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Veröffentlicht am 18.09.2019

Vielschichtiger und interessanter Familienroman

Das Schmetterlingszimmer
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(Auszug S. 32, Mitte)

Posy liebt Schmetterlinge und die Natur. Diese Leidenschaft hat sie von ihrem Vater, der mit ihr oft nach seltenen Faltern auf dem Familienanwesen, dem „Admiral House“, gesucht ...

<„Ach! Ein Schmetterling! Ein Admiral!“ Ich stellte mich auf die Fensterbank und sah, dass der arme Schmetterling unter dem Fensterrahmen Zuflucht vor dem Gewitter suchte. Ich musste ihn retten.> (Auszug S. 32, Mitte)

Posy liebt Schmetterlinge und die Natur. Diese Leidenschaft hat sie von ihrem Vater, der mit ihr oft nach seltenen Faltern auf dem Familienanwesen, dem „Admiral House“, gesucht hat. Leider hat das kleine Mädchen ihren „Hero“ früh verloren. Da Mutter und Tochter keine großartige Bindung zueinander hatten, wuchs das Mädchen bei der Großmutter auf, ging später nach Cambridge auf die Uni, heiratete und kehrte erst dann auf das Anwesen zurück.

Jahre später trifft Posy als fast Siebzigjährige ihre große Liebe wieder und hat allerlei Sorgen mit ihren beiden erwachsenen Söhnen, so dass sie über den Verkauf des großen Anwesens nachdenkt...

Was so einfach klingt, füllt mit vielen einzelnen Erzählsträngen fast 700 Seiten und ich muss zugeben, an kaum einer Stelle wurde mir langweilig. Die Erfolgsautorin (u.a. der 7-Schwestern-Reihe) lässt nicht nur Posys Geschichte Revue passieren. Nein, sie erzählt uns auch all die Storys der Personen rund um die Hauptprotagonistin und dies in einer gewohnt kurzweiligen und sehr intensiven Sprache, so dass ich sofort für jede Gestalt ein Bild vor meinem inneren Auge hatte.

Manchmal wirkt das Wirrwarr um die Personen und der zuweil abrupte Wechsel zwischen den Geschichten etwas anstrengend... aber lasst euch gesagt sein: all dies hat seinen Sinn ;) und letztendlich ist erneut ein wunderbarer, spannender und sehr unterhaltsamer Roman entstanden, den ich gerne noch weiter gelesen hätte.

Ein bisschen schade finde ich allerdings das Cover, welches meines Erachtens gar nicht zu dem Admiral House passt... wo ist der vielschichte Garten, der Posy so wichtig ist? Wo ist der sagenumwobene Turm, der dem Vater so wichtig war? Einzig die für die Riley-Romane so charakteristischen Blüten (-zweige) findet man wieder auf dem Buchumschlag.

Dies ist aber auch wirklich meine einzige Kritik an dem neusten Riley-Roman! Ich mag die Hauptprotagonistin und finde es spannend, sie – teils in Rückblicken – auf ihrem Weg vom Kind bis zur Großmutter zu begleiten. Ihre Familie ist so unterschiedlich und interessant, dass wir LeserInnen ein vielschichtiges Gesellschaftsbild gezeichnet bekommen. Viele Themen des Alltags kommen zur Sprache und zeichnen diesen Roman aus... ich habe ihn gerne gelesen und mag ihn allen ans Herz legen, die gerne großartige Familiengeschichten lesen und auch bei mehr als einem Erzählstrang nicht den Überblick verlieren.

Veröffentlicht am 16.09.2019

Mut & Verzweiflung - ein starker Roman!

Das Versprechen des Bienenhüters
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„Ich fürchte mich vor den Augen meiner Frau. Sie sieht nicht heraus, und niemand kann durch sie hereinschauen. Sie sind wie Steine, graue Kiesel am Meeresufer. Seht sie euch an, denn ich befürchte, sie ...

„Ich fürchte mich vor den Augen meiner Frau. Sie sieht nicht heraus, und niemand kann durch sie hereinschauen. Sie sind wie Steine, graue Kiesel am Meeresufer. <...> Seht sie euch an, denn ich befürchte, sie verschwindet allmählich.“ (Auszug S. 7, Anfang)

Bedrückend und schier hoffnungslos beginnt der Roman rund um den syrischen Bienenhüter Nuri und seine Frau Afra, die im Krieg nicht nur ihren Sohn, sondern auch Freunde und ihr Zuhause verloren haben. Sie machen sich als Flüchtlinge auf den Weg und erreichen über die Türkei und Griechenland letztendlich Großbritannien, wo sie auf ihre Aufnahme als anerkannte Flüchtlinge in einer B&B-Pension warten.

