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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.11.2019

Was man erwartet

Tagebuch eines Buchhändlers
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Shaun Bythell ist ein schottisches Original und hat das (Mis-)Vergnügen, das größte literarische Antiquariat Großbritanniens zu führen. Als Hommage an den Buchhandel und gleichzeitige Warnung an all jene, ...

Shaun Bythell ist ein schottisches Original und hat das (Mis-)Vergnügen, das größte literarische Antiquariat Großbritanniens zu führen. Als Hommage an den Buchhandel und gleichzeitige Warnung an all jene, die sich mit dem Gedanken tragen, einen solchen zu eröffnen, zeigt dieses Tagebuch ein Jahr lang den Alltag des Antiquars und beschönigt dabei nichts.

Man sollte sich, wenn man zu diesem Buch greift, von vornherein über eines im Klaren sein: Shaun romantisiert oder beschönigt nichts. Vielmehr hat er eine Annekdotensammlung zusammengetragen über die schlimmsten Momente seines Berufsalltags, angereichert mit dem typisch trockenen, tiefschwarzen Humor der Briten.

Vordergründig erfährt man viel über die schrulligsten, verschrobensten Leute, die dieser Landstrich zu bieten hat. Wenn man zwischen den Zeilen liest, ist es ein Aufruf, den lokalen Buchhandel zu unterstützen, sich als Deutscher über die Buchpreisbindung zu freuen und sich allgemein intensive Gedanken über das eigene Kaufverhalten und den Umgang mit Dienstleistern zu machen.

Dieses Buch lässt sich nicht ganz leicht lesen, es sprüht nicht vor Witz und Amüsement und weist teilweise einige Längen auf. Aber gerade das macht es doch so authentisch und echt. Und um Gottes willen, lasst euch nicht von diesem leicht kitschig-weihnachtlichen Cover täuschen. Happyends gibt es im inhabergeführten Buchhandel offensichtlich nicht allzu viele und doch lässt er sich (hoffentlich) nicht unterkriegen.

Veröffentlicht am 05.11.2019

Der Kreidemann geht um

Der Kreidemann
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Kreidemännchen sind der rote Faden, der dieses Buch zusammenhält.

Als Eddie und seine Freunde 1986 die Leichenteile eines Mädchens finden, markiert von kleinen Kreidemännchen, ahnen sie noch nicht, dass ...

Kreidemännchen sind der rote Faden, der dieses Buch zusammenhält.

Als Eddie und seine Freunde 1986 die Leichenteile eines Mädchens finden, markiert von kleinen Kreidemännchen, ahnen sie noch nicht, dass sie die damit verbundenen Ereignisse 30 Jahre später wieder einholen werden. Doch als Mickey plant, die Geschichte rund um den Mord in einem Buch zu veröffentlichen, weckt er damit den Kreidemann.

Man darf bei diesem Erstlingswerk keine simple Mordermittlung rund um einen Cold Case erwarten, denn "Der Kreidemann" ist meiner Meinung nach so viel mehr. Es erzählt vielmehr die Geschichte einer kleinen Gemeinschaft, neben der Freundschaft von Eddie, Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky erhält man auch Einblicke in die Leben ihrer Eltern und anderer Erwachsener aus ihrem Umfeld.
Nicht nur die alltäglichen Probleme der Jugendlichen werden aufgegriffen, auch ernstere Themen beeinflussen den Verlauf der Geschichte.

Das wirkt manchmal etwas überfrachtet und man läuft Gefahr, den Überblick über die vielen Figuren zu verlieren, aber insgesamt ergibt es schlussendlich ein rundes Gesamtbild.

Ein großer Pluspunkt des Hörbuches ist aber auch der Sprecher. Devid Striesow schafft es gekonnt, die Figuren lebendig werden zu lassen, und erzeugt mit seinem ruhigen Erzähltempo eine sehr passende, düstere Stimmung.

Allerdings hadere ich etwas mit der Auflösung des Falles. Einerseits war der Täter für mich recht zeitig ersichtlich, andererseits waren mir die gelieferten Erklärungen und Handlungsgründe zu schlicht oder nicht eindeutig. Dafür hat mich dann der Epilog wieder entschädigt.

Fazit:
Mir hat das große Ganze des Buches und die ungewohnte Komplexität gefallen, auch wenn die Auflösung ausbaufähig gewesen wäre.

Veröffentlicht am 05.11.2019

Spannend, aber austauschbar

Bis ihr sie findet
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Das Buch fängt wirklich vielversprechend an:

In einem Wald, versteckt unter einem Baum, wird die Leiche eines Mädchens gefunden. Aurora, wie sie schnell identifiziert wird, war 30 Jahre zuvor während ...

Das Buch fängt wirklich vielversprechend an:

In einem Wald, versteckt unter einem Baum, wird die Leiche eines Mädchens gefunden. Aurora, wie sie schnell identifiziert wird, war 30 Jahre zuvor während eines Campingausfluges mit ihrer Schwester und deren 5 Freunden über Nacht verschwunden und nie wieder aufgetaucht. DCI Jonah Sheens beginnt zu ermitteln und schnell engt sich der Kreis der Verdächtigen auf die 6 Freunde ein.

Der Plot verspricht eine klassische Whodunnit-Geschichte, angesiedelt im trüben Südengland und kann dieses Versprechen auch in großen Teilen halten.

