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Veröffentlicht am 28.12.2018

Solveig und ihr Versprechen

Die Frauen vom Löwenhof - Solveigs Versprechen (Die Löwenhof-Saga 3)
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Sören und Solveig sind auf dem Weg zum Löwenhof, um ihre bevorstehende Hochzeit zu verkünden, jedoch verunglückt Sören bei einem Autounfall tödlich. Solveig versinkt daraufhin in ihrer Trauer. Das Studium ...

Sören und Solveig sind auf dem Weg zum Löwenhof, um ihre bevorstehende Hochzeit zu verkünden, jedoch verunglückt Sören bei einem Autounfall tödlich. Solveig versinkt daraufhin in ihrer Trauer. Das Studium der Veterinärmedizin hat sie abgeschlossen als wieder einmal Geldsorgen den Löwenhof stark belasten und sie ist gefordert. Wie sie, die Familie, neue Geschäftspartner, Freunde mit dieser Situation umgehen und welche innovativen Ideen helfen sollen, das sind die Themen dieses Bandes, die ich aber nicht näher ausführen möchte. Darüber hinaus gibt es Wiedersehen Figuren aus den Vorgängerbänden, z.B. mit Marit und leider auch mit Magnus.


Dieser 3. Band der Trilogie startet im Jahr 1967 und endet 1972. Im Mittelpunkt steht Solveig, die Tochter von Mathilda und Enkelin von Agneta. Das Cover wurde passend zu den beiden Vorgängerbänden gestaltet.

Ich hatte mich auf diesen Abschlussband sehr gefreut, allerdings hatte ich zu Beginn meine Schwierigkeiten. Der Anfang war stark emotional geprägt von der Trauerarbeit Solveigs um den Verlust ihres Verlobten und einiges war mir zu sehr vorhersehbar. Aber dann drehte sich die Geschichte und es wurde wieder spannend. Es ging auf und ab, sowohl in der Liebe als auch geschäftlich. Es mussten neue Wege gefunden und beschritten werden, um den Löwenhof zu retten bzw. zu erhalten. Aber Solveig erwies sich als starke und mutige Frau, die ihrer Mutter und Großmutter in nichts nachstand.

Die Autorin hat einen Schreibstil, der sich flüssig lesen lässt. Die Figuren hat sie sehr gut gezeichnet und die Schauplätze so bildhaft beschrieben, daß ich mich als Leserin mitgenommen fühlte auf den Löwenhof mit seinen Pferden und den Ländereien. Auch die Handlungen der Personen wirkten realistisch und authentisch.

Es empfiehlt sich unbedingt, diese Trilogie in der richtigen Reihenfolge zu lesen, um die verwandtschaftlichen Verhältnisse richtig einordnen zu können. Und wer bisher Band 1 und 2 gerne gelesen hat, der muß Band 3 lesen!

Veröffentlicht am 21.12.2018

Ein eindringliches, spannendes und wichtiges Buch

Jahre aus Seide
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Der erste Band der Trilogie beginnt im unbeschwerten Jahr 1926 und der Leser lernt Ruth Meyer und ihre Familie kennen. Der Vater ist mit seiner Schuhkollektion während der Woche unterwegs und Martha, die ...

