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Veröffentlicht am 16.02.2018

Nachdenken und Umdenken!

Damals war es Friedrich
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Klappentext
Zwei Jungen wachsen im selben Haus auf und gehen in dieselbe Schulklasse. Jeder wird als einziges Kind von verständnis- und liebevollen Eltern erzogen. Selbstverständlich werde sie Freunde, ...

Klappentext
Zwei Jungen wachsen im selben Haus auf und gehen in dieselbe Schulklasse. Jeder wird als einziges Kind von verständnis- und liebevollen Eltern erzogen. Selbstverständlich werde sie Freunde, und jeder ist bei der Familie des anderen daheim. Doch Friedrich Schneider ist Jude, und allmählich wirft der Nationalsozialismus seine Schatten über ihn. Friedrichs Freund, der zwar bis zuletzt an Friedrich hängt, kann ihm immer weniger zur Seite stehen, da er selbst dem Zwang seiner Zeit ausgeliefert ist. Langsam gleitet die Geschichte aus der heilen Kinderwelt in ein unfassbares Dunkel.

Einstieg ins Buch
Irgendwer hatte ihn Polykarp getauft. ...

Meine Meinung
Friedrich ist ein kleiner Junge wie jeder andere auch. Er spielt gerne mit seinem besten Freund und ist oft zu Gast bei dessen Eltern. Sein Vater arbeitet bei der Post und ist zu jedem freundlich und zuvorkommend. Friedrich kommt aus gutem Hause, aber - er ist Jude. Deutschland beginnt sich unter der Naziherrschaft zu verändern und auch die Welt des kleinen Friedrich verändert sich nach und nach. Zuerst sind es "Kleinigkeiten", doch mit der Zeit werden die Gesetze immer härter und schränken das Leben der Juden extrem ein. Friedrich darf plötzlich nicht mehr in die Badeanstalt oder ins Kino, weil Juden dort unerwünscht sind. Dann muss er auf eine Extra-Schule für Juden. Friedrich bekommt mit, dass Menschen anfangen ihn zu verabscheuen und zu hassen für das was er ist. Nicht für den Menschen, der er ist, sondern für seinen Glauben. Er wird gedemütigt und will eigentlich einfach nur dazugehören. Sein bester Freund steht ihm zur Seite so gut er kann, doch auch er stellt irgendwann fest, dass die Gefahr für ihn zu groß wird.

Das Buch wird aus der Sicht von Friedrichs bestem Freund erzählt und bringt dem Leser sehr gut nahe, wie unfassbar der Krieg für alle Menschen war. Für die Juden sicherlich am Schlimmsten, doch auch die Menschen, die anderer Ansicht waren und versuchten ihre Freunde und Arbeitskollegen zu schützen, setzten immer mehr ihr Leben aufs Spiel. Der Krieg aus der Sicht eines Kindes geschildert, scheint noch viel grausamer zu sein, denn er ist noch weniger nachzuvollziehen. Das ganze Entsetzen über die Behandlung von Friedrich ist seinem Freund deutlich anzumerken und auch die absolute Machtlosigkeit gegenüber den unverständlichen Sanktionen wird hier sehr deutlich.

Die Menschheit fühlt sich so überlegen gegenüber allem, so weit entwickelt, aber doch fehlt es ihnen an Weitsicht, Verständnis und vor allem Einsicht. Wie kann ein Mensch einen anderen Verurteilen aufgrund seines Glaubens oder seiner Hautfarbe? Welches Recht nimmt sich der Verurteilende heraus besser zu sein als der andere? Für mich völlig unverständlich. Hass entsteht aus Angst und Perspektivlosigkeit und das sollte doch zumindest in Deutschland oder Europa keine Rolle spielen. Es geht uns doch gut und doch... immer wieder treffe ich auf Menschen, die so viel Hass in sich tragen. Hass gegen Schwarze, Hass gegen Flüchtlinge. Ich kann nur hoffen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt. Der Entwicklung der AfD sehe ich mit Sorge entgegen. Meine Hoffnung besteht darin, dass es weniger Mitläufer und mehr Menschen mit Verstand gibt, die offen sind für eine Welt ohne Rassismus. Denn Rassismus wird anerzogen und besteht nicht seit der Geburt.

