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Veröffentlicht am 18.08.2019

Try before you die

Es wird Zeit
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„Die Mutter tot, die Kinder weg, die Ehe am Ende ...“ (S. 353) treffender als ihre Freundin Martina könnte Judith ihr Leben auch nicht beschreiben. Sie ist seit 20 Jahren mit Joachim verheiratet, er war ...

„Die Mutter tot, die Kinder weg, die Ehe am Ende ...“ (S. 353) treffender als ihre Freundin Martina könnte Judith ihr Leben auch nicht beschreiben. Sie ist seit 20 Jahren mit Joachim verheiratet, er war ihre Notlösung. Jetzt haben sie drei erwachsene Kinder, die sie nicht mehr brauchen, und ein Haus, das nach seinen Bedürfnissen ausgesucht und eingerichtet ist und ihr nicht gefällt. Judith hadert mit ihrem Mann, ihrem Aussehen und ihrem Gewicht, will sich endlich wieder gebraucht und begehrt fühlen. Als dann auch noch ihre Mutter stirbt, gibt ihr das den Rest. Ist sie jetzt die nächste? Soll das schon alles gewesen sein?

Judith fährt wegen der Beerdigung ihrer Mutter zurück in die Heimat und stolpert dort über ihre ehemals beste Freundin Anne und Jugendliebe Heiko. Sie spricht sich mit Anne aus nur um zu erfahren, dass sie sie wahrscheinlich bald wieder verlieren wird. Und Heiko, der sie damals verlassen hat, macht ihr jetzt wieder Avancen. Die Schmetterlinge in ihrem Bauch fliegen – aber meint er es auch ehrlich? Sie erlebt endlich wieder echte Abenteuer und macht Dinge zum ersten Mal. „Es war, als hätte ich mir eine Auszeit von meinem echten Leben genommen. Ich machte eine Zeitreise, war mir aber selber nicht mehr ganz sicher, in welche Richtung. In die Vergangenheit? Oder in die Zukunft?“ (S. 229) Doch wie soll es jetzt weitergehen? Soll sie einen echten Neuanfang wagen oder nur eine kleine Veränderung? „Alle um mich herum erfüllen sich einen Traum. Und ich? Ich hab nicht mal einen!“ (S. 302)

In Judith habe ich mich oft wiedergefunden. Sie hat Angst vor allem und jedem und steigert sich da auch noch rein. Therapie zwecklos. Sie traut ihrer eigenen Courage nicht, ihr Selbstwertgefühl geht gegen Null. Aber wenn es drauf ankommt, können ihre Freunde auf sie zählen.

Ich bin seit ihrem ersten Buch ein Fan von Ildikó von Kürthy und habe mich sehr gefreut, dass auch Erdal Küppers und sein Mann Karsten wieder mit dabei sind. Auch sie sind älter geworden – in Erdals Fall aber nicht unbedingt weiser oder taktvoller: „Er ist das fleischgewordene Drama ... mein bester Freund, meine beste Freundin, mein Seelenverwandter, Patenonkel meiner Zwillinge, mein gnadenlosester Kritiker, egoistisch, selbstlos und stets aufgewühlt und zu allem bereit.“ (S. 98/99).

Das Buch hat mich zum Nachdenken, Lachen und Weinen gebracht und immer wieder überrascht. Es ist ein Buch voller Abschiede – von Menschen, von unrealistischen Erwartungen und Träumen. Aber es macht auch Mut, sein Leben zu überdenken, im Moment glücklich zu sein und sich vielleicht doch noch mal zu verändern. Schlimmer kann es ja meist eh nicht mehr werden.

Mein Fazit: „Es wird Zeit“ von Ildikó von Kürthy ist ein Buch übers Älterwerden und endlich Ankommen – oder doch lieber neu Durchstarten? Perfekt zum Abtauchen, Auftauchen, Innehalten und Weiterlesen. Ich schließe es mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Veröffentlicht am 17.08.2019

Die Landpomeranze

OMG, diese Aisling!
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Aisling ist 28 und wohnt wieder bei ihren Eltern in einer irischen Kleinstadt. Sie arbeitet in Dublin bei der Rentenversicherung und ist schon 7 Jahre mit ihrem Freund John zusammen. Als er ihr weder bei ...

