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Veröffentlicht am 14.06.2022

Freundschaft zu DDR-Zeiten mit all ihren Höhen und Tiefen

Die Freundinnen vom Strandbad (Die Müggelsee-Saga 1)
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Das Buch ist mir durch das Cover und den Titel sofort ins Auge gefallen und war schon im Vorfeld mein Sommerroman.

Seit einem heißen Julitag 1956, als Betty, Martha und Clara einen älteren Herren gemeinsam ...

Das Buch ist mir durch das Cover und den Titel sofort ins Auge gefallen und war schon im Vorfeld mein Sommerroman.

Seit einem heißen Julitag 1956, als Betty, Martha und Clara einen älteren Herren gemeinsam vor dem Ertrinken retteten, sind sie unzertrennliche Freundinnen.

Die eigentliche Handlung beginnt 1960. Die drei siebzehnjährigen Mädels leben in Ost-Berlin in der Nähe des schönen Müggelsees, wo sie sich an heißen Sommertagen treffen und ihre Jugend genießen. Noch sind die Grenzen offen, die sozialistischen Ideologien für das politische System der DDR sind allgegenwärtig und bestimmen das Leben.

Betty, Martha und Clara kommen aus sehr unterschiedlichen Familienverhältnissen und ihre Eltern haben gegenüber dem Regime abweichende Auffassungen. Betty ist die Tochter des Strandbadpächters, sehr hübsch und weiß ihre Reize einzusetzen. Ihr größter Traum ist es, Schauspielerin zu werden. Marthas Eltern sind dem Staat sehr zugetan und für Martha ist es eine Selbstverständlichkeit in der FDJ zu sein. Claras Eltern hingegen sind gegen das Regime, was sich natürlich für die Familie sehr nachteilig auswirkt. Claras großer Traum wäre es Kosmonautin zu werden, doch die Möglichkeit wird ihr in der DDR verwehrt bleiben, wenn sie sich nicht anpasst.

Trotz der Unterschiedlichkeit der Mädchen sind sie immer füreinander da und stehen für den jeweils anderen ein. Die Geschichte umfasst tatsächlich nur 1 Jahr, in dem die Drei durch Höhen und Tiefen gehen. Partys, erste Küsse, Zuneigung und Enttäuschung erleben. Es ist ihr Abiturjahr, nachdem sich ihr weiteres Leben entscheiden wird.

Ein Eintauchen in die Vergangenheit der DDR, Konflikte mit den Ideologien, Entwicklung der Protagonistinnen, Familiengeheimnisse, Tod und viele Emotionen, all das auf 600 Seiten zusammengefasst, war sehr spannend zu lesen. Die Charaktere der einzelnen Personen werden so authentisch dargestellt, dass man wirklich zu dem Einen oder Anderen eine gewisse Verbundenheit entwickelt hat. Durch den lockeren flüssigen Schreibstil sind die Seiten nur so dahingeflogen und haben mich als Leserin mitgenommen auf eine bewegende Reise an den Müggelsee der 1960’er Jahre.

Bis auf einige biographische Fehler bei einzelnen Personen fand ich das Buch richtig super und bin schon ganz gespannt auf den nächsten Teil. Von mir gibt es hier eine klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.06.2022

Nervenkitzel pur - Abgründe der menschlichen Seele

Der Zoom-Killer (Tom-Bachmann-Serie 2)
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Es scheint eine ganz normale Videokonferenz zu werden, wie es in der heutigen Zeit so üblich ist. Doch plötzlich huscht ein Schatten durchs Bild und schon wird einer der Teilnehmer mit einem Messer attackiert. ...

Es scheint eine ganz normale Videokonferenz zu werden, wie es in der heutigen Zeit so üblich ist. Doch plötzlich huscht ein Schatten durchs Bild und schon wird einer der Teilnehmer mit einem Messer attackiert. Alle weiteren Anwesenden müssen live mitverfolgen, denn keiner darf auf Anweisung des Täters wegsehen, wie er vor laufender Kamera unter schmerzerfüllten Schreien zu Tode gequält wird. Blut überall, die Teilnehmer traumatisiert. Keine Anhaltspunkte.

