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Veröffentlicht am 30.03.2020

Faszinierend! Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen...

Die Melodie der Schatten
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„Eine Melodie hatte von Fionas Körper Besitz ergriffen. Eine Melodie, eine tiefe, dröhnende Vibration, die ihr ganzes Wesen erschütterte, begleitet von einem stetigen Rhythmus, wie ein unruhiger, hastiger ...

„Eine Melodie hatte von Fionas Körper Besitz ergriffen. Eine Melodie, eine tiefe, dröhnende Vibration, die ihr ganzes Wesen erschütterte, begleitet von einem stetigen Rhythmus, wie ein unruhiger, hastiger Puls, ein heißer, hechelnder Atem.“ (Auszug S. 28)

Mit einem tragischen Unfall im Oktober 1837 beginnt ein spannender Roman rund um die junge Adlige Fiona, die Unterschlupf findet im HerrenhausThirstane Manor. Herr des Hauses ist Sir Aidan, der auf den ersten Blick ebenso unheimlich erscheint wie sein Anwesen. Dieser sinnt nach Rache und plant, Fiona als Druckmittel gegen ihren Vater, einen mächtigen Richter, zu verwenden...

Was nach einer romantischen Unterhaltungsliteratur klingt, ist der Beginn eines tiefgreifenden, gut recherchierten Historienromans, der mich von der ersten Seite an so gepackt hat, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, sondern in einem Rutsch durchgelesen habe.

Wir begleiten sowohl Fiona als auch Aidan im zweigeteilten Roman durch die ersten 9 Tage und lernen sie besser kennen. Fiona ist viel alleine, anfänglich eher zögerlich zurückhaltend und ihre Gedanken schweifen in ihre Kindheit ab, so dass wir die Geschichte der jungen Frau erleben. Über Aidan erfahren wir anfänglich eher wenig; nur erleben wir immer wieder seinen Zorn und seine innere Zerrissenheit, gegen dessen „schwarze Schatten“ er tags wie nachts ankämpft.

Die beiden Protagonisten bilden einen interessanten Gegensatz, der mich durch gut gewählte Worte, ein angepasstes Erzähltempo fasziniert. Beginnt die Geschichte anfangs langsam, gewinnt sie gerade dann im zweiten Teil des Romans deutlich an Fahrt – vergleichbar mit der Entwicklung Fionas zu einer aktiven jungen Frau und einem männlichen Protagonisten, der mehr und mehr aus sich herauskommt.

Auffallend sind hierbei die geschickt eingewobenen historischen Tatsachen, wobei so manches Detail mir gar nicht bekannt war. Diese machen die Geschichte aber „rund“ und heben sie meines Erachtens auf eine andere Ebene – Die Melodie der Schatten ist eben kein romantischer Liebesroman mit „kariertem Schottenrock“-Hintergrund, sondern ein Roman, der sich mit den Abgründen der sozialen Oberschicht beschäftigt und gleichzeitig viel Menschlichkeit aufzeigt.

Ich schätze dieses Buch wirklich sehr und – obwohl es bereits 2 Jahre im Buchhandel zu finden ist – möchte ich es jedem interessierten Leser ans Herz legen. Erwartet keine Liebesschmonzette! Lasst euch ein auf seelische und körperliche Schmerzen,verbunden mit Traditionen und Tatendrang. Ein Buch, welches ihr vermutlich dann auch nicht mehr aus der Hand legen könnt ;)

  • Cover
  • Erzählstil
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Veröffentlicht am 13.03.2020

Großartig! Berührend, romantisch und doch realitätsnah...

Zweimal im Leben
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„Er war die Liebe meines Lebens, bis ich alles zerstörte... Für immer und ein ganzes Leben werde ich dich lieben, auch wenn ich nicht bei dir sein kann...“ (Klappentext).

Dieses Roman-Erstlingswerk der ...

„Er war die Liebe meines Lebens, bis ich alles zerstörte... Für immer und ein ganzes Leben werde ich dich lieben, auch wenn ich nicht bei dir sein kann...“ (Klappentext).

Dieses Roman-Erstlingswerk der englischen Journalistin Clare Empson gehört zu den ganz wenigen Ausnahmen, bei denen ich keine Angaben zum Inhalt – außerhalb des Klappentextes – machen möchte, da jede Anmerkung (Spoiler) den Flair dieses besonderen Buchs zerstören würde.

