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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2020

Ein Kultroman? Nicht für mich

Die Brautprinzessin
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1977 erschien „Die Brautprinzessin“, verfasst von dem Drehbuchautor William Goldman. Ausgestattet mit unermüdlicher Lese-Neugier, begann ich das Buch zu lesen und brauchte lange, war oftmals nahe daran, ...


1977 erschien „Die Brautprinzessin“, verfasst von dem Drehbuchautor William Goldman. Ausgestattet mit unermüdlicher Lese-Neugier, begann ich das Buch zu lesen und brauchte lange, war oftmals nahe daran, endgültig abzubrechen. Dass sich dieses Buch zum Kultroman entwickelte, kann ich nicht nachvollziehen.

Für den Inhalt zitiere ich ausnahmsweise die Verlagsangabe: „Erzählt wird die Geschichte der wunderschönen Butterblume und des Stalljungen Westley, der unsterblich in sie verliebt ist. Die Erzählung von der Bedrohung ihrer Liebe durch Prinz Humperdinck, seine Ritter und Spione ist aber nur eine Geschichte in einem atemberaubenden Spiel von Kürzungen und raunenden Kommentaren.“

Ja, es ist eine Geschichte in einer Geschichte. Es ist ein Märchen, Es ist eine Parodie. Das Buch ist schräg, witzig, hinterlistig, romantisch, ideenreich, unterhaltsam, subtil, heldenhaft, originell, fesselnd. Aber es ist auch schrecklich langweilig, zäh, klischeehaft, grausam, ausgestattet mit nicht besonders intelligenten Protagonisten und fetten Kindern, die natürlich (!) nicht lesen wollen.
Abenteuer, Sehnsucht, Liebe, Leidenschaft und allerlei Sticheleien – kurzum, es ist viel drin im Buch, aber nichts, was mich wirklich begeistert hätte.

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Veröffentlicht am 19.05.2020

Zum Mutmachen

Kleiner Löwe, großer Mut
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Zugegeben, in einer ersten Reaktion war ich irritiert über den dreibeinigen Löwen. Dann las ich Näheres über den Autor, der 2018 mit einem Bein und zwei Krücken erfolgreich den Kilimandscharo bestiegen ...

Zugegeben, in einer ersten Reaktion war ich irritiert über den dreibeinigen Löwen. Dann las ich Näheres über den Autor, der 2018 mit einem Bein und zwei Krücken erfolgreich den Kilimandscharo bestiegen hatte. So wurde mir verständlich, dass Tom Belz einen dreibeinigen Löwen zum Bilderbuchhelden gewählt hat und ihn letztlich seine eigene Geschichte erzählen lässt. Aber muss es wirklich sein, dass in einem Bilderbuch für die ganz Kleinen ein Löwe auf so grausame Weise durch ein Krokodil sein Bein verliert? Bei dieser Frage bleibe ich weiterhin unschlüssig…

Die Botschaft ist klar: Tobe, der kleine Löwe mit drei starken Beinen, möchte alles machen, was Löwenkinder so machen. Laut brüllen zum Beispiel und Fangen spielen. Dass ihn seine Freunde beschützen und schonen wollen, macht ihn zornig. Und so macht er sich mit seinem besten Freund auf den Weg, um es allen zu zeigen…

Ein Mutmach-Buch ist das vorliegende Bilderbuch mit Sicherheit. Hilfreich für Kinder, denen man nicht viel zutraut und die sich dadurch auch selbst nicht viel zutrauen. Mit der Botschaft, dass Kinder, die in irgendeiner Form eingeschränkt sind, nicht anders behandelt werden wollen wie alle anderen Kinder: „Was mir guttut und was nicht, entscheide ich!“ Aber auch, dass man mit ein klein wenig Unterstützung über sich selbst hinauswachsen kann, wenn man es wagt, sich auf den Weg zu machen. Die Illustratorin Alexandra Helm lässt mit ihren schlichten, aber ausdrucksstarken Zeichnungen die Geschichte lebendig werden.

