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Veröffentlicht am 16.01.2021

Ein Jahr für die Liebe

A single kiss
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Normalerweise lese ich Reihen, wie es der Name schon vorgibt, der Reihe nach. Bei L.OV.E. von Ivy Andrews hat sich das anders ergeben, sodass ich mich dem letzten Band begonnen habe. In den vier Büchern ...

Normalerweise lese ich Reihen, wie es der Name schon vorgibt, der Reihe nach. Bei L.OV.E. von Ivy Andrews hat sich das anders ergeben, sodass ich mich dem letzten Band begonnen habe. In den vier Büchern geht es jeweils um das Austauschjahr der Studentinnen Libby, Oxy, Val und Ella im englischen Plymouth Eine Zeit, in der sie ineinander nicht nur enge Freundinnen, sondern auch jede für sich die große Liebe finden. „A single kiss“ erzählt die Geschichte von Ella.

Inhalt:
„Die französische Paris Hilton“ wird Ella, Erbin eines großen Pariser Modeunternehmens, in ihrer Heimat genannt. Als sie den bösartigen Gerüchten der Klatschpresse und den Anfeindungen auf Social Media nicht mehr standhalten kann, flieht sie ins beschauliche Plymouth, um am dortigen College ihr Modedesign-Studium fortzuführen. Obwohl Ella talentiert ist, bereitet ihr das Entwerfen von Mode nur wenig Freude. Es graut ihr davor, eines Tages die Designabteilung des elterlichen Unternehmens leiten zu müssen. Außerdem kriselt es zwischen ihr und ihrem Freund Etienne, der mit Vielem, was Ella tut, nicht einverstanden ist und nur seine Karriere im Kopf hat. Vor nicht all zu langer Zeit dachte Ella noch, Etienne sei ihre große Liebe. Mittlerweile ist sie sich da nicht mehr so sicher.
Harte Schale, weicher Kern. Das beschreibt Callum wohl am besten. Nach außen hin sieht der bis zu Hals tätowierte Schotte aus wie ein waschechter Bad Boy, doch in Wirklichkeit hält er sich schon seit über zwei Jahren von Frauen fern. Dafür konzentriert er sich voll und ganz auf sein Fotografie-Studium, das er schon sehr bald abschließen wird.
Als Callum auf Ella trifft, ist es um ihn geschehen. Er fühlt sich unwiderstehlich angezogen von der schönen Französin. Und auch Ella merkt schnell, dass Callum sie lange nicht so kalt lässt, wie sie es sich anfangs wünscht. Doch nicht nur Ellas Freund, sondern auch ihre unterschiedlichen Lebensrealitäten stehen ihrem Glück im Weg.

