt jemand aus der Reihe und beachtet die aufgestellten Regeln und Anweisungen nicht. Die ganz Kleinen zum Beispiel spielen lieber anstatt Hütten zu bauen und Jack geht lieber mit seiner Gruppe auf die Jagd, anstatt auf das Signalfeuer aufzupassen. Der von allen Kindern gewählte Anführer Ralph hat es nicht leicht die Gruppe beisammen zu halten und gerät am Ende selbst in allergrößte Schwierigkeiten. Überleben die Kinder bis Rettung kommt?

Dieses Buch habe ich damals in meinem Englischunterricht lesen müssen (auf englisch natürlich) und jetzt, Jahre später und mit einer anderen Sicht auf die Dinge, wollte ich es unbedingt noch einmal auf deutsch lesen. Für mich ist "Herr der Fliegen" von William Golding ein Klassiker, der in jedem Bücherregal zu finden sein sollte.

Die Story an sich ist erschreckend. Kinder landen mutterseelenallein auf einer einsamen Insel, ohne Erwachsene, die sagen was zu tun ist, ohne die Möglichkeit Hilfe zu rufen und ohne das Wissen, wie man in der Natur überlebt. Zuerst weiß keiner so recht was zu machen ist, aber ein kluger Kopf ist dabei: Piggy! Piggy ist klein und dick, trägt eine Brille und niemand nimmt ihn ernst. Doch er ist es, der vorschlägt Hütten zu bauen, damit sie alle in der Nacht geschützt sind. Und seine Brille ist notwendig um das Signalfeuer anzuzünden. Piggy behält fast immer einen klaren Kopf und genau das passt den Kindern nicht. Er denkt wie ein Erwachsener, dabei wollen sie doch viel lieber ihre neue Freiheit genießen. Piggy ist hier der heimliche und tragische Held der Geschichte. Die Kinder wählen einen Anführer - Ralph -, der oft nur mit Piggys Hilfe Prioritäten zu setzen weiß. Doch Jack weigert sich von Anfang an, Ralphs vernünftigen Anweisungen zu folgen und macht lieber sein eigenes Ding. Umso erschütternder ist es, als sich das Lager aufteilt und aus dem Großteil unter der Führung von Jack Wilde werden, die jeglichen Anschluss an die Zivilisation verloren haben. Am Ende eskaliert die Situation auf der Insel und Ralph steht schließlich allein auf der Seite der Vernunft.

William Golding zeigt hier sehr kritisch auf, was passiert, wenn Menschen von jeglichen Regeln befreit werden und wie schnell Menschen jemandem folgen, der genug Macht hat. Es reicht manchmal völlig aus, den Menschen vordergründig das zu geben, was sie sich am meisten wünschen und so wurde auch Jack zum Anführer. Stück für Stück baut Jack hier seine Macht auf, bis sich einfach keiner mehr traut ihm zu widersprechen. Er ist eiskalt und schreckt nicht davor zurück zu töten um seinen Standpunkt klar zu machen. Die Figuren hat der Autor gut aufgebaut, doch leider ist mir atmosphärisch viel zu wenig rüber gekommen. Die Angst, die Benommenheit, die Ausweglosigkeit - nichts hat mich mitgerissen. Das finde ich sehr schade, denn Potential war ganz klar da. Der Schreibstil hat es mir auch nicht leichter gemacht, die Sprache war teilweise sehr befremdlich für mich und oft ist mein Kopf über verschiedene Formulierungen gestolpert. Das hat den Lesefluss oft unterbrochen. Ich glaube, dass das Buch erst zu einem richtig guten Buch wird, wenn man sich nach dem Lesen längere Zeit mit dem Thema des Buches auseinandersetzt. So leicht ließ es mich gedanklich auf jeden Fall nicht los.

Trotzdem hat mich das Buch manchmal auch dazu bewegt, mir selbst die Frage zu stellen, wem ich folgen würde - der Vernunft oder dem vermeintlichen Spaß. Dass der Autor mich dazu gebracht hat, hat mir gut gefallen.

