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Veröffentlicht am 25.02.2022

Findet er Viola?

Violas Versteck (Tom-Babylon-Serie 4)
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Tom Babylon erwacht in einem Krankenhaus mit retrograder Amnesie. In seiner seit 23 Jahren dauernden Suche nach seiner Schwester Viola war er einem Hinweis nach London gefolgt. Von seiner behandelnden ...

Tom Babylon erwacht in einem Krankenhaus mit retrograder Amnesie. In seiner seit 23 Jahren dauernden Suche nach seiner Schwester Viola war er einem Hinweis nach London gefolgt. Von seiner behandelnden Ärztin erfährt er zu seiner Überraschung, daß er bei der Polizei gekündigt hat, seine Frau Anne mit Sohn Phil sich von ihm getrennt haben und er seine Wohnung aufgegeben hat.

In einem weiteren – kursiv gedruckten – Strang fährt die Psychologin und Kollegin von Tom, Dr. Sita Johanns Richtung Burg Tauenstein, um in der Forensischen Klinik seinen Gegenspieler, Dr. Walter Bruckmann aufzusuchen. Leider gerät dieses Unternehmen völlig aus den Fugen und Sita selbst wird dort festgesetzt. Sie muß am eigenen Leib spüren, wie weit Dr. Bruckmanns Beziehungen gehen und sich trotz allem mit ihm verbünden.

Man begegnet etlichen Figuren und Vorkommnissen aus den Vorgängerbänden, so daß man unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen sollte. Mehr Details in Richtung Viola und dem Finale möchte ich nicht beschreiben, sonst wäre die Spannung raus.



Marc Raabe hat mit diesem 4. Band ohne jeden Zweifel wieder einen packenden, rasanten Thriller abgeliefert. Gut fand ich die unterschiedlichen Layouts, so wußte man als Leser sofort, auf wen sich die Handlung bezieht. Auf der anderen Seite haben mir diese unsäglich vielen Zeitsprünge nicht gefallen – ein Hin und Her zwischen 28 Tage vorher, 28 Tage später, 10 Tage vorher, 8 Tage vorher, 2021 – das war doch sehr verwirrend. Und in diesem Band fand ich zum ersten Mal die ständigen Zwiegespräche zwischen Tom und Viola too much. Ansonsten eine komplexe Handlung, die man konzentriert lesen mußte, bei der es schon heftig zur Sache ging und die Figuren teilweise zu Superhelden wurden. Das Ende kam dann doch sehr schnell und für mich blieben Fragen offen.

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Veröffentlicht am 25.02.2022

Spannung bis zum Ende

Nebelopfer
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An einem sogenannten Galgenbaum wird Henk Visser erhängt und mit einem Pappschild um den Hals vorgefunden. Auf diesem steht als Hinweis für die Polizei, daß er im Prozeß um den Mord an der Familie Johannsen ...

An einem sogenannten Galgenbaum wird Henk Visser erhängt und mit einem Pappschild um den Hals vorgefunden. Auf diesem steht als Hinweis für die Polizei, daß er im Prozeß um den Mord an der Familie Johannsen falsch ausgesagt hat und der wahre Täter gefunden werden soll, sonst gibt es weitere Opfer. Es stellt sich als eine atypische Erhängung heraus, daraus folgert, daß es sich um Mord handelt.

Damals waren weitere Zeugen Henner Schwartz und Jens Markmann. Henner Schwartz wird kurze Zeit später erhängt auf seinem Dachboden gefunden. Jens Markmann hingegen liegt nach einem Autounfall im Wachkoma und ist pflegebedürftig.

Die Ermittler stehen hier unter einem sehr großen Zeitdruck, denn er Täter gesteht ihnen nur 48 Stunden für die Aufklärung zu. Frieda Paulsen und Bjarne Haverkorn beginnen mit den Nachforschungen. Als neuer Kollege komme Lennard Bootz ins Team, der sich gleich mit seinem ersten Satz bei Frida ins Fettnäpfchen setzt und damit ist ein friedliches Miteinander erst mal nicht möglich. Als Bjarne sich aus der Schußlinie zieht und sich für vier Wochen zu den Cold Cases nach Kiel versetzen läßt, müssen die beiden zwangsweise zusammenarbeiten.

In einem weiteren Strand erfährt der Leser von einem Gefangenen in einem Schweinekäfig, der verzweifelt ums Überleben kämpft.

Wie diese ganzen komplexen Vorgänge zusammenhängen und am Ende bis ins Detail aufgeklärt werden, hat die Autorin fesselnd beschrieben. Vor allem mußte auch noch die Frage geklärt werden, wenn der Vater nicht der Mörder war, wer war es dann?