Meine Meinung:
Ich bewundere die Autorin dafür, wie sie es geschafft hat, einen so komplizierten Plot über vier Bücher hinweg immer wieder neu zu erzählen - und das ohne grobe Logikfehler! Die Geschichten der L.O.V.E.-Reihe spielen nämlich gleichzeitig und decken jeweils ein komplettes Jahr ab. Der Aufbau der Reihe unterscheidet sich also maßgeblich von anderen New-Adult-Serien.
Ich würde „A single kiss“ als leise Geschichte bezeichnen. Es passiert zwar unglaublich viel, was ja auch gar nicht verwunderlich ist bei so einer langen Zeit, doch all das entwickelt sich eben langsam.
Man erlebt hautnah mit wie aus vier fremden Frauen Freundinnen werden. Auf dieser Freundschaft liegt auch ein großer Fokus, sodass die Geschichte über hundert Seiten braucht, bevor es überhaupt zum ersten Treffen zwischen Callum und Ella kommt. Das ist ungewöhnlich und vielleicht nicht jedermanns Sache. Mir persönlich gefällt diese Herangehensweise sogar besser als manche Bücher, die sich so stark auf die beiden Hauptcharaktere fokussieren, dass alles andere dahinter verschwimmt. Die Nebenfiguren sind dann oft nur noch platte Abziehbilder und das ist bei der L.O.V.E.-Reihe definitiv nicht so.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr detailliert und meistens gut zu lesen. Ab und zu stolpert man über den ein oder anderen Schachtelsatz, aber darüber kann ich hinwegsehen. Das Buch wechselt immer wieder zwischen Callums und Ellas Sicht. Bei Callum sind mir besonders positiv die vielen schönen Referenzen zu seiner schottischen Heimat in Erinnerung geblieben.
„A single kiss“ vermittelt dem Leser eine warme, liebevolle Atmosphäre. Die Welt von Ella und ihren Freundinnen wird gut greifbar und man fühlt sich als Leser schnell darin zuhause.
Gefühlt folgt die Geschichte keinem typischen Spannungsbogen, sondern ist - wie das Leben selbst - eine Aneinanderreihung von verschiedenen Phasen, von Irrungen und Wirrungen, die Ella und Callum zu überwinden haben, bevor sie miteinander glücklich werden können. Das macht sie sehr realitätsnah und nachvollziehbar.
Obwohl mir das Tempo der Entwicklung zwischen Ella und Callum sehr gut gefallen hat, fehlte mir stellenweise das Gefühl für ihre Beziehung. Beide sind sympathische, runde Charaktere, mit Stärken und Schwächen, denen man es gönnt glücklich zu werden, die sich gut ergänzen und deutlich ineinander verliebt sind. Trotzdem hat mich aus nicht rational zu erklärenden Gründen nicht dieses Fieber gepackt, dem man manchmal beim Lesen verfällt, wenn man sich nichts mehr als ein Happy End für diese Personen wünscht.
Dafür ist mir die Freundschaft der vier Mädels wirklich nah gegangen. Mein Leser-Herz habe ich dann endgültig an die Liebe von Oxy und Ellas Bruder Henri verloren. Obwohl die Geschehnisse zwischen den beiden nur eine Randhandlung bildeten, konnten sie mich wirklich packen. Ich werde also ganz bestimmt den zweiten Band der Reihe lesen. Vielleicht nicht gleich sofort, weil die Bücher so umfangreich sind, aber irgendwann in den nächsten Monaten bestimmt.

Fazit:
„A single kiss“ ist kein typischer New Adult Roman. Da die einzelnen Bände der Reihe gleichzeitig spielen, kann man sie problemlos unabhängig voneinander lesen. Es handelt sich um eine facettenreiche Geschichte mit liebevoll ausgearbeiteten Charakteren, die alle nach ihrem Weg in der Welt suchen und sich gegenseitig dabei helfen. Die L.O.V.E.-Reihe erzählt vom Leben mit seinen Hürden und von der Art Menschen, die man an seiner Seite braucht, um damit fertig zu werden. Es gibt hier und da kleine Schwächen, trotzdem würde ich „A single kiss“ als Einzelband sowie die gesamte Buchreihe uneingeschränkt weiterempfehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2021

Ein kleines Weihnachtsmärchen

Weihnachten am Ku'damm
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Jedes Jahr um die Weihnachtszeit steht mir der Sinn nach einer besonderen Art von Geschichte. Nach Nostalgie und der „guten alten Zeit.“ Gut war die Zeit im Jahr 1946 bestimmt nicht, trotzdem schafft es ...

Jedes Jahr um die Weihnachtszeit steht mir der Sinn nach einer besonderen Art von Geschichte. Nach Nostalgie und der „guten alten Zeit.“ Gut war die Zeit im Jahr 1946 bestimmt nicht, trotzdem schafft es dieses schmale Büchlein von Wärme in einem dunklen, kalten Winter zu erzählen.

Inhalt:
Dezember 1946: Der Krieg ist verloren und das besetzte Berlin liegt in Trümmern. Der Winter ist eisig, das Essen knapp. Die Leute verhungern und erfrieren in ihren eigenen Betten. Auch die Thalheim-Schwestern, deren Familie einst ein glamouröses Modekaufhaus gehört hat, haben Vieles verloren. Das bevorstehende Weihnachtsfest scheint trostlos zu werden. Nicht einmal ein Baum ist in Berlin noch zu bekommen Mit einem schäbigen kleinen Geschäft versuchen sie sich die Thalheims jetzt über Wasser zu halten. Eines Tages findet Rike, die älteste der Schwestern, einen kleinen Jungen vor eben diesem Geschäft. Erich ist bettelarm und scheinbar ganz allein. Die Familie nimmt sich ihm an und beschließt dem Kind das schönste Weihnachten seines Lebens zu bereiten.