Die Geschichte wird uns in zwei Ebenen erzählt: der aktuellen in England und der vergangenen in der Heimat und auf der Flucht. Diese beiden Erzählebenen werden ganz besonders verbunden: Die Kapitelüberschrift des Heimat-/Fluchtkapitels wird mit einem Wort als Überschrift eingeleitet, welches gleichzeitig das letzte Wort im England-Kapitel ist... so etwas lyrisch gekonntes habe ich bislang noch nicht gelesen. Es bringt einem einerseits beim Lesen zum Stocken, andererseits zeigt es die Verbindung von Alt und Neu – von Vergangenheit und Gegenwart.

Passend hierzu bekommen wir LeserInnen auch ein wunderschön und treffend gestaltetes Buchcover auf dem Schutzumschlag geschenkt: die Farben erinnern an Honig, die Waben an die Bienenstöcke Aleppos, die Zeichnung an das künstlerische „innere“ Auge Afras und der laufende Junge hat eine ganz besondere Bedeutung in den Träumen Nuris...

Der Roman lebt von kleinen Anektdoten wie z.B. der flügellosen Hummel, die der sensible Nuri rettet und die von einem Mitbewohner des B&Bs einen kleinen Blumengarten zum Überleben geschenkt bekommt. Verschiedene Nationen unter einem Dach halten zusammen... dazu im Gegensatz die Kriegszeit in Aleppos und besonders eindrücklich die Zeit in dem Flüchtlingslager in Griechenland, wie Hoffnung und Ausbeutung so nahe beinander liegen.

Ja, die Geschichte ist nicht einfach zu lesen; die Stimmung wirkt zumeist bedrückend, man sollte aber auch nicht die kleinen Hoffnungsschimmer beim Lesen außer Acht lassen. Gekonnt werden gute wie schlechte Zeiten ineinander verworben in einer starken Bildsprache, die der Thematik und vor allem der Lebensart Nuris und Afras angemessen ist. Hier auch ein großes Kompliment an die Übersetzerin Bettina Spangler, die diese schriftstellerische Leistung gekonnt in die deutsche Sprache übertragen hat.

Keine leichte Kost, aber ein Beispiel der Hoffnung und Sensibilität, die diesen Roman zu einem besonderen Lese-Highlight macht; gerade auch mit dem Hintergrundwissen, dass die Autorin zwei Jahre hintereinander die Sommermonate in einem Unicef-Geflüchtetenlager als Freiwillige hautnah das Leben in Athen miterlebt hat und dies wirklich eindrucksvoll in ihr Buch eingearbeitet hat – für mich mit der stärkste Teil des Romans.

Wer fernab von „Realitäts-“Journalismus einmal eine andere Seite syrischer Einwanderer lesen möchte, dem mag ich diesen Roman sehr ans Herz legen. Für mich ein Highlight im Bücher-Herbst.

Veröffentlicht am 12.09.2019

Schokolade und Zimt - die perfekte Mischung!

Schokolade aufs Brot
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Es gibt Romane, zu denen greift man aufgrund des Titels oder einen Schlüsselsworts - bei mir war dies das Wort „Schokolade“ im Buchtitel „Schokolade aufs Brot“. Und es gibt Romane, die mag man nicht mehr ...

Es gibt Romane, zu denen greift man aufgrund des Titels oder einen Schlüsselsworts - bei mir war dies das Wort „Schokolade“ im Buchtitel „Schokolade aufs Brot“. Und es gibt Romane, die mag man nicht mehr aus der Hand legen bzw. ist traurig, wenn die Geschichte zu Ende erzählt ist - und genauso erging es mir mit der Geschichte rund um die Kinderärztin Flora Sandig.

Flora Sandig ist Mutter zweier Kinder, frisch geschieden und mit Sack & Pack wieder im Elternhaus eingezogen. Sie ist behütet aufgewachsen, ihre Eltern erwarten von ihr die Übernahme der väterlichen Kinderarztpraxis und sie hat sich entgegen dieser Erwartungen eine Stelle in der nahegelegenen Klinik gesucht. Dort trifft sie (man nehme das bitte wörtlich +g+) auf einen attraktiven Kollegen und schon geht der scheinbar vorhersehbare Reigen los...

Nein, diese romantische Komödie macht es uns LeserInnen nicht so einfach! Natürlich ist der Hauptstrang vorhersehbar, aber die Geschichte lebt von kleinen und größeren Wirrungen, von einer ordentlichen Portion Humor und ganz viel Leben; es macht so viel Spaß, sich von dem lockeren Schreibstil der Autorin mitreißen zu lassen. Nicht kitschig, sondern humorvoll und manchmal auch so gut nachvollziehbar bekommen wir eine Geschichte rund um den Neuanfang und die Verarbeitung der Vergangenheit erzählt. Und bekommen Bilder in den Kopf gesetzt, die lange nachhallen...

