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Veröffentlicht am 20.02.2025

Fesselnd und bewegend

Der Gott des Waldes
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Camp Emerson im Naturreservat der Adirondock Mountains, in der Nähe von New York. (Das Setting des Ferienlagers inmitten des Naturschutzgebietes hat mir ausnehmend gut gefallen und ich konnte es mir sehr ...

Camp Emerson im Naturreservat der Adirondock Mountains, in der Nähe von New York. (Das Setting des Ferienlagers inmitten des Naturschutzgebietes hat mir ausnehmend gut gefallen und ich konnte es mir sehr gut vorstellen!)

Barbara, die 13-jährige Tochter einer sehr reichen Familie, denen das Camp gehört und die ihr Anwesen in der Nähe des Camps haben, ist verschwunden. Sie ist ein eher schwieriges Mädchen mit komplizierten Beziehungen zu ihren Eltern. Sie ist punkig, impulsiv und unangepasst. Ihre Mutter Alice ist sehr in ihrer eigenen Welt, in tiefer Trauer, da sie das ungeklärte Verschwinden ihres jungen Sohnes, Bear, vor einigen Jahren nie überwunden hat.

Neben Barbara lernen wir noch die 12-jährige Tracy etwas besser kennen, ihre Eltern sind getrennt und sie soll zwei Sommermonate im Camp verbringen. Sie befreundet sich mit Barabara.

Ein weiterer Fokus liegt auf Louise. Louise kommt ebenfalls aus einer dysfunktionalen Familie. Sie ist sehr intelligent, musste aber aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung ihr Studium abbrechen und jobbt nun im Camp, als Gruppenleiterin von Barbara und Tracy.

Zudem haben wir die Perspektive von Judyta, einer jungen Kriminalinspektorin, die zum Verschwinden von Barabara ermittelt. Es sind die 70er Jahre und Frauen sind in diesem Berufsfeld noch kaum vertreten.

Es stehen also vor allem Mädchen und Frauen in verschiedenen sozialen Schichten im Fokus. Wir erfahren mehr über ihre Herausforderungen und Lebenswege, die mich alle berühren und bewegen konnten. Männer werden auch beleuchtet, treten aber eher als Nebenfiguren in Erscheinung. Alle Personen, auch die Nebenfiguren sind vielschichtig und recht tiefgründig gezeichnet. Die Themen des Frauseins innerhalb oder auch gegen die gesellschaftlichen Konventionen werden gut herausgearbeitet.

Die Haupthandlung spielt einerseits in den 70er Jahren, andererseits in Rückblenden in den 50er Jahren, als der Erstgeborene, Bear, verschwand. Es gibt recht schnelle Perspektiv- und Zeitwechsel, so dass die Spannung durchweg hoch gehalten wird. Es liest sich flüssig und wirklich fesselnd. Es gibt einige sehr traurige und auch tragische Situationen, die mich berührten. Eine Situation zwischen der Mutter Alice und deren Schwester Delphine überraschte und schockierte mich etwas. Sehr schön hingegen empfand ich die zarten Freundschaften der Mädchen untereinander, aber auch die solidarische Unterstützung, die zwischen einigen Frauen gegeben wurde.

Besonders sympathisch erschien mir Louise, über sie oder auch über Tracy, hätte ich gern noch viel mehr erfahren. Ein wenig schade fand ich, dass die Kriminalinspektorin sehr viel Raum bekam, so wurde es doch eher zu einem Krimi.
Das Ende fand ich großartig!

Der Klappentext fasst die Thematiken des Romans tatsächlich sehr gut zusammen: soziale Ungleichheit, Wohlstandsverwahrlosung, Machtmissbrauch, Kampf um weibliche Selbstbestimmung und die große Wichtigkeit von Freundschaft.

Fazit: Ein spannender Krimi in einem interessantem Setting mit starken Elementen eines Gesellschaftsromans, der fesselt, bewegt und durch die Seiten fliegen lässt.

