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Veröffentlicht am 06.06.2025

Rache wird am besten mit einem Sternemenü serviert

Schatten über Sømarken
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„Es gab Geschmäcker, für die konnte man sterben. Und so einen hatte er zweifelsohne gerade auf der Zunge.“ (S. 8) denkt Fernsehstarkoch Falk Magnusson, als er das Menü im Argousier genießt, dann bricht ...

„Es gab Geschmäcker, für die konnte man sterben. Und so einen hatte er zweifelsohne gerade auf der Zunge.“ (S. 8) denkt Fernsehstarkoch Falk Magnusson, als er das Menü im Argousier genießt, dann bricht er tot zusammen. Schnell wird klar, dass er vergiftet wurde – von seiner Ex-Partnerin und Starköchin Maren? Die Freundin von Kommissar Lennart Ipsen steht sofort unter Verdacht, doch trotz seiner Eifersucht, weil sie ihm nie die ganze Wahrheit über sich und Falk gesagt hat, traut er ihr den Mord nicht zu. Und dann darf er in dem Fall noch nicht mal ermitteln, weil er gerade Urlaub hat und als befangen gilt.

Es ist Sommer auf Bornholm, doch Lennart kann seinen Urlaub nach dem Mord nicht mehr genießen. Er zweifelt an seinen Fähigkeiten als Kommissar, weil seine Kolleginnen Britta und Tao anscheinend sehr gut ohne ihn auskommen. Natürlich stellt trotzdem eigene Nachforschungen an. Außerdem traut er sich nicht mehr, Marens Gerichte zu essen, falls der Täter noch mehr vergiftet hat. Das führt zu einigen unschönen Situationen zwischen ihnen.

In „Schatten über Sømarken“ nimmt Michael Kobr diverse Fernsehkochshows und Starköche ins Visier. Falk Magnussen gilt als der König des dänischen Kochfernsehens, aber er ist auch dafür bekannt, die Kandidaten bis auf Blut zu peinigen und der Lächerlichkeit preiszugeben. Seine Geschäftspartner sind ebenfalls nicht gut auf ihn zu sprechen, er hat gegen so ziemlich jeden prozessiert. Wurde er von einem von ihnen umgebracht? Natürlich hätte auch Maren einen guten Grund, sich zu rächen, weil sich Falk sich vor Jahren privat und beruflich sehr plötzlich und rigoros von ihr getrennt hat.

Die Querverweise auf die verschiedenen Sendungen und Köche sind sehr unterhaltsam, wobei mir die Kandidaten echt leid getan habe. Ansonsten plätschert die Handlung diesmal etwas vor sich hin. Lennart kann nur heimlich ermitteln, was er seiner Stellvertreterin Britta echt übel nimmt. Wie soll er da nach dem Urlaub wieder ein ordentliches Vertrauensverhältnis herstellen?
Auch bei Maren ist er plötzlich unsicher. Ihrer Beziehung mit Falk hat sie auf Social Media geteilt und gelebt, jetzt sagt sie bei Interviews nicht mal, dass sie einen Freund hat. Ist er ihr etwa peinlich?
Und dann mischt sich auch noch sein Vater aus der Ferne in alles ein: Lennarts Beziehung, die Ermittlungen und die Wohnungssuche (er muss umziehen), schließlich ist er dank diverser Podcasts jetzt auf allen Gebieten ein echter Spezi.

Auch der 3. Teil der Reihe ist unterhaltsame, kulinarische Cosy Crime. Hoffentlich wird Lennart bis zum nächsten Fall seine Selbstzweifel wieder los.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Das wird der Sommer deines Lebens

Der Sommer mit dir
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„Wonach riecht Freiheit denn?“ „Na frisch gemähten Wiesen, nach klarem Wasser, nach Sonnenmilch und einer eiskalten Cola.“ (S. 74)
„Das wird der Sommer deines Lebens“ ist Cleos Mantra, als sie in München ...