Für das Team um den Profiler Tom Bachmann vom BKA stellt sich die Frage, warum der Täter sein Opfer vor laufender Kamera quälen muss und welche Beziehung zu dem Opfer besteht. Unausweichlich muss Tom sich mit seinen eigenen tiefsten Abgründen und seiner Vergangenheit auseinandersetzen, um dieses abartige Vorgehen zu durchschauen und in die Seele des Täters blicken zu können.

Dies ist der zweite Band der Tom Bachmann Reihe des Autors Chris Meyer und steht dem Ersten in nichts nach. Für die Handlung ist es nicht unbedingt notwendig, den ersten Teil gelesen zu haben, da es immer wieder Rückblenden in Toms Kindheit gibt.

Die Spannung wird von Anfang an auf einem sehr hohen Niveau gehalten und wird durchgängig bis zum Ende beibehalten und auch der flüssige Schreibstil macht diese Lektüre wieder zu einem absoluten Pageturner. Die Handlung ist sehr gut durchdacht und konstruiert, doch allerdings nichts für schwache Nerven. Auch sexuelle Gewalt an Frauen wird hier thematisiert mit Einblicken in die Abgründe der menschlichen Seelen.

Tom hat natürlich aufgrund seiner Vergangenheit zwischenmenschliche Defizite und ihm wird hier ein ganz spezieller Charakter zuteil. Auch alle anderen Charaktere sind gut ausgearbeitet und authentisch. Ira mag ich als Ermittlerin an der Seite von Tom sehr gerne.

Ich bin ein Fan von Buch-Reihen und verfolge gerne die Entwicklung der Protagonisten. Sehr beeindruckend finde ich hier das Cover, dass gestaltungstechnisch wieder ein Eyecatcher ist und in seiner Individualität absolut vom ersten Band abweicht, echt klasse.

Mich hat diese Lektüre völlig in seinen Bann gezogen und für Thrillerfans mit starken Nerven ist dieses Buch bestimmt ein absolutes Lesehighlight, also von mir eine ganz klare Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.06.2022

Spannender Fall für das Dreier-Team

Die Leere der Nacht
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Da ich den Vorgängerteil nicht gelesen habe, ist es meine erste Begegnung mit Alina Grimm, die in ihrer neuen Tätigkeit als Privatermittlerin fungiert, nachdem sie ihre Polizeilaufbahn an den Nagel gehängt ...

Da ich den Vorgängerteil nicht gelesen habe, ist es meine erste Begegnung mit Alina Grimm, die in ihrer neuen Tätigkeit als Privatermittlerin fungiert, nachdem sie ihre Polizeilaufbahn an den Nagel gehängt hat. Ihr zur Seite stehen Elias, der nach der Ermordung seines ehemaligen Arbeitgebers ein stattliches Vermögen geerbt hat, sowie Lennart, ihr oft erwähnter ehemaliger Klassenkamerad, der früher nicht ganz so legalen Tätigkeiten nachgegangen ist.

Ein Brief des Journalisten namens Ignaz Mank erreicht die Drei, doch als sie mit ihm in Kontakt treten wollen, erfahren sie, dass sich der Journalist in der Nacht zuvor das Leben genommen hat. Doch warum sollte jemand um Hilfe bitten und sich dann selbst töten? Außer einem Zeitungsartikel und einem darauf notierten Datum gibt es keinerlei Hinweise darauf, warum er ihre Hilfe benötigt haben könnte. Sogleich nimmt Alina ihre Recherche auf und stößt alsbald auf einen Fall, bei dem die Explosion einer Autobombe drei Menschen das Leben gekostet hat. Wie es scheint, wurden davon zwei Personen als Unbeteiligte eingestuft und die dritte Person war ein stadtbekannter Krimineller. Trotz intensiver Ermittlungsarbeit war es dem LKA nicht gelungen den Täter zu ermitteln noch weitere Erkenntnisse über die Autobombe in Erfahrung zu bringen. Bei Alinas weiteren Nachforschungen entdeckt sie Zusammenhänge zu einer Umweltschutzorganisation und einem anderen Fall. Schnell ist ihr klar, dass Menschenleben in Gefahr sind und das Konsortium alle Personen aus dem Weg räumt, nur um ihre Interessen zu verwirklichen.