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Ein fesselnder und berührender Schmöker

The Favourites
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In diesem Roman steht das talentierte Eistanzpaar Katarina Shaw und Heath Rocha im Mittelpunkt. Beide stammen aus prekären Elternhäusern, mit Verlust- und Gewalterfahrung schon in der Kindheit. Schon früh, ...

In diesem Roman steht das talentierte Eistanzpaar Katarina Shaw und Heath Rocha im Mittelpunkt. Beide stammen aus prekären Elternhäusern, mit Verlust- und Gewalterfahrung schon in der Kindheit. Schon früh, ohne elterliche Unterstützung, waren sie auf sich selbst gestellt. Finanzielle Sorgen begleiten sie, da das Geld für ärztliche Versorgung, Trainer*innen und Kostüme verdient werden muss. Doch die Leidenschaft für den Eistanz sowie der Ehrgeiz, an die Spitze zu kommen und nicht zuletzt die Leidenschaft zueinander, treibt sie unermüdlich an. Ihr Ziel ist olympisches Gold. Doch als Außenseiter ist dies schwierig...

Der Aufbau des Romans hat mir sehr gut gefallen. Der Lebens- und Trainigsweg, der mit vielerlei Herausforderungen auf privater und sportlicher Ebene gepflastert ist, wird erzählerisch eingerahmt durch eine Fernsehshow. In dieser Fernsehshow kommen Journalisten, Trainer, Kokurrenten u.a. zu Wort , die ihre eigene Sicht der Geschehnisse darstellen und Hintergrundinformationen liefern.

Der Roman ist sehr flüssig geschrieben und ich war so gefesselt, dass ich ihn fast in einen Rutsch las. Gleichzeitig wird das Tempo immer wieder angetrieben, durch die Vorwegnahmen, dass es immer noch schlimmer komme. Gegen Ende wird es gar zu einem Krimi. Ich fieberte sehr mit, wobei ich gegen Ende doch auch etwas genervt war, da ich das fehlende professionelle Verhalten während der olympischen Spiele nicht mehr so ganz nachvollziehen konnte, wobei man die fehlende emotionale Kontrolle auch mit den nie aufgearbeiteten Kindheitstraumata begründen kann.

Die Figuren wurden teilweise vielschichtig und psychologisch interessant gezeichnet und ich konnte gut mitfühlen. Die Unermüdlichkeit und Zielstrebigkeit der Eistänzer imponierte mir sehr. Das Leben als Leistungssportler fand ich sehr realistisch nachgezeichnet, so dass man sich als Sportler gut wiederfinden kann. Die Liebes- und Beziehungsgeschichte zwischen Katarina und Heath berührte mich und auch hier imponierte mir die Beharrlichkeit und feste Bindung zueinander.

Thematisch beeindruckend fand ich die Darstellung, wie schwer es im Spitzensport ohne Geld und ohne gute Beziehungen ist. Die Chancen sind, auch im Sport, nicht unbedingt sozial gerecht verteilt. Zugleich wird gezeigt, wie sehr Konkurrenz, Neid, Rivalität im Leistungssport zu finden sind und es wird die Frage gestellt, wie Freundschaften und Fairness dort Platz haben. Zudem wird die Macht der Medien, auch insbesondere der sozialen Medien, thematisiert.

Besonders gefiel mir, dass sich die Autorin von der Wirklichkeit inspirieren liess, so dass man viele Geschehnisse auf tasächliche Begebenheiten innerhalb des Eiskunstlaufens/ des Eistanz zurückführen kann.

Fazit: Ein fesselnder Schmöker zum Abtauchen und Versinken, mit einem interessanten Aufbau, der den Eistanz als Leistungssport, teils durchaus kritisch, unter die Lupe nimmt und eine berührende Liebesgeschichte erzählt.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Idylle oder Rattenhaus

Im Schnee
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Ich habe das Hörbuch gehört, das von Thomas Loibl absolut hervorragend gelesen wurde – seine klare, angenehme Stimme mit stets angemessenem Tempo und Betonung trägt maßgeblich zur gelungenen Atmosphäre ...

