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Veröffentlicht am 24.12.2024

Einblick in die aktuelle Politik und Lebenswirklichkeit Russlands

Pop-up-Propaganda
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Sehr erschütternd. Die Autorin, eine russische Journalistin, hat hier eine Menge detaillierter Informationen zusammengetragen, die aufzeigen, wie Russland zu einem totalitären Regime geworden ist. Sie ...

Sehr erschütternd. Die Autorin, eine russische Journalistin, hat hier eine Menge detaillierter Informationen zusammengetragen, die aufzeigen, wie Russland zu einem totalitären Regime geworden ist. Sie stellt Hintergründe und den Verlauf besonders seit der 90er Jahre dar und hat insbesondere die Politik Putins und dessen Propaganda sowie den Ukrainekrieg im Blick.

Sie zeigt die Nutzung der Sprache mit dem Ziel die Wirklichkeit zu verdrehen, wie massive Propaganda Einzug in die Bildungseinrichtungen, auch Grundschulen gehalten hat. Sie zeigt, wie Medien zensiert und gleichgeschaltet werden, wie gezielte Falschinformationen in einem erheblichen und wirklich erschütternden Ausmaß gestreut werden, so dass Hass, Verstörung und Angst generiert und Feindesbilder (USA, Europa, Ukraine, Feministinnen, Demokratinnen, LGBTIQ) geschaffen werden. Sie zeigt, wie die Hassrede und gewaltvolles Reden in Breite normalisiert wurden, wie Verschwörungstheorien, Okkultismus und Pseudowissenschaften gezielt staatlich gefördert werden. Sie zeigt die Praxis und Folgen, wenn man als "ausländischer Agent" geführt wird. Jegliche Andersdenkende werden mit hohen Geld- und Haftstrafen belegt und deren Familien mitschikaniert. Viele sind emigriert, die Opposition ist jedoch zerstritten.

Die Autorin beschreibt die Praxis der Gerichtsbarkeit, in denen Willkür herrscht sowie die Praxis der Polizistinnen, die ihr Plansoll erfüllen müssen. Die Unterstützung durch die russisch orthodoxe Kirche wird deutlich, auch wie dort Reden für den Frieden und die Wahheit unterdrückt werden. Sie berichtet von den manipulierten Wahlen und zeigt den Konflikt zwischen dem Anspruch eines russischen Imperiums versus des Unabhängigkeitswillens der Teilrepubliken.

Die Autorin gibt zudem einen kleinen Ausblick, wie Veränderungen möglich wären. Hier findet man jedoch keine neuen Ansätze, keine neuen Ideen, als diejenigen, die seit Jahrzehnten benannt werden (Sanktionen, Einigkeit der Opposition). Sie sagt und begründet, dass von innen heraus momentan kaum demokratische Veränderungen möglich sind.

Das Werk habe ich in Abschnitten gelesen. Es ist gut lesbar. Hilfreich sind Kenntnisse über die russische Historie, unbedingt notwendig sind sie jedoch nicht. Die Fülle des Materials hat mich überzeugt. In der Gänze war ich sehr bewegt, gar erschüttert und sogar etwas beängstigt. Ich wußte einiges, aber nicht alles und vor allem nicht, welch enormes Ausmaß das alles hat. Daher konnte ich nun endlich verstehen, warum viele Russ
innen den Krieg gegen die Ukraine bejahen.
Fazit: Ein bewegender und erhellender Einblick in die aktuelle Politik und Lebenswirklichkeit in Russland.

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Veröffentlicht am 06.12.2024

Vielschichtiger, kritischer, zu Herzen gehender Blick in die russische Gesellschaft

Der Schatten einer offenen Tür
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Ich kenne und schätze den Autor sehr, weshalb ich genau wusste, worauf ich mich einlasse: einen tiefgehenden, kritischen Blick auf die russische Gesellschaft, gewürzt mit satirischem und schwarzem Humor ...

Ich kenne und schätze den Autor sehr, weshalb ich genau wusste, worauf ich mich einlasse: einen tiefgehenden, kritischen Blick auf die russische Gesellschaft, gewürzt mit satirischem und schwarzem Humor sowie emotionaler Intensität.

