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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.04.2026

"Wer weiß... vielleicht ist dieser Ort wirklich genau das, was ich gebraucht habe."

Happy Head
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„Happy Head“ ist eine sehr gelungene Kombination aus Jugendbuch, Dystopie und Thriller. Die Geschichte begleitet den Protagonisten Seb während eines zweiwöchigen Programms, das Jugendliche wieder glücklich ...

„Happy Head“ ist eine sehr gelungene Kombination aus Jugendbuch, Dystopie und Thriller. Die Geschichte begleitet den Protagonisten Seb während eines zweiwöchigen Programms, das Jugendliche wieder glücklich machen und sie in die Gesellschaft reintegrieren soll. Schon früh wird deutlich, dass hinter diesem Konzept weit mehr steckt, als es zunächst scheint.
Seb ist ein ausgesprochen sympathischer Protagonist, und ich habe seine Entwicklung im Laufe der Handlung sehr gerne verfolgt. Seine inneren Konflikte, Zweifel und Ängste sind beinahe greifbar und lassen einen als Leser stark mitfühlen. Gerade dieser psychologische Aspekt macht die Geschichte besonders intensiv und eindringlich.
Auch die Nebencharaktere sind sorgfältig ausgearbeitet und vielschichtig. Keine der Figuren wirkt beliebig oder eindimensional, ihr Handeln bleibt durchgehend nachvollziehbar und konsistent. Dadurch fühlt sich die dargestellte Welt sehr authentisch an.
Die Grundidee hinter „Happy Head“ ist brandaktuell und erschreckend realistisch umgesetzt. Themen wie gesellschaftlicher Leistungsdruck, mentale Gesundheit und die Frage nach echtem Glück werden eindrucksvoll aufgegriffen. Der Schreibstil überzeugt durch seine Direktheit und Modernität und passt hervorragend zur Zielgruppe sowie zur Thematik. Der Spannungsbogen bleibt über die gesamte Geschichte hinweg konstant hoch, ohne dass Längen entstehen.
Besonders gelungen ist die Verbindung aus spannender Handlung und gesellschaftlicher Kritik. Ohne zu spoilern regt das Buch nachhaltig dazu an, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und die eigene Vorstellung von Glück zu hinterfragen.

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  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

"Es gibt Dinge da draußen, für die es sich lohnt zu sterben."

Imperia - you let the fire in
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Als langjähriger Fan von Dystopien habe ich mich sehr gefreut, einen Abstecher in die Welt von „Imperia“ machen zu dürfen, wofür ich der Autorin herzlich danke.
Wir begleiten die Protagonistin Jara auf ...

Als langjähriger Fan von Dystopien habe ich mich sehr gefreut, einen Abstecher in die Welt von „Imperia“ machen zu dürfen, wofür ich der Autorin herzlich danke.
Wir begleiten die Protagonistin Jara auf ihrem Weg aus einer homogenen Diktatur, in der ausschließlich Frauen leben, hinein in eine freie Welt, in der Menschen grundsätzlich harmonisch zusammenleben – zumindest größtenteils. Die zugrunde liegende Idee fand ich spannend und vielversprechend.
Das Worldbuilding von Imperia selbst fällt eher punktuell aus, da dieser Welt insgesamt nur vergleichsweise wenig Raum im Buch gegeben wird. Der Fokus liegt stärker auf Luces. Für meinen Geschmack hätte eine ausgewogenere Darstellung beider Welten den Kontrast noch intensiver und greifbarer machen können.
Jara ist als Protagonistin interessant angelegt, auch wenn ihr Handeln nicht immer ganz konsistent wirkt. Einige ihrer Denk- und Entscheidungsprozesse konnte ich persönlich nicht vollständig nachvollziehen, was jedoch sicherlich auch eine Frage der individuellen Lesewahrnehmung ist. Der Love Interest Aidan ist klar strukturiert gezeichnet, wirkte auf mich stellenweise jedoch eher problematisch. Die übrigen Charaktere bleiben insgesamt etwas im Hintergrund, sind dabei aber überwiegend sympathisch.
Dank des angenehmen Schreibstils und des durchgehend hohen Spannungsniveaus ließ sich die Geschichte sehr gut lesen. Der Cliffhanger am Ende macht definitiv neugierig darauf, wie es im nächsten Band weitergehen wird.

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Veröffentlicht am 29.03.2026

"Nicht die Gene machen einen Menschen perfekt, sondern sein Wesen."

Echoes of Ashes and Rain - Die Perfekten
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"Echoes of Ashes and Rain" von Caroline Brinkmann hat mich vor allem wegen seiner spannenden Grundidee neugierig gemacht. Eine Welt, in der Menschen genetisch optimiert werden und Perfektion zum höchsten ...