Das Buch hat mich wieder sehr feinfühlig gemacht. Insbesondere auch für die Situation der Flüchtlinge, die in ihrer Heimat vor Krieg, Angst, Verfolgung und Demütigung fliehen. Niemals sollte man vergessen, dass wir alles Menschen sind und dem anderen gegenüber etwas hilfsbereiter und offener sein.

Zitat
"Über uns wohnt eine jüdische Familie, Schneiders. Der Junge heißt Friedrich. Die beiden sind gleich alt; sie sind befreundet." Großvater hüstelte. "Eine jüdische Familie?" "Ja", sagt Vater, "nette Leute!" (Seite 19)

Fazit
Ein Buch, dass wahrscheinlich niemals seine Aktualität verlieren wird - leider. Ich persönlich finde, das diese Literatur in jeden Unterricht gehört und besprochen werden muss. Von mir eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 09.02.2018

Emotionale Geschichte für Katzenliebhaber!

Warrior Cats. Vor dem Sturm
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Klappentext
Feuerherz hat es geschafft! Der junge Krieger ist der zweite Anführer des DonnerClans. Doch nicht alle Katzen akzeptieren Feuerherz' neue Rolle. Auch Blaustern, die Clan-Anführerin, verhält ...

Klappentext
Feuerherz hat es geschafft! Der junge Krieger ist der zweite Anführer des DonnerClans. Doch nicht alle Katzen akzeptieren Feuerherz' neue Rolle. Auch Blaustern, die Clan-Anführerin, verhält sich immer seltsamer. Als der Wald von einer schrecklichen Katastrophe heimgesucht wird, steht Feuerherz vor der schwersten Aufgabe seines Lebens: Wird es ihm gelingen, seinen Clan in ein neues Leben zu führen?

Einstieg ins Buch
QUALVOLLES STÖHNEN hallte über den mondbleichen Boden einer Waldlichtung. ...

Meine Meinung
Nachdem Tigerstern den DonnerClan verlassen hat und sich irgendwo im Wald versteckt hält, ist Feuerherz nun zum zweiten Anführer des Clans ernannt worden. Viele Katzen jedoch zweifeln nach wie vor an der Loyalität des ehemaligen "Hauskätzchens" und machen Feuerherz seine Aufgabe dadurch noch schwerer. Nicht nur, dass er sich jetzt erst recht beweisen muss, er muss auch noch für seinen Clan sorgen. Die Anführerin Blaustern ist ihm keine große Stütze. Sie ist nach dem Verrat von Tigerstern tief erschüttert und traut sich selbst nichts mehr zu. Sie versteckt sich in ihrer Höhle und lässt niemanden an sich ran. Als ein Feuer im Wald ausbricht, muss Feuerherz die schwerste Entscheidung seines Lebens treffen um den DonnerClan zu retten.

In dritten Band waren vor allem Kämpfe und Auseinandersetzungen vorrangig. In "Vor dem Sturm" treten Kämpfe eher in den Hintergrund. Der Fokus wurde hier vom Autoren-Team auf die Entwicklung von Feuerherz gelegt, der lernen muss seine Selbstzweifel und Ängste in den Griff zu bekommen. Denn wenn er schon an sich zweifelt, wie sollen die anderen Clan-Katzen dann an ihn glauben? Zu Beginn ist Feuerherz mit seiner Rolle überfordert und das kam auch sehr gut rüber. Ich konnte in vielen Situationen seine Hilflosigkeit spüren auch wenn sie nicht erwähnt wurde. Im Laufe der Zeit entwickelt sich Feuerherz immer weiter und findet sich schließlich gut in seiner neuen Rolle zurecht. Erfreulich fand ich hier, dass sich die Schreibweise sehr nah an Feuerherz orientiert hat. Ich habe hautnah miterlebt was er fühlt, denkt, schmeckt oder riecht.

Die Geschichte entwickelt sich langsam aber nicht langweilig. Das ganze Buch ist mit Ereignissen gespickt, die mich mal froh und mal traurig, mal wütend und mal enttäuscht gestimmt haben. Teilweise war ich sogar so traurig, dass ich einen richtigen Kloß im Hals hatte. Dieser Teil hat mich emotional richtig gepackt und ist für mich der aktuell beste Teil der ersten Staffel. Am Ende des Buches bleiben ein paar Fragen offen, die mich allerdings nur dazu bewogen haben sofort den nächsten Teil zu lesen.

