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Veröffentlicht am 11.11.2019

Großartig! Packende und kurzweilige 700 Seiten...

Das Weingut. Tage des Schicksals
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Die deutsche Autorin Marie Lacrosse, welche so manchem Historienroman-Fan auch als Marita Spang (u.a. hat sie „Hexenliebe“ geschrieben) bekannt ist, hat uns nach dem großen Erfolg von Teil 1 „Das Weingut ...

Die deutsche Autorin Marie Lacrosse, welche so manchem Historienroman-Fan auch als Marita Spang (u.a. hat sie „Hexenliebe“ geschrieben) bekannt ist, hat uns nach dem großen Erfolg von Teil 1 „Das Weingut – In stürmischen Zeiten“ und Teil 2 „Das Weingut – Aufbruch in ein neues Leben“ nun den dritten Teil der Saga „Das Weingut – Tage des Schicksals“ geschenkt. Und ich meine wirklich „geschenkt“, denn obwohl ich die ersten beiden Bücher nicht kenne (was ich aber nachholen werde), ist für mich ihre letzte Neuerscheinung eines der großen Werke in 2019!

Die Autorin nimmt uns mit ins Elsaß des 19. Jahrhunderts. Sie zeichnet durch die Protagonistin Irene, welche es als ehemaliges Dienstmädchen und als alleinerziehende Fabrikarbeiterin durch ihre große Liebe und mit einer ordentlichen Portion Schicksal zur Gattin eines Weingut- und Weinhandelsbesitzers bringt, ein außerordentlich spannendes, wie leider auch wahres Bild der Gesellschaft um 1880. Mit Franz Gerban hat sie einen zumeist loyalen Ehemann an ihrer Seite, mit ihrer Schwiegermutter Pauline eine Verbündete, die so manches Mal die Wogen im Hause des Weinhändlers glättet. Als Gegenspieler finden wir Franz` Schwester Mathilde und ihre Verwandte Otilie, welche durch Intrigen der Geschichte zusätzlichen Zündstoff geben.

Aber nicht nur die Familiengeschichte hat mich gefesselt, sondern insbesondere die Staats- und Landesgeschichte dieser Zeit, welche die Autorin so geschickt in ihren Roman eingeflochten hat. Wie sie selbst zugibt, bedurfte es hierzu intensiver Recherchen, um Fiktion und Realität so gekonnt und lesenswert zusammenzubringen. Wir begleiten die Protagonisten in die ärmsten der Armenviertel, zu geheimen Sitzungen zur Veränderung der Gräben zwischen Arm & Reich bzw. Frau & Mann, wir nahmen an rauschen Festen und oberflächlichen Gesprächen des Adels teil und lauschten den taktischen Machenschaften der Abgeordneten im Reichstag. Wir lernten einiges über den Weinanbau und so manche Romangestalt wuchs mir ans Herz – wie z.B. die kleine Marie, welche von ihrem gewalttätigen Vater nach der Mutter Tod, vom Vater verschuldet, verschleppt wurde oder Hansi Krüger mit dem untrüglichen Sinn für den Weinanbau, der schlußendlich auch die gerechte Chance bekam, sich zu beweisen. Es sind nicht unbedingt die Hauptpersonen, die den Roman tragen. Es sind die vielen kleinen Geschichten, die gekonnt zu einem großen Werk zusammengefügt wurden.

Besonders gefällt mir auch das Tempo, mit welchem uns Marie Lacrosse durch die Geschichte führt. Mal verweilt sie lange auf einer Stelle und erzählt ausführlich eine Szene oder Gedanken, mal macht sie einen Zeitsprung, ohne dass man das Gefühl hat, etwas verpasst zu haben; denn sie packt die übersprungene Zeit einfach in einen kurzen Rückblick, der den eigentlichen Lesefluß aber überhaupt nicht stört. Das ist meines Erachtens wirkliche Schreibkunst, welche nicht viele heutige AutorInnen beherrschen.

Und so können auch über 700 Seiten wenig anstrengend, sondern kurzweilig sein. Zu keinem Zeitpunkt wurde ich zum Überfliegen des Textes angeregt, sondern es hat wirklich Freude gemacht, den ganzen Roman zu lesen. Dies bedeutete für mich mehrere Tage Lesegenuss ohne das Gefühl zu haben, das Ende endlich herbeisehnen zu wollen... im Gegenteil: ich würde mich freuen, wenn es irgendwann einen weiteren Teil der Weingut-Saga geben könnte mit der jungen Generation rund um Fränzel, Marie und Klara.

