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Veröffentlicht am 09.01.2026

So sanft, so ehrlich, so tief berührend - so ein Jahreshighlight!

Between Fading Stars
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Es gibt einfach Bücher und Geschichten, bei denen man schon nach wenigen Seiten spürt, dass sie etwas Besonderes sind. Between Fading Stars ist für mich genau so ein Buch. Sowohl äußerlich als auch innerlich ...

Es gibt einfach Bücher und Geschichten, bei denen man schon nach wenigen Seiten spürt, dass sie etwas Besonderes sind. Between Fading Stars ist für mich genau so ein Buch. Sowohl äußerlich als auch innerlich ist dieser Roman mein klarer Favorit der London-is-Lonely-Reihe – und ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass ich hier mit einem echten Jahreshighlight in mein Lesejahr 2026 gestartet bin.

Eines der größten Highlights ist ohne Zweifel der Schreibstil von Anna Savas. Er ist flüssig, eindringlich und gleichzeitig sanft und gefühlvoll. Ihre Wortwahl ist so präzise und stimmig, dass ich innerhalb kürzester Zeit vollkommen in der Geschichte versunken bin. Besonders beeindruckt hat mich, wie sie Emotionen in scheinbar alltäglichen Momenten einfängt und ihnen eine enorme Tiefe verleiht. Die Balance aus innerer Reflexion und lebendigen Dialogen hat dafür gesorgt, dass ich mich den Figuren sofort verbunden gefühlt habe. Ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen – obwohl ich diese Welt eigentlich gar nicht so schnell verlassen wollte.
Diese besondere Wirkung wird zusätzlich durch die fragile, beinahe zerbrechliche Atmosphäre verstärkt, die sich wie ein feiner Schleier über die gesamte Geschichte legt. Sie passt perfekt zu den Geschehnissen und zu den beiden Hauptfiguren. Auch die romantischen und intimen Momente sind sehr feinfühlig umgesetzt: nicht überladen, nicht plakativ, sondern genau in der richtigen Dosierung, sodass sich alles authentisch und organisch entwickeln durfte.
Besonders überrascht hat mich, wie sehr mich hier der Second-Chance-Trope abgeholt hat. Normalerweise gehört er nicht zu meinen Favoriten, doch Between Fading Stars hat mir eindrucksvoll gezeigt, dass jeder Trope funktionieren kann, wenn er zur Geschichte und zu den Charakteren passt. Und das tut er hier absolut. Die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren ist vom ersten Wiedersehen an spürbar – leise, intensiv und voller unausgesprochener Gefühle.
Der männliche Protagonist Wes war bereits in den ersten beiden Bänden mein absoluter Lieblingscharakter, weshalb meine Vorfreude auf seine eigene Geschichte entsprechend groß war. Und ich wurde nicht enttäuscht. Seine Entwicklung ist nachvollziehbar, ehrlich und emotional tiefgehend. Man spürt in jeder seiner Entscheidungen die inneren Konflikte, die Unsicherheiten, aber auch das Wachstum, das er im Laufe der Geschichte durchmacht.
Gleichzeitig war meine anfängliche Sorge, dass ich keinen schnellen Zugang zur weiblichen Hauptfigur finden könnte – da man sie aus den vorherigen Bänden kaum kennt – völlig unbegründet. Ihre Gedanken waren für mich unglaublich gut nachvollziehbar, ihre Selbstzweifel greifbar und ihre Hintergrundgeschichte berührend, ohne jemals überdramatisiert zu wirken. Sie fühlte sich einfach echt an – wie eine Person, der man im echten Leben begegnen könnte.
Erzählt wird die Geschichte aus beiden Perspektiven, was den emotionalen Zugang noch einmal intensiviert. Gedanken, Ängste und Zweifel werden so unmittelbar transportiert, dass man das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu stehen. Es sind die vielen kleinen Gesten, Gedanken und Worte, die diese Geschichte so besonders machen und die dafür sorgen, dass man nicht nur liest, sondern miterlebt.
Wenn ich überhaupt einen Kritikpunkt nennen müsste, dann wäre es der, dass ich mir noch mehr Nachrichten aus der Jungsclique gewünscht hätte – diese kleinen Einschübe waren für mich immer besondere Highlights. Doch ehrlich gesagt fühlt sich selbst dieser Punkt eher wie ein liebevoller Wunsch nach „noch mehr“ an, als wie echte Kritik.
Auch thematisch hat mich der Roman vollkommen überzeugt. Der Fokus liegt diesmal stärker auf dem Schreiben selbst – weniger auf der Verlagsarbeit – und das passte für mich perfekt zur Geschichte und war auch als Leserin unglaublich interessant umgesetzt.