Der Schreibstil ist leicht und flüssig, sodass ich das Buch in zwei Etappen gemütlich durchlesen konnte. Die fesselnde Schreibweise hat mich hervorragend unterhalten und zu keiner Zeit gelangweilt.

Zitat
Einen Augenblick zögerte Feuerherz und genoss den aufwallenden Stolz und die Liebe, die er immer spürte, wenn er sich seinem Zuhause näherte. (Seite 23)

Fazit
Der emotionalste Teil der ersten Staffel, aber nur wenn die ersten drei Teile auch gelesen wurden. Deshalb empfehle ich die Staffel von Beginn an zu lesen. Ein Buch über den Glauben an sich selbst und den Mut seinem Herzen zu folgen. Für alle Fantasy- und Katzenliebhaber ein MUSS! Von mir eine absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 09.02.2018

Ein unterhaltsamer Klima-Thriller

Die Schmelze
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Klappentext
Jahrtausendealte versunkene Städte werden an der indischen Küste entdeckt. Für die Forscherin Amrita sind sie Zeugen einer urzeitlichen Eisschmelze im Himalaja - und einer Naturkatastrophe, ...

Klappentext
Jahrtausendealte versunkene Städte werden an der indischen Küste entdeckt. Für die Forscherin Amrita sind sie Zeugen einer urzeitlichen Eisschmelze im Himalaja - und einer Naturkatastrophe, die sich heute zu wiederholen droht! Die Eisexpertin Susan hat in Grönland das wegbrechende Eis direkt vor Augen und versucht, die dramatische Entwicklung aufzuhalten. Ein aussichtsloser Wettlauf gegen die Zeit?

Einstieg ins Buch
Der Mythos von Atlantis, dem untergegangenen Festland, hat die Menschen so lange beschäftigt, dass man meinen sollte, die Entdeckung von Atlantis hätte einen beträchtlichen Nachrichtenwert. ...

Meine Meinung
Der Naturwissenschaftler Sergej Sawelnikow und die Meeresarchäologin Amrita sind dem Geheimnis der versunkenen Stadt Atlantis auf der Spur als sie auf Zusammenhänge mit Klimakatastrophen stoßen. Sie machen sich auf den Weg ins Eis und untersuchen die Schmelze der Gletscher, vor allem den Rückgang des riesigen Grönlandgletschers und versuchen verschiedene Möglichkeiten zu entwickeln um das Schmelzen zu verringern oder sogar aufzuhalten. Als die Wissenschaftler merken, dass eine Katastrophe bereits kurz bevor steht, scheint es zu spät um die Menschheit zu retten....und sich selbst.

Risto Isomäki ist selbst Umweltaktivist und beschreibt sehr realistisch welche Auswirkungen das menschliche Verhalten auf die Umwelt und das Klima hat. Er beschreibt glaubwürdig verschiedene Szenarien, die für mich sehr beunruhigend und von der Realität nicht sehr weit entfernt sind. Dass bei einem Abbruch des Grönlandgletschers ein riesiger Tsunami entstehen könnte, der sogar Deutschland unter Wasser verschwinden lässt klingt zwar sehr weit weg aber ist es das wirklich? Bereits jetzt steigt der Meeresspiegel kontinuierlich und für uns sehr langsam, aber für die Natur, die sonst 10.000 Jahre für gravierende Veränderungen braucht, geht das einfach zu schnell.

Die Bedrohung durch den Klimawandel ist nicht zu unterschätzen und der Autor schafft es mit seinem Roman den Leser für dieses Thema zu sensibilisieren. Leider fehlt hier ein bisschen literarisches Geschick, denn die Charaktere sind zwar allesamt sympathisch, doch bleiben sie alle auch sehr oberflächlich. Das lässt keinen Raum um einen Charakter mit Ecken, Kanten und Eigenarten zu entwickeln. Auch die kurze Liebesgeschichte, brachte mich den Figuren emotional nicht näher und so ging es mir einfach um die Umweltauswirkungen als um die Charaktere. Die Handlung ist ebenfalls nicht sehr originell, aber dennoch glaubwürdig. Das Thema Klimawandel zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und gibt interessante Denkanstöße.

Viele Passagen sind sehr wissenschaftlich gehalten, aber auch für einen Laien gut erklärt. Allerdings muss sich der Leser hier darauf einstellen, lernen zu wollen, weil die Erläuterungen sonst irgendwann trocken werden könnten. Grundsätzlich scheinen die Hintergünde gut recherchiert zu sein. Nichtsdestotrotz hat mich der Umwelt-Thriller von Risto Isomäki gefesselt und gut unterhalten. Am Ende bleibt der Gedanke, was ich selbst für die Umwelt tun kann um ihr ein bisschen von dem zurückzugeben, was sie uns alles gibt.