Zitat
Er verstand auf einmal das Mühsame dieses Insellebens, wo jeder Pfad eine Improvisation war und wo man einen beträchtlichen Teil seines Tages damit ausfüllt, auf seine Füße zu achten. (Seite 86)

Fazit
Ein lesenswerte Klassiker mit einer guten Portion gesellschaftlicher Kritik. Leider fehlt es an Atmosphäre und Spannung, deshalb von mir nur eine solide Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 14.06.2018

Guter Unterhaltungswert

In Gottes Namen
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Klappentext
1989: Im Auditorium einer Universität werden sechs verstümmelte Frauenleichen aufgefunden. Paul Riley, ein junger ehrgeiziger Staatsanwalt, kommt dem Täter schon bald auf die Spur. Es ist terry ...

Klappentext
1989: Im Auditorium einer Universität werden sechs verstümmelte Frauenleichen aufgefunden. Paul Riley, ein junger ehrgeiziger Staatsanwalt, kommt dem Täter schon bald auf die Spur. Es ist terry Burgos, ein psychisch kranker Hausmeister. Anscheinend tötet er die Opfer nach den Strophen eines Songtextes, der auf Bibelstellen basiert. Riley fordert vor Gericht die Todesstrafe für den geständigen Burgos, der schließlich hingerichtet wird. Fast fünfzehn Jahre später wird die Öffentlichkeit von einer neuen Mordserie erschüttert. Paul Riley, inzwischen erfolgreicher, selbstständiger Anwalt, ist der Erste, der erkennt, dass die Morde zur zweiten Strophe des Songs passen. Gibt es einen Copycat-Killer, oder hat er seinerzeit den falschen Mann in die Todeszelle gebracht? Als Riley auch noch kryptische Nachrichten erhält, macht er sich auf die Suche nach der Wahrheit und gerät unversehens in eine Welt der Lügen und finsteren Geheimnisse.

Einstieg ins Buch
Paul Riley folgte der motorisierten Polizeieskorte, manövrierte seinen Wagen durch die Absperrung und bremste neben einem Polizei-Jeep. ...

Meine Meinung
Im Jahr 1989 gab es im Mansbury College einen grausigen Vorfall. Im Keller des Gebäudes werden sechs schlimm zugerichtete Leichen gefunden, allesamt Frauen. Zwei davon sind Studentinnen am College gewesen, die vier anderen Leichen stellen sich als Prostituierte heraus. Eine der jetzt toten Studentinnen hatte den Hausmeister Terry Burgos beschuldigt ihr nachzustellen und hatte vor einiger Zeit eine Unterlassungsklage gegen ihn erwirkt. Jetzt liegt sie tot im Keller von Burgos' Arbeitgeber. Der Polizei ist schnell klar, wer hier der Mörder ist. Als Burgos festgenommen wird, leugnet er die Tat nicht und für den jungen Staatsanwalt Paul Riley scheint es ein glasklarer Fall zu sein. Die Verhandlungen ziehen sich hin doch letztendlich wird Terry Burgos für schuldig und zurechnungsfähig erklärt. Er erhält die Todesstrafe, doch kurz vor der Hinrichtung sagt er noch fünf Wörter: "Ich bin nicht der Einzige."

Ein paar Jahre vergehen und der Staatsanwalt Paul Riley ist mittlerweile Rechtsanwalt. Im Jahre 2005 finden erneut zwei schlimme Morde statt. Zufälligerweise an einem Sicherheitsbeamten, der damals 1989 in den Fall verwickelt gewesen war und an einer jungen Reporterin, die sich die Geschichte von damals noch mal genauer anschauen wollte. Die Verbindungen zum Jahre 1989 werden schnell gefunden. Hatte Terry Burgos recht? Gab es noch einen zweiten Mörder?

Am Anfang schmeißt "In Gottes Namen" mit sehr vielen Namen um sich und ich wurde von der Flut der Informationen fast ein bisschen erschlagen. Doch nachdem ich mich ein paar Seiten eingelesen hatte, war der holprige Start auch schnell vergessen. Der Protagonist Paul Riley ist ein sehr sympathischer Charakter und David Ellies nimmt sich viel Zeit ihn aufzubauen. Paul Riley ist Anwalt, allerdings mit einem Gewissen und der Fähigkeit, eigene Fehler einzugestehen. Er ist ein Charakter, der sich selbst kritisch hinterfragt und so kam ich während des ganzen Buches in den Genuss seine Entwicklung mitzuerleben. Da David Ellies selbst Anwalt ist, wird Riley sehr authentisch dargestellt. Die anderen Charaktere dagegen werden recht oberflächlich behandelt.