Aisling ist 28 und wohnt wieder bei ihren Eltern in einer irischen Kleinstadt. Sie arbeitet in Dublin bei der Rentenversicherung und ist schon 7 Jahre mit ihrem Freund John zusammen. Als er ihr weder bei der x-ten Hochzeit von Freunden noch im darauf folgenden Urlaub endlich den ersehnten Antrag macht, reißt ihr Geduldsfaden und sie macht mit ihm Schluss – sie will nicht nochmal 7 Jahre warten, bis er vielleicht endlich bereit für die Ehe ist. Zumal auch der Druck von ihren Eltern, Freunden und Kollegen immer größer wird: „... wenn ihr in dem Tempo weitermacht, seid ihr mit einem Fuß im Grab, bevor ihr zum Altar schreitet.“ (S. 67)
Und wo sie schon nun mal dabei ist, sich neu zu erfinden, mistet sie endlich ihren Kleiderschrank aus und nimmt das Angebot ihrer hippen Kollegin an, mit in deren WG zu ziehen – vom Bauernhof in ein luxuriöses Penthouse. Ihr Leben dreht sich um 180 Grad, aber wird es auch besser?!

Ich hatte Probleme, mit Aisling warm zu werden. Sie ist die typische Landpomeranze, etwas unbeholfen, robust, praktisch veranlagt (auch was ihren Kleidungsstil und die Schuhe angeht) und eigentlich ständig auf Diät. Uneigentlich rechnet sie zwar bei jedem Essen die Weight-Watchers-Punkte nach, stopft sich dann aber trotzdem mit Chips und Pommes voll. Außerdem hat mich gestört, dass sie ihre Kolleginnen ständig um deren schicke Klamotten beneidet um im gleich Atemzug zu denken, dass sie die ja eigentlich hässlich findet. Auch das ständige Nachrechnen, was wieviel gekostet hat, nervt – man versteht es erst als ihre Mutter erzählt, dass sie lange am Existenzminimum gelebt haben. Und nicht zuletzt lässt sich Aisling von ihrer Umgebung einreden, dass sie und John doch endlich eine Familie gründen müssen ...
Vielleicht verstehe ich ihre Probleme nicht, weil ich älter bin als sie. Aber mit 28 sollte man doch einen eigenen Lebensentwurf gefunden haben und sich nicht mehr reinreden lassen, oder? Es hat mir etwas zu lange gedauert, bis sie endlich begriffen hat: „Es wird Zeit, dass ich meine eigenen Entscheidungen treffe, dass ich mein Schicksal selbst lenke, dass ich herausfinde, was ich will – für mich selbst und nicht für jemand anderen.“ (S. 313)

Von Aisling abgesehen, mochte ich die Geschichte. Ihre Eltern sind hilfsbereit, bodenständig und wollen, dass es ihre Kinder besser haben als sie. Ihre Schicksalsschläge (über die ich hier nichts verraten will) haben mich sehr berührt. Auch John mochte ich sehr. Er hält sich an das, was Aisling verlangt, nämlich dass sie sich nicht mehr sehen, und sorgt damit bei ihr für viele Tränen und einige ungewollte Verwicklungen, das hat die Geschichte spannender gemacht.

Mein Fazit: Nicht ganz so komisch wie erwartet, aber eine schöne Selbstfindungsgeschichte.

Veröffentlicht am 15.08.2019

Der Start in ein neues Zeitalter

Im Licht der Zeit
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Berlin 1917: „Dieses Kind war wie ein Wildpferd mit Federboa ...“ (S. 8) „Wenn die einmal aus der Box war, würde sie nicht mehr einzufangen sein.“ (S. 12) Marlene Dietrich ist 16 und hat jetzt schon die ...

Berlin 1917: „Dieses Kind war wie ein Wildpferd mit Federboa ...“ (S. 8) „Wenn die einmal aus der Box war, würde sie nicht mehr einzufangen sein.“ (S. 12) Marlene Dietrich ist 16 und hat jetzt schon die längsten Beine Berlins – die es noch weit bringen werden, meint ihre Tante Vally. Ihre Mutter hingegen hofft, dass sie klassische Konzertgeigerin wird. Marlene selbst experimentiert lieber mit ihrer Sexualität – vor allem mit Frauen – und träumt davon, ein Filmstar wie Henny Porten zu werden. Doch Henny ist erst seit kurzem Witwe und hat ihren Lebenswillen verloren.