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Veröffentlicht am 15.05.2020

Opa-Umarmung hilft gegen Zitterpelz

Sommer ist trotzdem
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Innerlichen und äußerlichen Zitterpelz (Gänsehaut) macht dieses Buch dem Leser, so tief bewegend ist es, so ergreifend, so traurig, aber auch so liebevoll, so tröstlich. Ein ernstes Kinderbuch, wie ich ...


Innerlichen und äußerlichen Zitterpelz (Gänsehaut) macht dieses Buch dem Leser, so tief bewegend ist es, so ergreifend, so traurig, aber auch so liebevoll, so tröstlich. Ein ernstes Kinderbuch, wie ich es in dieser Intensität noch nie gelesen habe, eine Erzählung, die Herzschmerzen macht und sie auch wieder heilt. Lange, lange nachwirkend.

Das Mädchen ohne Namen verbringt wie jedes Jahr Sommerwochen bei Oma und Opa im Haus am Meer. Eigentlich wie immer und doch ganz anders. Denn es ist der erste Sommer ohne Papa, der gestorben ist. Das Mädchen erlebt diese Sommerwochen zwischen Ferienfreude in vertrauter Geborgenheit und nicht fassbaren Gedanken und in sich gekehrtem Schweigen. Viel Trauriges geschieht. Und sie begegnet ihrer eigenen unglaublichen Stärke.

Unfassbar gut geschrieben ist die Geschichte. Die kurzen, vordergründig einfachen Sätze, im Präsens geschrieben aus Sicht des Mädchens, wirken auf seltsame Weise so eindrücklich, dass man sich ihnen nicht entziehen kann. Manchmal ist der Sprachduktus so schlicht, dass man glaubt, das Mädchen sei jünger als 11. Doch das ist eines der wichtigsten Geheimnisse dieses Buches bzw. des Autors: In einfachen Worten, mit viel Feingefühl fühlen, denken, beobachten, spüren. Ein weiteres Geheimnis ist die Fülle an bildhaften Sätzen, die umschreiben, was das Mädchen nicht ausdrücken kann. „Jemand hat den Himmel aufgeräumt.“ Der Autor hat es meisterhaft verstanden, sich in die Welt des 10-jährigen Mädchens hineinzudenken und aus dieser Perspektive heraus zu erzählen. Großartig zum Beispiel die Schilderung aus Kindersicht, wie Kinder die nonverbalen Botschaften der Erwachsenen wahrnehmen. Sehr, sehr bewegend ist zu lesen, wie das Kind Sterben und Tod des Vaters erlebt und was wortlose Opa-Umarmungen auslösen. Ein ergreifendes und tröstliches, ein sensibles Kinderbuch mit viel leiser Weisheit. „Niemand muss die ganze Zeit stark sein. Manchmal müssen wir einfach so sein wie wir sind.“ Ganz, ganz wunderbar!

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Veröffentlicht am 13.05.2020

Sachliche, hoch informative, aber auch etwas anstrengende Lektüre

Florence Nightingale
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Zu meiner Jugendzeit, lang ist’s her, besaß ich eine Florence-Nightingale-Biographie, die in ihrer gefühlsmäßigen Verbrämtheit meinem pubertären Überschwang sehr entgegenkam. Deshalb war ich jetzt, ca. ...


Zu meiner Jugendzeit, lang ist’s her, besaß ich eine Florence-Nightingale-Biographie, die in ihrer gefühlsmäßigen Verbrämtheit meinem pubertären Überschwang sehr entgegenkam. Deshalb war ich jetzt, ca. 55 Jahre später, besonders neugierig auf das vorliegende Buch. Denn ich hatte tatsächlich die Vorstellung eines „Engels“, der sich für die Pflege von Kriegsverletzten restlos aufopferte. Ein oberflächliches Klischee, mit dem Hedwig Herold-Schmidt restlos aufräumt.