abschließendes Fazit:
Between Fading Stars ist für mich ein emotionaler, feinfühliger und in sich vollkommen stimmiger Abschluss der London-is-Lonely-Reihe. Anna Savas verbindet einen eindringlichen Schreibstil mit authentischen Charakteren, einer leisen, intensiven Liebesgeschichte und einer Atmosphäre, die lange nachhallt. Für mich ist dieser Band nicht nur der stärkste der Reihe, sondern auch ein echtes Jahreshighlight.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.01.2026

wenn eine starke Idee nicht ganz zum Highlight wird

To Cage a Wild Bird
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Bereits auf den ersten Blick macht To Cage a Wild Bird deutlich, dass hier keine leichte Lektüre wartet. Das Cover mit seiner dominanten roten Farbe zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich und lässt erahnen, ...

Bereits auf den ersten Blick macht To Cage a Wild Bird deutlich, dass hier keine leichte Lektüre wartet. Das Cover mit seiner dominanten roten Farbe zieht sofort die Aufmerksamkeit auf sich und lässt erahnen, wie intensiv und düster die Geschichte werden wird. Besonders gelungen sind die goldenen Vögel, die zugleich Eleganz und das zentrale Motiv von Freiheit symbolisieren. Ein echtes Highlight ist zudem der wunderschön gestaltete Farbschnitt, der das Buch zu einem absoluten Blickfang im Regal macht. Auch ohne Schutzumschlag wirkt das Hardcover hochwertig und stimmig – optisch trifft das Buch meinen Geschmack vollkommen und passt hervorragend zum Inhalt.
Inhaltlich konnte mich vor allem die Grundidee der Geschichte sofort überzeugen: Eine Gesellschaft, in der reichen und privilegierten Menschen erlaubt wird, Gefangene zu jagen und zu töten, ist moralisch hochproblematisch – und genau deshalb so faszinierend. Diese unmoralische, dystopische Gesellschaftsstruktur bildet eine starke Grundlage für Konflikte, Spannung und ethische Fragen und gehört für mich persönlich klar zu den größten Stärken des Romans.
Schon ab der ersten Seite hat mich die Geschichte gepackt. Brooke Fast wirft die Leserinnen und Leser ohne große Vorwarnung mitten ins Geschehen und konfrontiert sie direkt mit der rauen Welt von Dividium und dem Gefängnis Endlock, während man der Protagonistin Raven folgt. Anfangs empfand ich es durchaus als fordernd, mich in dieser neuen Welt zurechtzufinden, doch genau diese fehlende Schonfrist entwickelte im weiteren Verlauf einen ganz eigenen Reiz. Besonders das Gefängnis-Setting von Endlock hat mir überraschend gut gefallen und trug viel zur düsteren Atmosphäre bei.
Trotz des hohen Tempos und der starken Grundidee gab es für mich stellenweise kleinere Längen, weshalb die Geschichte aus meiner Sicht auch mit ein paar Seiten weniger ausgekommen wäre. Zudem blieb ich emotional leider etwas auf Distanz. Obwohl viele Szenen das Potenzial hatten, wirklich unter die Haut zu gehen, fehlte mir eine tiefere emotionale Bindung zu den Charakteren. Dadurch wirkten einige Momente weniger ergreifend, als sie vermutlich gedacht waren. Ein stärkerer Fokus auf die zwischenmenschlichen Beziehungen hätte hier für mich viel bewirken können.
Der Schreibstil ist insgesamt sehr flüssig und atmosphärisch und zieht einen schnell in den Bann. Auch die romantische Beziehung ist solide konstruiert: Sie ist keineswegs bahnbrechend neu, hat mir grundsätzlich aber gefallen. Allerdings hätte ich mir einen langsameren und emotional intensiveren Aufbau gewünscht – die Entwicklung ging mir stellenweise zu schnell und wirkte dadurch etwas unrealistisch.
Ein weiterer Punkt, der mein Leseerlebnis leicht geschmälert hat, waren einige knifflige Situationen, die mir letztlich zu einfach aufgelöst wurden. Gerade in einer Welt, die vom Kampf ums Überleben geprägt ist, hätte ich mir hier mehr Bedrohung, mehr Konsequenzen und insgesamt ein höheres Maß an Gefahr gewünscht.

