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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.10.2025

Krank vor Angst

Junge Frau mit Katze
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Wie bitte soll ich dieses Buch objektiv beurteilen, ohne die Protagonistin zu beurteilen? Wie kann ich mir anmaßen, schlecht über eine kranke Person zu denken. Bzw. über eine Person, die befürchtet krank ...

Wie bitte soll ich dieses Buch objektiv beurteilen, ohne die Protagonistin zu beurteilen? Wie kann ich mir anmaßen, schlecht über eine kranke Person zu denken. Bzw. über eine Person, die befürchtet krank zu sein und auf der Suche nach der Ursache ist. Wer bin ich, mir ein Urteil zu erlauben, ohne zu wissen, wie ich selbst in einer solchen Lage denken oder handeln würde?

Und dennoch. Die Protagonistin Ela blieb mir seltsam fremd. Mir fehlte das Berührende in dieser Geschichte. Das ich mit ihr mitfühlen kann. Das ich ihre Sorgen, Ängste, Übersprungshandlungen und Unsicherheit nachvollziehen kann.
Bei jedem Ziepen, Stechen, Unwohlsein muss eine ärztliche Diagnose her, aber eigentlich meint sie die Ursache bereits zu kennen. Und so werden Ärzte unterschiedlicher Fachrichtung aufgesucht. Und selbst wenn sie dann eine Diagnose hat, handelt sie nicht entsprechend und nimmt verschriebene Medikamente einfach nicht.

Aufgrund ihrer Vorgeschichte ist es verständlicherweise schwer, ruhig und besonnen zu bleiben. Vor allem wenn das Umfeld ebenfalls rät, zum Arzt zu gehen. Für mich grenzte ihr Handeln dennoch teilweise an Hysterie.

So dreht sie sich mit ihren Gedanken, ihrem Nichtwissen, ihrem Nichthandeln, dem Ignorieren im Kreis. Und das ist irgendwann auch für den Leser anstrengend. Erst das Ende mit dem positiven Ausblick und der Aufarbeitung und Klärung der Beziehung zu ihrer Mutter stimmt mich mit dem Buch wieder versöhnlich. Wenn gleich ich im Verlauf des Buches das Verhältnis der beiden nur schwer habe greifen können.

Veröffentlicht am 09.10.2025

Ermittler mit Ecken und Witz

Bodenfrost
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Ich mag diese so gegensätzlichen Ermittler einfach und werde diese Reihe auch nicht müde. Es macht Spaß, die private Entwicklung der beiden Protagonisten zu verfolgen. Doch auch Neulinge sollten diesen ...

Ich mag diese so gegensätzlichen Ermittler einfach und werde diese Reihe auch nicht müde. Es macht Spaß, die private Entwicklung der beiden Protagonisten zu verfolgen. Doch auch Neulinge sollten diesen Band ohne Vorkenntnisse lesen können. Andreas Föhr gelingt es erneut, eine gekonnte Mischung aus Krimihandlung, Humor und Leichtigkeit zu erschaffen.

Der Kriminalfall ist so konstruiert, dass er realistisch scheint und man der Auflösung gut folgen kann. Und auch wenn es vielleicht nicht der spannendste Fall ist, überrascht er dennoch mit unerwarteten Wendungen und nicht sofort ersichtlichen Hintergründen.

Für mich steht hier aber weniger der Kriminalfall im Mittelpunkt, sondern die Charaktere.
Wallner ist der gewissenhafte Kommissar, der sich an die Regeln hält. Kreuthner ist das ganze Gegenteil. Er bleibt sich selber treu und hat seine ganz eigenen, unkonventionellen und nicht ganz legalen Ermittlungsmethoden. Doch gerade diese schräge Herangehensweise sorgt für Unterhaltung und bringt den Leser immer wieder zum Schmunzeln. Er schießt mit seinen Aktionen gerne über das Ziel hinaus, muss dafür auch mal einstecken können. Doch er hat das Herz am rechten Fleck, seine Absichten sind ehrlich und es steckt keine Boshaftigkeit dahinter.