Der erste Band der Trilogie beginnt im unbeschwerten Jahr 1926 und der Leser lernt Ruth Meyer und ihre Familie kennen. Der Vater ist mit seiner Schuhkollektion während der Woche unterwegs und Martha, die Mutter, umsorgt die beiden Töchter Ruth und Ilse. Mit ihrer eigenen Mutter hat Martha ein eher problematisches Verhältnis, aber mit den Schwiegereltern versteht sie sich ausgesprochen gut. Nachdem es dem Ehepaar Meyer finanziell gut geht, planen sie den Neubau eines Einfamilienhauses mit Garten in einer ruhigeren Gegend. Martha geht vollkommen in der Planung und der Organisation ihres Haushalts auf. Man lernt Martha als sehr liebevolle Mutter kennen und ein Satz von ihr spricht Bände „Wenn es den Kindern gut geht, geht es mir auch gut“. Nach dem Umzug wird Personal eingestellt, hier zeigt Martha ein glückliches Händchen und verhält sich gegenüber ihren Angestellten sehr freundlich und verständnisvoll. Eine ganz besondere Beziehung baut sich zwischen dem Chauffeursehepaar Aretz und Familie Meyer auf. Das geht so weit, daß die beiden Familien gemeinsame Urlaube verbringen. Kaum im neuen Haus eingezogen, freundet sich Tochter Ruth mit dem Nachbarsmädchen Rosi an und hält sich im Haus des Kaufmanns Merländer sehr gerne auf. Dort lernt sie sehr viel über Stoffe, das Schneidern und die Kunst. Ihre Freundschaft mit Rosi geht sogar so weit, daß Ruth beim Christbaumschmücken hilft und Martha nun auch Tannenzweige in eine Vase stellt. Sie schafft damit die Verbindung von Chanukka und Weihnachten. Es scheint alles bestens bis zu dem Tag als braune Wolken am Himmel aufziehen, Hitler Reichskanzler wird und einige jüdische Familien in ihrer Not eine Auswanderung nach USA oder Palästina in Betracht ziehen. Opern- und Schwimmbadbesuche sind nicht mehr möglich. Familienvater Karl Meyer kauft noch ein Wochenendhäuschen am Rhein, in das sie sich mit ihren Freunden zurückziehen können. Ruth ist aufgeweckt und darf als einziges Mädchen ins Lyzeum, allerdings wird sie wegen ihrer jüdischen Familie bei den Benotungen oftmals benachteiligt. Sie muß sich von ihrer Familie trennen und lebt nun im weit entfernten Bayern. Ebenso diskriminiert wird Martha bei ihrer Führerscheinprüfung und es geht ihr mittlerweile deutlich sichtbar an die Gesundheit. Ihre Welt wird immer bedrohlicher und dieser Band endet mit den Gräueltaten am 10.11.1938!

Dieser ist nur ein ganz kleiner Abriß der Geschichte. Ein Tagebuch als Zeitzeugnis war die Basis für diesen Roman. Ulrike Renk hat die Aufzeichnungen ergänzt, um diesen dramatischen ersten Band zu schreiben. Mehr Details dazu erklärt sie im Nachwort. Es handelt sich um kein Wohlfühlbuch, dazu ist das Thema nicht geeignet, es zeigt aber in aller Deutlichkeit, was nie mehr passieren darf. Durch das bewusste Herausgreifen einer einzelnen Familie samt ihren Gefühlen und Ängsten, das der Leser hier erlebt, ist es besonders eindringlich, berührend und bewegend. Die Figuren wurden liebevoll charakterisiert, auch die Örtlichkeiten und die Atmosphäre wurden so bildlich beschrieben, daß ich als Leser völlig eintauchen konnte und auch die Jugendsprache wirkte authentisch. Die beklemmenden Zustände und die beginnende Bedrohung für die jüdische Bevölkerung wurden gut vermittelt und waren für mich deutlich spürbar.

Ich habe bereits die Australien-Schwestern und die Ostpreußen-Saga gelesen und auch mit diesem Buch hat mich die Autorin wieder begeistert. Es ist spannend geschrieben und ich habe es innerhalb kürzester Zeit gelesen. Jetzt heißt es warten auf den nächsten Band „Zeit aus Glas“. Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 07.12.2018

Süd-London 1895 - Wo ist Thierry?

Arrowood - In den Gassen von London
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Erzähler der Geschichte ist Norman Barnett, Assistent von Mr. William Arrowood. Arrowood ist Detektiv für die ärmere Bevölkerung und er steht ganz offensichtlich im Schatten von Sherlock Holmes, auf den ...

Erzähler der Geschichte ist Norman Barnett, Assistent von Mr. William Arrowood. Arrowood ist Detektiv für die ärmere Bevölkerung und er steht ganz offensichtlich im Schatten von Sherlock Holmes, auf den er äußerst eifersüchtig blickt und allein die Erwähnung des Namens lässt ihn schon fast mimosenhaft reagieren.