abschließendes Fazit:
To Cage a Wild Bird überzeugt mit einer starken, düsteren Grundidee, einer atmosphärischen Welt und einem flüssigen Schreibstil. Das vorhandene Potenzial wird größtenteils sinnvoll genutzt, auch wenn emotionale Tiefe und zwischenmenschliche Nähe für mich zu kurz kamen. Kleine Längen, ein zu schneller Beziehungsaufbau und zu glatt gelöste Konflikte verhindern letztlich den ganz großen Wow-Effekt. Ein guter Auftakt mit vielversprechender Grundlage – für mich knapp an einem Highlight vorbei, aber definitiv lesenswert.

Veröffentlicht am 14.11.2025

Leicht zu lesen, schwer zu lieben – Wenn ein flüssiger Stil die schwache Handlung nicht retten kann

Mornings in Boston - The Stories We Tell
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Mornings in Boston - The Stories We Tell (Band 1 der Love on Air-Reihe) von Anna Lane kommt mit einem Auftritt daher, der seinesgleichen sucht: Das zuckersüße Cover und der ebenso liebevoll gestaltete ...

Mornings in Boston - The Stories We Tell (Band 1 der Love on Air-Reihe) von Anna Lane kommt mit einem Auftritt daher, der seinesgleichen sucht: Das zuckersüße Cover und der ebenso liebevoll gestaltete Farbschnitt sind echte Hingucker und haben mich sofort unglaublich neugierig auf die Geschichte von Penelope und Connor gemacht. Optisch war das Buch für mich ein absolutes Highlight – umso bedauerlicher ist es, dass die Handlung dieses Versprechen für mich nicht vollständig einlösen konnte.
Bereits nach wenigen Seiten war für mich klar, wohin sich die Geschichte entwickeln würde. Der vermeintliche Plottwist zeichnete sich so früh und so eindeutig ab, dass von Überraschung leider keine Rede sein konnte. Da der Twist zudem für mich kaum Gewicht hatte, wirkte er eher wie ein erzählerischer Pflichtpunkt als wie ein tatsächlicher Wendepunkt. Dadurch verlor die Handlung zunehmend an Spannung, sodass ich dem Buch stellenweise tatsächlich das Adjektiv langweilig zuschreiben würde.
Was mich aber definitiv im Buch gehalten hat, war der wundervoll flüssige und einnehmende Schreibstil von Anna Lane. Auch wenn ich die Geschichte selbst als langatmig empfunden habe, fliegt man durch die Seiten – fast mühelos. Der Stil ist atmosphärisch, leicht und insgesamt ein echtes Plus des Romans. Dafür gibt es von mir ganz klar Extrapunkte.
Penelope als Protagonistin hat mir ebenfalls überwiegend gut gefallen. Ich mochte ihre Professionalität, ihre schlagfertigen Gedanken und die Art, wie sie Connor Paroli bietet. An einigen Stellen lässt sie sich für meinen Geschmack allerdings zu viel gefallen und verzeiht zu schnell – doch irgendwie passt auch das zu ihrem gutmütigen Charakter, den ich insgesamt sehr sympathisch fand.
Mit Connor dagegen bin ich bis zum Schluss nicht richtig warm geworden. Seine Ecken und Kanten hätten Potenzial gehabt, doch für mich übernimmt er am Ende nicht genug Verantwortung für sein Verhalten. Dadurch blieb er für mich blass und schwer greifbar – was der Dynamik zwischen ihm und Penelope leider nicht gutgetan hat.
Ein weiterer Punkt, der mich enttäuscht hat, waren die spicy Szenen. Normalerweise mag ich diese Elemente sehr in New-Adult-Romanen, aber hier wirkten sie für mich gezwungen und unpassend, als würden sie nicht wirklich zu den Figuren passen. Statt Tiefe oder Spannung zu bringen, nahmen sie mich eher aus der Geschichte heraus.
Das Ende schließlich fügte sich in mein Gesamtbild ein: unspektakulär, wenig überraschend und für mich leider ohne emotionalen Höhepunkt. Insgesamt blieb ich etwas enttäuscht zurück – nicht verärgert, nicht wütend, eher mit einem leisen „Schade“.