Meine Meinung:
Ich kannte Brigitte Riebes Triologie über die Thalheim-Schwestern zuvor nicht. Insofern bin ich völlig unwissend in die Geschichte gestartet. Trotz der geringen Seitenzahl ist es dem Leser relativ schnell möglich sich einen Überblick über die Familie und ihre Freunde zu verschaffen. Außerdem vermittelt die Autorin ein eindrückliches Bild vom Nachkriegsberlin und den vielen Herausforderungen, die die Menschen seinerzeit zu bewältigen hatten.
Es werden oft Konflikte und Verwicklungen zwischen den Protagonisten angedeutet, die vermutlich in den kommenden Bänden noch eine Rolle spielen werden. Unbedingt wissen möchte man beispielsweise, ob Oskar, der Bruder der Mädchen, tatsächlich noch aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt. Wie es mit der geheimen Liebe von Familienfreundin Miriam zu dem britischen Soldaten Ben weitergeht. Und natürlich ob Rike es schafft, das legendäre Modekaufhaus wieder aus seinen Ruinen auferstehen zu lassen.
„Weihnachten am Ku’Damm“ ist ein kleines, herzerwärmendes Märchen aus einer grauen, tristen Zeit, in dem es Nächstenliebe und Zusammenhalt und Gerechtigkeit gibt, trotz all der Widrigkeiten.
Es zeigt dass ein Happy End immer irgendwie möglich ist, auch wenn alles dagegen zu sprechen scheint und ist genau richtig um in den Tagen vor Weihnachten gemütlich auf dem Sofa gelesen zu werden.

Fazit:

„Weihnachten am Ku’damm“ macht Lust auf mehr Lesestoff über diese starke und herzliche Familie und das sage ich, obwohl ich gar nicht so viel in diesem Genre lese. Die Geschichte ist definitiv eines meiner Weihnachts-Highlights 2020 gewesen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.01.2021

Zweifle' nicht

Never Doubt
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Ich war in meinem Leben nicht oft im Theater und wenn, dann hat es mir meistens nicht gefallen. Vielleicht kann man mich als Theaterbanause bezeichnen. Nach dem Lesen von „Never Doubt“ habe ich jedoch ...

Ich war in meinem Leben nicht oft im Theater und wenn, dann hat es mir meistens nicht gefallen. Vielleicht kann man mich als Theaterbanause bezeichnen. Nach dem Lesen von „Never Doubt“ habe ich jedoch zum ersten Mal das dringende Bedürfnis etwas daran zu ändern. Das Buch hat mir nämlich so gut gefallen, dass ich jetzt gerne eine so leidenschaftliche Shakespeare-Aufführung sehen würde, wie sie in der Geschichte aufgeführt werden.

Inhalt:
Willow wurde vergewaltigt und hat es niemandem gesagt. Es ist auf ihrer eigenen Party, in ihrem eigenen Bett passiert und der Täter ist der Sohn des Chefs ihres Vaters. Seitdem ist nichts mehr so wie vorher. Willow ist innerlich zerbrochen und auch nach außen hin zerfällt ihr Leben immer weiter. Als ihre Eltern mit ihr von New York ins provinzielle Harmony, Indiana, ziehen, sollte sie es eigentlich hassen, doch in Wirklichkeit bietet sich ihr zum ersten Mal die Gelegenheit vor ihren inneren Dämonen zu fliehen.
In Harmony trifft sie auf Isaac Pearce. Er ist das Schwarze Schaf der Stadt. Die Mutter ist tot, der Vater ein hochverschuldeter Alkoholiker und Isaacs Schulkarriere ein Desaster. Aber auf der Bühne des städtischen Theaters von Harmony, da ist er ein Star mit alles überstrahlendem Talent, weil er dann mit den Worten Shakespeares von seinem eigenen Schmerz erzählen kann.
Als Willow ihn spielen sieht, will sie genau das auch und so kommt es, dass die beiden schon bald gemeinsam in Shakespeares Hamlet auf der Bühne stehen. Die gemeinsame Arbeit an Hamlet zeigt Willow und Isaac jedoch schnell, dass sie nicht nur das Theater sondern auch einander brauchen, damit ihre Wunden heilen können.