12 Jahre später ist Henny Porten wieder groß im Geschäft, aber Marlene hat den Durchbruch als Schauspielerin immer noch nicht geschafft, sondern tingelt von einem Varieté zum nächsten. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und ist die Hauptverdienerin der Familie, aber ihr Mann und sie lieben sich nicht und ihre Tochter kann keine Beziehung zu ihr aufbauen. „Marlene war in ihrer eigenen Familie der Fremdkörper.“ (S. 191)

Die UFA hat in Babelsberg gerade das erste Tonfilm-Studio gebaut, um den Anschluss an Amerika nicht zu verpassen und Karl Vollmöller wird engagiert, um den ersten Film zu drehen. Der Hauptdarsteller ist schnell gefunden: Emil Jannings hat in Amerika gerade den ersten Oscar als bester Schauspieler bekommen, will aber zurück nach Deutschland kommen. Auch den Stoff hat Vollmöller schon – er konnte Heinrich Mann überzeugen, ihm die Rechte an „Professor Unrat“ zu verkaufen. Nur die weibliche Hauptdarstellerin fehlt ihm noch. Da entdeckt Regisseur Josef von Sternberg am Berliner Theater Marlene, die mit ihrer frivolen Show für Furore sorgt – sie ist perfekt für die Rosa Fröhlich. „Karl schätze Marlenes Vielseitigkeit, die scheinbar gelangweilte Art, mit der sie das Publikum bei der Stange hielt, und ja, sie hatte die längsten Beine der Stadt.“ (S. 177)

Edgar Rai erzählt in „Das Licht der Zeit“ vom Beginn des deutschen Tonfilms, von einer aufregenden Umbruchzeit, in der die Nationalsozialisten immer mehr erstarken und den Alltag bestimmen (wollen). Die goldenen 20er sind auf ihrem Höhepunkt. In Berlin werden rauschende Partys gefeiert, Heroin gilt als Stimmungsaufheller und Promiskuität ist an der Tagesordnung.

Vollmöller ist ein Macher, der genau weiß, wie er seinen Willen durchsetzen kann. Bei Jannings, der Marlene nicht ausstehen kann, setzt er auf Zuckerbrot und Peitsche (im wahrsten Sinne des Wortes!). Auch die UFA hat er fest im Griff und kann sie überzeugen, immer mehr Geld in den Film zu pumpen. Nur Marlene gibt er Raum, lässt sie sich neu erfinden und ist erstaunt, was sie aus sich rausholt, wie sehr sie sich zurücknehmen kann und trotzdem auf der Leinwand extrem präsent ist und Jannings damit aussticht. Der wird seiner Rolle (dem verzweifelten Professor) immer ähnlicher und ruiniert sich und den Film fast damit.

Parallel dazu muss auch Henny Porten entscheiden, wie sie ihre weitere Karriere gestalten soll. Sie ist inzwischen mit einem jüdischen Arzt verheiratet und Goebbels, der sie sehr verehrt, bedrängt sie, sich endlich scheiden zu lassen und die große deutsche Vorzeigefrau beim Film zu werden – sich vor Hitlers Karren spannen zu lassen.

Die gegensätzlichen Lebensentwürfe und Entwicklungen von Henny und Marlene machen für mich den besonderen Reiz des Buches aus. Henny ist sehr unsicher, hat aber in ihrem Mann einen guten Berater und eine eigene Produktionsfirma, will unabhängig bleiben. Marlene hingegen will endlich der Enge ihrer verkorksten Ehe und dem biederen Deutschland mit seinen immer strengeren Moralvorstellungen entfliehen.

Spannend, aufregend und prächtig inszeniert Edgar Rai den Dreh von „Der blaue Engel“ und schafft gleichzeitig ein Zeitzeugnis über die goldenen 20er und die Revolution der Tonfilmindustrie.