abschließendes Fazit:
Mornings in Boston – The Stories We Tell besticht optisch und sprachlich, kann erzählerisch aber nicht mit dem wunderschönen Äußeren mithalten. Trotz einer sympathischen Protagonistin und einem angenehm leichten Schreibstil fehlten mir Spannung, echte Überraschungsmomente und eine überzeugende Entwicklung der Figuren. Vor allem der früh erkennbare „Twist“ und das unspektakuläre Ende ließen mich eher enttäuscht zurück.

Veröffentlicht am 10.11.2025

Ein Buch, das lacht, blutet und leuchtet – pure Dippel-Magie

Velvet Falls, but the Gods forgot to die (Velvet-Dilogie 1)
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Ein düsterer, humorvoller und emotionaler Auftakt, der in Erinnerung bleibt.

Julia Dippel hat es wieder geschafft: Schon oft hat sie mich mit ihren fantastischen Welten, ihrem unverwechselbaren Humor, ...

Ein düsterer, humorvoller und emotionaler Auftakt, der in Erinnerung bleibt.

Julia Dippel hat es wieder geschafft: Schon oft hat sie mich mit ihren fantastischen Welten, ihrem unverwechselbaren Humor, ihren genial schlagfertigen Dialogen und ihrem Gespür für Emotionen begeistert – doch Velvet Falls, but the Gods forgot to Die hat mich noch einmal auf eine andere Art berührt. Es ist düsterer, intensiver und emotionaler als vieles, was ich zuvor von ihr gelesen habe, und dennoch steckt all das darin, was ihre Bücher so besonders macht: Witz, Charme, Tiefe und Figuren, die einem unter die Haut gehen.