Der Autorin ist ein Kunststück gelungen: 3 Zeitebenen, miteinander untrennbar verflochten und doch habe ich den Faden beim Lesen nicht verloren. Die Geschichte rund um Catherine und Lucian hat mich von der erste Zeile an gepackt und mitgenommen. Ich habe mich in die Protagonisten hinein versetzen können und mit geliebt und mit gelitten, was auch der wunderbaren Sprache bzw. gekonnten Übersetzung geschuldet ist. Viel Information wird in jeden Satz gepackt – es wird nicht „geschwafelt“. Und ganz viele Emotionen spiegelt das Geschriebene wieder – es kam sofort bei mir an und das wirklich bis zur letzten Zeile. Darf ich zugeben, dass ich Tränen in den Augen hatte?

Zum Inhalt (Klappentext):

Als Catherine damals als Studentin Lucian das erste Mal sah, war ihr gleich klar: das ist für immer. Er ist ihr Seelenverwandter, nichts wird sie auseinanderbringen. Doch dann geschah etwas, das alles änderte. Catherine verließ Lucian, heiratete jemand anderen, gründete eine Familie. Und trotzdem kann sie Lucian nicht vergessen. Als sie ihn 15 Jahre später wiedertrifft, ist alles wieder da, die Vertrautheit von damals, das Gefühl, endlich wieder ganz zu sein, sich selbst in dem anderen wiedergefunden zu haben. Aber manchmal kann man nicht mehr anfangen, wo man aufgehört hat. Und manchmal holt einen die Vergangenheit mit solcher Macht ein, dass sie droht, die Gegenwart zu zerstören und damit alles, was man liebt...“

Für mich ist „Zweimal im Leben“ ein großartiger und wirklich lesenswerter Roman voller Emotionen, der trotzdem gar nicht so weit entfernt ist von der Realität. Und der Roman ist ein Hingucker ;) Denn das Cover finde ich herausstehend in der heutigen Romanlandschaft... Danke für dieses schöne Buch!

  • Cover
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Veröffentlicht am 09.03.2020

Packend und lesenswert!

Die Insel der Leuchttürme
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Komm, wir begleiten Charlotte auf die Baleareninsel Formentera! Lasst uns den Roman am Strand oder in einen der Hippiekneipen lesen... denn dort gehört er hin

Lily Graham ist eine wunderbare, tiefgründige ...

Komm, wir begleiten Charlotte auf die Baleareninsel Formentera! Lasst uns den Roman am Strand oder in einen der Hippiekneipen lesen... denn dort gehört er hin

Lily Graham ist eine wunderbare, tiefgründige und zugleich unterhaltsame Geschichte gelungen, die von Charlotte handelt, welche ihren Mann verloren hat. In der Trauerphase, welche die Mutter einer erwachsenen Tochter scheinbar kraftlos über sich ergehen lässt, bekommt sie einen Brief von ihrem verstorbenen Mann mit der Mitteilung, er habe ihr ein wunderschönes altes Haus auf Formentera gekauft.

Nach und nach löst sich die Trauer auf bzw. bietet Raum für eine Generationengeschichte, in welche nicht nur Charlottes Familie verwickelt ist. Nein, auch alte Traditionen und die Geschichte der kleinen, charmanten Hippie-Baleareninsel bekommen wir gut recherchiert zu lesen... und ich muss sagen, mich hat das Geheimnis rund um zwei Schwestern von Anfang an gepackt!

Gekonnt verbindet die englische Autorin Realität und Fiktion, Vergangenheit und Gegenwart, Ernsthaftigkeit und Humor.

Sicherlich auch aufgrund der treffenden Übersetzung von Ute Brammertz konnte mich die jeweilige Stimmung gut erreichen und ich fühlte mich in beiden Zeitebenen sofort mitgenommen. Trotz der thematischen Schwere gab es auch immer wieder humorvolle Momente, die zum Schmunzeln einluden:

„Als er einen hörbaren Seufzer der Erleichterung ausstieß, verengte sie die Augen, warf sich dann das Haar über die Schultern und pfiff nach ihrem Hund... (…) Er hatte immerhin den Anstand, ein wenig peinlich berührt zu wirken, und setzte zu einer Entschuldigung an, doch Esperanza blieb nicht, um sie sich anzuhören. Sie war sich ihrer eigenen Schönheit bewußt - (…) - trotzdem, fand sie, brauchte er nicht derart erleichtert auszusehen. Es gab doch gewiss Schlimmeres auf der Welt als die Vorstellung, sie zu heiraten?“ (Auszug S. 177/178)