Veröffentlicht am 12.08.2019

Zwischen Politik und endlich-Leben-wollen

Amalientöchter
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Weimar 1918: Klara träumt davon, wie vormals Herzogin Anna Amalia durch die Welt zu reisen, aber der Krieg ist erst seit kurzem vorbei und die Friedensvertragsverhandlungen stehen noch aus. „Das Wissen, ...

Weimar 1918: Klara träumt davon, wie vormals Herzogin Anna Amalia durch die Welt zu reisen, aber der Krieg ist erst seit kurzem vorbei und die Friedensvertragsverhandlungen stehen noch aus. „Das Wissen, dass es da draußen noch so viel mehr Welt gab, als nur das kleine enge Weimar, hatte sie meistens trösten können.“ (S. 17)
Ihr Verlobter Fritz ist Arzt in Berlin und hilft denen, die bei den Straßenkämpfen verletzt werden. Da er nicht sobald in das kleinbürgerliche Weimar zurückkehren wird, überredet sie ihn, sie mit nach Berlin zu nehmen. Dort erwartet sie im Haus seines Onkel ein leeres Zimmer mit einer muffigen Matratze – aber eben auch die große weite Welt und Frauen wie ihre neue Freundin Kiki, die ihr Leben selbst bestimmen. Als erstes kürzt Klara ihre Röcke und Haare, dann stürzt sie sich ins rauschende Nachleben und die Partys der goldenen 20er. Aber sie sieht auch täglich die andere Seite der Medaille: Kriegsversehrte, halbverhungerte Kinder, eine zerstörte Stadt.
Klaras große Chance kommt, als ihr die Ex-Frau von Fritz’ Onkel eine Stelle bei ihrer Zeitung anbietet: „Eigenes Geld, niemanden um Erlaubnis bitten müssen – vor allem keinen Mann! Mehr Freiheit kann es nicht geben!“ (S. 210) Endlich kann Klara schreiben und damit vielleicht sogar etwas bewegen, davon hat sie ebenfalls schon immer geträumt. Durch ihre Arbeit wird sie sich bewusst, wie sehr sich Fritz und sie verändert haben, wie gern sie unabhängig ist. Sie kann es sich nicht mehr vorstellen, in Weimar die brave Arztgattin, Ehefrau und Mutter zu spielen. Er ist nicht mehr der Richtige für sie, trotzdem geht sie nach der Niederschlagung des Spartakusaufstandes mit ihm zurück. Als „Entschädigung“ versorgt er ihr Karten für die Nationalversammlung, so kann sie die politischen Umwälzungen vor Ort verfolgen.

Joan Weng schreibt in „Amalientöchter“ über die wenigen Monate zwischen Kriegsende und dem Beginn der Versailler Vertragsverhandlungen. Auf einmal scheint alles möglich zu sein, schließlich dürfen Frauen endlich wählen.
Nach dem biederen, kaisertreuen Weimar ist Berlin DAS große Abenteuer für Klara. Endlich ist sie dort, wo Geschichte geschrieben wird und kann dabei mitwirken. Sie emanzipiert sich und träumt von einem freien Leben z.B. als Reisejournalistin, will Frauen helfen, ihren eigenen Weg zu finden. Fritz, der bisher ähnlich dachte, ändert nach der Niederschlagung des Spartakusaufstands plötzlich seine Pläne. Er geht zurück nach Weimar, übernimmt die Praxis seines Vaters und erwartet, dass sie heiraten und schnell eine Familie gründen. Dass Klara längst über diese kleinbürgerlichen Vorstellungen hinausgewachsen ist, bemerkt er nicht.

Die Autorin hat es geschafft, ein sehr lebendiges und vielfältiges Bild der damaligen Ereignisse zu zeigen, die neu erwachte Sehnsucht nach Leben und Vergnügen, aber auch die schrecklichen Ereignisse der Umbruchzeit. Geschickt flicht sie historische Persönlichkeiten wie Anita Berber, Otto Dix, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in die Handlung ein. Leider ist ihr der Spagat zwischen politischem Geschehen und Klaras (Liebes-)Geschichte nicht ganz gelungen, gerade die Episoden mit Max kamen mir leider etwas zu kurz.

Fazit: Spannender Roman über eine aufregende, gefährliche Zeit und die Emanzipation einer jungen Frau.