Die Welt von Velvet Falls ist faszinierend und kreativ: Dämonenreiter, Hexen, Göttersöhne – all das fügt sich zu einem stimmigen, innovativen Konzept zusammen, das mich sofort gefesselt hat. Ich liebe, wie Julia Dippel neue mythologische und magische Elemente einbaut, die ich in dieser Form noch nie irgendwo gelesen habe. Dabei zieht sich jedes noch so kleine Detail konsequent durch die Geschichte, ohne jemals zu aufdringlich zu wirken. Nur an wenigen Stellen hätte ich mir etwas mehr Hintergrundwissen gewünscht, um das komplexe Weltengefüge noch besser greifen zu können.
Julias Schreibstil ist – wie immer – ein Erlebnis. Er ist bildhaft, flüssig und mitreißend. Sie versteht es, Emotionen greifbar zu machen und Leser:innen mitten ins Geschehen zu ziehen. Die Geschichte wird größtenteils aus Velvets Perspektive erzählt, aber an den richtigen Stellen bekommen wir auch Einblicke in Kashmeres Sicht – was dem Ganzen zusätzliche Tiefe verleiht. Besonders gelungen fand ich die Rückblenden in die gemeinsame Vergangenheit der beiden, durch die man ihre Beziehung und die emotionale Bindung immer besser nachvollziehen kann. Zwar habe ich die große Enthüllung recht früh geahnt, aber das minderte die Wirkung der Geschichte keineswegs.
Velvet ist eine starke, mutige und zugleich verletzliche Protagonistin – eine Frau, die viel erlebt hat, aber nicht aufgibt. Ich mochte ihre Mischung aus Selbstbewusstsein, Witz und innerer Zerrissenheit unglaublich gern. Kashmere ist ein Gegenpol, der mit seiner eigenen Dunkelheit zu kämpfen hat, und gemeinsam erzeugen die beiden eine Dynamik, die zwischen humorvoll, bittersüß und herzzerreißend schwankt. Ihre Lovestory – geprägt vom Second-Chance-Trope – hat mich emotional wirklich abgeholt: Sie ist mal zum Lachen, mal zum Weinen, aber immer aufrichtig und voller Bedeutung.
Das Buch ist durchgehend spannend, überraschend und stellenweise sogar brutal emotional. Es gibt Momente, die mich laut auflachen ließen, und Szenen, die mich tief getroffen haben. Das Erzähltempo ist rasant, und Pausen einzulegen fiel mir schwer – zu sehr wollte ich wissen, was als Nächstes passiert. Besonders das Ende hat mich völlig unerwartet getroffen – auf die bestmögliche Weise. Es fügt sich alles perfekt zusammen, jedes Puzzleteil findet seinen Platz, und doch bleibt genug offen, um voller Vorfreude auf den zweiten Band zu sein.

abschließendes Fazit:
Mit Velvet Falls, but the Gods forgot to Die hat Julia Dippel erneut bewiesen, warum sie zu meinen absoluten Lieblingsautorinnen gehört. Ihr humorvoller, gefühlvoller Schreibstil, das innovative Worldbuilding und die greifbaren Charaktere machen diesen Auftakt zu einem echten Highlight. Kleine Kritikpunkte – etwa der vorhersehbare Moment in der Vergangenheit oder der Wunsch nach noch etwas mehr Welt-Details – ändern nichts daran, dass mich dieses Buch völlig begeistert hat. Ich freue mich schon jetzt riesig auf das Finale der Dilogie!

Veröffentlicht am 20.10.2025

Charmanter Titel, schwacher Inhalt – mein schwächstes Buch von Kyra Groh

The Pumpkin Spice Latte Disaster
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Wie auch schon bei anderen Büchern von Kyra Groh war ich sofort vom Titel angetan – „The Pumpkin Spice Latte Disaster“ klang für mich nach einer charmanten, witzigen und emotionalen Herbstlektüre, wie ...