Veröffentlicht am 08.11.2019

Packender 2. Band, der gut ohne Band 1 gelesen werden kann

Die Schokoladenvilla – Goldene Jahre
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„Serafina steckte die Karte ein und schüttelte ungläubig den Kopf. Ausgerechnet hier in Stuttgart, weit weg vom ungestümen Berlin, traf sie an einem Schokoladenautomaten im Bahnhof auf ein Mitglied von ...

„Serafina steckte die Karte ein und schüttelte ungläubig den Kopf. Ausgerechnet hier in Stuttgart, weit weg vom ungestümen Berlin, traf sie an einem Schokoladenautomaten im Bahnhof auf ein Mitglied von Josephine Bakers Entourage. Manchmal hielt das Leben unerwartete Überraschungen bereit...“. (Auszug S. 13)


Willkommen in Stuttgart im Jahre 1926. Seit dem ersten (in sich abgeschlossenen) Band 1 der Trilogie rund um „Die Schokoladenvilla“ der Familie Rothmanns ist einige Zeit ins Land gegangen und viel hat sich verändert. Der 1. Weltkrieg ist überstanden, Victor und Judith haben zwei Kinder, Martin und Viktoria, Judiths Bruder Kurt ist in die Schokoladenfirma eingestiegen und sein Zwillingsbruder Anton hat sich mit einer Klaviermanufaktur selbständig gemacht.

Mit Serafina, der Halbschwester Victors, kommt nun eine weitere – bislang gänzlich unbekannte – Protagonistin ins Spiel. Teil 2 dreht sich vor allem um ihre Vergangenheit in Berlin und Gegenwart in Stuttgart. Die Vergangenheit gilt es aufzuarbeiten, die Gegenwart und Zukunft wird getragen durch das Zurechtfinden der jungen Frau in ihrer neuen Familie und die Entscheidung zwischen 2 Männern.

„Goldene Jahre“ ist ein erneut sehr unterhaltsamer Roman, der die unterschiedlichen Stimmungen dieser Jahre gut aufgreift: da ist etwas Verruchtes und im Gegensatz dazu das Fleißige, Strebsame. Wir werden Zeuge von haltlosem Vergnügen, aber auch dem Zusammenhalt Gleichgesinnter; alter Zorn kommt wieder auf, der in einem schrecklichen Ereignis mündet. Maria Nikolai schafft erneut mit ihrer packenden Schreibweise, dass ich mich beim Lesen in die jeweiligen Situationen hineinversetzt fühle. Bilder laufen wie ein Film vor dem inneren Auge ab – so manche Szene erinnert mich an Stummfilmzeiten, die ich sehr geliebt habe.

Aber der Roman ist nicht altbacken, sondern modern. Dies liegt insbesondere auch an der jungen Protagonistin Serafina sowie der jüngsten Tochter Viktoria nebst Freundin Mathilda, die frischen Wind in die Geschichte bringen. Der Roman kann daher für sich alleine gelesen und verstanden werden, da zwar Wichtiges aus Band 1 nochmals in Band 2 eingeflochten wurde, es aber mit jungen Romanfiguren weitergeht. Ich finde „Die Schokoladenvilla – Goldene Zeiten“ sehr gelungen und freue mich schon auf Band 3. Leider handelt die Leseprobe am Ende des Buchs nicht von diesem noch unveröffentlichen Teil, sondern wir bekommen einen Einblick in den ersten Band. Es sei außerdem anzumerken, dass der eigentliche Roman bereits auf S. 673 endet. Die restlichen rund 50 Seiten beinhalten Worterklärungen, Danksagungen und die vorgenannte Leseprobe...

Ein Wort noch zum Cover: dies hat einen wunderbaren Wiedererkennungswert. Die Villa im Hintergrund, die junge Frau mit dem hübschen Hütchen als wiederkehrendes Element im Vordergrund... ich bin wirklich sehr gespannt auf das Cover (und Buch) des dritten Teils!