Veröffentlicht am 10.08.2019

Der Brief

Die Perlenvilla
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1948, der Krieg ist immer noch in den Köpfen der Menschen, hat sich Eve mit ihrer lieblosen, langweiligen Ehe mit Clifford abgefunden. Das Ticken der Uhr bestimmt ihren Tagesablauf, das Warten, dass er ...

1948, der Krieg ist immer noch in den Köpfen der Menschen, hat sich Eve mit ihrer lieblosen, langweiligen Ehe mit Clifford abgefunden. Das Ticken der Uhr bestimmt ihren Tagesablauf, das Warten, dass er aus „der Firma“ (einem erfolglosen Transportunternehmen) nach Hause kommt. Sie muss froh sein, überhaupt einen Mann gefunden zu haben, nachdem soviel Männer den Krieg nicht überlebt haben. Eve hat Clifford nur geheiratet, um ein unabhängiges Leben fernab ihrer freudlosen, alles bestimmenden Mutter führen zu können. Jetzt bestimmt ihr Mann über sie.
Als der Brief eines Notars eintrifft, dass sie nach Cannes reisen soll, um eine Erbschaft von Guy Lester anzutreten. Sie hat diesen Namen noch nie gehört und Clifford ist natürlich dagegen, doch zum ersten Mal setzt die sich durch. Sie ist neugierig, was ihn mit ihr verbindet und die Reisekosten sind Teil des Erbes.

Die Côte d‘Azur ist das ganze Gegenteil zu ihrem Londoner Vorort. Die Sonne, die Küstenlinie, die Landschaft – und die Perlenvilla, die ihr jetzt zu einem Viertel gehört, zusammen mit Guys Ehefrau und seinen Kindern. Eve will das Erbe nicht annehmen, sie hat noch nie von Guy gehört und dessen Familie feindet sie an. Man hält sie für seine aktuelle Geliebt, oder das Kind einer früheren Beziehung, da er viele Affären hatte. Eve erbt außerdem noch einen markanten Ring – den hat sie vor Jahren schon mal auf einem Foto an der Hand ihrer Mutter gesehen. Aber wie kommt er dann hierher? Ihr Anteil am Haus soll eine alte Schuld tilgen, steht im Testament, aber niemand weiß welche ...

Während in England Lebensmittel und Kleidung immer noch nur auf Marken und nicht ausreichend zu bekommen sind, regiert an der Rivera der Glamour, Luxus und Überfluss. Eve kommt sich vor wie die hässliche, alte Gouvernante, die arme Verwandte, die man nur aus Mitleid erduldet. Vor allem Guys Frau Diana und seine Söhne aus erster Ehe machen ihr sehr deutlich, dass sie sie nur dulden, bis die Villa verkauft und der Erlös aufgeteilt ist. Eve gibt sich eine Woche, um herauszufinden, warum sie im Testament steht und stößt dabei auf lang gehütete Geheimnisse. Doch dann passieren ihr eigenartige Unfälle – ist ihr Leben in Gefahr?

Die Geschichte hat mich von Beginn an in ihren Bann gezogen. Rachel Rhys schreibt sehr fesselnd und bildhaft, lotet die Charaktere ihrer Protagonisten bis in den kleinsten Winkel aus.
Eve wurde ihr ganzes Leben lang klein gehalten und kann es nicht fassen, dass sie plötzlich von Männern Komplimente bekommt und auf schillernde Partys eingeladen wird. Sie braucht lange, um sich endlich zu emanzipieren und ihr Schicksal selber in die Hand zu nehmen, etwas zu fordern. Mir hat dieser Prozeß sehr gut gefallen.
Clifford und ihre Mutter scheinen aus dem gleichen Holz geschnitzt zu sein. Eve muss machen, was die sagen. Von Freude oder gar Liebe halten sie nichts, es reicht doch, wenn man einigermaßen zufrieden ist.
Guys Familie kam mir oftmals vor wie eine Schlangengrube: eine falsche Bewegung oder Bemerkung und sie verspritzten ihr Gift.

Die Perlenvilla ist eine Geschichte voller spannender Geheimnisse vor der glamourösen Kulisse der französischen Rivera. Die Suche einer jungen Frau nach der Wahrheit, ihrer Vergangenheit und Zukunft, nach einem eigenen, selbstbestimmten Leben.