Meine Meinung:
Ich zögere meistens, wenn es um Bücher geht, die so schwierige Themen behandeln wie „Never Doubt“. Zu groß erscheint mir die Gefahr, dass die Geschichte entweder dem Stoff nicht gerecht wird oder aber so düster ist, dass ich nicht gut damit umgehen kann.
Das war bei diesem Buch von Emma Scott komplett unbegründet.
Obwohl Willow und ihr Verhalten nach der Vergewaltigung, ihr Schmerz, ihr innerer Kampf und ihre Leere sehr tiefgehend und realitätsnah dargestellt wurden, war das Buch voller Hoffnung.
Hoffnung darauf, dass auch nach den dunkelsten Zeiten wieder helle folgen werden. Dass es besser wird. Dass das Leben und die vielen guten Dinge, die es bereithalten kann, heilsam sein können.
Die Geschichte ist sehr emotional. Ich hatte mehr als einmal Tränen in den Augen. Vor allem gegen Ende hin. Die zweite Hälfte des Buchs habe ich an einem Tag gelesen, weil ich es gar nicht mehr aus der Hand legen konnte, so sehr habe ich gehofft, dass für die beiden Protagonisten alles gut ausgehen würde.
Man musste sie aber auch einfach mögen: Willow, die so viel verloren hat und Isaac, der es scheinbar einfach nicht schafft zu gewinnen.
„Never Doubt“ war mein erstes Buch von Emma Scott. Ihr Schreibstil ist klar und geradlinig, an den richtigen Stellen aber auch poetisch. Es finden sich immer wieder besondere Stellen, die mich beim Lesen Inne halten und nachdenken lassen.
Was mich aber besonders fasziniert hat, ist die Art und Weise, auf welche die Autorin das Schicksal von Willow und Isaac mit dem Text der alten Theaterstücke verwoben hat. Das war ganz große Kunst! So raffiniert und beeindruckend, dass ich mich frage, wie der Schreibprozess dazu ausgesehen haben muss. War da zuerst die Idee eine Geschichte zu schreiben, die parallel zu einem Spiel von Shakespeare verläuft oder waren da zuerst Willow und Isaac?

„Never Doubt“ enthält einen größeren Zeitsprung. Ich war nicht sicher, wie ich das finden soll. Zuerst war ich irritiert, dann hat es mir extrem gut gefallen. Später habe ich mich gefragt, ob man diesen Sprung wirklich gebraucht hätte. Ob man den Plot nicht auch ganz ähnlich hätte auflösen können, ohne dafür in die Zukunft zu gehen. Mittlerweile bin ich aber überzeugt, dass es nötig war, weil das Ende sonst nicht so „endgültig“ gewesen wäre. Weil es dann auf manche Fragen, vielleicht keine Antwort gegeben hätte. Alles in Allem ist der Schluss von „Never Doubt“ nämlich phänomenal. Genau das, was ich mir erhoffe, wenn ich ein Buch anpacke.
Jemand anderes könnte vielleicht argumentieren, dass ein paar Aspekte daran zu schön waren um wahr zu sein. Aber ich persönlich suche genau danach, wenn ich Bücher lese. Nach einer Welt, in der man sich auf Versprechen verlassen kann und in der es Gerechtigkeit gibt. Das bietet dieses Buch.

Fazit:
„Never Doubt“ ist auf sehr vielen Ebenen absolut großartig und ich habe einen riesigen Respekt vor einer Autorin, die dieses schwere Thema so künstlerisch und tatsächlich auch „schön“ umgesetzt hat. Ein ganz kleiner Störfaktor waren für mich die Stereotype an Willows Highschool. Diese typischen Gruppierungen wie die „Plastics“ oder Sportler lese ich gar nicht gerne. Das nimmt der Geschichte ein bisschen an ihrer Tiefe für mich. Aber das soll nur mein persönlicher Geschmack sein. „Never Doubt“ ist für jeden, der dramatische und gefühlvolle Liebesromane mag, eine Pflichtlektüre.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.12.2020

Fantastisch - im wahrsten Sinne des Wortes!