Die Rahmenhandlung des Romans wird durch vier Suizide von Bewohnerinnen eines Kinderheims in der russischen Provinz geprägt, das in der Stadt Ostrog ("Gefängnis") liegt – einer Ortschaft, die rund um eine Strafanstalt entstanden ist. Der Originaltitel "Rückkehr nach Ostrog" trägt durchaus eine vielschichtige Bedeutung, die sich in diesem kurzen Roman entfaltet.
Die Suizide haben eine hohe Medienwirksamkeit, weshalb ein Kommissar aus Moskau zusammen mit seinem Assistenten entsandt wird, um den Fall zu untersuchen und der Öffentlichkeit zu signalisieren, dass Maßnahmen ergriffen werden. Der Kommissar hat dafür vier Tage Zeit, die die eigentliche Erzählhandlung umfassen.
Kommissar Koslov, ein Kriegsveteran aus Tschetschenien, ist ein kluger und gewissenhafter Mann, der jedoch aus der Bahn geworfen ist, da ihn die Trennung von seiner Frau vor einigen Jahren stark getroffen hat. Sie fragte ihn einmal ernsthaft verwundert: „Du hast so eine Katastrophe [Tschetschenienkrieg] verdaut, wie kann es da sein, dass du mich nicht vergessen kannst?!“ Sein Assistent ist ein stets gut gekleideter junger Mann, der wenig Interesse an der eigentlichen Ermittlungsarbeit zeigt und diese eher widerwillig erledigt.
Der Revierinspektor vor Ort, sieht nur noch die reale Trostlosigkeit, den nahenden Winter, der mit Stromausfällen, eingefrorenen Rohren und erforenen Säufern in der Schneewehe daher kommen wird und für den nur das Recht des Stärkeren gilt. Nur mit Gewalt lasse sich der Frieden in dieser besch... Welt herstellen.
Eine weitere Hauptfigur ist Petja, ein ehemaliges Heimkind. Er gilt als der "Dorftrottel" und ist zwar ein etwas eigenwilliger junger Mann, aber der Einzige,der fest an Werte und Überzeugungen glaubt. Er denkt und lebt nach humanistischen Prinzipien, wird jedoch von allen verspottet und nicht ernst genommen.

Der Roman ist in "Gesänge", gleich einer griechischen Tragödie unterteilt, die in schneller Abfolge wechseln und verschiedene Perspektiven sowie Zeiten beleuchten. Immer wieder werden Bezüge zur griechischen Mythologie oder Griechenland hergestellt, zudem auch eine Reise nach Griechenland eine wichtige Rolle spielt.
Wie es in Russland üblich ist, findet man Anspielungen auf russische Werke und es fließen Zitate aus Liedern, Gedichten und Filmen ein, die in Fußnoten erläutert werden.

Im Fokus steht zum einen die Lösung des Falls- waren es wirklich Suizide oder gar Morde? Zum anderen wird die russische Gesellschaft beleuchtet und insbesondere die prekäre und harte Lage von Heimkindern in der russischen Provinz. Ihre Herkunft, Lebenslage und Lebensperspektiven werden hier eindrücklich dargestellt.
Erwähnenswert ist zudem die kleine Nebengeschichte um die siamesischen Zwillinge Vera und Ljubov (Glaube und Liebe), die aufgrund des Ukrainekrieges in einen unversöhnlichen Streit geraten sind, da die eine auf der Seite Russlands und die andere auf der Seite der Ukraine steht. Ebenfalls erwähnenswert ist eine in sich geschlossene Kurzerzählung, die die Absurdität des russischen Justizsystems thematisiert.

Dern Roman konnte ich gut in einem Rutsch lesen, ich fand ihn fesselnd, spannend und interessant. Ich empfand das Setting sehr realistisch und glaubhaft gezeichnet, manchmal vielleicht etwas überzeichnet- aber diesen Humor braucht man auch, um gewisse bittere Realitäten zu ertragen. Eine der Rezensentinnen bemerkte, dass ihr bei diesem Roman das Herz gebrochen wurde – und genau so erging es mir auch.
Der vielleicht einzige Kritikpunkt, den ich anbringen möchte, ist, dass der Autor an einigen Stellen ruhig etwas mehr ins Detail hätte gehen können, um den Figuren noch näher zu kommen und noch mehr die Lebensrealität kennen zu lernen.