Sein neuer Auftrag von einer jungen Französin lautet – Finden Sie meinen Bruder, der in London verschwunden ist. Der 23jährige Thierry hat in einem angesagten Restaurant in der Patisserie gearbeitet, angeblich soll er dort gestohlen haben und ist seither verschwunden bzw. untergetaucht. Die Schwester kann dies nicht glauben, deshalb engagiert sie Arrowood. Allerdings tauchen auch immer wieder Fragen hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Schwester auf und die Detektive müssen sich fragen, was wohl tatsächlich der Grund für die Suche sein könnte.

Als Leser begleitet man die beiden Detektive sowie ihren kleinen Helfer Neddy bei ihren Ermittlungen. Arrowood ist bezüglich der Analyse der menschlichen Natur bzw. der Psyche sehr belesen und gebildet, was sich bei den Befragungen positiv auswirkt und seine Überlegungen und die daraus folgenden Schlüsse brachten mich immer wieder zum Schmunzeln. Einen Vergleich mit Sherlock Holmes muß er nicht fürchten. Und um etwas zusätzlichen Wirbel in das Privatleben von Arrowood zu bringen zieht Arrowoods Schwester kurzfristig bei ihm ein. Der Autor hat außerdem politische Aspekte, den Geheimdienst, Gaunereien natürlich etwas Liebe mit in die Story eingebracht. Nicht so gut fand ich, daß immer wieder auf Bezug auf einen anderen, nebulösen Fall aus der Vergangenheit Bezug genommen wird, den man als Leser nicht kennt.

Der Autor hat für mich einen gut lesbaren Schreibstil, der für die Zeit authentisch wirkt. Die Hauptfiguren hätte ich gerne besser kennen gelernt, hier blieb die Beschreibung sehr oberflächlich. Ich habe das Buch gerne gelesen, es war unterhaltsam, aber als besonders spannend würde ich es nicht bezeichnen. Am Ende fehlte mir das Tüpfelchen auf dem i, um bei mir länger im Gedächtnis zu bleiben.

Veröffentlicht am 07.12.2018

Wer schweigt, überlebt

Das Haus der Mädchen
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Und mit Tempo gleich rein in die Geschichte. Oliver ist nachts mit dem Auto auf dem Heimweg vom Job als ihm ein Kastenwagen auffällt, bei dem er eine blutige Hand mit vielen Freundschaftsbändern im Fenster ...

Und mit Tempo gleich rein in die Geschichte. Oliver ist nachts mit dem Auto auf dem Heimweg vom Job als ihm ein Kastenwagen auffällt, bei dem er eine blutige Hand mit vielen Freundschaftsbändern im Fenster wahrnimmt. Dies bemerkt der Fahrer des Transporters, er verfolgt Oliver und erschießt ihn. Vom Obdachlosen Freddy wird dies beobachtet und er fühlt sich danach nicht mehr sicher, weil er den Täter identifizieren könnte.

Gleich zum nächsten Strang - Leni, ein junges Mädel, kommt nach Hamburg, um eine Praktikumsstelle bei einem Verlag anzutreten. Der Chef hat für sie ein Zimmer in einer WG organisiert. Dort trifft sie auf Vivian, die auf der Suche nach dem Mann fürs Leben ist und natürlich sollte dies ein Millionär sein. Die zwei grundverschiedenen Mädchen finden sich sympathisch und freunden sich spontan an. Nach einer Party ist Vivian verschwunden, anscheinend hat sie ihren Traummann gefunden und das WG-Zimmer wird auch schon für einen nächsten Bewohner gereinigt.

Parallel erfährt man von der Gefangenschaft von zwei Mädchen, die grausam gefoltert werden und dem Herrn des Hauses jeden Wunsch erfüllen müssen. Dieser Part ist mehr für hart gesottene Leser gedacht.

Als Ermittler tritt ein sympathisches Duo auf. Zum einen Jens Kerner, der mit seinem Pick-up einen lonesome-cowboy-Eindruck hinterlässt und zum anderen seine Assistentin Rebecca, die im Rollstuhl sitzt. Sie übernimmt deshalb mehr die Recherchearbeiten im Büro und lässt sich gerne mit Mozartkugeln für einen besonderen Einsatz belohnen. Sie kennen sich mit all ihren Eigenheiten sehr gut und außerdem knistert es so ganz leicht zwischen den beiden.