„Wonach riecht Freiheit denn?“ „Na frisch gemähten Wiesen, nach klarem Wasser, nach Sonnenmilch und einer eiskalten Cola.“ (S. 74)
„Das wird der Sommer deines Lebens“ ist Cleos Mantra, als sie in München auf dem Bahnsteig steht und überlegt, ob sie wirklich allein mit dem Zug nach Kroatien fährt, wo ihre Clique wartet. Eigentlich wollte sie die Interrail-Tour mit ihrer besten Freundin Livi machen, aber die liegt mit einem Blinddarmdurchbruch im KKH.
Im Abteil lernt sie Gabriel kennen, der schon seit Hamburg im Zug sitzt und bis nach Budapest durchfährt. Obwohl Cleo sonst sehr vorsichtig ist und auch Livi Bedenken hat, dass er der Axtmörder aus ihrem letzte True-Crime-Podcast sein könnte, vertraut Cleo ihm irgendwie. Sie erkennt sich in ihm wieder, weil auch er sich in seiner Familie nicht wohl fühlt, auf sich allein gestellt scheint und vor etwas davonläuft. Cleo vor ihrer Vergangenheit und Gabriel vor seiner Zukunft. Aber bis sie sich das selbst und ihrem Gegenüber eingestehen können, rollen sie mit dem Zug quer durch Europa und kommen sie sich dabei mit jedem Schienenkilometer näher.

Einen Sommer gemeinsame Freiheit hatten sich Cleo und Livi erhofft, bevor sie zum Studium weggeht und sie sich nur noch selten sehen können. Geplant war eine Dauerparty mit ihren Freunden an der Küste Kroatiens, aber dann hat sich Cleo von ihrem Freund getrennt, der ebenfalls zu ihrer Clique gehört. Und nun weiß sie, die immer für alles einen Plan und ihr Leben fest im Griff hat, nicht weiter. Soll sie ihnen wirklich hinterherfahren und alte Wunden aufbrechen lassen? Gabriel meint, nein: „Niemand sollte den letzten Sommer vor dem echten Leben mit Menschen verbringen, auf die man keine Lust hat.“ (S. 38)
Dabei ist er auch nicht besser dran, traut sich nicht, einen Ausweg aus der Zukunft zu suchen, die sein Vater bestimmt. Cleo rät ihm: „Niemand sollte unglücklich mit seinem Leben sein, weil er Dinge tut, die andere erwarten.“ (S. 387) Gabriel ist ein Getriebener, will unbedingt ganz schnell nach Budapest, ohne ihr zu sagen, warum. Trotzdem machen beide Umwege, um Zeit miteinander verbringen zu können. Doch das reale Leben ist in Form von Nachrichten und Anrufen ihrer Freunde und Familien im Gepäck und lässt sich nicht vollends ausblenden. Immer mehr Probleme und Geheimnisse kommen ans Licht – werden die sie am Ende trennen oder zusammenführen?

Lange hat mich ein Jugendbuch nicht mehr so berührt, wie Adriana Popescus „Der Sommer mit dir“. Einerseits will man immer weiterlesen, andererseits soll es aber nicht zu schnell vorbei sein. Und dann habe ich es doch nicht aus der Hand legen können und die 400 Seiten am Stück gelesen – und am Ende eine Träne verdrückt.

5 Sterne für dieses Lesehighlight, das zeigt, dass wir im Leben immer unsere eigenen Entscheidungen treffen und auf unseren Bauch hören sollten, statt auf Kopf oder Herz.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Trennung mit Hindernissen

Jünger geht immer!
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„Hiermit gebe ich unsere Trennung nach fünfzig Ehejahren bekannt“ (S. 5) ist nicht unbedingt der Satz, den man von seiner Mutter auf der Feier zur Goldenen Hochzeit hören möchte, die man monatelang akribisch ...

„Hiermit gebe ich unsere Trennung nach fünfzig Ehejahren bekannt“ (S. 5) ist nicht unbedingt der Satz, den man von seiner Mutter auf der Feier zur Goldenen Hochzeit hören möchte, die man monatelang akribisch vorbereitet hat. Während Anne noch überlegt, wie sie sie wieder zur Vernunft bringt, ruft ihr Vater seinen Scheidungsanwalt an – während alle Gäste aufgeregt auf das Gold-Paar ein- und durcheinander reden. Und diese Ankündigung ist erst die Spitze des Eisbergs. Ihre Mutter hat einen neuen, 15 Jahre jüngeren Lebensgefährten. Diese Beziehung will Anne natürlich um jeden Preis beenden, dumm nur, dass Tom, der Sohn ihres zukünftigen Stiefvaters, sie ihre eigene eingefahrene Ehe überdenken lässt. „Wie lange erträgt man es zu wissen, dass nichts mehr kommt? … Und auf einmal kommt mir ein seltsamer Gedanke: Ich will meine Zukunft zurück.“ (S. 38)

