Platzhalter für Profilbild

jules_jude

Lesejury Profi
offline

jules_jude ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit jules_jude über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.06.2022

Finden von Antworten im Dunklen - Krimi aus Nigeria mit Aktualitätsbezug

Lightseekers
0

Absolut fesselnd und zum Nachdenken anregend lässt der Krimiroman „Lightseekers“ die Leser*innen in das zeitgenössische Nigeria eintauchen und erzählt eine nachvollziehbare Geschichte.

In der ländlichen ...

Absolut fesselnd und zum Nachdenken anregend lässt der Krimiroman „Lightseekers“ die Leser*innen in das zeitgenössische Nigeria eintauchen und erzählt eine nachvollziehbare Geschichte.

In der ländlichen Universitätsstadt Okriki am Stadtrand von Port Harcourt in Nigeria werden drei Universitätsstudenten zu Tode verbrannt, umringt von einem wütenden Mob, der überzeugt ist, dass sie Diebe sind. Es ist kein Geheimnis, wer für ihre kaltblütigen Morde verantwortlich ist. Sieben Personen wurden festgenommen und stehen vor Gericht. Dr. Taiwo, ein Kriminalpsychologe, wird beauftragt, genau diesen öffentlichen Lynchmord an den drei Universitätsstudenten zu untersuchen. An der Oberfläche scheint das Verbrechen einfach zu sein, da der Mob bei seinem Streben nach Selbstjustiz außer Kontrolle gerät, nachdem die drei Opfer des Diebstahls beschuldigt wurden. Aber etwas passt nicht zusammen, denn die örtliche Polizei, die Stadt und die Universität versuchen, die Angelegenheit zu vertuschen.

Der Autor Femi Kayode ist wie sein Protagonist auch Psychologe, der, nachdem er das Video der realen Lynchmorde an vier Studenten der University of Port Harcourt gesehen hatte, die Psychologie hinter diesem menschlichen Verhalten untersuchen wollte. Was sowohl die fiktiven als auch die realen Morde noch schrecklicher machte, war die Aufzeichnung und Verbreitung des Filmmaterials auf YouTube. Zu sehen, wie ihre Kinder brutal gefoltert und getötet wurden und es mit jedem Anblick erneut zu erleben hatte eine verheerende Wirkung auf die Eltern der Opfer. Hier tritt die Macht und zerstörerische Natur der sozialen Medien zu Tage und wie unter den richtigen Bedingungen unregulierte soziale Medien es schaffen, Öl ins Feuer gießen und so die Menschen zu irrationalen Gewaltaktionen manipulieren können.

Ebenso zeichnet Kayode eine authentische Darstellung der nigerianischen Kultur und gibt einen Einblick in das Leben in Nigeria. Er bewegt sich hierbei nahtlos zwischen den Welten des extremen Reichtums und der Armut, die mit Mangel an Möglichkeiten, Elektrizität und Infrastruktur begleitet wird, sowie durch einen Alltag, der durch regelmäßig vom Militär errichtete Straßensperren oder Bestechungsgelder geprägt ist. Darüber hinaus bietet das Buch ein aufschlussreiches Bild der beunruhigenden Geschichte Nigerias, wie den Schrecken des Biafra-Bürgerkriegs und der Entdeckung des Öls, in deren Folge es zu Mord, zur verheerenden Zerstörung des Landes sowie entsetzlicher Brutalität und Gewalt kam.

„Lightseekers“ ist ein intelligenter, komplexer und fesselnder Krimi, der einen von der ersten Seite in seinen Bann zieht und den man kaum aufhören kann zu lesen, weil man herausfinden will, was passiert ist und wer dafür verantwortlich ist. Gut gefallen hat mir auch der Einblick in das Leben in Nigeria und sein gesellschaftspolitisches Klima. Was der Krimi außerdem lesenswert macht, ist, dass er es einerseits mit Leichtigkeit schafft, ein zufriedenstellendes Gleichgewicht zwischen der Behandlung wichtiger sozialer Themen und der Aufrechterhaltung einer ansprechenden Erzählung zu finden und dass er andererseits nicht zu weit in die dunklen Winkel der Verzweiflung abschweift. Es ist ein erschütternder Kriminalroman, aber es gibt ein Aufflackern von Licht inmitten all der Dunkelheit.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.06.2022

Es hätte perfekt sein können...

Kein Sommer ohne dich
0

In „Kein Sommer ohne dich“ treffen die Leser*innen auf Poppy und Alex, die beste Freunde seit dem College sind und die in den letzten zehn Jahren jeden Sommer zusammen verreist sind. Aber vor zwei Jahren ...

