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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.12.2025

Spannend und authentisch

Hiobs Tochter
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In diesem historischen Roman wird die historisch belegte Gräueltat vom 30.09.1338 im bayerischen Deggendorf an der jüdischen Bevölkerung literarisch hervorragend verarbeitet.
Dies ist nun mein dritter ...

In diesem historischen Roman wird die historisch belegte Gräueltat vom 30.09.1338 im bayerischen Deggendorf an der jüdischen Bevölkerung literarisch hervorragend verarbeitet.
Dies ist nun mein dritter historischer Roman von Peter Orontes und auch dieses Mal war ich von seinem Schreibstil und vom Inhalt ganz begeistert. Der Spannungsbogen wurde bis zum Schluss gehalten und ich war immer mitten im Geschehen. Aufgrund der hervorragenden Struktur des Buches konnte ich problemlos der packenden Handlung, die mehrere Erzählstränge beinhaltet, folgen.
Ich liebe die bildhafte Sprache von Peter Orontes. Sätze wie „Es begann eine andere Saat zu sprießen. Die Saat des Bösen. Noch niemand wusste davon. Außer denen, die sie ausgebracht hatten. Nur Tage später sollte sie aufgehen“ (S. 208) haben mich begeistert.
Im ersten Handlungsstrang wird in der fiktiven Stadt Deggenfeld, wo am 30. September 1338 ein Pogrom gegen die Juden stattfindet, das jüdische Leben mit ihren Bräuchen sowie der Stimmungswandel der Bevölkerung beschrieben. Anhand der jüdischen Magistra Medicinae Miriam bat Nathan, die in Salerno studiert hatte, erfahren wir ausführlich über die damalige fortschrittliche medizinische Behandlungsmethoden der jüdischen Ärzte. Gleichzeitig wird aber auch der Unterschied zur christlichen Behandlung, die Zweiteilung zwischen Arzt und Wundarzt deutlich, die sehr rückständig war. Alle Protagonisten sind authentisch, auch wenn sie etwas klischeehaft dargestellt werden. Ich konnte den Stimmungswandel der christlichen und der jüdischen Bevölkerung beim Lesen direkt spüren.
Im zweiten Handlungsstrang geht es um eine blutige Verschwörung. Dank der immer wiederkehrenden kurzen und hervorragenden Zusammenfassungen der Ereignisse und die daraus gebildeten Schlussfolgerungen, wurde ich beim Lesen immer wieder „abgeholt“, so dass ich kein Problem hatte, auch diesem Handlungsstrang um die Morde mühelos zu folgen.
Der dritte Handlungsstrang auf den ich jetzt wegen nicht eingehen möchte, um das Geheimnis nicht zu verraten, und die noch offen gebliebene Fragen, sind ein gelungener Cliffhanger für den Abschluss der Dilogie.
Ich fand das Personenverzeichnis mit Nennung der wichtigsten Personen und vor allem die Erläuterungen im Glossar sehr hilfreich. Die historisch belegten Personen sind dabei separat aufgeführt. Dank des Nachwortes konnte ich Fiktion und Realität sehr gut auseinander halten.
Fazit:
Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen, da mir alle Handlungssträngen sehr gut gefallen haben. Ich habe jede Seite des Buches genossen.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Interessante Romanbiografie über die Königin des Kitschs

Ein gutes Ende
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Die Romanbiografie „ein gutes Ende“ thematisiert vor allem das Leben der unehelich geborenen Hedwig Courths-Mahler, die bereits in jungen Jahren ganz genau weiß, was sie will (eine Arbeit finden, um sich ...