Ich habe das Hörbuch gehört, das von Thomas Loibl absolut hervorragend gelesen wurde – seine klare, angenehme Stimme mit stets angemessenem Tempo und Betonung trägt maßgeblich zur gelungenen Atmosphäre bei.

Schorsch ist gestorben. Wir begleiten nun seinen Freund Max, den der plötzliche Tod sehr getroffen hat. Wir begleiten ihn 3 Tage. Eine Nacht lang wird Totenwacht gehalten, zuerst die Männer, dann die Frauen. Max bleibt die gesamte Wacht.

Die Geschichte wird ruhig erzählt, was dem 80-jährigen Max zugeschrieben werden kann, dessen Perspektive wir folgen. Obwohl ruhig erzählt, teilweise auch ganz erdend und besinnlich, sind seine erinnerten Erzählungen sehr bewegend und teilweise schockierend. Man erhält tiefe Einblicke in das dörfliche Leben der vergangenen 100 Jahre, in denen sich vieles im Verlauf der Zeit eklatant verändert hat. Es wird vom harten Bauernleben berichtet, aber auch vom Leben ganz nah an der Natur. Von einengenden Regeln und Konventionen, die manche traurige Realität schufen. Es werden Themen wie der Umgang mit Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen, zerrüttete Familien, Gewalt und Fremdenfeindlichkeit besprochen.

Philosophisch sinnierend über die stetigen Veränderungen und poetisch Bilder beschreibend, entsteht insgesamt eine sehr spezielle Atmosphäre – traurig, aber auch tröstend, besinnlich und im Kreislauf des Lebens. Alles wird stets mit viel Respekt und Wertschätzung erzählt.
Besonders berührend fand ich die Darstellung der Freundschaft bzw. Liebe zu Schorsch, die mir das Herz erwärmte.

Ein Kritikpunkt bleibt jedoch: Ich fand am Ende die Gestalt des Fotografen etwas unnütz. Hier hatte ich den Eindruck, dass der Autor sicherstellen wollte, und es im Dialog mit dem Fotografen aussprechen liess, dass die Lesenden wirklich das verstanden, was er aufzeigen wollte. Das fand ich schade, da er es doch im Verlauf schon wunderbar schaffte, die Thematiken und Fragen herauszuarbeiten, so dass der Lesende durchaus angeregt wurde, über die Veränderlichkeit der Zeit, über das dörfliche und auch städtische Leben, mit all seinen Widersprüchen, Vor- und Nachteilen nachzudenken. Bezüglich des Endes bin ich daher etwas zwiegespalten.

Ansonsten aber: große Hörempfehlung mit Nachhalleffekt! Es hat mir zudem so gut gefallen, dass ich es definitiv noch einmal hören werde.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Tragisch, spannend, interessante Vaterfigur

Irrfahrt
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Donald hat sich eine Auszeit genommen und segelt für einige Zeit. Die letzten zwei Tage vor seiner Heimkehr möchte er gemeinsam mit seiner 7-jährigen Tochter Maria über die Nordsee – von Dänemark in die ...

Donald hat sich eine Auszeit genommen und segelt für einige Zeit. Die letzten zwei Tage vor seiner Heimkehr möchte er gemeinsam mit seiner 7-jährigen Tochter Maria über die Nordsee – von Dänemark in die Niederlande – segeln. Seine Frau Hagar ist zunächst wenig begeistert, gibt dann aber doch nach. Anfangs verläuft alles reibungslos, bis plötzlich ein Sturm aufzieht.

Neben einer spannenden und abenteuerlichen Seglerfahrt handelt es sich hier auch um eine psychologische Erzählung, in der die Rollen von Vätern, Müttern und des kindlichen Seins in den Fokus rücken. Dies gefiel mir ausgesprochen gut, da hier einige interessante und tiefgründige Beobachtungen und Gedanken vermittelt werden.

Donald ist ein Vater, der nie wirklich erwachsen geworden ist, sich aber stets bemüht, ein guter Vater zu sein. Er liebt seine Tochter sehr, verbreitet jedoch gleichzeitig immer wieder Unruhe. Die Figur Donald hat mich nachhaltig beschäftigt – sein Vorname könnte evtl. auf den Segler Donald Crowhurst und dessen tragische Gestalt verweisen.