Der Mittelteil des Thrillers plätscherte dann so vor sich hin, aber dank den vielen Wechseln von einem Schauplatz zum nächsten, hatte das Buch trotzdem einen guten Unterhaltungswert. Allerdings entwickelt David Ellies so viele Handlungsstränge, dass ich manchmal das Gefühl hatte, den Hauptstrang aus den Augen zu verlieren. Und sehr ermüdend war es tatsächlich, dass es Dinge gab, die sehr oft und immer wieder erklärt wurden. Fast so, als müsste David Ellies noch ein paar Seiten füllen. Da hätte sich der Autor ruhig ein paar Zeilen einsparen können.

Insgesamt gab es in diesem Thriller Einiges, was mich nachdenklich gemacht hat. Familien, die denken, dass sie durch ihren Reichtum ihre eigene Regeln aufstellen können und alles tun und lassen können was sie wollen haben mich gedanklich genauso beschäftigt wie der Aspekt, dass es für manche Menschen einfach keine Grenzen gibt.

Besonders gut fand ich die sehr detaillierten Beschreibungen bei den Morden. Es war fast so, als wäre ich hautnah dabei. Das hat mir manchmal einen ganz schönen Schauer über den Rücken gejagt. Auch die Auflösung und das Finale war für mich plausibel. Nicht überraschend, aber nachvollziehbar.

Zitat
Leo probiert einen anderen Schlüssel, weil der erste nicht ins Schloss passt, beim zweiten klappt es, und er schlüpft mit seiner Tasche hinein. Gut. Sehr gut. (Seite 153)

Fazit
"In Gottes Namen" ist ein Thriller, der eher durchschnittlich ist, aber für gute Unterhaltung sorgt. Für alle, die gerne mal einen Thriller lesen möchten, in dem die polizeilichen Ermittlungen nicht unbedingt im Vordergrund stehen. Von mir eine gute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 14.06.2018

Ein Buch, das Mitdenken erfordert

Verfolgung
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Klappentext
Im Frauengefängnis Flodberga herrscht ein strenges Regiment. Alle hören auf das Kommando von Benito Andersson, der unangefochtenen Anführerin der Insassinnen. Lisbeth Salander, die eine kurze ...

Klappentext
Im Frauengefängnis Flodberga herrscht ein strenges Regiment. Alle hören auf das Kommando von Benito Andersson, der unangefochtenen Anführerin der Insassinnen. Lisbeth Salander, die eine kurze Strafe absitzt, versucht tunlichst, den Kontakt zu vermeiden, doch als ihre Zellennachbarin gemobbt wird, geht sie dazwischen und gerät ins Visier von Benitos Gang. Unterdessen hat Holger Palmgren, Lisbeth Salanders langjähriger Mentor, Unterlagen zutage gefördert, die neues Licht auf Salanders Kindheit und ihren Missbrauch durch die Behörden werfen. Salander bittet Mikael Blomkvist, sie bei der Recherche zu unterstützen. Die Spuren führen sie zu Leo Mannheimer, einem Finanzanalysten aus sehr wohlhabendem Hause. Was hat dieser mit Lisbeth Salanders Vergangenheit zu tun? Und wie soll sie den immer schärfer werdenden Attacken von Benito und ihrer Gang entgehen?

Einstieg ins Buch
Holger Palmgren saß in seinem Rollstuhl im Besucherraum. ...

Meine Meinung
Lisbeth Salander sitzt im Frauengefängnis Flodberga und versucht möglichst wenig mit den anderen Insassen in Kontakt zu kommen. Doch in der Zelle neben ihr wird eine junge muslimische Frau immer wieder misshandelt. Benito Andersson, selbst Insassin, hat das absolute Kommando über ihre Gang und jeder im Gefängnis fürchtet sich vor ihr und ihren Flüchen. Sogar das Personal scheut sich vor jeglicher Konfrontation mit ihr. Auch sie können die junge Faria Kazi nicht vor Benito schützen. Nur Lisbeth will etwas dagegen tun und legt sich so heftig mit Benito an, dass diese schwört sie umzubringen. Doch Lisbeth interessiert etwas ganz anderes: Sie will herausfinden, was für ein geheimes Projekt damals in ihrer Kindheit von den Behörden durchgeführt wurde. Dass es irgendwas mit ihr und ihrer Zwillingsschwester Camilla zu tun hat, weiß sie bereits. Doch was steckte wirklich hinter den Absichten der Behörden? Zusammen mit dem Journalist Mikael Blomkvist findet Lisbeth eine Menge Ungereimheiten heraus und je näher sie der Wahrheit kommen, desto mehr Menschen um sie herum sterben. Werden sie die Wahrheit rechtzeitig herausfinden, bevor die Verantwortlichen auch sie umbringen?