Insgesamt handelt es sich um einen dichten Roman, der spannend und berührend, gleichzeitig kritisch und humorvoll ist und mich nachdenklich, betroffen und etwas hoffnungslos zurücklässt. Geeignet für Menschen, die sich mit den russischen Verhältnissen auskennen oder auch für Menschen, die einen Einblick in russische Verhältnisse gewinnen möchten.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Schöne Zeichnungen, Text etwas sperrig

Murmelschreck und der Pantoffelfresser
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Meine 6 jährigeTochter hat sich das Buch selbst in der Buchhandlung ausgesucht, aufgrund der farbenfrohen und fantasievollen Illustrationen.
Das Buch besteht aus vier Geschichten innerhalb eines Rummelplatzes, ...

Meine 6 jährigeTochter hat sich das Buch selbst in der Buchhandlung ausgesucht, aufgrund der farbenfrohen und fantasievollen Illustrationen.
Das Buch besteht aus vier Geschichten innerhalb eines Rummelplatzes, in dem verschiedene, wiederkehrende Figuren im Mittelpunkt stehen. Es geht um Murmelschreck den Troll und seine Frau Mimi der Elfe. In der einen Geschichte werden sie von einem Pantoffelfresser ausgetrickst, in einer anderen Geschichte tritt Murmelschreck bei einem Hässlichkeitswettbewerb an. Eine weitere Geschichte handelt von der Wahrsagerin Madame Suzette und ihren Gemahl Erwin, die Amsel, wobei Erwin der eigentliche Wahrsager ist, aber in einem wichtigen Moment krank wird.
Der Rummel wird durch Mecki, den Messerweffer, die Frau mit Bart, dem Zauberer Adalbert Bombasto Ceralius und einigen anderen komplettiert.

Die Geschichten sollen vor allem humorig und gut unterhaltend sein. Das gelingt leider nur zum Teil.

Die Illustrationen sind sehr schön und auch bedeutend schöner als der Text. Nur fand ich die Amsel nicht gelungen, da sie wie ein Specht aussah, was mich immer wieder irritierte. Die Texte fand ich zum Vorlesen manchmal zu sperrig und auch der Humor kam nicht so richtig an. Leider waren manche Worte zu kompliziert und manche Wortspielereien kamen beim Vorlesen nicht so richtig an. Die Kinder und ich auch, verloren so ein wenig die Lust beim Vorlesen. Dennoch blieben die Kinder dran und wir lasen die Geschichten über mehrere Tage verteilt, mit einer längeren Pause dazwischen. Die recht speziellen, durchaus interessanten Figuren fand ich teilweise zu unübersichtlich. Sehr hilfreich war es aber, für die Kinder, dass jede Figur auch illustriert wurde, und so dann doch die Übersicht wieder hergestellt werden konnte.

Die Altersempfehlung ist für Kinder ab 5 Jahre. Ich denke jedoch, das Buch ist eher für Ältere geeignet, vielleicht auch für Kinder, die schon selber Lesen können, da manche Wortspielereien erst beim Selbstlesen zum Tragen kommen und die Geschichten auch relativ lang sind.

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Veröffentlicht am 02.11.2024

Sehr informativ, spannend und inspirierend

Steine und Gebeine
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Ein Sachbuch für Kinder über die Entstehung und Entwicklung der Erde. Es werden die erdgeschichtlichen Epochen, mit ihren jeweiligen Besonderheiten, bezogen auf die Tier- und Pflanzenwelt dargestellt. ...

Ein Sachbuch für Kinder über die Entstehung und Entwicklung der Erde. Es werden die erdgeschichtlichen Epochen, mit ihren jeweiligen Besonderheiten, bezogen auf die Tier- und Pflanzenwelt dargestellt. Einzelne Tiere werden dabei ein wenig tiefer vorgestellt, wie z.B. Dinosaurier, Terrorvögel, der Maiasaura, der Archeopteryx, Morganucodon, der Lystrosaurus, die Triloviten. Zudem wird die Entwicklung der Wale sowie die Evolution des Menschen dargestellt.