Veröffentlicht am 06.11.2019

Zum Wegträumen und Entschleunigen...

Backen und Liebe
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Wer Stockholm besucht, kommt eigentlich an der Bäckerei „Fabrique“ nicht vorbei: handgemachte Brote aus dem Steinofen begrüßen einem mit einem unglaublichen Duft und die wahrscheinlich besten „Kardemummabullar“ ...

Wer Stockholm besucht, kommt eigentlich an der Bäckerei „Fabrique“ nicht vorbei: handgemachte Brote aus dem Steinofen begrüßen einem mit einem unglaublichen Duft und die wahrscheinlich besten „Kardemummabullar“ gibt es meines Erachtens dort auch

Nun gibt es eine gute Nachricht für alle, die diese leckeren Kardamomschnecken & Brote auch zu Hause genießen wollen: die Inhaber Lotta und David Zetterström haben in ihrem neusten Buch „Backen & Liebe) 27 der besten Lieblingsrezepte veröffentlicht!

Der Festeinband ist kein gewöhnliches Backbuch, denn es birgt eine Menge Geschichten wie „Löcher im Brot“, Briefe von Kunden und unglaublich viele Stimmungsfotos rund um die Menschen, die Bäckerei und ihre Leckereien... und alles beginnt mit einem stimmig gestalteten Buchcover, bei dem ich sofort neugierig wurde und zugegriffen habe.

Vorsicht:

Mal schnell nach einem Rezept suchen? Klappt nicht! Denn ich bin immer wieder bei den Fotos hängen geblieben und habe mir gerne dazu eine kleine „Kaffee-Auszeit“ genommen. Mal sollte somit nicht in Eile sein und „schnell“ etwas backen wollen... das funktioniert nicht ;)

Aber es lohnt sich, die Rezepte auszuprobieren – ich habe gerade ein Roggensauerteigbrot im Ofen... nein, einen Steinofen habe ich nicht, aber das Rezept dazu klappt auch im konventionellen Backofen.

Für mich ein besonderes Buch – ideal für leidenschaftliche BäckerInnen oder Stockholm- bzw. Londonfans (ja, Fabrique gibt es auch in der britischen Hauptstadt)... ein Buch zum Schmökern, Träumen und Entschleunigen, dessen Fotos so manches Mal Lust auf Brot & Gebäck und eine weitere Auszeit in Stockholm gemacht haben.

Veröffentlicht am 04.11.2019

Unterhaltsam und berührend...

Das Weihnachtswunder von Hope Street
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„Kann ein einziger Akt der Barmherzigkeit dein Leben verändern“ (Covertext)

Nun, wie es scheint – ja! Die Kolumnistin Ruth Ryans gehört zu den Berühmtheiten ihrer Stadt und ihre Ratschläge sind begehrt. ...

„Kann ein einziger Akt der Barmherzigkeit dein Leben verändern“ (Covertext)

Nun, wie es scheint – ja! Die Kolumnistin Ruth Ryans gehört zu den Berühmtheiten ihrer Stadt und ihre Ratschläge sind begehrt. Gerade zur Weihnachtszeit schreiben ihr viele Menschen, um sich einen Weg aus der Einsamkeit, Hilflosigkeit oder in Liebesdingen zu holen. All diesen Ratsuchenden hilft Ruth. Dabei hat sie selbst auch dringend Hilfe nötig, denn ihr Privatleben ist geprägt vom „Verlassen werden“; insbesondere der Tod ihre geliebten Vaters sitzt tief und laugt die junge Frau langsam aus.

Aber was wäre eine Weihnachtsgeschichte ohne Wunder mit Happy End?

Eine spontane Geste der Barmherzigkeit wird Ruths Leben verändern. Und das vieler Menschen gleich mit, da sich die Journalistin auf einen neuen Pfad der Hilfsbereitschaft begibt...

Mehr mag ich gar nicht verraten, denn der Roman wird durch die vielen kleinen und großen Geschichten getragen. Die Autorin nimmt sich viel Zeit für die einzelnen Schicksale, widmet ihnen eigene Kapitel, die zum Ende ein Ganzes ergeben. Dabei fehlt der „Kitsch der Weihnachtszeit“, den man so oft in Romanen zu dieser Jahreszeit liest... die Protagonisten wirken real und werden feinfühlig beschrieben, so dass man sich ihnen sofort nahe fühlt. Ich liebe diesen Schreibstil sehr!