Als Ich-Erzähler entpuppt sich Donald bald als unzuverlässiger Erzähler – ein Stilmittel, das ich grundsätzlich sehr schätze. An einigen Stellen gibt es Einschübe aus Hagars Perspektive, wodurch auch ihre Sichtweise berücksichtigt wird. Die Erzählung ist äußerst spannend und an manchen Stellen sehr bedrohlich; teilweise war es für meine (mütterlichen) Nerven etwas zu intensiv. Eine emotionale Achterbahnfahrt, die ich jedoch durchaus genoss.

Der kurze Roman ist dicht geschrieben, besticht durch eine hohe Spannungskurve und eine feine psychologische Beobachtungsgabe. Er ist tieftraurig, dramatisch und tragisch – allerdings auf einer Ebene, die überraschend anders ist, als man zunächst vermuten könnte.

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Sehr berührend und bewegend

Russische Spezialitäten
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Die Familie der Hauptfigur eröffnet in Leipzig ein Geschäft für russische Spezialitäten. Die Eltern, in Russland aufgewachsen, lebten später eine Zeitlang in Kyjiw, wo dann ihr Sohn geboren wurde. Schließlich ...

Die Familie der Hauptfigur eröffnet in Leipzig ein Geschäft für russische Spezialitäten. Die Eltern, in Russland aufgewachsen, lebten später eine Zeitlang in Kyjiw, wo dann ihr Sohn geboren wurde. Schließlich wanderten sie nach Deutschland aus. Der erste Teil des Buches spielt in Leipzig, während der zweite Teil den Sohn zurück nach Kyjiw führt. Dort möchte er sich ein eigenes Bild von der Kriegssituation machen und alte Freunde wiedersehen. Der Buchtitel trägt dabei eine tiefere, mehrschichtige Bedeutung.

Dieser feinfühlige Roman erzählt zum einen eine bewegende Familiengeschichte und setzt sich eindrucksvoll mit den Themen Sprache, Identität, Identitätssuche und Zugehörigkeit auseinander. Besonders im Fokus steht der Konflikt zwischen dem Sohn und seiner Mutter, die sich – für ihn völlig unverständlich – auf die Seite Russlands stellt und der dortigen Propaganda Glauben schenkt. Auch die Beziehung zum Vater ist kompliziert, da dieser an Demenz erkrankt ist. Ein weiteres, sehr bewegendes Thema wird geschickt und aufrüttelnd in den Roman eingeflochten – mehr möchte ich dazu jedoch nicht verraten.

Zum anderen ist dieser Roman vor allem ein eindringlicher Anti-Kriegsroman. Er verdeutlicht die Absurdität des Krieges, die Zerstörung von Menschlichkeit und die tiefen Gräben, die er zwischen Familien und Freunden reißt. Zugleich erhält man viele aufschlussreiche Einblicke in die Ukraine und Russland und die enge, historische Verbundenheit zwischen den beiden Schwesterländern wird ersichtlich.

Die Handlung ist in die aktuelle deutsche Gegenwart eingebettet und thematisiert die wachsende Bedrohung durch den Aufstieg rechtsextremer Parteien. Es wird spürbar, wie fragil das Gefühl von Sicherheit dadurch wird.

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive der Hauptfigur erzählt, wodurch man seine Gedanken und Gefühle unmittelbar miterlebt. Der Schreibstil ist flüssig und ansprechend, auch wenn ich anfangs etwas Eingewöhnungszeit brauchte. Die Figuren sind lebendig und zugänglich, und man begegnet im Verlauf der Handlung humorvollen, schrägen sowie liebenswerten Charakteren.

Fazit: Ein hochaktueller und tiefgründiger Roman, der Hintergründe beleuchtet, aufrüttelt und zum Nachdenken anregt. Dabei ist er zugleich humorvoll, berührend und sensibel erzählt. Ein absolutes Lesehighlight mit einer klaren Empfehlung!

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