Die Handlung ist gut konstruiert und erst nach und nach erfährt der Leser die Zusammenhänge. Dadurch wird der Spannungsbogen kontinuierlich hochgehalten. Der Schreibstil ist sehr flüssig, wobei die ersten 30 Seiten mit so vielen Namen gespickt sind, dass man hier etwas den Überblick verliert. Eine Namensliste am Anfang des Buches wäre hier sehr hilfreich gewesen. Leider gab es hin und wieder Zeilen ohne Leerschritte, die den Lesefluss sehr gestört haben. Auch der permanente Hinweis, dass Lennart der ehemalige Klassenkamerad von Alina war, hat mich gestört. Die Aufklärung, wer hinter dem Konsortium steckt, wurde dem Leser vorenthalten.

Die drei sympathischen Protagonisten werden mit ihren unterschiedlichen Charakteren und Fähigkeiten sehr authentisch dargestellt.

Das Cover mit den glühenden Kohlen passt meiner Meinung nach perfekt zu diesem Krimi, wobei mir bei dem Titel noch eine Assoziation fehlt. Das Buch hat eine besondere weiche Haptik und ist sozusagen ein Handschmeichler, der beim Lesen auch super in der Hand liegt.

Fazit:

Der Autor war eine Neuenddeckung für mich, die Handlung gut konstruiert und der Unterhaltungs- und Spannungsfaktor hoch. Ich kann hier eine klare Leseempfehlung aussprechen.

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Veröffentlicht am 01.05.2022

Humorvoller Cosy Krimi aus Schweden

Der Tod macht Urlaub in Schweden
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Peter Vinston, Stockholmer Star-Ermittler, bekommt von seinem Arzt eine Auszeit verordnet, da er immer wieder von Ohnmachtsanfällen heimgesucht wird. Letzte Untersuchungsergebnisse stehen allerdings noch ...

Peter Vinston, Stockholmer Star-Ermittler, bekommt von seinem Arzt eine Auszeit verordnet, da er immer wieder von Ohnmachtsanfällen heimgesucht wird. Letzte Untersuchungsergebnisse stehen allerdings noch aus. Seine Ex-Frau Christina bietet ihm an, in dem Ferienhaus ihres neuen Ehemannes, sich von seiner angeschlagenen Gesundheit zu erholen. So kann er auch gleichzeitig näher bei seiner Tochter sein, deren sechzehnter Geburtstag kurz bevorsteht. Leider ist die südschwedische Gemeinde Österlen momentan nicht ganz so beschaulich. Die Starmaklerin und TV-Star Jessi Anderson hat begonnen am Strand von Gislövsstrand Luxusvillen zu errichten, was den einheimischen Bewohnern so gar nicht behagt. Nach den ersten Besichtigungen wird die Maklerin tot aufgefunden. Die junge Kriminalassistentin Tove Esping von der örtlichen Polizei Simrishamn wird mit den Ermittlungen beauftragt. Da Peters Ruf ihm vorauseilt, wird er als Berater bei den Ermittlungen hinzugezogen. Es ist Toves erster richtiger Fall und sie ist nicht gerade begeistert, Peter mit seinem extravaganten Dresscode ständig an ihrer Seite zu haben. Jetzt gilt es zu ermitteln, ob es nur ein Unfall oder sogar ein Mord war. An Verdächtigen mangelt es nicht.