„Ich habe keine Ahnung, woher mein neu entdeckter Mut kommt, so mit Margo zu sprechen. Aus irgendeinem Grund bin ich die einzige Autorin bei der Today, die ohne einen Termin zu Margo kommen kann, und hier bin ich nun und rede mit ihr, als wäre sie irgendeine Kollegin und nicht die Eigentümerin der Zeitung und des ganzen Verlagshauses.“ (Auszug S. 107)

Apropos Kitsch: ganz kann es der Verlag nun doch nicht lassen ;) Eine Prise Weihnachtskitsch findet sich auf der Coverseite wieder – der Schnee glitzert und das Cover hat Struktur. Wenn man das Buch ins Kerzenlicht hält, dann funkelt es ganz wunderbar!

Für mich gehört „Das Weihnachtswunder von Hope Street“ zu den Überraschungen der Weihnachtsromane, denn Ruths Geschichte ist unterhaltsam und berührt mich sehr. Sie ist unerwartet tiefgründig und doch leicht zu lesen. Sicherlich nicht das letzte Buch von Emma Heatherington, welches in meinem Bücherregal landet ;)

Veröffentlicht am 28.10.2019

Ein buntes Pottpouri an Geschichten rund um das kleine Hotel

Wild at Heart - Winterglück im Hotel der Herzen
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Wir sind wieder da! Im romantischen Cornwall, im romantischen Hotel der Herzen und das auch noch zur wunderschönen Weihnachtszeit!

Die deutsche Autorin Anne Sanders nimmt uns erneut mit zu Gretchen Wilde, ...

Wir sind wieder da! Im romantischen Cornwall, im romantischen Hotel der Herzen und das auch noch zur wunderschönen Weihnachtszeit!

Die deutsche Autorin Anne Sanders nimmt uns erneut mit zu Gretchen Wilde, ihrer Tochter Nettie und Schwiegervater Theo – und ganz vielen Menschen mehr, die dieses Mal quasi ein buntes Pottpouri an Geschichten wiedergeben. Es geht um die erste Teenagerliebe, um eine geheimnisvolle Schatzsuche, um einen animalischen Film, ein Filmpärchen auf Abwegen und noch vieles mehr...

Ja, es passiert wirklich viel im zweiten Roman rund um das Hotel auf Port Magdalen und manchmal muss man sich schon konzentrieren, damit man den Überblick behält. Aber es macht richtig Spaß, sich in die einzelnen kleinen Geschichten rund um die Liebe hereinzuversetzen – und das ist vor allem dem mitreißenden Schreibstil der Autorin zu verdanken. Sie schreibt so bildlich und ansprechend, dass sich vor meinem inneren Auge immer wieder die passenden Szenen entwickelt haben. Ich mag das sehr!

„Als Damien mit Saras Zelt den Weg zurück ins Hotel einschlug, war es dunkel geworden und die Sonne einem indigoblauen Himmel gewichen, gespickt mit Wolken und Sternen. In Brighton, dachte er, dort, wo er herkam, waren die Sterne nur selten so deutlich zu sehen wie hier draußen über dieser kleinen Insel, von der viel weniger Licht nach oben strahlte als in der Stadt.“ (Auszug S. 100)

Viele kleine Geschichten ergeben am Ende ein großartiges, wenn doch nicht „lautes“ Finale – vielleicht manchmal vorhersehbar, aber dennoch einfach schön

Wunderschön ist auch das Cover, welches mich alleine schon zum Zugreifen animiert hat. Und das sollte man auch tun – bzw. über das Buch drüberstreichen... ich mag diese Haptik, welche so perfekt zur Optik passt.

Für mich nicht die typische Weihnachtsgeschichte, auch wenn der Roman in der Winter- und Vorweihnachtszeit spielt. Aber gerade das macht das Buch meines Erachtens so sympatisch: Es ist ein Roman, den man zu jeder Jahreszeit lesen kann! Und das werde ich sicherlich noch mal tun; erst einmal „muss“ ich aber „Wild at Heart – Willkommen im Hotel der Herzen“ lesen , denn so schnell mag ich mich von der zauberhaften Familie Wilde gar nicht trennen...