Ich kenne alle Vorgängerbände und habe mich schon auf Frida und Bjarne gefreut. Für mich steigert sich die Autorin im vorliegenden Fall nochmals. Diesen Thriller ist so packend geschrieben, ich konnte ihn definitiv nicht aus der Hand legen, bis die letzte Seite gelesen war. Die Figuren sind alle authentisch, menschlich und nachvollziehbar beschrieben. Sie beschreibt die Gemeinschaft auf den Paulsenhof so liebevoll, man möchte sich gleich in die Runde dazu setzen. Das Zusammenspiel von Frida und Bjarne ähnelt einer Vater-Tochter-Beziehung und ist von Freundschaft, Vertrauen und Respekt geprägt. Der neue Kollege poltert zuerst ins Team hinein, wird erst kritisch beäugt, aber schlußendlich für gut befunden und mit ihm läßt sich offensichtlich nach den Anlaufschwierigkeiten auch erfolgreich zusammenarbeiten. Das Privatleben spielt wie immer eine Rolle und fließt harmonisch mit in die Geschichte ein. Die letzten Sätze sind zukunftsweisend und ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Band.

Ich werde diesen Krimi auf jeden Fall weiter empfehlen!

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Veröffentlicht am 24.02.2022

Verschworene Gemeinschaft

Deichfeuer
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Urlaub auf einem idyllischen Campingplatz, darauf freut sich mancher das ganze Jahr. Und was passiert dann? Es brennt während der Nacht ein Wohnmobil ab und sein Besitzer kommt darin zu Tode. Es handelte ...

Urlaub auf einem idyllischen Campingplatz, darauf freut sich mancher das ganze Jahr. Und was passiert dann? Es brennt während der Nacht ein Wohnmobil ab und sein Besitzer kommt darin zu Tode. Es handelte sich um Albert Marquardt, 71 Jahre. Er war ein Einzelgänger, suchte nicht den Kontakt mit anderen Campern, lediglich mit einem Herrn in seinem Alter hat er ab und zu was getrunken und geplaudert.

Große Jäger befindet sich noch in Urlaub und kann deshalb undercover ermitteln. Allerdings trifft er bei dieser illustren Gesellschaft des Campingplatzes nur auf Schweigen. Es finden sich hier alle möglichen seltsamen Figuren. Die Chefin des Platzes kommt nur ab und zu vorbei, überläßt die komplette Arbeit dem Platzwart Heinzi, der schreckliches, überteuertes Essen anbietet und vor allem in seine eigene Tasche wirtschaftet. Dann gibt es den sog. Sprecher des Platzbeirats Hubert Growitsch. Er erklärt Große Jäger voller Stolz, daß er früher Hauptmeister bei der Polizei war und betont dabei ganz von sich überzeugt und prahlerisch, daß er immer Polizist bleiben wird. Dann gibt es eine Esoterikerin und ihren Ehemann, einen türkischen Autohändler und das Ehepaar Goerges, das gerne über den Durst trinkt. Über Marquardt haben alle unisono eine schlechte Meinung und man erlebt hier Mobbing wie aus dem Bilderbuch. Am Ende können Große Jäger und die Ermittler aus Husum und Flensburg den Fall schlüssig lösen.


Ich hatte von dem Autor schon etliche Bücher gelesen. Der Verlag muß auch überzeugt von dieser „Hinterm Deich Krimi“-Reihe sein, denn sonst gäbe es nicht schon etliche Bände. Der Schreibstil ist flüssig, unterhaltsam und spannend. Die Atmosphäre auf dem Campingplatz konnte man sich sehr gut vorstellen, die Figuren und die norddeutsche Mentalität wurden gut getroffen und die Gespräche – vor allem mit Heinzi und Hubert - ließen mich des Öfteren schmunzeln. Die einzelnen Figuren wurden sehr gut charakterisiert, jeder hatte seinen eigenen Rucksack an Vorleben zu tragen und als Leser fühlte man sich mittendrin. Der Autor hat mich mit Andeutungen immer wieder auf falsche Fährten gelockt - genauso soll es sein. Ich empfehle diesen Krimi gerne weiter.

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Veröffentlicht am 24.02.2022

Nichts wird mehr so sein wie es war

Das Loft
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Die Ausgangssituation ist Folgende: Im Loft von Sarah Hauptmann und Marc Lammert sieht die Küche aus wie das reinste Schlachthaus. Es wird eine große Menge an Blut um den Umriß eines Körpers vorgefunden, ...

Die Ausgangssituation ist Folgende: Im Loft von Sarah Hauptmann und Marc Lammert sieht die Küche aus wie das reinste Schlachthaus. Es wird eine große Menge an Blut um den Umriß eines Körpers vorgefunden, jedoch keine Leiche. Und dann muß man sich sofort die Frage stellen, was ist hier passiert und kann es sein, daß ihr Mitbewohner Henning Järisch noch lebt? Denn nur weil Henning verschwunden ist, kann und will man nicht von seinem Tod ausgehen. Sarah und Marc sind ein Paar und Henning ist ein Freund von Henning schon aus Kindheitstagen. Die 3 haben einen hohen Lebensstandard, aber woher das Geld kommt, ist erst einmal unbekannt.