Das Cover des Buches finde ich sehr passend. Das Thema dreht sich hauptsächlich um schmelzendes Eis, deshalb ist das Titelbild aus Eis, Wasser und einem blauen Himmel stimmig gewählt. Auch der Titel "Die Schmelze" passt absolut zum Thema. Ich habe mir bewusst einen Wintermonat ausgesucht um dieses Buch zu lesen, weil ich ein kaltes, winterliches Ambiente dazu haben wollte. Doch im Nachhinein finde ich, dass die Jahreszeit keine Rolle spielt, denn in der Arktis gibt es immer Eis und Gletscher - noch.

Zitat
Sergej spürte, wie es ihm kalt den Rücken hinunterlief, während er das große Frachtschiff betrachtete, das vor ihnen in der Umarmung des dunklen Wassers lag. Warum war es untergegangen? (Seite 33)

Fazit
"Die Schmelze" ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und den Leser für Umweltthemen sensibilisiert. Für alle Leser, die beim Thema Klimawandel aufhorchen und die sich durch eine oberflächliche Handlung nicht abschrecken lassen. Von mir eine solide Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 25.01.2018

Lesenswerter Thriller mit geschichtlichem Hintergrund

Knochenlese
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Klappentext
1982 geschah in Chupan Ya, einem kleinen Dorf in Guatemala, während des Bürgerkriegs ein schreckliches Verbrechen. Ein Militärkommando stürmte die Häuser und Hütten, verschleppte, quälte und ...

Klappentext
1982 geschah in Chupan Ya, einem kleinen Dorf in Guatemala, während des Bürgerkriegs ein schreckliches Verbrechen. Ein Militärkommando stürmte die Häuser und Hütten, verschleppte, quälte und tötete Männer, Frauen und Kinder. Heute, zwanzig Jahre nach dem Massaker, machen sich die Mitglieder einer Menschenrechtsorganisation daran, die lang verschwiegene Bluttat aufzuklären. Unterstützt werden sie dabei von Dr. Tempe Brennan, einer forensischen Anthropologin aus Montreal, die sich bereit erklärt, bei der Identifizierung der verscharrten Opfer aus den Massengräbern zu helfen. Doch diese Knochenlese verlangt selbst der abgebrühten Krimonologin viel ab. Dann aber wird ein Attentat auf ihre Kollegen verübt und Tempe erfährt, dass die jetzt amtierenden Machthaber in Guatemala in ihrer Kaltblütigkeit den früheren Regimes mehr als ebenbürtig sind. Unbeirrt ermittelt Tempe dennoch weiter und gerät auf die Spur einer schrecklichen Mordserie in Guatemala City. Bald ist selbst sie dort ihres Lebens nicht mehr sicher.

Einstieg ins Buch
"Ich bin tot. Sie haben mich umgebracht." Die Worte der alten Frau stachen mir ins Herz. ...

Meine Meinung
Temperance Brennan ist nach Guatemala City gereist, um dort die Menschenrechtsorganisation vor Ort bei der Identifizierung der Opfer von Chupan Ya zu unterstützen. Im Jahre 1982 fand dort ein militärisches Massaker statt und die Opfer verdienen es, angemessen bestattet zu werden. Tempe Brennan muss sich durch tausende von Knochen "lesen" und das verlangt ihr einiges ab. Doch die aktuellen Machthaber in Guatemala wollen mit allen Mitteln verhindern, dass diese Geschichte aufgeklärt wird. Spätestens als Tempes Kollegen Opfer eines geplanten Anschlags werden, steht fest, dass es hier um mehr geht als um die Identifizierung von menschlichen Knochen. Tempe beginnt zu recherchieren und kommt schon bald einer Verbindung auf die Spur, die sie fast das Leben kostet.