Der Schreibstil der Autoren ist flüssig, humorvoll und spannend. Durch die bildhafte Beschreibung fühlt sich der Leser sofort in die sommerlich südschwedische Landschaft versetzt. Alle Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und der Hauptprotagonist Peter mit seinen doch sehr speziellen Eigenheiten wird gleich zum Sympathieträger. Auch Tove, als doch sehr ländliche Polizistin, besticht durch ihren Ermittlungseifer und ihre Gewissenhaftigkeit, jedes kleinste Detail in den Ermittlungen nicht zu übersehen. Alle unterschiedlichen Charaktere, die in diesem Krimi mitwirken, findet der Leser in einer Personengalerie am Anfang des Buches. Auch das Klappcover ist sehr schön gestaltet mit dem kleinen typischen falunroten Ferienhaus. Im Inneren gibt es eine einfache Karte über die Region Österlen und den Orten, die in dieser Geschichte erwähnt werden.

Rundherum ein Wohlfühlkrimi, für den ich gerne eine Empfehlung aussprechen kann.

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Veröffentlicht am 20.04.2022

Spannendes Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte

Die Diplomatenallee
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Bonn 1974, Peter und Heike betreiben ein kleines Schreibwarengeschäft, dass Heike nach dem Tod ihrer Eltern übernommen und nach der Heirat an Peter übergeben hat. Durch Haushalt und Kinder hilft sie jetzt ...

Bonn 1974, Peter und Heike betreiben ein kleines Schreibwarengeschäft, dass Heike nach dem Tod ihrer Eltern übernommen und nach der Heirat an Peter übergeben hat. Durch Haushalt und Kinder hilft sie jetzt nur noch manchmal aus. Das Schreibwarengeschäft befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Bonner Regierungsviertel. Der kleine Laden hat ein ausgewähltes Sortiment und ihre Kundschaft reicht vom Rentnerehepaar bis hin zum Abgeordneten. Nach einer schweren Kindheit und Jugend ist es jetzt für Heike das ideale Leben und könnte immer so weiter gehen. Doch eines Tages steht ihr alter Universitäts-Professor, Leiter des Instituts für Graphologie, bei ihr im Laden. Heike war seinerzeit eine begnadete Studentin der Graphologie und konnte aus jeder Handschrift die größtmöglichen Rückschlüsse auf eine Person ermöglichen. Diese Begabung wurde frühzeitig von Prof. Buttermann erkannt und gefördert bis es einst zu sehr schwerwiegenden Vorkommnissen kam und sie weder mit Prof. Buttermann noch mit der Graphologie mehr etwas zu tun haben wollte. Zudem ist der Professor in den Aufbau der Ständigen Vertretung der DDR in Bonn involviert. Ungewollt gerät Heike in die prekäre Situation doch noch mit Prof. Buttermann zusammenarbeiten zu müssen und wird immer tiefer in politische Machenschaften hineingezogen.

Ein sehr spannendes und unbekanntes Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte. Das Buch hat mich, bis auf kleine Passagen, vom Anfang bis zum Ende gepackt. Heike ist der stärkste Charakter, wobei auch Prof. Buttermann ein sehr ausgeprägter und spezieller Charakter zuteilwurde. Peter wurde auf Grund der zwei starken Protagonisten eher zur Randerscheinung.

Ich wusste nicht, dass die Graphologie in der Vergangenheit einen so hohen Stellenwert hatte und u.a. Politik, Wirtschaft, Justiz und das Militär sich bei ihren Auswahlverfahren darauf gestützt haben. Die Autorin hat im Nachwort noch einige wissenswerte Erläuterungen zu ihren Recherchen parat. Für mich war es eine sehr interessante Zeitreise in die siebziger Jahre zur Zeit des Kalten Krieges in Deutschland.

Das Cover finde ich richtig gut gelungen, denn die dominierenden Farben gelb und grün spiegeln sich in der gesamten Gestaltung des Buches wider, sehr schön.

Ich kann hier eine ganz klare Leseempfehlung aussprechen.

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