Da Humor eine sehr persönliche Sache ist, muss jeder selber entscheiden, ob der im Buch zu einem passt oder nicht. Für mich ist es die einzige humorige Krimireihe, die ich wirklich gut lesen kann und mir nicht zu albern ist. Dass Andreas Föhr es schafft, diesen Balanceakt immer wieder aufs Neue zu meistern, verdient Anerkennung.

Fazit: ein Buch ohne Längen, dafür ein abwechslungsreicher Mix aus Krimi, Roman und Humor

Veröffentlicht am 08.09.2025

Ein Kriminalroman mit Stärken und Längen

Dunkle Sühne
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Karin Slaughter hat sich längst einen Namen unter den Krimiautoren gemacht und das merkt man auch. Die Beschreibungen sind sehr bildhaft und detailliert. Sie weiß die wahren Hintergründe eines Verbrechens ...

Karin Slaughter hat sich längst einen Namen unter den Krimiautoren gemacht und das merkt man auch. Die Beschreibungen sind sehr bildhaft und detailliert. Sie weiß die wahren Hintergründe eines Verbrechens bis zum Schluss geschickt zu verschleiern. Und selbst für das Finale hat sie sich noch eine Wendung aufgespart. Dies ist bestens geeignet, um auf eine mögliche Fortführung im nächsten Band neugierig zu machen.

Aber wenn mir der Autorenname nichts sagen würde, weiß ich nicht, ob ich ein weiteres Buch lesen würde. Gedanken, Dialoge und Szenen sind zu ausschweifend und verlieren sich oft in Details, die das Tempo bremsen. Die Kapitel sind ungewöhnlich lang, vor allem da sie keine Absätze haben, um eine Pause einlegen zu können. Direkt 30 Seiten zu lesen, kann sehr ermüdend sein. Da ist Durchhaltevermögen erforderlich.

So menschlich und authentisch Emmy, Deputy der Kleinstadt North-Falls, rüberkommt, ist auch hier die private Ebene zu dominant. Ihre weitverzweigte Familie sorgt gelegentlich für Verwirrung, und die Vielzahl an Namen erfordert Konzentration. Emmys Handlungen sind stark von inneren Konflikten wie Schuldgefühlen und Selbstzweifeln geprägt. Besonders im ersten Abschnitt, wo sie unbedingt Ergebnisse vorweisen will. Dies ist zutiefst verständlich, wirkt aber nicht immer stimmig mit ihrer Rolle als Polizistin.

Fazit: Insgesamt entspricht der Inhalt eher einem Kriminalroman. Zu empfehlen, wenn man Wert auf das Privatleben der Ermittler legt und gemächliches Tempo zu schätzen weiß.

Veröffentlicht am 06.09.2025

Kriegswunden

Die Verlorene
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Ich muss sagen, dass ich im Vorfeld gar nicht so große Erwartungen an das Buch hatte. Zum einen, weil ich bislang keine Werke der Autorin kannte, zum anderen wirkte das schlichte Cover wenig auffällig. ...

Ich muss sagen, dass ich im Vorfeld gar nicht so große Erwartungen an das Buch hatte. Zum einen, weil ich bislang keine Werke der Autorin kannte, zum anderen wirkte das schlichte Cover wenig auffällig. Auch das Thema Familiengeschichten schien mir nicht besonders originell, da man die ein oder andere bereits gelesen hat.

So war der Einstieg auch etwas gemächlich. Hier wird der Fokus auf die Gegenwartsebene gelegt und somit der Bogen in die Vergangenheit von Änne, der Mutter von Ellen bzw. der Großmutter von Laura gespannt. Als klar wird, dass Änne einige Geheimnisse hatte, beginnt die spannende Spurensuche und die zweite Erzählebene, die Vergangenheit, gerät in den Fokus.