„'Stehst du auf Zimt“' Sie fragte auf halber Höhe der Treppe, während sie Stufe für Stufe auf ihn zukam und das Pflaster auf die Schnittwunde klebte.

'Zimt?' Er sah zu ihr auf. 'Willst du mir auch davon noch eine Tüte über den Kopf schütten? Das ist Rotwein, kein Tequila.'“ (Auszug S. 199)

Schuld an dem Nachhall sind auch die wunderbaren Figuren, die den Roman tragen: sei es Floras Mutter, deren Anrufe mit „God save the Queen“ angekündigt werden oder Julians Schwester mit dem Herz auf der Zunge und noch viele mehr. Ja, ich habe mich sofort wohlgefühlt in Floras Welt und mir so manches Mal gewünscht, Julian (den attraktiven Kollegen) nicht nur „zu lesen“, sondern auch sehen zu können. Ich konnte das Jonglieren zwischen Muttersein, Pflichtbewußtsein am Arbeitsplatz und Frausein nachvollziehen und hätte Flora noch gerne länger in ihrem Leben begleitet... alles in allem ist dieser Roman daher einer der Überraschungen des Sommers, die ich aus einem Selfpublisher Verlag nicht erwartet hätte! Eine Leseempfehlung an alle, die sich gerne humorvoll unterhalten lassen möchten und das nicht nur oberflächlich – danke, Simona Pindeus, für diesen tollen Roman, dem hoffentlich noch viele folgen werden.

Veröffentlicht am 02.09.2019

Kein einfaches Arbeitsbuch, aber hilfreich!

Mama, nicht schreien!
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„Der Alltag ist voller Baustellen. Der Stress im Beruf, der Stress daheim, alle wollen etwas, und irgendwie reicht die Zeit nicht, um andere und auch noch uns selbst halbwegs glücklich zu machen.“ (Auszug ...

„Der Alltag ist voller Baustellen. Der Stress im Beruf, der Stress daheim, alle wollen etwas, und irgendwie reicht die Zeit nicht, um andere und auch noch uns selbst halbwegs glücklich zu machen.“ (Auszug S. 10, Mitte)

Wem kommt das bekannt vor? Also mir schon und als meine Tochter mit Händen an den Ohren vor mir stand und bat „Mama, bitte nicht schreien!“ war für mich klar: ich muss was ändern!

Als Empfehlung bekam ich den Buchtipp „Mama, nicht schreien!“ von Jeannine Mik und Sandra Teml-Jetter, welches mir wirklich geholfen hat, Wege aus den verzwickten Situationen zu finden, so dass ich es euch gerne näher vorstellen möchte:

Das Sachbuch ist ein Arbeitsbuch der Familienbloggerin Jeannine Mik (www.mini-and-me.com) und der Familienberaterin Sandra Teml-Jetter. Es ist ansprechend und vor allem übersichtlich aufgebaut: mit verschiedenen Farbgebungen in Rot und Schwarz, mit Listen, Übungen, Praxisbeispielen und anschaulichen Illustrationen lässt sich das Buch entweder in einem Rutsch oder (am besten beim zweiten Lesen) gezielt kapitelweise lesen.

Es erwartet uns weder der erhobene Zeigefinger, noch der weichgespülte „Kinder dürfen alles“-Jargon, sondern wir Eltern werden dort abgeholt, wo wir gerade zum Stehen gekommen sind und verständnisvoll aufgebaut. Reflektion heißt eines der Zauberworte ;) und sich selbst wichtig nehmen!

Nicht alle Übungen bzw. Ausführungen sind für jeden geeignet – das will das Buch auch gar nicht vermitteln, so habe ich den Eindruck, da auch die Beispielfamilien unterschiedlich gewählt sind. Für mich z.B. entsprach manche Aussage einfach nicht meiner Erfahrung und auch nicht meiner Erwartung an Familie bzw. meine Kinder und den Alltag, den wir leben. Aber doch merkte ich an mir selbst, dass ich in stressigen Situationen an das Buch bzw. einige Übungen dachte und diese anwendete... Grund dafür ist wohl auch der sinnvolle Aufbau des Ratgebers, der uns erst einmal Wut und die Situation, in der sie einem herausbricht, wie auch Erwartungen an das Gegenüber – sprich das Kind – analysiert... und dann vielseitige Lösungen findet, was mir eben praxisbezogen geholfen hat.