Wie auch schon bei anderen Büchern von Kyra Groh war ich sofort vom Titel angetan – „The Pumpkin Spice Latte Disaster“ klang für mich nach einer charmanten, witzigen und emotionalen Herbstlektüre, wie sie nur die Autorin liefern kann. Auch das herbstlich gestaltete Cover mit seiner warmen Farbpalette, den cozy Vibes und kleinen Details passt wunderbar zum Genre und weckte bei mir sofort Lust auf Zimtnoten, Kaffeehausflair und romantisches Chaos. Leider konnte der Inhalt dieses Versprechens für mich nicht gerecht werden.
Doch gerade weil ich mit hohen Erwartungen an das Buch herangegangen bin – nicht zuletzt wegen meiner positiven Erfahrungen mit ihren früheren Werken – war ich beim Lesen wohl auch besonders kritisch. Leider konnte mich The Pumpkin Spice Latte Disaster nicht so berühren und mitreißen, wie ich es mir erhofft hatte: Für mich ist es das bisher schwächste Buch, das ich von Kyra Groh gelesen habe.
Weder konnte es mit dem für sie typischen, charmanten Humor überzeugen, noch haben mich die Figuren wirklich abgeholt. Besonders enttäuschend fand ich, dass ich beim Lesen kein einziges Mal lachen oder schmunzeln musste – ein Aspekt, den ich sonst an Kyra Grohs Büchern besonders liebe und der für mich bisher immer ein Markenzeichen ihres Stils war.
Der Roman wird in wechselnden Ich-Perspektiven der 26-jährigen Jude und des drei Jahre älteren James erzählt, wobei Jude deutlich häufiger zu Wort kommt. Zwar ist der Schreibstil insgesamt flüssig, aber die zahlreichen gewollt witzigen Einschübe und popkulturellen Referenzen wirkten für mich oft zu konstruiert. Gerade die Dialoge blieben stellenweise holprig und konnten mich nicht wirklich mitreißen.
Auch emotional hat mich die Geschichte nicht berührt. Die Beziehung zwischen Jude und James kam mir viel zu schnell und oberflächlich daher. Obwohl das Buch mit einem Enemies-to-Lovers-Trope beworben wird, konnte ich diese Dynamik nicht erkennen – die beiden waren nie wirklich „Enemies“, eher zwei Menschen, die sich vielleicht nicht wirklich mochten, sich dann aber schnell körperlich zueinander hingezogen fühlen. Eine echte emotionale Verbindung oder ein nachvollziehbares Knistern hat sich für mich nicht aufgebaut. Die Liebesgeschichte blieb für mich dadurch wenig greifbar und eher blass.
Mit den Figuren bin ich insgesamt ebenso nicht warm geworden. Während die Hauptfiguren für mich relativ konturlos blieben - da einige vielversprechende und relevante Themen leider nicht mit der nötigen Tiefe behandelt wurden, fand ich einige Nebencharaktere und deren angedeutete Geschichten deutlich spannender – leider kamen genau diese zu kurz oder blieben im Hintergrund; ihre Szenen hätten in meinen Augen viel Potenzial gehabt, wurden aber kaum ausgeschöpft.
Atmosphärisch war das Café-Setting in Lower Whilby eigentlich vielversprechend. Auch die Kleinstadt selbst bot eine gute Grundlage für eine cozy Herbstgeschichte – doch dieses Gefühl kam bei mir leider nicht an. Dafür war die Handlung zu hektisch, die Entwicklungen zu flach und das vermeintlich herbstliche Wohlfühlgefühl wurde nicht richtig transportiert.
Was ich allerdings anerkennend erwähnen möchte: Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, lässt aber durch die frühe Einführung der Figuren aus den Folgebänden erkennen, dass eine übergreifende Handlung entsteht. Dennoch werde ich die Reihe – Stand jetzt – nicht weiterverfolgen, da mir die emotionale Tiefe und erzählerische Raffinesse gefehlt haben, um mich langfristig zu binden.

abschließendes Fazit:
Ein Roman mit schönem Cover, tollem Titel und guter Grundidee – aber in der Umsetzung für mich leider zu oberflächlich, zu gewollt witzig und emotional nicht greifbar. Wer eine kleine Geschichte „für zwischendurch“ sucht und keine allzu hohen Erwartungen an emotionale Tiefe oder Trope-Konsistenz hat, könnte hier fündig werden. Für mich persönlich war das jedoch kein Highlight.
Lieb gemeinte 3 Sterne – mit der Hoffnung, dass mich die Autorin beim nächsten Mal wieder mehr berührt.