Allerdings bleiben die Figuren leider etwas blass. Besonders die drei jungen/ später erwachsenen Männer waren für mich recht austauschbar und ich hatte über lange Strecken Probleme, ihre Namen auseinander zu halten.

Auch habe ich das Gefühl, dass Handlungen und Entscheidungen nicht immer plausibel erklärt werden konnten. Der Plot hakt manchmal etwas und wirkt auf mich unrund.

Auch das Ermittlerteam war in seiner Darstellung definitiv ausbaufähig, bedenkt man zudem, dass dies der Auftakt einer neuen Reihe sein soll. Die Figuren wirken ebenso blass wie die Verdächtigen, teilweise sogar etwas schablonenhaft. Zudem werden nicht genügend Hintergrundinfos geliefert, um sie in meinen Augen interessant zu machen.

Fazit:
Die Spannung der eigentlichen Geschichte konnte mich gut unterhalten, aber das Gesamtpaket war nicht überzeugend genug, um mich neugierig auf einen Folgeband zu machen.

Veröffentlicht am 30.10.2019

Lehrreiche Unterhaltung

Die fantastischen Abenteuer der Christmas Company
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Weihnachten ist so viel mehr als nur der Weihnachtsmann!

Das findet zumindest Freda heraus, als sie ihrem plötzlich sprechenden Kater Mr. Livingstone durch eine geheime Tür folgt und sich plötzlich am ...

Weihnachten ist so viel mehr als nur der Weihnachtsmann!

Das findet zumindest Freda heraus, als sie ihrem plötzlich sprechenden Kater Mr. Livingstone durch eine geheime Tür folgt und sich plötzlich am Nordpol wiederfindet. Denn in der Christmas Company, geleitet vom Weihnachtsmann und seinen Delegierten, hat es einen furchtbaren Vorfall gegeben, der das Weihnachtsfest bedroht. Und so macht sich Freda gemeinsam mit einem sprechenden Kater, einem Engel und einem Wichtel auf den Weg, Weihnachten zu retten.

Habe ich beim Anblick des Covers und Titels noch an ein knallbuntes, zuckerstangenverseuchtes, kitschiges Weihnachtsmärchen geglaubt, so wurde ich doch schnell eines besseren belehrt und in ein aufregendes Nordpol-Abenteuer gesaugt.

Neben guter Unterhaltung und einem spannenden Plot liefert dieses Märchen vor allem unheimlich viele Informationen über althergebrachte Figuren rund um Weihnachtstraditionen auf der ganzen Welt, angefangen bei Krampussen und Julenissen bis zu Befana und den Weihnachtstrollen aus Island. Dadurch wirkt das Buch nicht so quietschbunt-vergnügt, sondern bekommt einen leicht düsteren Touch, der der Geschichte aber nicht schadet.

Insgesamt hätten die Figuren noch besser in die Geschichte eingebunden werden dürfen, dafür entschädigt das Glossar am Ende des Buches aber, in dem alle Traditionen noch einmal erklärt werden.

Das einzige, was mich tatsächlich ein wenig gestört hat, dass die "Moral der Geschichte" noch etwas deutlich hätte hervorgehoben werden dürfen, gerade da das Buch sich ja an Kinder richtet.

Die Aussage, dass es bei Weihnachten eben nicht nur um den Konsum und die Geschenke geht, sondern eben auch um Traditionen und daas Beisammensitzen mit der Familie, geht doch etwas unter und wird mehr oder weniger nur in Nebensätzen abgehandelt.

Aber alles in allem ist es eine wundervolle Geschichte geworden, von der ich mir auch gut noch Fortsetzungen vorstellen könnte.

Veröffentlicht am 16.10.2019

Fantastisches Märchen

Licht und Schatten
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"Licht und Schatten" ist mein erstes Buch von Zoran Drvenkar, aber wenn seine Bücher alle so außergewöhnlich geschrieben sind, wird es definitiv nicht mein letztes sein.

In diesem hier erzählt er die ...

"Licht und Schatten" ist mein erstes Buch von Zoran Drvenkar, aber wenn seine Bücher alle so außergewöhnlich geschrieben sind, wird es definitiv nicht mein letztes sein.

In diesem hier erzählt er die Geschichte von Vida, einem jungen Mädchen mit der wichtigsten Bestimmung überhaupt. Sie wurde geboren um die Erde und vor allem die Menschheit vor der Dunkelheit zu retten, ein kleiner Funken Licht in einem Meer aus Finsternis.

Nicht nur beeindruckt mich dieses Buch mit seinem zauberhaften Schreibstil. Herr Drvenkar versteht es, eine vollkommen vereinnahmende Atmosphäre aus Stille und Bedrohung zu schaffen und versetzt den Leser so direkt in seine Welt.
"Licht und Schatten" liest sich wie ein russisches Märchen, enthält aber auch Anleihen aus verschiedenen anderen Kulturen und macht das Buch so zu einer universellen Entstehungsgeschichte. Es erinnert mich in vielen Teilen sehr an Tolkiens Herr der Ringe oder das Silmarillion, auch wenn es ohne Elfen, Zwerge, Orks und andere Fantasiegestalten auskommt. Es ist jedoch ähnlich komplex aufgebaut und erschafft eine Welt, die sich nicht vollkommen mit der unseren deckt.

Für mich ist dieses Buch eine außergewöhnliche Geschichte, die einen (wie der Block des Wächters) in seinen Bann zieht, sobald man Blickkontakt hergestellt hat und einen nicht wieder loslässt, bis das letzte Wort verklingt.