Die Romanbiografie „ein gutes Ende“ thematisiert vor allem das Leben der unehelich geborenen Hedwig Courths-Mahler, die bereits in jungen Jahren ganz genau weiß, was sie will (eine Arbeit finden, um sich selbst versorgen zu können) und vor allem was sie nicht will (wie ihre Mutter enden, die ihren Unterhalt mit Prostitution verdient und zu viel Alkohol trinkt). Sie ist ehrgeizig und will ihre Wissenslücken schließen, in dem sie viel liest und sich so weiterbildet. Dies findet sich in dem kunstvollen Buchcover mit der lesenden jungen Frau sehr passend wieder und gefällt mir sehr gut.
In ihrer ersten Anstellung im Haus der Rumschöttel arbeitet Hedwig Mahler als Pflegekraft und Unterhalterin für die alte Hausherrin und ansonsten als Dienstmädchen. Da man mit ihr sehr zufrieden ist, hat sie freien Zugang zur Literatur und der Zeitschrift „Gartenlaube“. Als Hedwig ihre selbst geschriebene Geschichte ihrer Dienstherrin vorliest, verlangt diese ein „gutes Ende“ und kein realistisches. Dies nimmt sich Hedwig zu Herzen und verarbeitet in ihren Geschichten so ihre negativen realen Erfahrungen und träumt sich selbst das harte ungerechte Leben mit „einem guten Ende“ schön. Immer wieder erfahren wir – manchmal leider etwas oberflächlich – mehr über die soziale Ungerechtigkeit und vor allem die Chancenungleichheit gegenüber den Frauen im 19. Jahrhundert.
Meine Meinung:
Das Buch liest sich dank des flüssigen Schreibstils von Clara Bachmann „wie von selbst“. Es ist ein Pageturner und ich hatte stellenweise beim Lesen das Gefühl, dass das von Hedwig Courths-Mahler in ihren Romanen herbei geschworene „gute Ende“ auch in dieser Romanbiografie mit „weichgespülten“ Formulierungen bei schweren Themen Eingang gefunden hat. Der „steinige Weg“ hätte man teilweise dramaturgischer und deutlicher ausarbeiten können.
Hedwigs Lebensgeschichte wird zwar chronologisch von 1881 bis 1906 erzählt, in welchem Jahr die Handlung gerade spielt, ist jedoch oft nicht direkt erkennbar, was mich bei einer Romanbiographie etwas gestört hat. Die einzelnen Kapiteln haben immer eine angenehme Leselänge.
Ich habe vor allem ein Nachwort vermisst, in dem die Autorin erläutert, was historisch belegt ist bzw. was ihrer Fantasie entsprungen ist. Über einen historischen Stadtplan von Leipzig hätte ich mich auch gefreut, um die Laufwege der Protagonistin nachvollziehen zu können. Des Weiteren hätte ein Epilog mit einer kurzen Beantwortung der bis zum Schluss offenen Fragen nicht geschadet.
Fazit:
Ich fand die Lebensgeschichte der Königin des Kitsches sehr interessant und vergebe aufgrund der aufgeführten kleineren Defizite noch 4 Sterne.

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Veröffentlicht am 31.10.2025

Lene, Leo, Nora, Lotte und die Lebensbande

Lebensbande
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Das Buchcover mit den zwei jungen Damen ist ein Hingucker. Man erkennt sofort, dass es sich um einen historischen Roman handelt. Der schlichte Buchtitel „Lebensbande“ der Autorin Mechthild Borrmann und ...

Das Buchcover mit den zwei jungen Damen ist ein Hingucker. Man erkennt sofort, dass es sich um einen historischen Roman handelt. Der schlichte Buchtitel „Lebensbande“ der Autorin Mechthild Borrmann und vor allem der Klappentext hat mich auf die Leseprobe neugierig gemacht. Schon während der ersten Seiten hat mich wieder der Schreibstil der Autorin Mechtild Borrmann gepackt und ich war von dem Buch bis zum Schluss gefesselt. Ich war sogar von diesem Buch so begeistert, dass ich die halbe Nacht durchgelesen habe, da ich unbedingt wissen wollte, wer die Ich-Erzählerin in der Gegenwart ist, was aus Lene und ihrer großen Liebe Joop sowie ihrem geistig behinderten Sohn Leo während des Dritten Reiches und später geworden ist.
Der Einstieg mit dem Prolog hat mich sofort angesprochen. Die einzelnen Kapiteln hatten immer die richtige Länge, einzelne Szenen sind interessant beschrieben und es gab auch keine langweiligen Passagen oder sonstige Durchhänger. Zusätzlich gibt es sogar ein erläuterndes Nachwort, was mir immer sehr gut gefällt.
Von mir gibt es eine absolute Kauf- und Leseempfehlung für diesen packenden Roman.

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Veröffentlicht am 21.09.2025

Ännes große Lebenslüge

Die Verlorene
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Dies ist mein erstes Buch von der Bestseller-Autorin Miriam Georg, dessen Handlung nicht in Hamburg spielt und ich war von ihrem Schreibstil, der wie immer sehr flüssig zu lesen ist, wieder hingerissen. ...