Ja, stimmungsgeladen empfand ich den Roman – mal durch die Beschreibung des Hauses Marisal oder das kleine Städtchen La Savina (übrigens real mit den beiden Leuchttürmen, von denen wir einen auf dem Buchcover wiederfinden) – mal durch Briefe, Bilder oder alte Erzählungen u.a. von Maria. Zu gerne hätte ich noch weiter auf Formentera mit Charlotte verweilt... leider hat aber jedes Buch einmal ein Ende. Mit dem Gedanken „wundervoll“ habe ich die letzte Seite geschlossen und mir noch einmal ausgiebig das treffend gestaltete Buchcover angeschaut. Wobei ich mich immer noch frage, warum man den Titel mit den Leuchttürmen gewählt hat, wenn diese zwar mit der Insel an sich, aber wenig mit dem Roman zu tun haben?

Nun, ich hätte sicherlich aufgrund des Covers in der Buchhandlung zu dem Roman gegriffen; hätte aber bestimmt wegen der Buchbeschreibung einen anderen Inhalt erwartet. Letztendlich hat mich „Die Insel der Leuchttürme“ mit Tiefgründigkeit und Humor absolut überzeugt!

  • Cover
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Veröffentlicht am 03.03.2020

Großartiger Auftakt der Trilogie!

Die Farben der Schönheit - Sophias Hoffnung
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„An diesem Montag begleitete mich das Zwitschern der Vögel zur Fabrik. In der Stadt selbst hörte man sie nicht, aber hier konnten sie sich die Stimmen aus den kleinen Kehlen singen. Die Töne waren wie ...

„An diesem Montag begleitete mich das Zwitschern der Vögel zur Fabrik. In der Stadt selbst hörte man sie nicht, aber hier konnten sie sich die Stimmen aus den kleinen Kehlen singen. Die Töne waren wie ein Mantel, der mich wohlig einhüllte.“ (Auszug S. 397)

Die Töne wie ein Mantel – das Geschriebene mitreißend wie ein Bestseller! Soeben habe ich Teil 1 der neuen Trilogie der deutschen Autorin Corina Bomann beendet und mein erster Gedanke war „großartig“!

Wir begleiten die junge Protagonistin Sophia von Deutschland über Paris nach New York. Sie erlebt viel in den 3 Jahren ihrer Reise: Gleich zu Anfang der Geschichte wird die junge Studentin von ihren Eltern verstoßen und begleitet ihre beste Freundin nach einiger Zeit der Verzweiflung nach Paris. Nach einem dramatischen Ereignis besinnt sie sich auf ihre Leidenschaft zur Chemie und mit Beharrlichkeit ist dies ihr Türöffner zu einer neuen beruflichen Karriere – in den USA.

Diese Abfolge klingt pragmatisch, ist aber gefüllt mit sehr viel Emotionen, Leidenschaft, Schicksal und einer gehörigen Portion Glück. Durch die bildhafte Erzählsprache der Autorin fühlte ich mich beim Lesen immer dabei; die beschriebenen Situationen erlebte ich quasi mit, was mich aber so manches Mal auch dazu verleiten ließ, Sophia einen guten Ratschlag geben zu wollen (z.B. bei der Kleiderwahl, als sie eine Einladung zu einer Party in der gehobenen Gesellschaft bekam ;)).

Über 500 Seiten flogen nur so dahin – mal in einem rasanten Tempo, mal ließ sich die Autorin etwas mehr Zeit in einer Situation. Ich mag diese Tempiwechsel sehr und für mich stellen sie u.a. ein Gradmesser für das Können einer Autorin dar.

Auch die gekonnte Verbindung von gut recherchierten Tatsachen und einer gehörigen Portion Fantasie macht den Roman modern und lesenswert.

Ja, erneut – nach der Trilogie „Die Frauen vom Löwenhof“ - hat mich Corinna Bomann begeistert und ich fiebere Teil 2 ungeduldig entgegen.