"Verfolgung" ist bereits der fünfte Band aus der Millenium-Serie, die vor einigen Jahren von Stieg Larsson angefangen wurde. Leider verstarb der Autor bevor er sein Werk vollenden konnte. David Lagercrantz hat die ehrenvolle Aufgabe bekommen, das Werk fortzuführen.

Ich habe die vier Bände davor nicht gelesen. Bis ich das Buch in den Händen hielt, wusste ich nicht einmal, dass es sich bereits um den fünften Band einer Serie handelt. Trotzdem konnte ich dem Plot gut folgen. Es war am Anfang, also im ersten Drittel etwa, etwas verwirrend für mich, weil es so viele Personen gab, zwischen denen immer hin- und hergesprungen wurde. Das wäre sicherlich einfacher gewesen, wenn ich die Figuren bereits aus den vorherigen Büchern gekannt hätte. Nach dem ersten Drittel hatte ich mich aber gut eingelesen und hatte keine Schwierigkeiten mehr die Personen auseinanderzuhalten. Im letzten Drittel wurde es dann sehr spannend, sodass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Der Spannungsbogen wird ab der Hälfte des Buches stetig aufgebaut um am dann in einem spannenden Finale zu enden. Es blieben für mich keine Fragen offen, das ist mir immer sehr wichtig am Ende eines Buches.

Die Charaktere hat David Lagercrantz gut dargestellt. Er hat sie nach und nach für mich lebendig und authentisch werden lassen. Niemand hat den Superhelden gespielt. Besonders gut konnte ich mich mit der Protagonistin Lisbeth Salander identifizieren. Sie ist eine schlaue und zähe Frau, die sich für die Schwachen einsetzt und Ungerechtigkeit nicht ausstehen kann. Mikael Blomqvist habe ich schnell ins Herz geschlossen. Mit seiner offenen und selbstkritischen Art und seiner Sorge um Lisbeth war er für mich der menschlichste Charakter hier. Aber auch die Nebenfiguren wie der reiche Leo Mannheimer oder die skrupellose Rakel Greitz blieben nicht oberflächlich, sondern gewannen mit der Zeit an Tiefe.

Insgesamt finde ich den Roman sehr gelungen, auch wenn mir der Vorlauf der ersten Bände fehlt. Ich habe mitgefiebert und mitgerätselt. Ich wurde zum Mitdenken animiert. Nur manchmal wurde es mir ein bisschen zu viel, wenn es um die vielen Begriffe an der Börse ging. Das hat der Story jedoch keinen Abrruch getan.

Zitat
"Die Börse ist ein bisschen wie ein Mensch, der gerade aus einer Depression erwacht ist. Alles, was eben noch schmerzlich war, rückt plötzlich in weite Ferne. ..." (Seite 54)

Fazit
"Verfolgung" von David Lagercrantz ist ein Buch, das den Leser zum Mitdenken animiert und dabei Einblicke in unterschiedlichste Branchen gibt. Ein lesenswerter Roman, der auch eigenständig gelesen werden kann. Von mir eine klare Leseempfehlung.

Vielen Dank an das Team vom bloggerportal und dem Heyne Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar!

Veröffentlicht am 14.06.2018

Leider ohne Tiefgang

Piniensommer
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Klappentext
Sizilien 1965: Nicola liebt das Meer. Seine Mutter fleht ihn an, das gefährliche Apnoetauchen sein zu lassen, trotzdem geht er in jeder freien Minute auf Tauchgang. Auch an Stella, seiner großen ...