Die Tiermagierin – Schattentanz
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„Schattentanz“ ist der erste Band der Tiermagierin-Triologie und das beste Fantasybuch, das mir im Jahr 2020 untergekommen ist. Ich lese in den letzten Jahren immer weniger Fantasy, weil ich in meinem ...

„Schattentanz“ ist der erste Band der Tiermagierin-Triologie und das beste Fantasybuch, das mir im Jahr 2020 untergekommen ist. Ich lese in den letzten Jahren immer weniger Fantasy, weil ich in meinem Kopf bei jedem dieser Bücher Vergleiche zu „Das Reich der sieben Höfe“ ziehe. Und da kann eine Geschichte beinahe nur verlieren! Aber diese hier ist anders. Sie besticht auf so vielfältige Art und Weise. Ich konnte gar nicht anders als sie zu lieben.

Inhalt:
Leena ist eine Tiermagierin. Sie verfügt über eine bestimmte Art der Magie, die es ihr möglich macht mystische Tierwesen zu zähmen. Nach einem blutigen Krieg lebt das Volk der Tiermagier in einer geheimen Stadt. Aus dieser wurde Leena vor Jahren verbannt, weil man ihr fälschlicherweise vorgeworfen hat Experimente an Tierwesen durchgeführt zu haben - eines der schwersten Verbrechen, das ein Tiermagier begehen kann. Seitdem muss sie sich allein durch’s Leben schlagen und einen Teil ihrer geliebten Tierwesen an zwielichtige verkaufen, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Noc ist ein Assassine, ein untoter Mörder. Der Anführer einer Gilde von Kopfgeldjägern, der den Auftrag erhalten hat, Leena zu töten. Wenn Noc einen Auftrag annimmt, dann bedeutet das: Sein Leben oder das seines Opfers. Das lässt Leena scheinbar keine Chance. Aber da ist auch ein uralter und geheimnisvoller Fluch, der auf Noc lastet. Ein Fluch, der - so hofft er - von einem Tierwesen gebrochen werden kann. Deswegen lässt er sich auf einen Handel mit Leena ein.

Meine Meinung:
„Schattentanz“ ist wirklich so viel mehr als ich erwartet hatte. Die Autorin hat sich eine einzigartige Welt voller spannender Ideen ausgedacht. Der Schreibstil ist außergewöhnlich und zeitweise poetisch. Die Szenen sind atmosphärisch und sehr detailreich beschrieben. Die Darstellung der Tierwesen ist so liebevoll ausgearbeitet, dass ich beim Lesen tatsächlich dieses alte „Ich will es“ - Gefühl hatte, das man aus der Kindheit kennt, wenn man irgendwo einen niedlichen Hund sieht. Ich dachte, da wäre ich rausgewachsen!
Trotzdem ist „Schattentanz“ keineswegs ein niedliches Buch. Es ist voller Abenteuer, rasant und manchmal auch brutal. Es hat einen hohen, dichten Spannungsbogen, der sich immer weiter steigert und dem Leser kaum Pausen lässt.
Das Setting ist nicht so mittelalterlich, wie ich ursprünglich angenommen hatte. Es erinnert mich mehr ans 19. Jahrhundert. Pokemon im 19. Jahrhundert, wenn ich einen direkten Vergleich wagen müsste.
Die Charaktere gewinnt man im Laufe der Geschichte immer weiter lieb. Sie sind so angelegt, dass man wirklich mit ihnen mitfiebern kann. Sie machen Fehler und bleiben trotzdem authentisch und sympathisch. Ihr Handeln war in den aller meisten Situationen nachvollziehbar dargestellt, wenn auch nicht immer sinnvoll und zielführend. Aber wer handelt schon immer sinnvoll und zielführend?
Vor allem Leena mochte ich sehr. Sie ist eine Kombination aus reinem, gutherzigen Menschen und einer Kämpferin, die alles tut, was nötig ist, um sich selbst und das, was ihr wichtig ist, zu verteidigen. Meiner Erfahrung nach liest man diese Mischung im Fantasy-Genre gar nicht so oft.
Noc und Leena sind ein ausgesprochen schönes Liebespaar. Die Chemie zwischen ihnen stimmt. Ich konnte nachvollziehen, was sie zueinander hinzieht und warum sie sich ineinander verliebt haben. Vielleicht wurde ein kleines bisschen zu oft erwähnt, dass Noc, seine Augen und seine Schatten „obsidianschwarz“ sind. Darüber lässt sich aber hinwegsehen.