Übrigens scheinen Frauen, die in den Buchhintergrund schauen, ein Erkennungsmerkmal für die Bücher der Autorin zu sein ;) Schon die starken Frauen des Löwenhofs schauten von uns weg... wobei ich die diesmal ausgewählte Lady nicht unbedingt passend finde (ein grünes Kleid und eine Brille wären vermutlich treffender...). Aber der Inhalt zählt, und den kann ich Fans von starken Frauengeschichten absolut ans Herz legen.

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Veröffentlicht am 28.02.2020

Eine wunderbare Liebesgeschichte zweier Frauen - gekonnt in Szene gesetzt

Die Spur des Medaillons
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Die junge Nina stellt in ihrem Geschäft in Berlin-Mitte besondere Schmuckstücke her, die auf die zukünftigen Besitzerinnen quasi perfekt zugeschnitten sind. Ein außergewöhnliches Medaillon allerdings schlummert ...

Die junge Nina stellt in ihrem Geschäft in Berlin-Mitte besondere Schmuckstücke her, die auf die zukünftigen Besitzerinnen quasi perfekt zugeschnitten sind. Ein außergewöhnliches Medaillon allerdings schlummert fast vergessen in dem Tresor ihres Ladens: das Medaillon ihrer russischen Großmutter Natascha mit dem Bildnis eines unbekannten Mannes. Als eines Tages der Amerikaner Benjamin mit dem gleichen antiken Stück – allerdings mit dem Bild ihrer Großmutter darin - in ihren Laden kommt, fängt Nina an, nach der Geschichte der beiden Medaillons zu forschen.

Und heraus kommt eine wunderbare Geschichte auf 2 Zeitebenen, die mich nicht nur aufgrund der gut und flüssig lesbaren Sprache von Anfang an gefesselt hat. Die Autorin schafft es, sowohl die Geschichte von Großmutter Natascha zur Zeit der Russischen Revolution bis hin zu den Dreißigern in Paris im Wechsel mit der aktuellen Geschichte rund um Nina und Benjamin zu erzählen, ohne Verwirrung zu stiften. Manchmal war ich das ein oder andere Mal wohl versucht, das aktuelle zu überblättern, weil mich die „alte“ Geschichte mehr gepackt hat, was aber sicherlich an der Zeit, in der diese Geschichte spielt, und der Vielfalt der Themen, die angesprochen werden, liegt. Aber es machte auch Freude, das moderne Drama rund um die junge Berlinerin und den Amerikaner zu lesen.

Geschickt baut Tania Schlie Bilder vor meinem inneren Auge auf, die mich quasi in die Story reinziehen:

„Die Fahrt mit der U-Bahn war nicht dazu angetan, ihre Melancholie zu vertreiben. Das warme Sommerwetter war endgültig vorbei, es hatte zu regnen begonnen, man sah die ersten Jacken und festen Schuhe. Die Berliner waren schlecht gelaunt, weil die Zeit der milden Nächte und Wochenenden im Freien bis zum nächsten Jahr vorüber war. Um Nina herum saßen missmutige Menschen, die verbittert die Tropfen aus ihren Regenschirmen schüttelten.“ (Auszug S. 256)

So manche Thematik scheint heute noch aktuell wie z.B. die starke Frau, welche sich im Laufe der Jahre und durch verschiedene Bekanntschaften emanzipiert und ihr Schicksal in die Hand nimmt, während die Männer in der Flüchtlingskrise an alten Werten festhalten und über das Vergangene debattieren... Ja, ich muss sagen, mich hat der Roman wirklich begeistert!

Übrigens: die Lösung des Rätsels rund um die beiden Medaillons findet man erst ganz zum Schluß und es mag kein Spoiler sein, wenn verraten wird – es ist eine wirkliche Überraschung ;)

Alles in allem eine wunderschöne Liebesgeschichte zweier Frauen in zwei Zeitebenen, die von Tania Schlie gekonnt in Szene gesetzt wurde und mich sehr gut unterhalten hat.

Nur das Cover finde ich austauschbar und daher wenig gelungen – zur Zeit findet man viele Cover mit „junger Frau schaut in Bildhintergrund“ in den Buchhandlungen... daher hätte ich wohl aufgrund des Bildes nicht zum Buch gegriffen, was aber schade gewesen wäre, denn dann wäre mir dieser wunderbare Roman entgangen...

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