Was sich auf den folgenden Seiten entwickelt, ist eine vielschichtige und mitreißende Familiengeschichte. Welches Geheimnis Änne mit sich herumgetragen hat, bleibt bis zum Schluss unklar. Kaum glaubt man als Leser eine plausible Theorie gefunden zu haben, gibt es Enthüllungen, die dagegensprechen. Hypothesen werden aufgestellt, nur um alsbald wieder verworfen zu werden. Dieses ständige Spiel an Möglichkeiten macht die Geschichte unvorhersehbar, voller Überraschungen und voller Brüche.

Änne entpuppt sich dabei als ambivalenter und streitbarer Charakter. Wobei immer die Lebensumstände und Möglichkeiten in Kriegszeiten berücksichtigt werden müssen. Das Herzstück des Buches ist das Verhältnis der Schwestern. Voller Liebe und Unterstützung, aber auch Rivalität und dem Wunsch nach Selbstständigkeit. Und so schwierig es war, haben sie sich doch letztendlich geschützt und füreinander aufgeopfert.

Ich wollte nicht, dass dieses Buch zu Ende geht, so ruhig und detailliert, aber auch traurig und spannend ist es geschrieben. Und gleichzeitig fiebert man dem Ende und der Auflösung entgegen.

Fazit: berührender Blick in eine andere Zeit, in die Lebensumstände und deren traumatische Folgen

Veröffentlicht am 02.09.2025

Mit Leichtigkeit ins Verderben

Gym
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Ehrlich gesagt finde ich das Cover furchtbar hässlich. Umso überraschter war ich vom Klappentext, der mich sofort neugierig gemacht hat.

Die ersten Seiten verfliegen geschwind. Die Kapitel sind sehr kurzgehalten. ...

Ehrlich gesagt finde ich das Cover furchtbar hässlich. Umso überraschter war ich vom Klappentext, der mich sofort neugierig gemacht hat.

Die ersten Seiten verfliegen geschwind. Die Kapitel sind sehr kurzgehalten. Der Schreibstil locker, leicht und unterhaltsam. Zunächst scheint es im Buch um die kleine Lüge zu gehen, die der Protagonistin während ihres Vorstellungsgespräches für das Mega Gym unterläuft. Ebenso könnte es um den Körperkult in einem Fitnessstudio gehen. Um den gesellschaftlichen Druck auf den perfekten Körper.

Der zweite Abschnitt bringt die Wende. Doch leider auch die Fragezeichen. Wo führt dieses Buch hin? Die Protagonistin, deren Namen wir nie erfahren, verliert sich zunehmend in einem obsessiven Trainingswahn. Bis dahin wirkte sie lässig und entspannt. Nun zeigt sie ein komplett anderes Gesicht. Sie entwickelt einen krankhaften Ehrgeiz und wirkt unvernünftig. Was ist ihr Ziel? Geht es ihr darum, um jeden Preis die Beste zu sein?
In kurzen Einschüben erfährt man nun auch mehr über ihr Leben vor dem Job im Fitnessstudio. Auch hier offenbaren sich die gleichen Muster.

Die Beschreibung ist überspitzt und für mich nicht nachvollziehbar. Dieses übersteigerte wahnhafte Verhalten war mir fremd. Aus mir nicht ersichtlichem Grund und unklarem Antrieb, verrennt sie sich. In der Beschreibung des Buches liegt dies nicht an gesellschaftlichem Druck, sondern dem Druck, den sie sich selbst macht. Ihr Handeln empfand ich als komplett unreflektiert. Gerne hätte ich mehr darüber erfahren, was sie so getriggert hat. Was ihre Motivation war.

Je länger ich für diese Rezension über den Inhalt und die Aussage des Buches nachdenke, umso schlüssiger erscheint sie mir. Auch wenn die Darstellung vereinfacht und überzogen ist, zeigt sich, dass es nicht viel braucht, um in diese Spirale von Abhängigkeit und Besessenheit zu geraten.

Dennoch fand ich die Wendung, die das Buch genommen hat, zu extrem und das Ende sehr irritierend.