In „Kein Sommer ohne dich“ treffen die Leser*innen auf Poppy und Alex, die beste Freunde seit dem College sind und die in den letzten zehn Jahren jeden Sommer zusammen verreist sind. Aber vor zwei Jahren gab es einen Riss in ihrer Freundschaft und seitdem haben sie nicht miteinander gesprochen. Da Poppy mit ihrem Leben unzufrieden ist, obwohl sie ihren Traumjob hat, wendet sie sich erneut an Alex. Sie stimmen einer weiteren Reise zu und Poppy ist fest entschlossen, die Dinge endlich in Ordnung zu bringen.
Zu Beginn des Buches haben sich Poppy und Alex auseinandergelebt. Die Prämisse, dass die beiden Protagonisten zusammen einen Sommerurlaub verbringen, gibt der Geschichte ihre Struktur. Die Geschichte wird dann in einer Mischung aus Rückblenden auf vergangene Sommer und dem Handlungsverlauf in der Gegenwart erzählt. Die Rückblenden zeichnen ihre gemeinsame Freundschaft im Laufe der Jahre nach, während im Jetzt erzählt wird, wie sie versuchen, ihre zerbrechliche Beziehung wieder herzustellen und zu reparieren.

Das Buch ist locker und luftig geschrieben, oft auch humorvoll in seinen Ton und mit einigen zärtlichen Momenten und romantischen Spannungen zwischen Poppy und Alex versehen. Eigentlich die perfekte Sommerlektüre, doch leider konnte mich das Buch nicht so richtig begeistern, vor allem gegen Ende hat es sich für mich etwas gezogen. Vieles, was mir am Anfang des Buches gut gefallen hat, störte mich im weiteren Verlauf. So gefielen mir z. B. Poppy und Alex scherzhafte Gespräche zu Beginn, doch mit der Zeit verloren diese an Unterhaltungswert und wurden eher langweilig, lenkten sie doch von der eigentlichen Handlung ab. Besonders störte mich jedoch die Misskommunikation zwischen Poppy und Alex, beide waren unfähig, richtig über ihre Gefühle zu reden und was sie einerseits beide vom Leben wollen und was sie andererseits einander bedeuten. Als beide jung waren, hat das Verdrängen solcher Fragen noch Sinn gemacht, doch mit der Zeit hätte ich mir mehr persönliche Entwicklung diesbezüglich gewünscht, auch hätten so manche Spannungen zwischen Poppy und Alex vermieden werden können.

Trotz mancher Kritikpunkte war es alles in allem ein netter und kurzweiliger Roman über zwei Freunde, die mehr als nur freundschaftliche Gefühle füreinander empfinden. Liebhaber leichter und unterhaltsamer Liebesromane wird „Kein Sommer ohne dich“ bestimmt gut gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 19.06.2022

Informatives und interessantes Sachbuch über Hass in all sein Facetten

Die dunkle Leidenschaft
0

Prof. Dr. med. Reinhard Haller, Gerichtspsychiater und Psychotherapeut, behandelt in seinem Buch „Die dunkle Leidenschaft“ in fünfzehn Kapiteln den Hass und geht auf seinen Ursprung und mögliche Ursachen ...

Prof. Dr. med. Reinhard Haller, Gerichtspsychiater und Psychotherapeut, behandelt in seinem Buch „Die dunkle Leidenschaft“ in fünfzehn Kapiteln den Hass und geht auf seinen Ursprung und mögliche Ursachen für diesen ein. Er beleuchtet hierbei nicht nur die psychologischen Aspekte, sondern geht auch auf Phänomene wie toxische Männlichkeit, Incels, Hass im Netz oder Amoktäter ein.

Das Buch liest sich flüssig und ist trotz einiger Fachbegriffe auch für den Laien leicht verständlich geschrieben. Aufgelockert wird der Text durch konkrete Fallbeispiele aus den Medien, aus Reinhard Hallers psychiatrischer Praxis oder durch Beispiele aus der Literatur. Auch die eher kurz gehaltenen und gut strukturierten Kapitel machen das Lesen interessant. Besonders gut gefallen haben mir die zwei letzten Kapitel "In zehn Schritten den Hass überwinden" und "Acht Schritte gegen ein gesellschaftliches Klima des Hasses" in dem der Autor darlegt, was jeder Einzelne bzw. die Gesellschaft gegen Hass tun kann. Wichtig hierbei ist Empathie für seine Mitmenschen zu zeigen und sich in andere Menschen hineinversetzen.

Mit „Die dunkle Leidenschaft“ ist Reinhard Haller ein interessantes, informatives und aufklärendes Sachbuch über Hass in all seinen Facetten gelungen, das auf jeden Fall lesenswert ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.06.2022

Wein ist Poesie in Flaschen, dieser Roman über die Winzerin Greta eher nicht

Gretas Erbe
0

Vorneweg: „Gretas Erbe“ ist der erste Band der Trilogie rund um die Winzerin Greta. Der zweite Band „Gretas Geheimnis“ erscheint noch im Herbst dieses Jahres.