Ich habe an unterschiedlicher Stelle immer wieder Kritik am deutschen Cover der Reihe gelesen. Diese teile ich überhaupt nicht. Mir gefällt es sehr gut. Es wirkt edel, reduziert und für Gold bin ich überhaupt immer zu haben.
Außerdem ist das Buch im Inneren sehr liebevoll und detailreich gestaltet. Ich mochte die bunten Landkarten in der Broschur und ganz besonders Leenas Bestiarum auf den letzten Seiten. Hier finden sich weitere Informationen zu den Tierwesen, die im Buch eine Rolle spielen. Teilweise gibt es sogar Zeichnungen, damit man sie sich besser vorstellen kann.

Fazit:
Ich erteile eine uneingeschränkte Leseempfehlung für diese Buchreihe. „Schattentanz“ ist Romantasy vom aller Feinsten und eines meiner Highlights zum Jahresabschluss. Ich werde die Reihe ganz bestimmt weiterverfolgen und freue mich schon auf die Folgebände 2021. Wenn man den Klappentext liest, lässt sich noch nicht erahnen, welche fantastische Welt sich dahinter verbirgt. Wenn man also mit dem Genre an sich etwas anfangen kann, sollte man diese Geschichte unbedingt gelesen haben!

  • Cover
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Veröffentlicht am 21.12.2020

Not my cup of tea

The Secret Book Club – Ein fast perfekter Liebesroman
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Die Reihe um „The Secret Book Club“ stand schon lange auf meiner Leseliste. Auf Bookstagram kam man ja quasi nicht um sie herum und ich habe viel Gutes gelesen. Die Idee eines Bücherclubs für Männer, der ...

Die Reihe um „The Secret Book Club“ stand schon lange auf meiner Leseliste. Auf Bookstagram kam man ja quasi nicht um sie herum und ich habe viel Gutes gelesen. Die Idee eines Bücherclubs für Männer, der sich mit Regency-Romanen beschäftigt ist ja auch bestechend. Vor allem, wenn man selbst gerne solche Romane liest. Und das tue ich!
Dass es hier ein Buch im Buch gibt, hat mich anfangs eher abgeschreckt, weil das in der Vergangenheit oft nicht für mich funktioniert hat. Leider ist es auch dieser Autorin nicht gelungen, mich davon zu überzeugen.

Inhalt:
Gavin Scott ist ein gefeierter Baseball-Star. Der Abend seines größten beruflichen Erfolgs, ist gleichzeitig auch der Abend seiner größten privaten Niederlage. Nachdem er einen spielentscheidenden Homerun gelandet hat, erfährt er zuhause, dass seine Ehefrau Thea seit Jahren ihre Orgasmen vortäuscht. Gavin zieht daraufhin ins Gästezimmer und Thea wirft ihn raus. Sie will die Scheidung, Gavin will die Ehe retten und bekommt dabei Unterstützung von seinem besten Freund Del, der Mitglied des titelgebenden Secret Book Club ist. Der Buchclub will Gavin mit einem auf seine Situation abgestimmten Regency-Roman dabei helfen, Thea zurückzugewinnen. Wenn er die Handlungen des verliebten Grafen erst einmal auf seine Situation überträgt, so glauben sie, dann gibt es wieder Hoffnung für Gavin und Thea.