Die Autorin ist zu bewundern, wie detailliert-genau, mit welcher Akribie und ausufernden Recherchearbeit sie sich mit Florence Nightingale beschäftigte und deren Persönlichkeit sowohl historisch, politisch, gesellschaftlich als auch psychologisch beleuchtet. Die immense Arbeit, die hinter diesem Buch steckt, ist kaum zu erahnen. So beeindruckend diese Detailgenauigkeit ist, so schwierig wurde mir dadurch auch mitunter das Lesen. Die enorme Fülle der Informationen erschlug mich geradezu, und so las ich lange am Buch, in jeweils kurzen Etappen. Und doch bildete sich in mir zunehmend das Bild einer willensstarken Frau heraus, einer außergewöhnlichen Persönlichkeit, die von Glaubensstärke getragen weder auf ihre eigene angegriffene Gesundheit noch auf gesellschaftliche Normen achtete und sich lediglich dem unterordnete, was sie selbst als richtig und richtig und notwendig erachtete.

Die sachlich-informative Schreibweise der Autorin ist als Informationsübermittlung großartig, aber dennoch hätte ich mir ab und zu etwas mehr „Farbe“ gewünscht, um nicht nur Wissen, sondern auch ein gewisses Gefühl für den Menschen Florence Nightingale entwickeln zu können. Insofern bleibt für mein Empfinden Hedwig Herold-Schmidt hinter ihrem eigenen Anspruch etwas zurück. Denn die eigentliche „Frau hinter der Legende“ blieb mir trotz allen Wissensgewinns irgendwie weiterhin verborgen.

Fazit: Eine sachliche, fundierte und hoch informative Biographie über Florence Nightingale, sowohl kritisch als auch würdigend. Allerdings leider etwas anstrengend zu lesen.

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Veröffentlicht am 11.05.2020

Ein solider und gut unterhaltender Kriminalroman

Nordseedämmerung
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Einen Debütroman eines jungen Autors aufzuschlagen, ist immer spannend. Ist er gelungen? Welcher Schreibstil, welche Ideen erwarten mich? Kann er mich überraschen? Wenn ich es in fünf Worten zusammenfassen ...


Einen Debütroman eines jungen Autors aufzuschlagen, ist immer spannend. Ist er gelungen? Welcher Schreibstil, welche Ideen erwarten mich? Kann er mich überraschen? Wenn ich es in fünf Worten zusammenfassen soll: Der Kriminalroman „Nordseedämmerung“ hat mich gut unterhalten, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Welch eine Herausforderung für Kriminalhauptkommissar Tobias Velten, der von Berlin nach Juist gesandt wurde: Der Bundespräsident von Deutschland hat sich in den Kopf gesetzt, auf der Insel Juist seinen Urlaub zu verbringen. Das Sicherheitsteam rund um Tobias Velten gerät schnell an seine Grenzen, als sich die Hinweise mehren, dass ein Mörder auf den Bundespräsidenten angesetzt ist. Doch damit nicht genug. Offenbar gibt es einen Spitzel in den eigenen Reihen, der alle aufwändigen Sicherungsbemühungen zunichtemacht…

Gut gefällt mir das Cover, insbesondere dass der Titeldruck so angeraut ist, dass man meinen könnte, beim Darüberstreichen Sand unter den Händen zu spüren. Ärgerlich dagegen ist, dass es relativ viele Fehler im Text gibt. Offensichtlich wurde nicht sorgfältig genug korrekturgelesen.
Ja, das Buch hat mich gut unterhalten, mehr aber auch nicht. Die sehr nüchterne, fast möchte ich sagen männlich-emotionsarme Erzählweise packt den Leser nicht wirklich. Die eingestreuten kleinen Exkursionen politischer Art bleiben trocken-theoretisch. Vielleicht hätte mehr wörtliche Rede das Lesen flüssiger gestalten können. Die Spannung ist von Anfang bis Ende mäßig vorhanden, die Aufklärung zum Schluss bleibt nur zum Teil überraschend. Zwar bin ich nach Lektüre des Buches gefühlt nahezu jeden Weg auf Juist gegangen, aber ich konnte keinerlei Gefühl für die Insel gewinnen, konnte nicht seine spezielle Atmosphäre aufnehmen. Der Autor erzählt genau und sorgfältig, aber leider nicht unter Einbeziehung aller Sinne. Doch genau damit könnte Christian Kuhn seinem Schreibstil sehr viel mehr Intensität verleihen. Ein Debütroman, der gut unterhält, ist aber auf jeden Fall ein guter Start.

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