Klappentext
Sizilien 1965: Nicola liebt das Meer. Seine Mutter fleht ihn an, das gefährliche Apnoetauchen sein zu lassen, trotzdem geht er in jeder freien Minute auf Tauchgang. Auch an Stella, seiner großen Liebe, hält Nicola gegen den Willen seiner Familie fest. Die beiden kommen aus unterschiedlichen Welten, haben sich jedoch heimlich verlobt und planen ihre Hochzeit. Glücklich fahren sie jeden Tag zum Architekturstudium nach Palermo und träumen von einer gemeinsamen Zukunft. Dort erleben sie hautnah mit, wie die Mafia die Bevölkerung drangsaliert. Nicola will handeln: Zusammen mit Freunden gründet er einen illegalen Radiosender, um gegen die Missstände zu protestieren. Palermo ist in Aufruhr, Nicola ist kurz davor, aufzufliegen. Doch Stella ahnt nicht, das ihr gemeinsames Schicksal aus einer völlig anderen Richtung bedroht wird. Und sie alles, was ihr etwas bedeutet, verlieren könnte.

Einstieg ins Buch
Sie hatten sie verstoßen. ...

Meine Meinung
Stella und Nicola sind jung und genießen die gemeinsame Zeit miteinander. Beide studieren Architektur in Palermo. Beide wollen die Welt verändern. Doch während Nicola neben dem Studium auch seine Freizeit genießt, arbeitet Stella hart und in jeder freien Minute an ihrem Studium. Oft macht sie ihm Vorwürfe, dass er nicht genug für sein Studium macht und dann würde sie ihm am liebsten auch noch das Apnoetauchen verbieten. Stella ist außer sich vor Sorge, wenn Nico in die Tiefen des Meeres abtaucht. Doch ihre Liebe ist größer als alles andere auf der Welt und niemals würde Stella es übers Herz bringen, ihn wegen des Tauchens zu verlassen. Kurze Zeit vor der Hochzeit der beiden jungen Menschen schlägt das Schicksal zu und das Leben zwingt Stella dazu die schwersten Entscheidungen ihres Lebens zu treffen. Inmitten der ganzen Unruhen durch die Mafia versuchen Stella und ihre Freunde eine bessere und gerechtere Welt zu schaffen. Doch wofür lohnt es sich wirklich zu kämpfen?

Stella hatte nie ein leichtes Leben. Als junges Mädchen von der Familie verstoßen, flüchtet sie sich in Arbeit und Ehrgeiz. Sie studiert Architektur und bewahrt schließlich ihr Elternhaus vor dem absoluten Verfall. Mit ihrem verlobten Nicola scheint ihr Glück perfekt. Doch auch dieses Mal meint es das Leben nicht gut mit ihr. Die Liebesgeschichte wird durch den Tod von Nicola abrupt beendet. Das geschieht bereits im ersten Drittel des Buches und ist leider schon mit wenig Tiefgang beschrieben. Der Unfall hat mich weder schockiert noch emotional mitgenommen. Für mich waren hier einfach noch nicht genug Emotionen und Bindungen zu den Protagonisten aufgebaut.

Die letzten beiden Drittel des Buches befassen sich ausschließlich mit Stellas Trauer um Nicola. Es geht gar nicht mal um Trauerbewältigung, denn Stella entwickelt sich erst auf den letzten 40 Seiten so wirklich weiter. Für mich ist die ganze Geschichte einfach viel zu langatmig und mit zu wenig Emotionen gestaltet. Oft wollte ich Stella einfach nur an den Schultern packen und schütteln. Immer wenn sie einen kleinen Schritt nach vorn gemacht hat, ist sie im nächsten Moment um zwei Schritte zurückgefallen. Sie hatte keine Bezugsperson, die sie aufgefangen hat oder gar versucht hat, sie aus ihrem Tief herauszuholen. Es fand kein Kampf statt, Stella hat das Leben einfach aufgegeben.

Der Schreibstil ist hier recht einfach gehalten, doch die Personen und Umgebungen blieben für mich eher unscheinbar und oberflächlich. Das Buch versprach eine Geschichte um Liebe und den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Korruption. Leider hat es meine Erwartungen nicht erfüllt und mich an einigen Stellen sogar gelangweilt.

Vielen Dank an das Team vom bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!

Zitat
Stella ballte die Fäuste. Außerdem hatte sie ja noch ihren Nicola. Nicola würde sie retten. (Seite 42)

Fazit
Ein Buch, dessen Potenzial nicht ausgereitzt wurde. Als leichte, sommerliche Liebesgeschichte angepriesen, ist das Buch eher schwerfällig und düster. deshalb von mir nur eine verhaltene Leseempfehlung.