"Echoes of Ashes and Rain" von Caroline Brinkmann hat mich vor allem wegen seiner spannenden Grundidee neugierig gemacht. Eine Welt, in der Menschen genetisch optimiert werden und Perfektion zum höchsten Ideal geworden ist, klingt zunächst faszinierend. Je tiefer man jedoch in die Geschichte eintaucht, desto deutlicher wird, wie beklemmend dieses System eigentlich ist.
Besonders gut gefallen hat mir, wie die Autorin diese dystopische Gesellschaft zeichnet. Vieles wirkt durchdacht und gleichzeitig erschreckend plausibel. Immer wieder musste ich beim Lesen darüber nachdenken, was Perfektion überhaupt bedeutet und welchen Preis Menschen bereit sind dafür zu zahlen.
Auch die Handlung konnte mich größtenteils mitreißen. Es gibt einige spannende Entwicklungen und Momente, die neugierig machen und dazu führen, dass man immer noch ein Kapitel weiterlesen möchte. Gerade gegen Ende nimmt die Geschichte noch einmal deutlich an Fahrt auf.
Mit der Protagonistin bin ich insgesamt gut durch die Geschichte gekommen, auch wenn ich mir an manchen Stellen etwas mehr emotionale Tiefe gewünscht hätte. Einige Entscheidungen wirkten auf mich etwas schnell, und auch manche Nebenfiguren hätten für meinen Geschmack noch etwas mehr Raum bekommen dürfen.
Mir hat das Buch gut gefallen und ich freue mich sehr auf den zweiten Band.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

"Make Revenge sexy again"

Das Signal
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Mit Poznanskis Büchern und mir ist es manchmal ein echtes Auf und Ab. Nachdem mich „Die Burg“ leider nicht überzeugen konnte, bin ich mit entsprechend gemischten Gefühlen, aber auch neuer Hoffnung an „Das ...

Mit Poznanskis Büchern und mir ist es manchmal ein echtes Auf und Ab. Nachdem mich „Die Burg“ leider nicht überzeugen konnte, bin ich mit entsprechend gemischten Gefühlen, aber auch neuer Hoffnung an „Das Signal“ herangegangen – und diesmal wurde ich nicht enttäuscht.
Die Grundidee hat mich sofort abgeholt und wird ohne große Umwege umgesetzt. Eine lange Einführung gibt es nicht, stattdessen wird man direkt in die Geschichte hineingeworfen. Die Atmosphäre ist von Beginn an düster und beklemmend, und schnell wird klar, dass hier nichts so ist, wie es zunächst scheint. Dieses permanente Gefühl von Unsicherheit trägt stark zur Spannung bei.
Erstaunlicherweise habe ich keinen der Charaktere als besonders sympathisch empfunden. Das hat mich jedoch nicht daran gehindert, mit Viola mitzufiebern. Ihre Figur ist sehr gut ausgearbeitet, komplex und glaubwürdig, während die übrigen Charaktere im Vergleich etwas blasser bleiben. Hier hätte ich mir teilweise mehr Tiefe gewünscht.
Der Plot ist insgesamt recht vorhersehbar, die Auflösung war für mich spätestens ab der Hälfte des Buches absehbar. Dennoch bleibt der Spannungsbogen konstant hoch. Das liegt zum einen am flotten Erzähltempo, zum anderen an der sehr dichten Handlung, die kaum Raum für Verschnaufpausen lässt.
Insgesamt ist „Das Signal“ ein guter, spannender Thriller mit einer starken Idee und einer intensiven Atmosphäre – auch wenn am Ende der große Überraschungsmoment ausbleibt.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

"Deine Wahrheit hat System. Deine Wahrheit bringt mich um."

Firewatch
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Ich habe „Firewatch“ zum Vorablesen gewonnen und war sehr froh darüber. Thriller lese ich ohnehin sehr gerne – jedenfalls war das meine Erwartung. Bekommen habe ich jedoch viel mehr. Das Buch ist eine ...

Ich habe „Firewatch“ zum Vorablesen gewonnen und war sehr froh darüber. Thriller lese ich ohnehin sehr gerne – jedenfalls war das meine Erwartung. Bekommen habe ich jedoch viel mehr. Das Buch ist eine wahnsinnig gelungene Kombination aus New Adult, Suspense Romance und Thriller. Andere Werke mit diesem Genre-Mix konnten mich bisher nicht überzeugen, bei „Firewatch“ war das anders.
Aber worum geht’s? Kurz gesagt: Der Protagonist Robin ist überzeugt zu wissen, wer seinen besten Freund Aaron hat verschwinden lassen. Da die Polizei sehr zurückhaltend ermittelt, beschließt Robin, selbst aktiv zu werden und Kian als Täter zu überführen.
Die Atmosphäre lebt von Small-Town-Vibes, Nationalpark-Idylle und dem ständigen Gefühl, dass Gefahr in der Luft liegt. Mit Robin bekommt man einen mehr als sympathischen Protagonisten, den man einfach lieben muss. Klar bewegen sich einige seiner Entscheidungen auf einem schmalen Grat zwischen Mut und Dummheit, sodass ich mich manchmal nicht entscheiden konnte, ob ich ihn am liebsten in den Arm nehmen oder schütteln würde. Auch andere Figuren lösen diese Ambivalenz aus und sind definitiv nicht flach oder eindimensional. Wir lernen sie durch verschiedene Perspektiven und Zeitebenen gut kennen.
Die Wechsel zwischen Damals und Heute bringen ordentlich Spannung mit sich. Zwar hatte ich um Seite 120 kurzzeitig die Sorge, dass diese abflachen könnte, doch das erwies sich eindeutig als unbegründet. Das Ende ist in Teilen vielleicht vorhersehbar, was aber gut zu verkraften ist.
„Firewatch“ war definitiv eine tolle Überraschung für mich. Die Kombination aus einer intensiven queeren Liebesgeschichte und einem spannenden Thriller ist hier einfach sehr gelungen.

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