Spannend und authentisch
Das Haus in CharlottenburgIn dem historischen Roman „das Haus in Charlottenburg“ von Beate Sauer geht es hauptsächlich um die Wohnungsnot in Berlin Ende des 19. Jahrhunderts, um die Mietskasernen, die aufgrund der Bevölkerungsexplosion ...
In dem historischen Roman „das Haus in Charlottenburg“ von Beate Sauer geht es hauptsächlich um die Wohnungsnot in Berlin Ende des 19. Jahrhunderts, um die Mietskasernen, die aufgrund der Bevölkerungsexplosion gebaut wurden und um die Spekulation mit Grund und Boden und deren rücksichtslosen Durchsetzung durch die einzelnen Interessenten.
Der sympathische Architekt Johann Rubehn möchte ein Genossenschaftshaus bauen und findet in seinem adeligen Freund und Professor Louis d'Arnaud einen Befürworter und Geldgeber. Als Arzt an der Charité kennt er die hygienischen Probleme und die Krankheitsverbreitungen in den Mietskasernen und möchte Abhilfe schaffen. Die sympathische Elise ist eine begabte Schneiderin und möchte gerne hochwertige Kleidung nähen. Als sie Johann kennen und lieben lernt, lässt sie sich von seinem Traum anstecken. Baronin Leonora von Rienäcker, die Mutter von Louis, ist einerseits eine liebende Mutter, die ihrem Sohn zuliebe Johann und Elise hilft und andererseits eine knallharte Geschäftsfrau, die über Leichen geht. Die verschiedenen Handlungsstränge, werden optimal miteinander verwoben und mir haben alle sehr gut gefallen. So nebenbei erfährt man auch so einiges Neues über die damalige Zeit, so zum Beispiel, dass es erst ab 1893 eine einheitliche Zeitzone im Deutschen Reich gab. Mit Entsetzen habe ich gelesen, dass die Macht der Vermieter aufgrund des fehlenden Mietrechts so groß war, dass diese mehr oder weniger willkürlich Zwangsräumung der Mieter durchführen konnten (egal ob es rechtens war oder nicht).
Die damaligen Verhältnisse, die Lebensumstände der einfachen Bevölkerung und der gehobenen Gesellschaft wurden authentisch und fesselnd beschrieben. Der Spannungsbogen wurde bis zum Schluss gehalten und ich war immer mitten im Geschehen. Der Roman liest sich dank des Schreibstils von Beate Sauer und der hervorragenden Struktur sehr zügig. Dies ist mein erster historischer Roman von Beate Sauer und sicherlich nicht mein letzter.
Dank des Nachwortes konnte ich Fiktion und Realität sehr gut auseinander halten. Ich habe jedoch ein Personenverzeichnis mit Nennung der wichtigsten Personen und einen historischen Stadtplan von Berlin Ende des 19. Jahrhunderts vermisst. Insgesamt habe ich einen Punkt abgezogen (4 von 5 Sterne), weil der Klappentext viel zu viel vom Inhalt verrät und somit die Geschichte vorhersehbar macht. Ich rate daher dem Verlag, den Klappentext zu ändern und deutlich zu kürzen.
Fazit:
Ich empfehle dieses Buch gerne weiter, da ich jede Seite des Buches genossen habe.