Meine Meinung:
Ich hatte Lust zu lachen, also habe ich mich in der Buchhandlung für dieses Buch von meiner Wunschliste entschieden. Ich muss zugeben, dass ich nicht ganz so glücklich mit dem Kauf bin. Lachen musste ich wirklich ab und zu. Vor allem am Anfang der Geschichte. Aber je weiter der Plot fortgeschritten ist, desto mehr Schwächen kamen dazu.
Möglicherweise kann man mit meiner Zusammenfassung nicht nachvollziehen, was das Problem zwischen Gavin und Thea ist. Das liegt daran, dass ich es selbst nicht weiß.
Thea war eine ganz merkwürdige Protagonistin. Ich konnte sie überhaupt nicht verstehen, fand ihr Verhalten gegenüber Gavin in vielen Bereichen überzogen und unangebracht.
Wieso sie ihn rausgeworfen hat? Ich habe keine Ahnung! Weil er ins Gästezimmer gezogen ist? Vielleicht.
Außerdem regt sie sich darüber auf, dass er tatsächlich geht, wenn sie ihn wegschickt. Frauen, die nie sagen, was sie meinen, bzw. nicht wollen, was sie sagen, sind mir persönlich äußerst suspekt. Vielleicht liegt es auch einfach daran.
Ganz zu schweigen von Theas Schwester Liv, die nach Gavins Auszug im Haus der Familie wohnt und ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit als „Arschloch“ beschimpft. Jedes Mal, wenn sie auf der Bildfläche erschienen ist, habe ich mich gefragt, ob ich etwas überlesen habe. Sie hat sich aufgeführt, als hätte Gavin ihre Schwester mit fünf Frauen gleichzeitig betrogen.

Gavin selbst war ganz nett, aber auch irgendwie blass. Die Tatsache, dass er stottert, hat mir extrem gut gefallen. Das war sehr erfrischend und man hätte so viel daraus machen können! Mehr kann ich aber nicht zu ihm sagen, weil man kaum etwas über ihn erfährt, außer dass er zu allem bereit ist, um die Ehe zu einer Frau zu retten, die aus welchen Gründen auch immer abgöttisch liebt.

Von der Idee des Secret Book Clubs bin ich nach wie vor überzeugt, obwohl der Club selbst für meinen Geschmack viel zu wenig in der Geschichte aufgetaucht ist. Auch die Mitglieder hätten noch ein bisschen Überarbeitungsbedarf. „Der Russe“ mit den Darmproblemen war eine der schlimmsten Nebenfiguren, die mir dieses Jahr untergekommen ist. Überhaupt nicht lustig in meinen Augen. Ich habe mich beim Lesen jedes Mal für die Darstellung fremd geschämt.
Einziger Lichtblick in der Konstellation war der Clubbesitzer Mack. Ihn fand ich witzig und interessant! Wenn ich gelacht habe, dann meistens über etwas, dass Mack gesagt hat.

Wie oben bereits angedeutet, bin ich grundsätzlich skeptisch, wenn in ein Buch ein zweites Buch integriert ist. Ich hatte in der Vergangenheit oft das Gefühl, dass die Autoren dann weder der einen noch der anderen Geschichte richtig gerecht werden können. Hier war das gar nicht einmal so sehr das Problem. Vielmehr hat mir die Darstellung von Regency-Romanen nicht gefallen. Ja, die Motive sind ähnlich. Aber die Darstellung war mir zu übertrieben und überspitzt. In dem Buch sollte es doch darum gehen, dass diese Art von Büchern auch intelligent und vielschichtig sein können. Leider kam das in den gelieferten Ausschnitten überhaupt nicht rüber.

Einzig das Ende der Geschichte war ein Lichtblick. Da hat Gavin seine Frau wirklich herausgefordert. Da ging es ausnahmsweise mal nicht mehr darum der eingeschnappten, selbstherrlichen Thea zu gefallen, sondern auch darum, dass sie an sich arbeiten muss. Ich hatte phasenweise wirklich nicht mehr daran geglaubt.

Fazit:
Ich kann mir nicht helfen, ich werde mit der Geschichte und den Charakteren nicht warm. Komischerweise habe ich trotzdem überlegt den zweiten Teil zu kaufen. Einfach, weil ich Mack wirklich mochte und ihm gerne noch eine Chance geben würde. Andererseits habe ich gelesen, dass sein Gegenpart Liv sein wird und ich weiß nicht, ob ich ein ganzes Buch mit ihr als handlungstragender Person lesen will. Ich bleibe wohl in Zukunft besser bei klassischen Regency-Romanen. Wie die Briten selbst sagen würden: „Not my cup of tea.“

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