Im fünften Band rund um die forensische Anthropologin Temperance Brennan geht es wieder sehr ins Detail. Das ist also nichts für zarte Gemüter. Gerade die Exhumierungen sind sehr detailliert und bildlich beschrieben. Für mich war es, als stünde ich direkt daneben. Das Aussehen der Opfer, sowie die Gerüche der Leichen und die Empfindungen von Tempe sind derart gut und authentisch dargestellt, dass in meinem Kopf die Bilder dazu deutlich waren und ich mich während des Lesens aus der wirklichen Welt ausgeklingt hatte. Die hervorragende Beschreibung liegt natürlich daran, dass Kathy Reichs selbst Anthropologin ist und deshalb die ganzen Vorgänge und Eindrücke genau kennt und wiedergeben kann.

Die Charaktere, vor allem die Protagonisten Tempe und Ryan, hat Kathy Reichs auch in diesem Buch wieder sehr gut dargestellt. Tempe, die sich immer kräftig mit den Opfern auseinandersetzt und um jeden Preis die Wahrheit herausfinden will. Ryan, der nicht nur gut aussieht, sondern auch was im Köpfchen hat. Er unterstützt und beschützt Tempe in allen Ermittlungsphasen ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. Hinzu kommt der Charakter des Ermittlers Galiano, der vor Ort in Guatemala mit den beiden zusammen ermittelt. Besonders gut finde ich, dass Kathy Reichs es schafft, auch Randpersonen so zu beschreiben, dass ich mir eine Persönlichkeit vorstellen kann, sich aber dabei nicht in unnötige Details verliert.

Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr detailliert im Bereich der forensischen Arbeit, aber dennoch locker und flüssig zu lesen. Kathy Reichs schafft es mit ihrer Ausdrucksweise ausgezeichnet Emotionen zu übertragen und in gefährlichen Situationen die richtige Stimmung zu schaffen. Wie immer gibt es am Ende der einzelnen Kapitel den typischen Cliffhanger, der mich immer zum Weiterlesen animiert. Am Ende des Buches überschlagen sich die Ereignisse, nachdem sich der Spannungsbogen kontinuierlich aufgebaut hat. Nur manchmal gab es ein paar Passagen, die zwar Ruhe in den Plot brachten, aber teilweise auch etwas langatmig waren.

Zitat
Tatortfotos bieten einen billigen Einblick in die Geheimnisse anderer. Im Gegensatz zu künstlerischen Fotos, bei denen Licht und Gegenstände ausgewählt oder positioniert werden, um Augenblicke der Schönheit darzustellen, zeigen Tatortfotos die nackte, ungeschönte Wirklichkeit in grellem Detail. Sie zu betrachten ist eine erschütternde und entmutigende Aufgabe. (Seite 77)

Fazit
"Knochenlese" ist ein Thriller, der wirklich lesenswert ist. Er befasst sich kritisch mit den Umständen des Bürgerkriegs in Guatemala und zeigt einige Hintergründe zu diesem Thema auf, ohne dabei zu einem Geschichtsbuch zu werden. Für Fans von unterhaltsamen Thrillern eine gute Wahl. Von mir eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 18.01.2018

Solide Unterhaltung ohne sonderlich zu fesseln...

Denn vergeben wird dir nie
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Klappentext
Nach mehr als zwanzig Jahren soll Rob Westerfield, Sohn einer reichen und äußerst einflussreichen Familie, auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen werden. Bis zum heutigen Tag schwört er, ...

Klappentext
Nach mehr als zwanzig Jahren soll Rob Westerfield, Sohn einer reichen und äußerst einflussreichen Familie, auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen werden. Bis zum heutigen Tag schwört er, den Mord an der jungen Nachbarin, dessen man ihn bezichtigt hatte, nicht begangen zu haben. Doch außer der Staatsanwaltschaft war und ist noch jemand fest von Robs Schuld überzeugt: Ellie Cavanaugh, die Schwester des Opfers, die damals die Leiche in einem Wald unweit des gemeinsamen Elternhauses fand. Ihre Aussage im Prozess war es, die entscheidend zur Verurteilung von Rob Westerfield beigetragen hatte. Ihr Hass auf den Mann, der für das Zerbrechen der Familie und den Selbstmord der Mutter verantwortlich ist, ist ungebrochen. Im Zuge ihrer neuerlichen Auseinandersetzung mit dem Fall kommen Ellie jedoch plötzlich Zweifel. Ist es möglich, dass ihre kindliche Wahrnehmung sie getäuscht hatte und Rob tatsächlich unschuldig war? Um ihren Erinnerungen und den Umständen von Andreas Tod nachzuspüren und der Wahrheit auf den Grund zu gehen, besucht Ellie den Ort ihrer Kindheit. Doch die Suche entpuppt sich für die junge Frau – und nicht nur für sie – als lebensgefährliches Unterfangen.