Das Ermittlerteam besteht vor allem aus Bianca Rakow, die gerade erst aus München nach Hamburg gezogen ist und ihrem älteren Kollegen, Peter Höger. Nach anfänglichen Schwierigkeiten raufen sie sich zusammen und es entsteht eine ordentliche Zusammenarbeit und ein kollegiales Miteinander.


Ich habe bereits einige Bücher des Autors gelesen und habe mich auf diesen Stand-alone sehr gefreut – endlich mal keine Reihe. Der Autor hat hier einen fesselnden Plot abgeliefert, er hat seine Leser mitgenommen und vor allem intensiv miträtseln lassen. Wobei rätseln konnte man sehr gut, aber auf diese perfide Lösung konnte niemand kommen. Die Story wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt – so berichtet einmal Sarah über das Kennenlernen, gemeinsame Urlaube und das Zusammenleben, dann folgt Marcs Version und auf der anderen Seite begleitet man das Ermittlerteam bei ihrer Arbeit. Dadurch wird das Spannungsniveau auf hohem Level gehalten, weil man immer wieder neue Eindrücke und Zweifel bekommt. Das Zusammenleben war insofern schwierig, als sich Sarah und Henning nicht unbedingt gut verstanden haben und Marc zwischen diesen zwei Polen immer das Verbindungsglied war, was ihn oft in knifflige Situationen gebracht hat. Als sich die Schlinge um die beiden Verdächtigen immer enger zieht und sie in U-Haft kommen, hat jeder seine eigene Darstellung der Vorgänge – einer liebt, der andere guckt auf seinen Vorteil.

Das Cover finde ich auch ausgesprochen passend und gut getroffen.

Der Autor hat absolut fesselnd und packend geschrieben. Diesen Thriller empfehle ich sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 23.02.2022

Bild der Mädchen in der indischen Gesellschaft

Das Mädchen mit dem Drachen
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Lénas Mann Francois wurde von einem Amoklaufenden Schüler erschossen und um ihre Trauer zu bewältigen reist sie nach Indien. Dort lernt sie am Strand Lalita mit ihrem Drachen kennen. Als Léna von einer ...

Lénas Mann Francois wurde von einem Amoklaufenden Schüler erschossen und um ihre Trauer zu bewältigen reist sie nach Indien. Dort lernt sie am Strand Lalita mit ihrem Drachen kennen. Als Léna von einer Welle mitgerissen wird und fast ertrinkt, wird sie von Lalita und Preeti gerettet. Preeti ist Anführerin der Roten Brigaden, einer Mädchengruppe, die Selbstverteidigung trainiert und damit anderen Mädchen helfen möchte. Nach dem Krankenhausaufenthalt findet Léna Lalita in einem Lokal wieder und schenkt ihr zum Dank für die Rettung einen neuen Drachen. Sie freunden sich an und dies, obwohl Lalita seit dem Tod ihrer Mutter nicht mehr spricht. So lernt Lalita, die Analphabetin, einzelne Wörter zu schreiben. Preeti gesellt sich zu der kleinen Lerngemeinschaft, die im Laufe der Zeit immer größer wird. Auch Léna lernt viel von ihren Freundinnen, nämlich wie die Kastengesellschaft, vor allem die der niedrigsten Kaste, in Indien funktioniert und weshalb die Rote Brigade entstanden ist. Sie erhält Einblicke, die über das Touristenwissen weit hinausgehen und ihr wird klar, daß sie gerade bei ihren Freundinnen die Bildung voranbringen möchte. Es ist aber noch ein langer Weg dahin.


Ich habe die beiden anderen Romane „Der Zopf“ und „Das Haus der Frauen“ bereits begeistert gelesen und wurde auch hier nicht enttäuscht. Die Autorin schreibt flüssig, eindrucksvoll, empathisch und bedrückend. Sie vermittelt dem Leser Einblicke in die indische Gesellschaft und verarbeitet in ihrem Roman vor allem die Nachteile der jungen Mädchen, weil sie als Frau geboren wurden und deshalb nichts wert sind. Sie beschreibt z. B. auch deren Angst vor der Zwangsheirat und der sexuellen Übergriffe. Mit Preeti hat sie eine mutige Rebellin und starke Figur vorgestellt, die versucht, sich nicht alles gefallen zu lassen, aber natürlich nicht immer mit Erfolg. Auch Lalita wurde detailliert charakterisiert und ich hatte genaue Vorstellungen sowohl von ihr als auch von der Atmosphäre des Strandes und ihres Lebens. Es war sehr schön das Entstehen dieser Freundschaft zwischen Léna, Lalita und Preeti zu erleben, jedoch kam mir das Ende und die Hoffnung auf die Zukunft dann fast zu schnell, das hätte ich gerne ausführlicher gelesen.

Die Autorin hat ein bewegendes, berührendes und emotionales Buch geschrieben, das nach dem Ende noch lange nachhallt. Ich werde es sehr gerne weiter empfehlen.

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