Da durch Fossilien Erkenntnisse über die Erdgeschichte gewonnen werden, wird zudem erklärt, was Fossilien sind,wie sie entstehen, wo und wie sie gefunden werden. Man erfährt, warum Fossilienfunde von Landtieren eher selten sind und es sehr viel mehr Funde aus den Meeren gibt.
Man erfährt über verschiedene Gesteinsschichten und auch über dier Entwicklung und Veränderung der Kontinente.
Abschließend wird auf den Beruf des Paläontologen eingegangen und ein Glossar beigefügt.

Auf die manchmal schwierigen lateinischen Bezeichnungen der Erdepochen und Tiere muss man sich einstellen. Die Dinge werden aber farbenfroh und übersichtlich dargestellt, so dass man den Erläuterungen gut folgen kann. Es ist schon auch ziemlich beeindruckend, wie die Erde sich über Milliarden von Jahren verändert hat, und auch beeindruckend, wie die Autoren es geschafft haben, dies komprimiert und doch mit spannenden Details übersichtlich aufzuzeigen.

Meine Kinder, knapp 7 Jahre, sahen sich mit mir das Buch gemeinsam an. Sie waren sehr interessiert und entwickelten sehr viele Fragen. Sie fanden die dargestellten Fakten und Zusammenhänge sehr spannend. Es inspirierte uns, so dass Neugier geweckt wurde, einzelne Dinge nochmal tiefer zu beleuchten. Meine Kinder waren wirklich sehr begeistert. Bei mir weckte es auch Interesse an anderen Büchern des Verlags aus dieser Reihe!

Ein sehr empfehlenswertes Übersichtswerk für Kinder!

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Veröffentlicht am 07.03.2021

Sehr enttäuscht

Big Sky Country
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Diesen Roman, von dem ich viel erwartet hatte und dessen klarer Schreibstil mir so gut gefiel, habe ich enttäuscht und angewidert kurz vor der Hälfte abgebrochen. Achtung Spoiler.
Hier wird eine Mehrfachvergewaltigung ...

Diesen Roman, von dem ich viel erwartet hatte und dessen klarer Schreibstil mir so gut gefiel, habe ich enttäuscht und angewidert kurz vor der Hälfte abgebrochen. Achtung Spoiler.
Hier wird eine Mehrfachvergewaltigung einer jungen Frau durch verschiedene junge Männer beschrieben, die ich in dieser Form nicht lesen wollte. Es sollte darum gehen, wie August, der jugendliche Hauptprotagonist seine erste richtige Freundin kennen lernt. Da der Autor sehr bildhaft, fesselnd und atmosphärisch schreibt, war ich sehr nah dran am Geschehen und wurde von der folgenden Vergewaltigung wirklich überrascht und überrumpelt (wer lernt seine zukünftige Freundin schon bei einer Mehrfachvergewaltigung kennen) Ich war so angeekelt, dass ich das Buch an dieser Stelle wirklich beendete. Ich las noch kurz in den Schluss hinein, aber für mich hatte sich die Lektüre damit erledigt. Ich empfand es reißerisch, effekterheischend und unsensibel vom Autor.

Generell geht es manchmal recht rau und brutal zu. Schon die Eingangszene mit den massenhaft getöteten Katzen, die ich etwas überlesen hatte, da ich es nicht ertrug, hätte mich vielleicht warnen können. Andererseits gefiel mir dieser ungeschönte und direkte Blick auch...erstmal.

Ich hatte wirklich große Lust auf diese Sozialstudie des Mittleren Westens sowie Montanas zu Zeiten von George Bush. Ich wollte gern wissen, welches Menschenbild der Autor zeichnet, welche Erfahrungen und Überlegungen er einfließen lässt. Ich war sehr neugierig auf August, der so verschlossen mit dem Strom schwimmt und seinen eigenen Weg nach der Trennung seiner Eltern finden muss. Ich wollte gern wissen, wie August sich entwickelt und wofür er sich entscheidet. Ich war bereit mich auf die Figuren, ihre Gedanken und Gefühle einzulassen, doch nach dieser Vergewaltigungsszene hatte ich jegliches Interesse am Werk und auch am Autoren verloren. Schade.

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