Einstieg ins Buch
Als Ellie an jenem Morgen aufwachte, hatte sie das Gefühl, dass etwas Schreckliches passiert war. ...

Meine Meinung
Ellie Cavanaugh findet als siebenjähriges Mädchen die Leiche ihrer 15-jährigen Schwester Andrea. Immer heimlich traf sich Andrea mit ihrem Freund Rob und außer Ellie wusste niemand sonst das Geheimversteck der beiden. Genau in diesem Versteck wurde Andrea von Ellie gefunden, mit einem Wagenheber übel zugerichtet. Aufgrund von Ellies Aussage wird der 19-jährige Rob verurteilt. Andreas und Ellies Familie zerbricht an dieser Tragödie. Die Mutter flüchtet sich in den Alkohol und der Vater zieht sich in seine eigene kleine Welt zurück. Ellie fühlt sich völlig allein gelassen und muss selbst einen Weg aus ihrem Gefühls-Chaos finden.

Etwa 20 Jahre später arbeitet Ellie in Atlanta als Reporterin. Ihr kommt zu Ohren, dass der Mörder ihrer Schwester, Rob, vorzeitig aus der Haft entlassen werden soll und es ein neues Verfahren geben wird. Grund dafür sind neu aufgetauchte Beweise und ein neuer Zeuge. Ellie ist außer sich und macht sich auf den Weg nach Oldham-on-the-Hudson, um die Entlassung mit allen Mitteln zu verhindern. Sie recherchiert ununterbrochen und versucht auf allen Wegen die Wahrheit über den Mord herauszufinden. Rob hat den Mord nie gestanden und seine Familie, reich und sehr einflussreich, wird nicht zulassen, dass Ellie ihn noch einmal ins Gefängnis bringt. Natürlich ist Ellie bei ihren Recherchen alles andere als neutral, aber dennoch plagen sie irgendwann Zweifel daran, ob damals der richtige Mann verurteilt wurde.

Die Charaktere hat Mary Higgins Clark in diesem Roman sehr schön und bildhaft dargestellt. Allein durch dieTaten der Figuren konnte ich mir ein Bild von den jeweiligen Personen machen, ohne dass viele Worte notwendig waren. Der Roman ist aus der Ich-Perspektive, aus der Sicht von Ellie, geschrieben und das zieht sich durch das ganze Buch. Ich finde das sehr gut, denn so war ich mittendrin in Ellies Recherchen und war dabei als Zweifel sie plagten. Als ein Mordanschlag auf sie verübt wird, war ich ebenfalls hautnah dabei. Hauptsächlich geht es in diesem Buch um Ellie und den Verlust ihrer Schwester. Es geht darum, dass sie endlich ihren inneren Frieden finden und mit den Geschehnissen von damals abschließen kann. Ellie ist sehr menschlich mit all ihren Überzeugungen und Zweifeln, deshalb wurde ich auch recht schnell mit ihr warm. Sie kämpft für ihre Sache und fordert Gerechtigkeit um jeden Preis - für ihre Schwester und für sich selbst. Die polizeilichen Ermittlungen stehen hier nicht im Vordergrund.

Was ich ein bisschen schade finde ist, dass das Ende für mich hervorsehbar war und es keine große Überraschung am Ende gab. Vielleicht hatte ich mit meiner Vermutung aber auch einfach nur Glück. Ab diesem Zeitpunkt war für mich auch der Spannungsaufbau nicht mehr so gut. Ich wollte nur noch wissen, ob meine Vermutung sich bestätigt oder ob die Autorin es schafft die Geschichte am Ende noch mal rumzureißen. Der Roman ließ sich trotzdem sehr gut und flüssig lesen, der Schreibstil ist bei Mary Higgins Clark klar und einfach.

Zitat
Gegen gerechten Zorn hat niemand etwas einzuwenden, dachte ich. Es sei denn, man trägt ihn zu lange mit sich herum. (Seite 88)

Fazit
Dieser Roman bietet gute Unterhaltung ohne große Überraschungen. Für knallharte Thriller-Fans ist er sicherlich nicht fesselnd genug, aber mich haben die geschickt gelegten Fährten gut unterhalten. Eine solide Leseempfehlung weil es mir nie langweilig wurde.