Anna ist 48, seit 20 Jahren verheiratet, ihre Kinder werden langsam flügge und ihr Mann Karsten ist der größte Egomane, der mir je untergekommen ist. So lange sie alles so macht, wie und wann er es will, läuft ihre Ehe. Doch wenn es mal nicht nach seinem Willen geht, wird er zum Rumpelstilzchen. Wie sie es so lange mit ihm ausgehalten hat, ist mir ein Rätsel. Die Schmetterlinge sind also längst ausgeflogen, sie ärgert sich nicht mal mehr über seine Affären. Stattdessen geht mit ihrer Mutter und der Nordic Walking Gruppe im Wald Stress abbauen. Genau diese Gruppe hilft ihr jetzt, ihre Mutter und deren neuen Freund zu überwachen, um sie vielleicht doch noch auseinander zu bringen.

Leider ist bei mir der Funke diesmal nicht ganz übergesprungen. Was sich Anne von ihrem Mann hat gefallen lassen, ging für mich gar nicht. Zudem schliddert sie von einer übertriebenen Katastrophe in die nächste und ihre Freundinnen waren mir zu drüber. Aber ich mochte den Humor, die Lebensweisheiten und Erika, die 80jährige Leiterin der Nordic Walking Gruppe, die Anne hilfreich zur Seite steht und sie nicht nur einmal überrascht.

Ellen Berg macht in ihrem neuesten Buch „Jünger geht immer“ auf humorvolle und unterhaltsame Weise Mut und Lust, seine eigene langjährige Beziehung zu überdenken und sich eventuell einen neuen (jüngeren) Mann zu suchen.

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Veröffentlicht am 29.05.2025

Bilanz eines High-Society-Lebens

Great Big Beautiful Life
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„Meine Familie war eine der ersten, die begriffen hat, dass es nicht die Neuigkeiten sind, die sich gut verkaufen, sondern die Schlagzeilen. … Schlicht und schlüpfrig, das ist die Gewinner-Kombination.“ ...

„Meine Familie war eine der ersten, die begriffen hat, dass es nicht die Neuigkeiten sind, die sich gut verkaufen, sondern die Schlagzeilen. … Schlicht und schlüpfrig, das ist die Gewinner-Kombination.“ (S. 81)
Seit ihrer Kindheit ist die Redakteurin Alice Scott fasziniert von Margaret Grace Ives, die aus einer der skandalösesten Familie des 20. Jahrhunderts stammt und vor über 20 Jahren untergetaucht ist. Monatelang hat sie nach ihr gesucht, weil sie unbedingt eine autorisierte Biografie über Margaret schreiben will. Als sie sie endlich gefunden hat, wird Alice zu einem Vorgespräch eingeladen. Um so überraschter ist sie, als ihr dabei ihr Konkurrent vorgestellt wird: Hayden Anderson, Musikjournalist, Biograf und Pulitzer-Preis-Gewinner. Margaret wird sich 4 Wochen lang einzeln mit ihnen treffen und reden. Den Job bekommt am Ende der, dessen Arbeitsprobe ihr am besten gefällt.

„Great Big Beautiful Life“ ist wieder ein Roman, der mich sehr zwiegespalten zurücklässt. Da ist zum einen Margarets Leben zwischen Skandalen und Tragödien, von dem sie Alice nach und nach erzählt und das diese mit dem vergleicht, was sie vorher recherchiert hat oder jetzt nachprüfen kann. Dabei stößt Alice immer wieder auf Ungereimtheiten und Lügen. Oder wird Margaret dement und erinnert sich nicht mehr richtig? Sie würde gern mit Hayden darüber reden, aber der hält sich strikt an Margarets Verbot, ihre Informationen und Erkenntnisse auszutauschen. Doch auch er meint: „Trotzdem werde ich das Gefühl nicht los, dass wir irgendwie manipuliert werden, und ich verstehe einfach nicht, wie oder warum.“ (S. 393)
Dieser Strang ist wahnsinnig spannend und bewegend, weil er einen guten Einblick in den Aufstieg und Fall der Familie Ives gibt, die es von Bauern zu Millionären gebracht haben, damit aber nie wirklich glücklich waren und jahrzehntelang die Presse beherrscht haben. Margaret führte ein aufregendes Leben, stand ab ihrer Geburt im Scheinwerferlicht der Paparazzi und hatte sich gut damit arrangiert, bis sie irgendwann urplötzlich verschwand und nicht mehr auffindbar war. Alice versucht zu ergründen, was damals passiert ist, aber Margaret gibt immer nur Bruchstücke preis.