Dies ist mein erstes Buch von der Bestseller-Autorin Miriam Georg, dessen Handlung nicht in Hamburg spielt und ich war von ihrem Schreibstil, der wie immer sehr flüssig zu lesen ist, wieder hingerissen. Ich fand das Buchcover sehr ungewöhnlich und auch etwas gewöhnungsbedürftig.
Der neue Roman „die Verlorene“ beginnt mit dem Satz 'als Änne fiel, wusste sie, dass sie sterben würde'. Die 93 jährige Änne kommt gebürtig aus Schlesien, floh mit ihrer kleinen Tochter Ellen nach dem Zweiten Weltkrieg nach Hessen. Sie hat ihrer Tochter Ellen ihr ganzes Leben lang über ihr damaliges Leben in Schlesien wenig erzählt und auch viele Fragen, die Ellen ihr gestellt hatte, nicht beantwortet. Jetzt ist es zu spät, da sie stirbt ohne zuvor aus dem Koma zu erwachen. Ihre Enkelin Laura, die immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihrer Großmutter Änne hatte, möchte nun durch Nachforschung in Schlesien, Ännes Gründe für ihr Verhalten nachvollziehen und vor allem ihre Mutter mit ihrer toten Großmutter versöhnen.
Als Fan von historischen Romanen hat mich ursprünglich vor allem die Zeit in Schlesien interessiert. Mir haben jedoch beide Erzählstränge gleich gut gefallen. Die Protagonistin Ellen wurde mir immer sympathischer; Laura war mir von Anfang an sehr sympathisch und blieb es auch bis zum Schluss. Ich konnte mir die Szenen in Schlesien bildlich sehr gut vorstellen und war immer mittendrin im Geschehen. Ich habe vor allem mit den Schwestern Änne und Luise mitgelitten.
Fazit:
Die Autorin Miriam Georg hat mit diesem Buch mal wieder den richtigen Nerv getroffen. Ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen, obwohl es ungefähr 500 Seiten umfasst. Es ist ein spannendes authentisches Buch, das ich absolut weiterempfehle und ich fiebere ihrem nächsten Roman entgegen.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Der Große Calafati und die Prater Morde

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Das kunstvoll gestaltete Buchcover (eine beleuchtete Hand über dem historischen Wien) ist wieder ein Hingucker und hat sehr hohen Wiedererkennungswert. Schon während der ersten Seiten hat mich der Schreibstil ...

Das kunstvoll gestaltete Buchcover (eine beleuchtete Hand über dem historischen Wien) ist wieder ein Hingucker und hat sehr hohen Wiedererkennungswert. Schon während der ersten Seiten hat mich der Schreibstil des Autors Oliver Pötsch wieder gepackt. Dieser vierte Fall des Inspektors Leopold von Herzfeldt ist für mich auch das vierte Buch aus dieser Serie. Wie bei der Henkerstochter-Reihe, bei der der eigentliche Hauptprotagonist der Henker Jakob Kuisl ist, ist hier der Hauptprotagonist nicht der Totengräber Augustin Rothmayer, sondern der Oberinspektor Leopold von Herzfeldt. Der Totengräber ist mal wieder dabei ist, ein Buch mit dem Titel „Was uns die Toten erzählen“ zu schreiben und wird dabei von Leopold mit seinen Beiträgen unterstützt. Beruflich muss sich dieser vor allem um tote Frauen beschäftigen, die im Prater gearbeitet haben. Sein eigentlicher Fall um die Weltneuheit des amerikanischen Zauberers wird hierbei etwas zur Seite gelegt. Leopold nutzt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse, um diese Fälle zu lösen.
Ich fand alle Hauptprotagonisten auf ihre Weise sehr sympathisch, auch wenn sie in unterschiedlichen Welten leben. Inzwischen besucht Leopold den schrulligen Totengräber regelmäßig und man könnte fast von einem freundschaftlichen Verhältnis sprechen. Die sympathische Julia und Mutter von Sisi, hat sich nicht nur beruflich sondern auch privat verändert.
Diese Weiterentwicklung der Protagonisten gefällt mir sehr. So ist Anna, die Pflegetochter vom Totengräber, in der Pubertät und hat nun ihren eigenen Kopf.
Ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit gelesen. Es ist ein spannendes einfallsreiches Buch, das ich absolut weiterempfehle.

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