Kritisch anmerken möchte ich aber, dass sich alleine schon vom Titel her eher Mütter angesprochen fühlen, obwohl Väter ebenso in die „Wutfalle“ tappen. Und nicht jeder ist ein Jesper Juul-Fan bzw. überzeugt von der „beziehungsorientierten“ Elternschaft. Daher lohnt es sich, in der Buchhandlung vor dem Kauf einmal in das Buch reinzulesen ;) denn das Buch ist locker-erzählend geschrieben. Aber es ist anspruchsvoll! Es hat einerseits leicht verständliche „Marker“ an der Seite im roten Kasten wie z.B. „Das Ja zu jemand anderen darf kein Nein zu dir selbst bedeuten“, aber Lernkapitel wie „Lern dein Fenster kennen“ mit der Aufforderung, stressige Situationen niederzuschreiben oder Ausarbeitungen zu Allianzen wie der „kollusiven, kombativen oder kollaborativen Allianz“ sind schon recht anspruchsvoll und können abschreckend wirken.

Fazit: für mich eines der besten Ratgeber in der Elternzeit, welche ich immer wieder zur Hand nehmen werde. Ich habe es nicht in einem Rutsch durchgearbeitet, sondern mir die „Rosinen“ rausgepickt und kann diese Arbeitsweise auch nur empfehlen ;)

Veröffentlicht am 02.09.2019

Als Reihe wirklich lesenswert - als Einzelband eine Enttäuschung

Die kleine Straße der großen Herzen
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„Ein Freitag in der Valerie Lange, und doch war er kein Freitag wie jeder andere, denn eine dunkle Wolke hing über der Straße. Jeder sah sie, spürte sie, auch wenn noch nicht jeder von der traurigen Nachricht ...

„Ein Freitag in der Valerie Lange, und doch war er kein Freitag wie jeder andere, denn eine dunkle Wolke hing über der Straße. Jeder sah sie, spürte sie, auch wenn noch nicht jeder von der traurigen Nachricht erfahren hatte.“ (Auszug S. 68, 1. Absatz)

Da ist es also, das Ende der Valerie Lane bzw. der Buchreihe, die uns in den vergangenen Monaten so stimmungsvoll nach Oxford mitgenommen hat. Die Autorin Manuela Inusa hat uns in die geschichtsträchtige Valerie Lane – benannt nach der guten Seele Valerie Bonham, einer Ladenbesitzerin, die sich Anfang 1900 liebevoll um andere kümmerte – geführt, in der es insgesamt 6 Ladengeschäfte gibt: Ein Teegeschäft „Lauries Tea Corner“; einen Strickwarenladen „Susans Wool Paradise“; ein Süßwarengeschäft „Keira`s Chocolates“; einen Antiquitätenladen „Ruby`s Antiques“, einen Geschenkeladen „Orchid`s Gift Shop“ und einen Blumenladen „Emily`s Flowers“, der übrigens von dem einzigen männlichen Ladeninhaber in dieser Straße geführt wird.

Im letzten Band bekommen wir nun eine Art Zusammenfassung, aber auch eine individuelle Geschichte rund um Tobin in gewohnt lockerer Erzählweise, die sich sehr gut und flüssig lesen lässt. Aber dennoch fehlt auch in diesem Band etwas von der Tiefe, welche mich vor allem im ersten Band so gefesselt hat. Die Gestalten wirken eher blass und es macht Sinn, die vorherigen Bände gelesen zu haben, um sich auch von Band 6 fesseln zu lassen. Somit regt sich auch hier in mir der Wunsch, dass alle Bände in einem Sammelband zusammengefaßt mehr Sinn machen – gerade auch im Hinblick auf die Länge des letzten Bandes (nach 282 Seiten ist die Geschichte auserzählt; den Rest füllen wieder – zugegebenermaßen leckere – Rezepte und eine Leseprobe des nächsten Romans der Autorin).

Oh weh, vielleicht merkt ihr meine Zerrissenheit: einerseits finde ich die ganze Valerie-Lane wirklich zauberhaft und lesenswert; andererseits bin ich von einigen Bänden (wie auch dem aktuellen) enttäuscht und frage mich, warum man diese wunderbare Idee einer so stimmungsvollen Straße in Oxford mit seinen tollen Protagonisten in einzelne Bände zerrissen hat, was dem Ganzen meines Erachtens viel Charme nimmt. Nun, daher mein Tipp: nehmt euch alle Bände zur Hand und lest sie in einem Rutsch durch und vergesst auch nicht, die leckeren Rezepte nachzukochen!