Zum anderen sind da Alice und Hayden und ihre Konkurrenz um den Buchvertrag. Die Situation zwischen ihnen ist extrem angespannt, jeder Verlag würde ihnen die Biographie aus den Händen reißen und der Ruhm wäre vorprogrammiert. Außerdem haben beide keine einfache Vergangenheit und Probleme mit ihren Eltern. Außerdem machen sie einige unglaubliche Entdeckungen – das wäre für mich völlig ausreichend gewesen. Aber Emily Henry lässt sie sich auch noch vom ersten Augenblick an zueinander hingezogen fühlen und macht daraus ein ziemliches hin und her mit viel Drama – mir leider viel zu viel.

Mei Fazit: Eine eigentlich sehr berührende Lebensbeichte, aber mit zu viel Drama im Nebenstrang überfrachtet.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Diesmal endlich für immer?

Als ich dich traf
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„Ich dachte immer, wenn es passiert, steht da vierzig Jahre oder so.“ (S. 35)
Wenn Daphne einen neuen Mann kennenlernt, bekommt sie einen Zettel mit seinem Namen und der Zeit, wie lange sie mit ihm zusammen ...

„Ich dachte immer, wenn es passiert, steht da vierzig Jahre oder so.“ (S. 35)
Wenn Daphne einen neuen Mann kennenlernt, bekommt sie einen Zettel mit seinem Namen und der Zeit, wie lange sie mit ihm zusammen sein wird. Das können Stunden, Tage, Monate oder Jahre sein. Am Anfang hat sie sich trotzdem ganz auf ihre Partner eingelassen, hat gehofft, dass sich der Zettel irrt, aber irgendwann ist sie nur noch halbherzig auf die Beziehungen eingegangen, hatte immer den Endpunkt im Blick und gewartet, wie es passiert. Als sie Jake kennenlernt, steht auf dem Zettel nur sein Name. Bedeutet das, dass es diesmal endlich für immer ist?

Wie schon in den vorangegangenen Büchern von Rebecca Serle, hat auch „Als ich dich traf“ eine mystische Komponente, die mir sehr gefallen hat. Daphne glaubt, dass ihr Leben vorbestimmt ist und sie durch die Zettel auf den nächsten Lebensabschnitt bzw. den Abschluss der Beziehung vorbereitet wird, damit es ihr nicht so schwer fällt, diese loszulassen. Allerdings haben diese Zeiträume noch eine andere, unerwartet emotionale Bedeutung, die nicht zu früh verraten wird und Daphnes anscheinend perfektes Leben in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Sie hat einen tollen Job, gute Freunde und eine sehr gute Beziehung zu ihren Eltern. Nur die ganz große Liebe für immer war noch nie dabei.

Ich habe mich beim Lesen gefragt, warum Daphne die Zettel nie ignoriert, sondern ihr angebliches Schicksal widerspruchslos hingenommen hat. Denn es gab mind. zwei Beziehungen, bei denen sie bis zuletzt gehofft hatte, dass die Vorhersage nicht stimmt. Einer der Männer ist Hugo, mit dem sie seit ihrer kurzen Beziehung eine tiefe Freundschaft verbindet. Er ist der Einzige, der wirklich alle ihr Geheimnisse kennt, ihre erste Anlaufstelle, ihr Seelentröster.
Und jetzt ist da Jake, lt. ihrem der Zettel der perfekte Mann. Aber warum kann sie ihm dann nicht alles über sich erzählen? Er hätte doch die ganze Wahrheit verdient. „Manchmal habe ich das Gefühl, du hast da noch ein anderes Leben, über das ich nichts weiß.“ (S. 217)

Daphnes Story hat mich so gepackt, dass ich das Buch wieder am Stück durchgelesen habe. Es ist schön und zugleich traurig, philosophisch und macht nachdenklich. Ein Herzensbuch über unseren freien Willen und den Mut zu Entscheidungen.

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