Am Thema vorbei! Ich sage nein.
Hazel sagt Nein>>Ein Roman, über den man sprechen möchte - und muss.
>>Ein Roman, über den man sprechen möchte - und muss. << So steht es in der Beschreibung und war für mich ein guter Grund, das Buch zu lesen. Leider hat sich die Autorin bei diesem Thema ziemlich verzettelt. Die Geschichte hätte sehr viel Potenzial, das nicht genutzt wurde.
Es geht um die Familie Blum, die aus finanziellen Gründen von Brooklyn in das beschauliche Riverburg zieht. Der Vater ergattert dort endlich die heiß ersehnte Professur. Die Mutter ist glücklich darüber, nicht mehr so viele Anreize zu unüberlegten Einkäufen zu haben. In New York verband sie Gassigehen mit dem Hund mit einer Shoppingtour.
Hazel und ihr Bruder sind von dem Umzug nicht begeistert. Gerade als beide sich langsam aber sicher mit dem Ortswechsel arrangieren, passiert das Unfassbare: Hazel erhält vom Direktor an ihrem ersten Schultag ein unmoralisches Angebot. Jedes Jahr sucht er sich ein Mädchen für gewisse Stunden aus. Dieses Jahr fällt seine Auswahl auf sie. Als Gegenleistung bietet er ihr an, seine Beziehungen für einen guten Collegeplatz spielen zu lassen.
Für mich gibt es in dieser Geschichte sehr viele Unstimmigkeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Schuldirektor auf diese plumpe Weise eine Schülerin anmacht und sie dafür extra in sein Büro zitiert. Er kannte doch Hazel nur von Unterhaltungen im Schwimmbad und musste damit rechnen, dass er auffliegt.
Was das Ganze mit einer Familie macht, fand ich gut beschrieben. Auch die Hilfe, die Hazel bekommen hat, war dem Vorfall durchaus angemessen. Was ich nicht verstand: Warum haben andere Mädchen sich nicht dagegen gewehrt?
Den Schreibstil fand ich gut leserlich. Und die Hauptfigur Hazel anfangs gut gezeichnet. Ab dem Zeitpunkt, an dem ihr Vater sie zu einer Autorinnenlesung mitgenommen hatte, driftete die Geschichte in totalen Hollywood-Kitsch ab. Hazel schreibt ihre Geschichte auf und wird damit berühmt und erfolgreich.
Es gibt wahre Schicksale, die Buchbestseller wurden. Aber mich hat das weder interessiert noch fand ich es passend im Kontext.
Das Thema finde ich sehr wichtig, da viele Mädchen und Frauen davon betroffen sind. Nur: Die Aufarbeitung in diesem Buch gefällt mir nicht. Geh an die Öffentlichkeit mit deinem Leid und du wirst berühmt. So könnte das bei jungen Mädchen ankommen.
Hazel sagt nein zum Direktor. Ich sage nein zu diesem Buch.
Zu diesem Buch gibt es viele begeisterte Rezensionen. Leider konnte es mich nicht überzeugen.
Danke Jessica Berger Gross.