Die Story wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt, wobei der Autor seine Leser immer wieder in bestimmte Richtungen und auf abwechselnde Verdächtige lenkt und Zweifel an deren Ehrlichkeit schürt. Für brutal und nicht für zart besaitete Seelen gedacht, halte besonders ich den ersten Teil des Buches. Die Atmosphäre auf den Hamburger Kanälen bei Nacht fand ich richtig toll und bildhaft beschrieben. Gefesselt hat mich das Buch auf alle Fälle, wobei für mich teilweise die Handlungen der einzelnen Figuren zu unglaubwürdig und das actionreiche Finale zu überzogen waren. Die Auflösung selbst war jetzt nicht unbedingt eine vollkommene Überraschung, sie hatte sich schon abgezeichnet. Ich möchte aber keine Details nennen, um anderen Lesern nicht die Spannung vorwegzunehmen.

Für mich war es das erste Buch des Autors und ich verbrachte spannende und unterhaltsame Lesestunden mit diesem Thriller.

Veröffentlicht am 07.12.2018

Gänseblümchen oder Meerjungfrau

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Alles dreht sich um die 8-jährige Daisy. Bei einer Party im Garten des Elternhauses verschwindet sie spurlos. Die Mädchen waren alle verkleidet und Daisy als Ballkönigin hatte ein Gänseblümchenkostüm. ...

Alles dreht sich um die 8-jährige Daisy. Bei einer Party im Garten des Elternhauses verschwindet sie spurlos. Die Mädchen waren alle verkleidet und Daisy als Ballkönigin hatte ein Gänseblümchenkostüm. Nur wer hat sie wann zum letzten Mal gesehen? Es gibt keinen Zeugen, der etwas beobachtet hat – weder die Eltern noch Freundinnen, andere Gäste oder Nachbarn. Sharon war eine ehrgeizige Mutter, ein Putzteufel, die eifersüchtig auf das sehr gute Vater-Tochter-Verhältnis blickte. Der Vater Barry liebte seine Tochter, nahm sie auf den Schoß, warf sie in die Luft – aber vielleicht war das zuviel. Die Autorin deckt bei den Eltern immer mehr Gründe auf, warum einer von beiden oder auch beide etwas mit dem Verschwinden zu tun haben könnten. Unterstützt wird diese Einschätzung durch deren eigenen Schuldzuweisungen. Erst als Detective Inspector Adam Fawley und seine Kollegen tiefer graben und auch in der Vergangenheit nachforschen, ergeben sich Hinweise. Da gibt es plötzlich ein weiteres Kostüm einer Meerjungfrau, eine geschiedene Ex-Frau, einen adoptierten Sohn, geheime Seiten auf dem Handy, einen Badeunfall der Schwester, zweifelhafte Einschätzungen der anderen Eltern und und und

Das Ende und damit die Auflösung war für mich nicht vorhersehbar und das fand ich bzw. jeder begeisterte Krimileser wird es so finden, sehr gut. Die Autorin hat mit diesem Debüt einen wahrhaft packenden Krimi abgeliefert, der von der 1. Seite an gefesselt hat. Die Story wird auch noch aus verschiedenen Blickwinkeln vor dem Tatzeitpunkt erzählt und das erhöht die Spannung zusätzlich. Cara Hunter schürte beim Leser ständig die Zweifel an den Figuren und brachte immer wieder einen neuen Beweis ins Spiel, so daß man ihr auf den falschen Fährten folgte und man bis zum Ende nicht wusste, wem man glauben kann. Gut gefallen hat mir auch die Figur des Adam Fawley. Er ist durch den Tod seines Sohnes Jake besonders belastet, hat dadurch eigene Eheprobleme und das brachte für mich einen nachvollziehbaren, menschlichen Touch in die Geschichte.

Für mich ein tolles Leseerlebnis und ich warte gespannt auf das nächste Buch von Cara Hunter. Von mir eine absolute Leseempfehlung!