Hat mir das Buch gefallen? – Nicht wirklich.
Würde ...

Vorneweg: „Gretas Erbe“ ist der erste Band der Trilogie rund um die Winzerin Greta. Der zweite Band „Gretas Geheimnis“ erscheint noch im Herbst dieses Jahres.

Hat mir das Buch gefallen? – Nicht wirklich.
Würde ich es weiterempfehlen? – Eher nicht.

„Gretas Erbe“ spielt während der 70er in Kirchheim, einem Weinort in Westdeutschland und handelt von Greta, die als Waise bei der Winzerfamilie Hellert auf deren Hof lebt. Greta hat es nicht leicht, da ihre Zieheltern sie spüren lassen, dass sich nicht zur Familie gehört. Nur mit Robert, den Sohn der Hellerts, versteht sie sich gut. Greta ist selbstbewusst, intelligent und weiß, was sie vom Leben will und dazu zählt nicht auf dem Weingut der Hellerts zu arbeiten. Sie hat andere Pläne für ihre Zukunft, bis ein Erbe alles verändert und damit endet Band 1. Womit ich schon bei meinem ersten Kritikpunkt wäre, nämlich dem, dass der Titel ausschlaggebende Handelspunkt erst nach mehr als 300 Seiten relevant wird und dann auch noch vergleichsweise kurz abgehandelt wird, ist für mich zu antiklimatisch, da habe ich mir mehr erwartet.

Ebenso konnte der Schreibstil mich nicht richtig fesseln, viele Passagen waren eher langatmig und voll von uninteressanten Beschreibungen, sodass ich viele Textstellen einfach nur überflog. Auch weniger 70er-Jahre Referenzen hätten das Leseerlebnis angenehmer gemacht.

Alles in allem war es für mich eher eine Enttäuschung, vielleicht bin ich auch eher das falsche Publikum für diese Romantrilogie. Leser, die sich für Einblicke in die Weinherstellung und die Bewirtschaftung eines Weinhofes interessieren, Romane über selbstbewusste Frauen mögen sowie in 70er-Jahre Flair schwelgen wollen, könnten von der Buchreihe angetan sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.06.2022

Ein Buch über Bücher, das sich wie ein spannender Roman liest

Papyrus
0

„Papyrus – Die Geschichte der Welt in Büchern“ ist nicht nur ein Sach- bzw. Geschichtsbuch, sondern erzählt auch einfach eine gute Geschichte.
Vallejo vermittelt den Leser*innen auf unterhaltsame und verständliche ...

„Papyrus – Die Geschichte der Welt in Büchern“ ist nicht nur ein Sach- bzw. Geschichtsbuch, sondern erzählt auch einfach eine gute Geschichte.
Vallejo vermittelt den Leser*innen auf unterhaltsame und verständliche Art und Weise die Erfindung der Bücher und die Geschichte der Literatur. Der Text liest sich flüssig und stellenweise auch wie ein Abenteuerroman. Man hat das Gefühl, man würde die Autorin auf einen Kaffee treffen, so warmherzig ist der Ton, in dem sie ihr Wissen und ihre Leidenschaft für das Thema mit einen teilt.

Aufgeteilt in zwei Teile, Griechenland und Rom ist das Buch jedoch keine rein chronologische Erzählung ausgehend vom antiken Griechenland bis zum Römischen Reich, sondern auch gleichzeitige eine Reise durch verschiedene Epochen und geschichtlichen Ereignissen, die mit Beispielen aus klassischer und aktueller Literatur sowie Musik und Film verbunden werden. Wenn Vergleiche zwischen den einzelnen Epochen, Entwicklungen oder literarischen Werken gezogen werden, werden diese in ihren jeweiligen sozialen, geschichtlichen und gesellschaftlichen Kontext gesehen und eingeordnet.

Was „Papyrus“ außerdem eine besondere Note verleiht, sind die persönlichen Anekdoten der Autorin, in denen sie darüber schreibt, was Literatur und Bücher für sie bedeuten. Wenn sie z.B. davon berichtet, was für sie den Reiz von Buchläden ausmacht oder wie sie versucht, einen Blick auf die Lektüre anderer zu werfen, um zu sehen, was sie lesen, fühlte ich mich beim Lesen direkt angesprochen, da ich das Gleiche empfinde bzw. tue.

Passend zum Titel des Buches wurde Papyrus-Gras als Buchcover gewählt, das allein aufgrund der goldenen Details zum Hingucker im Buchregal wird und Fehlen darf dieses Buch auf gar keinen Fall im Buchregal eines jeden Buch- und Literaturliebhabers.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere